Beiträge von jan85

    spandauer Missstände in der Branche kommen definitiv vor und das habe ich auch nicht in Abrede gestellt. Im konkreten Fall sollte man entschlossen dagegen vorgehen. Aber ganz allgemein sollte man mE schon noch differenzierte Begriffe vorziehen und keine Pauschaldiffamierungen. Oder ist für Dich die Gastronomie dann ein gesundheitsgefährdendes Gammelessenkollektiv?


    Es ging ja konkret ums Tempelhofer Feld und da weiß ich nichts von irgendwelchen Machenschaften. In Kreuzberg hat es "systematische Rechtsbrüche und dunkle Geschäfte" dagegen wohl tatsächlich gegeben und letztlich wurden zur Finanzierung sogar gezielt Mietsteigerungen ermöglicht. Stört Dich das auch oder dürfen 'die Guten' so was?

    Urbanist Grundsätzlich würde ich Befürworter einer Freihaltung des Tempelhofer Feldes auch nicht mit Antifa o.ä. in einen Topf werfen. Dafür ist diese Interessengruppe deutlich zu vielschichtig (selbst bei Antifa müsste man aber eigentlich näher beschreiben, was konkret man diskutieren möchte). So weit stimme ich Dir also zu.


    Aber "Immobilienmafia" ist dann auch nicht wirklich besser. Sollte das eine direkte Replik sein oder aber evtl. den Bogen zurück zu Herrn Schmidt und seinen Mauscheleien schlagen? Für sich genommen ist es jedenfalls weder eine Befürwortung der Bebauung noch eine Befürwortung der Offenhaltung kriminell.


    Es gab eine demokratische Abstimmung und sollte sich die Stimmung seither wirklich deutlich verschoben haben, gibt es evtl. auch noch eine zweite Abstimmung. Von mir aus können auch jedes Mal alle Grüppchen trommeln und ihre Argumente (ob fundiert oder manipulativ) vorbringen. Der Wähler lernt hoffentlich in dem Fall eher mal direkt was über seine Verantwortung (Freihalten ist ein Zustand für viele Jahre und Bebauung ggf. sogar endgültig).

    Das ist so weit völlig in Ordnung und explizit nicht Teil meiner negativen politischen Gesamtgefühlslage. Im Gegenteil. Da würde ich es eher mit Willy Brandt halten: Etwas Demokratie wagen. Bei sensibleren Themen würde ich eher gründlich über Direktabstimmungen nachdenken.

    Causa Florian Schmidt brodelt tief unter der Oberfläche - Berlins politische Landschaft in der Krise?

    Florian Schmidt hat mE sehr, sehr großes Glück, dass die breite Öffentlichkeit im zweiten Coronajahr keine Nerven für weitere Nebenkriegsschauplätze hat. Die Aufmerksamkeitsökonomie kennt generell nur wenige große Themen und aktuell frisst Corona alles, wie auch schon Fridays For Future und Black Lives Matter zu spüren bekamen.


    Dennoch braucht es schon einige Chuzpe, um ausgerechnet einen Untersuchungsausschuss über systematische, potentiell hochgradig verantwortungslose Umgehung parlamentarischer Normen mit einem erneuten Versuch zur 'kreativen Umgehung' parlamentarischer Normen und Gepflogenheiten zu torpedieren. Eigentlich ein Skandal im bereits ausgewachsenen Skandal. Ich gehe erfahrungsgemäß mal davon aus, dass die Rettungsstrategie tatsächlich scheitern wird, dass es im Ausschuss zumindest ein wenig aufs Dach gibt, dass anschließend von diversen anderen Parteien (teils völlig berechtigt, teil aber aus reinem politischem Kalkül) gezetert wird, dass es aber auch aufgrund von Corona fast niemanden in dieser Stadt interessiert, dass die Grünen Herrn Schmidt anschließend irgendwie resozialisieren und neu einbinden und dass es dann bei den nächsten Wahlen ohnehin keinerlei Auswirkungen auf die Ergebnisse der Grünen oder seiner jetzigen Angreifer geben wird. Die Wähler der Grünen wissen überwiegend wohl ohnehin genau, wen und was sie da unterstützen und fühlen sich damit moralisch auf der richtigen Seite (ein selbst erklärter Robin Hood muss sich eben nicht an die Gesetze des Sheriffs halten, auch nicht wenn er gewissermaßen in Parallelrolle gleichzeitig gewissermaßen selbst auch noch den Sheriff spielt). Und wenn solche Sachen mehrfach ohne Abstrafung so laufen, sinkt der politische Druck immer weiter. Noch rede ich hypothetisch aber ich sehe Berlin in einer politischen Krise.


    Ein Teil des Dilemmas ist mE das Fehlen von Alternativen. Die Parteien in Koalition und Opposition, die den Grünen jetzt zu gerne einen strategischen Schlag versetzen möchten, bekommen seit Jahren selbst nicht viel auf die Reihe. Es wechselt eigentlich fast nur die Perspektive, wer es gerade wie sehr verbockt (es leicht bis mittelstark verbocken, ist ja fast noch gut) und wer aus Beobachterrolle darauf hinweisen darf (weil er es aktuell ja nicht besser machen muss). Ich bleibe bei meiner Wahrnehmung, dass Berlin einfach gut aufgestellte Landesparteien mit charismatischem und zugleich fähigem Personal fehlen. Gefühlt würde ich einige Grüne, Sozialdemokraten und Christdemokraten anderer Bundesländer bei entsprechender Wahl sofort nehmen. Aber vielleicht sind die anderen Wiesen auch nur immer aus der Ferne grüner als die eigenen...


    P.S.: Ich hoffe, der Beitrag war nicht zu pessimistisch oder gar zynisch. Ich kann mit unserer Landespolitik einfach schon lange nichts mehr anfangen (was ich selbst sehr bedenklich finde aber nicht wirklich ändern kann). Manchmal entlädt sich da Frust aber ich will natürlich auch niemanden damit nerven.

    In den Jahren nach der Wiederaufbauentscheidung, als quasi hektisch, nachträglich, über den Inhalt abgestimmt wurde das Konzept eines Weltkultur-Museums entworfen. Ein MultiKulti-Palast sozusagen, in dem die Vielfalt der Weltregionen gefeiert werden sollte.


    Vor allem soll/te so die Museumsinsel ergänzt (i.e. im geographischen und kulturellen Fokus erweitert) werden, die sich auf die Kulturregion Europa und ihre ältesten Kontaktzonen bezieht. Also im wahrsten Sinne des Wortes eine Horizonterweiterung. Und unabhängig davon, wie diese Entscheidung zu Stande kam, teile ich nicht die von einigen vorgebrachte und hier latent mitklingende Kritik, dass es sich um eine unausgegorene, missglückte Entscheidung handle. Ich weiß nicht, inwieweit 'MultiKulti-Palast' wirklich so herablassend gemeint ist, wie es auf mich wirkt. Aber eine Auseinandersetzung mit anderen, durchaus auch entfernteren Kulturen dieser Welt finde ich sehr reizvoll.


    Dass dieser als 'Dialog der Kulturen' durchaus wohlintendierte Blick auf die Welt dennoch mindestens eine gewisse Spur der eurozentristischen und kolonialistischen Perspektive behält, sollte man dabei aber durchaus bedenken und selbstkritisch berücksichtigen. 'Dialog' steht bei mir für Augenhöhe - und dann sollten die ausgestellten Kulturen auch eine eigene Stimme erhalten, angemessen zu Wort kommen (ob und ggf. wie das umgesetzt wird, muss sich zeigen).


    Natürlich kann man so etwas auch komplett abtun und jegliche Sensibilität hierfür als komplexbehaftetes, selbstzerstörerisches Weicheitum herabwürdigen. Ich hingegen finde diesen Kontext wichtig. Man SOLLTE mE beim Betreten eines solchen Museums durchaus im Hinterkopf behalten, welcher Zeitgeist zumindest beim Anlegen der Sammlungen noch herrschte. Ja, es wurden mehr oder weniger ungefragt (teils bewusst selektiv gefragt) Objekte mitgenommen, selbst wenn diese teilweise von hohem symbolischen Wert (ggf. heilig) für die Bevölkerung waren - aber aus dem vermeintlich überlegenen Blick der 'Entdecker' war eben nichts heilig. Es wurden bekanntlich auch menschliche Überreste und selbst lebende Menschen aus den Kolonien mitgebracht und ausgestellt. Dies neben vorgeblichem oder tatsächlichem wissenschaftlichem und bildungspolitischem Interesse (Menschenaffe und Buschneger gaben sich nicht viel und galten als Illustration Darwinscher Theorie) auch als Propaganda für die Kolonien aber auch zur reinen Unterhaltung und Bereicherung. Diese Völker- und Menschenschauen wurden immer größer angelegt. Erst 'Einzelexemplare' und repräsentative Kleingruppen, dann teils ganze Negerdörfer. Das Ganze fand oftmals (so auch u.a. in Berlin) im Kontext von Zoo und Zirkus statt. Und in solch groß angelegter Form gab es das allein in Deutschland vom späten 19. Jahrhundert bis 1940 (übrigens wollten die Nazis zur selben Zeit auch die Museumsinsel erweitern und u.a. mit einem Germanischen Museum in Kontrast setzen). Ein schweizer Zirkus hat diese Tradition dann wohl noch bis in die 60er so fortgeführt, während die typischen deutschen Komplexe eine Wiederaufnahme in den 50ern letztlich erfolgreich verhinderten. Nur zur allerletzten Sicherheit: Das war sarkastisch gemeint.


    Also auch wenn der selbstbewusste, mit sich und seiner Geschichte im Reinen lebende Deutsche (was interessiert mich meines Großvaters Geschwätz und Handeln von Vorgestern?) nicht hören will: Das Rad lässt sich nicht mehr zurück drehen. Das Humboldtforum eröffnet nicht nur im Zentrum Berlins, hinter Preußischen Fassaden sowie unter Kreuz und Textband. Es öffnet auch nahe dem zeitlichen Höhepunkt der Black Lives Matter Bewegung inklusive dem Momentum in Richtung historischer Aufarbeitung, die trotz Corona nicht völlig verstummt ist oder verstummen wird. So wird dieser Dialog auch in Berlin weit lebendiger und öffentlichkeitswirksamer geführt werden - und das ist auch gut so, um mal einen ehemaligen Berliner Bürgermeister zu zitieren. Das kann einer Stadt wie Berlin, welche die Afrikakonferenz beherbergte und von den Nationalsozialisten zum Machtzentrum entwickelt wurde, nur gut tun.


    Übrigens sehe ich inzwischen auch den Beitrag des bald scheidenden Berliner Bürgermeisters zum Humboldtforum weit positiver. Denn immerhin wird es hier einen Dialog und eine Dialektik geben: Wie hat die Welt auf Berlin eingewirkt? Wie hat Berlin in die Welt gewirkt?


    Nach all den vielen Worten nochmals: Ich freue mich nicht nur auf die Fassadenrekos, sondern auch auf den Inhalt. Ich mochte das ethnologische Museum schon immer aber hier gibt es ein ganz anderes Potential. Für mich kommt hier zusammen, was auch nach dem heutigen Zeitgeist zusammen gehört. Wenn es gut gemacht wird, kann es durchaus wichtige Resonanz erzeugen. Wenn es initial schlecht gemacht wird, muss man es sukzessive besser machen.

    Na endlich. Aber wurde die ursprünglich geplante Gestaltung aufgegeben? Im Artikel heißt es, dass sich der Turm am Bestandsbau orientieren soll. Das war vorher mE nicht (deutlich) der Fall. Ich fände es äußerst schade, wenn man die elegante Gestaltung für eine plumpere aufgeben sollte!

    Kieselgur Das Gedicht hat aber einen sehr sozialkritischen/ beißend-pessimistischen Unterton. Wenn Schloss und Freiflächen diesem Text wirklich Ehre erweisen sollten, wäre das demnach wohl eine eher fragliche Ehre (dagegen war das bescheidene Corona-Weihnachten unserer Familie ja ein wohlig-besinnlicher Traum - wobei ich tatsächlich auch gar nicht so viel vermisst habe). Eine andere Randbemerkung, weil über die Farbgebung der Fassadenrekos gesprochen wurde: Im Gedicht ist das Schloss passend zum Inhalt rein grau. Gegen grau oder auch weiß finde ich die jetzt gewählten zarten Sandtöne sehr angenehm. Die schwachen Kontraste stören mich in dem Fall auch nicht, zumal es mE je nach Sonnenstand gar nicht so monoton wirkt.


    Ähnlich wie ElleDeBE empfinde ich auch die Freiflächen um das Humboldtforum eher gemischt bis ansprechend als (rein) negativ. So ein Bau sollte ja auch wirken können. Da ich grundsätzlich aber ein großer Freund von Grün bin, vermisse ich hier bislang auch noch etwas. Ich hoffe, dass die Flächen diesbezüglich noch mal nachgestaltet werden.

    Taxodium Unter Atlantikwall stelle ich mir so etwas vor. Ich vermute, dass Dich beim Springerbau am ehesten die Seite zur Schützenstraße daran erinnert. Dort wirkt zumindest die reine Baumasse in der Tat äußerst wuchtig und kompakt, wobei das mE durch die Schrägen, das teils golden und silbern glänzende, teils dunkelgrau schimmernde Metall und das viele, viele Glas aufgelockert wird:


    Durch den horizontalen 'Schnitt' sowie die oberhalb und unterhalb hiervon unterschiedliche Farbwahl wirkt es zunächst einmal wie zwei aufeinander liegende Baukörper. Der dunklere obere tritt zudem nach oben hin zurück aber im Unterschied zu vielen anderen Bauten, die sich nach oben hin verjüngen, eben in Form einer Schräge statt stufenweise. Beim helleren unteren Abschnitt hat man dagegen einen dynamischen Wechsel aus gerade abfallenden sowie vor- und zurückspringenden Abschnitten. Dabei bleibt jeder einzelne Teil aber dennoch recht massiv. Besonders spannend finde ich den gewissermaßen in eine Nische gelegten Eingangsbereich mit den verspielten und zugleich sehr stabil wirkenden Betonträgern sowie dem ebenfalls recht verspielten Treppenbereich mit den vielen kleinen Beeten. Durch die angesprochene Nischensituation mit der zurückfallenden Wand und die Hinterleuchtung wird die Fensterfront insgesamt betont (die Goldstreifen und das warme Licht unterstreichen den Effekt zusätzlich). Und genau dort wo sich die Blickachsen der Rampe und der (wiederum in warmem Licht) beleuchteten Treppenstufen treffen, liegt der sonst kaum zu erahnende Eingang. Insgesamt habe ich so den Eindruck, als wenn man fast unbewusst 'herangewunken' und gewissermaßen auch 'eingesogen' wird - ähnlich wie es bei der 'Pacman-Front' (weitaus spektakulärer) der Fall ist.


    Zudem finde ich spannend, wie der komplett umlaufende Riss hier sauber horizontal verläuft aber zu den anderen Seiten hin nach oben und unten hin 'ausfranzt', bis er sich schließlich zu der angesprochenen gewaltigen Öffnung (mit den wolkenartigen Ausstülpungen darin) hin auswölbt.


    Für mich hat das einfach was. Klassisch schön ist zwar etwas anderes aber spannend und dynamisch sowie in Abschnitten wuchtig elegant finde ich diesen Bau allemal. Für mich neben dem Cube einer der besten modernen Entwürfe der letzten paar Jahre.

    Ich habe keine Ahnung, wie man diesen Bau mit dem Todesstern auch nur assoziieren kann: Kugelrund, hermetisch verschlossen und eintönig grau gegen einen extrem zerklüfteten Quader mit einem Wechselspiel aus trutzburgartigen Außenwänden und weitflächigen Öffnungen, aus Vor- und Rücksprüngen sowie aus unterschiedlich gefärbtem und strukturiertem Glas und Metall, ergänzt mit etwas Beton.


    Wo ich mitgehe: Der Bau erscheint auffällig und präsent. Man kann das sicher als (zu) aufdringlich empfinden. Für mich wirkt es gegenüber den Hochhäusern erfrischend dynamisch und verspielt. Zugleich fügt sich der von den Oberflächenstrukturen trotzdem in den bestehenden Campus ein. Dystopisch finde ich den Bau eigentlich nicht, auch wenn er mich irgendwie immer an eine Explosion denken lässt mit den großen offenen Rissen, den wolkenartig nach außen gewölbten Fensterflächen und den verschlierten Glasfronten (die mich etwas an zäh herabrinnende Druckertinte oder Bildschirme mit Störbildern erinnern). Das Ganze wirkt zugleich aber trotzdem noch zu freundlich mit dem vielen Glas und glänzenden Metallflächen sowie Grün und Außenterrassen. Statt vernichtend erscheint mir diese Explosion wie eine neue Schöpfung. Als Metapher für den Wandel des Verlags ins digitale Zeitalter finde ich das nach wie vor extrem gelungen. Zugleich symbolisiert es mW auch die Deutsche Wiedervereinigung, die ja auch eine Mauer zerfetzt und ein neues Ganzes geschaffen hatte.


    Fazit: Ich bleibe dabei: Für mich erzählt der Bau eine Geschichte. Vielleicht auf laute, aufdringliche Weise. Aber ich finde es nicht zu effekthascherisch, sondern irgendwo stimmig. Das Einzige was mir nach wie vor nicht richtig zusagt, ist der Bauherr. Auch Springer hat teils gute Substanz (u.a. Welt, Sportbild, Computer Bild, diverse StartUps... sind nicht alle Ramsch). Aber die größte Deutsche respektive Berliner Zeitung sind immer noch Bild und B.Z., die ich wenig schätze bis offen verabscheue. Mit der teils niederträchtigen Anti-Drosten-Kampagne ist es auch nicht besser geworden. Ich kann daher verstehen, dass man die Architektur intuitiv mit dem geistigen Inhalt verknüpft. Ich versuche, beides zu trennen. Insgeheim hoffe ich durch den Wandel auch noch auf einen positiveren neuen Springer, bei dem die qualitativ soliden Produkte mehr Gewicht erlangen und man vielleicht irgendwann auch selbst ein anderes Image anstrebt. Mit Blick auf die letzten Jahrzehnte ist dies sicher irgendwo naiv aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

    Als ich vor über 10 Jahren frisch zur Uni ging, hatte einer meiner Professoren mal einen internationalen 'Starredner' zu Zukunftsthemen angefragt. Der Herr wäre wohl für eine pervers hohe Summe angereist und für einen Rabatt á la Star Wars per Hologramm erschienen. Letztlich passierte weder das Eine noch das Andere und es blieb eine absurde Anekdote.


    Inzwischen sind einige Studenten über mehrere Semester praktisch im Fernstudium und sehr ähnlich läuft es auch in verschiedenen Betrieben. Wieviele davon nach der Pandemie die neu etablierte (und teils teuer angeschaffte) Infrastruktur komplett einmotten, muss sich erst noch zeigen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass bei vielen Formaten stärker zwischen analogen und digitalen Treffen abgewogen wird und es dann auch eine Kostenfrage sein könnte. Ähnlich auch im Privatsektor. Man darf nicht vergessen, dass die Flugindustrie seit Jahren stark über den Preis gearbeitet hat und teils bewusst mit der Bahn konkurriert. Die neue CO2-Steuer dürfte also gerade das Fliegen empfindlich treffen und das gilt sicher auch für den BER mit dem hohen Budgetanteil. Zumindest das Kurzstreckenwochenendfliegen könnte deutlich abnehmen.


    Natürlich weiß aber niemand wirklich, was die Zukunft bringen wird. Vielleicht entsteht auch erst Recht Lust auf Flugreisen, weil viele damit Freiheit verbinden und das gerade aktuell besonders begehrenswert erscheinen könnte.

    Camondo Dass ein Großteil des Bestands in Archiven verwahrt ist und nur ausgewählte Objekte öffentlich präsentiert werden, ist doch keine Eigenheit des ethnologischen Museums. Das ist z.B. beim Naturkundemuseum sicher noch mal deutlich extremer und wird sich auch nicht durch dessen Sanierung und die Vervielfachung der Ausstellungsflächen ändern. Dort wird daher parallel digitalisiert.


    Ansonsten ist es wie gesagt bei vielen großen Einrichtungen Usus, dass einige absolute Highlights permanent gezeigt werden und andere interessante Stücke im Wechsel sowie mit gezielter thematischer Einbettung. Ich glaube ehrlich gesagt nicht einmal, dass die meisten Besucher auch nur annähernd die ganze Sammlung sehen wollen. Insbesondere dann nicht, wenn man erst in einem hunderte Seite dicken Museumsführer nachlesen müsste, was jedes einzelne Stück überhaupt so relevant macht. Der Gründungsintendant des Humboldtforums Neil Mac Gregor hat nicht zuletzt mit seiner äußerst erfolgreichen Reihe A history of the world in 100 objects gezeigt, dass weniger (i.e. eine möglichst repräsentative Auswahl eingebettet in hochwertige Didaktik) manchmal immer noch mehr ist.


    Für Wissenschaftler mit gezieltem Interesse ist es hingegen ein Segen, wenn der Bestand zumindest möglichst gründlich erfasst ist und nach Bedarf zugänglich gemacht wird. Denen bereitet es aber sicher kein Kopfzerbrechen, wenn sie auf ein Archiv statt auf den Schaubestand zugreifen. Im Zweifel eher im Gegenteil.


    Hier sehe ich wie gesagt keinen echten Kritikpunkt. Und da ich die ethnologischen Museen in Dahlem bis zu Covid-19 einigermaßen regelmäßig besucht habe, weiß ich auch, dass sie eine tolle Ausstellung hatten aber im buchstäblichen Sinne ein Randdasein fristeten. Allein für einen Fortbestand am alten Standort wären übrigens auch neunstellige Beträge fällig gewesen, ohne damit auch schon etwas in die Modernisierung und Attraktivierung zu investieren. In Bezug auf die zu erwartenden Besucherzahlen und die Rolle der Institution im öffentlichen Diskurs ist der Umzug mE ein großer Segen.


    Die Kritik am kolonialen Touch kann ich zwar weit eher gelten lassen aber hier wird die neue Präsenz in der Stadt den Diskurs wie gesagt nur vorantreiben. Was das eigentliche Gebäude angeht, finde ich die goldene Inschrift weit fragwürdiger als die Fassaden an sich (das Kreuz sowie einzelne Figuren finde ich wenig dramatisch). Das hätte man gerne weglassen können. Aber interessant finde ich dann, dass unter der Kuppel statt einer Kapelle der Buddhismus repräsentiert wird. Das ist mE insgesamt doch noch souverän gelöst. Interessant fände ich auch, wenn Vertreter der verschiedenen Kulturen (oder ggf. mangels Nachfahren Wissenschaftler) darauf eingehen würden, wie sie die Welt wahrnehmen und ggf. was die Welt/ andere Kulturen ihrer Ansicht nach von ihnen lernen könnte/n. Das würde ihnen eine eigene Stimme geben und den Besuchern ein wenig den Spiegel vorhalten, sodass sie auch zur distanzierten Selbstbetrachtung animiert werden.

    Ich finde die NN so "banal" wie einen gewöhnlichen Tisch. Ein Tisch kann mir, wenn er z.B. aus einem schönem Holz gebaut wurde, so gut gefallen wie mir die NN gut gefällt, ich halte aber weder den Tisch noch die NN für eine besondere ästhetische Leistung.


    Das gibt es so in keinem anderen Kunsthandwerk oder Gewerbe, denn im Gegensatz zur Architektur muss jeder "Produzent" (sei es von Entwürfen oder von konkreten Produkten) sein Produkt direkt an den Konsumenten verkaufen, das Produkt muss also dem Konsumentem gefallen. In der Architektur ist jeder Passant zwangsweise Konsument, dessen Geschmack wird aber nicht (angemessen) berücksichtigt oder für voll genommen. Und wenn sich dann Menschen mehr oder weniger aus Notwehr für Rekonstruktion einsetzen, werden sie als Gestrig dargestellt.

    Ich glaube, Du sprichst reduzierter, funktionaler Ästhetik hiermit zumindest unbeabsichtigt ab, dass sie eine Meisterleistung darstellen kann oder echte ästhetische Empfindungen auslösen kann.


    Deine Bezüge zum Design finde ich in dem Zusammenhang interessant. Welche Elektronikmarke wird denn heutzutage u.a. aus Designgründen besonders gehypt (von der Masse, nicht nur von Eliten)? Nostalgie-Geräte sind dagegen eine kleine Nische und beinhalten dann auch bereits moderne kastige Geräte wie den Sony Walkman oder frühe Nintendokonsolen. Ähnlich bei Möbeln, obwohl ein bisschen Patina, Schnörkel im Holz oder auch Metallbeschläge nicht gerade die Welt kosten. Wenn das die breite Masse so wollte, würde es auch so produziert. Auch bei Autos gelten kastige Modelle wie ein Golf 1 oder Mercedes 190 inzwischen ebenso als Klassiker wie zuvor Käfer oder Porsche 356. Und der VW Bulli war ja schon immer ein quaderförmiger Kasten, der inzwischen absoluten Kultstatus genießt. Und auch bei Privathäusern durchaus wohlhabender Menschen gibt es genügend, die sich völlig freiwillig moderne Würfel mit riesigen Fenstern hinstellen. Eine Kostenfrage ist es in diesen Fällen wohl kaum.


    Wem so etwas gefällt, der hat einfach einen anderen Sinn für Ästhetik aber nicht automatisch einen fehlenden bzw. pervertierten. Ähnlich wie Architektenkind kann ich mich ja auch für traditionellere Architektur begeistern, so wie ich auch viele lieblos produzierte moderne Bauten ablehne. Aber die Neue Nationalgalerie halte ich für einen positiv herausragenden Vertreter der (Klassischen) Moderne und laut Wikipedia bin ich da auch nicht allein mit der Bewertung.

    Llewelyn Deinen Standpunkt kann ich ehrlich gesagt nur teilweise nachvollziehen, denn die relativierenden Argumente lassen sich mE nahezu beliebig auf jedes Bauwerk anwenden. Natürlich setzen auch Stonehenge, griechische Tempel, Obelisken oder ägyptische Pyramiden die entsprechenden baustatistischen und technischen Grundlagen sowie im Handwerk geschulte Kräfte unbedingt voraus. Und auch hier haben wir im Grunde meist ganz einfache geometrische Formen und Proportionen. Spätestens nachdem die ersten Vorlagen existierten, wurden zudem primär ähnliche Varianten geschaffen. Und doch waren diese Bauten teilweise stilprägend für zwei antike Weltreiche und dienten auch noch Jahrtausende später als Vorbilder für bedeutende Bauwerke. Bis heute gelten sie (auch bei mir) als erhaben und schön.


    Die Neue Nationalgalerie tat wie Du ausführst exakt das Gleiche: Es wurden die technischen Mittel der Zeit sowie das Wissen um Proportionen und ästhetisches Empfinden genutzt, um mit klaren, einfachen geometrischen Formen ein in Deinen eigenen Worten "schickes" und ästhetisch ansprechendes Bauwerk zu schaffen.


    Ein großer rundum verglaster Innenraum unter einem scheinbar frei schwebenden Dach war damals zudem spektakulär und ich sehe auch diverse Unterschiede zur heutigen Tankstelle. Das gilt vor allem für die Dimensionen: Es macht schon einen Unterschied, ob man ein paar Dutzend Quadratmeter frei schwebende Decke zwischen vergleichsweise recht eng zusammenliegenden Säulen hat oder aber gleich hunderte Quadratmeter in deutlich größerer Höhe. Ich finde es zudem auch nicht trivial, dass die Neue Nationalgalerie einen INNENRaum durch diese schwebende Decke und die riesigen Fenster fast wie einen großen, freien Außenraum wirken lässt, der sich maximal flexibel bespielen lässt. Die subjektive Bewertung bleibt wohl Geschmackssache aber das teils wütende Negieren jeglicher gestalterischer Leistung kann ich nicht so ganz nachvollziehen.

    UrbanFreak Deine Assoziationen musst Du ja auch weder ändern noch rechtfertigen. Das ist eben Dein persönlicher Geschmack. So be it. Nur verstehe ich nicht wirklich, weshalb Du Deine Bewertung durch eine Befragung aufwerten/ 'objektivieren' und irgendwelche Lacher auf Deiner Seite haben willst. Deine polemischen Schmähworte wirken mE grundlos gereizt. Als wenn Andere hier etwas für Dich verbockt haben, wenn sie mehr/anders empfinden (können).


    Wenn Du keine Leichtigkeit und Eleganz in dem Bau erkennen kannst, dann ist das aus meiner Sicht schade aber vermutlich nicht zu ändern. Mir geht es leider ja selbst ähnlich mit dem (Entwurf zum) Museum der Moderne, wo ich anders als bei der NN leider nur plumpe und schlecht proportierte Formen erkenne: For me it just doesn't do the trick. Aber trotzdem erfreulich für jeden, dessen ästhetische Empfindungen davon beflügelt werden.

    Llewelyn Ich habe ebenfalls gegoogelt aber völlig anders als bei dem Museum der Moderne und der klassischen Lidl-Filiale keine deutlichen, wirklich überzeugenden Entsprechungen gefunden. Ja, es gab auch schicke Tankstellen aber wirklich ähnlich zur Neuen Nationalgalerie finde ich diese nicht (vielleicht hast Du ja ein paar Links, die mich eher überzeugen). Man muss sich mal vergegenwärtigen, welche Massen an Glas und Stahl da vor über 50 Jahren zu solcher Luftigkeit und Leichtigkeit aufgetürmt wurden.


    Dass man in so einem Bau auch andere Institutionen unterbringen könnte, finde ich nicht problematisch. Das Arrangement im Raum legt mE bereits nahe, dass es sich um eine kulturelle Institution handeln dürfte. Zumal sich die Menschen wohl in der Regel nicht zufällig ins Kulturforum verirren. Aber selbst dann wäre ich persönlich wohl eher neugierig auf so ein Bauwerk als irritiert.

    Das Wesentliche wurde im Prinzip schon geschrieben: Die Neue Nationalgalerie war zu ihrer Zeit unglaublich leicht und so auf moderne Weise elegant. In meinen Augen ist sie damit auch gut gealtert. Ein moderner Klassiker eben. Das Ganze war aber gerade damals so beeindruckend, dass recht bald von einer IKONE der (Klassischen) Moderne die Rede war!


    Und Ikonen werden nun einmal auch kopiert. Das tut ihrer originären Qualität aber keinen Abbruch - eher im Gegenteil (je zahlreicher, lang anhaltender und geografisch verbreiteter die Kopien, desto größer ist die Resonanz und das Gewicht des Originals). Dass gerade der BER als repräsentatives Milliardenprojekt hier Jahrzehnte später Anleihen nimmt (obgleich die Architekten ja durchaus eigene innovative Flughäfen entworfen hatten) und diese gelungen neu interpretiert, spricht ja wohl nicht gerade GEGEN die Neue Nationalgalerie. Oder soll Paris jetzt auch den Eiffelturm in Frage stellen, weil inzwischen in Japan, am Berliner Messegelände und auch in Vegas ähnliche Türme oder auch direkte Kopien entstanden sind? Und wie sind die Pyramiden vor dem Louvre zu interpretieren? Werden die Originale durch diese Neuinterpretation geehrt und bestätigt oder banalisiert?


    Zudem wäre mir völlig neu, dass irgendeine Tankstelle oder ein Supermarkt auch nur annähernd die gleiche Qualität und Wirkung erreicht (schon nicht von außen aber erst recht nicht von innen). Vielleicht kann jemand aus der entsprechenden Fraktion ja netterweise auch gleich passende Belegfotos verlinken...

    Gerade ist eine schöne Doku auf 3 Sat erschienen, die noch einmal die Geschichte des Standorts und der Ausstellungsobjekte nachverfolgt. Dabei werden auch viele Aufnahmen aus dem Inneren gezeigt, wo übrigens auch auf den Kolonialismus sowie den Palast der Republik eingegangen wird. Insgesamt ein recht vielseitiger Beitrag über ein unglaublich vielseitiges Projekt. Meine Vorfreude steigt weiter an. Und ich persönlich denke auch, dass im Humboldtforum der passende Ort für viele spannende Auseinandersetzungen entstehen wird.

    Endell An dieser Stelle will ich nur sagen, dass ich Deiner negativen Wahrnehmung zum Brunnen am Rathausforum (RF) insgesamt nicht zustimmen kann. Für das Humboldtforum (HF) ist es mE aber auch gar nicht das primäre Problem, was am RF passt und was nicht. Man hat mW ja auch nicht verlangt, dass das alte Portal aus dem Staatsratsgebäude gerissen und ins Schloss integriert wird. Wenn man am HF also unbedingt den Brunnen haben will, dann kann man auch unabhängig vom RF eine Lösung finden. Ich plädiere hier nach wie vor für mehr Geduld. Es sollte aktuell reichen, DASS man elementare Voraussetzungen hierfür gelegt (bzw. die Hinderungsgründe verlegt) hat. Ob man sich jetzt auch noch eine Straßenverlegung und eine Brunnenverlegung/Brunnenreko leisten will, kann man nicht mal eben nebenbei mit durchpeitschen bevor die fertige Raumwirkung tatsächlich eintritt und eine entsprechende Meinungsbildung stattgefunden hat. Zumindest das kann man nach all den Jahren auch noch geduldig abwarten. Diese oftmals ungeduldige und einseitige Forderhaltung in Bezug auf das HF schadet mE eher.


    In diesem Zusammenhang möchte ich auch zu Bedenken geben: Das hier ist mE NICHT der Ort, um über das RF zu urteilen oder nebenbei die Weggabe des Neptunbrunnens sowie dessen vermeintlich passenderen Ersatz zu verhandeln. Das Rathausforum (RF) hat nämlich berechtigterweise auch einen eigenen Thread. Ich denke daher wie gesagt, dass man dieses hier nicht nebenbei aus Perspektive des Humboldtforums mit abarbeiten braucht oder sollte.


    Sehr ähnlich wie übrigens auch bei den Rossebändigern gerne mal wie nebenbei die Wirkung am jetzigen Standort in Frage gestellt wird, als sei das eine gesicherte Tatsache (die betreffenden Anwohner und Nutzer der Anlagen sehen das mW teilweise deutlich anders). Auffälligerweise wird dann aber nicht im entsprechenden Thread tatsächlich auf das Ensemble eingegangen und produktiv über dessen Gestaltung debattiert.


    Es scheint mir dabei fast ein wenig, als wenn es für bestimmte Interessenvertreter einfach nur nützlich wäre, die aktuelle Situation der fraglichen Objekte als unstimmig und unerfreulich darzustellen, weil diese eben 'Objekte der Begierde' sind. Ihr jeweiliger aktueller Standort muss folglich unter ihrer Würde sein, weil bzw. vielmehr DAMIT nur der originale Standort ihnen gerecht werden, ihrer würdig sein, kann.


    Da das Humboldtforum aber kein Schloss mehr ist und die BRD (zum Glück!) kein Preußen und auch keine DDR, finde ich wiederum diese einseitige, primär fordernde Haltung unwürdig im Sinne der Gesamtstadt. Damit tut man dem eigenen Anliegen mE wie gesagt auch keinen Gefallen. Ähnlich wie ElleDeBe habe ich selbst (noch) keine klare Haltung zu der Frage. Trotzdem stößt mir diese womöglich unbewusste Attitüde ähnlich negativ auf, wie mitunter Klarenbachs mundgerecht passende Zuschneidung von Fakten wodurch es regelmäßig zufällig nur noch eine logische Entscheidung geben und man die Debatte folglich beenden kann. Für mich sind das die beiden Seiten der gleichen Medaille.

    Ostkreuzblog Ja, das Land bzw. die BVG hatte natürlich die Verantwortung für die Bauphase, zumal letztlich ja (zum Glück!) auch alles Teil des BVG-Netzes wurde. So weit völlig richtig und auch unstrittig.


    Es geht hier mE aber mehr um den Aspekt, dass der Bund dieses Projekt insgesamt überhaupt erst wollte und auch weitgehend bezahlt sowie letztlich gegen hartnäckigen Widerstand "erzwungen" hat. In Summe (Idee, Finanzierung, Wille zur Umsetzung) finde ich es so zumindest nicht verkehrt, die U5 insgesamt vor allem als ein Projekt des Bundes zu bezeichnen, auch wenn man das Land letztlich erfolgreich in die Verantwortung setzen konnte. Nominell ist also korrekterweise von einem Landesprojekt zu sprechen aber zugleich bleibt die U5 irgendwo doch immer ein Baby des Bundes.


    Interessant, dass Du auch die Ablehnung der Bevölkerung ansprichst. Tatsächlich glaube ich, dass die U5 ähnlich wie der BER auch heute erst noch weiter Akzeptanz gewinnen muss. Es ist doch oft so, dass erst gemeckert wird. Gerade, wenn etwas Jahre für die Planung und oft noch länger für die Umsetzung braucht und dann erst einmal viel Geld "verpulvert" und viel Unordnung/ Beeinträchtigungen erzeugt werden. Und tatsächlich ist die Innenstadt ja gerade bei Touristen beliebt, wohingegen da eben kaum jemand aus Berlin wohnt oder regelmäßig unterwegs ist (noch ein Grund, die U5 noch etwas weiter westlich zu verlängern und so auch noch Wohngebiete zu erschließen). Trotzdem halte ich es für ein sinnvolles Projekt und auch die Berliner werden es mE mit der Zeit mehrheitlich ins Herz schließen und stolz darauf sein. Zudem könnte es für Linden und Friedrichstraße eine kleine Renaissance bedeuten, wenn die Baustellen abgebaut sind und die neue Verbindung evtl. mehr Leute dort ausspuckt.

    Ostkreuzblog Ein gewisser Herr Kohl gab den Anstoß (u.a. daher der Spitzname 'Kanzlerlinie'), ein gewisser Bund sicherte die Finanzierung ab UND setzte die Daumenschrauben an und ein gewisser Herr Wowereit räumte noch beim feierlichen Spatenstich ein, dass es keine U55/U5 geben würde, wenn Berlin hätte entscheiden können. Auch wenn ich Arty Deco bei vielem explizit nicht zustimme, finde ich die Zuschreibung "Bundesprojekt" für die U5-Verlängerung daher grundsätzlich schon zutreffend. Dass die BVG dann die Realisierung verantwortet hat, ist mE ein anderes Thema. Beim Humboldtforum war ja auch die Stiftung Bauherr (und der Senat sowie die Berliner Humboldtuni mitbeteiligt) und doch ist es insgesamt vor allem ein Bundesprojekt.


    Wichtiger finde ich aber, was jetzt aus der Realisierung der U5 folgt. Frau Pop hat ja immerhin angekündigt, dass sie grundsätzlich offen für U-Bahnverlängerungen ist. Frau Giffey ist sogar in die Offensive gegangen und macht damit Wahlkampf. Vielleicht geht da jetzt doch noch was und dann ist mir rückblickend weitgehend egal, was der Senat ursprünglich mal alles gegen die U5-Verlängerung hatte