Beiträge von jan85

    ... und (u.a.) Berlin reagiert: mit stärkerer Internationalisierung und Innovationsagenda
    Denn es ist eine Sache, ein Dilemma oder eben Ungerechtigkeiten in der globalen Machtordnung zu beschreiben. Die weit schwierigere Sache bleibt es, anschließend klug die nächsten Schritte zu planen und vor allem entschlossen zu gehen. Kürzlich erst hat die EU^dagegen ja grünes Licht für das (ebenfalls erpresste) Zoll"abkommen" gegeben, da man dies eben als das kleinere Übel ansieht. Und da auch die Berliner Wirtschaft viel in die USA exportiert, wird dies einerseits absehbar geregelten Handel ermöglichen und andererseits direkte (negative) Auswirkungen auf Margen haben.

    Parallel arbeitet man ja aber inzwischen doch deutlicher daran, die eigene Handlungsfähigkeit und Unabhängigkeit zu erhöhen (die Aktivitäten des Schwarz-Konzerns hatten wir ja bereits exemplarisch hierfür betrachtet). Und nicht zu vergessen: Neue Partnerschaften zu etablieren. Meinen Eindrücken nach spürt man hierbei u.a. hier bei uns in der Hauptstadt eine ganz neue Dringlichkeit, die aber auch wechselseitig arbeitet und somit Potentiale für stärkere Verflechtungen bietet. Und während man zumindest die Verluste zuletzt noch mit steigenden Absätzen im EU-Markt kompensieren konnte, wandert der Blick für mehr Wachstum immer mehr Richtung globaler Süden sowie allgemein alternativer Zentren. Hierzu ein paar ganz aktuelle Beispiele:

    1) Berlin kooperiert mit Brasilianischen Megastädten Rio und Sao Paulo
    Eine Delegation um Frau Giffey hat kürzlich auf Bestreben der IHK Rio und Sao Paolo besucht und in dem Rahmen wurden eine ganze Reihe spannender Informationen publik. Nicht nur wird Berlin eine aktive Rolle beim Rio Web Summit 2026 spielen und ein Memorandum of Understanding mit Sao Paolo implementieren. Es wurden auch diverse Kontakte geknüpft und teils direkt Nägel mit Köpfen gemacht. Die Brasilianer haben Berliner Startups eingeladen bzw. regelrecht dazu aufgefordert, nach Brasilien zu kommen und bei Zukunftsthemen zu helfen.

    Umgekehrt wird u.a. der große Startup-Hub in der ehemaligen Zigarettenfabrik Reemtsma nach einem indischen Desk auch einen Brasilianischen Desk für die Koordination entsprechender Ansiedlungen erhalten. Und ähnlich wie der kürzlich behandelte israelische Konzern sind auch einige Startups und Unternehmen der Brasilianer führend in ihren entsprechenden technologischen Feldern (die teils auch gut zum Berliner Profil passen). Es gab aber auch Forschungsabkommen, um künftig gemeinsam in relevanten Feldern voranzukommen.

    Noch sind die Bande zwischen Berlin und Brasilien etwa im Vergleich zu denen in die USA oder eben inzwischen auch nach Indien eher dünn. Das soll sich nun aber in beidseitigem Interesse sehr schnell ändern. Das (ebenfalls durch die globalen Spannungen deutlich forcierte) Mercosur-Abkommen zwischen EU und Südamerika wird dabei auch eine wichtige Rolle spielen und könnte neben dem Schwergewicht Brasilien natürlich auch noch weitere interessante Potentiale und Märkte öffnen.

    Übrigens wird im Umfeld der Reise auch über eine mögliche Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Sao Paulo spekuliert, was aber zumindest vorerst noch nicht spruchreif zu sein scheint. Konkreter dagegen scheinen die Bemühungen, auch wieder gut ausgebildete brasilianische Pflegekräfte nach Berlin zu lotsen (auch die Charité war in der Delegation vertreten). Brasilien hatte ein entsprechendes Abkommen mit Deutschland zeitweise ausgesetzt, weil wohl die Sorge aufkam, dass trotz aktuellem Überschuss perspektivisch zu viele gehen könnten. Nicht ganz unwichtig in dem Zusammenhang ist natürlich, dass Berlin auch umgekehrt in verschiedenen Bereichen beim Ausbilden unterstützen will, sodass es keine Einbahnstraße sein muss.

    Die Quellen liegen leider oft hinter Paywalls, speziell die wirklich interessanteren und substanzielleren (u.a. die MoPo mit gleich mehreren wirklich gut recherchierten Artikeln und viel O-Ton der Teilnehmer),
    daher hier leider nur exemplarisch der Tagesspiegel sowie eine offizielle PM des Senats

    2) Berlin sucht Fachkräfte künftig auch u.a. in Namibia
    In einem der erwähnten MoPo-Artikel wurde auch kurz berichtet, dass man neben Indien und Südamerika auch Afrika für neue Kooperationen auf dem Schirm habe. Dazu habe ich bisher noch sehr wenig konkretes gehört und die dortigen Märkte sind teils sicher schwierig (oft nicht so wirtschaftsstark und/oder u.a. die Chinesen sind bereits stark etabliert - was zwar alles kein Ausschlusskriterium ist aber vielleicht doch zumindest auch nicht zu einer Position ganz oben auf der Prioritätenliste führt).

    Allerdings kam kürzlich tatsächlich ein Bericht, laut dem Berlin (ebenfalls unter maßgeblicher Beteiligung der IHK) in Namibia nach Fachkräften sucht und nun wie eben auch bereits mit Indien und Brasilien ein entsprechendes Abkommen geschlossen hat. Neben Deutschkursen wird dabei auch gezielt nach Bedarf vor Ort ausgebildet (u.a. Elektriker, Verkäufer und Gastronomiefachkräfte). Allerdings bleibt es mit aktuell 100 Teilnehmern erstmal überschaubar. Insgesamt sollen dann mal bis zu 3.000 Fachkräfte für Mangelberufe ausgebildet werden.

    Man geht übrigens davon aus, dass nicht alle letztlich auch in Deutschland landen werden, sodass auch Namibia profitieren darf. Generell finde ich ja die Wahl etwas spannend, nachdem man in Südamerika und Asien ja auf absolute Schwergewichte zu setzen scheint. Das im Vergleich zu Äthiopien, Ägypten oder Nigeria eher kleine Namibia gilt mW dafür aber als eins der politisch stabilsten Länder des Kontinents und hat dazu (trotz der belasteten Geschichte) traditionell enge Verbindungen nach Deutschland, sodass es wiederum auch eine gute Brücke zu anderen, größeren und potentiell interessanten Nationen werden könnte.

    3) Berliner Hochschule der Wirtschaftselite "ESMT" expandiert nach Katar
    Nachdem Berlin von einem europäischen Ableger der Dubaier Leitmesse GITEX profitiert, eröffnet die European School of Management and Technologie nun in umgekehrter Richtung einen Ableger in Doha, das sich neben Dubai zu einem weiteren Kraftzentrum entwickeln möchte. Schwerpunkte sollen KI, Gesundheit sowie Landwirtschaft und Ernährung sein. Zunächst 3 Jahre lang sollen jährlich je 20 Startups aus jedem dieser 3 Bereiche gefördert werden. Auch wenn dadurch in erster Linie vor allem Doha/ Katar selbst profitiert, verbessert es zugleich doch erheblich den Ruf und die Vernetzung der Hauptstadt.
    morgenpost.de
    tagesspiegel.de

    Zu guter Letzt fragt sich da natürlich noch, was Berlin eigentlich hier vor Ort unternimmt. Hierzu gab es auch wieder eine Meldung;

    Berlin beschließt "Deep Tech Agenda"
    Ziel ist es, dass die in vielen Bereichen exzellente Berliner Wissenschafts- und Forschungslandschaft noch deutlich stärker in Form von regionaler Wertschöpfung und Wirtschaftsleistung sichtbar wird. Also genau dem Bereich, wofür auch die gerade angeführte ESMT gegründet wurde. Laut dem niederländischen "Global Tech Ecosystem Index" liegt Berlin in diesem Bereich aktuell auf Platz 4 in Europa (nach London, Paris und Stockholm) sowie auf Platz 22 weltweit.

    Inhaltlich will man sich u.a. auf KI, Biotech und Materialforschung sowie Mikroelektronik, Photonik und Quanten konzentrieren. Übrigens: Während Berlin angeblich das erste Bundesland mit einer solchen Agenda sein soll, orientiert man sich stark an der Hightech-Agenda der Bundesregierung, was auch u.a. beim Gewinnen von Fördergeldern helfen soll.
    morgenpost.de

    Internationale Krisenstimmung und Abschottung der USA spitzt sich zu - ASML unter Druck ...
    Man muss es ja kaum erwähnen, dass sich aktuell längst nicht alle Meldungen so positiv deuten lassen. Mit besonders großer Sorge betrachte ich nach wie vor die transatlantischen Spannungen.

    Nur ein aktuelles Beispiel mit Berlin-Bezug: Die USA warfen ASML kürzlich vor, dass sie ihre weltweit führende und entsprechend streng geheime Schlüssel-Technologien für die Produktion von Nanostrukturen von Hochleistungschips entgegen der Abkommen (i.e. einseitig erhobenen und durchgesetzten US-Forderungen) nach China exportiert oder ggf. verloren hätten. ASML erwiderte in einer Mischung aus Fassungslosigkeit, unterdrückter Empörung und fast schon unterwürfiger Höflichkeit: Man wisse exakt, wo jede Einheit stehe und ob bzw. wie arbeite und habe aus der Ferne vollständige Kontrolle über jede davon (ohne Kontakt läuft sie irgendwann nicht mehr und es soll aut Gerüchten sogar eine Art "Kill-Switch" geben). Nun die Höflichkeit: Man nehme das Anliegen aber ernst. Fast schon resigniert dann noch die Nebenbemerkung, dass diese Sorge in der Vergangenheit offenbar auch schon mehrfach aufgekommen und adressiert worden sei.

    Ich höre zum ersten Mal davon und finde es extrem alarmierend. Zur Erinnerung: ASML ist aktuell das wertvollste Unternehmen Europas und operiert als Weltmarktführer in einem Sektor einer Schlüsseltechnologie. Es gibt also je nach Perspektive entsprechende Risiken oder aber Begehrlichkeiten - und natürlich sind dann die entsprechenden globalen Spannungen rund um die beiden Hauptrivalen USA und China voll zu spüren. Denn China soll die konventionelle Chiptechnologie weitgehend ausgereizt haben und nun vor einer Sackgasse stehen, wenn sie nicht zeitnah überholt werden wollen (also ein wenig wie es beim Auto zwischen hocheffiienten Verbrennungsmotor vs. neuer Batterietechnologie ablief, nur mit vertauschten Rollen). Und natürlich wird China nach gängiger Einschätzung nicht ruhen, bis sie die modernere Technologie selbst beherrschen und mit anführen.

    Nur: ASML tut dem Vernehmen nach ohnehin bereits alles, was man eben nur so tun kann. Wenn über den stetig expandierenden Berliner Fertigungsstandort gesprochen wird, nimmt man auch nicht selten Bezug auf die extrem strengen Sicherheitsvorkehrungen und Geheimhaltungsstufen. (OT: Übrigens ist ähnliches auch sonst immer häufiger über innovative Berliner Betriebe zu lesen, speziell aber nicht nur bei hybrid nutzbaren Technologien - Berlin scheint also zunehmend wieder zur Spionagestadt zu werden). Gerade der vorgeworfene heimliche Export wäre potentiell nur zum eigenen Schaden (Technologiepiraterie durch China und Sanktionen durch die USA) und somit völlig hanebüchen.

    Analysten rätseln daher nun etwas, was genau die USA erreichen möchte: Einen wie auch immer zu erbringenden Beweis, dass keine Anlagen in China gelandet sind? Oder ist es nur ein reiner Vorwand, damit sie wieder neue Zölle erheben können bzw. ein Hebel, um in Europa Stimmung für die "richtigen" politischen Kräfte zu machen, die "patriotischen Kräfte" mit "westlichem Wertekompass" also? Tatsächlich "will" ASML den USA nun wohl noch konkreter demonstrieren, warum man ihre Technologie gar nicht so leicht stehlen könne.

    Ich hoffe, dass sind nicht erste Anzeichen, dass die USA hier erfolgreich die Daumenschrauben ansetzen und Europäische Wertschöpfung sozusagen selbst abschöpfen mit dem Vorwand, dass es angeblich die anderen tun (aktuell linst Trump ja auf die Arzneimittelpreise europäischer Konzerne im transatlantischen Vergleich). Passen würde es ja. Mich erinnert es jedenfalls an das Narrativ der "besorgen Bürger" mit radikaler Agenda. Oder an filmreife mafiöse Schutzgelderpresser mit einem für die Gegenseite meist nicht besonders attraktiven aber auch nicht wirklich ablehnbaren Angebot. The art of the steal deal eben - nur eben dazu noch verbunden mit dem Drang zur öffentlichen Bloßstellung und Demütigung auf der großen Weltbühne, wie kürzlich ja auch die frühere Trump-Verbündete Meloni (einmal mehr) erleben durfte.

    Mit schwer zu verbergendem Zynismus drängt sich mir ein Eindruck auf: Der Westen darf immer mehr ahnen, wie sich beispielweise frühere "Schurkenstaaten" wie der Irak angesichts der Vorwürfe und vermeintlichen Beweise bezüglich Massenvernichtungswaffen u.ä.m. fühlte, oder letztlich ein Hussein als er vor laufender Kamera aus dem Erdloch gezerrt und dann in die gewünschte Richtung geschubst wurde (Bilder, die als Jugendlicher tiefen Eindruck in mir hinterlassen und mich nie los gelassen haben). Die spannende Frage bleibt freilich, wie sich die Welt und speziell auch Europa damit arrangiert.
    computerbase (eine von zahlreichen Quellen, aber relativ sachlich und zugleich gut einordnend)

    Tesla stellt nochmals 1.000 neue Leute für Autoproduktion ein und erhöht Produktion auf 7.500 Fahrzeuge pro Woche (390k p.a.) - Grünheide bald eine der größten Autofabriken Deutschlands - mit Batteriezellen bald über 14.000 Mitarbeiter
    Damit setzt sich die Trendwende also weiter fort. Insgesamt werden so innerhalb weniger Monate 3.500 neue Leute eingestellt und zudem 500 Leiharbeiter fest übernommen. Alleine in der Fahrzeugproduktion steigen die Mitarbeiterzahlen von April bis Juni/Juli und nun noch in einer zweiten Welle von Juli bis Oktober um je 1.000 - also insgesamt 2.000 - auf dann 12.700 Menschen. Das liegt zwar nur knapp über dem vorherigen Höchstwert von gut 12.000 Leuten aber zugleich hat man damals etwa 200-250k Autos im Jahr produziert, künftig dann fast 400k.

    Das bedeutet zugleich, dass jeder Mitarbeiter im Schnitt über 30 Autos pro Jahr produziert, was laut KI ein wirklich starker Wert sein soll. Woanders seien demnach eher Werte um die 20 Autos pro Mitarbeiter anzunehmen. Tesla erreicht das, indem eine besonders moderne Fabrik mit extrem hoher Automatisierung aktuell nur ein Modell mit wenigen Varianten/ Optionen produziert. Aber auch der absolute Wert ist zunehmend beachtlich. Nur Wolfsburg produziert mit ca. 500-600k Autos im Jahr nochmal signifikant mehr. Tesla dürfte künftig mit knapp 400k Autos etwa gleichauf mit oder vermutlich sogar eher noch vor Audi in Ingolstadt auf Platz 2 liegen, freilich bei einem insgesamt rückläufigen Trend. Sollten auch die weiteren geplanten Expansionen am Markt durchsetzbar bleiben, wäre absehbar sogar Platz 1 realistisch. Allerdings passt man sich eben in beiden Richtungen extrem schnell an, sodass es weiter verfolgt werden muss.

    Für mich enorm spannend: Wiederum laut KI-Analyse soll dennoch die Batteriezellproduktion die strategisch deutlich relevantere Entwicklung darstellen. Denn diese Wertschöpfungstiefe sei gerade bei Elektroautos noch sehr ungewöhnlich für Deutschland und Europa als Ganzes. Diese Aufgabenerweiterung scheint aber auch inhaltlich anspruchsvoller zu werden als das reine Hochfahren der bereits etablierten Produktion. So werde man laut Tesla einige Zeit benötigen, um 1.500 Spezialisten für diese Arbeit zu gewinnen. Anders als bei der Autoproduktion wird hier auch kein fester Zeitraum genannt (die 18 Gigawattstunden sollen aber schon zeitnah erreicht werden, so dass ich aus dem Bauch 2026 bis spätestens 2027 annehmen würde).

    Nach wie vor schade finde ich, dass man weiterhin sehr wenig über die Design- und Entwicklungsabteilung in Berlin erfährt. Keine Mitarbeiterzahlen oder genaueren Projekte. Dass man dort erstmal Fabrikhallen für Tests mit Batteriechemie etc. umbaut, fand ich aber überraschend und bemerkenswert. Ich hatte davor eher angenommen, dass es (wie von Musk persönlich mal in den Raum gestellt) um die Entwicklung neuer Fahrzeugmodelle wie dem lange diskutierten Kompakttesla geht. Zumal man für Batterieentwicklung ja auch keine Designer bräuchte. Aber bei Tesla lässt man sich ja generell meist ungerne in die Karten schauen, was für eine Entwicklungseinheit erst Recht gelten dürfte. Es kann also gut sein, dass die Einheit erstmal weitgehend mit einem Projekt fertig sein wird, bevor man überhaupt viel davon erfährt.
    Sueddeutsche Zeitung als eine von vielen Quellen

    Backstein Mich stört gar nicht mal die Höhe, sondern die Gestaltung. Wenn man schon mal in einem Guss plant, warum dann einen Entwurf der identisch bzw. viel besser zum Trend am Alex gepasst hätte. Vermutlich ist das ohnehin mehr ein Platzhalter, nur gerade dann hätte man sich mE mal etwas trauen können. Man hat leider zu oft das Gefühl, dass die Verantwortlichen wie Gestalter recht wenig Bezug zum Konzept eines Genius loci haben oder aber dass Mut und/oder Mittel für einen ganz großen Wurf fehlt. Und klar: Wenn es so wie dargestellt kommt, bin ich sicher trotzdem noch zufrieden.

    Ähnlich wie diverse Vorredner bin ich einerseits erstmal (positiv) überrascht, dass man überhaupt noch mal etwas potentiell bahnrechendes Neues von dem Projekt hört. Irgendwie hatte ich das Thema schon fast eingemottet. Zumindest bei mir ist es auch so, dass bei solchen Themen irgendwann ein Ermüdungseffekt eintritt und ich am liebsten nichts mehr groß darüber hören möchte, bis dann endlich was konkret wird. Konkret ist hier zwar noch nichts, aber dafür lohnen die Ansätze durchaus schon für sich etwas Würdigung. Zugleich bleibt da natürlich andererseits doch auch andererseits direkt wieder die Skepsis, dass Geld und Wille ausreichen werden.

    Aber mal zurück zum Positiven: Man tritt die Flucht nach vorne an und will durch entschlossene Weiterentwicklung das Geld für den Erhalt verdienen. Von diesem Spirit wünsche ich Berlin deutlich mehr. Egal wer sich zu welchem Thema äußert und Visionen formuliert (Hochhäuser am Alex, Randbebauung am Tempelhofer Feld, selbst hier bei der Neunutzung einer Ruine): Zumindest auf Social Media aber auch im Alltagsgespräch kommt fast immer direkt Unmut und Skepsis auf. Oft wirkt es wirklich, als wenn man am liebsten die überdimensionale Käseglocke raus kramen und alles für immer exakt so erhalten möchte. Hat in Berlin nur noch nie geklappt - und oft auch durchaus zum Glück nicht. Man kann den Puls eines Organismus oder eben einer Stadt auch so lange "stabilisieren" und einschnüren, bis man endlich sagen darf: Puls komplett stabil. Patient tot.

    Nun aber etwas konkreter:

    Ästhetik/ Architektur:
    Den Schritt vom Parkhaus zum Turmanbau finde ich spannend. Und bei so einem ikonischen Bau wie dem ICC finde ich auch eine gewisse Orientierung am Bestand nachvollziehbar, auch wenn ich es doch gerne etwas mutiger sehen würde (damit es auch optisch stärker die Weiterentwicklung signalisiert). Was für mich aber bisher nicht aufgeht, ist der bisher angedeutete 100m Turm. Der Funkturm ist rund 150m hoch und wie das ICC ikonisch. Da kann man mE nicht so einen hohen Körper daneben setzen, der dann aber viel konventioneller und altbackener als der Rest daher kommt. Vielmehr müsste das bei der Höhe ein Eyecatcher werden, der das Ganze kongenial ergänzt. Mir schwebt da so was richtig schön Spaciges vor, vielleicht mit etwas metallisch-silbrigem Look (matt oder poliert, ggf. auch im Wechsel). Ich weiß, dass ich diesen Satz nicht als erster bringe, aber: Wo bitte, wenn nicht hier?

    Nutzung:
    Hier stört mich gar nicht so sehr direkt Saal 2 als vielmehr zunächst Saal 1: Ausweichquartier für die Philharmonie? Was bitte ist das für ein Konzept? Außer dort stünde bald eine langwierige Sanierung an, denn dann könnte ich es sogar verstehen und es würde dem Standort vielleicht etwas Präsenz und Strahlkraft bringen. Aber warum nicht gleich ein Event- und Konzertsaal als Kulturtempel für die City West im berlintypisch abgefuckten Tech(no)-Look? Nur Philharmonie und das dann auch nur als Ausweichquartier finde ich da viel zu brav und bescheiden. Wenn schon Philharmonie, dann sollte sie sich (und ggf. Berlin) dort einmal unerwartet anders präsentieren. Ich könnte mir hier aber auch coole (internationale) Musicals vorstellen, etwas lautere Produktvorstellungen aber auch hochkarätige Konzerte bis hin zu Techno-Parties mit Club-Atmosphäre. Für letzteres könnte man die unterirdischen Flächen sogar mal gut einbinden, die ich bisher als Unort empfinde (auch so eine Vokabel, mit der ich sonst oft fremdele, die hier aber einfach mal wirklich passt). Mit etwas LED-Effekten und Musik könnte das einen stimmigen Auftakt für berauschende Events bieten.

    Sind nur erste Gedanken und Eindrücke. Manchmal brauche ich auch etwas, um die Potentiale zu verstehen. Aktuell bin ich aber zugleich positiv überrascht und etwas enttäuscht, dass man zwar einen ambitionierten Relaunch versucht, aber irgendwie noch nicht ganz den großen Wurf gefunden zu haben scheint.

    Die Kritik überzeugt mich weder vom abstrakten Argument her noch von der konkreten Anschauung.

    Gerade auf dieser Länge empfinde ich das "Frequenzband" als stimmig und es führt für mich eine kreative und innovative Idee einfach etwas breiter aus: Gerade über diese Breite entwickelt sich das Spiel der Amplituden ja überhaupt erst zu einem stimmigen Wechselbild von Redundanz und Dynamik (ein Kilometer wäre etwas too much aber so gibt es doch nur ein paar 'Durchläufe').

    Apropos Redundanz: Als die Erweiterung des Baus fertig wurde, hatten wir bereits (fast) exakt die selbe Diskussion. Was das angeht, steht diese Fassade also irgendwo auch symbolisch für das DAF oder gar symptomatisch für die (menschliche) Existenz an sich. Dass wir diese Selbstreferenz oft gar nicht wahrnehmen und es sich offensichtlich stets neu anfühlt, macht die Ironie erst perfekt. Damit ist diese Architektur mE nicht weniger zeitlos und universell als griechische Tempel, Kuppeln oder Pyramiden. Inhaltlich ja ohnehin nicht: Denn während es in der Natur keine einzige perfekt geometrische Form gibt, ist die Pulsfrequenz eine DER Grundlagen des Lebens (resoniert auch ähnlich harmonisch in Musik sowie etwas chaotischer in Sprache und Schall allgemein) und der Stromfluss eine DER Grundlagen der modernen Welt. Universeller geht es doch eigentlich fast schon nicht mehr und dann ist es mE auch noch ästhetisch überzeugend gelöst.

    Um aber doch mal zu den Jalousien zu kommen und somit doch noch was halbwegs Neues zu sagen: Für mich funktioniert es mit wie auch ohne Jalousien hervorragend. Die matt-dunkle, leicht streifige Fläche erinnert mich an EKG-Bildschirme oder Hifi-/ DJ-Equipment. Und generell ist es doch ein perfekter Kontrast, um die leicht schimmernden Streben zu betonen. Bunt wäre hier mE zu viel gewesen und hätte die Klarheit gestört.

    Zensus: Berlin Stand 2025 erstmals über 3,7 Mio Einwohner
    Die (unzuverlässigeren) Daten der Einwohnermeldeämter hatten ja zuletzt bereits 3,9 Mio ausgespuckt, was also entsprechend etwas zu hoch gegriffen war. Allerdings gab es damit 2025 nochmals ein Plus von gut 15.000 Menschen bzw. +0,4% auf 3.700.577 Einwohner.
    In Brandenburg gab es dagegen übrigens erstmals seit Jahren wieder einen leichten Rückgang von -0,2%, wobei aber gerade im Osten mit Thüringen (-1%) oder Sachsen-Anhalt (-0,7%) teils deutlich stärkere Rückgänge zu verzeichnen waren.
    Bundesweit hat sich mit -0,1% (obgleich mit über 100.000 sizusagen eine Großstadt) eher wenig bewegt, wobei es hier zuvor ebenfalls noch Wachstum gab.
    tagesspiegel.de
    rbb24

    BIP von 1999 bis 2024 um 53% gestiegen, Wohllstand dagegen laut "Heidelberger Studie" lediglich um 15%
    Auch diese zumindest in der zweiten Zahl unerfreuliche Statistik wurde heute veröffentlicht - und bestätigt meine bisherigen Eindrücke zum Thema: Auch durch die verhältnismäßig noch deutlicher als anderswo steigenden Kosten (speziell Mieten) sowie diverse abträgliche soziale Faktoren wächst der real erlebte Wohlstand der Berliner Bevölkerung kaum an. Innerhalb einer Generation (meist ja mit 25-30 Jahren angesetzt) hat sich da jedenfalls recht wenig getan.
    Interessant wäre auch, wie sich der Wohlstand zuletzt entwickelt hat, wo das BIP nur noch um rund 1% gestiegen ist und nicht mehr wie im langjährigen Schnitt um gut 2% oder sogar phasenweise deutlich stärker. Ich befürchte aber, dass es sich auch ohne nähere Datenbasis eigentlich fast von selbst erklärt.
    rbb24

    In einem Interview mit der FAZ (Paywall) erläutert der Chef, dass bis 2028 ca. 100 Leute in Berlin arbeiten werden und 40 in Frankfurt (neben der kaufmännischen Abteilung auch Teile des Lektorats). Aktuell liegen die Größenverhältnisse eher anders herum (FF: 115, B: ca. 35). Weltbewegend sind diese Zahlen mE aber so oder so nicht.
    Hauptgrund für den Umzug soll die größere Nähe zu den Autoren und Lesern sowie der Umgang mit diversen (herausfordernden) Trends im Geschäft sein. Man fühlt sich so wohl stärker am Puls der Zeit. In Berlin will man übrigens zugleich mit dem Argon Hörbuchverlag zusammen ziehen und sucht derzeit eine passende Immobilie. Ich könnte mir daher vorstellen, dass es zumindest teilweise wirtschaftliche Aspekte gab (i.e. Büromieten, die in Berlin durch wachsenden Leerstand unter Druck geraten - Fördergelder gibt es dagegen keine) und es deshalb anders als bei Suhrkamp 2010 diesmal auch keinen Neubau gibt.

    S. Fischer Verlag zieht nach Berlin
    Gut 15 Jahre nach Suhrkamp kehrt somit auch S. Fischer zurück an den Gründungsstandort. Der Verlag hatte schon einige Zeit ein Berliner Büro, das "überraschend" gut gelaufen sein soll. In den letzten Monaten habe sich dann die Tendenz für den Umzug ergeben. Betroffen sind der Hauptsitz samt verlegerischer Arbeit, Veranstaltungen, Vertrieb, Marketing/ Pressearbeit gut 100 Mitarbeiter, während ca. 40 Jobs mit kaufmännischer Abteilung sowie (Teile vom?) Lektorat in Frankfurt verbleiben sollen. Durchgeführt wird der Umzug in 2027. Naturgemäß ist die Stimmung in Frankfurt getrübt. Der Verlag gilt als einer der renommiertesten und traditionsreichsten Deutschlands.
    Quelle: FAZ Print, tagesschau.de u.v.m.

    Schwarz behält offenbar Recht: USA schaltet Top-KI-Modelle für das Ausland ab - Staatslenker und Experten sprechen von Weckruf für Europa - Zeitenwende bei der Standortpolitik
    Erst kürzlich las ich wieder, dass die Schwarz-Gruppe neben dem 11 Mia KI-Rechenzentrum im Spreewald (absolute Rekordinvestition des Konzerns) inzwischen auch eine eigene Containerschiff-Logistik hochzieht und die stetig wachsende Flotte der eigenen Schiffe künftig bewusst unter deutscher Flagge fahren lässt (nicht aus Patriotismus, sondern explizit aus strategischen Erwägungen). Das hat mich neugierig gemacht und ich habe etwas recherchiert. Die entsprechende Logistik konzentriert sich demnach auf den Hamburger Hafen.
    Auch hat man ein eigenes Recycling-Unternehmen hochgezüchtet (z.B. um selbst Plastikflaschen zu neuen zu recyclen), das wiederum aus Porta Westfalica operiert und inzwischen schon für sich genommen Milliarden umsetzt. Vieles davon geschieht fast unbemerkt, wenn man sich nicht stärker dafür interessiert. Aber es steckt (ähnlich wie gerade erst im letzten Artikel zu Tesla ausgeführt) eine ganz klare strategische Ausrichtung dahinter: Mehr eigene Kompetenz und Infrastruktur für stärkere Souveränität und geringere Abhängigkeit von den lang etablierten globalen Ketten. In dem Fall konzentrieren sich die Zentralen auf Baden-Württemberg, während das operative Geschäft in entsprechenden Kraftzentren angesiedelt wird.

    Gestern schlug nun eine Meldung ein, die all diese Entscheidungen (noch weiter) zu bestätigen scheint: Trump hat demnach Anthropic angewiesen, die stärksten KI-Modelle von Claude (die momentan zugleich als die fortschrittlichsten überhaupt gelten) für das Ausland abzuschalten. Der Konzern hat das auch sofort umgesetzt. Die Folgen sind enorm, da auch bspw. Firmen, Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Krankenhäuser etc. hier in Europa damit experimentiert und gearbeitet hatten. Mehrere Politiker, Unternehmer und Analysten in Nationen wie Frankreich und Großbritannien haben es als endgültigen Weckruf in Richtung regionaler Souveränität bezeichnet: Wenn Europa mehr als ein offener Markt sein wolle, müsse es in eigene Strukturen investieren.

    Interessanterweise sieht man ja zugleich, dass auch die global operierenden Konzerne inklusive der US-Giganten selbst auch in die Souveränität ihre regionalen Strukturen investieren. Tesla z.B. will jede Fabrik für sich so autark wie möglich operieren lassen. Aber bei Musk ist eben zugleich auch bekannt, dass er amerikanische Interessen an erste Stelle setzt und u.a. schon nach Gutdünken die Informationssatelliten für Russland und auch die Ukraine an- oder abgeschaltet hat, je nachdem was sie gerade so taten/ vorhatten. Also auch wenn bspw. Amazon tausende Entwickler und teils auch Entscheider im neuen Amazon-Tower beschäftigt, kann letztlich ein Impuls aus Washington oder aber Kalifornien unmittelbare, weitreichende Folgen haben. Kurz: Es ist sicher erfreulich, wenn globale Konzerne bei uns vor Ort in großem Maßstab investieren, es sollte aber keine eigenen Investitionen ersetzen.

    Um wieder zurück zu unserer Region zu kommen: In Brandenburg investiert ja wie gesagt neben der Amazon-Tochter AWS inzwischen auch Schwarz Digits Milliarden. Spannend finde ich dabei, dass Amazon neben Hessen auf Berlin-Brandenburg setzt und auch Schwarz nach Hafenlogistik in Hamburg und Industrielogistik in NRW nun auf Rechenleistung und KI in der Hauptstadtregion setzt. Das bisherige Kraftzentrum liegt ja eindeutig in Hessen, wo es aber wohl zunehmend enger für neue Investitionen wird.

    Ein nach wie vor kontroverseres Thema bleibt die Rüstungsindustrie, wo Berlin sich anders als etwa Bayern sehr lange zögerlich bis abwehrend verhalten hatte. Berlin sei kein Rüstungsstandort. Dann hieß es, dass sehr viele Hightech-Anwendungen u.a. in Adlershof ohnehin auch militärisch genutzt werden können (das hatte auch einen entsprechenden Anschlag von linksautonomen Kreisen zur Folge). Inzwischen wird gar kein so großer Hehl mehr daraus gemacht, dass die Region auch militärisch nutzbare Technologien aufweist. Bei der gerade tagenden ILA sollen wohl sogar primär militärische Technologien präsentiert werden, wenn ich das richtig mitbekommen habe (und eben darum gab es auch dort erhebliche Proteste).

    Wegner und Woidke haben indessen bekannt gegeben, dass man Testflächen für Drohnentechnologien freigeben möchte (u.a. frühere Militäranlagen). Unter anderem mit genügend Sicherheitszonen für mögliche Explosionen bei Tests mit Sprengstoffen etc. Wegner hat dabei u.a. Tegel als DefTech-Campus ins Spiel gebracht, wobei bestimmte Tests eher in Brandenburg stattfinden dürften.
    In wieder anderen Meldungen wurde diskutiert, dass der berüchtigte deutschstämmige Investor Peter Thiel (ähnlich wie Musk mal enger und mal weniger eng in Trumps Dunstkreis unterwegs) Millionen in das Berliner Drohnen-Startup Stark Defence investiert habe. Allerdings soll das Startup inzwischen mit ca. 2,5 Mia bewertet sein und Thiel keine strategische Mitsprache, Einsicht in Daten o.ä.m. erhalten.
    Nun macht noch eine Meldung Schlagzeilen: Das Land Berlin kooperiert mit dem israelischen Konzern Israel Aerospace Industries (IAI) und schafft wiederum in Adlershof ein Innovationszentrum für Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigungstechnologie (ähnliche gibt es bereits in Israel, den USA und Indien). Es soll neben Startups in den Bereichen Luft- und Raumfahrt explizit auch solche aus den Sektoren Verteidigung, Sicherheit und Dual Use-Technologie fördern. Zudem ist auch eine Produktionsanlage geplant. Zum Hintergrund: IAI ist Israels größter Luft- und Raumfahrtkonzern und befindet sich in staatlichem Besitz. Es produziert zivile wie militärische Flugzeuge, U-Boote, Drohnen und Raketen bzw. Raketenabwehrsysteme, auch weltraumgestützte Systeme sowie Sensoren und KI-Technologien. Die Bundeswehr inkl. Marine hat dort bereits u.a. Drohnen, Raketenabwehrsysteme und U-Boote erworben (u.a. der Deutsche Innenminister hatte in Folge wiederholter Drohnensichtungen erklärt, dass staatliche Einrichtungen künftig entsprechend gesichert werden sollen - Woidke verwies zudem auch auf wiederholte Drohnen-Sichtungen bei ziviler Infrastruktur wie Flughäfen). IAI ist also ein sehr großer, technologisch breit aufgestellter und führender Konzern, dessen Einstieg und Beitrag für lokale Forschung und Industriepräsenz in diesen Sektoren einiges Gewicht einbringen aber mit Sicherheit zugleich auch neue Kontroversen erzeugen dürfte. Auch wenn es für Berlin laut Wegner weiter primär um Defense-Tech und Dual Use gehen soll, bleibt der Übergang ja immer ein Stück weit fließend.
    Erst kürzlich wurde zudem die Eröffnung eines sogenannten "Resilienz-Labors" bekannt gegeben, das in Kooperation zwischen Bundeswehr, Berliner Feuerwehr und FU Berlin (Projekttitel "Resilia") als Schnittstelle für die zivile und militärische Zusammenarbeit die Abwehrkräfte gegen Extremszenarien wie Naturkatastrophen, Stromausfälle aber auch kriegerische Auseinandersetzungen ausbauen soll. Es soll staatliche Institutionen wie Zivilgesellschaft stärken und auch u.a. Selbsthilfekräfte, mentale Gesundheit etc. einbeziehen.

    Fazit: Wir erleben mE gerade eine recht dramatische Wende in Richtung regionale Souveränität und Abwehrkräfte. Man hofft ja trotzdem immer, dass es mehr Prävention als ernst zu nehmende Vorbereitung darstellt. So ganz aus der Luft gegriffen scheinen mir solche massiven Investitionen dann aber auch nicht. Interessant ist mE zudem, dass die Region diesen Wandel nicht weiter anderen Wirtschaftsregionen überlassen will und sich somit gewissermaßen auch stärker auf den Radar von Linksautonomen u.ä.m. bewegt. Die entsprechenden Anschläge und Drohungen haben also wohl eher das Gegenteil bewirkt.

    Einige Quellen (einiges hatte ich u.a. beim rbb gesehen und habe jetzt keine Links für alles):
    airliners.de zur ILA und Drohnentestflächen in Berlin-Brandenburg
    Berliner Zeitung zur Kooperation mit IAI
    nd zur Kooperation mit IAI (überraschend sachlich geschrieben und mE gut recherchiert)
    eine PM zum Resilienzzentrum

    Dekoratives Anführungszeichen

    Was du machst, ist Rosinenpickerei. Du beschränkst deine Aufzählung auf die Vertreter der DDR-Moderne, die zu besseren Sorte gehören.

    Was Du machst, ist selektives Lesen bzw. Errichten von Strohpuppen. Meine Kritik richtet sich an pauschales (Ver-)Urteilen. Indem Du eine stärkere Differenzierung einforderst, belegst Du doch den Kern meiner Aussage. Dagegen habe ich selbst geschrieben, dass es auch viele trostlose Beispiele gibt. Nur sollte man diese eben nur anführen, wenn es konkrete Bezüge zu belegen gibt. Ich weiß jedenfalls noch immer nicht, welche (vermeintlichen) Bezüge zu problematischen DDR-Bauten der Covivo-Turm nun aufweisen sollte.

    ^^Vor allem nervt es mich zunehmend, dass dieser DDR-Vergleich inflationär gebracht aber dann fast nie konkret ausgeführt wird: Welche negativen "Vorbilder" wurden dabei denn nun (angeblich) in welchem Merkmal kopiert? Ebenso ist es auch Quatsch, wenn man pauschal suggeriert, dass die DDR "in der Umgebung" nur hässliche Bauwerke geschaffen hat. Mir fallen da nur spontan Fernsehturm (natürlich, für mich DAS Berliner Wahrzeichen und einer der schönsten Fernsehtürme der Welt), Weltzeituhr, der Komplex mit Kongresshalle und Haus des Lehrers ein (je nach Geschmack auch noch weitere Leitbauten wie das Haus des Reisens), aber grundsätzlich auch noch das Nikolaiviertel oder die Frankfurter Alle mit dem Frankfurter Tor. Ironischerweise wird ja inzwischen oft genug mit wichtigen Sichtachsen argumentiert, die durch dieses oder jenes Hochhausprojekt beeinträchtigt werden könnten. Dabei sind das dann in diesem Fall oft gerade Sichtachsen, die überhaupt erst in der DDR entstanden sind, welche die Stadt aber bis heute mindestens ähnlich stark prägen wie solche mit Brandenburger Tor, Siegessäule und Co.
    Und es gibt sicherlich genug trostlose DDR-Architektur überall in den entsprechenden Regionen unserer Republik inklusive der östlichen Bezirke Berlins. Aber umgekehrt kann man doch auch mal ansatzweise würdigen, dass unabhängig von Systemfragen auch dort nicht nur Murks produziert wurde.

    Da wir nun aber schon über die drei Türme gesprochen haben: Ich vermute, dass sich der Covivo-Turm für mich irgendwo zwischen Park Inn (solide aber nicht inspirierend) und Kleihues (schlicht aber darin stimmig, überzeugend und wertig) einordnen dürfte. Es wird im direkten Vergleich die dynamischste Fassade erhalten und verhindern, dass es angesichts der ähnlichen Kubaturen zu monoton wird. Man könnte auch sagen, dass der Kleihues seine Kubatur am gelungendsten auslebt (Neudeutsch: owned), der Covivo sie am gelungendsten kaschiert/ kreativ umspielt und das Park Inn immerhin halbwegs würdevoll gealtert ist, was sicher auch dem maßvollen Umgang der Neubauten mit dem Standort zu tun hat. Was oft kritisiert wurde, was ich aber weiterhin für den richtigen Ansatz zur Weiterentwicklung des Alex empfinde.

    Europas erstes Apple Developer Center eröffnet in Berlin
    Auch wenn extrem viele Kanäle darüber berichten und Frau Giffey es als starkes Signal für den Tech-Standort Berlin wertet, verstehe ich nicht so ganz, weshalb das so eine große Sache sein soll. Es handelt sich meinem Verständnis nach primär um einen Standort, wo Apple Ingenieure mit freien App-Entwicklern kooperieren, um noch mehr Apps für den Apple Kosmos zu gewinnen bzw. für iOS zu optimieren. Auch Events und Diskussionspanels sollen dort stattfinden. Aber in den ganzen Meldungen ist trotz einigem Hype nicht einmal eine Investitionssumme, eine Quadratmeterzahl oder eine Mitarbeiterzahl zu erfahren. Ähnliche Zentren sind seit knapp 10 Jahren auch in Bangalore/Indien, Shanghai/China und Singapur entstanden und sonst natürlich noch am Stammsitz in Cupertino/ Kalifornien. Wie tiefe Wertschöpfung dabei erbracht werden könnte, kann ich nicht beurteilen. Es ist halt kein eigentliches Entwicklungszentrum, wie am Deutschlandsitz München, wo u.a. Hardware entwickelt wird und auch nichts in der Größenordnung der Amazon-Entwicklungsabteilung. Laut KI könnte es das in der Branche relativ wichtige Networking fördern und so auch einer von vielen Aspekten bei Ansiedlungsentscheidungen von entsprechenden Startups und Unternehmen sein. Ein netter symbolischer Pluspunkt aber eher kein ganz großer Game Changer.
    netzwelt.de

    Tesla weiter im Aufwind
    Wichtiger für die Region dürfte die Dynamik beim europäischen Tesla-Werk (zzgl. des kommenden Entwicklungszentrums) sein. Dort hat man das Steuer offenbar herumreißen können: Die zuletzt stark abgestürzten Absätze hatte man ja zunächst nach eigener Angabe durch andere Exportmärkte abfedern können. Trotzdem wurde zumindest in den Medien schon über ruinöse Überproduktion und sogar eine mögliche Werkschließung oder aber ein Umschwenken auf Roboterproduktion o.ä. spekuliert. Jetzt steigen die Absätze jedoch fast überall deutlich (insgesamt +68% in Europa und das Model Y war im 1. Quartal 2026 nun auch wieder das meistverkaufte BEV Europas). Diese Aufwärtsdynamik einerseits und die stärkere Konzentration der Lieferketten und somit Wertschöpfung auf das Werk und somit die Region andererseits dürften auch eine dichtere Wertschöpfung in Deutschland bedeuten. Laut Tesla liege die Lokalisierungsquote bei Tier 1 Zulieferern bereits jetzt bei rund 90%. Auch wenn das ganz Europa mit einbezieht, will man immer mehr auch direkt vor Ort haben (diesen Ansatz verfolgt man weltweit bei allen Tesla-Werken - eine Lehre aus den Pandemiejahren, die aufgrund geopolitischer Spannungen, leider, auch aktuell geblieben ist).

    Übrigens geht man auch nochmal auf das Thema Krankenstand ein. Dieser hatte ja zeitweise bei 17% aber zuletzt unter 5% gelegen. Neben den berüchtigten Hausbesuchen (die aber nur eine Ausnahme für rund 20 Härtefälle waren) habe man einerseits auch auf die üblichen Gespräche sowie andererseits auf Anwesenheitsboni gesetzt. Auch generell sieht man sich als attraktiver Arbeitgeber. Die Gehälter seien seit 2022 um 25% gestiegen und es dazu gebe es noch Aktienpakete und weitere Benefits. In den öffentlichen Darstellungen wird es immer deutliche Diskrepanzen geben. Faktisch hat die Gewerkschaft bei den letzten Wahlen aber sogar verloren - und das trotz intensivem medialem Werben (um es mal neutral auszudrücken). Interessant finde ich noch, dass Tesla selbst überhaupt nicht abstreitet, dass man in dem Werk ggf. auch irgendwann etwas anderes als die jetzigen Modelle bauen könnte. Von Roboter Optimus über das autonome Cybercab bis hin zum Semi Truck sei rundsätzlich alles denkbar - wenn es der Markt entsprechend nachfragt. Generell reagiere man immer sehr schnell auf den Markt. Wie auch bei der Lieferlogistik setzt man auf maximale Flexibilität und Resilienz.

    Man scheue dagegen übermäßige Entscheidungs- und Verwaltungsapparate, die man als "Industriebeamtentum" verspottet. Irgendwo vielleicht auch ein versteckter Seitenhieb gegen VW, das ja eine besonders breite Beteiligung von Politik und Gewerkschaften auszeichnet und die über 60.000 Leute rund um das Stammwerk in Wolfsburg beschäftigen, während die reine Produktion gar nicht mehr so viel größer als die in Grünheide ist. Es ist ja auch bekannt, dass ein früherer VW-Chef ein sehr inniger Tesla-Fan war und sogar den persönlichen Schulterschluss mit Musk sowie den engeren Firmenwettbewerb mit Tesla gesucht hat (u.a. auch das hat ihn dann aber letztlich den Kopf gekostet). Da ich seit der Kindheit immer fasziniert vom VW-Konzern und auch vom launischen aber extrem ambitionierten Patriarchen Piech war, verfolge ich die gesamte Dynamik sehr gespannt. Ich vermute aber, dass die direkte Nähe so vieler Autokonzerne dem Standort perspektivisch sehr gut tun wird. Vielleicht würde es sogar helfen, wenn sich tatsächlich noch ein asiatischer Konzern niederlassen sollte, wobei es da bisher immer bei den Spekulationen und teils Ankündigungen (Dreame) geblieben ist.
    ntv zum Absatz
    Berliner Zeitung zu Teslas Firmenphilosophie

    BER als Busdrehkreuz?
    Auch der rbb berichtet zum Thema und setzt die Zahlen dabei in einen interessanten Bezug: BER: bis zu 155 Busse/Tag, ZOB: 210 Busse/Tag. Damit kommt der BER also inzwischen bereits auf fast drei Viertel des ZOB! Ergänzend ist auch noch die Karte interessant, auf der neben den schon genannten Zielen auch noch Hamburg, Hannover, Braunschweig, Lübeck, Rostock sowie auch Prag auftauchen. Auf einem früheren Bild in einem der Artikel hatte ich auch mal Budapest auf der Anzeige eines Fernbusses am BER gelesen. Im Prinzip ist der BER somit wirklich mit weiten Teilen Nord- und Ostdeutschlands sowie dem näheren Osteuropa verknüpft. Flixbus tut also faktisch das, was die DB in der Form und Entschlossenheit nicht anbieten will oder kann (wobei sie aber wiederum für Brandenburg wichtig ist, von wo aus Flixbus wohl mit Ausnahme von Frankfurt/Oder nicht zum BER fahren darf - und für die Anbindung nach Berlin ist ja ohnehin der ÖPNV stark aufgestellt).

    Umgekehrt seien Flughäfen wie der BER laut Artikel auch für das Wachstum von Flixbus immer relevanter. Man spüre eine hohe Nachfrage nach einer tieferen Erschließung des BER. In entsprechenden Foren und Gruppen (wo die Meldung ein größeres Thema ist) wird auch berichtet, dass es für das Unternehmen lukrativer sein kann (Zeitersparnis gegenüber Innenstadt, höhere Grundpreise und mehr teurere spontane Buchungen). Für die Fluggäste sind ein paar Euro mehr oft irrelevant im Verhältnis zu den Flugpreisen und dem Komfortgewinn gegenüber Umsteigelösungen. Sie müssen nur damit leben, dass der BER-Halt längst nicht den Komfort des ZOB bieten kann. Übrigens liefert der BER Flix auch gute Daten zum potentiellen Mobilitätsbedarf der Fluggäste. Insgesamt scheint es also ein klares win-win zu sein.

    Ein Randthema könnte noch sein, ob manche Fahrgäste am BER-Halt gar keine Fluggäste sind, sondern einfach den Straßenverkehr in Richtung Innenstadt umgehen und von der zunehmend starken Schienenanbindung ins Zentrum profitieren. Dann würde es dem ZOB potentiell sogar Fahrgäste abnehmen, was ich jetzt aber auch nicht als großes Drama empfinden würde. Es sollte ja entscheidend sein, dass möglichst viele Menschen ein passendes Mobilitätsangebot finden.

    Eurowings geht weiter in die Offensive
    Den kommenden Ausbau hatte ich ja bereits angeführt. Spannend ist aber auch die nun genutzte Rhetorik, die mE direkt Ryanair attackiert bzw. einen bewussten Kontrapunkt setzt. Man nennt den BER einen "guten Standort" mit breitem, attraktivem Kundenprofil (Reisen/Tourismus, Business, Point-to-Point und Besuche bei Familien und Bekannten). Zudem erklärt man wahlweise, dass man "gerne" oder aber "mit Stolz" in neu entstehende Lücken stoße. Dabei bestätigt man auch unverhohlen, was Burkhart Kieker umgekehrt bereits angesprochen hatte: Man hat direkt darüber verhandelt, wer in welche Lücke stoßen könnte.
    Nachdem man noch vor wenigen Jahren mit 3 Maschinen gestartet sei, verfolge man nun klar das Ziel, sich als Nummer 1 an dem strategischen Standort zu etablieren, wie man es auch bereits in den darauffolgenden Airports Düsseldorf, Hamburg, Stuttgart und Köln/Bonn erreicht habe. Die Stationierung von Jet Nr. 10 und 11 sowie die Ausweitung des Flugplans auf rund 50 Ziele und höhere Frequenzen sei dabei noch immer "nicht das Ende der Fahnenstange", denn man habe "noch mehr vor".
    Verbunden mit diesen euphorischen Tönen ist allerdings erneut auch eine gewisse Erwartungshaltung an Politik und Flughafenbetreiber. Man sei gewissermaßen in Vorleistung gegangen - und nun müssten auch die Kosten runter. Zuletzt habe man schon nur die Hälfte der Preissteigerungen an die Kunden weiter geben können.
    Übrigens auch noch spannend: Ein Analyst gab zu verstehen, dass die von Ryanair als Begründung genannten (oder ggf. vorgeschobenen) Gebührenerhöhungen überhaupt nicht anstanden. Im Gegenteil: Wer expandiere, erhalte Incentives. Das gilt dann wohl vermutlich auch für Eurowings. Spannend ist das ja auch, weil man mW ja wohl erst nach Verbesserung der Finanzlage überhaupt mit Incentives arbeiten darf und nun offenbar mit diesem Hebel operiert.
    Morgenpost
    Berliner Zeitung Paywall

    Flixbus verstärkt massiv die BER-Anbindung
    Auch hier wird auf eine direkte Kooperation verwiesen, die in 2025 gestartet war und nun nochmals massiv ausgebaut werde. Einige Beispiele für neue oder verstärkte Direktverbindungen zum BER:
    - Leipzig (630k Einwohner) erhält im Sommer statt bislang 4 nunmehr bis zu 9 tägliche Verbindungen
    - höhere Frequenzen in einige der größten Städte Polens: Breslau (640k EW, #4 in Polen): bis zu 13 tägl. Frequenzen, Posen (540k EW, #5): bis zu 15x/tägl., Stettin (ca. 400k EW, #7): bis zu 12x/tägl.
    - neue Direktverbindungen nach Görlitz, Zittau, ins Erzgebirge und zur Ostsee
    - höhere Frequenzen nach Schwerin, Jena und Chemnitz
    - 2025 gehörte der BER bereits zu den Top 10 Haltestellen im Flixbus-Netz und war der meistfrequentierte Flughafen
    - 2026: werden bis zu 155 Busse täglich zum BER fahren und 90 deutsche sowie 60 polnische Städte direkt mit dem Flughafen verbinden
    PM BER

    Kurz gesagt: Der BER arbeitet weiter an strategischen Kooperationen, wobei man sich auch nicht zu sehr auf die Deutsche Bahn verlässt, die ja zuletzt mit der Eröffnung der Dresdner Bahn und der Direktverbindung BER-Cottbus auch wichtige Meilensteine erreicht hatte. Und auch das Ryanair-Gebaren kontert man so gut es eben geht. Wobei sich die Analysten nach wie vor sicher zu sein scheinen, dass Ryanair ohnehin früher oder später zurück kehren wird.

    ^Mir gefällt es trotz der im Grunde sehr schlichten Erscheinung ausgesprochen gut. Hier die ist die Balance aus Strenge und Verspieltheit tatsächlich mal gelungen (oft wirkt das Versetzen von Fenstern etc. eher wie eine alibimäßig angedeutete Auflockerung). Insgesamt wirken die verschiedenen Gestaltungsmittel auf mich mal wirklich gekonnt statt nur gewollt:

    Der durch die Bänder herausgearbeitete Hauptbau umfasst ziemlich genau zwei Drittel und bildet zugleich recht exakt quadratische Flächen mit wiederum etwa quadratischen Fenstern und dem diagonal dazu angeordneten Karomuster, das je nach Licht offenbar auch ein Rautenmuster mit hell-dunkel-Kontrast auf die Fassade wirft. Die sandbraune oder ggf. -gelbe Einfärbung der Rahmen und auch das Glas machen sich zumindest bei Sonne ebenfalls gut und wirken harmonisch und freundlich.

    Wenn man das mit der ähnlich Umgebungsbebauung vergleich, merkt man vermutlich am besten, was ich meine: Viel stimmigere Proportionen, eine ganz andere räumliche Wirkung. Wenn man schon schlicht und modern baut, dann doch bitte immerhin so. Natürlich profitiert der Bau dabei auch von seiner Positionierung als Solitär. Als breite Scheibe hätte es wohl längst nicht mehr so stimmig gewirkt. Und ja: Sicherlich war auch das Budget ein anderes, wenn man alleine mal an die Glasbänder denkt, die mir übrigens bei aller legitimer Kritik hier architektonisch gut gefallen.

    Und gleich noch ein Stoß positive Nachrichten:

    Arbeitslosigkeit sinkt erstmals seit Jahren spürbar
    Im Mai wurden gut 3.300 Arbeitslose weniger gemeldet als im April, womit die Quote um -0,3 Prozentpunkte auf 10,3% sank. Zudem gab es auch noch ein Plus bei den gemeldeten Stellen +637 auf 5.216. Noch ist es keine riesige Trendwende aber doch ein deutlicher Trendwechsel, da die Entwicklung vorher wirklich lange eine der größten Sorgen darstellte. Ich hatte mich eigentlich nach den letzten Monaten darauf eingestellt, dass die Prozentwerte nun lange zweistellig bleiben werden. Aber warten wir mal ab. Eine Schwalbe macht bekanntlich keinen Sommer.
    Quelle Sueddeutsche Zeitung

    BMW feiert 4 Mio Motorräder - und investiert über 50 Mio Euro in neue Lackieranlage
    Zunächst einmal gibt BMW einige interessante Zahlen an:
    - 1939 übernimmt BMW den Produktionsstandort in Berlin. Und was zumindest ich nicht wusste: Ursprünglich ist es ein Komponentenwerk, was es übrigens auch noch heute ist.
    - 1969 wird die Motorradproduktion von München nach West-Berlin verlagert, da im Stammwerk mehr Platz für die boomende PKW-Produktion benötigt wird und auch die Zweiradsparte wachsen soll. Eine wichtige Rolle spielen die West-Berlin-Subventionen aber auch die bereits vorhandenen, gut qualifizierten Mitarbeiter. Der Start erfolgt mit 400 Leuten.
    - Erst 2001, also nach 32 Jahren, wird die Millionenmarke erreicht. Bis zur zweiten Million dauert es 10 Jahre bis 2011, dann weitere 8 Jahre bis zur 3. Million in 2019 und nurmehr 7 Jahre bis zur 4. Million in 2026.
    - Stand 2026 arbeiten 2.600 Menschen auf 230.000m² im Berliner Motorradwerk, das laut BMW zugleich extrem modern ausgestattet ist und auch gerne zum Testen und Einführen neuer Technologien genutzt wird. Produziert werden jährlich deutlich über 150.000 Motorräder - inklusive Motoren, Fahrwerks- und Antriebskomponenten (laut BMW der weltweit einzige Standort mit vollständiger Motorrad und eScooter-Produktion und bei einem globalen Gesamtabsatz von etwas über 200.000 Motorrädern auch immer noch gut drei Viertel der Weltproduktion) - sowie mehr als 3 Mio PKW-Bremsscheiben. Stolz ist man auch auf die BMW Motorrad Welt, die man 2023 als Schaufenster eröffnet hat.
    - Die neue Lackiererei stellt mit über 50 Mio Euro die größte Einzelinvestition seit 2015 (Neubau des Logistikzentrums) dar und soll auch technisch einen neuen Meilenstein ermöglichen: Die neue Technologie spart 86% Wasser, 89% Abfall, 47% Energie und durch parallele Umstellung auf elektrische Energie wiederum 85% CO2.
    Quelle BMW (zur Historie und den 4 Mio)
    Quelle BMW (zur neuen Lackiererei)

    Fahrradverbände fusionieren und entwickeln Berliner Kongress vivavelo neu
    Bei Entwicklung, Produktion, Vertrieb und Verleih von unmotorisierten Zweirädern und Pedelecs hat Berlin ja in jüngerer Vergangenheit eine spannende wenngleich wechselvolle Geschichte hinter sich - inklusive Coronaboom, anschließendem Absturz und allmählicher Erholung sowie Konsolidierung. Und die beiden großen Branchenverbände "ZIV - Die Fahrradindustrie" sowie "Zukunft Fahrrad" saßen dabei die ganze Zeit über in der selben Straße in Berlin, der Reinhardtstraße. Nun sucht man in der Hauptstadt direkt den gemeinsamen Neuanfang mit starker vereinter Stimme. Als einen ersten Schritt hatten sie schon gemeinsam die öffentliche Abkehr von der (schwächelnden) globalen Leitmesse Eurobike verkündet - und kurz darauf eben jeweils mit großer Zustimmung die Fusion abgesegnet.
    Nun also die Neuaufstellung der vivavelo als "Towards tomorrow - Cycling Industry Convention 2026", mE kein allzu knalliger Titel (zumal es kurz als TT oder gar TT-CIC von der Aussprache her mit Motorradrennen oder Krankheit assoziiert wäre). Es soll denn wohl auch mehr einen Arbeitstitel darstellen, so wie der Kongress als reines Arbeitsformat auf ökonomische Weichenstellungen und politisches Gewicht abzielt. So will man innovative Ansätze bei Leasing, Gebrauchtfahrradmarkt und Digitalisierung entwickeln aber auch den rechtlichen Status von Pedelecs als Fahrräder sichern.
    Übrigens soll ab 2027 parallel zur Eurobike (der in eigenen Worten "früheren Weltleitmesse") eine eigene, international ausgerichtete Leitmesse gestartet werden. Vielleicht dann ja sogar in Berlin, oder je nach Konzept u.a. in Berlin (und hoffentlich dann auch mit einem griffigen, einprägsamen Titel).
    Sueddeutsche Zeitung
    ZIV zur Fusion
    Zukunft Fahrrad zur Fusion
    ZIV über Absprung von der Eurobike
    ZIV über Zukunftspläne

    Ich vermute mal nicht, dass es zu Demonstrationszwecken dienen sollte, aber sowohl Backsteins letzter Beitrag (#253, komplett) als auch Schmittchens vorletzter Beitrag (#255, situativ) zeigen auch das beschriebene Phänomen - und es scheinen hier auch keine herein kopierten Textpassagen zu sein, sondern selbst verfasste.

    Falls es irgendwie hilft: Beim Zitieren kann ich die Schriftfarbe des ursprünglichen Beitrags ändern und bekomme dabei auch die dort bisher ausgewählte Farbe angezeigt: In beiden Fällen steht da: rgb(58,58,61). Es ist also je die selbe Farbmarkierung (und jeweils keine Standardfarbe). Aus der Erinnerung kommt mir die Farbgebung der entsprechenden Passagen ähnlich oder identisch vor wie bei anderen Beiträgen mit dem selben Phänomen. Irgendwie scheint also schon ein Muster vorzuliegen was eher nichts mit Copy und Paste zu tun haben sollte/ dürfte.

    Für mich ist das jetzt aber auch kein riesiges Problem. Man kann den Text markieren und schon wird er lesbar und so lange es nur sporadisch auftritt, kann ich damit leben (nur deswegen würde ich jedenfalls nicht in den hellen Modus wechseln, zumal das Thema dort ja scheinbar auch existiert). Etwas kurios ist es halt schon.

    ^Das ist ohne näheren regionalen Bezug mal wieder der falsche Thread, zumal Du den in der gesamtdeutschen DAF-Lounge doch bereits kennst und fütterst.

    Apropos Threads füttern: Ich hatte ja neulich mal etwas auf die Entwicklungen beim Fernverkehr (Flugzeug, Bahn, Bus) sowie bei den Bettenzahlen geschaut. Nun habe ich mir ergänzend mal ein paar Zahlen aus dem Freizeit- und Eventbetrieb angeschaut, von denen einige offenbar Jubiläen feierten (was die Zahlen natürlich beeinflussen kann):
    - Karneval der Kulturen 2026: laut Veranstaltern etwa 1,1 Mio Besucher und damit ein guter Wert zum 30. Jubiläum
    (zum Vergleich: die größten Straßenumzüge der Welt in Brasilien ziehen 5 bis 15 Mio Menschen an, der größte Umzug Europas in London/Notting Hill ca. 2 Mio, der Kölner Karneval etwa 1,5 Mio)
    - Grüne Woche 2026: 350.000 Besucher zum 100. jährigen (!) Jubiläum und der 90. Ausgabe (+40k zu 2025 und +25k gegenüber Erwartungen)
    - Fruit Logistica 2026: 90.000 Teilnehmer (starker Wert, dazu 80% der TN aus dem Ausland, über 90% Zufriedenheit der Aussteller und TN)
    - "Staatsoper für alle" 2026: 30.000 Besucher zum 20. Jubiläum (2024: 20.000, was zugleich auch dem langjährigen Schnitt entspricht)
    - Berliner Bühnen 2025: ca. 3,33 Mio Gäste (2024: 3,27 Mio, 2019: 3,32 Mio, somit erstmals mehr Besucher als vor Corona)

    Fast überall zeigen sich die Veranstalter und Teilnehmer zufrieden. In manchen Fällen liegt der jeweilige Peak etwas entfernt (die Grüne Woche hatte nach der Wende kurzzeitig auch schon fast 700.000 Besucher, also fast doppelt so viele wie aktuell, oder der Karneval der Kulturen schon bis zu 1,5 Mio). Auch hier merkt man mE aber trotz zäher Gesamtkonjunktur wenig davon, dass alles einbricht. Dabei springen auch viele traditionelle Medien auf den Zug auf, dass Berlin inzwischen out sei und nun under-tourism statt over-tourism erlebe.

    Vielleicht auch noch interessant in dem Kontext ist ein Interview mit dem bereits im kommenden Monat Juni scheidenden "Visit Berlin"-Chef Burkhard Kieker: Dieser sieht den Berlin-Boom zwar selbst in einer Art Pause, wobei die Attraktivität der Stadt aber ungebrochen bleibe. Ein Problem seien knappere Kassen und Budgets, was zu einer stärkeren Priorisierung der Reisen führe. Dann habe man zwei sehr gut laufende Flughäfen gegen den teuren BER eingetauscht und allein ca. 6 Mio europäische Fluggäste verloren. Und während man in Deutschland, Dänemark oder den Niederlanden durchaus auf den Zug ausweiche, gelte das weniger für entferntere Standorte wie Madrid oder Palermo. Deshalb spreche man aktuell auch gezielt mit verschiedenen Airlines, ob diese die erneuten Lücken bei Ryanair schließen könnten. Eine gewisse Sorge bleibe aber bestehen. Umgekehrt sieht er aber noch starke Potentiale bei großen Märkten wie China und Indien. Wichtig ist ihm auch nochmal das Image der Berlin-Touristen: So seien 60% kultur-affine Menschen, das berühmt-berüchtigte, partywütige "Easy-Jet-Set" habe dagegen noch nie mehr als 10-12% ausgemacht. An notorischen Hotspots wie der Admiralsbrücke seien statistisch sogar 70% der Menschen aus der Region. Während in Berlin prinzipiell gerne geschimpft wird (sei es nun über angeblich zu viele oder zu wenige Touristen), wünscht er sich etwas mehr weltstädtisches Denken: Berlin solle sich in seinen Augen für Expo und Olympia bewerben und im besten Fall beides gewinnen und wuppen.
    Auch wenn ich über die Jahre nicht überall voll mitgehen konnte, fand ich gerade diese Persönlichkeit und seine Aussagen immer wieder sehr lesenswert und ein gutes Futter für eigene Gedanken. Schade, dass er nun geht und mal sehen, wie Jürgen Amann die Lücke dann so füllt.

    häuslebauer Ich würde Dir da nicht einmal widersprechen wollen und zugleich hat es Monasterium gut auf den Punkt gebracht: Ich habe grundsätzlich gar nichts gegen einen halbwegs fließenden, vermittelnden Übergang zwischen Umgebung und Feld (und will ganz sicher kein Ergebnis, wie Du es als Negativszenario skizzierst). Aber das sollte eben mehr bedeuten, als "einfach nur" die bestehenden Strukturen nahtlos (und flächenraubend) bis an den Rand heran zu ziehen, als wäre das historisch einfach mal so gewachsen.
    Mir wirkt der Ansatz auf der Visualisierung einfach etwas zu banal und beliebig, wenngleich zumindest das eng von der Bebauung umrandete/ gefasste Oval natürlich schon auch einen gewissen Reiz hat. Aber so wird mir einfach nicht genug verdeutlicht, dass wir hier einen besonderen Ort vor uns haben, keinen "stinknormalen" Kiez (so schön auch diese sein können, gerade wenn sie authentisch so entstanden sind).

    Wie beschrieben, könnte ich mir stattdessen eher eine leicht tortenstückartige "Blockstruktur" vorstellen, mit einer gewissen Dramaturgie/ Inszenierung zum Feld hin. Das würde dann doch erst Recht centralparkähnlich aussehen, mit einer richtigen vertikalen Kante hin zum Feld - und großzügigen, sich zur Weite des Feldes hin öffnenden Wegen, die das riesige Feld so richtig schön in Szene setzen und auch Sichtachsen bieten - so wie umgekehrt die Türme vom Feld aus optische Anker bieten, den Übergang zur Stadt markieren und zugleich auch Feld und Stadt optisch leicht voneinander abschirmen. Und gerade wenn man so zum Feld hin etwas breitere Freiräume lässt, kann man diese doch nicht nur wunderbar mit Grün füllen, sondern auch mit etwas gemütlicher Außengastronomie etc.

    Ich hoffe, es ist nun etwas deutlicher, wie konkret ich das meine. Eher eine Kante wie am Potsdamer Platz oder eben Central Park, nicht einfach ein paar locker und fast wie konzeptlos platzierte Türme.