Insgesamt sehe ich das Ergebnis positiv.
Also, ich habe ja selbst (auch gerade erst wieder) geschrieben, dass die CDU wegen dem Bezug zum Bund (aber auch wegen des demokratisch ermittelten Ergebnisses) kein nahe liegender Koalitionspartner sein sollte. Deine Einlassung ist mE nun aber wirklich eine (bewusste?) Falschdarstellung/Umkehr der Realität. Außer Du weißt etwas, was mir unbekannt ist.
- Die CDU hat sehr wohl und auch primär mit ihrer Regierungsbilanz geworben, was zigfach belegt ist.
- Umgekehrt kenne ich keine einzige Einlassung, wo sie ohne Berlin-Bezug in das Nahost-Thema eingestiegen wären und Aspekte angesprochen haben, die Berlin nicht betreffen und auch nicht von hier aus beeinflusst werden können.
- Der mir bekannte öffentlich diskutierte Fall ist ein Video, wo sie Israelhass/ Judenhass/ Antisemitismus in Berlin ansprechen (als Phänomen belegt und auch SPD, Grüne und Linker inklusive Frau Eralp prominent als reales Problem in unserer Stadtgesellschaft besprochen). In diesem Video wurden aber wohl Bilder von Palästina-Demos in Berlin als Illustration gezeigt, die dann (erstaunlicherweise!) ausgerechnet keine Belege von Israelhass bei solchen Demos darstellen, sondern einfach random irgendwelche Szenen (Anm.: selbst gesehen habe ich es nicht und kann es daher nicht selbst bewerten). So stand der Vorwurf einer Pauschalisierung im Raum, dass man nicht klar genug zwischen normalem, demokratisch geschütztem Demonstrationsrecht und volksverhetzenden, verfassungsfeindlichen Elementen unterscheidet. Das Video wurde daraufhin gelöscht.
Für alles weitere solltest Du Belege bringen können oder es besser zurück nehmen.
Noch absurder wird es dann aber, wenn Du den Linken einfach geschickte Arbeit mit jungen Menschen attestierst und ein potentielles Unbehagen als Generationenthema darstellst. Fakt ist, dass Linke und AfD besonders erfolgreich mit sozialen Medien arbeiten und sich das bei den Wahlergebnissen bestimmter Altersgruppen auch besonders deutlich zeigt. Erstmal ok. Kritisiert wird aber (mE zu Recht), dass dabei auch sehr stark und bewusst mit Verkürzungen und Zuspitzungen, teils regelrechter Manipulation gearbeitet wird. Zudem wird aber auch wiederholt ganz offen eine Nähe zu problematischen (aber medien-affinen) Kreisen genutzt und dazu auch das Nahost-Thema in einer völlig anderen Qualität bedient und instrumentalisiert.
Da ich bei solchen Vorwürfen schon gerne mit Belegen arbeite:
- In Neukölln hat ein Kandidat(!) der Linken (Listenplatz 6, auf Wahlplakaten übrigens vertreten mit dem Werbeslogan "Für Neukölln. Für Migration. Für Palästina.") u.v.a. einen Aufruf eines als gesichert extremistisch eingestuften Aktivisten geteilt und unterstützt, der zu einer "Wahlintifada" aufrief und alle großen Parteien außer der Linken als "Parteien des Krieges" bezeichnete. Dabei erklärte der Kandidat ferner selbst, es gelte nicht nur den Rassismus durch die AfD zu bekämpfen, sondern auch den von CDU, SPD und Grünen welche allesamt als Architekten der Unterdrückung Minderheiten unterdrücken aber anti-arabische Dämonisierung und Genozid sowie unerlaubten Waffenschmuggel an Israel unterstützen würden. für mehr Kontext gerne die ausführliche und mE durchaus besorgniserregende Quelle
- Der Kandidat für das Amt des Neuköllner Bezirksbürgermeisters heißt Ahmed Abed, der sich selbst im Wahlkampf bewusst auf sein Engagement für die arabischstämmige Community (als Anwalt und Bürgerrechtler) aber auch auf soziale Themen beschränkte. In der Vergangenheit ist er aber u.a. prominent als Redner bei Demos aufgetreten, wo Israelfahnen verbrannt und wohl auch jüdische Menschen direkt angegriffen wurden. Ebenso hat die Linke Neukölln Angriffe auf die Kneipe Bajszel nie als antisemitisch einordnen oder die Einrichtung öffentlich gegen die Angriffe unterstützen wollen, weder bevor noch nachdem sie Abed mit über 80% zu ihrem Kandidaten wählte. Abed selbst ließ sich für einen Werbeaufruf auf Instagram übrigens vor dem bekannten Al-Mustafa-Laden fotografieren, mit palästinensischen Flaggen aber auch Kalaschnikows im Schaufenster.
Er war auch bei dem Event, wo der Rapper "Yalla, yalla, Intifada!" und "Death to the IDF" rief sowie zur Unterstützung der von der EU als Terrororganisation eingestuften "Volksfront zur Befreiung Palästinas" aufrief (wovon sich der Neuköllner Verband auch nie distanzierte) - Abed stand dabei übrigens die gesamte Zeit genau vor der Bühne. Wie das Verteilen der Sticker mit Palästina-Fahnen, Sozialismus-Symbolen und Kalaschnikow an der Karsen Schule hieß es von den Neuköllner Linken dazu lediglich, man habe vorher inhaltlich keine Kenntnis gehabt und nichts abgesprochen. Man distanzierte sich jedoch nicht/kaum. Wie gesagt: Der eigene Spitzenkandidat posiert ja selbst für ein offizielles Wahlkampffoto vor einem Schaufenster mit identischer Vermischung aus Fahne und Waffe.
Ach ja: Die vom Bundestag als insgesamt antisemitisch eingestufte BDS-Bewegung unterstützt Abed auch (diese steht für Boykott/zivilen Protest gegen Israel, bedient aber eben auch klassische judenfeindliche Motive und sucht die Nähe zu extremistischen Organisationen, die u.a. den Angriff auf Israel verharmlosten - zudem fordert man, dass alle palästinensisch-stämmigen Menschen im gesamten Staatsgebiet Israels leben können müssen, was laut Experten die faktische Auslöschung des Staates wäre). Quelle 1, Quelle 2
- Auch der Remmo-Vater und Clanchef ist nicht nur vermeintlich "zufällig" und ohne jedes Wissen oder Einfluss der Linken auf der Wahlkampfparty aufgetaucht. Einer der Remmo-Söhne selbst(!) hat dann kurz nach der Wahl auf Social Media Chatverläufe mit Ferhat Kocak veröffentlicht (ein Bundestagsabgeordneter, der in der Vergangenheit auch schon einmal ein Dokument fälschte, um einen Freund in den Bundestag "einzuladen"). Darin bittet Kocak Firas Remmo darum, einen Videoclip von Kocak mit dem Titel "Hysterische Dauerdebatte: CLANS" weiter zu verbreiten. Vorher schrieb er auch noch "Grüße mit Respekt zurück an deinen Vater [Anm: Clanchef Issa Remmo]. Ab wann bist du im Büro? Ich kann Vormittag vorbeikommen." Und Remmo antwortet ebenso vertraut: "Gerne Bruder" (von Kocak mit Herz versehen) sowie
"Wir sind ein Teil von etwas Großem. Wir stehen zusammen, wir halten zusammen und wir kämpfen gemeinsam für unsere Ziele. Denn wir sind nicht nur hier, um nur dabei zu sein - wir sind hier, um zuschaffen, zu bewegen und zu gewinnen. Wir sind Sieger Wir sind Macher. Wir sind ein Team. Und gemeinsam schaffen wir Dinge, die alleine niemals möglich wären."
Das ist doch mal eine Ansage.
Wobei das Kocak dann doch zu viel öffentlicher Triumph war und er zurück ruderte, er würde im Wahlkampf eben mit sehr vielen Menschen schreiben und dass er gar nicht so genau gewusst habe, wer das überhaupt sei. Er entschuldige sich aber noch, wenn nun ein problematischer Eindruck entstanden sei.
Nur zur Einordnung: Die Remmos, Abou Chakers etc. inszenieren sich auch gerne auf Social Media, haben sehr viele Follower und ordnen auch öfters Mal gesellschaftliche Debatten für diese ein. Kocak weiß mit Sicherheit, welche Zielgruppen er sich so erschließen möchte. Dass er es nicht gerne ganz so öffentlich thematisiert wie sein Gegenüber, ist eine andere Frage. Aber schon der Verweis auf den Vater oder das Treffen im Büro zeigen ja, dass er genau weiß, wem er da brav "Respekt" ausrichten lässt... Quelle
Es gibt noch deutlich(!) mehr aber das waren erstmal die krassesten Fälle. Bei Bedarf also gerne weiter recherchieren bevor man wieder behauptet, das sei alles nur Framing und eigentlich bediene/instrumentalisiere ja eher die CDU diese Themen. Mein Bedarf ist erstmal gedeckt, zumal ich es aus der täglichen Anschauung bereits selbst zur Genüge kenne. Wenn man mit Neuköllner Schulen zu tun hat, ist diese Dynamik absolut keine Kleinigkeit.
Wie gesagt Klarenbach: Deine Einordnung erscheint mir entweder naiv (so kenne ich Dich aber nicht) oder Du glättest und verdrehst hier die wahren Verhältnisse wie ich es so plump eigentlich schon lange nicht mehr von Dir erlebt habe. Im Tenor bzgl. CDU wäre ich sonst wie gesagt sogar bei Dir gewesen. Aber mach Dir/uns die Welt bitte nicht zu einfach, nur weil Dir das Ergebnis der Wahl so gut gefällt. SPD und Grüne in Berlin und ganz speziell in Neukölln haben keine so einfache Zeit vor sich wie Du es offenbar gerne hättest. Auch Frau Eralp muss erst noch zeigen, wie konsequent sie wirklich sein kann und sein will. Sie versucht bisher, nichts hochkochen zu lassen aber zugleich auch niemanden zu stark vor den Kopf zu stoßen. Für den Wahlkampf hat sich das ausgezahlt (die vielen Erstwähler gab es vor allem auch in Kreuzberg und Neukölln). Für eine seriöse Regierung muss sie sich mE aber klarer abgrenzen und durchsetzen.