Beiträge von jan85

    jered1993 Ich möchte mich ungern in Euren Disput einmischen und schon gar nicht auf Formebene.

    Zugleich finde ich den Hinweis auf die historischen Hintergründe nicht völlig belanglos. Wir leben nun einmal leider nicht in einer unpolitischen Welt, wo es nur um Fragen von Geschmack und ästhetischem Empfinden geht. Und selbst in einem Architekturforum sollte man die Lebensrealität (funktionale, soziale, wirtschaftliche Fragen) hinter Fassaden mE nicht völlig ausblenden. Für mich sind die optisch eindrucksvollsten Städte oft nicht zugleich auch die lebensfreundlichsten und liebenswürdigsten und das gleiche gilt auch für Stadtviertel oder einzelne Bauwerke. Und manche Stadt ist für mich gerade auch aufgrund ihrer Wunden/Narben und historischen Brüche besonders.

    Bei Warschau ist es bei mir übrigens vielmehr so, dass die Neubauten überwiegend nicht meinen ästhetischen Vorstellungen entsprechen. Allgemein scheint das ästhetische Empfinden kulturell und durch das eigene Erleben geprägt zu sein. Bei mir ist das jedenfalls definitiv der Fall.

    Dekoratives Anführungszeichen

    In puncto Stadtentwicklung hat Berlin 3 sehr starke Jahrzehnte an Aufbauleistung erlebt. Insbesondere in der Infrastrukur (Hbf, S-Bahn Ring, BER, Autobahn) . Was fehlt ist die architektonische Brillanz, wie übrigens in vielen Teilen Deutschlands. Die Stadt bräuchte mal wieder ein Leuchturm Projekt mit globaler Relevanz und Schönheit. Sowas würde auch das Interesse von potenziellen Besuchern ankurbeln.

    Bei den ersten beiden Absätzen kann ich Dir zu praktisch 100% zustimmen.

    Was architektonische Brillanz angeht, bin ich aber immer wieder positiv überrascht von dem Urteil vieler Gäste. Mich überrascht u.a. wie angesagt das Regierungsviertel inklusive Band des Bundes bei vielen ist. Ich habe gleich mehrfach erlebt, dass die Besucher regelrecht berührt bis ergriffen von diesem Erscheinungsbild des modernen demokratischen Deutschlands waren (gerade ältere Damen aus den USA oder Großbritannien - vielleicht gibt es aber auch einfach besonders gute englischsprachige Führungen dazu). Ich denke, dass diese Architektur teuer aber auch symbolisch wichtig und richtig war. Auch bspw. der Hauptbahnhof wird unter den Bauwerken der letzten Jahrzehnte oft positiv hervorgehoben, auch wenn er natürlich nicht ganz an Brandenburger Tor und Fernsehturm heranreicht. Sonst ist es oft subjektiv, was mehr und was etwas weniger anspricht. Spannend und reizvoll für viele Besucher sind aber auch die Brüche, welche die bewegte Geschichte der Stadt (und zugleich Weltgeschichte) anschaulich machen. Ich habe nur den leisen Verdacht, dass die aktuellen Entwicklungen wieder stärker die Sehnsucht nach heilen Bildern und Nostalgie hervorrufen, was eher andere Städte in den Fokus rücken könnte. Belegen kann ich das freilich nicht.

    Was den unteren Beitrag angeht: Ich bin leider aktuell nicht sehr optimistisch, dass sich auf Landesebene eine Perspektive auf eine deutlich stärkere Führung und Außenwirkung ergibt. Eher im Gegenteil: Ich befürchte leider fast, wir werden absehbar mit Dreierbündnissen inkl. inneren Zerwürfnissen und Kompromissen zu leben haben und ggf. auch mit wiederholten Regierungs- und Richtungswechseln. Etwas ermutigend ist aber, dass bis auf besagte Wowereit-Jahre die Wirtschaft ohnehin meist nicht wegen aber trotz oder unabhängig von der jeweiligen Regierung gewachsen ist. Bei einem Linksbündnis wäre wichtig, dass die Realos sich ausreichend durchsetzen können (und ggf. dass kein großes Fass mit größerer PR-Sprengkraft aufgemacht wird). Abgesehen von der wirtschaftlichen Perspektive wäre mir persönlich aber auch wichtig, dass die Gesellschaft nicht immer weiter auseinander driftet. Das wird aber nicht allein die Regierung beeinflussen können.

    Die Beiträge zur Wahl des Berliner Abgeordnetenhaus 2026 wurden in den entsprechenden Thread verschoben.

    2) Was ist nun aber mit der Wahrnehmung?

    Hier wird es mE wirklich komplex. Zum einen steht Berlin ja tatsächlich auch stark für das, was aktuell gerade auch aber nicht ausschließlich von der AfD massiv medial ins Feld geführt wird (aber auch u.a. vom Bundeskanzler). Spannend finde ich hierbei wie die Allensbach-Umfrage selbst aufgemacht ist. Sie fragt mE zu etwas, was sie in den Fragestellungen bereits unterschwellig selbst impliziert.

    - Die Leitfrage ("faszinierende Metropole mit echtem Glanz": 31% vs. "keine Hauptstadt mit Ausstrahlung": 36%) ist ist weit gespreizt ohne Abstufungen. Das erklärt mE potentiell die vielen Enthaltungen (33%) und in Zeiten vieler Krisen und ohnehin schon global recht negativ geprägter Wahrnehmung die entsprechende Tendenz zur negativeren Sichtweise.
    Ungünstig finde ich, dass man dabei zwei gerade für die nationale Perspektive nicht deckungsgleiche Bezeichnungen wie "Metropole" und "Hauptstadt" wählt statt sich für eins zu entscheiden oder ggf. zu beiden separat zu fragen. Zwar auch schon 2007 so...
    - ...aber diesmal wird in der selben Umfrage auch gefragt, wie gerne man "viel Geld" für "Berlin als Hauptstadt" zahlt. Zitat: "Berlin erhält viel Geld von den anderen Bundesländern. Finden Sie das in Ordnung, weil Berlin als Hauptstadt eine besondere Stellung und besondere Kosten hat, oder finden Sie das nicht in Ordnung, weil Berlin als größte Stadt des Landes sich selbst finanzieren können sollte?". Für mich eine klare Suggestivfrage und eben potentiell lenkend für andere Fragen.

    - Auch wurde je mit Auflistungen gefragt, was die größten Probleme und Stärken der Stadt sind.

    Problem-Items:
    "Kriminalität" (69% Zustimmung), "Drogen im öffentlichen Raum" (64), "manche Stadtviertel sind heruntergekommen" (59), "Armut, Obdachlosigkeit" (53) und "größer werdender Einfluss des Islam" (52) sowie weitere wie "Langsamkeit der Behörden", die seltener ausgewählt und nicht im Übersichtsdiagramm dargestellt wurden.

    Stärken-Items:
    "Vielfalt von Geschäften und Restaurants" (60%), "reiches Kulturleben" (59), "Geschichte, die man in Berlin überall erleben kann" (51), "Seen am Stadtrand und in der Umgebung", "viele Kulturdenkmäler", "pulsierende Metropole" (je 40-50), "besonderes Lebensgefühl" (35), "Weltoffenheit der Bewohner", "enorme Entwicklung seit der Wiedervereinigung", und "Architektur" (je 30-33%).

    Ich finde, die gewählten Probleme wirken greifbarer und relevanter als die Stärken und zudem gehen die Probleme auch stark in eine bestimmte Richtung.
    Auch spannend: Im Artikel werden die Stärken anders als die Probleme weder sichtbar als Diagramm hervorgehoben noch ebenso genau mit Prozenten belegt. Man weiß so z.B. nicht, ob "pulsierende Metropole" nun von 40, 45 oder 50% ausgewählt wurde. Aber so oder so sind es hier deutlich mehr als bei der Leitfrage, wo man Metropolfunktion gegen Hauptstadtfunktion abwägen muss. Anders gesagt empfindet man die Stadt wohl deutlich eher als Metropole, wenn man sich keine Gedanken um ihre Hauptstadtfunktion oder gar deren Finanzierung machen muss.

    - Ebenfalls interessant: Wenn man die Stadt in einer Skala von -5 bis +5 einordnen sollte, gaben 1994(!) 58% ein eher positives Zeugnis von +1 Punkten aufwärts und 9% ein negatives Bild von -1 Punkten abwärts an. In 2026 liegt der positive Wert mit 52% mit mindestens 1 nur leicht niedriger, der negative mit 26% von -1 abwärts aber deutlich höher. Aber auch hier müsste man ja objektiv feststellen, dass trotz rückläufigem Trend noch immer doppelt so viele Menschen eher positiv urteilen wie negativ (wiederum Kontrast zur Leitfrage), während die Mittelposition schrumpft. Betont wird im Artikel nur der Anstieg des Negativanteils.

    - Gefragt wurde übrigens auch
    a) wie reizvoll man verschiedene deutsche Großstädte allgemein findet (1. HH: 48%, 2. München: 47%, 3. Berlin: 34%, 4. Dresden: 30%, keine weiteren Erwähnungen)
    b) wie gerne man dort leben würde (1. München: 24%, 2. HH: 23%, 3. Berlin: 13%, 4. Leipzig/Dresden: 10%, 6. Köln: 8%, 7. Stuttgart/Düsseldorf: 7%, 9. Frankfurt: 4%)
    c) wo man umgekehrt explizit nicht leben will (1. Berlin/ Frankfurt: 46%, 3. Leipzig: 29%, 4. Stuttgart: 28%, 5. Dresden: 27%, 6. Köln: 26%, 7. Düsseldorf: 25%, 8. München: 18%, 9. Hamburg: 13%).

    Ein Geschmäckle hat das Ganze für mich, weil die Umfrage inklusive der mE an mehreren Stellen mindestens subtil implizierten Bias von der FAZ beauftragt wurde, die ja eine lange Tradition von berlinkritischer bis mindestens latent berlinfeindlicher Berichterstattung auszeichnet und dann auch den Artikel so aufmacht.
    Dass Frankfurt im Vergleich der größten deutschen Städten ja noch schlechter abschneidet (weniger globale Attraktivität oder Positivpotential als Wohnort bei umgekehrt identischer Ablehnung als Wohnort s.o.), wird ausgerechnet in einem Frankfurter Medium nicht zum Thema. Betont wird, wo Hamburg oder München weiter vorne liegen oder wo Leipzig und Dresden nah dran sind.
    Ausgiebig thematisiert man, wie kritisch Berlin gerade auch im eigenem Umland erlebt werde und dass die meisten Befragten in jüngerer Zeit in Berlin waren. Somit entstehe die Ablehnung explizit nicht durch medial geprägte Vorurteile, sondern durch reales Erleben. Wobei ich mich direkt frage, inwiefern 69% problematische Kriminalität live erlebt haben könnten. Kommt mir anhand von Statistiken und eigenem Erleben nicht so wahrscheinlich vor. Wenn es um reale Erlebnisse ginge, müssten mE Armut/Obdachlosigkeit und Müll deutlich(!) über Kriminalität oder gar dem Einfluss des Islam rangieren. Letzteres überhaupt ein sehr diffuses Item, das mE latent in der selben braunen Suppe köchelt wie Merz (Migranten = "Probleme im Stadtbild", "kleine Paschas") und AfD ("Messermänner und Kopftuchmädchen").

    - Sogar ein Zitat von Fontane hat man ausgegraben, um sein Negativurteil zu belegen: "Je berlinischer man ist, je mehr schimpft man und spöttelt man auf Berlin. Dass dem so ist, liegt nun aber nicht bloß an dem Schimpfer und Spötter, es liegt leider wirklich auch an dem Gegenstande, also an unsrem guten Berlin selbst."
    Zur Erinnerung: Fontane lebte in einer völlig anderen (heute ironischerweise gerne verklärten und zur positiven Vergleichsfolie stilisierten) Zeit und erlebte entsprechend ein Berlin in einem nie dagewesenen Wandel. Er fremdelte u.a. mit den individuellen Folgen der rasenden Industrialisierung (prekäre Verhältnisse im Arbeitermilieu, auf welche er oft mehr oder minder versteckt anspielt) wie auch mit den noch zu den existenziellen Sorgen hinzu kommenden gesellschaftlichen Spannungen und Widersprüchen (speziell überkommene Normen und Moralvorstellungen eines starren Standessystems, welche zunehmend nicht mehr zu den Bedingungen passten).
    Wenn der Artikel hier eine Art Kontinuität im Erleben der Stadt suggeriert oder vielmehr bemüht, merkt man wie oberflächlich und einseitig man sich bei der FAZ tatsächlich mit Berlin beschäftigt. In der Philosophie sagt man (konkret Heraklit) ja bekanntlich schon, man könne nicht zwei mal in den selben Fluss steigen, weil es beim zweiten Mal nicht der gleiche Fluss sei und man sich auch selbst verändert habe.

    Fazit: Milde ausgedrückt arbeiten im Berlin-Ressort der FAZ keine großen Philosophen. So sind mE auch gleich beide Befunde der Titelzeile "nicht mehr arm und nicht mehr sexy" so pauschal falsch oder klar zugespitzt (selbst wenn man nur das eigene Datenmaterial zu Grunde legt - aber eben ganzheitlich und differenziert liest). Passender wäre dann schon "weniger arm aber auch weniger sexy".

    Ungleich spannender und erhellender wäre mE ohnehin die Frage vom Zusammenhang aus Preisniveau und Attraktivität bzw. ob man sich Berlin auch gerade aufgrund der stark gestiegenen Preise nicht mehr ganz so sehr gönnen/leisten möchte oder kann. Oder aber ob die Veränderungen, welche die Stadt teurer gemacht haben, sie zugleich auch weniger attraktiv erscheinen lassen. Interessanterweise fragt die FAZ via Allensbach aber null in diese Richtung ("nicht mehr erschwinglich", "zu bieder und steril geworden" etc).

    Hier mischen sich mE einige Dinge. Ich finde die Abhandlungen durchaus interessant aber insgesamt doch überzogen: Gleich eine Reihe von je für sich dramatisch bewerteten Faktoren werden zur Erklärung eines Phänomens herangezogen, das selbst in Summe nicht so dramatisch ist. Jugendliche würden dazu anmerken: "It's not so deep!"

    Die Allensbachumfrage und speziell der FAZ-Artikel dazu (Paywall) rechnen analog zu den kritischen Abhandlungen im DAF auch dramatisch mit Berlin ab. Aber mE spannend: Es geht hier ja primär um die nationale Perspektive. Und da wäre ein Attraktivitätsverlust mE primär greifbar und spürbar an zunehmend fehlenden Gästen oder einem immer negativeren Wanderungssaldo.

    1) Wie sehen die Zahlen hierzu aus?

    Tourismus:
    Nachdem Corona zeitweise alles nivelliert hat und der weitgehende Wegfall des nationalen Flugverkehrs zum BER wohl nicht half, haben sich Besucher- und Übernachtungszahlen deutscher Gäste auf je deutlich über 90% des Rekords von 2019 stabilisiert (2019: 8,5 Mio Besucher & 18,6 Mio Übernachtungen, 2024/25 je ca. 8 Mio zu 17,3-17,8 Mio). Übrigens: In fast 40 Jahren waren nur die 2 Rekordjahre 2018/19 spürbar besser als 2024/25. Auch ist es gerade bei den nationalen Gästen ja nicht so, dass es nur stetig abwärts geht. 2025 war bei deutschen Gästen nur minimal schwächer als das WM-Jahr 2024 und im ersten Halbjahr 2026 gab es wie oben erwähnt +1,8% deutsche Gäste mit -0,3% Übernachtungen.

    Wanderungsbewegungen:
    Beim Wanderungssaldo waren vollständige Zahlen schwer zu finden.
    Falls die KI das richtig zusammen gestellt hat, gab es für Berlin...
    - von 1990 bis ca. 2000 stets Wanderungsverluste zur BRD im unteren fünfstelligen Bereich (-15.000 bis -30.000).
    - von ca. 2000 bis ca. 2013 stets Wanderungsgewinne von nahe Null über vierstellig bis gerade so fünfstellig (max. +15.000, nur von 2005 bis 2013 stets stabil +10.000 bis +15.000)
    - Von 2014 bis 2025 stets Wanderungsverluste (i.d.R. -10.000 bis -15.000).
    - Aktueller Trend: 2023 negativer Ausreißer mit -17.000, 2024: -14.755, 2025: -12.486.
    Dabei finde ich spannend, dass aktuell (2025) bereits fast der identische Wert allein für Berlin vs. BB besteht wie für Berlin vs. BRD (beides gut -12.000 aus Sicht Berlins). Also ziehen aus dem Rest Deutschlands etwa ebenso viele Menschen nach Berlin wie umgekehrt weg. Wenn man dazu die gestiegenen Preise betrachtet, wo Berlin gegenüber München, Hamburg und Co klar aufgeholt hat, dann kann die Attraktivität mE nicht ganz so stark nachgelassen haben. In fast 40 Jahr gab es nur eine Phase von 9 Jahren, wo Berlin nennenswerte Wanderungsgewinne gegenüber der BRD hatte - und gerade hierdurch bzw. in eben dieser Zeit stiegen Preise so stark an, dass die Stadt eben paradoxerweise preislich immer unattraktiver für Zuzug wurde und eher das Umland profitierte. Umgekehrt wurden in dieser Phase aber auch einige vorher problematischer bewertete Gebiete in Kreuzberg, Neukölln, Wedding und Co (weiter) gentrifiziert, was dann die Frage anschließt, was Berlin denn nun wirklich unattraktiver macht: Das raue, schmutzige Milieu oder umgekehrt das cleane, biedere, preistreibende Milieu...

    Zwischenfazit: Auf nationaler Ebene ist auf Basis der nackten Zahlen kein extremer Abwärtstrend bzgl. Attraktivität zu erkennen und schon gar keine stetige Abwärtsspirale.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Den von dir so gelobten Blick seitwärts nebenbei auf die Brücke hat man ohnehin, wie auch den Blick auf s Wasser.

    Eben. Auf diese ist die Freitreppe ja auch gezielt ausgerichtet.

    Und zu Deinem Beitrag weiter oben: Wie kommst Du eigentlich darauf, dass eine "flache" und moderne Bauakademie geplant ist? Mein letzter Stand war, dass man doch wieder stärker in Richtung historische Gestalt tendiert. Falls das mal irgendwann kommt, hätte man ein richtiges kleines Schinkel-Ensemble mit Bauakademie, Platz und Kirche (auch wenn man die Kirche wohl von der Position aus nur begrenzt erkennen wird). Eine "flache" Bauakademie war dagegen mW noch nie Thema oder es müsste komplett an mir vorbei gegangen sein.

    Camondos Idee mit einer gegenüberliegenden Freitreppe hat durchaus ihren Charme!

    Aber auch so werden Menschen am gegenüberliegenden Ufer stehen und Richtung Treppe und Humboldt Forum schauen, Boote vorbei fahren, die Brücke überquert werden etc. Dieses belebte Element kommt noch zum Wasser sowie den erkennbaren Bauwerken wie Brücke, Uferwand, Teilen des Schinkelplatzes plus Umgebung etc hinzu. Das Ambiente wird also definitiv Urbanität und Aufenthaltsqualität vermitteln.

    Und auch wenn man das Humboldt Forum so im Rücken hat, wird dieses doch stark mit zum Flair beitragen. Man wird ja nicht plötzlich auf eine Treppenstufe gemorpht und dann anschließend direkt wieder nach Hause. Man flaniert ja entlang des Humboldt Forums zur Treppe und bricht auch irgendwann wieder von letzterer auf. Man erlebt also faktisch trotzdem Wasser und Schlossfassaden in einem engen episodischen Ablauf. Vielleicht haben manche auch vor oder nach dem Verweilen auf der Treppe die Gelegenheit, auf der Dachterrasse des Humboldt Forums die entsprechend erhöhte Aussicht zu erleben, sodass es sich sehr reizvoll ergänzt.

    Vermutlich werden die Leute aber auch ohnehin mit sich selbst/ miteinander und diversen Aktivitäten beschäftigt sein und einfach die Atmosphäre genießen. Fast niemand starrt beim entspannten Sitzen permanent auf eine Fassade, egal wie schön diese ist. Man entspannt oder beschäftigt sich und blickt sich zwischendurch mal um, wobei man den Kopf aber auch mal dreht. Zudem auch noch sehr nahe liegend: Selfies - und bei denen ist die Schlossfassade ja so wiederum viel im Rücken. Also auch wenn ich die Kritik ein Stück weit verstehe (und Camondos Vorschlag wie gesagt direkt unterschreiben würde), würde ich mir keine zu großen Sorgen machen. Vielmehr stimme auch ich zu: Die Treppe wird ziehen.

    Dekoratives Anführungszeichen

    kann sie kein Bindeglied mehr sein. Einziger verbliebener Bezugspunkt ist das Schloss.

    Na, dann wäre doch eine optische Brücke zwischen Wasser und Schloss nahe liegend, oder?

    Für mich ist es aus Flussbad, Treppe und Denkmal ohnehin schon immer das reizvollste Projekt gewesen. Man muss sich nur mal die gut angenommene Freitreppe beim Regierungsviertel ansehen. So etwas kann ich mir hier ebenfalls sehr gut vorstellen! Daher freut es mich enorm, dass es immerhin mit der Treppe nun voran geht. Für mich ist das auch unabhängig davon, was auf dem Denkmalsockel noch passiert - oder eben auch nicht. Aber ja, das ist ein anderes Thema und ein anderer Thread.

    ArchitektenkindRunter kommen wäre allgemein wünschenswert. Gar nicht erst ohne Not so polarisierend und auf Krawall gebürstet einsteigen, wäre halt noch ungleich besser.

    In der Sache tendiere ich wie gesagt selbst zum gewagteren früheren Konzept, kann die Vorbehalte aber zugleich nachvollziehen. Dass auch aus (bau-)technischen Gründen ausgerechnet die lebendigere Seite der Straße so massiv beeinträchtigt wird, gefällt mir als Ergebnis aber gar nicht. Wenn man klein-klein Straße für Straße denkt und überall alle ein Stück weit zu ihrem Recht kommen müssen, kommt so ein Kompromiss dabei raus. Dann existieren alle nebeneinander aber doch geht in Summe was verloren.

    Wie gesagt: Ideal wäre mE ein Gesamtkonzept, wo man z.B. die wichtigsten Ost-West oder Nord-Süd-Routen strategisch klug aufteilt. Man kann zum Beispiel ja auch Einbahnstraßen daraus machen, so lange es insgesamt genügend Routen sind/bleiben. Dann noch die Parkplätze weg (immerhin das passiert ja an der Torstraße wohl auch). Schon gewinnt sowohl der motorisierte Verkehrsfluss als auch die anderen Verkehrsteilnehmer (damit wären automatisch auch 2-3 Spuren für die Torstraße genug). DAS kenne ich zum Beispiel aus eigener Anschauung als funktionierende Praxis. Man muss sich erstmal dran gewöhnen (vor allem die Autofahrer). Aber dann funktioniert es sogar hervorragend.

    Ich verstehe nicht, warum so ein großer Wurf für Berlin nicht möglich erscheint und sich dann potentiell große Parteien wie die Grünen mit ihrem Aktionismus auf der Friedrichstraße oder jetzt die CDU mit diesem Urbanität raubenden Kompromiss für die Torstraße lieber selbst ins Knie schießen statt mal einen breiteren Konsens anzustreben. Irgendwie ließe mich das ja regelrecht mal auf schwarz-grün hoffen (dann müssten die mal mit einander reden und gemeinsam Lösungen für die Stadt entwickeln statt nur ihre Klientel befriedigen), was aber vermutlich mal wieder deutlich zu naiv gedacht ist und schon rein rechnerisch gar nicht hinhaut.

    Ich finde es ehrlich gesagt auch ziemlich vielsagend und etwas enttäuschend, wer und wie viele einen solchen Beitrag trotzdem oder gerade deshalb liken und auch dass die Moderatoren Backsteines so stehen lassen (falls es dort bemerkt wurde). Das spricht mE überhaupt nicht für die seriöse Debattenkultur im DAF oder die Außendarstellung. Zudem unterstreicht es mein Unbehagen, was inzwischen alles toleriert oder sogar unterstützt wird, so lange die Stoßrichtung stimmt. Dass man damit zugleich auch das selbe Vorgehen im Gegenlager legitimiert und ein allgemeines Abstumpfen weiter mit befördert, wird offenbar ignoriert oder in Kauf genommen. Aber je aggressiver selbst Parteien der Mitte wie CDU und SPD angegriffen werden, desto stärker werden die Ränder um AfD und Linke oder ähnliche noch jeweils extremere Gruppen daraus hervorgehen und das Ergebnis kann mE niemand schmecken, der es gut mit unserer Gesellschaft meint. Ich denke, wir sollten da wirklich in uns gehen und nicht noch weiter abstumpfen. Man muss sich nur das vergiftete Klima in den USA aber auch GB ansehen und wir sind mE auf dem selben Weg (teils befeuert durch Bots, hier im DAF aber in voller eigener Verantwortung).

    Und auch wenn DerBe im ursprünglichen Beitrag nicht direkt lügt, ist es mE neben dem unsachlichen und unqualifizierten Terminus auch eine (bewusst?) sehr einseitige und teils missverständliche Darstellung der Tatsachen. Ich finde es so nicht gut und es untergräbt mE auch die durchaus völlig legitimen Anteile des Beitrags.

    - Die Straße IST marode und muss ohnehin gemacht werden.

    - Die dabei zusätzlich gleich mit vollzogenen Änderungen begünstigen anders als suggeriert ("Vorzug geben") in erster Linie die Radfahrer.

    - Die Autos erhalten KEINE zusätzlichen Spuren und das Parken soll weitgehend entfallen, der Lieferverkehr reduziert werden. Wie man auch gut im Querschnitt sieht, ist eine Spur besonders für den fließenden MIV gedacht. Der gemischte und etwas stockendere Verkehr aus ÖPNV, Lieferanten, restlichem MIV etc konzentriert sich auf die äußere Spur.

    - Neu sind zwei breite Radspuren.

    - Der Fußweg wird an manchen Stellen immer noch angenehm breit sein, an anderen zu schmal für Gastronomie UND Flanieren direkt nebeneinander. Da müsste man sich für eine Versachlichung aber mal genauer ansehen, wo konkret wirklich bestehende Standorte geschädigt werden und ob es in Summe ein tragfähiger Kompromiss ist oder die Straße in ihrem Charakter tatsächlich erheblich beschädigt.

    - Übrigens auch auf dem Grundriss zu sehen: Es soll wieder Bäume geben, mW 1:1 wie vorher ("Baumfällungen" bleibt also formal korrekt, es gehört aber zur vollen Wahrheit, dass es einen temporären Zustand und kein endgültiges Ergebnis beschreibt).

    Fakten sehr einseitig bis selektiv darstellen, fragwürdig bewerten ("Autos den Vorzug geben", wenn sie faktisch neben den Fußgängern auch Raum/ Privilegien abgeben und umgekehrt nur der Radverkehr dazu gewinnt) und dann noch so ein Angriff auf eine (auch für Kompromisse im Straßenverkehr) demokratisch gewählte Partei finde ich in Summe eindeutig zu viel. Ich schätze DerBeund auch viele der Nutzer aus der Likeliste aber ein Stück weit vergällt mir diese Momentaufnahme meine Freude und Wertschätzung an diesem Forum und unserer Community. Das ist mE nicht anständig und kann darf nicht unser Anspruch sein, gerade wegen dem ganzen gesellschaftlichen Verfall, der sich auch stark über (soziale, interaktive wie auch klassische) Medien und Rhetorik abbildet.

    Mir tut eher leid, dass Du es nicht einsehen willst. Man hat immer eine Menge Optionen, wie man etwas ausdrücken und selbst zuspitzen kann, ohne inhaltlich viel zu gewinnen oder verlieren. Der gesellschaftliche Trend geht mE ohnehin schon stark in Richtung Tabubruch/ stetige Grenzverschiebung des Sagbaren - und das in allererster Linie auch durch eine bestimmte Strömung, mit der Du Dich sicher nicht gemein machen willst.

    Der Vergleich ist mE aber auch sonst schief. Eine problematische Nähe zu Hamas, Taliban und Co besteht viel eher bei der politischen Linken, während die konservative Seite zur aktuell ebenfalls völkerrechtlich höchst problematischen Allianz tendiert und sich mit dieser gemein macht. Das ist auch so ein Thema, wo ich hoffe, dass es bei sowie nach den Wahlen keine immer größere und spaltendere Rolle in Berlin spielt. Mir wäre es sehr lieb, wenn sich Lokalpolitik und gesellschaftlicher Diskurs auf die eigenen Baustellen konzentriert.

    Aber gerade bei der Verkehrspolitik sollte es mE wieder mehr um die Sache und die Suche nach gesellschaftlich breit getragenem Konsens gehen, statt um Kulturpolitik oder gar weltpolitische Schlangengruben und Stellvertreterdebatten. Das bindet nur Kräfte und betont wieder das Lagerdenken sowie das Denken von Gewinnern und Verlierern.

    Und insgesamt fehlt mir auch ein gesamtheitliches Konzept, was Torstraße, Friedrichstraße, Linden usw integriert denkt. Da könnte man mE viel besser begründen, weshalb man hier zwei volle Spuren bewahrt, dort auf einspurig und ggf auf Einbahnstraßen umstellt und wieder woanders ganz den MIV ausschließt. Wichtig wäre, dafür möglichst breit anerkannte Verkehrsexperten mit ins Boot zu holen. Gefühlt kann Berlin bei so was aber nur klein-klein und dann wird beim nächsten Regierungswechsel doch wieder alles umgeworfen und man startet bei Null aber nun in Gegenrichtung. Enorm anstrengend und ineffizient.

    DerBeDas ist mE nicht mehr nur unsachlich, sondern eher schon paar Stufen drüber (zumindest wenn man sich etwas mit den Taliban und deren Weltbild beschäftigt hat, ohne damit jetzt "den Westen" implizit als lupenrein und vorbildlich zu bezeichnen). Das hat auch mit dem Sachkern nicht viel zu tun. Dafür gibt es genügend Begriffe wie eben rückwärtsgewandt, ewiggestrig etc. Von daher finde ich den Hinweis auf das aktuelle politisch-gesellschaftliche Klima angemessen und wir sollten alle unseren Beitrag leisten, uns trotz verständlicher Frustration nicht davon anstecken zu lassen. Auch das ist nur menschlich aber dann sollten mE anschließend auch beide Seiten entsprechend einlenken.

    Zur Sache: Ich habe mich kürzlich erst sehr kritisch zur Verkehrspolitik des Senats geäußert. In diesem konkreten Fall finde ich es aber etwas komplexer als nur schwarz-weiß einer Seite Rückständigkeit zu unterstellen. Zwar hätte auch ich in Summe vermutlich zum früheren Konzept tendiert. Es ist mE aber auch nicht so klar, dass das gerade zu Stoßzeiten funktioniert hätte mit Lieferverkehr (der sich nicht unbedingt immer an Zeiten hält/ halten kann), Bussen und MIV.

    Ich bin z.B. dafür, Parkstreifen deutlich zu reduzieren und zunehmend auf tatsächlich legitimen Bedarf zu beschränken (Anwohner/Anlieger mit Mobilitätsbeschränkungen, Schichtarbeit etc). Für alles andere kann man mE zunehmend auf Parkhäuser, Tiefgaragen setzen, die sich selbst finanzieren müssen. Auch kann man sich überlegen, bestimmte Straßen von MIV zu beruhigen oder ganz zu befreien. Irgendwo muss es aber auch fließen können und nirgendwo sollte man fahrlässig den Infarkt provozieren.

    Es wird ja gerne der Vergleich zu Dänemark oder auch mal Paris gebracht. In Dänemark kann man hervorragend Fahrrad fahren, zu Fuß gehen oder den ÖPNV nutzen. Aber auch der Autoverkehr fließt und man findet gut Parkplätze. Es ist halt einfach sehr viel weniger voll und entsprechend großzügiger für alle Verkehrsteilnehmer. Paris hat ehrgeizige Ziele aber ist aktuell auch immer noch voll mit Autos. Aber es ist auch wiederum eine ganz andere Struktur mit kleinerem, stark verdichtetem Zentrum.

    Nicht zuletzt wurde die CDU gewählt, weil sie anders als die Grünen auch den MIV respektvoll und maßvoll betrachten wollte. Sie ist nun mE zu deutlich ins andere Extrem gekippt und hat nicht wie versprochen etwa auch Fahrradfahrer und ÖPNV ausreichend gestärkt.

    Ich hoffe sehr, dass rot-grün-rot es diesmal besser macht als letztes Mal aber auch besser als der aktuelle Senat. Es ist sicherlich oft komplex und nicht allen recht zu machen, gerade mit dem Budget. Aber ich würde mir zumindest wünschen, dass man ehrlich und maßvoll unter einen Hut bringt und weniger auf Krawall und Klientelpolitik setzt.

    Für die Torstraße wird es nun aber voraussichtlich so kommen wie zuletzt geplant. Das wird sich nicht mehr aufhalten lassen.

    Open AI kündigt Berliner Büro an
    Damit erhält Deutschland gut 1 Jahr nach der Niederlassung in München eine zweite Abteilung. In München ist man übrigens mit 12 Leuten gestartet. Für Berlin gibt es bis auf die Ankündigung selbst noch keine konkreten Infos zu Adresse, Flächengröße, Mitarbeiterzahl, Aufgaben etc. Zum Zeitpunkt hieß es nur "ziemlich bald". Dann dürften entsprechend also auch zeitnah weitere Infos fließen.
    handelsblatt.com, blogspan.net

    Schwammkopf Ich habe den bestehenden Beitrag editiert, damit das nicht weiter pingpongmäßig den Thread füllt.

    Ansonsten hätte klar sein können, dass Du auch diese Videos wieder so liest, wie es in Deine vorgefertigte Deutung passt. Was aber auch Du implizit zugibst: Da laufen Menschen durch die (vermeintlich dunkle) Stadt. Und zwar nicht wenige. Die Ersteller der Videos aber auch der angesprochene Rikscha-Fahrer haben so zudem erkennbar weiter alle Business im nächtlichen Berlin. Auch die Stimmung in den Videos wirkt positiv, wie auch die Kommentare unter den Videos entsprechend bestätigen.

    Ob diese positiv gestimmten Menschen auf den Straßen oder hinter den Beiträgen aber auch die Forenteilnehmer mit abweichender Meinung wirklich einfach alle nie raus kommen und keine helleren Städte kennen, sei jetzt mal dahin gestellt. Ich würde behaupten, auf den Großteil trifft das eher nicht zu. Dazu hatte ich mir zusätzlich extra auch noch nächtliche Eindrücke aus bspw. Rom oder selbst Paris angesehen.

    Offenbar gibt es eben einfach tatsächlich deutlich andere Wahrnehmungen und Deutungen als Deine. Das hat bei mir übrigens auch nicht (wie mal wieder ins Blaue unterstellt) mit Lokalpatriotismus zu tun. Es gibt durchaus Städte, die Berlin mE das ein oder andere deutlich voraus haben und wo ich besonders gerne Urlaub mache oder grundsätzlich auch gerne leben würde, schon rein landschaftlich. Lustigerweise oft durchaus welche, die selbst nicht heller beleuchtet sind (Paris z.B. gehört für mich anders als Hamburg nicht dazu, dort fahre ich primär wegen Familie hin).

    Und zuletzt nur nochmal kurz, auch wenn vermutlich auch das weiter nicht ankommen wird: Irgendwelche Übernachtungszahlen sagen für sich nichts über die Kausalität zur nächtlichen Beleuchtung aus, auch wenn Du das nun schon siebenundrölfzigmal suggeriert hast. Es ist ansonsten sogar schon alleine wegen der prognostizierten Fluggastzahlen wahrscheinlich, dass Berlin 2026 weniger internationale Übernachtungen haben wird (s.o.).

    Damit war es das nun endgültig für mich. Eigentlich antworte ich primär, weil Du mal wieder eine ganze Reihe an Unterstellungen vom Stapel lässt, die man so mE nicht stehen lassen kann.

    Schwammkopf Es ist wirklich müßig, mit Dir zu diskutieren. Eins der Hauptprobleme ist, dass Du die Aussagen nicht gründlich reflektierst und dann immer wieder andere Aussagen daraus ableitest und Dich an diesen vermeintlichen Punkten abarbeitest statt an den tatsächlichen.

    Geh doch bitte gründlicher auf das ein, was tatsächlich geschrieben wurde (hier nochmal zusammen gefasst):

    Tatsächliche Aussagen:
    1) Berlin war auch früher schon vergleichsweise dunkler als andere Städte in Europa. Dennoch ist der Tourismus damals phasenweise sehr stark/stärker gewachsen (Anmerkung: Gerade das Nachtleben - i.e. insbesondere die Clubkultur - galt ja neben dem Preisniveau als ein entscheidender Faktor, auch wenn das real immer nur eine vergleichsweise kleiner als vermutete Klientel betraf).
    2) Berlin ist nicht mehr so dunkel wie während der Energiekrise. Es wird allerdings energiesparender und gezielter beleuchtet als früher (LEDs und weniger Streulicht) und teils auch akzentuierter (Betonung von Events). Dieser Trend gilt ähnlich aber auch für viele andere Städte.
    3) Es gibt keine Evidenz für einen signifikanten Kausalzusammenhang zwischen Intensität der Beleuchtung und Entwicklung des Tourismus.
    Im Gegenteil ist ja wie gesagt nicht einmal eine klare zeitliche Korrelation zu beobachten, was die erste Voraussetzung zum Belegen einer möglichen Kausalität wäre.
    4) Entsprechend konzentrieren sich auch Wirtschaft und Politik auf ganz andere Punkte, denn für die entsprechenden Erklärungsansätze für nachlassenden Tourismus besteht eine entsprechende Evidenz.
    5) Auf der subjektiven Ebene schreiben verschiedene User, dass sie Berlin nicht als extrem dunkel empfinden und auch aus ihrem Umfeld/Gästen etc. nicht die entsprechende Rückmeldung erhalten. Ein User hat auch Daten zum Sicherheitsempfinden angesprochen, nach denen Berlin vergleichsweise gut abschneidet.

    Fazit: Es mag sein, dass Du mit Deinem Empfinden nicht völlig allein bist. Es ist aber nicht plausibel, dass dies wie suggeriert ein so entscheidender Faktor für die Entwicklung des Berlintourismus ist. Das ist eben der entscheidende Unterschied zwischen einem (für sich genommen durchaus legitimem) Empfinden und einem echten Argument oder gar einer aussichtsreichen Agenda. Anders ausgedrückt: Du verrennst Dich hier.

    Nur ein Beispiel: Ryanair streicht explizit nicht wegen fehlender Nachfrage (Berlin = dunkel = unbeliebt) die Hälfte ihres Angebots. Nein, Berlin gilt ja bereits als unterversorgter Markt (Nachfrage > Angebot). Wenn der BER aber für 2026 mit -600.000 Fluggästen rechnet, dann bedeutet das automatisch auch sehr wahrscheinlich weniger internationale Übernachtungen. Denn der Einzugsbereich ohne Flugverkehr ist begrenzt.

    (Anmerkung: Man könnte z.B. bezüglich Ryanair - oder dem alten Schlagwort "easyJetset-Tourismus" - auch darüber diskutieren, ob jede Form von Wachstum pauschal gut und jeder Rückgang pauschal schlecht für eine Stadt ist - es verschiebt sich wirtschaftlich auch vieles und die Bedürfnisse von Anwohnern und Stadtnatur sind mE auch nicht bedeutungslos. Aber für diese Diskussion fehlt mir aktuell etwas die Muße, auch wenn sie grundsätzlich spannend wäre.)

    Edit: Ich sehe es auch so, dass es sich im Kreis dreht bzw. die zentralen Aussagen nicht ankommen. Möge jeder bei seiner Ansicht bleiben.

    Edit 2: Hier trotzdem mal noch etwas Inspirationsmaterial für Deinen Rikscha-Fahrer: Verschiedene Anbieter von begleiteten Spaziergängen haben Nachtspaziergänge aus 2025 und 2026 hochgeladen (bei einem ist übrigens sogar kurz ein Rikscha-Fahrer mit Fahrgästen zu sehen): eins, zwei, drei, vier.
    Und hier mal ein Beispiel, dass nicht nur das (Deiner Meinung nach ja peinliche) Festival of Lights nachts die Fassaden bespielt: Die aktuelle Auflage der Projektor-Show am Ebert Platz (gibt es seit mindestens um die 15 Jahre mit wechselnden Themen)

    SchwammkopfNatürlich ist auch der nationale Quervergleich erhellend (pun intended). Gerade München und Hamburg sind ebenfalls beliebte europäische Ziele und München durch das Flughafendrehkreuz zudem ein interessantes Gegenbeispiel.

    Denn wie nun schon mehrfach beschrieben: Der Berliner Tourismus hat sich bereits weit(!) stärker erholt als der Berliner Flugverkehr. Dagegen haben andere Märkte eine deutliche Erholung und teils Zunahme bei beidem. Berlin ist vergleichsweise schlechter zugänglich (gerade mit billigen Flugtickets) als in der Hochphase und dazu auch vergleichsweise deutlich aufgestiegen beim Preisniveau. Das ist eher ein grundlegender und spürbarer Unterschied als die vermeintlich fehlende Beleuchtung. Das kann eine Stadt bei bestimmten Zielgruppen deutlich unattraktiver machen. Genau darauf verweisen informierte Kreise wie Visit Berlin auch regelmäßig.

    Interessant ist ansonsten ja evtl. auch noch, dass der Anteil ausländischer Gäste bei Airbnb und Co in Berlin deutlich über dem nationalen Schnitt liegt (und ziemlich genau entgegengesetzt zur sonstigen Verteilung von Gästen, wo Deutsche sonst insgesamt klar in der Überzahl sind).

    Hab mir jetzt trotzdem mal den Spaß gegönnt und etwas mit KI recherchiert.

    Das sind die Befunde:
    - Berlin hat die während der Energiekrise 2022 beschlossenen Maßnahmen bereits kurz darauf wieder deutlich zurück genommen, sodass gerade zentrale Wahrzeichen wieder beleuchtet werden. Inzwischen werden (wie überall auf der Welt) energiesparende LED-Lichter eingesetzt, die weniger Streulicht erzeugen. Zudem werden Lichter gezielt für Events genutzt, allen voran beim nach wie vor regelmäßig inszenierten Festival of Lights.
    - Berlin liegt bei der Intensität der Beleuchtung im Deutschen Durchschnitt, andere deutsche Großstädte wie München (eher gering beleuchtet) und Frankfurt (etwas stärker beleuchtet) haben mit der Rückkehr des internationalen Flugverkehrs aber wieder wachsende Zahlen.
    - Auch andere (darunter auch traditionell teils deutlich stärker illuminierte) europäische Städtetourismus-Hotspots wie Paris reduzieren ihre Beleuchtung aus Gründen der Nachhaltigkeit und rüsten zudem auf LEDs mit weniger Streulicht um. Berlin liegt also insgesamt eher im Trend und hat so keine Wettbewerbsnachteile.

    Fazit KI (auf die ergebnisoffene Nachfrage zu einem möglichen Kausalzusammenhang):

    "Die Behauptung, dass die gedimmte oder reduzierte nächtliche Beleuchtung für die leichten Tourismusrückgänge in Berlin verantwortlich ist, ist empirisch nicht haltbar und stark übertrieben.

    Zwar verzeichnet die amtliche Statistik für das Jahr 2025 sowie das erste Halbjahr 2026 eine leichte Konsolidierung, doch die Gründe hierfür sind rein wirtschaftlicher, struktureller und gesellschaftlicher Natur. Die Beleuchtung spielt in der touristischen Praxis und Datenerhebung fast gar keine Rolle.

    Touristen reisen nicht nach Berlin, um eine extrem helle Straßenbeleuchtung zu sehen. Das „Lichtkonzept“ einer Stadt wird in Gästebefragungen fast nie als Entscheidungsfaktor für oder gegen eine Reise genannt.

    Das Argument entspringt eher einer subjektiven, nostalgischen oder politischen Wahrnehmung („Früher war mehr Lametta“). Die Daten der Tourismusforschung stützen diese Kausalität in keiner Weise."

    Was die KI (unter Bezug auf Tourismusökonomen und Branchenberichte) tatsächlich für plausible Faktoren hält:
    1) nachlassende Kaufkraft/Konjunkturlage und/oder politische Krisen in relevanten Märkten
    2) höhere Preise für Flüge und Unterkünfte, welche das früher eher günstige Kostenniveau Berlins inzwischen deutlich relativieren
    3) ein statistischer Effekt ist zudem das weiter zunehmende Ausweichen auf schlechter erfasste bzw. nicht in die Statistik zählende private Unterkünfte
    4) laut Kultur- und Lokalpolitikern werde auch diskutiert, ob die Stadtidentität gelitten habe (Clubsterben, Kürzungen im Kulturetat)

    Punkte 1 und 2 haben die höchste Evidenz, sind aber schwierig bis gar nicht auf kommunaler Ebene zu lösen.
    Zu Punkt 3 kannte ich bisher keine Quellen, wonach das Phänomen aktuell weiter zunimmt. Tatsächlich sollen die Übernachtungen aber deutschlandweit von 2019 bis 2025 um über 80% zugenommen haben, allein von 2024 auf 2025 um 13%, wobei eine Plattform sogar aus der Datenbasis gerutscht ist - Quelle hier. Spannend dabei: In Berlin werden knapp 68% dieser Aufenthalte bei Airbnb und Co von ausländischen Besuchern gebucht. Grundsätzlich würden diese Gäste ja primär statistisch untergehen, können aufgrund parallel auch gesunkener Einnahmen in Gastro und Einzelhandel aber allenfalls ein Teil der Ursache sein.
    Zu 4. wird lediglich auf Debatten verwiesen, die aber gerade von den ohnehin unmittelbar Betroffenen (Kulturpolitiker, Lokalpolitiker) geführt werden. Es ist nicht automatisch unplausibel aber auch schwer zu prüfen. Zugleich wäre das der Punkt, an dem man am leichtesten ansetzen könnte.

    Schwammkopf Am meisten schockiert mich ja, dass man das Thema Beleuchtung außerhalb vom DAF offenbar noch nicht einmal als primäre Ursache ausgemacht hat. Trotz der für -0,3% weniger (und immer noch knapp 2 Mio ausländische und fast 4 Mio inländische Gäste in 6 Monaten) etwas plakativen Schlagzeile "Touristen meiden Berlin" wird dieses nahe liegende und unendlich bedeutsame Schlagwort ja noch nicht einmal erwähnt. Amateure! Oder liegt es ggf. daran, dass Herr Wegner das Thema laut Deiner eigenen Quelle schon 2023 anging und gegen steuerte, sodass einige prominente Sehenswürdigkeiten wieder beleuchtet werden? Ich finde Berlin insgesamt jedenfalls nach wie vor nicht zu dunkel und höre sonst auch keine Beschwerden darüber.

    Aber klar: Man wird sich das schon anschauen, warum die Zahlen nun wieder leicht rückläufig sind statt sich stärker zu erholen. Man scheint da ja Richtung neue Attraktionen und Events sowie deren Vermarktung zu denken, was man immer versuchen kann.

    Es wird aber sicher auch nicht helfen, dass Berlin aufgrund der hohen Standortkosten gerade bei den günstigen Flugangeboten Federn lässt. Ryanair, easyJet und Co sagen ja selbst, dass eigentlich deutlich mehr Nachfrage da wäre. Und zumindest aus dem (teils touristisch boomenden) entfernteren Ausland kommt man eben schlecht per Bahn oder Reisebus nach Berlin.

    Vielleicht sollte unser Bundeskanzler aber auch einfach weniger andere Länder beleidigen. In den Jahren, wo der Berlin-Tourismus seinen Höhepunkt erreichte, war Deutschland zugleich eins der beliebtesten Länder der Welt. Die Baerbocks und Merzens haben da wie gesagt nicht unbedingt stark drauf aufbauen können. Das könnte neben den Kosten auch eine gewisse Rolle spielen, bleibt aber ebenfalls spekulativ.

    ^Spannend, dass sich die B.Z. ausgerechnet noch den Juli als letzten Monat einberechnet hat und nicht das erste Halbjahr bis Juni. Auch durch die frühen Sommerferien gab es im Juli +95.000 Passagiere (+4%), was das Gesamtminus von weit über 140.000 (-1,2%) auf "nur" noch gut 50.000 (-0,4%) senkte. Vermutlich wird der August dafür entsprechend schwächer als im Vorjahr ausfallen.

    Wenn der BER auf das Gesamtjahr 2026 mit -600.000 Passagieren rechnet, wäre das dagegen ein deutliches und schmerzhaftes Minus von über 2%. Wenn man sich aber aktuelle Verkehrszahlen anschaut, tun sich auch die Drehkreuze schwer (Frankfurt -0,8% im und München -4,2% im 1. HJ). Die vom BER angegebenen Ursachen können also nicht völlig aus der Luft gegriffen sein...

    Für den BER kommt die Entwicklung um Ryanair natürlich noch dazu. Und auch die Übernahme von easyJet lese ich eher als potentielles Risiko. Allerdings ist nicht zu vergessen, dass verschiedene internationale Airlines den BER eher als unterversorgten Markt (Nachfrage > Angebot) ansehen. Umgekehrt werden zunehmend neue Jets ausgeliefert, sodass die Airlines entsprechend Wachstum benötigen, das nicht nur über mehr billige Angebote in gesättigten Märkten abgedeckt werden kann. Fraglich wird halt sein, wie sich die Welt insgesamt so weiter entwickelt. Die aktuellen Trends sprechen nun nicht gerade für eine dauerhafte Erholung.

    ESA nimmt Berlin in Business Incubation Center (BIC) Norddeutschland auf
    Im Zuge eines Weltraumkongresses mit Milliardenplanungen von Bundesregierung und privaten Unternehmen titelte die Sueddeutsche von einem "Apollo-Moment in Berlin" (siehe hier), der auch in der Hauptstadt selbst einiges würde anstoßen können.

    Nun erlebte die lokale Branche im Rahmen der ILA direkt den nächsten Durchbruch: Die ESA siedelt in Berlin einen neuen Ableger ihres stark etablierten Tech-Incubator "ESA BIC Northern Germany" an. Damit erhalten speziell Startups Zugang zu einem hervorragenden Netzwerk, das jeden Schritt von Forschung bis Marktreife begleitet und auch u.a. Patente teilt sowie Zugang zu Investoren erleichtert. Umgekehrt erhofft sich die ESA so Zugang zu einem der "dynamischsten Innovationsstandorte Europas" mit starkem Forschungscluster sowie viel Risikokapital und einem gerade neu entstehenden "Hub für Weltraum und Verteidigungstechnologie". Bisher waren der führende deutsche (und einer der stärksten europäischen) Raumfahrtstandort Bremen sowie Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern in dem Hub vertreten. Künftig sollen auch noch Hamburg, Niedersachsen und Brandenburg aufgenommen werden.

    Auch die Bundesregierung mit diversen Institutionen sowie das Land Berlin über das Gründerzentrum der Berlin University Alliance ("Science & Startups") beteiligen sich an dem Projekt, das primär auf den Übergang von Forschung zu wettbewerbsfähiger Technologie und somit europäischer Unabhängigkeit dienen soll. Für Berlin bedeutet es vor allem einen zusätzlichen Katalysator für die Entwicklung von Deep-Tech-Produkten, einen Sektor in dem die Hauptstadtregion eine stärkere Rolle anstrebt.
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