Beiträge von Neall

    Da ich inzwischen selbst das Forum besichtigt habe, halte ich es ganz banal: wie sollte eine Rekonstruktion überhaupt "funktionieren" können? Das Gebäude wirkt wie ein Mehrzweckbau, und eine Verbindung zum früheren Schloss lässt sich lediglich durch die Fassaden erahnen. Weder die Raumaufteilung noch Dimensionen der Räume sind gegeben, deren Nutzung liegt fern jeder möglichen Assoziation und auch die Einrichtung ist in keiner Weiße Schloss-getreu gehalten. Rekonstruktionen würden hier wie ein weiteres Ausstellungsstück aufgenommen werden, aber nicht originär zum Gebäude gehörend.

    Der Vergleich mit Hildesheim hinkt IMHO, da dessen Altstadt noch (in größeren) Teilen intakt gewesen ist und lediglich einzelne Sünden beseitigt werden mussten. Um eine Lanze für Stuttgart zu brechen bietet sich Frankfurt an, denn dort lassen sich trotz des rekonstruierten Altstadtfleckens nun keine Scharen von Touristen blicken, tatsächlich ist es sogar recht schnell wieder still darum geworden, und die ersten Mieter bekamen vor Corona schon Probleme mit dem anvisierten Umsatz. Der gewöhnliche Passant interessiert sich nämlich weniger für geschichtsträchtige Häuser, denn einem geschlossenen und stimmigen Gesamtbild, welches sich mit ein paar wenigen rekonstruierten Gebäuden nicht erreichen lässt. Tübingen ist auch nicht bloß für seinen Marktplatz mit dem schönen Rathaus bekannt.

    Ich bin zwar durchaus gewillt dem Argument der Sicherheit zuzustimmen, halte es jedoch nach wie vor für ein vorgeschobenes, um sich die Kosten sparen zu können. Wenn solche Haltestellen zumindest teilweise überdeckelt wären, wie der Staatsgalerie, bei welcher die topografischen Begebenheiten gut ausgenutzt worden sind. Es gibt auch pseudo U-Bahn Stationen mit offenen Lichtschächten und -schlitzen, bei denen die Oberfläche trotzdem noch größtenteils anderweitig genutzt werden kann. Aber nein, man entscheidet sich dann für die denkbar schlechteste aller Optionen, ein Trog.


    Da denke ich wehmütig an den Killesberg, die Station dort sieht nach bald 30 Jahren immer noch gut aus, beängstigt nicht und so etwas hätte ich mir auch für den Flughafen gewünscht.

    Es werden zwar weiterhin unterirdische Strecken gebohrt, vor unterirdischen Stationen aber zeigt man eine panische Angst (leicht ironisch Angesichts von S21). Das Netz der SSB ist wohl das einzige in Deutschland, in dem die Anzahl solcher sogar abnimmt, zuletzt ist die Haltestelle Staatsgalerie aufgebrochen worden.

    Da stimme ich Regent zu. Dieses sterile käme gleich deutlich weniger steril herüber, wenn in den Stationen mehr Leben herrschen würde, sprich durch Gestaltung und Gewerbe. In Stuttgart ist es leider dasselbe Elend, ein Bäcker bleibt für Gewöhnlich das höchste der Gefühle, wobei es in den Stationen dort immerhin beengter zugeht. Auch das Kabel/Lampengewirr an den Decken wirkt dann tatsächlich reichlich chaotisch.


    Diese monumentale Hallenarchitektur dagegen ist nicht bloß für deutsche Verhältnisse beeindruckend, sondern auch für eine Stadt mit gerade einmal 300.000 Einw. Was für ein ziemlich großes Selbstbewusstsein spricht. Im bösartigen Vergleich zu Stuttgart gefällt mir übrigens die Beschilderung gut, in der Klett-Passage wird man nämlich auf ewig ziellos umherirren.


    In der Summe ist es eine Schande, wie man in der Hauptstadt am größten Flughafen des Landes ein liebloses Loch grub, während hier in einer durchschnittlichen Stadt nicht weniger als 7 doch ordentliche Stationen entworfen worden sind.

    Bei diesen hässlichen Kratern könnte ich weiterhin speien.

    Vor allem besitzt gerade die Haltestelle am Flughafen keinerlei Aufenthaltsqualität noch irgendeinen architektonischen Anspruch, und wirkt wie eine Lagerhalle im Gewerbegebiet. Auch die triste Betonwüste als Umgebung ist ein einziges Elend, da werden sich die Reisenden freuen, wenn sie nach der Ankunft in ein solches Loch hinabmüssen. Die anderen Stationen gehen dagegen in Ordnung, es sind ja bloß Haltestellen für Dörfer.

    Den Entwürfen nach verdeutlichen sich bei dem Wettbewerb zwei ausschlaggebende Themen:


    Massive Begrünung. Vor allem Ingenhoven hatte sich dabei stark von der Postapokalypse inspirieren lassen, "50 Jahre nach der Menschheit", aber auch die Entwürfe mit ausladenden Bäumen und Rasendächern sind doch sehr gewagt. Ich bezweifle weiterhin das dieser Trend in solchen großflächigen wie langfristigen Maßstäben durchgesetzt wird, der Aufwand und die damit verbundenen Kosten sind einfach zu immens. Grünstreifen wie beim Eden dürften das Maximum bleiben.


    Masse. Die geforderte Nutzfläche musste ja irgendwo untergebracht werden, schon bei diesem Aspekt vollbrachte Heide das Kunststück, dass sein Turm dennoch Elegant wirkt, während ein nicht unerheblicher Anteil der anderen Entwürfe leider wie zwei aufeinander gestapelte ONEs wirken. Zwar ist es korrekt das ein Landmark seine Umgebung sprengen muss, da er entsprechend im Rampenlicht steht, sollte es darüber hinaus aber kein abschreckendes Beispiel sein. Die Kunst ist es, zu sprengen und verdient im Rampenlicht zu stehen. Was das anbelangt sehe ich den Turm von Heide eindeutig auf dem ersten Platz.


    Der Entwurf OMA erinnert durch seine strenge Rasterung wirklich stark an einen neuen Montparnasse, zumal schwarze Fassaden selten überzeugen können, siehe Global Tower und IBCF. 3XN und Herzog & de Meuron hatten belanglose Kisten im Sinn, wobei die Hufeisenförmige Form von 3XN zumindest einen gewissen Reiz besitzt. Bei Schneider Schumacher muss vor allem der gläserne Kern kritisiert werden, welcher so in der Realität niemals umgesetzt worden wäre. COBE dagegen steht verdient auf dem zweiten Platz. Ich könnte es mir gut vorstellen, das hier die extravagante Fassade ein entscheidender Nachteil für den Sieg gewesen ist.


    Auffallend ist übrigens noch, das fast alle der kleineren Wohntürme einen asymmetrischen Grundriss besitzen. Keine Ahnung ob das einer Konvergenz der Architekten oder weiteren Vorgabe geschuldet ist.

    Länge nicht zu vergessen, die längsten Scheiben müssten immerhin gut 20m lang sein.

    Beim Umbau des Messeturms sind zwar auch Rekorde geknackt worden, aber auf Straßenniveau und nicht in 270m Höhe. Finde es jedenfalls spannend, das die Skyhall nicht bloß als Aussichtsplattform genutzt werden soll, so ein kleines Konzert stelle ich mir dort oben ziemlich imposant vor.

    Der T4 wächst weiterhin rasant - nächste Woche wird wohl das vierte Geschoss nach dem Sockelbau betoniert, 20 bzw. 21 mit Aufbauten sind es insgesamt dann. Sollte sich an der Geschwindigkeit nichts ändern, dürfte der Rohbau spätestens im Sommer stehen. Da stellt sich die Frage, ob er für die kommenden zwei Jahre dann auch ein Rohbau bleibt, also bis die anderen Türme nachgezogen sind, oder bereits bezugsfertig sein wird, während sich der Rest des Four noch im Bau befindet?

    Dass es ein Gewinn für Stuttgart ist, werden wie gesagt unsere Kinder oder Enkel feststellen

    Leider muss das sogar wortwörtlich verstanden werden. Für die Vollendung des kompletten Gebietes, also bis hin zum Rosensteinquartier, wird derzeit ein Zeitraum bis in die 40er hinein veranschlagt. Allein für die Beräumung des Gleisvorfeldes sind (nach 2026) schon Jahre eingeplant, auch weil hier mit den Hinterlassenschaften des zweiten Weltkrieges zu rechnen ist. Zählt man die Anfangs der 90er errichteten LBBW-Gebäude dazu, dann lässt sich von einem Zeitrahmen von einem halben Jahrhundert sprechen. Zum Vergleich: Die Hafencity in Hamburg soll nach knapp 25 Jahren vollendet sein, und das sind doch noch einmal ganz andere Dimensionen dort. Gut Ding will eben seine Weile haben. :S

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    Der Vergleich hinkt. Für einen Single mag ein 12m² kleines Wohnzimmer noch ausreichend sein, sobald aber Frau und Kind dazukommt, wünscht man sich doch mehr Platz zum entspannen. Es sollte übrigens nicht die Hartnäckigkeit mancher Zeitgenossen unterschätzt werden. Über den Berliner Flughafen wird nach wie vor kräftig gejammert, in Bezug auf mangelnde/fehlende Beschilderung, verschmutzte Toiletten oder eine umständliche Wegeführung, und S21 bleibt sicherlich selbst auch ein Gesprächsthema nach der Fertigstellung. Schlussendlich ist S21 nicht Deutschland. An den stark verspäteten ICE von Hamburg oder IC aus Köln wird man in Stuttgart dann zwar selbstverständlich keine Schuld tragen, aber auch mit modernster Technik weder solche Verspätungen vermeiden, noch den Unmut der Reisenden besänftigen können.


    Das die Tübinger mit ihrer Busanbindung an den Flughafen zufrieden sind, stelle ich dem gegenüber, wie viele dann im Parkhaus mit Tü Kennzeichen parken.

    Spassfakt: Auf besagter B27 sollte einmal eine Busspur eingerichtet werden, die Planungen sind aber verworfen worden. Das viele Reisende doch lieber aufs eigene Auto oder Flughafentaxis vertrauen, liegt zu einem nicht unerheblichen Teil daran, dass man keine Lust verspürt seine Koffer überhaupt erst zu einem Bahnhof bzw. Haltestelle schleppen zu müssen. Schlussendlich wird die Strecke Tü - Flughafen vielmehr an der zu klein geratenen Wendlinger Kurve scheitern. So gibt es zukünftig zwar keinen Plochinger Flaschenhals mehr, dafür einen Wendlinger. Über diese Ignoranz der Bahn, das Neckartal nicht vernünftig an die Neubaustrecke anbinden zu wollen könnte man sich auch wieder herrlich und ewig ausführlich aufregen, in der Hinsicht gebe ich dir aber recht, dass es das nicht wert ist.

    In Tübingen etc. wünscht man sich endlich mehr direkte Fernverkehrsverbindungen, als dafür zukünftig vielleicht 10km weniger weit fahren zu müssen. Der Bahn-Offensive nach sollte in Tübingen (und Reutlingen) ein zweistündiger Fernverkehrstakt realisiert werden, seit einem Jahrzehnt nun existiert ein "Probelauf" mit dem IC Loreley und getan hat sich seither... nichts. Während in Ulm bspw. demnächst zehn XXL-ICE pro Tag (!) halten. Auch die Anbindung an sich wird keine nennenswerte Vorteile bringen, da in beiden Städten sehr gute Busverbindungen zum Flughafen existieren, welche zudem die umliegenden Dörfer bedienen.

    Parallel zur gestrigen Bundestagswahl fand der geplante Bürgerentscheid für die Innenstadtstrecke in Tübingen statt. Sogar in den überregionalen Nachrichten gab es dazu während den letzten Wochen manche Schlagzeile zu lesen, und wie bei Bürgerentscheiden allgemein üblich endete auch dieser nicht positiv (= für die RSB). 57% haben sich dagegen entschieden.


    Nun soll nach den Ursachen geforscht werden. Einer Aufschlüsslung der Bezirke nach ist besonders das eingemeindete Umland stark gegen die ISS gewesen, während man sich in den Innenstadtbezirken entweder sogar positiv oder zumindest neutraler zeigte. Auf Facebook dagegen taten auch manche User offen ihren Unmut gegen Palmer kund. Einerseits ist das verwerflich, seine Entscheidung überhaupt von solchen Belangen abhängig zu machen, andererseits hatte Palmer zwar stark dafür geworben, verantwortlich ist er aber nicht.


    Der Bürgerentscheid zeigt auch in anderer Hinsicht ein Geschmäckle, er ist nämlich bloß für drei Jahre bindend, danach können die Planungen wieder aufgenommen werden. Angesichts dessen, das man sich in Reutlingen nach 20 Jahren Planung immer noch über die Streckenführung uneins ist, sind ein paar weitere Jahre Stillstand in Tübingen wirklich kein großes Thema.

    Richtig, bleiben wir besser bei ethnologischen Museen um nicht allzu sehr vom Thema abzuschweifen.


    Was ist überhaupt rechtmäßig, was nicht? Die Mona Lisa wünscht sich auch so mancher nach Italien zurück, obwohl sie ordentlich von den Franzosen erworben, bzw. noch von Leonardo selbst verkauft wurde. Hier in Tübingen existiert z.B. das lokal recht bekannte MUT, deren Sammlung zu einem drittel aus ägyptischen Exponaten besteht. Sollten diese nun zurückgefordert werden, fehlt dem Museum eben jenes drittel. Hat ein solcher Anspruch auf Rückgabe seine Grenzen, ist also eine Nofretete mehr Wert als ein gewöhnlicher Sarkophag? Oder darf dann ein großes Fass aufgemacht und wahllos alles gefordert werden, was landeseigen ist?

    Ein Museum im herkömmlichen Sinne lebt vom Original.

    Und was soll mit den Museen geschehen, wenn keine Originale mehr vorhanden sind, welche man sich noch anschauen könnte? Selbst wenn das nicht jedem Gegner schmecken mag, Museen dienen in erster Linie nicht dazu, die Beutekunst unterdrückter Völker zu präsentieren, sondern Wissen bzw. auch Verständnis zu vermitteln. Und gerade solches um fremde Kulturen sollte einem in der heutigen globalisierten Welt extrem wichtig sein. Die Mona Lisa in Paris lässt sich noch leicht bewundern, nicht jeder Interessierte ist aber dazu imstande noch willens nach Afrika, in den nahen Osten oder Übersee zu reisen, um sich entsprechend bilden zu können.


    Der dezent provokative Ausspruch mancher Direktoren zum Thema Beutekunst "wollt ihr leere Museen?" kommt nicht von ungefähr. Wenn weder Original noch Imitat ausgestellt werden soll, bleiben interaktive Ausstellungen mit Hörstationen und Touchscreens für digitale Inhalte übrig, was als Konzept bloß extrem ermüdend ist. Persönlich vermisse ich nämlich stark vernünftige Alternativen zu solchen Museen voller vermeintlich fragwürdiger Exponate. Kulturforum, Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit, Suppenküche - das alles sind Schlagworte, welche in einem begrenztem Rahmen noch funktionieren mögen, schlichtweg aber nicht auf der großen Ebene.


    Die wenigsten Touristen würden nach Paris oder London reisen, um sich zukünftig statt der Mona Lisa und Nofretete ein Podium mit interkulturellen Austausch anzuschauen, was das Anbelangt darf die Realität nicht aus den Augen verloren werden.

    Bei dieser Diskussion ist es mir schon unverständlich, warum man überhaupt so versessen ist, noch irgendwelche Originale besitzen zu müssen. Fälschungen sind keine bemalten Gipsabdrücke mehr, welche nach ein paar Ausstellungen auch wie bemalte Gipsabdrücke aussehen. Mit modernen Techniken können stattdessen perfekte Imitate hergestellt werden, welche sich ebenso eindrucksvoll in einem Museum präsentieren ließen.


    Ob es sich dabei nun um ein echtes oder originalgetreu gestaltetes Ausstellungsstück handelt, sollte fürs bloßen betrachten eine untergeordnete Rolle spielen, schlussendlich liegt der Zweck eines Museums darin, sich generell etwas anzuschauen. Es wäre also gar kein Thema, Kunstgegenstände zurückzugeben und sie trotzdem präsentieren zu können, höchstens im Sinne eines eventuell bestehenden "Urheberrechtes".