Beiträge von Aleon

    Toll, dass es hier jetzt eine inhaltiche Diskussion gibt.

    Das Thema Verkehrswende, dass mit (fast) autofreien Innenstädten einhergeht/gehen könnte bzw. sollte, bietet sicher Argumente für Fußgängerzonen. Die Frage ist immer, ob es nicht sinnvoller ist Anreize für alternative Verkehrsmittel zu setzen anstatt Stadträume großflächig für bestimmte Verkehrsmittel zu sperren. In Paris geht/ging es etwa am Ufer der Seine darum eine Autozone wieder für die Menschen zu erschließen, die dort bisher keinerlei Aufenthaltsqualitäten vorfanden. Darüber hinaus werden weitere Straßen komplett für den Autoverkehr geschlossen und zu reinen Fahrrad- und Fußgängerstraßen umgebaut, um überhaupt Fahrradverkehr in der Stadt zu ermöglichen, denn sämtliceh Pariser Straßen waren zu den Stoßzeiten bisher vollkommen von Outos verstopft, sodass sich Radler nur durchkämpfenund schlänglen konnten. Das ist für Paris sicher sinnvoll aber beides nicht mit der Kampstraße zu vergleichen. Die Kleppingstraße war auch eine reine Autozone und wurde durch die Neugestaltung zu einem belebten Stadtboulevard mit gemischter Nutzung und gemischtem Verkehr. Auch hier könnte nun ein Fahrradweg ein sivolles update sein.

    Im Sinne einer Autofreien Innenstadt und einer Förderung des Fahrradverkehrs, hätte man die Kampstraße auch zu einem Fahrradboulevard umbauen können. Hier wird scheinbar versäumt eine (ur)alte Planung an die Fortschritte der Gesellschaft anzupassen.

    Räumlich ist die Kampstraße aufgrund der Breite der Straße und der Höhe der anstehenden Häuser sehr wohl großstädtisch und insofern mit namhaften Großstadtstraßen zu vergleichen. Die Stadt sollte aufhören sich ständig selbst kleinzumachen und aus mangelndem Selbstbewusstsein kleine Brötchen zu backen. Etwas mehr Stolz und Selbstvertrauen wären sinnvoll. Allein die Architektur an der Kampstraße ist in vielen Fällen mittelmäßig. Das ist sie an der Kleppingstraße aber auch und dort fällt das kaum noch auf. Darüberhinaus sind beide Straßen halbwegs kleinteilig bebaut, sodass eine Verbesserung der Architekturqualität schrittweise möglich ist.

    Zur vorgesehenen Gestaltung:
    Eine schnurgerade Flaniermeile in den geschwungenen Stadtraum zu legen wirkt auf mich unharmonisch und verhindert zwangsläufig eine sinvolle Wegeführung für Fahrrad- oder andere Verkehre. Hier wurde nicht auf den vorhanden Raum reagiert, sondern die Idee einer geraden Laufstrecke mit Lichtband vorrangig durchgesetzt.

    Folgende Punkte der Neugestaltung sind toll:

    • Platz für Gastronomie und Außengastronomie
    • den Bachlauf und die Brunnenanlagen - unsere Kinder werden hier ihre helle Freude haben
    • den Reinoldikirchplatz samt großzügiger Freitreppe
    • den Willy-Brandt-Platz
    • den Platz von Leeds, der heute übrigens schon gastronomisch genutzt wird
    • den Platz von Netanya
    • das "Schwebende Lichtdach" am Freistuhl. Hier sollen unter anderem Open-Air-Veranstaltungen (Theater, Musik, Kino) stattfinden.
    • das hochwertige Straßenpflaster
    • Base Camp mit seinen 500 Studierenden, die den Bereich zwischen dem Platz v. Leeds und dem Platz v. Netanya wohl nicht nur im Sommer + tagsüber mit Leben füllen werden.
    • den (mindestens teilweisen) Erhalt des Baumbestands

    All diese Punkte könnten aber auch in einer völlig anderen, stringenteren und geordneteren Gestastaltung nebst Platz für Fahrräder (und ggf. Autos) untergebracht werden. Die aktuelle Planung ist doch kein zwangsläufiges Ergebnis aus diesen Merkmalen. Auch für U-Bahnaufgänge usw. bietet die Straße massig Platz. Sie müssten nicht hineingequetscht werden, sondern wären ein belebendes, städtisches Element (siehe Stadtstraßen in anderen Großstädten).

    Ich bin auch der Meinung, dass Dortmund eine riesiges Potential hat und sehe in der Innestadt sowie dem nördlichen Umfeld des Bahnhofs die größten Defizite bzw. die drängensten Handlungsbedarfe. In der Tat wären Unternehmen an diesen Standorten eine große Bereicherung. Eine autofreie Innenstadt ist für (große) Unternehmen allerdings unanttraktiv. Dortmund hat dahingehend außerdem das Problem, dass ein Großteil der Bewohner in suburbahnen Vororten lebt und daher (Stand heute) auf das Auto angewiesen ist. Selbst wenn ein Teil zukünftig mit selbstfahrenden Kleinbussen oder auf Fahrrädern zur Arbeit kommt, wird die Vorstandsetage aus Lücklemberg oder Ahlenberg sowie deren Besucher mit dem großen schwarzen Dienstwagen kommen wollen. Auch diese Gruppe und ihr Verhalten gehört zu einer vielfältigen Großstadt.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Ich habe nicht die Zeit, auf all deine Punkte einzugehen, Aleon. Nur soviel sei gesagt: Meiner Meinung nach bist du ein Schwarzmaler. Die Pläne sind ...

    Mit anderen Worten: Du willst oder kannst nicht auf inhaltliche Kritik und sachliche Argumente antworten. Stattdessen fühlst Du Dich aus irgendwelchen Gründen auf den Schlips getreten. Warum eigentlich? Bist Du für die Planung verantwortlich? Bist Du es etwa, Ludger? :D

    Du beschränkst Dich im Aufzählen einzelner Zutaten der neuen Planung, die an sich sicher positiv sind. Aber wie sie zusammengebracht werden und wirken, welche Raumqualitäten dadurch entstehen, was das Positive an einer weiteren Fußgängerzone ist, insbesopndere angesichts der aktuellen Herausforderungen für diesen Straßentyp und was die Vorteile gegenüber einem Stadtboulevard sind, vermagst Du offentsichtlich nicht zu sagen (bzw. hast keine Zeit). Ist ja in Ordnung. Aber dann halt Dich aus der Diskussion doch einfach raus.

    Wenn ein nebeneinander von Verkehren in der Kampstraße nicht funktionieren würde, warum funktioniert es denn dann auf der Kleppingstraßen und überall sonst in Europa? Wenn man nur sehr langsam fahren kann, die Mitte der Straße vielleicht sogar als sog. Shared Space, also von Autos, Fahrrädern und Fußgänger gelichermaßen genutzt werden könnte oder wenn es in regelmäßgigen Abständen Ampeln gäbe, dann bliebe die Umfahrung der Innenstadt deutlich schneller und die Kampstraße würde nur von Leuten mit dem Auto befahren, die auch da rein wollen, um die Stadt zu beleben und nicht um durchzuheizen. Es sollte ja genau keine Autostraße sondern eine Stadtstraße werden. Kein Mensch kann auf der Rambla einfach durchbrettern. Die Kö funktioniert so, der Kudamm usw. usw. Das ist doch kein Hexenwerk. Als würden die Leute in Berlin fordern, dass der Kuhdamm oder die Friedrichstraße zur Fußgängerzone umgebaut werden sollen, weil man sich dort sonst nicht aufhalten kann. Das sind alles höchst attraktive urbane Stadträume. Ich verstehe nicht, warum es den Verantwortlichen einer als unattraktiv geltenden Stadt so schwer fällt, sich daran ein Beispiel zu nehmen. Ist das Trotz? ;)

    Ständig fahren die Leute aus Dormtund in diese Städte zum Urlaub machen, kommen wieder und schwärmen davon wie lebendig und schön und sonstwas es dort ist. Aber in Dortmund, nein da würde das nicht funktionieren. Wir wandeln weiter auf unseren ausgetretenen Gestaltungpfaden.

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    Eben. Ein Radfahrer, der spät abends oder nachts durch die Inenstadt fahren will ist doch das beste Beispiel. Ein solcher Radfahrer würde über den Boulevard fahren. Vielleicht würde er auf andere treffen, anhalten sich unterhalten, oder beim Kiosk halten, der nachts noch aufhat, um Getränke oder eine gemsichte Tüte zu kaufen. So entsteht urbanes Leben. Muss er aber auf den Wall ausweichen, bleibt die Kampstraße leer und tot. Und genau das ist ja die Idee der Stadtzonierung. Hier nur die einen, dort nur die anderen - ein längst gescheitertes Modell. Meine Vermutung ist, dass die Verantwortlich selbst nie Urbanität erlebt, sondern ihr leben meist im Vorort verbracht haben und sich deshlab gar nicht vorstellen können wie sowas funktioniert. Aber hey, hauptsache es gibt dort Wasserläufe, Brunnen, alte Bäume, ein Lichtband und ein Studentenwohnheim. Dann wird das Leben schon kommen, oder etwa nicht?

    Ich gebe Dir Recht. Der aktuelle Zustand ist natürlich unbefriedigend und ich plädiere nicht für ein Beibehalten. Es ist jetzt eine Fußgängerzone und das ist auch der Grund, warum es Nachts (und tagsüber leider auch vielfach) sehr verlassen ist - es fehlt das städtische Leben.

    Mir geht es auch nicht darum Dortmund mit Paris zu vergleichen, sondern darum, was einen gut funktionierenden, zeitlosen und schönen Boulevard ausmacht. Den gibt es in vielen Europäischen Städten in groß und klein. Solche Boulevards zeichnen sich durch ein funktionierendes Miteinander der Verkehre aus sowie eine Mischnutzung der anstehenden Häuser. Der Raum wird dann durch regelmäßige Baumreihen geordnet und in Bereiche für Fußgänger, Autofahrer und zukünftig auch Radfahrer geteilt. Es kommt dort nicht zu einer Zonierung in entweder Autostraße oder Fußgängerzone. Und genau diese Konzeption einer großzügigen Stadtraße hat den Vorteil gegenüber Zonen, dass sie städtisches Leben bzw. urbanität hervobringt und daher äußerst attraktiv ist. Solche Straßen sind ebenfalls beleuchtet. Ob das nun mit einzelnen Laternen, hist. Kandelabern oder einem Lichtband, also einer zusammenhängenden Beleuchtugnsanlage, realisiert wird ist dabei nebensächlich.

    Genau diese Merkmale hat man bei der (südlichen Kleppingstraße) angewendet und das mit großem Erfolg. Dort ist Urbanität entstanden ganz ohne Triumphbogen oder Prachtbauten. Im Fußgängerbereich (Bürgersteig) hätte auch ein Lichtband sein können anstatt der Laternen - das ist letztlich unerheblich.

    An solchen best practice Beispielen hätte man sich orientieren können. Von mir aus auch mit Lichtband, Brunnen und Wasserlauf.

    Das man stattdessen ein Gestaltungsexperiment solcher Größe durchführt kritisiere ich.

    Hinzukommen was Dortmund angeht drei weitere Punkte:

    1. Fußgängerzonen brauchen hohe Passantenfrequenzen um attraktiv zu sein. Da in Dormtund bereits die halbe Innenstadt eine solche Zone ist und der Westenhellweg als wichtigste Fußgängerstraße parallel zur viel breiteren Kampstraße verläuft, ist kaum mit einer besonders belebten bzw. urbanen Kampstraße zu rechnen.

    2. Das Konzept Fußgängerzone ist in den letzten Jahren in Schwierigkeiten gekommen, weil der Onlinehandel zugenommen hat. Das ist auch in Dormtund ein Thema. In anderen Städten wird bereits darüber diskutiert Fußgängerzonen wieder zu gemischt genutzten Stadtstraßen umzubauen. der sog. Boulevard Kampstraße wurde vor dieser Entwicklung geplant. Warum reagiert man jetzt nicht darauf?

    3. Ist Dormtund zwar an vielen Orten, insbesondere den Stadterweiterungen der Jahrhudnertwendezeit eine tatsächlich urbane und attraktive, oft sogar schöne Stadt. Auch der Phönix See ist vermutlich eine der - wenn nicht sogar die - beste/n Stadtplanung dieser Größenordnung in Deutschland in den letzten Jahren (auch wenn viele behaupten das sage mehr über die Qualität unserer Stadtplanung als die des Sees aus). Das Aushängeschild einer Stadt bleibt aber immer ihr Zentrum und dort gibt es in Dormtund erhelbliche qualitative Defizite. Das festzustellen hat nichts mit "Dormtundbashing" zu tun, sondern ist eine realistische Bestandsaufnahme. Auch als Lokalpatriot kann man sich dazu einmal durchringen. Vor diesem Hintergrund plädiere ich für eine Gestaltung und Mischnutzung der Straße im Sinne eines echten Boulevards, wie es ihn hunderfach gibt, nicht nur in Paris, sondern mit der südlichen Kleppingstraße auch in Dortmund.

    Auf erfolgreiche Konzeptionen zurückzugriefen halte ich keineswegs für eine veraltete Denkstruktur. Ein moderner Boulevard kann ja gerne entsprechende Laternen (Lichtbänder), Pflaster, Bänke, und verrückte oder minimalistische Brunnen haben. Für das jetzt stattfidnende Experiment ist Dormtund meiner Mienung nach aber der falsche Ort.

    Die genannten gemischten Stadtquartiere befinden sich nicht neben den Fußgängerzonen. Aber gibt es neben letzteren überall Lichpromenaden usw.? Außerdem hast Du eine Fußgängerzone quasi zur Voraussetzung für Wohnen in der Innenstadt erklärt.

    Und wie gesagt, ich würde gerne mal ein erfolgreiches Beispiel einer vergleichbaren Planung sehen. Kennst Du eins? Wo ist das? Und wenn es das nicht gibt, glaubst Du Dortmnd hat es nicht nötig sich an best practice Beispielen zu orientieren? Warum nicht?

    Sein wir doch mal ehrlich, Städte zu zonieren war nicht besonders erfolgreich, weil es kein städtisches/urbanes Leben schafft. Tagsüber ist eine Fußgängerzone voll und nachts nahezu ausgestorben. Das gleiche gilt für auomobilorientierte Straßenplanung - tagsüber voller Autos, nachts gähnende Leere (siehe Wallring). Was Du alles aufzählst sind doch bislang nur Hoffungen oder wo sind das studentische Leben und die Außengastronomie jetzt? Ein Haus mit Mikroapartments für Studenten macht noch längst kein studentisches Leben. Und seit wann gibt es Außengastronomie nur in Fußgängerzonen? Auf dem Champs-Élysées fahren täglich 60.000 Autos und trotzdem werden die Leute lieber dort ihren Kaffee trinken als auf der Kampstraße.

    Gegenüber dem jetzigen Zustand wird es sicher eine Verbesserung sein, aber es bleibt ein Experiment. Im ganzen Land wird darüber diskutiert, dass Fußgängerzonen in der Innenstadt in der Krise sind, weil der Onlinehandel so boomt. Anstatt darauf zu reagieren wird in Dortmund die größte neue Fußgängerzone (übrigens keien verkehrsberuhigte Zone) in der Republik seit den 70er Jahren umgesetzt, die auch noch vor über zehn Jahren geplant worden ist.

    Es ist ja in Ordnung, dass Du das gut findest. Aber dass Du Kritik nicht gelten lassen möchtest oder Dich nicht versuchst sachlich damit auseinander zu setzen sondern persönlich wirst, finde ich sehr schade. Dafür ist das Forum doch da. Darüber hinaus sehe ich nicht an welcher Stelle ich ganz generell "Wasserläufe, Brunnen, alte Bäume, Gastronomie, Außengastronomie, studentisches Leben inmitten der Innenstadt, Dortmund, die in Dortmund lebenden Dortmunderinnen und Dortmunder sowie Städte, die auf irgendwelchen Listen der abgehängten Regionen landen" kritisiert oder schlecht gemacht habe. Da Gegenteil ist der Fall. Meine Kritik galt ausschließlich der Planung für die Kampstraße. Persönliche Anspielungen ("Mami und Papi") finde ich hier auch fehl am Platz. Beschränk Dich doch bitte auf Inhaltliches.

    Wasser, alte Bäume, Lichtpromenade(was ist das eigentlich?) sind doch alles nur irgendwelche Schalgworte oder Marketingsprech. Das muss dann auch in eine sinnvolle Gestaltung gebracht werden und nicht irgendwie zusammgerührt.

    Ist ja nett, dass da jetzt das Basecamp gebaut wird. Hast Du Dich mal umgeschaut was andernorts gebaut wird? Willst Du das Basecamp als archtektonisches oder investives Highlight verkaufen? Ja, da baut nach Jahren des Wartens jetzt endlich mal einer ne Bude hin, in der dann Studenten in überteuerten 1-Zimmerwohnungen leben. Damit kann man gutes Geld machen. In den meisten Städten, die nicht auf irgendwelchen Listen der abgehängten Regionen landen, wurden solche Vorhaben ausschließlich außerhalb der Innenstädte, meistens sogar am Stadtrand gebaut. In Dortmund muss man das halt direkt am wichtigsten Denkmal der Stadt hinnehmen, weil man dort nichts besseres bekommt.

    Die nördliche Kleppingstraße ist tatsächlich eine Fußgängerzone, zumindest ein ganz kurzes Stück. Dieses kurze Stück ist aber nicht die größte und längste Straße mitten durchs Zentrum.

    Ich würde hier gerne inhaltlich diskutieren, aber auf Aussagen mit "alte Leier" und "vielmehr verharrst du in veralteten Strukturen und Denkweisen" würde ich gerne verzichten. Die bringen niemanden weiter.

    ^^

    Hier muss ich kurz polemisch werden und zur Ironie greifen: Deine Visu vom "Boulevard" zeigt leider genau das Probelm, einen grauselig geplanten Raum. Dass das in Dormtund so nicht gesehen wird, spricht Bände über die Verantwortlichen in der Stadt. Nur weil hier eine "neue" Gestaltung ausprobiert wird, bedeutet noch längst nicht, dass Fortschritt stattfindet. Kennst Du ein vergleichbares und erfolgreiches Beispiel? Daran wäre ich sehr interessiert. Zeig doch mal ein Foto.

    Bzgl. alte Denkmuster: Wenn die ganzen alten europäischen Stadtboulevards so wahnsinnig von gestern sind, warum halten sich da täglich so viele Menschen so gerne auf? Oder glaubst Du die kommen bald alle nach Dortmund, weil die Kampstraße demnächst in einem Atemzug mit dem Champs-Élysées genannt wird. Aber ich denke Dortmund hat es auch gar nicht nötig sich schöne Stadträume zum Vorbild zu nehmen. Die Dortmunder Stadtverwaltung ist in gestalterischen Fragen schließlich schon lange Avantgarde. In welchem Kunstgeschichtsbuch wird sie nicht genannt? Eine "Lichtpromenade" ist ohnehin der letzte Schrei. Und da Dortmund deutschlandweit - ach was sage ich - weltweit als schöne Stadt bekannt ist, kann man sich solche Gestaltungsexperimente ja leisten. Und wer es wagt das zu kritisieren ist halt von gestern. Inhaltlich will man sich der Kritik lieber nicht stellen.

    Außerdem, seit wann kann man in einer Stadt nur dann Wohnen wenn vor der Tür eine Fußgängerzone mit Lichtband verläuft. Mein Eindruck war zuletzt, dass in Fußgägngerzonen eher wenig gewohnt wird, wohingegen gemischt genutzte Stadtstraßen häufig sehr beliebt sind. Aber vielleicht habe ich mich in den beliebten Berliner Kiezen oder in Münschen Schwabing, dem Frankfurter Nordend oder Köln Ehrenfeld einfach nicht genau genug umgeschaut, um die ganzen Fußgägngerzonen nebst Lichtpromenaden zu entdecken. Zum Glück hat das die Dortmunder Stadtverwaltung gemacht. Da muss man sich ja um die Stadt keine Sorgen mehr machen.

    Im Übrigen ist die Realisierung doppelt bitter, weil ausgerechnet die Kleppingstraße, die zur gleichen Zeit und mit dem gleichen Gedanken wie die Kampstraße nach dem Krieg als Autoschneise durch die Innenstadt geschlagen wurde, doch als lokales Beispiel hätte dienen können. Die Kleppingstraße wurde mit großem Erfolg zu einem echten Boulevard umgebaut. Die dort realisierte Freiraumgestaltung ist so gut gelungen, dass die architektonische Mittelmäßigkeit der anstehenden Häuser kaum mehr wahrzunehmen ist. Anstatt sich bei solchen erfolgreichen Beispielen einen Scheibe ab zu schneiden, wird nun so ein Firlefanz realisiert.

    Wo wird denn da ein Boulevard gebaut?

    Dass diese Mittelstück des sog. Boulevards nun nach so vielen Jahren umgesetzt wird halte ich für einen sehr großen Fehler. Die Kampstraße ist heute eine große klaffende Stadtraum-Wunde in der Innenstadt - ein riesiger toter Raum. Was das Wort Boulevard mit der Planung zu tun hat bleibt wohl ein Rätsel. Scheinbar waren die Beiteiligten noch nie in Paris oder haben Bilder des Walls vor dem Zweiten Weltkrieg gesehen. Das sind und waren Boulevards mit echter Funktion und Aufenthaltsqualität und einer Gestaltung, die nicht alle 20-30 Jahre erneurt werden muss. Welche Funktion soll denn dieser Raum haben? Wir haben heute mit sinkenden Fußgängerzahlen in der Innenstadt zu kämpfen und machen nun aus der größten Straße der Innenstadt die näcfste Fußgängerzone. Anstatt diese Straße als gemsicht genutzte Stadtstraße mit zeitloser Gestaltung dauerhaft zu einem echten großstädtischen Boulevard umzubauen, wird dort eine Freiraummode von vor 15 Jahren realisiert. In spätestens 20 Jahren werden wir dann wieder dort stehen um die Planungsfehler von vor 20 Jahren zu beseitigen. Man kann nur hoffen, dass bis dahin ein Lernprozess stattfindet. Schade für Dortmund, eine Stadt, die bessere Qualität so dringed nötig hätte.

    Ich finde, dass die Meldungen im Internet dazu undurchsichtig sind. Es gibt zwar auf Straßen NRW die Info zu den Planungen, die allerdings ruhen, auf der anderen Seite wird auf der Seite der Initiative B1 Plus über einen Planungsdialog von Oktober 2018 berichtet, indem es um Planungen der B1 geht, die mit einem Autobahnausbau nichts zu tun haben. Dort ist sogar von Alleesanierung sie Rede.

    Vl, kann der sehr kundige John Dortmunder genaueres zum Stand der Dinge berichten?

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    Leider keine Panikmache, sondern bittere Realität! Immer wenn Stadt und Land von "dem B1 Tunnel" sprechen, ist damit eigentlich die zur Autobahn A40 umgewidmete B1 gemeint, die aber nicht zwischen B236 und Wittekindstraße komplett unterirdisch verlaufen soll. Dagegen müssen wir Dortmunder Bürger uns wehren!

    Könntest Du das bitte mit Quellen verifizieren. Ich habe dazu nirgends eine Meldung finden.

    Den Ausbau zwischen A1 und B236 halte ich für ebenso unnötig wie katastrophal. Hat das wirklich die Stadt Dortmund (mit) vorangetrieben oder wird das gegen den Willen der Stadt umgesetzt?

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    Aleon

    Ich möchte Dir zustimmen! Bislang das beste Beispiel für städtebaulich hochwertige Schaffung von Wohnraum auf Dortmunder Stadtgebiet. Das Berswordt-Quartier knüpft daran an, auch wenn der Block nicht ganz geschlossen ist. Beim HSP-Gelände bin ich noch einigermaßen zuversichtlich. An anderen Stelle ist leider alles zu spät...

    Mich erstaunt immer wieder, dass trotz dieses gelungenen Stücks Stadt an anderer Stelle Rückfälle in die 60er Jahre möglich sind. Das absurdeste Beispiel wird gerade in der Adelenstraße in Schüren fertiggestellt. Zeilen wie im Wiederaufbau und das in direkter Nähe zum See. Weitere Beispiele sind das Kronprinzenviertel und über den Ostbahnhof brauchen wir nicht zu sprechen. Das ist übrigens in anderen Städten nicht anders.

    Beim HSP Gelände will ich dann auch erstmal guter Hoffnung sein. Der bisherige Entwurf (keine Ahnung wie konkret der ist?) lässt aber eher nicht vermuten, dass richtiger Blockrand entsteht. Bisher sieht es nach geknickten Zeilen/Winkeln aus, die so angeordnet sind, dass sie viereckige Strukturen ergeben, durch die der Raum aber genauso hindurchfließt, wie im Zielenstädtebau üblich. Das führt zu besser gefassten Straßen, aber echte Stadt entsteht so leider nicht.

    Hier bin ich ganz Deiner Meinung. Bei allem was man noch besser machen könnte, halte ich genau diese Blöcke zwischen See und Alt-Hörde für äußerst gelungen. Das ist echter Blockrand, der nicht durchwegt ist, sondern öffentlichen und privaten Raum klar voneinander trennt (anders als beim Entwurf für das HSP-Gelände, wo sich der vermeintliche Blockrand bei genauem Hinsehen als abgeknickte Zeilen entpuppt). Darüber hinaus ist eine gewisse Kleinteiligkeit zumindest fiktiv gegebeben, auch wenn es kein echter Parzellenstädtebau ist. Auch der öffentliche Raum ist teils vernünftig, teils richtig gut geworden. Mir fällt spontan kein anderes aktuelles Beispiel aus Deutschland ein, bei dem so viel richtig gemacht wurde. Nicht spektakulär, aber richtig guter Alltagsstadtbau.
    Für mich ist dieses kleine Quartier die Messlatte für weitere Entwicklungen in der Stadt.

    Versteh mich bitte nicht falsch. Ich bin der Meinung, dass Dortmund tatsächlich deutlich besser ist als sein Ruf. Insbesondere in Zeiten einer merkbaren Überhitzung der sog. A-Standorte hat eine Stadt wie Dortmund eine große Chance wieder richtig auf die Beine zu kommen und das wünsche ich der Stadt sehr. Gerade deshalb halte ich es für eine gute Idee, dass Dortmund alles daran setzt neue Entwicklungsgebiete besser zu machen als zurzeit in Deutschland üblich. Am Phönix See ist das auch abseits des Sees gelungen und zu Recht wurde das Projekt mit dem Städtebaupreis ausgezeichnet.

    Zurück zum KPV: Meines Wissens nach wirkt der BDA Dormtund-Unna auf eine Anpsassung des städtebaulichen Entwurfs für das Quartier. Hoffentlich findet das Gehör. Vl weißt Du dazu mehr?

    Grüße aus Berlin!