Beiträge von BautzenFan

    Zunächst sollte der Große Schlosshof als letzte Maßnahme des Schlossaufbaus realisiert werden. Das resultierte vor allem daraus, dass die Fläche für die umfangreichen Materialtransporte (incl. Abbruchmassen) benötigt wurde (schwere Baufahrzeuge versus historische Sandsteinplatten). Von dieser zeitlichen Einordnung rückte man ab, vor allem um die sukzessive fertiggestellten Hoffassaden zugänglich zu machen. Es ist zu bedenken, dass der Fertigstellungstermin für das Schloss immer weiter verschoben wurde, in den 2000er Jahren war noch von 2013 die Rede. Diese Jahreszahl ist übrigens an der Ostfassade angebracht (Giebelbereich).

    Es kam also zu einer Planänderung, indem man vor einigen Jahren das östliche Hofdrittel fertigstellte (sogenannter Bauabschnitt 1). Bauabschnitt 2, das ist der gesamte Rest, dürfte in Kürze beginnen. Die zugehörigen Tiefbauarbeiten sind bereits vergeben. Für die Verlegung der Sandsteinplatten läuft die Ausschreibung. So wie ich die Terminangaben in den Ausschreibungstexten verstanden habe, wird sich die Fertigstellung aber wohl bis ins nächste Jahr hinziehen ( es war kein fixer Endtermin angegeben, sondern nur die Zeitdauer der ausgeschriebenen Bauleistungen.

    Der vollständige Abbau der Fassadengerüste am Westflügel dürfte erst vor kurzem erfolgt sein. Das war aber sicher eine Prämisse für den Start der Tiefbauarbeiten. Wie gesagt, jetzt dürfte es bald losgehen. In der Ausschreibung stand Mitte Mai.

    Rako hatte schon angemerkt, dass der Südflügel, der "jüngste" Trakt des Schlosses, ironischerweise am besten durch den Krieg gekommen ist. Hier wäre noch zu ergänzen, dass in diesem Flügel bereits in den 1970er Jahren ein provisorischer Ausbau für eine längerfristige Zwischennutzung erfolgte - und zwar bis einschließlich ins 2. OG. Nachfolgend ein Zitat aus der Chronologie der seit 1945 realisierten Maßnahmen zur Sicherung der Ruine (erstellt von Gerhard Glaser):

    1975

    Beginn des Ausbaus des gesamten Südflügels durch den Baubetrieb MTB Moritzburg als Baustelleneinrichtung für den Erweiterungsbau des Volkspolizeikreisamtes Dresden

    Wie gleich folgende Fotos von 1980 belegen, schaffte man aber wohl nur die Nutzbarmachung des östlichen Teils (im Zitat hieß es ja GESAMTER Südflügel). Folgerichtig führt die Chronologie als eine weitere Maßnahme auf:

    10. Juli 1977

    Projekt Bauingenieur Kind; Teilausbau westlicher Südflügel Residenzschloss für das Büro für architekturbezogene Kunst beim Rat des Bezirkes Dresden. Realisierung nur zum Teil und zugunsten des Instituts für Kulturbauten. Letzter Versuch zur weiteren Interimsnutzung.

    Nun zu den Fotos, die Ruinenaufnahmen alle von 1980. Die ersten beiden Bilder zeigen die Straßenseite des Südflügels, zunächst die östliche Hälfte, danach die westliche.

    https://fotothek.slub-dresden.de/fotos/df/mbs/0…0080013_024.jpg

    https://fotothek.slub-dresden.de/fotos/df/mbs/0…0080013_025.jpg

    Wer die DDR nicht live erlebt hat, kann gar nicht erfassen, was schon allein das "Besorgen" solcher maßgefertigter Fenster für ein Kraftakt gewesen sein dürfte. Auf der nicht einsehbaren Hofseite behalf man sich mit einer "anderen Lösung". Das nächste Foto zeigt den sogenannten Wirtschaftshof (1980), Blickrichtung nach Westen. D.h. der Südflügel ist links im Bild.

    https://fotothek.slub-dresden.de/fotos/df/mbs/0…0080013_135.jpg

    Und hier in Draufsicht der östliche Teil der Südfassade des Wirtschaftshofs:

    https://fotothek.slub-dresden.de/fotos/df/mbs/0…0080013_139.jpg

    Und schließlich noch die aktuelle Ansicht des Wirtschaftshofs, Blickrichtung nach Osten:

    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/comm…haftshof_01.jpg

    Und noch etwas möchte ich nicht unerwähnt lassen. In dem allgemein sehr ambitionierten Reko-Programm aus DDR-Zeiten war die Wiederherstellung der ursprünglichen Hoffassaden NICHT vorgesehen. In einer von Gerhard Glaser formulierten Kurzfassung der denkmalpflegerischen Zielstellung hieß es wörtlich:

    Auf die Erhaltung der Fassaden des Wirtschaftshofes von 1891 wird kein Wert gelegt.

    Elli Kny

    Vielen Dank für die sehr interessanten Fotos. Hast Du eventuell darauf geachtet, wo diese Originalfliesen vorkommen, also nur im EG oder auch in den oberen Fluren?

    P1340386.jpg

    Foto von Elli Kny

    Fast die identische Blickperspektive wie auf einem Foto in der Baubroschüre des SMF

    Diesen Bodenfliesen ist zudem in der genannten Quelle ein Textpassus gewidmet. Ich zitiere:

    Dekoratives Anführungszeichen

    Eine weitere Information liefert die Untertitelung des oben genannten Fotos in der Baubroschüre:

    Dekoratives Anführungszeichen

    Östlches Erdgeschoss des Südteils, die ursprünglichen Bodenfliesen von Villeroy und Boch wurden durch Terrazzo ergänzt

    Der letzte Satz im Textzitat ist m.E. etwas unglücklich formuliert (EINZELNE Erinnerungsstücke). So wirkt das Foto aber gar nicht. Fotografiert wurde vermutlich die größte Originalfläche, und die wäre ja tatsächlich im EG zu vermuten. In den oberen Geschossen sieht es vermutlich "lückenhafter" aus.

    P.S. Die rote Schriftfarbe im Zitat hat nichts zu bedeuten. Ist mir nicht gelungen zu ändern.

    Hier nochmal das tolle Foto von Elli Kny mit Blick von außen in den Großen Ballsaal:

    P1330599.jpg

    Foto von Elli Kny

    Man erkennt dort u.a. 2 Exemplare der Aufsatzfiguren, mit denen die Wandsäulen des Saales verziert sind. Die fachlich größte Herausforderung bei der Rekonstruktion solcher Plastiken stellt sich dem Bildhauer, der in mehreren Schritten die 1:1-Modelle für die jeweilige Endausfertigung realisiert. Im vorliegenden Fall war das eine absolute Koryphäe seines Fachs, nämlich Stefan Dürre. Ich habe nachstehend die zugehörige Projektseite von seiner HP verlinkt.

    Modelle Großer Ballsaal

    Wenn man dort ganz nach unten scrollt, finden sich auch Informationen zu den schon mehrfach genannten Medaillons, die in den Fensterlaibungen angebracht sind. Stefan Dürre hatte demnach für 8 Exemplare Entwurfszeichnungen hergestellt. Andererseits fehlen aber Angaben über die Fertigung von Modellen. Vielleicht war es mal angedacht (im Sinne von: es war in der Diskussion), diese Medaillons zu ergänzen (die völlig zerbröselten vollständig neu zu schaffen oder die lädiert erhaltenen zu ergänzen). Wie gesagt, auf diese Teile bin ich sehr gespannt - im nächsten Frühjahr wissen wir mehr.

    Stefan Dürre war auch für den Propositionssaal tätig. Hier schuf der Künstler die Vorlage für die Figur der Viktoria, beidseitig neben den Bildern über den beiden Türdurchgängen befindlich. In der Endfertigung sind das also 4 Stück. Nachfolgend der Link zur Projektseite:

    Modelle Propositionssaal

    Als Hauptquelle für die Rekonstruktion der Viktoria diente das Foto von 1870/1875. Betreffs des Aufnahmedatums gibt es in der Literatur und im Netz unterschiedliche Angaben.

    Propositionssaal 1870 1875

    Interessant ist nun, dass die Viktoriafiguren offenbar irgendwann mal verlustig gegangen sind. Das nachstehend verlinkte Foto zeigt Kronen anstelle der Viktoria:

    https://fotothek.slub-dresden.de/fotos/df/haupt…log_0257329.jpg

    Noch ein weiteres aktuelles Foto von Elli mit Blick von außen in den Großen Ballsaal. Im zweiten Fenster von links ist eines der wieder eingesetzten Stuckmedaillons zu sehen.

    P1330603.jpg

    Foto von Elli Kny

    Im obigen Foto auch gut sichtbar sind die im Aufbau befindlichen Großvitrinen. Den Zuschlag für die Herstellung dieser Spezialvitrinen (in vielerlei Hinsicht Hightech-Produkte) erhielt die sächsische Firma Reher aus Lauta. Die Truppe spielt auf ihrem Arbeitsbereich wirklich in der Premiumklasse, die Liste ihrer internationalen Kundschaft spricht für sich, u.a. Eremitage Sankt-Petersburg, British Museum London, Nationalmuseum Katar.

    Der Auftrag für die beiden Säle im Nordflügel umfasst folgende Einzelobjekte:

    7 Büstensockel

    2 Vitrinenblöcke mit Y-förmiger Grundfläche, Abmessungen L/B/H 570 x 600 x 300

    1 Bodenvitrine

    7 Hochvitrinen 110...150 x 250 x 250

    1 Podest mit einer Portalkonstruktion und 2 integrierten Hochvitrinen

    Der vereinbarte Preis wurde mit ca. 868000 Euro angegeben (im vorliegenden Fall nicht explizit genannt, aber üblicherweise sind das Angaben ohne MwSt.).

    Das folgende Kurzvideo zeigt den Hub der bis 600 kg schweren Glasplatten in das 2. OG, der Spezialkran stand im Kleinen Schlosshof:

    https://www.instagram.com/reel/DRBrM9ODsy8/


    Nachfolgend ein Foto, das 1980 im Nordostflügel aufgenommen wurde. Der Fotograf stand im 1. OG und blickte in Richtung Osten, im Bildhintergrund sehen wir also die östliche Schmalseite des Großen Ballsaals. Nur zum Verständnis, die Decke zwischen 1. und 2. OG war durchgebrochen. Gut zu erkennen, dass an besagter östlicher Seite des Saals der Stuck in relevantem Umfang überlebt hatte.

    Zustand Großer Ballsaal 1980

    Diese Befundsituation manifestierte sich auch in folgender Zeichnung aus den Ausschreibungsunterlagen, die östliche Seite dort rechts dargestellt. Mit hellblau sind die erhaltenen Stuckfragmente gekennzeichnet. Benennung in der zugehörigen Legende:

    Befunde - eingelagert im Depot, eindeutige Position zuordenbar.

    53876

    Quelle: SIB, Ausschreibungsunterlagen

    Zu den erhaltenen Befundstücken, die ebenfalls in die heutige Raumfassung integriert werden, gehören auch einige der Marmorplatten aus der Umbauphase von 1882. Auf dem oben verlinkten Ruinenfoto sind 2 davon zu erkennen (oberer Bildbereich links). Die nachkolorierte Vorkriegsaufnahme vermittelt einen visuellen Eindruck, wie das ausschaut (die Marmorplatten sind rötlich):

    Großer Ballsaal Kolorierte Vorkriegsaunahme

    P.S. Post von Saxonia gerade erst gelesen, nach dem Absenden meines Beitrags

    Dank des Umstands, dass in den Wintermonaten zeitig am Nachmittag das Licht angeknippst werden muss, kann uns Elli wieder einmal mit tollen Innenansichten verwöhnen. Vielen herzlichen Dank. Ich möchte nachfolgend auf den Großen Ballsaal eingehen.

    Das Rekonstruktionsziel besteht hier in der (weitgehenden) Wiederherstellung der Fassung aus der Mitte des 19. Jahrhunderts (Architekt Otto von Wolframsdorf). Ab 1882 erfolgte ein drastischer Umbau, bei dem die Decke wesentlich höher gelegt wurde, dies im Verbund mit einer Voute (Hohlkehle). Die Pläne dafür stammten noch von dem 1881 verstorbenen Hofbaurat Krüger, dem Architekten des Kleinen Ballsaals. Analog wie im Kleinen Ballsaal wollte man auch im Großen Ballsaal eine Musikerempore haben. Eine weitere Veränderung betraf den Einbau von echten Marmorplatten im Bereich der unteren Wandflächen, die Installierung von Wandleuchtern und fünf voluminösen Kristallleuchtern. Die Ziergitter an den Fenstern kamen erst um 1896 dazu.

    Eine sehr schöne Aufnahme von Elli vermittelt eine gute Vorstellung vom m.E. ziemlich vollständigen Umfang der ursprünglichen Stuckatierung. Auf dem Foto sieht man auch ein Ziergitter, aber wie gesagt, die gehören in eine spätere Phase.

    P1330599.jpg

    Zum Vergleich das einzige Foto des Großen Ballsaals, das die Ursprungsfassung verdeutlicht. Man erkennt z.B., dass die Wandleuchter noch nicht vorhanden sind.

    Aufnahme um 1875

    Und hier eine Aufnahme des Vorkriegeszustandes, man beachte auch die Marmorplatten (rötlicher Farbton).

    Vorkriegszustand

    Das nächste Foto zeigt die bauliche Situation im Jahr 2011, also letztlich den Rohbauzustand. Hier möchte ich auf die Stellen der Stuckmedaillons in den Fensternischen aufmerksam machen. Etliche dieser Medaillons waren im Feuersturm völlig zerbröselt. Aber die mehr oder weniger erhaltenen hatte man sorgfältig rausgeschnitten (siehe die Stelle mit dem roten Pfeil).

    37257

    Eigenes Foto, Zustand 2011

    Ich glaube eines der Medaillons auf dem nachfolgenden Foto zu erkennen (zweites Fenster von rechts). Ich bin sehr gespannt, ob bzw. in welchem Umfang diese Elemente ergänzt worden sind.

    P1330597.jpg

    Foto von Elli Kny

    Durch das rechte Fenster sieht man einen Wandleuchter, noch in Plastik verpackt. Wie gesagt, auch ein Ausstattungselement, dass nicht zur ursprünglichen Fassung gehört.

    P1330598.jpg

    Foto von Elli Kny

    Auf dem Schloss-Kolloquium im Juni 2019 wurde darüber informiert, dass die Sgraffiti des großen Schlosshofs einen Schutzauftrag erhalten sollen. Zum damaligen Zeitpunkt liefen die vorbereitenden Untersuchungen. Es war demnach geplant (oder 2019 schon im Gange), die Wirkung diverser Anstriche durch kleinere Testflächen zu prüfen. Das erfordert natürlich Langzeitversuche. Ich habe nirgendwo gefunden, ob man aktuell auch diese Schutzschicht aufbringt. Aber logisch wäre es natürlich.

    Auf die Frage von Treverer ist zu entgegnen, dass solche Sgraffiti (im klimatisch begünstigten Italien erfunden) in unseren Breiten eben doch relativ schnell "verwittern". Auch die historischen Sgraffiti des Dresdner Schlosses wurden aus genau diesem Grund zweimal restauriert, und zwar 1623 und 1674 bis 1678.

    Der Giebelbereich der Westfassade war übrigens das Pilotprojekt für die Rekonstruktion der Sgraffiti, ausgeführt bereits im Frühsommer 1991. Das folgende Foto zeigt den schon vor einigen Jahren vorliegenden Verwitterungsstand:

    https://www.stadtbild-deutschland.org/forum/wcf/inde…download/12015/

    Ja genau, Max M., ich meine den Raum hier:

    1024px-20250409.Dresden.Schlo%C3%9Fstra%C3%9Fe_27.-013.jpg

    Quelle by Bybbisch94 Wikimedia commons

    Es ist der nördlichste der vier gotischen Einzelräume und als einziger davon fertiggestellt. Es geht bei dieser Raumgruppe darum, die gotische Baustruktur wieder sichtbar zu machen. Die Gotische Halle zum Beispiel war im unmittelbaren Vorkriegszustand gar nicht mehr als Halle zu erleben (viele Einbauten und Unterteilungen). Die musste, wie Gerhard Glaser das formulierte, erst wieder aus dem Baukörper "herausgeschält" werden.

    Im obigen Raum sind die Gewölberippen rekonstruiert worden, bis auf eine ( vermutlich die am besten erhaltene, die zur Verdeutlichung der Historie in ihrem lädierten Zustand belassen wurde.

    Im Hintergrund sieht man eine freigelegte historische Wendeltreppe, rechts neben der geöffneten Tür.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Wie steht es aber zur Frage des (vielleicht letzten) Bauabschnittes - nämlich jenem am Grünen Tor, was zu recht erst ganz am Ende dran kommen kann.

    Gibt es einen solche BA, und wann ist er terminiert? Ist dazu was bekannt?

    Anlässlich des Schlossrundgangs von Finanzminister Piwarz am 19. Mai 2025 wurde der aktualisierte Zeitplan für den weiteren Schlossausbau wie folgt bekannt gegeben:

    Januar 2026 Übergabe der beiden Säle im Nordflügel (Großer Ballsaal und Propositionssaal) an die SKD

    Weiter als wörtliches Zitat aus der zugehörigen Pressemitteilung:

    Mit Abschluss der Bauarbeiten im Nordflügel beginnt 2026 auch die Neugestaltung des Großen Schlosshofs. Nach Jahrzehnten der Nutzung als Baustelleneinrichtung wird er unterirdisch technisch neu erschlossen und mit historischen Sandsteinplatten belegt.

    ...

    Als letzte große Etappe steht der Ausbau der Räume im Ostflügel für die geplante neue Ausstellung zur Schlossgeschichte an. Hier wird derzeit das Ausstellungskonzept durch die SKD erstellt und der SIB beginnt mit den baulichen Planungen.

    Solange der Ausbau des Großen Schlosshofs läuft, wird sich am Bereich des Grünen Tors natürlich nichts tun, denn es wird zu intensivem Durchfahrtsverkehr von Baufahrzeugen kommen (Abtrag und Abtransport der jetzigen Bitumentragschicht, Anfuhr des neuen Bettungsmaterials und der Sandsteinplatten). Aber unmittelbar nach Fertigstellung des Hofs könnte man eigentlich mit der Restaurierung der Durchfahrt am Grünen Tor beginnen - wie gesagt man KÖNNTE, ich weiß es nicht. Für den anstehenden Ausbau des Ostflügels ist die beschriebene logistische Prämisse nicht mehr gegeben. Der Antransport des Materials wird nämlich höchstwahrscheinlich über die Schlossstraße erfolgen, unter Nutzung der Fenster. Die müssen eh noch ausgetauscht werden. Dies war eine Beauftragungsoption für die Gewinnerfirma der Ausschreibung für die Fenster EG Nordostflügel.

    Falls nicht jeder weiß, was mit "Ausbau Ostflügel" gemeint ist: Es handelt sich um drei gotische Räume im Erdgeschoss dieses Traktes, incl. der sogenannten Gotischen Halle. Das sind übrigens die letzten gotischen Innenarchitekturen der Stadt Dresden. Der neue schmale Durchgang Schlossstraße/Großer Schlosshof (nahe Georgentor) gehört auch noch dazu.


    Im Zusammenhang mit dem "Nachblättern" zum Thema Grünes Tor ist mir etwas aufgefallen, das mir bislang nicht bewusst war. Allerdings geht es dabei um den Altan. Im Band II der Schlosstriologie ist eine historische Bleistiftzeichnung von 1813 abgebildet, wie folgt untertitelt:

    Blick in den Großen Schlosshof mit "Untersicht" der Loggia am Hausmannsturm

    https://skd-online-collection.skd.museum/Details/Index/1266137

    Im Text, der die originale! Gestaltung der Loggia beschreibt (Zustand Mitte 16. Jhd.), heißt es unter Bezug auf das genannte Bild:

    Nach Gurlitts Mitteilung waren die Gänge vom Erdgeschoss bis zum zweiten Erdgeschoss in Sandstein überwölbt, wobei die wohl als Tonne ausgeführten Gewölbe "vertiefte rhombische Rosetten mit zierlichen Flachornament" zeigten [hier jetzt im Text Verweis auf die obige Abbildung].

    Cornelius Gurlitt war ein Kunsthistoriker, der um 1900 eine fundierte und sehr ausführliche Katalogisierung der sächsischen Baudenkmäler erstellte.

    Offenbar ist der beschriebene Orginalzustand der "Untersicht" nur aus der historischen Beschreibung bekannt. Auch scheinen keine Fotos zu existieren. Nun muss man wissen, dass der Altan am Hausmannsturm beim großen Schlossumbau (um 1900) baulich verändert wurde (um 2,12 m weiter in Richtung Hof gerückt, was mit dem neuen Läufergang zu tun hatte). Das hier ist ein Foto aus der Zwischenkriegszeit:

    https://fotothek.slub-dresden.de/fotos/df/haupt…log_0111023.jpg

    Und das hier ist der aktuelle Zustand:

    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/comm…esden_11_25.jpg

    Woher diese Version stammt, ist mir nicht bekannt. Vermutlich wurde eine Analogiefassung kreiert. Weiß hier jemand Genaueres?

    Ich denke mal, die Frage ist schon entschieden. Im Jahr 2003 erfolgte die Rekonstruktion der Torflügel unter Verwendung von geborgenen Orginalteilen. Als originales Gesamtteil wurde das restaurierte Oberlichtgitter wieder eingebaut. Ist schon beachtliche Handwerkskunst. Der Holzkorpus ist stolze 7 cm dick (Mooreiche). Auf ihrer Referenzseite hat die Firma die fertige Ansicht dokumentiert. Und da sieht man auch die bereits angebrachten Leuchter. Die übergangsweise Demontage ist dem nach wie vor regen Durchfahrten von Baufahrzeugen geschuldet.

    https://kunstschmiede-althammer.de/dresdner-schloss-gruenes-tor.html

    Ich habe noch einige Schwierigkeiten, mir die räumliche Gliederung der fotografierten Kellerbereiche vorzustellen. Mein Problem: Mir fehlt ein aktueller und möglichst filigraner Lageplan. Ich habe zwar die sehr ausführliche Schloss-Triologie zu Rate gezogen, aber das half nicht bei allen Fragen weiter. Die Details des HEUTIGEN Ausbaus sind dort eher ein Randthema.

    Zunächst ist aber immerhin ausgesagt, dass alle Kellerräume im Nordwestflügel und übrigens auch im Westflügel in die Mitte des 16. Jahrhunderts datiert werden (Schlosserweiterung unter Kurfürst Moritz).

    Die Kellerräume, die Elli fotografiert hat, liegen unmittelbar unterhalb der Kapelle und unterhalb der östlichen Hälfte des Pretiosensaals.

    Das hier ist der einzige Lageplan für das Kellergeschoss, den ich im Moment bieten kann. Ist freilich schon 1983 erstellt worden, mit der damals angedachten Unterkellerung des Großen Schlosshofs. Diese Hofeintragungen muss man sich natürlich allesamt wegdenken.

    https://fotothek.slub-dresden.de/fotos/df/haupt…log_0251810.jpg

    Nun zu den Fotos. Auf dem nachstehenden Bild sieht man im Hintergrund ein Sandsteingewände, das ganz offensichtlich neu angefertigt ausschaut (dort, wo die Person steht).

    P1320751.jpg

    Foto von Elli Kny

    Zitat aus Band II der Schloss-Triologie (im Weiteren L1 genannt):

    Der Keller KG/6 [Anm. von mir: das ist der Keller unter der Schlosskapelle] besitzt an der Nord- und Südseite jeweils vier Wandnischen und ein Tonnengewölbe mit Stichkappen aus Sandsteinquadern. Die zwei westlichen Nischen der Nordseite weisen Fensterschächte auf, an der Südseite befindet sich nur ein Fensterschacht. Am Durchgang zu Raum KG/7 [Anm. von mir: KG /7 liegt unterhalb des Pretiosensaales, Grünes Gewölbe] hatte sich ein stark gestörtes, rundbogiges Renaissance-Gewände erhalten.

    ...

    Das Gewändefragment wurde durch eine Rekonstruktion ersetzt.

    Damit dürfte das Motiv des obigen Fotos geklärt sein. Ziemlich unklar ist mir demgegenüber die Lage der von Elli beschriebenen Treppen. In anderen Lageplänen (für das EG) sind 2 kleine Wendeltreppen eingetragen, in der Südwest- und Nordwestecke des Kapellenraumes. Aber die erschließen wohl nur die Westemporen, oder führen die auch in den Keller? Mit der Antwort auf diese Frage würde sich dann auch ergeben, wo sich dieser Kellerbereich befindet (quasi die Zielorte der beiden von Elli genannten Treppenabgänge):

    P1320749.jpg

    Foto von Elli Kny

    Noch ein Zitat aus L1 zum Kellerraum KG/7 (unterhalb des östlichen Teils des Pretiosensaales):

    Der Zugang zur KG/7 ist ostseitig von KG/6 und südseitig von KG/9 möglich. Der Raum besitzt ein Tonnengewölbe mit zwei Stichkappen, in der Nordwand einen Fensterschacht. Als Besonderheit ist ein Wasserschrot zu erwähnen.

    Im Raum KG/7 dürften sich die Toiletten befinden, oder?

    Ein ganz wichtiges Foto, das Elli Kny gestern aufgenommen hat, möchte ich mit seiner Erlaubnis nachliefern. Es zeigt einen großen architektonischen Schatz Dresdens, oder genauer gesagt, den aktuell interessantesten Teil davon. Die Rede ist vom Schlosskapellenportal, in der Formulierung des renommierten Kunsthistorikers Wilhelm Lübke (1870er Jahre): die weitaus edelste Portalkomposition der ganzen deutschen Renaissance, in Schönheit der Verhältnisse, Klarheit der Komposition, Anmut der Ornamente und Freiheit der Gliederung den Geist durchgebildeter Hochrenaissance.

    Auch um es gebührend zur Geltung zu bringen sollte es ja eigentlich - wie zur Entstehungszeit - partiell vergoldet werden. Nur hörte man halt lange nichts mehr von diesen früheren Ankündigungen. Aber nun, schaut mal hier:

    P1320772.jpg

    Foto von Elli Kny

    Es handelt sich um erste Probearbeiten, ein übliches und natürlich notwendiges procedere bei Objekten von solch herausragender Bedeutung. Sagen wir mal so: Die Sache ist auf einem guten Weg.

    Es gibt zwei historische Bezeichnungen für das Portal, die durchaus gleichberechtigt verwendet wurden - das Schöne oder das Goldene Tor. Da ist mir nun erfreulicherweise aufgefallen, dass die SKD zwei im Dezember angesetzte Spezialführungen wie folgt betiteln: Schlosskapellenportal und GOLDENES Tor. Nomen est Omen 😇

    Vielen herzlichen Dank Elli für den exquisiten Beitrag zur Schlosskapelle. Ein paar Anmerkungen.

    P1320761.jpg

    Foto von Elli Kny

    Wir blicken hier auf die Westseite des Kapellenraumes. Während das Deckengewölbe bereits in der ersten Ausbauphase (bis 2013) realisiert wurde, entstand das kleine Gewölbe in der "Zwischenetage" der Westseite erst 2024. Dazu ein Auszug aus der kürzlichen Pressemitteilung von Staatskanzlei/Finanzministerium:

    Über der sogenannten Kurfürstenempore (untere Westempore) schwebt ein zweites Schlingrippengewölbe als eine architektonische Inszenierung, die einst der Erhöhung des Kurfürsten Moritz von Sachsen diente.


    Was hier in der Schlosskapelle geschaffen wurde, ist grandios und alles andere als selbstverständlich. Ich denke trotzdem, dass mittel- bis längerfristig noch einige Ergänzungen folgen werden. Und dazu muss man sich die spezifische Interessenlage in Erinnerung rufen. Ich zitiere zunächst Gerhard Glaser, einen der federführenden Autoren der Denkmalpflegerischen Rahmenzielstellung - aus einem Vortrag auf einer Tagung von Denkmalpflegern und Kunsthistorikern in Düsseldorf, 1993:

    So ist es die Musik, ein Wesenselement Dresdner Kulturlebens, die eine Rekonstruktionsentscheidung verursacht hat, die aus denkmalpflegerisch-restauratorischen Aspekten nie getroffen worden wäre. Die Dresdner Musikwelt forderte vehement eine Pflegestätte für das Werk von Heinrich Schütz dergestalt, den Raum der ehemaligen Schlosskapelle so wiederherzustellen, wie ihn Heinrich Schütz als sächsischer Hofkapellmeister im 17. Jahrhundert vorfand und wie er ihn für die geistliche Hofmusik weiter ausstatten ließ, das heißt, die Dresdner Musikwelt forderte, exakt die gleichen akustischen Bedingungen zu schaffen, unter denen Schütz den wesentlichen Teil seines Werkes schuf, das hier uraufgeführt wurde.

    Für diese Akteure ist die Schlosskapelle ein wahrlich sakraler Ort, es ist die Wirkungsstätte des ersten deutschen Komponisten von europäischer Bedeutung (übrigens auch des Schöpfers der ersten deutschen Oper).

    Am 30. August 2025, also kurz vor der Eröffnung, weilte eine Abordnung der Mitteldeutschen Barockmusik e.V. in der Kapelle. Einer der Teilnehmer (Albrecht Koch, Organist der Silbermannorgel im Freiberger Dom) postete folgendes Statement auf instagram (akkurates Zitat, incl. der Interpunktion):

    ...Mit Heinrich Schütz' Musikempore, aber ohne die Orgel(n) von Fritzsche und liturgische Ausstattungsgegenstände. Gut, dass wir soweit gekommen sind! Und ebenso: Die Orgelrekonstruktionen bleiben Aufgabe.

    Was die Orgeln betrifft sind schon wichtige Vorarbeiten geleistet worden (u.a

    wissenschaftliche Forschungen zum Klangbild des Fritzsche-Instruments). Und außerdem sei an ein Meldung der Sächsischen Zeitung vom 22.12.1998 erinnert:

    Auch die Gottfried-Fritzsche-Orgel von 1612 soll hier wieder erklingen. "Ein privater Sponsor will die Kosten ihres Nachbaus übernehmen ", sagte Hartmut Häckel, Pressesprecher des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst gegenüber SZ. Auf dem Reißbrett von Orgelbauer Horst Jehmlich existieren bereits erste Rekonstruktionsentwürfe für das Instrument.

    Elli Kny war wieder einmal auf Schlosstour und hat ein paar stimmungsvolle Fotos produziert, die ich nachfolgend vorstellen möchte. Großes Dankeschön an den Fotografen.

    Das erste Bild kann ich voller Freude mit dem Slogan beschreiben: Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Ihr seht hier die neu geschaffene Zuwegung in die Schlosskapelle. Wie einige kirchliche online-Medien berichteten, findet am 10. November die feierliche Schlüsselübergabe an die SKD statt. Laut diesen Quellen wird dazu auch Staatsminister Weimer erwartet.

    P1320392.jpg

    Foto von Elli Kny

    Die Kandelaber sind natürlich nur interimsweise aufgestellt, bis dann, nach aktueller Planung 2027, der westliche und mittlere Teil des Schlosshofes fertiggestellt werden. Der Zaun ist m.W. auch neu, wie gesagt Abgrenzung der Zugangsstrecke.

    Die SKD haben die Kapelle jetzt seit kurzem in ihrem Ticketangebot. Der Besuch wird nur im Rahmen von Führungen möglich sein (ab 19. November, ein- bis zweimal pro Tag), und natürlich bei Veranstaltungen.

    45024

    Quelle: Eigenes Foto

    Auf dem voran stehenden Foto sieht man die geplanten Endstandorte der Kandelaber entlang der Nordfassade: zwei flankieren den Altan, je einer ist in den beiden Hofecken positioniert.

    Nun zur Westfassade. Laut der Terminvorgabe in der Ausschreibung sollte das Gerüst bis Ende November vorgehalten werden. Also zumindest der obere Bereich dürfte fertig sein. Man kann nämlich die beiden Wappen im Giebelbereich erkennen, die sind jetzt farbig (vorher sw).

    P1320388.jpg

    Foto von Elli Kny

    P1320389.jpg

    Foto von Elli Kny


    Ach, ist es nicht schön...

    P1320390.jpg

    Foto von Elli Kny

    Und hier noch der Link der Meldung:

    https://www.evangelisch.de/inhalte/249161…-schlosskapelle

    Zum Thema Schössereiturm.

    Die Rekonstruktionskonzeption für das Residenzschloss, die denkmalpflerische Rahmenzielstellung, wurde in einem langjährigen Prozess entwickelt. Und sie war auch nicht irgendwann "fertig" und galt dann als weitgehend unveränderlich. Während der gesamten Bauzeit gab und gibt es immer wieder Anpassungen und Änderungen. Das liegt in der Natur der Sache. Anfang der 1980er Jahre wurde in diesem Zusammenhang ernsthaft auch die Rekonstruktion des Schössereiturmes ins Auge gefasst und erste Entwürfe erarbeitet. Hier eine Zeichnung von 1982, die wohl den städtebaulichen Kontext für die Schlossstraße veranschaulichen sollte.

    https://fotothek.slub-dresden.de/fotos/df/haupt…log_0251812.jpg

    Wenig später, also noch zu DDR-Zeiten, wurde diese Gestaltungsidee aber wieder fallen gelassen. Ich vermute, dass die Quellenlage wohl doch zu dürftig war. Im Keller der Englischen Treppe ist der (massive?) Unterbau des Turmes noch vorhanden, d.h. der halbkreisförmige westliche Teil. Die andere Hälfte, unter dem Fußweg der Schlossstraße befindlich, wurde bei neueren Grabungen nachgewiesen.


    Zu Ellis Frage betreffs der Bürgerhäuser.

    In den zugehörigen Erklärungen von Elli (die den Kontext verdeutlichen sollen), geht es freilich ziemlich durcheinander. Wieso wird plötzlich vom Südflügel geredet? Alle Links von mir in besagtem Beitrag zeigen die Ostseite des Schlosskomplexes (Partie an der Schlossstraße) und beschäftigten sich auch nur damit. Aber egal. Betrachten wir mal den Zeitpunkt unmittelbar vor Beginn des großen Schlossumbaus. Sowohl auf der Südseite gegenüber dem Taschenbergpalais als auch auf der Ostseite südlich vom Torhaus handelte es bei der Ausgangsbebauung um ehemalige Bürgerhäuser, 5 Stück im Süden und 4 Stück im Osten. Und ja, die gehörten allesamt zum Schloss. Der Hof hatte diese "Immobilien" sukzessive gekauft und sie in seinen Schlosskomplex eingegliedert. Von dem Hobbyfotografen E. Donadini sind aus dieser Zeit etliche Aufnahmen überliefert, die ich nachfolgend zeigen möchte. Im ersten Bild sieht man die Vorgängerbebauung im südlichsten Teil der Ostseite. Unmittelbarer Umbaubeginn, dort werden gerade die Fenster raus genommen:

    df_hauptkatalog_0041518.jpg

    Quelle: fotothek, dort als gemeinfrei deklariert (Public Domain Mark)

    Links unten auf dem voran stehenden Foto sieht man ein für die sächsische Renaissance typisches Sitznischenportal, eine Arbeit aus dem späten 16. Jahrhundert (laut Syndram von 1580). Dieses Portal wurde beim Schlossumbau umgesetzt, und zwar in den neuen Südost-Eckturm. Hier eine Detailaufnahme:

    https://archiv.neumarkt-dresden.de/Vergroesserungen/schlosstuer.html

    Bei der prachtvoll geschnitzten Holztür handelt es sich übrigens um eine Rekonstruktion.

    Und nun eine Aufnahme vom August 2008 mit dem Portal. Dort befindet sich heute ein kleiner Raum mit dem Besucherzentrum.

    1024px-Dresden_Residenzschloss_1.JPG

    per Wikimedia commons, von X-Weinzar

    Die folgende Aufnahme von Donadini zeigt den Vorgängerbau des Brückenübergangs Taschenbergpalais/Schloss.

    df_hauptkatalog_0041525.jpg

    Quelle: fotothek, dort als gemeinfrei deklariert,

    Public Domain Mark

    Der Erker rechts neben dem Übergang (voran stehendes Foto) nachfolgend in Frontalansicht (links angeschnitten das Taschenbergpalais):

    df_hauptkatalog_0041526.jpg

    Quelle: fotothek, dort als gemeinfrei deklariert,

    Public Domain Mark

    Die große Einfahrt, die man auf dem voran stehenden Foto sieht, führte in den Hof des Bürgerhauses. Heute befindet sich an ziemlich gleicher Stelle die Einfahrt in den damals neu geschaffenen Wirtschaftshof.

    Bleibt nun noch die große Frage, wieviel von dieser alten Bausubstanz in dem Projekt von Dunger und Frölich überlebt hat. Allgemein gesagt, recht wenig. Die Bürgerhäuser im Süden scheinen weitgehend abgetragen worden zu sein.

    Zu Ellis letztem Posting. Ich habe nachfolgend ein paar Bilder verlinkt, die die bauliche Entwicklung im Bereich Torhaus verdeutlichen. Zuerst ein Kupferstich von 1678 (1680 gedruckt), hier bitte die obere Reihe betrachten, und dort den rechten Abschnitt. Ganz rechts sieht man den Schössereiturm (nach dem großen Brand von 1701 abgebrochen), daneben das Torhaus mit dem Tempietto. Das Torhaus ist noch weitgehend in dem ursprünglichen Zustand von 1591.

    https://fotothek.slub-dresden.de/fotos/df/haupt…log_0280052.jpg

    Die folgende Lithografie entstand um 1840. Sie veranschaulicht die nach 1727 realisierte Überbauung. Die Nutzung dieser neuen Räumlichkeiten ist mir nicht bekannt, aber offensichtlich waren dort keine hochkarätigen Innenarchitekturen für "VIPs", vielleicht Unterkünfte für Dienstpersonal oder Lagerräume.

    https://fotothek.slub-dresden.de/fotos/df/dk/00…_dk_0000543.jpg

    Das nachstehende Foto wurde um 1870 aufgenommen, im Bereich Torhaus keine wesentlichen Veränderungen (im Vergleich zum Bild von 1840.

    https://fotothek.slub-dresden.de/fotos/df/haupt…log_0081417.jpg

    1889 begann der große Schlossumbau, die Ostseite mit dem Torhaus war 1893/94 an der Reihe. Ich habe zur Veranschaulichung ein neueres Foto verwendet, aber hier wurde ja 1:1 die äußere Gestaltung der 1890er Jahre wieder hergestellt.

    1280px-Dresden_Castle_%2890%29.jpg

    per Wikimedia commens, von Foto Fitti

    Angaben über die Nutzung finden sich selbst in der ausführlichen Schloss-Triologie nur sehr spärlich. Es gibt aber einen Grundriss für das 2. OG, eine Umzeichnung von Bauakten von 1905. Da hat mich nun ziemlich überrascht, dass die Räume im Bereich des Torhauses (2.OG) allesamt sehr winzig waren. Allgemein wird für die Schlosstrakte südlich des Moritzbaus und des Bärengartenflügels eine Nutzung für Büros, Lager oder auch Wohnungen angegeben.

    Kommen wir nun zur Zeit nach 1945. Das folgende Foto ist nicht datiert, es handelt sich aber offensichtlich um eine zeitige Nachkriegsaufnahme; der straßenseitige Giebel über dem Torhaus steht noch:

    https://fotothek.slub-dresden.de/fotos/df/haupt…log_0080035.jpg

    Dieser Giebel musste aus Standsichheitsgründen relativ zeitig abgebrochen werden (also lange vor Beginn des Wiederaufbaus), hier eine Aufnahme vom Juli 1991:

    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/comm…denzschloss.jpg

    Die weitere Entwicklung hatte ich letztens schon beschrieben, das Torhaus sollte wieder in seinen ursprünglichen Zustand gebracht werden. Deshalb wurden irgendwann nach 1991 die noch verbliebenen Mauern oberhalb des Torhauses ebenfalls abgetragen. Ich erinnere an das Luftbild von 1995, da fehlen sie schon.

    Wie der Torhausbereich heute genutzt wird, ist mir nicht bekannt. Aktuelle Grundrisse (EG bis 3. OG) findet man in den Baubroschüren des SMF.

    Vielen Dank Elli für die wieder einmal topaktuellen Schlosseinblicke. Ein paar Anmerkungen.

    Zunächst zur Treppe an der Westfassade (Front zum Theaterplatz). Sie entstand bereits beim Bau des Westflügels unter Kurfürst Moritz (Mitte 16. Jhd.).

    P1310215.jpg

    Foto von Elli Kny

    Über die Funktion finden sich in der aktuellen Schloss-Triologie des LfD folgende Ausführungen:

    Die kleine Freitreppe am Westflügel, die aus dem Grünen Gewölbe kommend in das Zwingergelände westlich des Schlosses führte, gehörte nicht zu einem regulären Schlosszugang. Ihre Funktion kann nur im Zusammenhang mit der ursprünglichen oder auch nur geplanten Nutzung der später "Grünes Gewölbe" genannten Räume für "Tafeln" und andere Festlichkeiten, erklärt werden.

    Die Vorgängereinrichtung der barocken Schatzkammer von August dem Starken war bekanntlich die sogenannte Geheime Verwahrung, auch schon als Depot für Kostbarkeiten genutzt, aber räumlich kleiner. Es handelte sich dabei um die vier nördlichen Räume des Westflügels. Wichtig im Hinblick auf besagte Treppe ist eine weitere Information (gleiche Quelle), dass es sich dabei anfänglich um eine separate, mit anderen Räumlichkeiten nicht verbundene Raumgruppe handelte. Es wird angenommen, dass die Röume ursprünglich Tafelzwecken dienen sollten.

    Einen "Schleichzugang" (außer dem Hauptzugang an der Westfassade) gab es freilich, der war aber nicht für Festivitäten geeignet (und sicher auch nicht gedacht). Im Inneren des Westflügels existierte nämlich eine kleine Wendeltreppe. Deren Eingänge sind übrigens im EG und im 2. OG noch vorhanden, also die Türgewände. Auf dem nachstehend verlinkten Foto sieht man das Exemplar im 2. OG des heutigen 1. Vorzimmers (linker Bildrand).

    https://fotothek.slub-dresden.de/fotos/df/haupt…log_0710001.jpg

    Das nächste Foto zeigt das Aussehen der Westfassade vor dem großen Schlossumbau, rechts das 1888/89 abgerissene Archivgebäude. Die Spitze der Treppenüberdachung ist zu erahnen.

    https://fotothek.slub-dresden.de/fotos/df/haupt…log_0142943.jpg


    Solche Fotos hier, die das überbaute Torhaus abbilden, stimmen mich immer noch etwas wehmütig.

    P1310203.jpg

    Foto von Elli Kny

    Die Baugeschichte war ja folgende. Das kleine Belvedere auf dem Torhaus war um 1725 wegen Baufälligkeit abgerissen worden. Kurz danach wurde das Torhaus überbaut, dies aber ein reiner Zweckbau ohne architektonischen Anspruch. Beim Schlossumbau (1890er Jahre) verewigte man das leider, und sowohl auf der Straßen- als auch auf der Hofseite wurde sogar ein großer Giebel draufgesetzt. Die DDR-Planungen sahen vor, das Torhaus wieder in seinen ursprünglichen Zustand zu bringen. Alle Mauern oberhalb Torhausdach hatte man bereits abgetragen. Ganz gut zu erkennen auf diesem Luftbild vom Mai 1995:

    https://fotothek.slub-dresden.de/fotos/df/bika1…00239_motiv.jpg

    So sollte das mal aussehen:

    https://fotothek.slub-dresden.de/fotos/df/haupt…log_0251815.jpg

    Zum Sachverhalt ein Zitat von Rosemarie Pohlack, frühere Landeskonservatorin Sachsens:

    1975/76 waren bei Bauarbeiten am Torhaus Reste der Aufstellflächen vom Renaissance-Tempietto des 16. Jahrhunderts entdeckt worden. Die Befunde bestätigten die bislang vermutete Detailtreue der Stiche von Gabriel Tzschimmer und Anton Weck, und die Begeisterung über diesen kleinen Sensationsfund ermutigte dazu, auch in diesen Bereichen beim Wiederaufbau - museal-didaktisch, wie schon im Großen Schlosshof - die elegante Renaissancearchitektur in Erscheinung treten zu lassen. 2002 baten die SKD, die bislang einvernehmliche Zielstellung zum Torhaus aus dringlichen funktionalen Gründen zu überdenken. Wie vo dem Krieg sollte der Ostflügel wieder über die Obergeschosse des Torhauses mit dem neuen Südflügel des 19. Jahrhunderts verbunden werden.


    Zu diesem Foto hier habe ich nachstehend den vorherigen Zustand verlinkt.

    P1310201.jpg

    Foto von Elli Kny

    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/comm…lo%C3%9Fhof.jpg

    Das versehrt belassene Teil wurde also in die Farbgestaltung einbezogen.

    Die Farbausführung des Kapellenportals muss ich erst einmal psychisch verarbeiten, bin sehr enttäuscht. Wie formulierte es doch 1872 Wilhelm Lübke, einer der renommiertesten deutschen Kunsthistoriker:

    "die weitaus edelste Portalcomposition der ganzen deutschen Renaissance".

    Mein Gott, das fällt ja jetzt kaum noch auf.