Welche Auflagen seitens der Stadt denn, Mikesch? Dafür gibt es keine Grundlage. Solche kann es nicht gegeben haben, solche hat es nicht gegeben. Bauen möchte hier die Immobilieninvestment-Sparte eines Versicherungsunternehmens. Deren Claim lautet auf gut deutsch "Creating Value". Es geht also um Rendite! Schock! Um den vorhersehbar folgenden Einwand, der größte Wert sei ein herausragendes Gebäude, vorweg zu nehmen: Das Kichern über diese Aussage könnte man vom Münchner Unternehmenssitz bis zum Frankfurter Opernplatz hören.
Der Ansatz muss doch ein anderer sein. Die Stadt fordert bei städtebaulich bedeutenden Bauprojekten einen Architektenwettbewerb. Das ist zweifellos richtig. Diesen gibt es dann auch immer, auch wenn es meines Wissens keinen Anspruch darauf gibt. Herr dieses Verfahrens ist der Bauherr. Was daraus folgt, ergibt sich u. a. aus der oben verlinkten Pressemitteilung der Allianz: "Gleichzeitig mussten die Entwürfe die für eine Kapitalanlage erforderliche Wirtschaftlichkeit und die Nachhaltigkeit eines Bürogebäudes berücksichtigen". Aha.
Vereinfacht ausgedrückt, ohne zu sehr ins Detail gehen zu wollen, dafür ist hier nicht der richtige Ort, sitzen im Preisgericht: a) Architekten, b) Vertreter des Bauherrn und c) Vertreter der Stadt. Den Vorsitz hatte hier Prof. Zvonko Turkali, ein Frankfurter Architekt, von 2009 bis 2012 war er Landesvorsitzender des BDA Hessen. Was die Fraktion b) wünscht, liegt auf der Hand: Ein kostengünstiges und möglichst gut vermarktbares Produkt, pflegeleicht, mit geringen Unterhaltskosten. Verständlich. Doch es sitzen ja auch die Fraktionen a) und c) mit am Tisch. Was genau bewirken diese denn? Erfreuen die sich vor allem an guten belegten Brötchen? Oder ist die ganze Veranstaltung womöglich nur Folklore? Diese Fragen werden umso drängender, wenn man aus dem Planungsdezernat vernimmt, wie diese beiden überaus einfältigen Investorenkisten über den grünen Klee gelobt werden. Dabei hat der Kaiser doch gar keine Kleider an.