Beiträge von gardelon

    Ich weiß nicht, muss es denn wirklich sein, dass man nach mehreren Jahrzehnten in einem demokratischen Staat wieder Standbilder für Leute aufstellt, deren Qualifikation darin bestand, besonders effizient besonders viele Menschen ermorden zu können?
    Ich fordere ja nicht den Abriss bestehender Denkmäler - aber die Neu- oder Wiedererrichtung von Standbildern für Massenmörder halte ich für einen politisch bedenklichen Akt, dessen Bedeutung mir hier in der allgemeinen Euphorie ein wenig zu kurz zu kommen scheint.

    Das Fassadenmuster sieht mE überraschend gut aus, ich hatte Schlimmeres erwartet. Sollen denn beide Farbtöne eingesetzt werden, oder handelt es sich hier um zwei Alternativen? Wenn zweiteres der Fall sein sollte, würde ich dem rechten, bläulichgrauen Muster klar den Vorzug geben, damit würde der Bau eine individuelle Note haben, die ihn von den Platten der Umgebung stärker abheben würde.

    Das halte ich für ein Gerücht - ich habe in allen Werken über den dreißigjährigen Krieg von einem Bevölkerungsschwund von etwa 30-50% gelesen. 30% Bevölkerungsrückgang in den nächsten 50 Jahren wären auch jetzt durchaus möglich - einige Prognosen gehen davon aus, dass die Bevölkerungszahl Deutschlands gegen Mitte des 21. Jahrhunderts die 60-Millionen-Marke unterschreiten könnte, und aufgrund der ungünstigen Altersverteilung ist eigentlich keine Grenze zu erkennen, ab wann sich die Entwicklung wieder umkehren könnte. Aber wir schweifen in der Tat ab...

    Oh Graus, der zweite Entwurf sieht wirklich fies aus, da werden Reminiszenzen an den Münchener ZOB wach...
    Insgesamt begeistert mich das HH nicht unbedingt, ich kann mit diesem Tetris-Design Marke Arnulfpark wenig anfangen. Andererseits könnte es bei ansprechender farblicher Gestaltung einen interessanten Kontrast zu den beiden nahe gelegenen grauen HHs bilden, wird vielleicht ein reizvoller Mini-Cluster, auch wenn etwas mehr Höhe für mehr Spannung gesorgt hätte - drei in einer Reihe aufgestellte HHs mit nahezu identischer Höhe wirken doch etwas langweilig.

    Dieses Konzentrat neureicher Protzarchitektur erhält von mir den Award des geschmacklosesten Gebäudes des Jahres: Peinlicher Kitsch, Urbanität gleich null (Wer wie ich monatelang jeden Tag dieses klinisch tote Areal durchqueren musste, weiß, wovon ich rede), ein Meilenstein auf dem weiteren Weg zur sozialen Ghettobildung in München. Und der pseudo-elegante Brunnen setzt dem Ganzen noch die Krone auf.

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    und auch die Einwohnerzahl wird denke ich mal noch irgendwann die 4 Mio. Marke knacken

    In einem Land, das in den nächsten Jahren und Jahrzehnten den dramatischsten Bevölkerungsrückgang seit dem dreißigjährigen Krieg erleben wird, halte ich das für eine höchst abenteuerliche Prognose - wie kommst du darauf? Außer vielleicht in München sind zu unseren Lebzeiten mE in keiner deutschen Stadt nennenswerte Bevölkerungszuwächse drin, die meisten können froh sein, wenn sie in den nächsten 50 Jahren nicht um ein Fünftel bis ein Viertel schrumpfen.

    Aber zurück zum Leipziger Platz: Ich kann Batos Einstellung nicht so recht nachvollziehen. Für mich ist dieses Areal so ziemlich die störendste und auffälligste Brachfläche der gesamten Innenstadt. Alles (Naja, wenn ich mir Meininger und Co ansehe: Fast alles...) wäre besser als diese gigantische, versiffte Lücke in einer der prominentesten Lagen der Stadt. Diese Stelle zu erschließen ist eines der dringendsten Probleme der Berliner Stadtplanung, diese Brache ruiniert den Charakter des ganzen Quartiers.

    Mir fehlt gerade die Zeit und Lust dazu diverse Seiten zurück zu blättern. Auf welchen Beitrag von mir beziehst du dich eigentlich oder meinst du den vorvorigen Beitrag von Backstein?
    Bato

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    natürlich ist mir bekannt, daß es sich um einen barocken grundriß handelt und daß dies natürlich etwas völlig anderes ist, als die anlage von new york oder chikago. jedoch wende ich ein: wollte man den barocken zustand, dürfte kein haus höher als zwei stockwerke sein und müßte ein walmdach haben.

    Repräsentative Barockbauten konnten schon gut und gerne fünf oder sechs Stockwerke haben. Außerdem ist der barocke Rastergrundriss der Friedrichsstadt für den Hochhausbau eigentlich geradezu perfekt geeignet - Berlin hat in diesem Bereich einen ähnlichen Stadtgrundriss wie Manhattan. In einem irregulären, mittelalterlichen Altstadtareal, wie Berlin es einst rund um die Fischerinsel gehabt hat, wäre ein Hochhausbau stadtplanerisch schon wesentlich bedenklicher.

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    Ich erhebe alles andere als einen Anspruch auf Richtigkeit, aber wenn ich mir die Überlegungen, die öffentlich von diversen Firmen und Regierungsbehörden in den USA zum Thema "lunar-mining", "asteroid-mining" , und "space-manufacturing" angestellt werden ansehe, dann denke ich, wird das in absehbarer Zeit garantiet ein Thema.

    Das klingt, als stünden Minenbetriebe auf anderen Planeten und auf Asteroiden unmittelbar bevor - dem ist aber nicht so. Zur Zeit können wir froh sein, wenn wir es bis Mitte der 20er Jahre schaffen sollten, wieder eine popelige Mondmission nach Apollo-Muster auf die Beine zu stellen. Fakt ist, dass wir dazu momentan technisch gar nicht in der Lage sind, wir müssen in der bemannten Raumfahrt das technische Niveau von 1969 erst wieder mühsam zurückgewinnen.
    "Asteroid-mining" und Ähnliches sind SciFi-Spekulationen, die von der technischen Realisierbarkeit momentan etwa soweit entfernt sind wie eine mittelalterliche Kleinmanufaktur von einer modernen, roboterbetriebenen Autofabrik.

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    Und damit dann auch die Stadt bzw. Siedlung im Weltraum.

    Selbst wenn das technisch möglich wäre (Wovon wir eher Jahrhunderte als Jahrzehnte entfernt sind): Warum sollte man eine Stadt im Weltraum bauen? Wieso sollte ich zu gigantischen Kosten unter unendlicher Mühe eine Stadt in einer hochgefährlichen, zutiefst lebensfeindlichen und völlig isolierten Umgebung bauen, wenn ich auf der Erde eine hundertmal lebenswertere Stadt zu einem Zehntausendstel der Kosten bauen könnte? Mal ganz abgesehen davon, dass wahrscheinlich niemand in so einer Stadt würde leben wollen - um z.B. in einer Stadt auf dem Mond überleben zu können, müsste man sein ganzes Leben in einer staubtrockenen Steinwüste, in lichtlosen, festungsartigen Bunkern unter der Erde (Mikrometeoriten! Auf der Erde verglühen gut 99% aller Meteoriten in der Erdatmosphäre, bevor sie die Oberfläche erreichen, der Mond dagegen hat nahezu keine Atmosphäre, sodass auch kleine und mittlere Meteoriten völlig ungehindert auf der Oberfläche aufschlagen. Somit sind kleinere Meteoriteneinschläge dort einige hundert mal häufiger als auf der Erde und würden für eine oberirdisch gebaute Stadt eine immense Gefahr darstellen) verbringen, in ständiger panischer Angst, dass die Sauerstoffversorgung einmal defekt sein oder die Nachschublieferungen von der Erde ausbleiben könnten. Warum sollte man so etwas bauen?

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    Was ist, wenn in 30 Jahren fast alle Dummyarbeit von Robotern uebernommen wird? Was ist, wenn fuer den Menschen dann nur noch intelligente Arbeit uebrigbleibt, zu Arbeitszeiten, welche einem sehr viel Freizeit gewaehren? Und viel Freizeit bedeutet zumindest zB bei den Palaestinenser auch viele Kinder.

    Komisch, dass die Geburtenraten heute dann gut fünfmal niedriger sind als gegen Mitte des 19. Jahrhunderts, als die tägliche Arbeitszeit eines Arbeiters etwa fünf, sechs Stunden höher lag als heute.
    Wieviele Kinder in einer Gesellschaft geboren werden, hängt in der Hauptsache davon ab, wie wohlhabend und gebildet sie ist. Je höher Wohlstands- und Bildungsniveau eines Menschen sind, desto später und desto weniger Kinder wird er im Schnitt zeugen. Wahrscheinlich müsste man für eine nennenswerte Steigerung der Geburtenrate schon unser Zivilisationsniveau um einige Jahrhunderte in die Vergangenheit katapultieren und die Bevölkerung künstlich verarmen lassen - was ich nicht gerade für erstrebenswert hielte.
    Sowieso wünsche ich mir gar keine höheren Geburtenraten. Ich finde es hundertmal angenehmer, in einer friedlichen, ruhigen, stabilen und saturierten Gesellschaft wie der vergreisenden europäischen zu leben anstatt in einer hochaggressiven, instabilen, expansionshungrigen Gesellschaft, wie man sie in geburtenstarken Regionen immer antrifft. Vielleicht kennst du die unter Soziologen mittlerweile weit verbreitete youth bulge-These: Je höher der Anteil an jungen Männern in einer Gesellschaft ist, desto brutaler, krimineller, aggressiver, militaristischer und anfälliger für autoritäre Herrschaftsformen wird sie sein. Der enorme Überschuss an jungen Männern, die voller Energie und Tatendrang stecken, mit denen die Gesellschaft aber nichts anfangen kann, gilt inzwischen oft als die Hauptursache des wiedererstarkenden Islamismus im Nahen Osten. Als die europäische Gesellschaft vor rund 100 Jahren eine ähnliche demographische Struktur aufwies, entledigten wir uns 1914 unseres Männerüberschusses im Ersten Weltkrieg (Da in jedem Jahrgang etwa 5% mehr Männer als Frauen geboren werden, bedeuten hohe Geburtenraten nicht nur, dass generell viele junge Männer mit hohem Aggressionspotential geboren werden, sondern auch, dass man sich Heerscharen von Männern züchtet, die schon rein rechnerisch niemals eine Familie werden gründen können - wunderbarer sozialer Sprengstoff).

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    Wo war Europa vor 100-150 Jahren?

    Europa übte vor 100-150 Jahren die absolute Dominanz über nahezu den gesamten Planeten aus. Um 1900 wurde fast die gesamte Menschheit von Europäern oder Europäischstämmigen beherrscht. Verglichen mit dieser Zeit ist Europa heute geopolitisch unbedeutend.
    Es geht mir ja nicht darum, den absoluten, sondern darum, den relativen Entwicklungsstand einer Region zu prognostizieren. Dass die mit riesigem Abstand ärmste, unterentwickeltste, instabilste und zerrüttetste Region der Erde innerhalb von 100 Jahren die reichsten, fortschrittlichsten und stabilsten Regionen der Erde einholen sollte, scheint mir äußerst unwahrscheinlich.

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    Deshalb sagt der lange Zeitraum von ~40 Jahren seit damals nicht wirklich was aus, wo die Raumfahrt in 40 Jahren sein wird.

    Was aber sehr wohl Prognosen zulässt, ist die Tatsache, dass die (bemannte) Raumfahrt keine Projekte ermöglicht, die kurz- bis mittelfristig irgendwie sinnvoll oder rentabel wären. Bisher hat die gesamte bemannte Raumfahrt keinerlei nützliche Ergebnisse geliefert, es ist eine pure technische Spielerei, die nur von Staaten finanziert werden kann, weil man mit ihr nichts verdienen kann. Der touristische Aspekt hat vielleicht ein wenig Zukunft, ansonsten gibt es im Weltraum nichts zu holen. Alle Projekte zur Rohstoffförderung und Ähnlichem im Weltall wären dermaßen teuer und kompliziert, dass selbst die größten und reichsten Privatunternehmn mit ihrem gesamten Vermögen und einem Zeitaufwand von Jahrzehnten nicht in der Lage wären, auch nur die nötigsten wissenschaftlichen Vorarbeiten dafür zu finanzieren.

    Wie stellt ihr euch denn eigentlich die Rohstoffförderung im Weltraum vor? In der Raumfahrt hat es seit 40 Jahren praktisch keine Fortschritte mehr gegeben. Wir sind noch nicht einmal in der Lage, eine winzige Raumfähre mit zwei Astronauten zu unserem Nachbarplaneten Mars zu schicken - mit viel Glück und gigantischem Kostenaufwand können wir diese Spielerei vielleicht in 20-30 Jahren realisieren. Wenn es jemals möglich sein wird, extraterrestrische Rohstoffe in nennenswertem Ausmaß zu fördern, dann vielleicht in 500-1000 Jahren, wenn überhaupt.
    Was das Bevölkerungswachstum angeht: In Europa, Russland und Japan tut sich da gar nichts mehr, wir werden jetzt eine konstante bis leicht schrumpfende Bevölkerung halten, die USA wachsen ebenfalls in der Hauptsache nur noch durch die hohen Raten illegaler Einwanderer sowie deren hohe Geburtenraten, und China wird seinen Bevölkerungszenit auch in wenigen Jahren überschreiten und dann noch viel heftigere demographische Probleme als Europa haben: Nämlich nicht nur eine schrumpfende, vergreisende Gesellschaft, sondern auch noch einen gigantischen Männerüberschuss - schlimmeren sozialen Sprengstoff kann es kaum geben. In Indien, wo massenhaft weibliche Föten abgetrieben werden, sieht die Entwicklung ähnlich aus: Die Geburtenraten sinken drastisch, und die Kinder, die geboren werden, sind in der großen Mehrzahl männlich. Und Afrika ist nicht nur immer noch sehr dünn besiedelt, sondern auch entwicklungstechnisch dermaßen weit zurück, dass man dort in den nächsten 100-150 Jahren wohl kaum einen auch nur annähernd mit dem heutigen Westen vergleichbaren Lebensstandard erwarten kann. Im Gegenteil, die große Verbreitung von AIDS sowie die zunehmende Desertifikation werden die Situation Afrikas eher noch weiter verschlimmern.
    Momentan sehe ich eigentlich nirgends auf der Welt echtes Potential für ein nennenswertes Bevölkerungswachstum in gesunden, verträglichen Bahnen.

    Ich frage mich, was die Planer eigentlich glauben, wo der Bedarf für gigantische Stadterweiterungen herkommen soll? Die meisten westlichen Metropolen haben ihre Einwohnerzahlen seit 60 Jahren mehr oder weniger konstant gehalten, und in Zukunft werden sie eher schrumpfen als wachsen. Die westlichen Städte der Zukunft werden wahrscheinlich immer weniger, nicht immer mehr Einwohner haben. Den Zenit der Bevölkerungszahlen haben wir in Europa schon definitiv hinter uns, und in den USA wird es auch nicht mehr lange dauern, bis dieser Punkt erreicht ist.
    Man darf wohl auch nicht den Fehler machen, sich in seinen Zukunftsvisionen allzu drastische Veränderungen vorzustellen. Der eigentliche Stadtkern der meisten westlichen Metropolen sieht heute auch nicht fundamental anders aus als vor 50 Jahren. Sicher, alte Gebäude werden abgerissen, neue gebaut, einiges saniert und umgebaut, usw. Aber ein Zeitreisender des Jahres 1957 würde in einer heutigen Stadt keinen wirklichen Kulturschock erleiden, er würde nichts sehen, was ihm gänzlich unbekannt und unvorstellbar gewesen wäre.