Kulturdenkmale im Freistaat Sachsen -
Denkmaldokument
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Beethovenstraße 8
Leipzig * 764o
Kurzcharakteristik
Bauwerksname Sog. Roßbach-Palais
Mietshaus in geschlossener Bebauung und in Ecklage; viergeschossiges repräsentatives Gebäude im Stil
des Historismus, die Lage des Hauses gegenüber der Universitätsbibliothek verpflichtete zu einem hohen
Maß an städtebaulicher Einfügung und Repräsentanz, Betonung der Ecklage durch breite abgeschrägte
Hauptfront mit Säulenportal, Balkons, Ecktürmchen und turmartigem Dach, Hausflur und Treppenhaus mit
reicher Ausstattung, die weiße Verblendziegelfassade an der Eckfront fast völlig vom Reichtum der
Sandsteingliederungen und Zierformen überdeckt, Architekt: Arwed Roßbach, erbaut für den Bildhauer und
Stukkateur Louis Heydrich, baugeschichtlich, kunstgeschichtlich und ortsgeschichtlich von Bedeutung
Denkmaltext
Nach Plänen von Arwed Roßbach ließ der Bildhauer und Stukkateur Louis Heydrich 1892-1893
das Eckhaus zur Grassi- Straße erbauen. Die Lage des Hauses gegenüber der 1891 voll- endeten
Roßbach'schen Universitätsbibliothek und dem Konzerthaus verpflichtete zu einem hohen Maß an
städtebau- licher Einfügung und Repräsentanz. Insbesondere die zum Konzerthaus weisende
"verbrochene Ecke", die nach den Bauvorschriften für dieses Gebiet 13,77 m breit sein mußte, bot
sich als platzdominierender "point de vue" an. Die Seitenflügel treten dagegen deutlich zurück.
Zwischen ihnen und der Eckfront vermitteln polygonale Erker; ein gequadertes Sockelgeschoß mit
gleichmäßig gereihten Rundbogenfenstern faßt den Bau horizontal zusammen. Während die
Seitenteile durch ein verputztes Obergeschoß über starkem Gurtgesims horizontal betont sind,
dominiert an der Eckfront die Vertikale: Die aus kannelierten Halbsäulen aufsteigenden Eckerker
und die Mittelbalkons über den Säulen des Eingangsvorbaus, deren Vertikalbewegung im 2.
Geschoß durch Karyadtiden weitergetragen wird, kulminieren im Dachaufbau über der hohen
Attika. Hier befindet sich über einer von Putten getragenen Wappenkartusche das Monogramm des
Bauherrn. Die (baupolizeilich wegen der Angleichung an die benachbarte Gewerbeschule
vorgeschriebene) gelbe Verblendziegelfassade ist an der Eckfront fast völlig vom Reichtum der
Sandsteingliederungen und Zierformen überdeckt. Im Gegensatz zur Neorenaissance- Fassade der
Universitätsbibliothek und den strengeren, der Schinkel-Schule verpflichteten Formen des
Konzerthauses von 1884 zeigt diese malerische Eckfront ein freies Umgehen mit Formen der
deutschen, französischen und niederländischen Renaissance, gemischt mit barocken Elementen. Sie
stellt einen architektonischen Höhepunkt dieses Gebietes dar. Das Innere des großbürgerlichen
Hauses entsprach diesem Anspruch: Von einem breiten, reich dekoriertem Vorflur und dem ovalen
Treppenhaus ausgehend, wurde je eine ca. 500 qm große Wohnung erschlossen. Die Ecke nahm ein
42 qm großer Salon ein. Für das Erdgeschoß befanden sich Küche und Wirtschaftsräume im
Souterrain, das an jeder Straßenfront einen Separateingang besaß. Um die Jahrhundertwende
wohnten hier der Musikverleger W.F.A. Siegel (Kistner und Siegel), der Verleger und
Druckereibesitzer R. Heinrich Brockhaus sowie Rechtsanwälte des Reichsgerichts und Musiker des
nahen Gewandhauses.
Datierung 1892-1893 (Mietshaus)
Ausweisungsstelle Landesamt für Denkmalpflege Sachsen
Creative Commons-Lizenz CC-BY-NC-ND