Beiträge von schriftsetzer

    Soweit ich das erkennen kann, nehmen die Architekten durchaus die horizontalen Linien von St. Johannis (Sockelgesims, Traufkante, Turmgesims) auf, und auch in der sandsteinfarbenen Farbgebung der - wie auch immer ausgeführten - Obergeschosse ist eine gewisse "Nähe" zum Sakralbau erkennbar.

    Ich bin mir nicht sicher, ob eine historisierende Fassade à la Baedeckerhaus hier angebracht wäre, zumal ja in heutigen Zeiten gewisse bauliche Anforderungen (Tageslicht, große Fensterflächen, etc.) bei Ladenlokalen und Büros erwartet werden und die Vermietungschancen erhöhen.

    Wir haben leider keinen intakten Altstadtkern, wenn das so wäre, würde die Architektur u.U. etwas anders aussehen. (Erfurt ist da z.B. nach der Wende mit gutem und gelungenem Beispiel voran gegangen: Zweckarchitektur, die sich unauffällig in das historische Bild einfügt und so ausschaut, als seinen diese Gebäude schon immer dort gewesen.) Im konkreten städtebaulichen Kontext stört mich eher der ehem. C&A-Bau, dessen Abriss eine ganz andere, großzügigere Wahrnehmung des schönen Ensembles der Münsterkirche mit der Synagoge und Friedenskirche im Hintergrund ermöglichen würde. Das wäre in meinen Augen ein großer Wurf!

    Oliver Scheytt zieht eine zufriedene Bilanz der RUHR.2010 aus Sicht des Marketings. "Insgesamt recht erfolgreich" lautet sein Urtei: 120.000 Artikel in den Printmedien, ca. sechs Millionen Besucher bei 3500 Veranstaltungen. Allein in Essen seien die Übernachtungszahlen zwischen Januar und September um fast 32 Prozent gestiegen.

    Da bei den Gästen ein durch Umfragen belegtes, ausgeprägtes Interesse am Thema Industriekultur bestehe, peile man für 2011 ein besonderes Highlight an: 1811 gründete Friedrich Krupp in Essen seine Gußstahlfabrik. Vergangenheit und Gegenwart des Unternehmens sollen eine wichtige Säule des Kulturprogramms für 2011 bilden. Neben einer Ausstellung in der Villa Hügel, speziellen Stadtrundfahrten und Vorträgen soll sich die Faszination Krupp zu einem Besuchermagneten auch über das Jahr der Kulturhauptstadt hinaus entwickeln. Wir dürfen gespannt sein!

    derwesten.de berichtet, dass die städtische Planungsverwaltung eine Bauvoranfrage für die Neubaupläne an der Bahnhofsnordseite nun endgültig ablehnen wird, da sich der Eigentümer des Hochhauses an der Hollestraße, Aurelis, wie von RiCoH bereits gepostet, aus dem Vorhaben zurückzieht.

    Die Bauvoranfrage für die Bebauung an der Hachestraße hat die Stadt positiv beschieden, allerdings ist fraglich, ob dieses Projekt nun verwirklicht wird, da die Bahntochter Station & Service beide Bauvoranfragen als Bestandteile eines Projektes betrachtet.

    Straßenbahn auf dem BBB. Wie derwesten.de berichtet, scheint die rot-grüne Landesregierung einer geplanten Straßenbahn auf dem Berthold-Beitz-Boulevard positiver gegenüber zu stehen, als es seinerzeit Oliver Wittke war. Noch in diesem Jahr könnte grünes Licht für das Vorhaben gegeben werden, heißt es aus Düsseldorfer Koalitionskreisen.

    Die Evag zeigt sich optimistisch, vergangene Woche sind die Unterlagen für die Eröffnung eines Planfeststellungsverfahrens eingereicht worden, und auch der VRR hat das Vorhaben bereits im Oktober 2009 als förderungswürdig eingestuft. Man rechnet mit einem Baubeginn im Frühjahr 2012, ein Jahr später soll die Linie 109 über Altendorfer, Berthold-Beitz-Boulevard und Frohnhauser Straße bis zur Martin-Luther-Straße geführt werden, wo sie ihren bisherigen Linienweg fortsetzt. Die EVAG verspricht sich von der Maßnahme eine Entlastung des Strab-Knotens Helenenstraße sowie Einsparungen bei Material und Personal.

    Der Ausbau ist mit 11 Millionen Euro veranschlagt.

    #188

    "Diese Ebene und das Tunnelstück werden jetzt ja auch einfach so genutzt, ohne große Umbauarbeiten."

    Möglicherweise sind auf der Wehrhahnlinien-Ebene der H-H-Alle die Bahnsteige noch nicht ausgebaut? Dann wäre eine Umrüstung auf Niederflurbetrieb sicherlich machbar. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Ebene komplett ausgebaut ist. Wissen Sie da Näheres?

    Dortmund hatte (bzw. hat?) einige Bahnhöfe, in denen nur Kurzzüge verkehren konnten, weil die Bahnsteige pro Fahrtrichtung in verschiedene Höhen aufgeteilt waren - für Straßen-, U- und Niederflurbahn. Auch keine Lösung, wenn man bedenkt, welches Passagieraufkommen gerade in der Düsseldorfer City bewältigt wird. Da kommt man mit Kurzzügen nicht wirklich weit...

    Am Ende werden es die Verantwortlichen richten... ;) Ob zum Wohle aller, sei dahin gestellt...

    #186

    "Welche Probleme gäbe es denn da, natürlich abgesehen von den Kosten für den Umbau der Bahnhöfe und den neuen Fuhrpark?"

    Gastkommentar aus Essen (wo sich ähnliche Probleme stellen, auf die ich nicht näher eingehe):

    Man müsste sämtliche Bahnsteige tieferlegen, d.h. Beton herausbrechen, Versorgungsleitungen evtl. tiefer- bzw. verlegen, Rolltreppen und Aufgänge verlängern, usw. Denn ein Höherlegen der Gleise zumindest in den Bahnhofsbereichen ist wegen des sogen. Lichtraumprofils (Wagenaufbau plus Stromabnehmer und Oberleitung) nicht möglich, da die Tunneldecke in den Bahnhöfen als statisches Element fix ist.

    Es sei denn, man schafft neue Fahrzeuge mit verkürzten Pantofgrafen (Stromabnehmern) an, was technisch machbar ist, aber dann müssten sämtliche Oberleitungen in den Tunnelstrecken und auf den oberirdisch befahrenen Streckenteilen tiefer gelegt werden... auch ein Fass ohne Boden. :nono:

    Im Übrigen sollte man bedenken, dass der Nahverkehr heutzutage sowieso ein Zuschussgeschäft ist - da müssen die Kosten überschaubar bleiben, egal, wie "reich" eine Kommune ist.

    Grüße aus dem Pott! ;)

    Richtig, Turmbauer, man will den Turm nicht, genauer: die Variante 1. Mir ist sowieso schleierhaft, wieso diese Variante wieder aus der Versenkung hervor geholt wurde, nachdem sich verschiedene Gremien einvernehmlich für Variante 4 ausgesprochen hatten. Zumal Variante 1 in der jetzt vorgestellten Form gegenüber der ursprünglichen Planung wie ein gerupftes Huhn aussieht.

    Mir scheint, dass KPE wirklich allmählich die Nase voll hat, deswegen beginnt man ja auch, argumentativ zurückzurudern (Stichwort Leerstand, etc.). Nach dem Motto: wie sag ich's nur dem Kinde?

    Hätte man sich für Variante 4 ohne Dachaufbau entschieden, wäre das Ding schon längst in trockenen Tüchern.

    Ich zitiere mich mal selbst (Feb. 2010): Und wenn man bei Variante IV diesen ulkigen "Klotz" auf dem Dach weglassen würde, könnte das Ding im Kontext mit dem (dann vermutlich denkmalgeschützen) ehem. Postscheckamt sogar ganz nett aussehen: zweigeschossiges Sockelgeschoss und Ausrichtung der "Scheiben" analog zum Postscheckamt bzw. zum Thyssen-Hochhaus. Eine Bausünde wird das nicht werden.

    Warum hört niemand auf alte Männer...? ;)

    Bevor es off topic wird: Das ist alles sehr spekulativ und hat ja auch nicht viel mit Architektur zu tun. Dazu abschließend von meiner Seite: Die werden die Leute schon in irgendwelchen Legebatterien unterbringen... ;) Wobei ich denke, dass solche Firmen einen zahlenmäßig nicht unerheblichen Stab von Außendienstmitarbeitern haben.

    Ich persönlich fand es eben bemerkens- und erwähnenswert, dass die EWG mit Unterstützung - wie man hört - von OB Paß diesen Fisch hat an Land ziehen können. Und dass die Düsseldorfer ausgestochen wurden, ist doch Balsam für die geplagte Ruhrgebietsseele...

    Und nun wieder zum Thema: Ich gebe Philip recht, dass die Architektur nicht der "Oberknaller" ist. Da waren die von ihm zitierten Entwürfe schon spannender - wobei ich mir vorstellen kann, dass das Gebäude schon "höherwertig" werden wird, denn 50 Mo. sind eine Stange Geld und wollen erst einmal verbaut werden.

    Gruga Carrée: Die Admins können das Thema gerne dorthin verschieben. Mir war nicht geläufig, dass es einen solchen Thread bereits gab...

    Atos Origin Zentrale (in Planung)

    Wie derwesten.de unter der Überschrift Essen besiegt Düsseldorf im Standortwettbewerb heute berichtet, baut der Computerdienstleister Atos Origin in der Nähe der neuen eon-Ruhrgas-Verwaltung gegenüber der Messe Essen seine neue Zentrale für die deutschsprachigen Länder sowie Polen, Südeuropa und Südafrika.

    Essen hat sich damit gegen Düsseldorf durchgesetzt. :daumen: Das neue Gebäude soll 50 Millionen Euro kosten und ab 2012 ca. 900 Ingenieuren, Programmierern und Betriebswirten einen neuen Arbeitsplatz bieten. Diese Mitarbeiter sind bisher an verschiedene Standorte in Köln, Düsseldorf und Essen verteilt.

    Der allein in Deutschland erwirtschaftete Umsatz des in Paris ansässigen und weltweit tätigen Computerdienstleisters Atos Origin beträgt 550 Mio. Euro. Den Ausschlag für Essen gaben die Nähe zum Wohnort der meisten Beschäftigten sowie die Chance auf lukrative neue Kunden. "Am Ende spielt[e] auch das Bauchgefühl eine Rolle: Wir fühlen uns in Essen gut aufgehoben, hoffen hier auf stärkere Sichtbarkeit als in Düsseldorf und darauf, dass wir bei Problemen Gehör finden", so der Geschäftsführer von Atos Origin Deutschland.

    Wie es heißt, entsteht an der Messeallee zwischen der Eon-Ruhrgas-Zentrale und Hochtief auf einem 6000 Quadratmeter großen Grundstück ein neues fünfstöckiges Bürogebäude mit Metallfassade, streifenförmig angelegten Fenstern und zweigeschossiger Tiefgarage. Hochtief wird gemeinsam mit Generalunternehmer Goldbeck das Gebäude errichten und an Atos Origin vermieten. Nach den Wünschen des Mieters wird das Haus klimafreundlich und schadstoffarm gebaut.

    Wie mir scheint, ist das ein ziemlich dicker Fisch, den die EWG da an Land gezogen hat. ;)

    Quelle: derwesten.de

    Raumkunst (#190)

    Er hat heute geantwortet! Per Mail und - man höre und staune - per Telefon! Ausgelöst durch die Berichterstattung in den Medien und die daraus resultierende Resonanz in der Bevölkerung hat der Fachbereich Straßenbau und Verkehrstechnik zur Herbeiführung einer Entscheidung über den endgültigen Standort des Berliner Bären den zuständigen Gremien vier eigene Entwürfe und zwei Entwürfe interessierter Mitbürger vorgelegt - darunter auch mein weiter oben geposteter, bescheidener Vorschlag. Eine Entscheidung steht noch aus - ich bin gespannt.

    derwesten.de berichtet, dass die Firma Aurelis - wie hier schon erwähnt - zur Zeit die Stützmauer abbricht und das Gelände auf das Niveau der Hachestraße abträgt. Hintergrund dieser - kaufvertraglich vereinbarten - Maßnahme ist, die Hachestraße für den letzten Bauabschnitt des Berthold-Beitz-Boulevards schon jetzt vorzubereiten. Um die später zu erwartenden Verkehrsströme aufnehmen zu können, muss die bisherige Trasse erweitert werden, da die Möglichkeit, eines Tages die Straßenbahn bis zum Hauptbahnhof weiterzuführen, noch nicht vom Tisch ist.

    Ganz so dramatisch würde ich das nicht sehen.

    1) Herr Süselbeck, seines Zeichens Redakteur bei der WAZ-Gruppe, berichtet tendenziell eher negativ (frage mich, wieso der Mann nicht in eine andere Stadt geht, weil da ja alles besser ist), demzufolge ist der Artikel zunächst einmal mit Vorsicht zu genießen. Zumal sich die WAZ-Gruppe derzeit nicht gerade durch Qualitätsjournalismus auszeichnet. Oder hat jemand von Euch das Pflaster schon einmal in Augenschein genommen?

    2) In einem Bereich, in dem tagtäglich zehntausende Passanten herumspazieren, kann ein Pflaster nicht wie geleckt aussehen. Solange man die Kaugummifraktion nicht in den Griff bekommt, Kippen kann man wegfegen, und man kleinen Kindern nicht verbietet, mit Eis und Pommes herumzukleckern, wird es nirgendwo besser. Schließe die Erwachsenen, was das Kleckern angeht, da nicht aus...

    3) Pflaster, dass Oberflächenwasser ökologisch sinnvoll versickern lässt, ist von der Oberfläche her nun einmal poröser als andere Materialien, verschmutzt daher auch schneller. Hätte man glattes Pflaster verwendet, würden sich die Leute über Pfützenbildung bzw. Rutschgefahr beschweren und aufregen, und Kaugummis bzw. Pommesflecken bekommt eine Kehrmaschine da auch nicht weg. Wird das neue Pflaster jetzt versiegelt, bleibt es womöglich für eine gewisse Zeit sauberer, aber das Regenwasser wird nicht mehr so gut versickern, und ob dann die vorhandenen Ablaufmöglichkeiten ausreichen...?

    4) Wir haben das berühmte Sommerloch...

    Berliner Bär

    Wie derwesten.de berichtet, plant die Stadt eine Rückkkehr des Berliner Bären an den Berliner Platz. Allerdings sei die Skulptur zu klein, um auf dem Kreisverkehr platziert zu werden. Man plane einen anderen, aber ortsnahen Standort.

    Der von Herbert Lungwitz geschaffene Bär wurde 1959 zunächst in der Gruga aufgestellt, und sollte immer als Mahnung an das geteilte Berlin dienen: "Denkt an Berlin" ist in seinem Sockel eingemeißelt. Nach dem Mauerbau 1961 entstand der Wunsch, das Denkmal prominenter zu platzieren: am 10. Juli 1964 zog der Bär auf den neugeschaffenen Berliner Platz am Nordrand der Innenstadt.

    Projektleiter Hubertus Möllers: "Der Bär soll zurückkehren, wobei es wünschenswert wäre, ihn in der Nähe des Berliner Platzes aufzustellen, um den historischen Bezug zu bewahren."

    Aus Italien kenne ich einige Beispiele, wie man "mickrige" Skulpturen durchaus erhöhen kann, und ich habe meine Gedanken zu PC gebracht und auch gleich an Herrn Möllers gesandt.

    Ich zitiere aus meiner Mail an Herrn Möllers:

    "...ein Vorschlag eines interessierten Bürgers, ich bin weder Landschaftsarchitekt noch Architekt: in der Mitte des Platzes eine erhöhte Rotunde schaffen, die ringsherum mit Pappeln bepflanzt ist, in deren Mitte sich wiederum eine Erhöhung mit dem Bären befindet, evtl. in der Sichtachse zum neuen Univiertel mit der dort geplanten "Balkon-Skulptur".

    Wenn die Erhöhungen mit Rasen begrünt sind, wird für die anschließende Pflege der Anlage kein finanzieller Mehraufwand nötig, da ein Rasenschnitt ja ohnehin erfolgen muss. Das von Ihnen in dem Artikel erwähnte Fundament für die Skulptur scheint ja in der Etatplanung vorgesehen. Bleiben also nur noch die Erdarbeiten: Aushub wird sich doch irgendwo finden lassen (z.B. Schurenbachhalde?), und die Arbeiten könnten doch evtl. die Azubis von Grün und Gruga und Tiefbauamt als gemeinsames Projekt angehen. Da muss doch was möglich sein..."

    Bin mal gespannt, ob ich eine Antwort bekomme. Wir DAF-User sollten irgendwie aktiver in die Planungen eingreifen - Ideen gibt es genug, nur was nützt es, wenn uns keiner hört und wir vor uns hin lamentieren? Wir wollen doch nicht in Schönheit sterben, wir wollen doch etwas verändern... oder? ;)

    goldjunge,

    man kann sicherlich vieles vergessen, was die Presse den lieben langen Tag so schreibt, aber dass die Informationen, die der Werden Kurier - und tags darauf auch die Werdener Nachrichten - publizierten, der reinen Fantasie entspringen, sehe ich nicht ganz so pessimistisch, zumal ja Fr. Dr. Brand zu einer Art Pressekonferenz lud... ;)

    Was mein Fragezeichen anging, das hat sich mittlerweile nach Recherche meinerseits geklärt: zweischaliges Mauerwerk wurde damals gerne mit älterem Bauschutt bzw. Aushub verfüllt, von daher lassen evtl. Funde aus dem Kern der Mauer nicht zwingend auf das tatsächliche Alter des Gebäudes bzw. Mauerwerks schließen.

    Ihnen ein herzliches Willkommen in unserem Forum! :daumen:

    Wie der Stadtspiegel Essen - hier: Werden Kurier - in seiner Ausgabe vom 4. August 2010 berichtet, ziehen sich die archäologischen Ausgrabungen an der Folkwang-Universität weiter hin.

    Gesichert erscheint bisher, dass die Fundamente des 1969 niergelegten südlichen Preußenflügels (vgl. #16 weiter oben) auf weitaus älteres Mauerwerk gegründet wurden. Aus welcher Zeit diese Fundamente stammen, werde momentan ermittelt. Grabungsleiterin Dr. Cordula Brand weist diese Mauerreste dem Mittelalter oder einer noch früheren Zeit zu. Ob es sich um Reste des Klosters selbst oder um Reste der (früh-)mittelalterlichen Siedlung handelt, könne nicht mit Sicherheit gesagt werden, da die Quellenlage zur frühen Baugeschichte des Klosters sehr vage ist.

    Neben alten Abwasserleitungen und zweischaligem, in der Mitte mit Erde verfülltem Mauerwerk, das eine genaue Datierung sehr erschwere [?], wurden in den unteren Bodenschichten Scherben der sogen. Pingsdorfer Keramik gefunden, die auf die Zeit zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert datiert werden können. Vermutet wird weiterhin, dass es an dieser Stelle einmal eine Auffahrt zu einer Art "Pförtnerhäuschen" und einer Remise gab.

    Wann genau die Ausgrabungen abgeschlossen werden, stehe noch nicht fest, da erst zwei Drittel der Baugrube geöffnet sind und noch nicht geklärt sei, ob und wie einige Mauerreste erhalten bleiben können. "Wenn wir belegen können", so Frau Brand, "dass eine der Mauern zum Gründungsbau der Abtei gehört, müssen wir ... genau überlegen, wie wir vorgehen."

    Anmerkung meinerseits: Die Archäologie ist ja mittlerweile soweit, nicht jeden alten Stein zeigen und in ein Museum umwandeln zu müssen; vielmehr sieht sie es als erstrebenswert an, die Funde genauestens zu dokumentieren und nach Möglichkeit wieder zu verschütten bzw. zu überbauen, um eine langfristige Konservierung sicher zu stellen. In diesem Fall dürfte das evtl. sehr schwierig werden, da die nun freigelegten Mauern eindeutig bis kurz unter das Bodenniveau und damit in die Kellergeschossebene der neuen Bibliothek hinenragen. Wenn wirklich erhaltenswerte frühmittelalterliche Fundamente aus den frühen Jahren des Klosters nachgewiesen werden sollten, werden sich die Archäologen meines Erachtens nicht für eine Dokumentation und anschließende Beseitigung begeistern lassen. Es bleibt also spannend.

    Im Sommer 2009 wurden beim Bau einer Behindertenrampe auf der Nordseite der Abteikirche in Essen-Werden erstmals Einblicke in die komplizierte Geschichte der Kirche auf dem Areal des ehemaligen Kirchhofes möglich. Insgesamt wurden 9 Mauerfundamente sowie die nördlichen Kirchenfundamente, 19 Gräber und diverse Gruben freigelegt. Die Mauern gehören zu verschiedenen Bauphasen der Kirche vom Gründungsbau um 800 (!) bis zum Neubau im 13. Jahrhundert. Unter den Gräbern war vor allem ein frühmittelalterliches Steinplattengrab erwähnenswert, weiterhin fand man zwei Silbermünzen, darunter eine seltene Werdener Prägung.

    Hier einmal ein paar Impressionen, wie es derzeit vor Ort aussieht.

    Zunächst der nach dem Großbrand sanierte Ostflügel vom "Platz Werdener Feintuchwerke" aus gesehen [Bild 1]:


    Quelle: eigenes Bild

    Ansicht von Nordosten [Bild 2]:


    Quelle: eigenes Bild

    Giebelrelief mit Inschrift [Bild 3]:


    Quelle: eigenes Bild

    Ich möchte Euch an dieser Stelle ein paar Stichworte zur Baugeschichte dieser spätbarocken Klosteranlage nennen:

    West- und Südflügel wurden 1750 von Abt Benedikt von Geismar (1728 - 1757) begonnen, die Inschrft nennt keine Jahreszahl der Vollendung. Der Nordflügel enstand während der Regierungszeit von Abt Anselm Sonius (1757 - 1774) und wurde 1764 vollendet. Erst der übernächste Abt, Bernhard Bierbaum (1780 - 1798), hat den Ostflügel errichten lassen. Die Inschrift im Giebel [Bild 3] lautet aus dem Lateinischen übersetzt: Der Abt Bernhard, welcher vom Himmel begünstigt [diesen Bau] glücklich von den Fundamenten aus [1783] begonnen hat, der hat ihn auch [im Jahre 1785] glücklich vollendet.

    Die Abtei wurde 1802 säkularisiert - der letzte Abt ging nach Düsseldorf ins Exil - und wurde nach einer kurzen Zugehörigkeit zum französischen Großherzogtum Berg 1816 preußisch.

    Die Konventsgebäude waren überflüssig geworden, ca. 1811, so schreibt der letzte Konventuale der Abtei Werden "...zerfiel von allen Seiten das prächtige Abteigebäude. Dasselbe, nicht ohne große Kosten, zwecklos zu unterhalten, war ebenso unverantwortlich, als es ohne Noth einstürzen zu lassen. Demnach wurde nach einer von dem Minister Herr[n] Graf Nesselrode [Napoleons Minister im damaligen Großherzogtum Berg] und dem General Damas vorgenommenen Besichtigung der Plan genehmigt, das kolossale feste Gebäude in eine Zuchtanstalt umzuwandeln."

    Zuchthaus blieben die Gebäude ca. 120 Jahre lang. Im Zuge dieser Nutzung wurden einige Gebäude hinzugefügt (die sogen. Preußenflügel, der Nordflügel ist erhalten, der Südflügel wurde 1969 niedergelegt), der Abteihof durch eine hohe Gefängnismauer zerteilt und u.a. der Ostflügel um ein Stockwerk aus Backstein aufgestockt, die Fenster verkleinert und vergittert, etc.

    Der Giebelstein mit der Widmung musste weichen, er stand 1969 noch im Innenhof der Folkwangschule am Turm des südlichen Preußenflügels [Bild 4], wurde später in die rechte Seitenwand des Torgebäudes eingemauert und im Zuge der Errichtung der Werdener Schatzkammer bzw. Restaurierung des Ostflügels - Abtragung des oberen Stockwerks und Rekonstruktion des ursprünglichen Daches - gegen Ende der 1970er Jahre wieder an seine ursprüngliche Stelle verbracht. Dass der Bau 100 Jahre lang wirklich wie ein Gefängnis und nicht wie die repräsentative Residenz einer der ehemals reichsten und bedeutendsten deutschen (Benediktiner-)Abteien aussah, ahnt heute niemand mehr.

    Abteihof in den 50er/60er Jahren mit dem Giebelrelief des Ostflügels am südlichen Preußenflügel [Bild 4]:

    Abteihof
    Quelle: WN - Werdener Nachrichten Nr. 21 vom 28. Mai 2010. Dort keine weitere Quellenangabe, vermutlich eigenes Fotoarchiv.

    Hier noch ein Blick von der südlichen Ecke des Ostflügels auf den ebenfalls frisch restaurierten Südflügel [Bild 5]:


    Quelle: eigenes Bild


    Die Fundamente und Teile des Kellergeschosses des 1969 niedergelegten südlichen Preußenflügels (s.o.) sind jetzt bei den Aushubarbeiten für die neue Bibliothek gefunden worden. Die Arbeiten ruhen bis auf Weiteres, Archäologen erkunden das Terrain. Was mit diesen Resten geschieht und wann es mit den Bauarbeiten weiter geht, steht noch nicht fest, wie mir KlePeter (der uns aus Posting #14 in diesem Thread bekannt ist) mitteilte. Vielleicht weiß er ja Neues zu berichten bzw. hält uns auf dem Laufenden.

    Das gerade auf dem Areal der Folkwanghochschule immer wieder archäologisch bedeutende Funde gemacht werden, ist wenig überraschend: schließlich befand sich hier über 1100 Jahre lang ein Kloster.

    Was mich ein wenig überrascht hat, ist, wie "klein" die Baugrube eigentlich ist. Ich hatte mir den Bibliotheksneubau deutlich größer vorgestellt, was natürlich nicht sein kann, da der Raum auf dem Areal einfach nicht vorhanden ist. Auf den Renderings wirkt sie allerdings sehr viel größer.

    Archäologische Grabungssituation in der Baugrube der neuen Bibliothek [Bilder 6 – 8]:


    Quelle: eigenes Bild


    Quelle: eigenes Bild


    Quelle: eigenes Bild

    Anmerkung zu Bild 1 und 2: Im Vordergrund sind Teile des Hortulus Werdinensis zu erkennen, ein 2006 eröffneter Kräutergarten, der frühmittelalterlichen Vorbildern nachempfunden wurde. Die hier angebauten (und vom nahe gelegenen Altenheim auch genutzten!) Pflanzen und Kräuter wurden schon zur Zeit der karolingischen Könige und Kaiser kultiviert. Zum Plan eines jeden Klosters gehörte ein Kräuter- und Heilpflanzengarten, wie er durch den Abt des Klosters Reichenau, Walahfrid Strabo (808 - 849), überliefert ist.

    Walahfrid entwarf einen als geschlossenes Gärtchen angelegten Klostergarten hortulus conclusus mit 24 wichtigen Heilkräutern und Pflanzen, die in der Klostermedizin zur Anwendung kamen. Karl der Große hat in seiner Landgüterordnung capitulare de villis angeordnet, in jedem Hofgut und jedem Kloster ein solches Apothekergärtchen mit bestimmten Pflanzen anzulegen.

    Da Abt Walahfrid zur Errichtung der Werdener Stephanuskirche* an der Südseite der Abteikirche eigens ein Weihegedicht verfasst hat und er auch am Hofe Karls des Großen als Berater tätig war, wird der erste Kräutergarten des Werdener Klosters dem frühen Standardplan Walahfrids entsprochen haben.

    *St.Stephanus. Eine der wenigen Dreiapsidenanlagen auf deutschem Boden. Vermutlich Anfang des 9. Jh. an der Nordostecke des Kreuzganges errichtet, um die Gebeine des hl. Ludgerus für die Dauer von Bauarbeiten an der Krypta der Abteikirche aufzunehmen. Ende des 18. Jh. niedergelegt, um Platz für die Erweiterung und Neuerrichtung der oben erwähnten Konventsgebäude zu schaffen. Die Lage des Kirchleins ist südlich der Abteikirche im sogen. Stephanskirchhof im Pflaster markiert - Zugang nur vom Kreuzgang der Hochschule aus (Pförtner fragen).

    Ich befürchte, dass durch dieses Hin und Her der Investor letztendlich verprellt wird und dort in absehbarer Zeit kein Hochhaus entstehen wird.

    Wenn man bedenkt, wie lange in der Verwaltung und in diversen Ausschüssen schon darüber diskutiert wird, und man sich eigentlich schon mit Variante IV abgefunden bzw. darauf eingeschossen hatte, dann verwundert die Kehrtwende des Planungsausschusses schon ein wenig.

    Tolle Bilder, Fabio! Gerade das erste Bild gefällt mir richtig gut!
    "Kultur durch Wandel, Wandel durch Kultur" - unter dem Motto stehen ja auch die Schachtzeichen. Besser kann man es nicht abbilden: im Vordergrund das neue Essen mit dem entstehenden neuen Univiertel, im Hintergrund die Schachtzeichen, die ein letztes Mal (!) visuell sehr eindrucksvoll dokumentieren, wo überall nicht nur in direkter Nähe zur Innenstadt Schächte gestanden haben.

    Zeche Victoria Mathias

    Quelle: eigene Sammlung.

    Daher kann ich dem Projekt Schachtzeichen auch eine ganze Menge abgewinnen, zumal die Resonanz in der hiesigen Bevölkerung überwältigend ist - zumindest war das im Essener Süden bei den ehem. Ruhrzechen Pörtngssiepen und Carl Funke so. Nochmal: klasse Foto, Fabio!

    Mod: Habe die Graphik in einen Link verwandelt. Grund: Urheberrechte unbekannt. Quellenangabe nicht eindeutig. nikolas