Krupp & Essen (1) Friedrich Krupp
Die Entwicklung der Stadt Essen wurde von der Familie und Fabrik Krupp maßgeblich mitgeprägt. Aus der Gussstahlfabrik von Friedrich Krupp wurde ein Industrie-Imperium und aus der ländlichen Kleinstadt Essen eine Großstadt.
Friedrich Krupp, der Firmengründer 
[size=-2]Bild: Historische Ausstellung Krupp, Villa Hügel[/size]
Geburtshaus von Friedrich und Alfred Krupp am Flachsmarkt
Als Stammvater der Familie Krupp in Essen gilt der holländische Religionsflüchtling Arndt Kruipe (gestorben 1624). Seine Nachfahren gehörten zur städtischen Oberschicht, sie waren Ratsherren und erfolgreiche Kaufleute. Am Flachsmarkt Nr. 9 befand sich das Stadthaus der Familie Krupp, es war das Geburtshaus von Friedrich Krupp (1787-1826) und Alfred Krupp (1812-1887). Alfred Krupp wurde zunächst gemeinsam mit den Kindern des Essener Industriepioniers Franz Dinnendahl (1775-1826) von dessen Privatlehrer unterrichtet, später besuchte er das Essener Gymnasium.

[size=-2]Plan der Essener Innenstadt von 1823[/size]
[size=-2]Bild: Stadt Essen, Amt für Geoinformation, Vermessung und Kataster[/size]

[size=-2]Geburtshaus von Friedrich und Alfred Krupp (Aufnahme ca. 1850-1880)[/size]
[size=-2]Bild: Historische Ausstellung Krupp, Villa Hügel[/size]

[size=-2]Ecke Flachsmarkt – Limbecker Straße im Jahr 2009. Der Schatten der Marktkirche ist auf dem Gebäude zu erkennen. In der Marktkirche wurde der Großvater von Friedrich Krupp, der Kaufmann Friedrich Jodocus Krupp (1709-1757), bestattet.[/size]
[size=-2]Bild: Fabio, Januar 2009[/size]
1812-1839 Walkmühle in Altenessen
- Walkmühle – Straße in Essen-Vogelheim
- [url=http://maps.google.de/maps?ie=UTF8&h…5,0.003093&z=19]Lage der Walkmühle bei Google Maps[/url]
Helene Amalie Krupp (1732-1810) hatte aus der Kolonialwarenhandlung ihres verstorbenen Mannes diverse Unternehmen aufgebaut. Mit ihrem Tod erbte ihr Enkel Friedrich Krupp einen Teil des zur damaligen Zeit beachtlichen Familienvermögens. Als durch die Kontinentalsperre Napoleons gegen England (1806-1813) kein englischer Gussstahl mehr auf das europäische Festland geliefert werden konnte, gründete Friedrich Krupp am 20. November 1811 die „Firma Friedrich Krupp zur Verfertigung des Englischen Gussstahls und aller daraus resultierenden Fabrikationen“. Mit dem Startkapital aus dem Familienerbe wurde zunächst eine Werkstatt im Weberviertel errichtet.
Die ehemalige Walkmühle an der Berne in Altenessen wurde ursprünglich zur Tuchproduktion genutzt. 1797 kaufte Amalie Krupp sie der Stadt ab. Dort legte Friedrich Krupp 1812 eine Stahlschmelze mit Hammerwerk an. Die Walkmühle war somit die erste Produktionsstätte und damit Keimzelle der Kruppschen Gussstahlfabrik, sie blieb bis 1839 Kruppscher Besitz.

[size=-2]Die Walkmühle in Essen-Altenessen (heute Vogelheim) 1812/13[/size]
[size=-2]Bild: Postkarte von 1912 zur Kruppschen Hundertjahrfeier [/size]
Zu seinem Unglück machte Friedrich Krupp die Brüder Georg Karl Gottfried und Wilhelm Georg Ludwig von Kechel zu seinen Teilhabern. Sie gaben vor, das Geheimnis der Engländer zur Gussstahlherstellung zu kennen, hatten aber bereits eine Schmiede in der Eifel in den Ruin geführt. Nachdem 1814 das Erbe nahezu aufgebraucht war, trennte sich Friedrich Krupp von seinen beiden Teilhabern. Durch Vermittlung von Franz Dinnendahl wurde 1815 Friedrich Nicolai zu seinem Teilhaber, da Nicolai ein preußisches Patent auf die Herstellung von Gussstahl besaß. Dennoch konnte auch Nicolai Gussstahl nicht in größerem Umfang herstellen, so dass sich Friedrich Krupp 1816 wieder von ihm trennte und Alleininhaber wurde. Im gleichen Jahr war er zum ersten Mal in der Lage englischen Gussstahl herzustellen. Er entwickelte ein Verfahren für die Herstellung von hochwertigem Tiegelstahl, den er zu Stangen, Gerberwerkzeugen, Münzstempeln und Walzenrohlingen verarbeitete. Die gute Qualität seines Gussstahls wurde 1817 von der [url=http://www.duesseldorfer-muenzfreunde.de/104,0,duesseld…2b6e5cb1f2f2224]Düsseldorfer Münze[/url] für Krupps Münzstempel ausgezeichnet. Friedrich Krupp wies seinen Sohn Alfred in das Geheimnis der Gussstahlherstellung ein und es wurde mit der Düsseldorfer Münze abgemacht, dass Alfred dort seine Lehre machen konnte.

[size=-2]Die Straßenbezeichnung „An der Walkmühle“ erinnert an die Keimzelle der Firma Krupp.[/size]
[size=-2]Bild: Fabio, Oktober 2008 [/size]

[size=-2]Die Brücke führt über die Berne zum historischen Ort der ehemaligen Walkmühle.[/size]
[size=-2]Bild: Fabio, Oktober 2008 [/size]

[size=-2]Seit Jahren dient die mit Sohlschalen ausgekleidete Berne als offene Leitung für Oberflächenwasser und Abwasser.
Im Ruhrgebiet bezeichnet man solch einen umfunktionierten Bach als Köttelbecke.
Im Rahmen des Emscherumbaus (Wege zum Wasser) soll die Abwasserleitung kanalisiert und die Berne renaturiert werden.[/size]
[size=-2]Bild: Fabio, Oktober 2008 [/size]

[size=-2]Ein Gedenkstein erinnert an den historischen Ort der ersten Kruppschen Produktionsstätte.
Leider ist die Inschrift vor lauter Schmierereien kaum lesbar.[/size]
[size=-2]Bild: Fabio, Oktober 2008 [/size]

[size=-2]Inschrift:
FRIEDRICH KRUPP
ERBAUTE HIER
IN DER WALKMÜHLE
SEINEN ERSTEN
RECKHAMMER
IM JAHRE 1812
Mit dem Hammerwerk wurde aus Roheisen Stahl in Form von Stangen gewonnen.[/size]
[size=-2]Bild: Fabio, Oktober 2008 [/size]
1819-1944, 1961 Stammhaus Krupp
Viele glauben das Stammhaus sei das Geburtshaus von Alfred Krupp, es wurde aber niemand von der Familie Krupp hier geboren. Es war die Notunterkunft der Eltern von Alfred Krupp, als die Firma am Rande des Ruins stand.
- Stammhaus Krupp - Historische Galerie
- Stammhaus Krupp - Wikipedia
- Stammhaus Krupp – Route Industriekultur
Die Produktionsstätte an der Walkmühle hatte Nachteile. Die Verkehrsverbindungen waren schlecht, die Walkmühle lag damals 1 Stunde von der Essener Altstadt entfernt. Die Berne führte unregelmäßig viel Wasser, der Transport der Kohle für die Schmelzhütte war teuer und der Besitz konnte nicht erweitert werden. 1818-1819 vergrößerte Friedrich Krupp die Fabrikation und verlegte seine Schmelzhütte von der Walkmühle in Altenessen auf das Familiengrundstück an der Altendorfer Chaussee vor dem Limbecker Tor. Das neue Werk nahm am 18. Oktober 1819 den Betrieb auf. Die Kohle für die Schmelzöfen konnte dort direkt von der Zeche Sälzer-Neuack in unmittelbarer Nähe bezogen werden. Die Zeche Sälzer-Neuack war die erste Zeche in Essen, die dank der Dampfmaschine von Franz Dinnendahl im Tiefbau arbeitete.

[size=-2]Kruppsche Gusstahlfabrik im Jahr 1819
Das Aufseherhaus links wurde zum Kruppschen Stammhaus[/size]
[size=-2]Bild: Postkarte von 1912 zur Kruppschen Hundertjahrfeier[/size]
Durch den Neubau war Friedrich Krupp hoch verschuldet und das Familienvermögen war aufgezehrt. 1824 wurde das Stadthaus der Familie Krupp am Flachsmarkt verkauft. Friedrich und Therese Krupp zogen mit ihren 4 Kindern Ida (1809-1882), Alfred (1812-1887), Hermann (1814-1879) und Friedrich (1820-1901) in das Aufseherhaus an der Altendorfer Chaussee.
1826 starb Friedrich Krupp im Alter von nur 39 Jahren. Er wurde vom Aufseherhaus aus zu Grabe getragen, Jahre später ebenso sein Sohn Alfred Krupp (1812-1887) und sein Enkel Fritz (Friedrich Alfred) Krupp (1854-1902).
Friedrich Krupp wurde auf dem evangelischen Friedhof an der Weberstraße beigesetzt. Das Grab existiert heute nicht mehr, der Friedhof ging bei der Umgestaltung des Weberviertels verloren. Auf einem Teil des alten Friedhofs befindet sich der heutige Weberplatz.
Beim Tod von Friedrich Krupp war die Firma mit 10.000 Talern verschuldet. Alfred Krupp brachte die Fabrik seines Vaters wieder auf Trab und kaufte 1848 die Gussstahlfabrik für 40000 Taler von seiner Mutter Therese (1790-1850) ab und wurde Alleininhaber. Anlässlich des 25jährigen Jubiläums seiner Besitzübernahme im Jahre 1873 ließ er das Aufseherhaus als Stammhaus herrichten und im Werk unter Denkmalschutz stellen.

[size=-2]Bild: Postkarte[/size]
„Vor fünfzig Jahren war diese ursprüngliche Arbeiterwohnung die Zuflucht meiner Eltern. Möchte jedem unserer Arbeiter der Kummer fern bleiben, den die Gründung dieser Fabrik über uns verhängte. 25 Jahre lang blieb der Erfolg zweifelhaft, der seitdem allmählich die Entbehrungen, Anstrengungen, Zuversicht und Beharrlichkeit der Vergangenheit endlich so wunderbar belohnt hat. Möge dieses Beispiel Andere in Bedrängniß ermuthigen, möge es die Achtung Vor kleinen Häusern und das Mitgefühl für die oft großen Sorgen darin vermehren.
Der Zweck der Arbeit soll das Gemeinwohl sein,
dann bringt Arbeit Segen, dann ist Arbeit Gebet.
Möge in unserem Verbande Jeder vom Höchsten zum Geringsten mit gleicher Ueberzeugung sein häusliches Glück dankbar und bescheiden zu begründen und zu befestigen streben; dann ist mein höchster Wunsch erfüllt.
Essen, Februar 1873. Alfred Krupp.
25 Jahre nach meiner Besitzübernahme.“
[size=-2]Text: PDF digitalis.uni-koeln [/size]

[size=-2]1900: Stammhaus vor dem Schmelzbau[/size]
[size=-2]Bild: http://www.krupp-guertel.essen.de/Ansichtssachen…undertwende.aspHistorisches Archiv Krupp[/size]

[size=-2]1908: Stammhaus mit der Baugrube für das Turmhaus[/size]
[size=-2]Bild: Krupp-Guertel_historisch.pdf[/size]

[size=-2]um 1912: Stammhaus, links der Schmelzbau, Rechts das Turmhaus[/size]
[size=-2]Bild: Postkarte[/size]

[size=-2] Modell der Uni-Bochum: Stammhaus und Turmhaus im Jahr 1912 [/size]
[size=-2]Bild: Turmhaus-Video ruhrzeiten[/size]
Das Stammhaus Krupp wurde während des Zweiten Weltkrieges durch Fliegerbomben im Oktober 1944 zerstört.

[size=-2]1945: Das Turmhaus und die Hauptverwaltungen nach Ende des Zweiten Weltkrieges,
links der Schmelzbau, vor dem sich das Stammhaus befand.
Die Hauptverwaltung von 1938 steht heute noch, von dort haben Alfried Krupp von Bohlen und Halbach und Berthold Beitz die Firma geleitet.[/size]
[size=-2]Bild: Royal Air Force, Flickr Fotoseite, gordonr (Creative Commons Lizenz, Keine kommerzielle Nutzung)[/size]
[size=-2]GIF-Animation: Fabio[/size]
Alfried Krupp von Bohlen und Halbach ließ das Stammhaus zum 150jährigen Firmenjubiläum im Jahr 1961 detailgetreu wieder aufbauen.

[size=-2]1961: Alfried Krupp von Bohlen und Halbach hält seine Festrede vor der Stammhaus-Nachbildung in der Traglufthalle, in der ersten Reihe sitzt Theodor Heuss. [/size]
[size=-2]Bild: Historische Ausstellung Krupp, Villa Hügel[/size]
Die folgende GIF-Animation zeigt einen Planausschnitt der Gussstahlfabrik von 1912 mit der Lage des Stammhauses von 1819 sowie ein Luftbild der aktuellen Situation mit dem Stammhaus-Nachbildung von 1961.
Das Turmhaus wurde von 1908 bis 1910 für die Hundertjahrfeier als Sitz der Kruppschen Hauptverwaltung erbaut und 1976 abgerissen. 2005 wurden die Kellerfundamente des Turmhauses im Zusammenhang mit dem Bau der Essener Porsche-Niederlassung freigelegt. Die alte Hauptverwaltung von 1874 wurde 2005 abgerissen (Bilder vom Abriss).

[size=-2]Plan 1912: 2007_Diplomarbeit_Kristina_Bruland.pdf, Seite 30,
Grundriss Trumhaus: Hochschule Bochum
GIF-Animation: Fabio[/size]
In der Spatenstich-Rede von Dr. Ekkehard Schulz vom 17.06.2007 ist von einer 100 m Lage-Differenz zwischen dem Original-Stammhaus und der Stammhaus-Nachbildung die Rede, es sind nach dem Plan von 1912 nur ca. 40 m Differenz. Die Nachbildung wurde außerdem um ca. 90 Grad gedreht, vielleicht aus optischen Gründen, da das Stammhaus die Kulisse für die 150-Jahrfeier in einer Traglufthalle direkt neben dem Turmhaus bildete.
Bei einem Vergleich von alten Bildern des Stammhauses mit der heutigen Situation ist also immer die unterschiedliche Drehung des Stammhauses zu berücksichtigen. In der nachfolgenden GIF-Animation erkennt man die unterschiedliche Ausrichtung der Giebel zwischen Original und Nachbildung, beide Aufnahmen wurden aus westlicher Richtung gemacht.

[size=-2]Blick vom Kreuzgebäude nach Osten in Richtung Innenstadt im Jahr 2007, im Vordergrund die Baugrube der künftigen ThyssenKrupp Academy.
Aus diesem Blickwinkel betrachtet befand sich das Original-Stammhaus rechts vom heutigen Stammhaus. [/size]
[size=-2]Großes Bild: Jupp 2007, Aufnahme vom Dach des Kreuzgebäudes
Kleines Bild: Postkarte um 1912
GIF-Animation: Fabio[/size]

[size=-2]Das heutige Stammhaus ist eine Nachbildung aus dem Jahr 1961.[/size]
[size=-2]Bild: Fabio, Juli 2008[/size]

[size=-2]1902: Stammhaus und Tiegelgussdenkmal [/size]
[size=-2]Bild: Fabio, Juli 2008[/size]









































































































































































