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    So weit ich das in Erinnerung habe, wurden die Abstandsflächen im Bereich der Möckernstraße (mal als Trassenvorhaltungen für die BABs gedacht) ursprünglich vom Stimmannschen Planwerk Innenstadt zur Verdichtung (sprich: Veräußerung landeseigener Baugrundstücke) vorgesehen. Jedoch regte sich damals im Bezirk dagegen Widerstand (Kreuzberg und Grünflächen egal welcher Qualität, mehr muss wohl zur Begründung nicht gesagt werden ;)).

    Sorry, Mißverständnis. Ich bin davon ausgegangen, dass der lokale Bezug in der Aussage erkenntlich ist (dass woanders Mansarddächer durchaus gängig waren, hatte ich als bekannt vorausgesetzt ;)).


    'Meinst du das ernst' war vielleicht unglücklich formuliert, da gebe ich Dir recht. Das entsprang vermutlich meiner Beobachtung, dass manche Leute ausdrücklich auf klassische Stilelemente Wert legen, die m. E. gar nicht unbedingt notwendig sind, um einem Gebäude die gewollte Anmut zu verleihen (m. E. ist da gerade das Satteldach ein Paradebeispiel) - wie eben auch umgekehrt ein neuzeitlicher EFH-Wohnpark keine historische Aura besitzt, obwohl dort sehr häufig ziegelgedeckte Steildächer und (künstliche, funktionslose) Pfosten und Kämpfer in den Fenstern zum Einsatz kommen.


    Ein "großer Teil" ist das sicher, der heute über die genannten Elemente verfügt. Du solltst aber bedenken, dass das in vielen Fällen Bauten aus der Zeit nach 1890/1900 sind (unterm Strich also doch die Minderheit) und dass kein einziger mehr über seine Originale Deckung verfügen dürfte. Damals waren bei Steildächern Schiefer oder entsprechend imitierende Papp-Schindeln en vogue (bzw. kamen die genannten Pultdächer etc. zum Einsatz). Die 'offiziellen Bauten' die du meinst (vermutlich Rathäuser oder Schulen) sind in Berlin oft relativ jung (meist deutlich nach 1900 errichtet und verfügten im Originalzustand nicht selten über aufwändige Deckungen aus Ziegeln, die heute kein Mensch mehr bezahlen will (leider!). Die Bauten dieser Ära sind aber nicht sonderlich hoch angesehen unter den Historikern (was ich bedingt nachvollziehen kann, da hier der schöne Schein kontra die innere Organisation und die banale Konstruktion so sehr voneinander entfernt waren wie nie zuvor und nie wieder danach und vermutlich, da eine stilistische Kategorisierung - und damit Imitation - aufgrund des Wildwuches jene Zeit sehr kompliziert ist). Ausserdem sind sie für die historische Mitte sehr untypisch. Die wurde schon etwas eher zugebaut.


    Zum Grund für die Ablehnung dieser Deckung in der angedachten Satzung: ich hoffe, die geht jetzt aus meinen Ausführungen (auch denen an Andi) hervor. Mit Nazis hat das wohl ausnahmsweise mal nichts zu tun ;).


    paderwan,

    sieh' die Assoziation 'Ziegel = minderwertig' mal ausnahmsweise nicht von der realistischen Seite, sondern von der regionalen kulturhistorischen Bedeutung :). Dass das in Italien, im barocken Dresden oder im Berlin der Jahrhundertwende seinerzeit anders war, bleibt davon unberührt (genau so wie die Frage, was man davon hält).

    Ob die Festsetzung der Dachneigung überhaupt kommt, bleibt - genau wie die ganze Satzung - abzuwarten. Wer weiß schon, ob nicht vielleicht die imaginäre Linie, die durch die Kanten der Staffelgeschosse gebildet wird, als Dachneigung interpretiert wird, oder ob das die Bauherren dazu animieren soll, m. E. zweifelhafte Lösungen à la "Domaquaree" oder P&C am Tauentzien zu ersinnen?

    Übrigens wird ja Paris gemeinhin als besonders attraktiv eingeschätzt. Dabei ist das eine wahre Staffelgeschoss-Hochburg - auch bei traditionellen Bauten. Kann mir mal jemand erklären, warum das einmal Top und einmal Flop ist? Ich meine die Frage ernst!

    Edit (mal vorweg): Chew, schade, dass ich Deinen aufmunternden Beitrag nicht vorab lesen konnte. Vermutlich hätte das meinen Blutdruck deutlich gesenkt! Trotzdem danke! Erbse, entsprechend deines letzten Beitrages gehört jetzt sicher einiges im folgenden Text relativiert. Mache ich vielleicht morgen. Zum 'bevormundenden Unterton': schau' mal genau hin, mit wem ich mich hier weshalb anlege!


    EDIT (2): eigentlichen Text gelöscht

    Klar, Du hast recht. Gegenüber früher hat sich bei Dachpfannen eine Menge getan (vor allem wegen der Glasierungsverfahren). Trotzdem sind selbst viele bessere Ziegel von heute nach grob 20 bis 30 Jahren mindestens optisch 'fertig' (wenn sie nicht gerade an bevorzugter Stelle an der Remise auf dem Hof o. ä. verwendet wurden und dort keine Vegetation war). Sofern man dann nicht auf eine finanziell potente und wohlwollende Mieter/Eigentümer-Kombination trifft, muss man das versiffte Dach dann noch so lange ertragen, bis es auch physisch durch ist.

    Ein Großteil der 'Berliner Baukultur' bezieht sich nunmal auf den Klassizismus Schinkelscher Prägung bzw. auf die Architektur des Berliner Stadtschlosses (das der Mehrheit der Gründerzeitbauten als Vorlage diente, bis der wilhelministische Eklektizismus anfing, sich seine Vorbilder wahllos zusammenzuklauben). In dieser Ära galten Ziegeldächer als ärmlich. Sie waren den erbärmlichen Laubengang-Häusern im alten Berlin (die man nach 1860 sukzessive durch 'moderne' Gründerzeitler ersetzte) und den einfachen Leuten auf dem Land vorbehalten. Eine barocke Tradition mit Walmdächern und Gauben hat es hier nie gegeben. Dass die damalige Teerpappen-Deckung der Pultdächer nicht unbedingt besser war, steht auf einem anderen Blatt.

    Über Geschmacksfragen braucht man ja nicht streiten. Wenn Dir rote Ziegel gefallen, bitte :). Ich persönlich empfinde Attiken vor flach geneigten Dächern, Kranzgesimse über Mezzaninen oder aufwändige Klempnereien im städtischen Kontext als weitaus eleganter und daher angemessener. Für mich ist das ziegelgedeckte Satteldach so eine Art überschätztes Universaldetail, um den Fuß irgendwie in die Tür zum Vertrauten zu bekommen.

    Ganz unabhängig von historischen oder ästhetischen Erwägungen werden auffällige Dachwinkel natürlich auch kaum nachgefragt. Was früher in bestimmten Regionen einfach notwendig war, um ein Dach dauerhaft und bezahlbar dicht zu bekommen und die obersten Stockwerke annehmbar zu dämmen, lässt sich heute mit schlankeren Mitteln mindestens ebenso effizient erreichen. Die Dachschräge samt offener Balken war eine Mode der späten 70er bis 90er Jahre, die sich heute nur noch schlecht vermarkten lässt und Bauherren wie Mietern kaum verwertbare Restflächen beschert. Warum einen aufwändigen und wartungsintensiven Dachstuhl konstruieren, wenn man auch drei Staffelgeschosse mit besserem Kosten/Nutzen-Verhältnis errichten kann? Jede Wette, das hätten auch schon die Altvorderen so gemacht, wenn sie gekonnt hätten (wie man teils in anderen Regionen der Welt mit differierenden klimatischen Bedingungen besichtigen kann). Selbst bei EFHs geht der Trend derzeit weg vom 'klassischen' Anderthalbgeschosser. Immer mehr Gemeinden weisen Bauland für eine zweigeschossige Bebauung aus. (wobei das m. E. auch eine Sackgasse ist, die Zukunft des EFHs gehört dem eingeschossigen Bungalow-Typ; aber das ist ein anderes Thema).

    Ben, ich sehe hier keinen Bezug zum Ort. Weder der, vom einstigen barocken Zustand inspirierte, Dresdener Neumarkt, noch die vielen Wiki-Beispiele haben irgend etwas mit den Linden oder mit städtischen Berliner Traditionen zu tun. Selbst in der recht kurzen Walmdach+Ziergiebel-Ära der ausklingenden Gründerjahre waren rote Ziegel eher die Ausnahme. Diese Deckung, am besten auch noch sichtbar, war lange Zeit das billigst Mögliche (schon von der Farbe her). Nicht zufällig war sie gerade bei den einfachsten Wohnbauten der NS-Zeit und im Nachkriegsdeutschland so populär. Es hat schon seinen Grund, weshalb die angedachte Gestaltungssatzung für die historiche Mitte Berlins diese Variante explizit ablehnt. Nix historisch, nix wertig, nix praktisch oder langlebig. Auch wenn der rote Dachziegel nicht dem Kanon der Moderne entstammt, damit Tradition vortäuschen zu wollen, muss nach hinten losgehen.

    Nach meiner Kenntnis gehören die meisten der aufgezählten Grundstücke, die hier mitten in der City im Dornrößchenschlaf schlummern, bei denen es noch nie eine veröffentlichte Planung gab und die im Planwerk Innenstadt und in Senatspublikationen stets unauffällig ausgeklammert werden, dem Bund bzw. den Ländern. Die lassen sich eben weder vom Senat in die Karten gucken, geschweige denn irgendwelche Leitbilder befehligen und sind gegenüber der Lokalpresse nicht sonderlich redselig. Da geht es, wenn überhaupt, eher um langfristige Vorhaltungen (bestes Beispiel: das Eckgrundstück ggü. dem Finanzministerium, das völlig ineffektiv als dessen Parkplatz dient).

    Roter Backstein gerne (wo's passt). Aber rote Ziegel am Mansarddach? Meinst Du das ernst? M. E. ist das weder klassisch (kam historisch so kaum vor) noch 'innovativ', nicht besonders dauerhaft (selbst glasierte Ziegel werden je nach Ausrichtung relativ schnell unansehnlich) und auch nicht originell (in den 80ern während des Dachausbau-Hypes kurz bei städtischen Häusern in Mode und heute noch vereinzelt der Traum von Häuslebauern).

    Wißt Ihr was? Mit Eurer einfältigen Schwarzweißmalerei kotzt ihr mich echt an! Ich habe diese Architektur nie mit irgend einem Wort verdammt! Ich versuche hier lediglich anhand von historischen Fakten(!) zu vermitteln, weshalb dieses und jenes mal so und dann wieder anders lief. Darin kommt überhaupt keine Wertung der Architektur vor! Nur weil ich so manche unbedarfte Meinungsäußerung nicht unterschreiben kann und mein gestalterisches Empfinden mglw. etwas flexibler reagiert als das einiger Betonköpfe mit ihren vorgefertigten Stereotypen, heißt das noch lange nicht, dass ich stets genau das Gegenteil von dem toll finde, was gewöhnlich als attaktiv erachtet wird. Das wäre doch wirklich Kinderkacke auf dem Niveau von 'Wer mich nicht leiden kann ist selber doof'. Wie wollt Ihr denn mit dieser undifferenzierten, realitätsfernen Sichtweise praktischen Einfluss auf Eure gebaute Umwelt ausüben?

    So, das war jetzt stellvertretend die Reaktion auf zwei sehr ähnliche Beiträge und auf zwei Pünktchenkommentare von heute, in denen irgend welche beleidigten glauben, mangelnde Inhalte mit Frustreaktionen ausgleichen zu können.

    Dein Beitrag beschreibt wunderbar den Zeitgeist. Du gehst anscheinend davon aus, dass ein Gebäude vor allem deshalb errichtet wird, um einem Nicht-Fachpublikum zu gefallen. Da liegt aber schon der Irrtum! In erster Linie muss ein Haus für den Eigentümer/Nutzer seinen Zweck erfüllen (inkl. der Wirtschaftlichkeit) und sich in der Planung und Ausführung an geltendes Recht halten (was in der Praxis gefühlte 3000 Verordnungen und Gesetze sind).

    Selbstverständlich kann Dir niemand das Recht nehmen, über ein Bauwerk zu urteilen (wobei 'fehl am Platze' schon grenzwertig ist). Daraus leitet sich aber noch lange kein Mitspracherecht ab, was über die Erlangung oder Wahrung konkreter persönlicher Bedürfnisse hinaus geht.

    Du solltest vielleicht mal in Dich gehen und Dich fragen, in wie weit Dein persönliches Geschmacksempfinden objektiv und autark entstanden ist. Es gibt genügend Belege dafür, dass dessen Entstehung sehr subjektiv vonstatten geht und eng an die Erfahrungswelt und den allgemeinen Wertekonsens gekoppelt ist. Oder anders, bei jemandem mit nur gering ausgeprägtem Willen zur Auseinandersetzung wird stets das Bekannte den Vorzug erlangen.

    Deine Betrachtungen zum Thema Lebensgefühl sind recht weit hergeholt. Du persönlich empfindest moderne Bauten schädlich für das Stadtbild und die Bewohner (ich in einigen Fällen auch, aber gewiss nicht aus den gleichen radikalen Gründen). Als diese Bauten neu waren, haben sie jedoch einen Bedarf gedeckt und waren je nach Zeitraum teils sogar sehr positiv besetzt. Frage einfach mal ein paar unvoreingenommene ältere Menschen, schaue Dir alte Filme an oder belese Dich dazu. Es gibt kein über alle Zeiten währendes konsistentes Geschmacksempfinden! Was Du hier an Meinungen präsentierst, ist im Wesentlichen die Sicht eines Unzufriedenen zu Beginn des 21. Jahrhunderts, der sich nach Orientierung sehnt und per Stadtplanung und Architektur Probleme lösen will, die vermutlich vorrangig persönlicher oder gesellschaftlicher Natur sind - genau der Zeitgeist einer satten Gesellschaft, die keine wirklichen Probleme mehr kennt und in der sich mangels Grenzen jeder zu allem berufen fühlt.

    Zum 'Bauen für die Ewigkeit' wurde hier schon genug geschrieben. Nur kurz: dieser Eindruck trügt. Du lässt Dich hier (wie viele andere auch) von Deinen persönlichen Schlüssen leiten, die Du sicher aus einer Mischung Deines Wertekanons und der damals technisch bedingten 'Massivität' ziehst. Zumindest für die Protzkisten der Gründerzeit galten recht klar definierte Erhaltungszeiträume. Für die Wirtschaftlichkeitsberechnung waren diese essentiell. Was glaubst Du, weshalb man die meisten Häuser damals mit Ziegeln deckte (statt mit Blech), mit Holzbalkendecken versah (statt sie als Kappen zu mauern) und in manchen Gegenden vornehmlich billigen Gipsstuck verwendete, der nicht einmal ein paar Jahre unbeschadet überstand? Weiteres dazu findest Du hier per Suche oder im Buchhandel.


    Zur Klarstellung: ich will hier keine Lanze für die Moderne und die von ihr mitinitiierten Fehlentwicklungen brechen. Ich will nur den Unfug entkräften, der hier manchmal wie selbstverständlich vorgetragen wird.


    Und zur 'Selbstverliebtheit': ich zähle Fakten auf und rede so gut wie gar nicht über meine persönlichen Vorlieben! 'Selbstverliebt' sind hier ofenkundig eher jene, die ihre ureigenen Meinungen an der realität vorbei als unumstößliche Tatsachen präsentieren wollen.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Hier im Forum gibt's auch Mitglieder, die deutschen Gründerzeitlern nicht hinterherweinen und begründen das mit den damals schlechten Lebensbedingungen in ihnen. [/SIZE]



    Ich will das mal kurz kommentieren (auch wenn es OT³ ist), da ich denke, ich bin wohlmöglich einer der Urheber dieser angeblichen Aussage. Aber so war das von mir (und wohl auch von anderen) nie zu verstehen gewesen! Wenn ich die damaligen Entstehungs- oder Lebensbedingungen kritisiert habe, dann ausschließlich deshalb, um den Romantikern der Früher-war-eh-alles-besser-Fraktion den Wind aus ihren Panoramapostkarten-Segeln zu nehmen und um u. a. damit zu beantworten, weshalb dieses Modell nicht auf die heutige Zeit übertragbar ist und sich im weiteren Verlauf andere Formen herausgebildet haben (eben nicht nur der abwechselnd mal unfahige, dann wieder egozentrische Architekt der Böse war). Selbstverständlich hat im Zuge der Erkenntnisse aus späterern Entwicklungen, wegen geänderter Nutzungsbedingungen, der heutigen Konservierungsmöglichkeiten etc. eine Neubewertung stattgefunden, die auch die meisten Gründerzeitler wertvoll macht. Nur ist deshalb sicher nicht alles, was alt ist, gut und erhaltenswert (Womit ich wieder bei China bin).

    Ich sehe auch signifikante Unterschiede zwischen den gezeigten Altstädten Singapurs und denen Shanghais. Was sich bei Erstgenanntem noch als stilistisch kohärentes Bild mit eindeutiger Zuordnungsmöglichkeit präsentiert, verkommt in der chinesischen Version zu einer Art Slum. Im Gegensatz zu rec sehe ich auf den ersten zehn Bildern (um die es ja hier geht, danach beginnen schon andere Viertel) keinen erhaltenswerten Bautypus mit einer dedizierten Aussage bez. der Kultur und spezifischer Lebensgewohnheiten, die über 'verfallene Bretterbude = arm' hinaus geht. Wo sind dort die regionalen Elemente zwischen den verputzten Wänden, den Bretterverschlägen und den Tonziegel-gedeckten Satteldächern versteckt? Jede Wette, wenn diese Häuser saniert würden und man die Personen und ihre Gerätschaften wegretuschierte, niemand würde erraten, wo er sich gerade befindet. Die Atmosphäre entsteht hier m. E. einzig aus dem Verfallszustand und dem Treiben der Bewohner. Es würde auch kein Mensch auf den Gedanken kommen, Favelas oder die alten Townships als baugeschichtlich erhaltenswert zu bewerten, sofern es über eine museale Nutzung hinaus geht.

    Dann oute ich mich auch mal ;): Nach meinem Geschmack gehört der Entwurf mit zum besten, was in den letzten Jahren in Berlin zentral errichtet wurde. Besonders mag ich auch den 'unspektakulären' rötlichen Klinkerfarbton, der nicht zu stark geflammt ist. Ich hätte mir allenfalls noch gewünscht, dass die jeweiligen Abschlüsse stärker betont worden wären. Einfach so die Brüstungsfelder als Dachabschluss duplizieren und die Pilaster ans Gesims stoßen lassen? Ich weiß nicht, da fehlt mir irgendwie das i-Tüpfelchen. Aber das soll keine überzogen wirkende Kritik sein. Es gibt wahrlich Schlimmeres!

    Im Untergeschoss? Hast Du da schon mal an einer Kellerführung teilgenommen? ;)

    Aber Du hast recht. Es ist keine "Platte". Dieser Gißke-Entwurf wurde in knapp 40 Monaten Bauzeit von Kajima und SIAB errichtet. Eine "Platte" hätte irgend ein DDR-Kombinat sicher in einem Viertel der Zeit hochgezogen ( die Großplattenbauweise war in der DDR auch lange Zeit dem Wohnungsbau vorbehalten; erst ab Mitte der Achtziger wurden auch andere Funktionsbauten mehr und mehr derart ausgeführt). Übrigens, der westlich Unter den Linden angrenzende Skelettbau mit der ursprünglich weiss-blauen-Rasterfassade (inzwischen überarbeitet) zog sich ursprünglich bis zur Ecke Friedrichstraße. Dessen Vorhangelemente wurden einfach entfernt und das übrig gebliebene Skelett dem Rohbau des 'Grand Hotels' zugeschlagen.

    Und noch etwas mglw. Interessantes: vor dem Hotelbau befand sich an der Stelle ein besserer Kiosk mitten in einer Brache, in dem IFA-Ersatzteile angeboten wurden (für Trabbis und Wartburgs). Dort stand stets die halbe DDR in unermeßlich langen Schlangen an :).


    EDIT: ich sehe gerade, irgend ein 'Experte' hat das auf Google Earth mit der 'Platte' auch zu wörtlich genommen :D

    https://model2.de/light/584/westin-grand_google-go3.jpg

    Ich fürchte, ich muss Dir widersprechen. Was Du hier siehst, gehört mit zum Teuersten, was heute noch an Bürobauten bzw. im Geschosswohnungsbau gemacht wird. Das, was da oben 'verklebt' ist, sind mutmaßlich Riemchen auf Leichtbeton, jedoch keinesfalls die Verblendklinker, die unten noch auf den Paletten warten. Die gezeigten Klinker sind nicht dazu geeignet, 'verklebt' zu werden ('verkleben meint übrigens meistens lediglich 'Dünnbettmörtel'). Was man auf dem Foto erkennt, sind die Stürze. Dort bietet sich diese Schummelei geradezu an (man kann so lange und gerade Stürze nicht mauern). Da wurde auch schon vor 100 Jahren mit Balken oder Stahlträgern getrickst (anfangs waren die Ziegel häufig hohlgebohrt und ein Stahlprofil wurde durchgesteckt). Die heutigen Anforderungen an die Entkopplung mehrschaliger Wandaufbauten erschweren das Ganze etwas. Schade ist hier allerdings, dass man den Sturz nicht konventionell mit einer stehenden Steinschicht markiert. Dadurch sieht das Endergebnis auf den ersten Blick sicher wirklich nach Tapete aus. Aber vielleicht wird ja dort noch irgend etwas verblendet? Lässt sich schlecht erahnen.

    Und für die Stützen wurden sogar Formsteine verwendet. Man muss vielleicht wissen, dass so ein Formstein einzeln manchmal mehr kostet kann als ein ganzer Quadratmeter 'Klinkertapete' (die oft nur wenige Millimeter stark ist und in größeren Scheiben direkt auf die Dämmung aufgebracht wird). Solche Formsteine benutzen normalerweise nicht einmal neureiche Häuslebauer. Allenfalls bei der denkmalgerechten Sanierung finden sich sonst Abnehmer.

    Übrigens ist 'Wittmunder' nur der Hersteller, weder ein Typ, noch eine Farbe (das klingt bei dir etwas mehrdeutig)

    Imerhin scheinen die Elemente an den engen Radien sogar komplett inkl. Glas gewölbt zu sein. Also billig ist das nicht gerade.

    Man sollte auch bedenken, dass die Regelgeschosse niedriger sind als das jetzt in der Verkleidung befindliche 1. OG. Möglicherweise bleibt die Höhe der Glasfläche in den oberen Geschossen erhalten und der Rest schrumpft beträchtlich zusammen. Ausserdem waren auf den bisherigen Visualisierungen stets Lisenen zu sehen. Ich würde deshalb noch nicht viel auf den Eindruck geben, den die Montage in #192 hervorruft.

    Ich will nicht abstreiten, dass die gestalterische Qualität des Hauses des Lehrers in keiner Relation zu seiner historischen Bedeutung als Wendepunkt des DDR-Baugeschehens steht. Ich würde den Bau, bzw. das Ensemble inkl. Kongresshalle (zumindest in deren äußerer Erscheinung, innen ist die Halle sehr wohl herausragend) weder losgelöst unter ästhetischen, noch unter städtebaulichen Gesichtspunkten verteidigen (womit ich mich möglicherweise dem 'Fachidioten'-Vorwurf entziehe). Aber darum geht es doch gar nicht! Stein des Anstoßes war das hier:

    Dekoratives Anführungszeichen

    Der Bau steht keineswegs wegen seiner Curtain-Wall-Fassade unter Denkmalschutz. [...] Was das Haus des Lehrers so besonders macht, ist das zwei Etagen breite umlaufende Fries [...]

    Damit lagst du einfach mal daneben. Aber schön, dass du mittlerweile dazu gelernt hast und die Deutungshoheit über die Denkmalschutz-Intention aufgegeben zu haben scheinst.

    Zu deiner Fußnote: wie vereinbart sich das

    Dekoratives Anführungszeichen


    Und wo ich schon so gut in Fahrt bin ...

    eigentlich mit dem

    Dekoratives Anführungszeichen

    Ich red mich überhaupt nicht in Rage ...[/SIZE]

    ? Vielleicht solltest du zunächst mal versuchen, dir selbst nicht zu widersprechen, bevor du anderen widersprichst? ;)

    Dekoratives Anführungszeichen

    Und wo ich schon so gut in Fahrt bin, noch ein paar Worte zum Haus des Lehrers.

    Das ist genau dein Problem. Du redest dich derart in Rage, dass du dabei den Blick für die Realität verlierst. :lach:

    Vielleicht kannst du uns ja mal an deinen Erkenntnissen teilhaben lassen? Woher weißt du, dass das Haus des Lehrers seinen Denkmalschutz-Status diesem mittelmäßig proportionierten Riviera-Imitat zu verdanken hat? Intuition, Halbwissen, Wunschdenken? Richtig ist, der Mosaik-Fries ist Bestandteil der Begründung. Wenn das aber der einzige Grund wäre, dann stünde das geschützte Haus als Ensemble-Bestandteil in der falschen Kategorie. Und nach deiner halbgaren Logik hätte es dann erst recht keinen Grund gegeben, den angrenzenden zweiten Bauabschnitt der Karl-Marx-Allee (vom Straußberger Platz bis zum Alex) ebenso komplett als Ensemble in die Denkmalliste aufzunehmen. Da gibt es nirgends einen Fries, noch nicht einmal eine Vorhangfassade. Das Areal dürfte in deinen Augen noch weit weniger schützenswert sein.

    Ich glaube, du hast die Intention des Denkmalschutzes nicht verstanden. Es geht nicht darum, den "Fame" abzubilden, den manche Gebäude bei "Menschen ohne abgeschlossenem Architekturstudium" besitzen.

    Übrigens steht das Lever House seit 1982 unter Denkmalschutz: http://www.nyc.gov/html/lpc/html/home/home.shtml

    Als Stimmann & Co. damals ihre restriktiven Vorgaben ausgegeben haben, hat das noch bedingt Sinn gemacht. Da gab es einen, wieder zur Stadt zu entwickelnden, Flickenteppich und die potentiellen Investoren standen Schlange (zumindest wurde das in den Boomjahren der Nachwendezeit vermutet). Aber welchen Sinn soll das heute machen? Glaubt jemand ernsthaft, solche Satzungen würden historisierende Architektur befördern? Es gibt genügend Kuhdörfer, die so etwas ausgeben (Dachneigung und -überstand betreffend, Giebel zur Straße bzw. zum Nachbarn, Fassadenmaterial und Art der Deckung etc., alles vorgegeben) und denen trotzdem kein Schwein eine besondere Aufenthaltsqualität zubilligt - ausser vielleicht der Bürgermeister und ein paar Häuslebauer. Solche Satzungen können eben keine billigen Zweckbauten verhindern. Faktisch redet die Politik und der organisierte Bürger heute bei jedem Projekt an sensiblen Orten mit. Und? Was hat's geholfen, wenn man mal die Maßstäbe der Dauernörgler anlegt?

    Das Einzige was hier erreicht wird, ist eine unnötige Forcierung der Politikverdrossenheit, Motto: "die da oben machen sich zu Investorenhuren". Und der Pöbel ist dann noch unzufriedener, weil a) keine Säulen und Putten festgeschrieben wurden und b), weil die Satzung nicht in seiner Straße gilt. Selbst der Machtmißbrauch ist nicht mehr das, was er mal war :nono:.

    Berlins tolles Image und seine politische Historie hin oder her, heute ist es eine Stadt am Abgrund! Ein Sammelbecken des Zivilisationsmülls, das seine Attraktivität aus den Randerscheinungen dieses Unterganges bezieht: günstige Mieten in tollen Wohnungen (die den Wir-sind-das-Volk-Utopisten von heute unter normalen Umständen nie zugäglich gewesen wären und die ihre ureigene Welt nie hervorgebracht hätte), eine einladende Lassiez-faire-Administration mit Partybürgermeister und altlinkem- bis dunkelrotem Anhang und nicht zuletzt die magnetische Wirkung des bereits zugezogenen Abschaums von Ströbele bis zum dümmsten Kreuzberger Nachwuchs-Revoluzzer mit intellektuellem Habitus. Diese Stadt hat schon die Chancen, die sich nach 1990 auftaten, mit übertriebener, weltfremder Regulierungswut verspielt!

    Das Einzige, was hier noch funktioniert, ist der Tourismus. Aber kein Mensch weiß, wie lange noch. Der Mythos Berlin wird durch die Überformung der Stadt mit uniformen Steinkästen sicher nicht gefördert. Von wegen "gewachsene europäische Stadt". Das ist genau das, was jeder potentielle Tourist an tausend anderen Orten viel eher bekommt, als in dieser zusammengeflickten Ansammlung aus explosionsartig aufgeblasenen Dörfern, die vor 1860 nicht ansatzweise in der heutigen Form existierte. Da hilft auch nicht das ständige anmaßende Vergleichen mit den richtigen Metropolen dieser Welt, die im Gegensatz zu Berlin meist mehr sind, als das temporäre Zentrum einer heuschreckenartigen Horde von Lifestyle-Junkies, den eigentlichen Gentrifizierungs-Auslösern.

    Mit diesen Rahmenbedinungen ist es geradezu illusorisch zu glauben, man könne einseitig die Spielregeln ändern und die letzten investitionswilligen Goldgräber mit zusätzlichen Verordnungen knebeln, deren Inhalt auch heute schon anderweitig umgesetzt wird. Das können sich vielleicht Michael Blooberg, Bertrand Delanoe oder Shintaro Ishihara leisten, aber wohl kaum die verhinderten Kommunistenführer eines drittklassigen Kaffs, das auf jeden Euro angewiesen ist.

    Im Übrigen ist es sehr bezeichnend für die moralische Verfassung eines Landes und der Bürger seiner Hauptstadt, wenn sich zunehmend immer mehr Leute finden, die völlig realitätsverweigernd und anmaßend davon ausgehen, die Städte und deren Bauten gehörten ihnen und seinen vorrangig dazu da, eine schöne Kulisse für ihre täglichen Wege abzugeben. Klar, aus der Sicht des Einzelnen wäre das das Optimum. Aber eine freie Marktwirtschaft in einer globalisierten Welt gibt das innerhalb einer Demokratie nunmal nicht her - schon gar nicht bei dem ausufernden sozialen und damit finanziellen Anspruch, den die gleichen Träumer an diese Gesellschaft stellen!