Beiträge von schorse

    Die Elbphilharmonie an sich ist ein tolles Projekt. Und das Gebäude an sich gefällt mir super. Es passt zu Hamburg und wird meiner Meinung nach ein Erfolg.

    Mit der Kritik bezog ich mich auf einige Stimmen, die meinen: grundsätzlich muss jetzt auch Hannover so ein Mammutprojekt machen anstatt eines "biederen und kleinen Schlößchen". Hallo? Warum müssen wir jetzt in unserem kleinen Kaff Hannover Hamburg spielen? Die Elbphilharmonie passt zum Hamburger Hafen - aber NIEMALS in einen Barockgarten. (Wobei: nur der Holland-Pavillon wäre noch schlimmer).

    arnd: Stimme ich Dir vol und ganz zu. Münster - und ich würde München auch dazu zählen - erlebten einen vorbildlichen Wiederaufbau, weshalb sie heute zurecht als attraktiv gelten. Beide haben übrigens auch keine "spektakulären" modernen Gebäude. Man braucht sie auch nicht.

    Deshalb verstehe ich hier nicht, warum viele Architekten 800m Gebäude, die Elbphilharmonie, den Holland-Pavillon oder sonst irgendeinen Klotz Hannover andichten wollen. Solche Gebäude schauen sich nur Architektur-Studenten an - Otto-Normalbürger erwartet an so einem Ort aber nun mal ein historisches Gebäude.

    Eine Reko allein ist trotzdem ebenfalls ein Gewinn - erst recht, wenn sie Bezugspunkte darstellen. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen...

    Da sprichst Du einen interessanten Punkt an. Ich glaube als Hannoveraner wird man etwas verblendet; denn man nimmt all die schönen Stadtteile mit ihren z.T. vielfälltigen Gründerzeitvierteln, das viele Grün, die Altstadt wahr. All das gibt ein schönes Gesamtbild und im Vergleich zu anderen Großstädten ist da Hannover nicht hässlicher als Köln, Dresden, Frankfurt & Co.

    Als Besucher hat man glaub ich ein anderes Bild und da liegt wirklich ein Problem. Ich denke, die konsequente Umsetzung der "autogerechten Stadt" - welches ja auch in Braunschweig versucht worden ist (oder?) - hat vieles zerstört. Denn: entlang der großen Straßen wurde vieles alte abgerissen, die Stadtteile quasi zerschnitten und hässliche Bauten säumen diese "Autobahnen". Aber wie ich in Deinen BS-Threads lesen kann, findet auch bei Euch eine Abkehr davon statt und Straßen werden endlich wieder rückgebaut. Trotzdem nimmt man als Besucher in erster Linie zwangsläufig das hässliche wahr.

    Hannover hat auch das Phänomen, dass der Stadtmittelpunkt (Kröpcke) nicht in der Altstadt liegt und der Kröpcke ein ziemlich hässlicher Platz ist. Überhaupt ist die Innenstadt (ohne Altstadt) von oben betrachtet einen Ansammlung von Großmarkthallen. Deswegen bin ich auch gegen das ECE.

    All das wird aber nicht durch spektakuläre Bauten geheilt - wenn nur durch ein historisches a´la Kölner Dom (gibts im Norden aber nicht). Auswärtige - dass berichtete auch neulich wieder die Tageszeitung zur Messe - interessieren sich nur für alte historische Bauten. Die Fachwerkhäuser waren zur Messezeit ein Renner - obwohl die ja fast alle Fassade sind. (Wobei wir beide wissen, dass das hannoversche Fachwerk nicht spektakulär war).

    Es gibt aber in Zukunft ein paar Lichtblicke. Der Köbelinger Markt nahe der Altstadt und das Leineufer sollen wohl bald bebaut werden. Beim Leineufer bin ich sehr interessiert; denn hier kann Hannover alles richtig machen - oder alles falsch. Ich persönlich wär für eine Renaturierung der alten Leineinsel. Dazu werde ich an die Stadt auch noch etwas schreiben.

    Ach ja, das Schloss: Ich muss zugeben, ich bin hier grundsätzlich einfach für Rekonstruktion. Hannover hat hiermit nämlich immer Probleme (der Rat ist Rot und die SPD hat so seine Probleme mit der Monarchie). Die letzte Rekonstruktion war das Leibniz-Haus - in den 80ern. Aber in Dresden, Frankfurt, Potsdam sieht man, dass Rekonstruktionen auch vieles bewirken kann. Dort bewirkt es nicht das, was Du beschreibst mit dem BS-Schloss. Eigentlich sollte das eine Sogwirkung auslösen und nicht Folge-Investitionen nur für das Schloss binden. Ist das wirklich so?

    Braunschweig und Hannover täten Rekos glaub ich ganz gut, schließlich haben beide Städte eine weit größere Geschichte als manch einer denkt...

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    Eigentlich bist Du viel schlimmer? => Wolfsburger?

    Dvorak: Danke zunächst für Deine Antwort.:) Ich finde es interessant, dass sich auch Braunschweiger zu Hannover-Themen äußern. Eigentlich besteht ja eine tiefe "Feindschaft" zwischen beiden Städten, so dass man denken kann, Köln gegen Düsseldorf oder Frankfurt gegen Offenbach is Kindergeburtstag.

    Zum Bauhistorischen: da hast Du unbestritten Recht. Im Mittelalter haben wir in Hannover ja noch in Erdhöhlen gewohnt, während ihr schon Häuser hattet (überspitzt gesagt). Hildesheim war berühmt für sein Fachwerk und von Goslar brauchen wir gar nicht zu reden: das war lange Zeit die reichste Stadt Deutschlands. Erst im 17. Jahrhundert ging es auch an der Leine aufwärts.

    Heute: Hannover sei "langweilig" und "hässlich" - da kriegen wir hier in Hannover kein Jucken in der Hose. Natürlich findet jeder BS´ler Hannover häßlich, umgekehrt sind viele Auswärtige überrascht, wenn sie mal abseits der Innenstadt unterwegs sind.

    Ich selbst finde BS heute (leider sag ich) auch nicht mehr spannend - außer Karneval. Der Wiederaufbau war ja ebenfalls eine Katastrophe.

    Zum Schloss: Du siehst, unsere Geschmäcker sind sehr verschieden. Etwas anderes als ein Laves-Bau kann ich mir nicht vorstellen. Es ist aber zum Glück die Variante, die nicht wehtut. Gut, dass Du nicht die anderen Vorschläge der Architekten mitbekommen hast - der schiere Wahnsinn. Neulich wurde sogar der Holland-Pavillon vorgeschlagen (gut, wenn den keiner kennt). Neuschwanstein will hier keiner - das ist nicht Hannover. Wir sind Provinzhauptstadt und keine Mega-Metropole.

    Übrigens: Ich freue mich sogar für Euer Schloss! Du auch oder?

    Als Hannoveraner muss ich hier einmal folgendes klarstellen:

    1. der Entwurf von Jacobsen wurde zurecht von ganz Hannover abgelehnt. Wie man sehr schön in den Ausführungen des Architekten Friedrich Lindau - übrigens der einzig vernünftige in Hannover - nachlesen kann, mißachtet Jacobsen mit seinem Entwurf den Garten als ganzes, Proportionen, Höhenlinien stimmen überhaupt nicht überein. Der BDA ist übrigens auch zu dieser Erkenntnis gekommen.

    2. Nicht die Stadtväter haben Jacobsen geschätzt, sondern unser ehem. Stadtbaurat Hillebrecht. Dieser hatte die Reise nach Kopenhagen mit den Mitgliedern des Rates geschickt eingefädelt, um einen positiven Beschluss herbeizuführen (er war ja leider sehr geschickt in solchen Dingen).

    3. Ich empfehle jeden Hobby-Architekten mal den Entwurf des Dresdner Gewandhauses auf dem Neumarkt zu begutachten. Ein moderner Bau, der den historischen Ort völlig außer Acht läßt. Unter Protest wurde der Siegerentwurf jetzt wieder einkassiert. (Manchmal frage ich mich, was man im Studiengang Architektur überhaupt lernt).

    4. Hannover ist nicht häßlich, weil es solche "modernistischen" Bauwerke nicht baut, sondern wenn überhaupt, weil eine kleine Architekten-Elite auch unsere letzten Bauwerke, die den Krieg unbeschadet überstanden hatten, genommen haben (Flusswasserkunst, Garnisonskirche, Villa Willmer, .. )

    5. Gibt es überhaupt schöne moderne Bauten in Hannover? Der Gehry-Tower? Ach ja, der steht ja 5-fach in Düsseldorf rum. Wie originell...

    Zu guter letzt zum Schloß: ich erinnere an den Hausspruch von dem m.M. besten hannoverschen Architekten Conrad Wilhelm Hase, den sich die VW-Stiftung ans Schloss heften sollte:

    Ein jeder baut nach seiner Nase, Ich heiße Conrad Wilhelm Hase. Wer bauen will an off’ner Straßen, muss Neider und Narren tadeln lassen. Wer dieses Haus hier tadeln will, der stehe nur ein wenig still, und sage ohne Schmeichelei, ob wohl das seine besser sei. Und ob mein Haus Euch nicht gefällt, es kostet mein nicht Euer Geld.

    Gruß an mein Braunschweig!