sebiart Es ging mir jetzt auch nicht speziell um Dich oder einen einzelnen Beitrag, eher um diese häufigen Zwischentöne.
Was das Baustellenmanagement in Berlin angeht, bin ich selbst kein großer Fan (wer ist das schon). Da kann man eigentlich kaum zu einem anderen Schluss kommen, als dass es dort gerade bei Planung, Entscheidungsfindung und Koordination viel Optimierungsbedarf gibt. Allerdings gehe ich persönlich auch durchaus davon aus, dass es neben ineffizienter Bürokratie und Politik auch eine Preisfrage ist, was einem eine schnelle, effiziente Baustelle wirklich wert ist. Auch in Berlin gab es ja schon (sehr) schnelle Bauprojekte, wenn der Bauherr entsprechend entschlussfähig und zahlungskräftig ist. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist an anderen Standorten aber sicher besser. Die schöne Seite der Medaille, deren Schattenseiten oben ja bereits zur Sprache kamen.
Wenn man es für Unter den Linden realistisch runter bricht, dann kann man mE relativ sicher sagen:
- Der U-Bahnbau mit zwei großen, repräsentativen Kreuzungsbahnhöfen bei anspruchsvollen Bauvoraussetzungen hätte vermutlich nicht sehr viel schneller umgesetzt werden können. Der Großteil dieser 10 Jahre ist also lästig aber kaum zu vermeiden gewesen. Da es nun zudem in der Vergangenheit liegt und dagegen der Mehrwert spürbar ist, bin ich damit bereits versöhnt.
- Sehr ärgerlich ist vor allem, dass nach der Mega-Baustelle Ende 2020 nicht unmittelbar die "schöne" Baustelle angeknüpft wurde. Auch wenn ein komplett nahtloser Übergang wohl unrealistisch gewesen wäre, wurden sicherlich mindestens ein paar Jahre vertrödelt.
- Dass man sich dann auch nochmal von 2026 bis 2029 "Zeit lässt" hat wohl wiederum wirtschaftliche und politische Gründe, eben weil man es nicht zur höchsten Priorität erhebt und zugleich vermutlich auch wieder diverse mehr oder weniger auch legitime Interessen von Anliegern wahren möchte.
- Fazit: Bei optimalen Voraussetzungen hätte man wohl realistisch 2024/2025 oder mit angemessener Rücksicht auf Anlieger und realistischen Puffern allerspätestens jetzt 2026 fertig sein können statt nun überhaupt erst loszulegen und eher in Richtung 2030 zu schauen (also eher 14-15 statt fast 20 Jahre).
Zugleich schaltet bei mir der Unmut zunehmend in Vorfreude über. Wiederum weil der eigentliche Mammutakt ja bereits geschafft ist und zudem auch die nutzlosen, zähen Verzögerungen weitgehend hinter uns liegen. Jetzt folgt fast "nur" noch der sichtbare Fortschritt und damit die Stadtreparatur und -aufwertung. Auch das dürfte freilich gerne schneller gehen. Aber immerhin bekommen wir wohl schon recht große, tolle Bäume und ansehnliche Pflanzstreifen, sodass man sich mE durchaus auch schon auf das Ergebnis freuen darf.
Beiträge von jan85
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Bei allem Respekt (und ich bin gerne bei Familie in Paris): Berlin muss mE wahrlich nicht immer diese Komplexe im Vergleich zu Paris haben. Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters und die Tourismuszahlen sprechen freilich eher für Paris. Aber abseits vom Hype um die durchaus hübschen Fassaden, Plätze und Boulevards empfinde ich Berlin im direkten Vergleich zu Paris dafür deutlich grüner, luftiger sowie großzügiger und entspannter. Und das sogar trotz der Baustellen. Das ist auch nicht nur rein subjektiv. Berlin ist faktisch beim Anteil von Grünflächen in Kombination mit Alleen an der Spitze und besitzt eins der besten Wassermanagements weltweit (weit vor London, Paris, Rom oder Madrid). Das gilt exemplarisch bald auch für Unter den Linden, wenn es denn mal an allen Abschnitten so aussieht, wie es Merlin in Beitrag 828 schon gezeigt hat:
- Neben der Aufwertung des zentralen ÖPNV mit dem Kreuzungsbahnhof Unter den Linden/ Friedrichstraße und der Sanierung einiger Institutionen sowie Ergänzung von neuen Bauwerken gewinnt hier auch das Schwammstadtkonzept an Kontur, was ja gerade die Innenstadt besonders dringend benötigt.
- Dazu sind die Silberlinden laut KI-Recherche hervorragend für den Klimawandel aufgestellt. Bei heißen Temperaturen kühlen sie sich und somit auch etwas die Umgebung besonders effektiv (die Blätter stellen ihre silbern spiegelnden Unterseiten dann wohl nach oben uns reflektieren das Licht so). Dazu blühen sie länger für die Insekten und bilden nicht die klebrigen Säfte herkömmlicher Linden. Also in jeder Hinsicht ein Upgrade. Dazu sollen es insgesamt sogar 40% mehr Linden als vor dem Umbau sein (übrigens 157 Silberlinden und nur noch 17 alte Linden, die vorerst noch vital genug sind - es wurden somit weit mehr Bäume getauscht als alleine aufgrund der Bauarbeiten nötig gewesen wäre).
- Die Wildblumenbeete machen optisch was her und erhöhen zudem nochmals die ökologische Qualität. Mir gefällt das absolut nicht schlechter als irgendwelche barocken Rabatten oder gar die für Berlin fast schon "legendären" Pflanzkübel.
Klar, mich nervt es auch, dass UdL am Ende 20 Jahre Baustelle gewesen sein wird. Aber das ist nun doch eigentlich die schönste und am wenigstens schmutzige Phase, wo der Boulevard nicht nur sein altes Gesicht zurück erhält, sondern sogar langfristig neue Aufenthaltsqualität hinzu gewinnt. Und wie gesagt: Schaut Euch wirklich nochmal Beitrag 828 an oder noch besser fahrt an die Ecke, um etwas mehr Vorfreude aufzubauen.
Ich musste neulich mal mit einer Gruppe von Klassensprechern ziemlich zügig da durch - und gerade diese Ecke hat mir doch schon jetzt sehr gut gefallen. Tatsächlich habe ich mich sogar etwas daran erinnert, wie wir mit meinem Schwiegervater durch manche der Pariser Boulevards geeilt sind - und wie brechend voll und verkehrsintensiv es dort teils war. Auch die neuen U-Bahn-Höfe sind einfach schön, wobei Museumsinsel mein Favorit bleibt. Da muss sich Berlin perspektivisch absolut nicht verstecken.
Auch wäre ich allgemein etwas vorsichtig mit diesen Vergleichen. Frankreich ist zwar auch abseits von Paris jolie (mE im Zweifel oft sogar noch mehr) aber weit weniger prachtvoll. Und in England sind gerade die großen alten Industriestädte keine Schönheiten und leiden unter der Konzentration auf und Bevorzugung von London. In Deutschland dagegen erwartet man gefühlt Wunderdinge von Berlin und fokussiert sich stark auf das Negative. Aber umgekehrt würde man Berlin auch nie so eine Stellung einräumen wollen wie London oder Paris sie besitzen (und die teils für massive soziale Verwerfungen sorgen). Neben den historischen Wunden und dazu auch einfach dem Alter der Städte ist das einer der Hauptgründe für die vermeintlichen Defizite. Der Perfektionismus, von Barrierefreiheit bis Klimaresilienz alles abdecken zu wollen, kommt dann eben noch on top. Im Prozess oft anstrengend, im Ergebnis aber teils doch gar nicht so schlecht. So auch hier. -
^Es ist erstaunlich, dass Du wirklich nie müde wirst.
Und natürlich spürt auch Berlin wie die gesamte restliche Welt inklusive der USA und Russlands selbst die Folgen globaler Verwerfungen.
Da müsste Dich ja eigentlich freuen, dass Deutschland immer mehr Strom vor Ort aus regenerativen Quellen selbst erzeugt (zuletzt fast 60%) und durch Wärmepumpen etc. inzwischen auch ein immer größerer Anteil der leider nach wie vor vulnerablen Wärmeenergie ebenfalls durch regenerative Quellen erzeugt wird (immerhin fast 20%). Diese Transformation ist nicht ganz billig, wird langfristig aber sogar recht wahrscheinlich für niedrigere Energiepreise sorgen.
In dem Thread wurde auch schon u.a. konkret beschrieben, wie die Industriebetriebe autarker arbeiten (z.B. Tesla), wie Konzerne eigene Logistik und Infrastruktur inklusive KI-Rechenzentren aufbauen (z.B. Schwarz), wie auch staatliche Maßnahmen die Resilienz steigern sollen. Zaubern kann niemand, es sitzen aber auch nicht alle nur passiv rum (am besten noch zu Hause an der Tastatur, um schlechte Stimmung zu machen).
Zum Thema vermeintlich fehlende Innovation drehen wir uns im Kreis. Du bringst diese These immer wieder und behauptest, dass Du regelmäßig alle einschlägigen Quellen dazu studierst. Nach wie vor fehlt jedoch jeglicher Beleg. Du führst ja noch nicht einmal plausibel aus, wie Du Innovation misst, sodass man weder Deinen Ansatz noch die entsprechend zu gewinnenden Ergebnisse prüfen und bewerten kann.
Interessanterweise gibt es aber relativ viele Ansätze, mit denen heute Innovation gemessen wird und die man entsprechend auf Berlin anwenden kann:
- hohe Dichte an Forschungseinrichtungen, Hochschulen und privatwirtschaftlichen Entwicklungszentren (Platz 1 in D, Spitzenplatz in Europa)
- stark etabliertes Startup-Ökosystem: 17 Startups auf 100.000 Menschen (Platz 1 in D, Top 3 in Europa), hohe Quote bei Übergang von Seed-Finanzierung zu Series A (Platz 1 in D und Europa), inzwischen viele gewachsene Startups mit hohen Umsätzen über 100 Mio sowie Mia-Bewertungen und -Exits wie zuletzt erst wieder Delivery Hero (Platz 1 in D, Top 4 in Europa)
- Hohe Transformationsquote bei Unternehmen und Arbeitskräften: weit überdurchschnittlicher Einsatz von KI (je nach Quelle über 40 oder über 50%), besonders hoher Anteil von Zukunftsskills bei Stellenausschreibungen (Machine Learning, Data Science, agiles Produktmanagement), besonders starker Zuzug internationaler Fachkräfte und trotzdem noch immer viele offene Stellen für Spezialisten (Nachfrage übersteigt Quote von regionaler Ausbildung plus Brain Drain), umgekehrt begegnen Unternehmen dem Fachkräftemangel zunehmend mit Automatisierung und KI
- überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum und hohe Produktivität: trotz der beschriebenen globalen Verwerfungen stetig ansteigendes BIP und BIP pro Kopf (Platz 1 in D beim mehrjährigen Trend, und das wobei viele junge, wachsende Unternehmen überhaupt erstmal profitabel werden müssen und den Schnitt nach unten ziehen), eine vergleichsweise kleine aber zugleich hochproduktive Industrie mit hohen Umsätzen pro Mitarbeiter sowie Hightech-Clustern und Reallaboren für Transformation (u.a. ASML, BMW, Mercedes Digital Factory Campus, Siemensstadt Square)
Wo ich Dir dagegen teilweise Recht geben muss ist die Rolle der Politik, die mE aktuell auf Bundes- (stark) und Landesebene (teils) bedenkliche Probleme offenbart und mir selbst massive Sorgen bereitet.
Über die Bundesebene will ich hier gar nicht sprechen, bin aber selbst zunehmend entsetzt davon, wie sich ausgerechnet die beiden etabliertesten Parteien die politische Mitte weiter mit Ansage selbst zersetzen und so die Basis für Demokratie, stabile politische Mitte sowie allgemeines politisches Vertrauen immer weiter in den Sinkflug versetzen, als gäbe es keine nächsten Wahlen mehr.
Regional war/bleibe ich eigentlich in überraschend vielen Punkten sogar recht zufrieden, in anderen aber auch nicht. Wobei es schwer messbar ist, ob man zum Beispiel beim Wohnungsbau überhaupt mehr Einfluss auf regionaler Ebene hatte. Zumal man auch dort weit mehr umgesetzt hat als frühere Landesregierungen und die Daten für geplante und genehmigte Projekte ja zuletzt auch zunehmend überraschend (sehr) gut aussahen, bis dann die nächste globale Krise kam und Preise, Zinsen etc durch die Decke schoss. Was unter dem Strich vielleicht sogar trotzdem noch weiter umgesetzt wird, bleibt zudem dennoch abzuwarten. Auch sonst wurde an vielen Baustellen überzeugend gearbeitet. Die größte Schwäche sah ich bei der Verkehrswende. Ändert nur nichts daran, dass man zunehmend unpopulär unterwegs war und wir relativ wahrscheinlich bald rot-grün-rot mit der Linken an der Spitze bekommen. Das könnte ein sehr "spannendes Experiment" werden - mit ungewissem Ausgang. Aber auch da stecke ich nicht vorauseilend den Kopf in den Sand. -
Berlin Partner mit Halbjahresbilanz: Rekordinvestitionen und Startup-Finanzierungsrunden bei zugleich weniger Job-Effekten
Zuerst mal die nackten Zahlen: Im ersten Halbjahr investierten allein die von Berlin Partner betreuten Unternehmen 1,4 Mia Euro, eine so noch nicht dagewesene Summe (gut doppelt so viel wie im 1. HJ 2025 und fast 30% über dem bisherigen Rekordjahr). Zugleich gab es dabei "nur" 43 Neuansiedlungen sowie rund 3.000 neue (1.774) oder gesicherte (1.145) Arbeitsplätze. Der Trend zeigt: Es investieren primär große Konzerne und dies wiederum vor allem in Richtung Innovation und Effizienz, sodass die Produktivität pro Mitarbeiter deutlich stärker steigt als die eigentlichen Mitarbeiterzahlen. Dazu später noch etwas mehr.
Interessant sind vorher vermutlich noch die größten Investoren hinter dieser Summe: Google mit seinem neuen AI Center, ASML mit seiner Expansion, Daimlers Digital Factory mit Erweiterungen bei KI und humanoiden(!) Robotern sowie der neue Innovationscampus von Siemens Energy. Überraschend finde ich dabei zum einen, dass Mercedes auch in humanoide Roboter investiert (anders als bei Tesla noch nie davon gehört) und dass Siemens Energy zumindest aktuell wohl spürbarer investiert als Siemens mit seinem viel beachteten Campus.
Ebenfalls bemerkenswert: Es wird auch offen über den Trend zur Ersetzung und Verlagerung von Arbeitsplätzen gesprochen und der Name BASF genannt (früher ein gern gesehener Partner jetzt ein Abtrünniger). Der Schwerpunkt der Arbeit wandere somit zunehmend in Beratung bei solchen "Transformationsprozessen", i.e. wie Innovation ohne Jobkürzungen funktionieren könnte und ob man auszulagernde Jobs nicht nur aus dem Unternehmen auslagern aber in Berlin belassen kann. Daneben werden aber auch starke bestehende und potentiell zu erschließende Wachstumsbranchen wie Digitalwirtschaft, Gesundheitsbranche sowie Sicherheits- und Verteidigungsindustrie.
Nun aber wie oben angedeutet zu den Mitarbeiterzahlen. Da hatte ich kürzlich schon gelesen, dass nicht nur wie zuletzt (durch Zuzug u.a. von Flüchtlingen) die Arbeitslosigkeit oft eher steigt, sondern dass es sogar absolut weniger versicherungspflichtige Jobs gibt. Hierzu die enthaltenden Zahlen:
2021: +43.254
2022: +71.372
2023: +26.178
2024: +6.508
2025: -3.651
Das Jahr 2025 ist insoweit bemerkenswert, dass meiner Erinnerung nach schon seit vielen Jahren nicht mehr die Zahl der versicherungspflichtigen Arbeitsplätze gesunken ist, nicht einmal während Corona (da es immer auch profitierende Branchen gab und zudem Gegenmaßnahmen wie Zeitarbeit). Ich habe jetzt mal nur KI zu den Zahlen von 2011 bis 2020 befragt und der Schnitt lag demnach wohl bei knapp 36.000 zusätzlichen Jobs pro Jahr (meinem Gedächtnis nach sollte das etwa hinkommen), mit 2020 als Ausreißer mit lediglich +1.200 Jobs (für 2021 bis 2025 sind es immer noch knapp 29.000 zusätzliche Jobs pro Jahr - aber eben mit erstmals über mehrere Jahre stark einbrechendem Trend). Wir erleben hier mE wirklich eine Überlagerung von globalen Krisen (treffen Berlin oft weniger hart), globalem Wettbewerb UND eben dem beschriebenen Trend zur Automatisierung und KI-Implementierung. Bei letzterer liegt Berlin mit einer Quote von 40% Unternehmen mit signifikanter KI-Einbindung wohl bereits weit über dem nationalen Durchschnitt. Übrigens liegt das regionale BIP pro Einwohner offenbar immer deutlicher über dem deutschen Schnitt - und aktuell auf Platz 6 aller Bundesländer, wobei das natürlich nichts über den Arbeitsmarkt aussagt, wenn zunehmend auch Maschinen die Wertschöpfung erzeugen.
Umso erfreulicher, dass zumindest in den letzten paar Monaten in 2026 ja doch die Arbeitslosigkeit langsam absank und auch der Arbeitsmarkt wieder deutlich besser aussah mit mehr Jobangeboten. Es wird sich zeigen, wie stabil diese Trendwende ausfällt. Die langen Zeiten mit rund 30.000er Wachstum pro Jahr könnten aber so oder so erstmal vorbei sein.
Kommen wir zuletzt noch zu den StartUps, wo allerdings zunächst nur die Finanzierungsrunden aufgeführt sind: 429 und somit deutlich mehr als in den vorherigen Halbjahren (meist gut 200 bis 260, nur im 1. HJ 2025 bereits 355). Vielleicht ebenfalls interessant: München verbessert sich ab 2021 von unter 100 auf über 200 Finanzierungsrunden - und Hamburg sogar noch etwas deutlicher wobei man erstmals sogar mehr Finanzierungsrunden als München hatte (beide zusammen so viele wie Berlin). Aber auch Köln hat sich von meist ca. 30 auf zuletzt 90 verbessert. Was fehlt, sind die Venture Capital Summen. Wobei München da zuletzt meist durch Rüstungsstartups weit vorne lag. Dafür wollte Berlin Partner wohl auch einmal darauf hinweisen, dass Berlin trotzdem das etabliertere Ökosystem aufweist, das insgesamt 170 Mia wert sein soll und bei hoch bewerteten Startups sowie auch gut verdienenden Startups nach London, Paris und Stockholm Rang 4 einnimmt. Zudem hatte Berlin nach London in den letzten Jahren die meisten Finanzierungsrunden Europas und vor London prozentual die meisten Startups, die nach einer Seed-Finanzierung auch die Series A erreichten.
Zusammenfassung, Präsentation
P.S.: Jetzt will ich trotzdem noch herausfinden, was Mercedes mit humanoiden Robotern am Hut hat oder ob die trotzdem einfach nur in der Fabrik mitarbeiten und sozusagen im menschlichen Maßstab Hand anlegen (und so letztlich auch Menschen verdrängen). -
Uber übernimmt Delivery Hero für rund 8 Mia Euro - zudem 2 Mia Investitionen für Berlin und Deutschland
Insgesamt wird der globale Essenslieferant damit auf fast 13 Mia Euro bewertet, Uber besaß jedoch bereits vorher Anteile. Wichtig ist ansonsten noch, dass Berlin Sitz von Delivery Hero bleibt, bis 2029 kein Mitarbeiter entlassen wird und dass Uber bis 2031 insgesamt 2 Mia Euro in Deutschland investiert.
Das Festhalten am Konzernsitz sowie die hohe Investitionssumme allein für Deutschland sind sehr spannend. Denn Delivery Hero selbst operiert ja gar nicht mehr innerhalb von Deutschland und zudem bedeutet die Verschmelzung mit einem großen US-Tech-Konzern ja nicht unbedingt eigenen Wachstumsbedarf. Die 2 Mia sollen wohl zu großen Teilen an den Konzernsitz Berlin fließen, wobei man hoffentlich deutlich über 2029 hinaus planen wird (die Investitionen laufen ja immerhin bis 2031, also 2 Jahre länger als die Beschäftigungsgarantien). Konkret schreibt die Tagesschau von einem "Ausbau der Unternehmensbelegschaft", dem "Wachstum des landesweiten Geschäfts" (dann aber mE wohl eher unter Uber Eats, was mutmaßlich verschmolzen werden dürfte) sowie - und nun wird es mE besonders spannend - "Angeboten im Bereich autonomes Fahren und Partnerschaften mit der deutschen Automobilindustrie". Also VW Moia kooperiert in den USA mit Uber und sucht in Deutschland Partner. Nun kündigt Uber eine Kooperation für Deutschland an, wobei man plötzlich doch auch in die Technologie selbst investieren möchte. Das klingt nach einem potentiellen Match - aber warten wir mal die Details ab. Ansonsten wird auch spekuliert, dass Berlin langfristig eine Art Tech- und Entwicklungszentrum für den Konzern darstellen könnte (also ähnlich wie es Amazon seit kurzem im Edge-Tower betreut).
tagesschau.de, uber -
Update: Was macht eigentlich Moia?
Ich bin gerade in Hamburg, wo ich wirklich täglich die großen Moia-Transporter herumfahren sehe. Und da es ja zuletzt viele Updates zu verschiedenen Projekten der Autohersteller gab, fragte ich mich: Was ist eigentlich überhaupt aus Moia geworden? Die Antwort ist deutlich komplexer als erwartet und daher lieber der Reihe nach:
Moia wurde Ende 2016 (am 5.12.26 ist 10. Geburtstag) als neue VW-Marke in Berlin gegründet und sollte ähnlich wie Cariad neue Unternehmensfelder in Richtung Mobilitäts- und Technologieanbieter eröffnen. Gestartet ist man seinerzeit mit 50 Mitarbeitern. Inzwischen könnte es in Berlin schätzungsweise etwa 200-300 hoch qualifizierte Mitarbeiter geben.
Seit 2019 betreibt man eine Ridepooling-Flotte in Hamburg. Eigentlich wollte man ursprünglich in Berlin starten, doch BVG und Senat wollten keine Konkurrenz zum BerlKönig (2022 eingestellt) sowie keine Autonomie aus der Hand geben. Hamburg mit seiner Hamburger Hochbahn waren offener für die Pioniersarbeit beim Hochfahren der operativen Einheit. Zwischendurch arbeitete man auch mit Hannover zusammen, wobei Moia die Arbeit 2025 einseitig einstellte.
Seither ist zu vernehmen, dass Moia einerseits Wachstumspläne verfolgt und auch auf offene Ohren bei den Verkehrsbetrieben in Hamburg, München und Berlin stößt. Da die Personalsituation absehbar immer kritischer wird, haben die drei größten deutschen Städte eine gemeinsame Absichtserklärung geschlossen, wonach bis 2035 rund 2.000 autonome Bus-Shuttles in den drei Städten fahren sollen. Denn während die großen Hamburger Moia-Transporter noch mit Fahrpersonal operieren, soll die Zukunft autonom funktionieren und nur noch übergangsweise erst mit lückenloser Absicherung mit Sicherheitsfahrern sowie remoter Überwachung hochgefahren werden.
Seit Herbst 2025 operieren autonome Moia ID.Buzz Fahrzeuge übrigens schon in einem 15 km² großen Testgebiet im (eher peripheren) Berliner Nordwesten. Bei dem mit knapp 10 Mio geförderten Projekt behält die BVG jedoch das Heft des Handelns, während Moia "nur" Fahrzeuge und Software stellt. Hamburg bewegt sich wieder ein Level darüber und bespielt bald mit 30 Mio Fördergeld 37 km² mit diversen zentralen Arealen. Zudem hat man VW Nutzfahrzeuge und Moia dort stärker eingebunden und operiert so eher Seite an Seite. Auch haben dort alleine autonome Testfahrzeuge schon jetzt über 600.000 km zurück gelegt. Spannend dabei finde ich, dass die BVG ja inzwischen vom früheren Chef der Hamburger Hochbahn geleitet wird, die Hamburger Hochbahn dagegen von einem früheren Moia Manager. Es hat wirklich den Anschein, als sei Hamburg zumindest operativ immer und überall ein paar Schritte voraus. Berlin fährt im Windschatten, spart sich so andererseits oft die aufwändigen und teuren Schritte und bekommt zwar etwas weniger PR ab - aber behält eben zugleich auch die Moia-Zentrale.
Parallel kooperiert Moia in Amerika (LA, Florida) mit Uber, die sich gegen die autonome Konkurrenz von Waymo wehren. Ähnlich wie in Berlin stellt Moia dort Fahrzeuge und Software, Uber dagegen sein eigenes Netzwerk. Generell sucht Moia global nach starken Allianzen, während man in Deutschland vor allem Fördergelder sowie externe Investoren anstrebt. Denn auch wenn die großen Anbieter den europäischen Markt nicht selbst aufrollen können oder wollen und allenfalls passende Startups kaufen oder ggf. begleiten würden, muss Moia als vergleichsweise kleinerer Player überhaupt erstmal die Investitionen für den Anlauf stemmen, bevor es dann (voll-autonom) profitabel werden kann.
Fazit: Von Moia bekommt man oft gar nicht so viel mit aber da stellen sich immer wieder sehr wichtige Weichen, die über Erfolg oder Scheitern entscheiden können. Gut läuft es wohl, falls man bald immer häufiger den schwarzen ID.Buzz mit den entsprechenden Dachaufbauten sieht - und das zunehmend tatsächlich ohne Fahrer. Zumindest im Berliner Zentrum dürfte das aber noch einige Jahre brauchen. So sieht er jedenfalls aus, falls man mal im Berliner Norwesten unterwegs ist:
Bild: Volkswagen/ MoiaDie größten Chancen dürfte man perspektivisch auf dem stark regulierten europäischen Markt sowie darüber hinaus ggf. noch in starken Allianzen finden - oder eben als Direktanbieter für Kommunen und ÖPNV-Betreiber, die keine amerikanischen oder chinesischen Tech-Riesen mit ihrem dominanten Marktgebaren und Datenhunger rein lassen wollen.
heise.de & KI-Recherche (mit Überprüfung der Quellen) -
Es steht eben in einer Achse mit Brunnen und Rathaus sowie zugleich auf einer Linie mit der Kirche. Die Frage wäre mE, ob es eher diese Achsen markieren oder tatsächlich Aufenthaltsqualität für längere Pausen erzeugen soll.
Auch müsste man sich mal ansehen, wie konkret das Umfeld überhaupt gestaltet werden soll, auch wenn das freilich nicht die physische Entfernung zur Straße ändert. Aber vielleicht hat man da ja durchaus entsprechend Gedanken investiert, wie man zumindest die gefühlte Nähe der Straße etwas reduziert. Es steht übrigens nicht direkt an der Bushaltestelle, sondern lediglich etwa auf der gleichen Höhe der Straße aber einige Meter nach hinten versetzt. Da wären mE durchaus noch Spielräume.
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^Oh, da hast Du völlig Recht und ich teils zu voreilige Schlüsse gezogen. Ich hatte nur die Beschreibung in der PM des Senats gelesen, wonach Luther von "Begleitfiguren bedeutender Reformatoren" gesäumt wurde, und das automatisch auf die insgesamt (also auch international) bedeutendsten Vertreter der Reformation bezogen (übrigens scheint es dagegen beim Wormser Luther Denkmal tatsächlich so zu sein, dass Luther dort auch u.a. über Hus und Wyclif thront).
Mein Bauchgefühl ist ansonsten aber wohl trotzdem nicht so ganz falsch gewesen, was die nationale Nabelschau betrifft. So habe ich die KI mal (möglichst neutral formuliert und ohne oft verfälschende Vorwegnahme einer möglichen eigenen Deutung) gefragt, worum mutmaßlich diese und NICHT die bedeutendsten Wegbereiter der Reformation ausgewählt wurden - und warum Luther zudem so deutlich erhöht dargestellt wurde.
Als Antwort zum ersten Teil heißt es sinngemäß, dass es sich ausdrücklich um ein "preußisch-lutherisches Staatsdenkmal" handle, welches den "Sieg der deutschen, wittenbergischen Reformation als Geburtsstunde der modernen deutschen Kultur" propagieren sollte. Hus als geistiger Vorläufer hätte den Verdienst schmälern können, während Calvin und Zwingli eine "rivalisierende Konfession" repräsentiert hätten.
Zum zweiten Teil wird ausgeführt, dass die "extreme Erhöhung" politisch-nationale Motive hatte und sinnbildlich für den "deutschen Geist und Nationalstolz" stehen sollte. Luther sei damals generell im Dienste ambitionierter nationaler Interessen zum "deutschen Ur-Hero" bzw. "Nationalhelden" stilisiert worden, da er gemäß damaligem Narrativ die Deutsche Sprache schuf und den "deutschen Geist" gegen die "römische (welsche) Fremdbestimmung verteidigte". Kurz vor der Schaffung des Denkmals habe der preußische Staat unter Bismarck einen Kulturkampf gegen katholische Kirche und Papst geführt und durch die Erhöhung Luthers bewusst eine "Machtdemonstration des protestantisch geprägten Kaiserreichs gegen den Katholizismus" sowie ein "Monument des Kaisertums und Nationalstolzes maskiert im Gewand der Reformation" errichtet. Man setzte Luther also einerseits auf eine Art Thron, um ihn zugleich in den Dienst des aktuellen Herrschers und Throns zu stellen.
Das Denkmal verkörperte dabei übrigens interessanterweise exakt die gleiche Stoßrichtung wie auch u.a. der "katholisch"-prachtvolle Berliner Dom oder das monumentale Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal. Das vergleichsweise junge Reich fühlte sich gegenüber anderen im Hintertreffen und strebte Repräsentation an.
Also irgendwo gut, dass ich in dem Fall nicht Bescheid wusste und gerade dadurch naiverweise oder ggf. intuitiverweise in eine fruchtbare Deutungslücke gestoßen bin. Jedenfalls habe ich jetzt einiges dazu gelernt. Das Ergebnis bleibt für mich freilich das selbe: Zum Glück ist der pompöse Rahmen weg und man kann sich bald zu Luthers Füßen setzen, ohne sich den Hals zu verrenken. Die Gestaltung bleibt eine andere Frage. Wobei ich besonders auf den roten Bodenbelag gespannt bin, der real hoffentlich besser wirkt als auf dem Bild. -
^Tut mir leid, wenn das so rüber kommt. Mir liegt viel an einer Diskussion und Austausch von Erfahrungen. Die sind in dem Fall halt erstaunlicherweise wirklich diametral entgegengesetzt.
Tatsächlich habe ich schon bei meiner Arbeit selbst ständig mit jungen Menschen zu tun. Meine Tochter macht zudem gerade Abitur und hatte in Mittel- wie Oberstufe mit Luther zu tun.
Und wie gesagt: Wann gab es sonst mal einen Film zu einer historischen Deutschen Persönlichkeit, den sich Millionen Menschen im Kino ansehen und auch nochmal extrem viele DVDs kaufen (hab auch eine zu Hause, meine Eltern ebenso). Bei einem Ranking der größten Deutschen aller Zeiten wurde Luther auf Platz 2 gevotet. Playmobil hatte vor einiger Zeit Figuren von Luther, Fontane und Co - Luther wurde zur meistverkauften Figur der Firmengeschichte. In 9 von 16 Bundesländern wird jedes Jahr Reformationstag gefeiert und an Luther erinnert (das kommt dann zum Beispiel auch Jahr für Jahr in den Logo Kindernachrichten, hab ich selbst schon mehrfach mit Klassen geguckt). In unserer Region kennt man doch zudem die Lutherstadt Wittenberg.
Also ich bewundere eher jeden Deutschen, der es schafft, NIE mit Luther und seiner Biographie in Berührung zu kommen. Ob es die Leute groß interessiert, ist natürlich die andere Frage. Da wird aber auch ein Denkmal nichts mehr groß ändern.
Aber wer von den jungen Leuten in Deutschland (selbst unter den Geschichtsinteressierteren) hat denn schon einmal groß von Hus gehört (Luther selbst dagegen hat sich und alle seine eigenen 'Anhänger' bewusst als Hussiten bezeichnet! - damit man ihn dann nachträglich so über diesen setzt)? Oder von Calvin (der zumindest international letztlich sogar fast bedeutender wurde)?
Aber nochmal: Mein Problem ist doch überhaupt nicht, dass man in Berlin eine regional, national und international wirkmächtige Größe wie Luther würdigt (und meinetwegen auch weiter nur ihn ohne Mitstreiter). Ich persönlich bewundere ihn selbst ja auch. Mein Problem ist, wie das ursprüngliche Denkmal die anderen entscheidenden Köpfe im Verhältnis zu ihm darstellt. Das sind für mich zwei recht verschiedene Dinge. In der letztlich relevanten gestalterischen Frage sind wir uns doch aber ohnehin schon einig, da eine Reko ja gar nicht zur Debatte steht.
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^Luther wird in Deutschland allgemein ganz sicher nicht unterschätzt. Fast jedes Kind lernt in der Schule über ihn (aber meist wenig bis nichts über andere Reformatoren). Es gab einen großen Film wie über wenige andere historische Figuren, der enorm erfolgreich im Kino und als DVD war. Auch wird er von Wissenschaft bis Feuilleton bis heute regelmäßig entsprechend gewürdigt. Und wenn man auf YouTube deutsche Beiträge über die Reformation sucht, findet man ihn in aller Regel mit Abstand zuerst und am meisten aber weit weniger bspw. über Calvin.
Etwas gelegentlichen Disrespect gibt es inzwischen eher aufgrund der potentiell kritischen Aspekte Luthers, die ja von bestimmten Gruppen zunehmend bei dem Umgang mit historischen Persönlichkeiten betont werden - aber mE im breiteren Diskurs meist eher nicht den Ausschlag geben.
Luther war wie geschrieben (gemeinsam mit Gutenberg) einer DER Initialzünder der Reformation und fast nebenbei (i.e. sicher mehr unbewusst) auch für die Vereinheitlichung der Sprache und letztlich der Nation. Es spricht also überhaupt nichts dagegen, ihm an zentraler Stelle ein schickes Denkmal zu widmen. Das Luther-Denkmal selbst gefällt mir wie gesagt auch gut.
Aber das macht die ursprüngliche Gestaltung des Denkmals mit den Nebenfiguren oder auch Randfiguren trotzdem nicht angemessener. Hätte man gleich nur Luther repräsentiert und auf einen riesigen Sockel gesetzt: Ok. Könnte ich verstehen, dass man seine Bedeutung für Region, Nation und Religion so betont.
Aber unter den neben ihm herabgestuften Figuren sind Märtyrer, die teils vor Luther ähnliche bis identische Gedanken äußerten aber mangels ähnlich effektiver Verbreitung dieser Gedanken (Druckerpresse) und fehlender politischer Unterstützung brutal verfolgt und hingerichtet wurden. Ebenso sind darunter Reformatoren, die im internationalen Maßstab mindestens ähnlich wichtig für die Durchsetzung und Verbreitung der Gedanken waren.
Und Berlin inkl. das Umfeld des Lutherdenkmals wird spätestens heute von sehr vielen Menschen aus aller Welt besucht, sodass mir persönlich das ursprüngliche Denkmal zu sehr nationale Nabelschau und einfach peinlich wäre (die Botschaft ist so ja nicht: "Luther war groß und toll", sondern "Luther war größer und bedeutender als alle Anderen").
Das Zweit ist wie gesagt sein Selbstverständnis. Er wollte so viel ich weiß nie erhöht oder verehrt werden. Er wollte ja nicht einmal wirklich die Kirche spalten oder eine neue gründen und auch nicht zwingend selbst irgendeine Bewegung anführen. Er hatte ursprünglich lediglich gehofft, dass man an entsprechender Stelle zurück zum richtigen Weg findet und seine Reformvorschläge Gehör finden. Trotzdem war er natürlich absolut die richtige Persönlichkeit zur richtigen Zeit im richtigen Setting und rückblickend enorm wichtig.
Aber wie gesagt: Auf einen eher flachen bis mittelhohen, ansehnlichen Sockel und eine ansprechende, einladende Gesamtgestaltung kann man sich doch einigen. Und wenn einige Strömungen einen Luther am liebsten ganz vom Sockel stoßen oder versenken würden, finde ich das auch viel zu viel ins andere Extrem. Ein sein gesamtes Wirken fair einordnendes Schild mit einem kurzen Absatz zu aus heutiger Sicht kritischen Tendenzen sollte ausreichen. -
Tesla bindet StartUps in Zellproduktion ein
Unter "Cell Giga Challenge" können entsprechende StartUps pitchen, um dann im besten Fall direkt vor Ort Lösungen für bessere Qualität, Effizienz oder Skalierbarkeit erproben zu können. Man will dabei industrienahe StartUps mit vielversprechenden Ansätzen für Materialien, Anlagen, Fertigungsprozesse/ Automatisierung und KI anlocken. Interessierte werden dann finanziell gefördert und umgekehrt erhofft man sich Wettbewerbsvorteile. Das Ganze wird auch durch externe Partner und öffentliche Mittel gefördert.
Quelle electrive.net
Was mir mal wieder bei einigen Onlinekommentaren auffällt: Es wird direkt gegen deutsche Unternehmen ausgeteilt, die angeblich nicht so clever denken. Dabei ist der Ansatz durchaus gängig. Jedenfalls habe aus verschiedenen Branchen immer wieder davon gehört - u.a. Siemens und Bayer schaffen bei entsprechenden Projekten sogar extra eigene Flächen für StartUps. Aktuell herrscht wirklich sehr oft schwarz-weiß-Denken vor und auch Tesla selbst ist entweder ganz ganz schlimm und irgendwann bald sowieso nur noch Geschichte - ODER es ist DER heiße Scheiß und alle anderen sehen kein Land mehr. Enorm anstrengend, wenn scheinbar so viele Menschen diese Art Diskurs anschieben. Vielleicht gibt es aber auch genug, die sich besser auskennen aber nur leise ihren Teil denken und keine Zeit damit verschwenden wollen. -
Jockel HB Nur wird Luther ja enorm über die Passanten wie auch über die Wegbegleiter erhoben, wie es durchaus nicht bei allen Denkmälern in dieser Form üblich war oder ist. Eine gewisse Erhöhung finde ich wie gesagt ok, um es optisch überhaupt zu betonen (wobei man auch das Gelände ansteigen lassen kann o.ä.). In dem Fall überzeugt es mich dagegen überhaupt nicht und ich bin froh, dass es eine entsprechende Reko ja auch faktisch gar nicht zur Debatte steht.
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Ich muss es leider mal so deutlich sagen: Ich finde das historische Denkmal konzeptionell relativ schwach. Es imponiert auf den ersten Blick und es hat auch seine ästhetischen Qualitäten. Aber bei näherem Hinsehen überhöht es Luther mE in jeder Hinsicht maßlos. So wichtig er auch tatsächlich gewesen sein mag für den Anstoß der Reformation (und auf deutscher Betrachtungsebene für die Entwicklung der Sprache und nationalen Einheit). Aber die teils durchaus ähnlich bedeutsamen "Begleitfiguren" umschwärmen ihn ja fast wie einen Übermenschen oder Gott. Das mag aus deutscher Sicht noch einleuchten (bleibt aber falsch und mE auch peinlich).
Noch dazu war er historisch eine große aber zugleich doch als Individuum mW eine eher menschliche und bodenständige Persönlichkeit. Die wahre Autorität war für ihn die Schrift - weshalb ich das Buch sehr passend finde - aber er wollte nicht von einem Turm daraus dozieren, sondern sie jedermann an die Hand geben, sodass man selbst lesen, seinen eigenen Zugang zum einzig Erhöhten und dessen Gnade und Vergebung finden möge. Als Vermittler sollte er also in der Tat (fast) auf Augenhöhe und nahbar erscheinen, die Schriften reichen und allenfalls nach oben verweisen statt selbst dort thronen. Ein kleiner Sockel wie jetzt ist mE ok - etwas höher oder flacher macht jetzt auch nicht den riesigen Unterschied. Aber dass der alte Pomp weg ist, finde ich in dem Fall wirklich befreiend.
Bei der Bauakademie wird ja gerne spekuliert: Wie würde Schinkel heute bauen. Hier könnte man analog fragen: Wie hätte Luther sein eigenes Denkmal gestaltet, wenn er denn eins hätte haben wollen. Da finde ich den aktuellen Status deutlich besser und die Idee mit einer Bank irgendwo plausibel.
Am jetzigen Entwurf stört mich allerdings ebenfalls etwas die Ästhetik bzw. zumindest überzeugt sie mich nicht. wobei das vielleicht/hoffentlich real etwas besser wirken wird. Übrigens Klarenbach wird dafür die von Dir in den Raum gestellte potentielle Kritik an fehlendem Grün doch in dem verlinkten Text direkt entkräftet: Es soll Grün im direkten Umfeld entstehen und auch ordentlich ins Umfeld investiert werden. Dass man ein Denkmal selbst dagegen nicht komplett zupflanzt, sollte mE einleuchten. Es sei denn man steht auf romantischen Ruinenkult.
Wenn ich etwas ändern sollte, wäre das neben der Ästhetik zumindest die Überlegung, ob man Luther ggf. wieder Gesellschaft von weiteren bedeutsamen Reformatoren geben sollte. Dann aber auch hier eher auf Augenhöhe zueinander und zum Passanten. -
Arbeitslosigkeit geht leicht zurück - Stellenmarkt zieht an
Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer aber immerhin zum zweiten Mal in Folge sinkt die Arbeitslosigkeit, wenngleich diesmal etwas leichter um -0,1% auf nurmehr 10,2%. Damit erreicht man wieder das Vorjahresniveau und stoppt vorerst den Abwärtstrend. Zudem soll nun auch der Stellenmarkt wieder bessere Signale senden.
zeit.de
Die erfreuliche Trendwende kommt nur leider nicht überall an:
Mr. Spex schließt Spandauer Logistik- und Produktionszentrum und streicht 125 Stellen
Man will einerseits stärker auf KI setzen und andererseits Arbeitsschritte an Fremdunternehmen auslagern. Damit setzt sich der Sparkurs weiter fort.
t-online.de
Und nochmal zwei Meldungen aus der Autobranche, wo sich die Entwicklungen aktuell ziemlich überschlagen.VW bündelt ca. 1.000 Cariad-Jobs an neuem KI-Campus
Volkswagen hatte zuletzt ja eher schlechte Nachrichten für Berlin zu verkünden. So soll bekanntlich die Berliner IAV Niederlassung mit 1.250 Jobs ersatzlos geschlossen werden.
Auch bei der Software-Tochter Cariad war Berlin im Zuge der Kursänderung* besonders stark von Stellenkürzungen betroffen (*i.e. eine Kehrtwende weg von den anfangs ambitionierten vollständigen Eigenentwicklungen inklusive Quellcodes hin zu Partnerschaften und Nutzung von Open Source Codes für möglichst wettbewerbsfähige Anwendungen ohne Lizenzgebühren und Abhängigkeiten). Das kam wohl auch so, weil es sich in Berlin anders als den restlichen großen Standorten wie Ingolstadt und Wolfsburg nicht um langjährige konzerneigene Leute handelte, sondern um extra extern angeworbene.
Nun vollendet VW die Konsolidierung bei Cariad mit einer Art Flucht nach vorn: Wohl nicht zufällig in direkter Nachbarschaft zur Berliner Entwicklungsabteilung von SAP sowie wie weiteren hochkarätigen Forschungs- und Entwicklungseinheiten hat man einen sogenannten "Automotive Software Campus" eröffnet und dafür die verbleibenden gut 1.000 Mitarbeiter von zuvor 7 Standorten in einem 11-geschossigen Bürobau zusammen gezogen. Die oben angeführte Kurskorrektur hin zur Anwensungsebene beschreibt man nun übrigens als Lernerfahrung für die das Scheitern der Maximalziele notwendig gewesen sei. Das ist im Grunde genau der Spirit aus dem Silicon Valley (probieren, scheitern, lernen, neu sortieren und dann alles nochmal) und wäre per se nicht so verkehrt. Wichtig ist am Ende aber die Substanz und nicht die Rhetorik.
Der Campus soll explizit VWs KI-Kompetenzen verstärken und entsprechende Anwendungen entwickeln. Aktuell ist das bereits u.a. mit Teilfunktionen des autonomen Fahrens sowie mit einem intelligenten Sprachassistenten gelungen, die demnächst beide in Serienfahrzeuge eingebaut werden. Auch intelligente Sensorik zur Umfeldwahrnehmung gehört zu den Schwerpunkten, wobei das mE ohnehin untrennbar Teil des autonomen Fahrens ist. Es geht aber um die gesamte Interaktion zwischen Fahrzeug und Umgebung sowie auch Fahrzeug und Insasse/ Fahrer. Dazu hieß es sinngemäß vom CEO Peter Bosch, das Fahrzeug der Zukunft sehe, spreche und fahre alleine - und im Berliner KI-Campus gebe man ihm die künstlichen Sinne und das Gehirn dafür. Hier solle die Zukunft der Fahrzeuge als KI-definierte Autos geprägt werden. Eine Besonderheit: In dem Gebäude stehen auch fertige (Hightech-)Autos, wo man die gerade programmierten Codes bzw. Funktionen direkt anwenden kann. Schon 2027 soll das dann auch für die Käufer von VW-Produkten vom kleinen 20.000 Euro Auto ID Every1 bis hin zum großen Porsche gelten.
Indessen will man übrigens eine Kooperation mit Bosch im Bereich des autonomen Fahrens beenden. Da genau dafür zuvor auch einige Bosch-Leute zu Cariad gewechselt waren, könnte das auch gewisse Stellenstreichungen bedeuten. Auch hier also trotz Milliardeninvestition ein schmerzhaftes Scheitern aka Lernerfahrung.
Da auch einige Pressebilder dabei waren, hier eine kleine Auswahl zur besseren Illustration der Örtlichkeiten:



Bilder: Volkswagen Group
Quellen: VW, electrive.net, rnd.de,
Daimler Konzern präsentiert High-Performance-E-Motor aus Berlin
Ausgerechnet am ältesten Produktionsstandort des Konzerns in Berlin-Marienfelde beginnt knapp 125 Jahre nach Werksgründung (1902 war die Erfindung des Automobils gerade einmal 16 Jahre her) ein neues Kapitel. Nachdem Daimler 2021 die britischen Motor-Spezialisten von YASA aufgekauft hatte, siedelte man ausgerechnet die AMG-E-Motorenentwicklung in Berlin an. Die schlechte Nachricht dabei ist, dass man weniger Arbeitsplätze für E-Motoren benötigt. Die gute Nachricht ist, dass die Ingenieure einen besonders leichten und leistungsfähigen Motor entwickeln konnten, mit dem das Versuchsfahrzeug auf den Rennstrecken schon eine Menge Rekorde brechen konnte. Der sogenannte Axialfluss-Motor ist leicht und kompakt aber in der Sache durchaus anspruchsvoll und spektakulär. Von den knapp 100 (teils sehr schwierigen) Verfahrensschritten sind 65 Neuland für Mercedes und 35 sogar weltweit ein Novum. Das Resultat sind über 30 Patente und ein besonders effizienter aber auch besonders teurer Motor, der nun viel beachtet mit dem AMG GT 4-Türer-Coupé in (immer noch exklusiver) Großserie sein Können beweisen soll. Auch wenn man aus Kostengründen nie in die breite Masse vorbrechen wird, doch ein Achtungserfolg. Zumal eine Erkenntnis der letzten Jahre war, dass Luxus meist immer noch geht.
Wenn demnächst diese Front im Spiegel auftaucht, weiß man, dass neben dem Infotainment-System MBUX (und ggf. der großen Antriebseinheit) auch der Hochleistungsmotor in Berlin entwickelt wurde:
Bild: Mercedes Benz AG
Einige ausgewählte Quellen: ingenieur.de, elektroautos-news, golem.de -
^Also der Umzug der BHT oder die Ansiedlung der Feuerwehrakademie sind mW schon so ziemlich immer Thema gewesen - und die letzten mir bekannten privaten Ansiedlungspläne wurden gerade mal vor etwa einem Jahr bekannt (als das Projekt noch weit weniger günstiges Momentum hatte als aktuell). Da finde ich ehrlich gesagt eher Deinen Pessimismus (gleich kategorisch "zum Scheitern verurteilt") künstlich über's Knie gebrochen.
Wir werden ja wie gesagt noch früh genug sehen, ob es funktioniert. Nur so viel:
- Auch der Euref-Campus wurde direkt abgeschrieben (der Thread ist hier ja archiviert bei Bedarf) und ist inzwischen voll mit tausenden Arbeitsplätzen - inklusive Zylinderbau im alten Gasometer, den viele allenfalls für eine nette Visualisierung hielten.
- Bei Siemens gab es trotz Superlativen viel Pessimismus und langsam aber sicher wachsen die Neubauten.
- Tesla wurde schon mehrfach abgeschrieben und blüht gerade neu auf.
- Streletzki wurde von Anfang an angezweifelt und teils verspottet mit seinem Hotel am Schrottplatz. Heute ist das größte Hotel Deutschlands, ein wichtiger Kongressstandort und zugleich bald auch mit dem höchsten Turm der Stadt ein Aushängeschild für den Berliner Südosten.
- Die Liste wäre fast unendlich fortsetzbar.
In Tegel ist es noch nicht einmal richtig los gegangen aber gerade läuft einiges richtig an und wird konkret. Und doch wird auch hier wieder geunkt und geurteilt, als wenn das Volkssport Nummer 1 wäre und man damit irgendwas gewinnen könnte: Kann ja allet jar nischt werden, wah? Wann wurde eigentlich zuletzt ein Wagnis gefeiert und angefeuert? Natürlich kann alles auch irgendwie schief gehen (wenn alle so eine Einstellung haben, wird es auch ganz sicher so kommen - vgl. self fulfilling prophecy und am Ende hat man immerhin Recht gehabt, falls alles in Scherben liegt). Aber für die globalen Verhältnisse der letzten Jahre ist auch noch eine Menge gut gelaufen. Ich arbeite jedenfalls weiter gerne mit Kindern und jungen Menschen an ihrer Bildung und Karriere - oder gieße Pflanzen. Auch wenn ich die Zukunft weder kenne noch nur rosig sehe. Aber wo Hoffnung besteht, sehe ich es als eine Art Pflicht aber auch Freude an. Kann schief gehen. Kann aber auch gelingen. Also warum nicht versuchen, was auf die Beine zu stellen? Auch ein Grund, warum ich so gerne Projekte im DAF verfolge: weil ich gerne bei Wachstum oder zumindest Wachstumsversuchen zusehe. Andere haben scheinbar völlig gegensätzliche Motive, die ich wohl nie ganz verstehen werde (aber vielleicht auch nicht unbedingt verstehen muss oder will)... -
Passagiertrend dreht im Mai ins Plus - neue Ziele und Airlines für den BER
Nach einem Jahresstart zum Vergessen hat der BER im vorvergangenen Monat knapp ein Prozent Wachstum geschafft (jedoch bei erneut weniger Flugbewegungen). Insgesamt bleibt es für die ersten 5 Monaten jedoch bei -1,4% gegenüber dem Vorjahr. Demnächst werden die Juni-Zahlen veröffentlicht, wobei größere Sprünge aber überraschend wären. Bezüglich Sommerferien erwartet man etwa das selbe Niveau wie im Vorjahr. Also läuft es bisher am ehesten auf ein kleines Minus oder Stagnation hinaus.
Immerhin: Auch wenn mit den Nahost-Verbindungen das frühere Powerhouse bei den Langstrecken eingebrochen ist, kommen auch neue Airlines und teils Strecken hinzu:- Erst vor wenigen Tagen ist Montreal gestartet, womit der BER zugleich auch Air Canada begrüßen durfte. Auch wurde nun bekannt gegeben, dass die Strecke auch 2027 angeboten wird (dann 4/7 statt 3/7). Zusammen mit Transat nach Toronto sowie Delta und United in Richtung NYC/ Newark ist damit Nordamerika etwas breiter aufgestellt als in der jüngeren Vergangenheit.
- Ab sofort fliegt auch Middle East Airlines neu 4/7 nach Beirut.
- Um es zumindest mal zu erwähnen: United Airlines stockt das Business-Class-Angebot auf ihrem NY-Flug um gut 50% von 30 auf 46 Plätze auf. Air India plant zudem wie vor ein paar Monaten kommuniziert inzwischen ganz offiziell eine Direktverbindung BER - Neu-Delhi. Die Pläne könnten sich aber leider unbestimmt in die Zukunft verschieben, da man vorher nun doch erst noch das Geschäft stabilisiert und dann erst expandiert.
- Weit weniger spektakulär: Die kleine, erst 2025 von Business-Leuten in Friedrichshafen gegründete Airline Air Uniqon baut die Verbindung nach Friedrichshafen von 3/7 au7f 4/7 aus und nimmt 2/7 eine neue Direktverbindung nach Sylt auf. Wenn man frech sein will, kann man sagen, dass das kleine Startup damit ab sofort identisch viele Direktverbindungen vom BER aus anbietet wie die Lufthansa (i.e. ganze 2). Da endet die Vergleichbarkeit freilich auch schon.
- Auch andere bauen aus, auch wenn es nicht neu ist: Wizzair erhöht das Angebot gegenüber Sommer 2025 um 90% mit nunmehr 12 Zielen, Eurowings stationiert 2 zusätzliche Jets und fliegt neu nach London, Lissabon, Neapel, Sarajevo und Olbia. Neu ist zudem AJet 1/7 nach Bodrum. Und weil es vorher auch u.a. hier ein Kritikpunkt war: Pünktlich zu den Sommerferien wurden 1.300 neue USB-Ladestellen in die Sitzmöbel integriert. Neu ist ansonsten auch noch ein Berliner Gastro-Anbieter für vegane Donuts und Kaffee.
Wie so oft: Das Glas ist wahlweise halb leer oder halb voll. Immerhin schmeichelt es den Ohren wenn man bezüglich BER neben Delta, United oder Hainan und Qatar nun auch von Air Canada, Air Transat oder aber neu auch Air India lesen darf - oder eben neben Peking und New York sowie dem Golf auch von Toronto, Montreal oder eben hoffentlich bald Neu-Delhi. Zumindest die Richtung stimmt schon einmal und die meisten anderen deutschen Flughäfen würden vermutlich immer noch direkt tauschen.
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^So etwas ist leider nicht unüblich. Ein inzwischen verstorbener Bekannter von mir stammte aus einer Gärtnerfamilie, die schon von den Nazis enteignet wurde und sich dann nach dem Krieg alles neu aufgebaut hat - nur um bereit wenige Jahre später von der DDR erneut enteignet zu werden. Sie sind dann in den Westen und haben ein drittes Mal von Null einen neuen Betrieb aufgebaut. Nach der Wende wollten sie dann ebenfalls juristisch eine Entschädigung erkämpfen. O-Ton eines Richters: "Da müssten wir Ihnen ja mehrere Millionen auszahlen." Sie sind dann mit leeren Händen nach Hause gegangen und haben sich von drei Systemen verraten gefühlt. Auch viele jüdische Familien haben bekanntlich eine rechtmäßig sicher angemessene Entschädigung nicht (mehr) erleben dürfen.
Ansonsten freue ich mich aber, dass es nun zumindest Momentum in Richtung Stadtreparatur gibt. Die Entwürfe gefallen mir unterschiedlich gut aber alle sind solide und sie ergänzen sich mE auch erfreulich gut.
Falls es das Projekt tatsächlich schafft und dann eventuell auch wirklich noch die Bauakademie weitgehend originalgetreu wiederersteht, wäre das mit dem Humboldt Forum in Summe sehr viel mehr als ich zu meinen Lebzeiten für möglich gehalten hätte. Und ich bin gerade einmal 40. Aber ich freue mich erst, wenn es auch sicher so kommt.
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Wie gesagt gibt es noch eine Reihe Herausforderungen und der ÖPNV ist sicher eine davon. Dennoch ist das Potenzial durchaus gegeben, dass hier über die nächsten Jahrzehnte ein spannendes Projekt entstehen könnte.
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Es stimmt zwar, dass sich die Entwickler von Adlershof bisher schwer tun, einen weiteren Campus ähnlicher Qualität zu etablieren. Es ist mE auch keine sinnvolle Vorgabe, dass jedes Mal direkt ein Adlershof 2.0 oder gar (schon vom Platz her völlig absurd) Silicon Valley 2.0 entstehen soll. Die Idee, eine Hochschule oder Teile davon ansiedeln, ist aber erstmal durchaus schlüssig. Beim Euref-Campus wurde nur ein sehr kleiner Uni-Ableger der TU angesiedelt (mW neu oder zusätzlich aber dafür inhaltlich passend und sogar mit Förderung der Interessenvertreter des Campus) und die gewünschten Unternehmen kamen trotzdem.
Ansonsten ist halt mal wieder so ein schlecht gelaunter, maßlos zuspitzender und in irgendwelchen wirren Hierarchien festhängender Kommentar, den man inhaltlich erst kompliziert einordnen müsste. Ich habe stattdessen mal etwas bezüglich früherer und aktuellerer Meldungen recherchiert und mich ansonsten noch etwas mit KI "unterhalten", wobei die obige These von einem vorprogrammierten Scheitern von wegen mit der BHT auf's falsche Pferd setzen usw. aber nur ein Nebenthema war (zumal ich die realistische Perspektive aufgrund vorheriger Fälle schon ahnte).
Erstmal zu den industriepolitischen Potentialen des Areals:
- Hier im Thread wurde geschrieben, dass laut Baukollegium Nutzer aus den Bereichen autonomes Fahren und Wasserstoffwirtschaft eine Ansiedlung planen bzw. zugesagt haben (Stand Mai 2025, also relativ frisch und nach den ernsten Bedenken aus 2024, die sich inzwischen wieder in Richtung feste Finanzierungszusage gedreht haben).
- Herr Wegner würde zudem wohl auch gerne Defense-Tech ansiedeln, was die bisherige Ausrichtung erweitert aber dem aktuellen Trend nach passen könnte.Dann etwas zur Rolle der Institutionen:
- Die Rolle der BHT wird eine völlig andere sein als bei der HU in Adlershof. Statt Grundlagenforschung wie z.B. Materialforschung oder Arbeit mit mathematischen Modellen hat man bei der BHT tendenziell viel mehr angewandte Forschung (Labs, Werkstätten für Prototypenbau etc.). Entsprechend ist der Standort interessant für StartUps oder Unternehmen, die möglichst schnell an die Herstellung von fertigen, funktionierenden Produkten heran wollen. Für diese wiederum ist man dort aber sogar sehr attraktiv aufgestellt.
- Die BHT ist übrigens eine der größten staatlichen Fachhochschulen Deutschlands und besitzt einen exzellenten Ruf in den Ingenieurswissenschaften (speziell in dieser Tiefe sehr selten). Auch besitzt sie hierin bereits eine große Tradition, da sie die Berliner Industriegeschichte stark mitgeprägt hat und als "ingenieurtechnisches Rückgrat der Berliner Bau-, Energie- und Industriewirtschaft" gilt. Sie soll dabei bis heute durchaus für Spitzenforschung stehen.
- Die BHT und speziell die hier angesiedelten 2.500-3.000 (von insgesamt 13.000) Leute gelten fachlich als perfektes Match für die TXL-Pläne und würden zudem auch für hybride Forschungsprojekte taugen, sollte es tatsächlich in diese Richtung gehen.
- Insgesamt sollen mal rund 5.000 Studierende auf dem Campus unterwegs sein, da auch die Feuerwehrakademie und ggf. wohl noch einige kleinere Einrichtungen zeitnah Ansiedlungen planen. Auch bei der Feuerwehr soll die Finanzierung inzwischen wieder klar sein. Dass es bei dieser viel um Sicherheit/ Resilienz und Katastrophenschutz gehen wird, könnte wiederum ganz gut zu Wegners Defense-Tech-Plänen passen.
Fazit: Wenn man sich etwas informiert statt aus dem Bauch heraus direkt das nächste Totalversagen zu wittern, gibt es bei allen bleibenden Herausforderungen doch eine klare Marschrichtung inklusive verbindlicher Finanzierungszusagen. Gerade angesichts der Haushaltslage halte ich das Ganze somit sogar als ziemlich ambitioniert, gerade auch im Vergleich zu anderen Entwicklungsgebieten wie in Marzahn. Der Zeitkorridor liegt mit 3-5 Jahren für Feuerwehr und BHT in einem greifbaren Bereich und immerhin scheint es ja auch schon entsprechende private Ansiedlungspläne zu geben. Auch wenn manche schon jetzt wissen, dass alles scheitert, kann man es also auch einfach weiter abwarten. Wir werden es so oder so bald erleben. -
spandauer Eine tolle Ergänzung. Ich hatte neulich auch mal gelesen, dass neben den Indern auch die Brasilianer in Berlin zu den am besten verdienenden Personengruppen der Stadt gehören (überraschend auch vor Menschen aus deutlich wirtschaftsstärkeren Ländern).
Da dürfte also schon jetzt eine Menge Potential liegen inkl. Business-Travel und Privatreisen von solventen Menschen für Familienbesuche, Heimaturlaub etc. wo man ggf. für das Vermeiden unnötiger Umstiege und Verzögerungen auch mehr zahlen könnte und würde (wogegen ich z.B. bei Thailand/ Bangkok eher sehr viel Tourismus und somit eine preissensiblere Klientel vermute, ohne es natürlich genau zu wissen).