Beiträge von dj tinitus

    tja, da kannst du mal sehen, was ohne böse, böse "gentrifizierung" passiert: dann hauen gutverdiener eben in städte ab, wo ihnen besseres geboten wird.

    wobei ich es für quatsch halte, dass es in halle zu wenige wohnungen "mit gehobener ausstattung" gibt. es steht ja auch in dem artikel, dass in halle nicht mit mietsteigerungen gerechnet wird. das führt die ganze mangel-argumentation doch ziemlich ad absurdum.

    wer von halle nach leipzig zieht, macht das wegen des jobs - oder weil er ganz einfach lieber in leipzig wohnen möchte. beides ist wohl nachvollziehbar.

    der von dir in #302 verlinkte preisanstieg bei mieten und nebenkosten bezieht sich auf den zeitraum jan 2012 bis jan 2013. da lässt sich seriöserweise nur die allgemeine inflationsrate von 2012 zum vergleich heranziehen.

    mein einkommen ist im vergangenen jahr um mehr als diese 2,2% gestiegen. ich hatte keine mieterhöhung und habe über 100 euro mehr nebenkostenrückerstattung gehabt als im jahr zuvor.

    was soll ich denn da anderes machen, als festzustellen, dass wohnen nicht teurer geworden ist.

    eher liegt der umkehrschluss nahe: weil wohnen an sich günstig ist, sind viele leute bereit, in eine größere oder besser ausgestattete wohnung umzuziehen - die logischerweise mehr kostet. dadurch erklärt sich dann der statistische effekt der "mietpreissteigerung von 1,7 %".

    und diese entwicklung ist sogar zu begrüßen, denn sie ist auch ein indikator für die wirtschaftliche gesamtentwicklung einer region. man schaue sich nur die perspektiven jener städte an, in denen die mietpreise stagnieren oder gar sinken.

    wenn der deutliche rückgang in schönau auf die freilenkungen zurückzuführen ist, dann sind es die leichten zuwächse in grünau erst recht. schließlich sind von den betroffenen 160 schönauer haushalten 126 nach grünau umgezogen.
    das gesundschrumpfen der plattenbaugebiete wird daher wohl auch in zukunft nötig sein, wie die differenz aus diesen beiden zahlen zeigt.

    zu den beiden letzten beiträgen:

    selbst die kühnsten optimisten hätten ´89 wohl kaum zu hoffen gewagt, wie sich das bild ändern würde. aus tagebaurestlöchern entstanden seen, aus verdreckten und teils verrohrten flüssen wieder ansehnliche wasserwege. dadurch wurden gegenden, die damals an stärksten gemieden wurden, wieder attraktiv - für einheimische wie touristen.

    nur: die flutung der der neuen seen ist eine folge des braunkohleabbaus, die wiederherstellung des gewässernetzes in der stadt dient dem hochwasserschutz. beides macht sinn und wird deshalb von den jeweiligen geldgebern bezahlt.
    schon die geplanten verbindungskanäle zwischen den seen und die durchstiche von karl-heine-kanal zum lindenauer hafen (und von dort zum elster-saale-kanal) sind hingegen im grunde grenzwertiger luxus. er lässt sich immerhin dadurch rechtfertigen, dass dadurch - mit überschaubarem aufwand - das neuseenland für wassersportler erheblich interessanter wird und das geplante wohngebiet rund um den lindenauer hafen stark an reiz (und wert) gewinnt.

    aber der weiterbau des elster-saale-kanals bis zur saale samt nötigem schiffshebewerk ist weder wasserbaulich notwendig, noch ökonomisch sinnvoll. technisch ist er natürlich machbar. aber sonst? weder stauen sich auf der saale die wassersportler, noch würde es irgendwie interessant sein, 20 km zwischen zwei kanaldämmen geradeaus zu schippern.

    diese planungen sind eine gute sache - allerdings nur für die planer und gutachter, die damit ihr auskommen verdienen. sachsen, sachsen-anhalt und die involvierten kommunen sind nach wie vor auf alle erdenklichen fördermittelquellen angewiesen. da sollte es eine frage der ehre sein, sparsam zu haushalten und gelder effektiv einzusetzen.

    wieviele leute haben ein boot und wieviele ein fahrrad? für einen winzigen bruchteil der veranschlagten 100 millionen könnten auf den dammkronen des kanals endlich brauchbare radwege entstehen - und das ganze hätte eine größere wirkung. man kann nur hoffen, dass nicht noch allzu viele öffentliche gelder verbrannt werden, bis hier endlich vernunft einkehrt.

    zu #266:

    diese "linke" ist schon ein komischer haufen. dauernd jammern sie über zu große verkaufsflächen und zu viele schlecht bezahlte jobs - und dann wollen sie ausgerechnet die entwicklung der alten messe durch einen baumarkt mit einer handvoll billig-löhnern blockieren.
    der ansatz, auf der alte messe ein biotec-cluster zu etablieren, ist der mittel- und langfristig erfolgversprechendere. halle 17 hin oder her.

    zwischen "schwaben zurück nach berlin!" und "ausländer raus!" kann ich keinen unterschied erkennen.
    die dahinter steckende dümmliche argumentation, "die nehmen uns die jobs, frauen (oder eben) wohnungen weg", zeigt doch nur, dass hier bekloppte am werk sind, die ihr eigenes leben nicht im griff haben. und das mit oder ohne zuzug von außen.

    menschen, die mit sich im reinen sind, haben es gar nicht nötig, andere leute auszugrenzen.

    @lemonhist:
    wenn's so ist, nehme ich alles persönliche zurück und formuliere es allgemeiner: die erfahrung zeigt, dass nichts so heiß gegessen wie gekocht wird.

    die ddr-altschulden der lwb sind in der tat ein großes problem, welches das unternehmen zeitweise bis an den rand seiner handlungsfähigkeit gebracht hat. deswegen fielen und fallen die sanierungen der lwb-bestände quantitativ wie qualitativ zumeist eher bescheiden aus. die sogenannte abrissprämie schafft hier besserung. vor allem, seit sie endlich nicht mehr für altbauten gezahlt wird. denn - und hier schließt sich der kreis - sind diese altschulden ja nichts anderes als die verschleppten kosten für den (staatlich verordneten) bau der plattensiedlungen. wie wirtschaftlich sinnvoll das war, hat stahlbauer bestens zusammengefasst.

    zu den blackstone-käufen in grünau: irgendwo müssen solche fonds ja ihre gelder parken. denen gehört doch auch das hotel astoria. viel interessanter ist, dass sie die wohnungen aus der insolvenzmasse der level one-gruppe erwarben. falls die je geglaubt hatte, in grünau geld verdienen zu können, dann hatte sie sich wohl getäuscht. genau wie der vorbesitzer baywobau, an den die lwb die wohnungen in den 90ern verkaufte, um ihre ddr-altschulden zu senken...

    ...das klingt irgendwie nicht nach einer erfolgsgeschichte (außer für die lwb).

    raubbau:

    mit etwas nachdenken hättest du dir deine komische frage (hoffentlich) selbst beantworten können.
    als plagwitz errichtet wurde, vergammelte deswegen nicht der rest der stadt, sondern sie profitierte davon. und die damals entstandenen fabriken lassen sich heute bestens als begehrte lofts, ateliers, büros etc. nachnutzen. die grünauer plattenbauten hingegen lassen sich höchstens noch zu kletterfelsen schreddern.

    in einem punkt hast du allerdings recht: die umsiedlung zehntausender nach grünau war staatlich gelenkte zwangsbeglückung. die einen mussten aus ihren dem verfall preisgegebenen altbauwohnungen wegziehen, andere aus ihren dörfern, die den braunkohletagebauen geopfert wurden. gerade unter der dörflern waren einige darüber so happy, dass sie selbstmord begingen.

    Klarenbach:

    mag sein, dass die leute einfach zu doof dafür sind, die von dir beschriebenen qualitäten grünaus zu schätzen, oder dass sie ruchlosen fernsehfilmen zum opfer fallen. doch fakt is nun mal, dass die meisten menschen lieber höhere mieten in kauf nehmen, als dorthin zu ziehen. vielleicht liegt das aber auch daran, dass sie ihre autos lieber in tiefgaragen abstellen wollen, mal ein badfenster öffnen wollen, nicht mit der s-bahn in die nächste bar fahren wollen, ihre einkäufe nicht durch grünanlagen schleppen wollen, nicht jeden nagel mit der schlagbohrmaschine in die wand jagen wollen, nicht auf elektroleitungen und heizungsrohre an den wänden starren wollen, nicht in der gleichen wohnung wie die leute nebenan, obendrüber, untendrunter und gegenüber wohnen wollen - oder nicht in halbleeren häusern...
    wie auch immer, heutzutage wird mit dem umzugswagen abgestimmt. und das ist gut so.

    @lemonhist:

    die wohnungsunternehmen werden erst recht nicht so doof sein, ihre wohnungen abzureißen, wenn es für sie bedarf gibt/geben würde. die prognosen deiner kristallkugel brauchen sie dafür sicher nicht. die hatte ja unter anderem auch schon ein verkehrschaos und wegzüge rund um den lindenauer markt (wegen kaufland und den neuen rb leipzig-trainingsplätzen) vorhergesagt. statt dessen entwickelt sich lindenau heute sogar besser als deine optimistischsten prognosen für grünau.

    die gründe dafür hatte ich bereits genannt: lindenau liegt zentraler und dennoch näher am auenwald, die bausubstanz ist solider, die wohnungen weisen individuellere grundrisse auf - und die mieten sind trotzdem nicht signifikant höher als in einem grünauer elfgeschosser.

    es ist schön, dass die stadt endlich wieder von innen nach außen wächst. und es ist gut, dass dadurch zeit gewonnen wird, durch abrisse, sanierungen und neubauten aus grünau endlich im nachhinein so etwas ähnliches wie einen intakten stadtteil zu schaffen. dieses ziel zu erreichen erscheint mir weitaus wichtiger, als hier über die punktgenaue anzahl der dafür notwendigen abrisse zu diskutieren. auch darüber wird letztlich der wohnungsmarkt entscheiden.

    raubbau,

    du begehst heute noch den gleichen fehler wie die damaligen planer: es wurde nur danach geschaut, möglichst billig wohnraum zu schaffen, ohne dabei die folgekosten im blick zu haben. in grünau musste ja von der wasserversorgung über straßen bis hin zu schulen und geschäften alles neu errichtet werden, statt bestehendes in der kernstadt nutzen zu können. die schaffung dieser neuen infrastruktur überstieg die ökonomischen kräfte bei weitem und führte so zwangsläufig zu vernachlässigung der vorhandenen bausubstanz. die folgen waren 1989 nicht zu übersehen: eine völlig verrottete kernstadt und ein halbfertiges "schlammhausen". und der wohnungsmangel war trotzdem nicht gelöst.
    angesichts dieser ergebnisse bleibt doch gar nichts anderes übrig, als von einer gigantischen fehlplanung zu sprechen.

    @lemonhist: auch ein sich abschwänderer bevölkerungsrückgang in grünau wird das problem der bereits heute bestehenden leerstände nicht lösen können. diese auf ein für die wohnungsunternehmen wirtschaftlich erträgliches maß zu reduzieren, ist ziel der planungen. was sollte dagegen einzuwenden sein?

    klarenbach, geh mal davon aus, dass sich die wohnungseigentümer und die stadt ein paar mehr gedanken gemacht haben als du.

    weder lassen sich die erfahrungen von plattenbaugebieten in irgendwelchen anderen städten einfach auf grünau übertragen, noch lassen sich die perspektiven für grünau losgelöst von der entwicklung leipzigs als ganzes betrachten.

    grünau war von anfang an eine gigantische fehlplanung. kein mensch käme heute mehr auf den gedanken, am äußersten stadtrand eine schlafstadt für 85 000 menschen zu errichten. und genausowenig werden künftig tausende menschen auf die idee kommen, in eine plattenbauwohnung am stadtrand ziehen zu wollen. wer sollte das denn sein?

    vierzehn prozent der dortigen wohnungen sind kleiner als die wohnraumgröße, die heute hartz-IV-beziehern zusteht. und nach aufwändigen sanierungen ergäben sich mietpreise, für die man heute auch in die zum glück inzwischen sanierten gründerzeitviertel in zentrumsnähe ziehen kann.

    grünau wird in zukunft nie mehr 80 000, 60 000 oder 40 000 einwohner haben. das stellt die wohnungsunternehmen wie auch die stadt vor große herausforderungen, was leerstände und auslastung der (zum teil erst nach der wende geschaffenen) infrastruktur betrifft. deshalb ist es richtig, sich gemeinsam über das weitere vorgehen zu verständigen.

    das bedeutet für die stadt, grünau als wohnstandort attraktiver zu machen (dazu zählen bessere verkehrsanbindungen durch radwege und den city-tunnel, die aufwertung des lindenauer hafens, etc.). und das bedeutet für die wohnungsunternehmen, bedarfsgerechten wohnraum anzubieten. das kann sowohl durch abriss und neubau als auch durch wohnungszusammenlegungen geschehen.

    ob dabei nun weitere 3000, 5000 oder auch 10 000 plattenbauwohnungen verschwinden werden, spielt keine rolle. denn letzlich geht es nicht darum, grünau als plattenbaugebiet zu erhalten, sondern als wohnstandort.

    in hinblick darauf möchte ich abschließend auf einen - warum auch immer - meist ausgeblendeten aspekt aufmerksam machen: seit beginn der wohnungsabrisse in grünau hat sich der grad an zufriedenheit der grünauer bezüglich ihres wohnumfelds kontinuierlich erhöht. für mich ist das kein widerspruch. wer in der platte wohnt, möchte nicht in einer halbleeren platte mit blick auf eine weitere halbleere platte wohnen.
    insgesamt lassen sich die planungen daher meines erachtens sehr gut mit dem begriff des "gesundschrumpfens" zusammenfassen. wenn diese entwicklung gleichzeitig zum "gesundwachsen" der eigentlichen kernstadt beiträgt - umso besser.

    genau. nur freuen und gut. und bloß nicht nachdenken.

    sonst könnte man ja darauf kommen, dass es sich hierbei nicht um klassische reklame, sondern um eine (im grunde ziemlich perfide) form von propaganda handelte. schließlich wurde hier von oben verordnet für dinge "geworben", die es entweder nicht zu kaufen gab, oder für die es keine alternativen gab, oder die eigentlich niemand wirklich haben wollte. in summe wirkte das alles eher als hohn.

    der integrative bestandteil dieses bling-blings an der stadtplanung beschränkte sich darauf, das jedes jahr mehr verödende leipzig für messegäste aus dem westen immer krampfhafter wenigstens in der nacht als potemkinsches dorf erstrahlen zu lassen.

    auch wenn manche beton-ostalgiker nicht so gern daran erinnert werden wollen: der "narva-taghell"-schriftzug (für die ohnehin einzige glühbirnenbude in der ddr) leuchtete nachts an der fassade eines gebäudes in unmittelbarer markt-nähe, bei dem man tagsüber von der hainstraße aus durch alle etagen der ruine hindurch in den smoggrauen himmel blicken konnte.

    es gibt sicher wenig dagegen einzuwenden, einige dieser skurrilitäten zu erhalten. der spaß hört allerdings auf, wenn sich die gleichen politischen gruppierungen, die sich etwa für der erhalt der "löffelfamilie" einsetzen, gegen den einbau einer weitaus kleineren - und technisch höherwertigeren - videowall an den höfen am brühl aussprechen. da kippt das ganze dann doch zu sehr in richtung "leuchte, roter stern, leuchte!".

    seit ihrer mustergültigen sanierung in den 90ern erstrahlt die ehemalige ruine in der hainstraße in neuem, altem glanz. das ist allemal besser als jeder "narva"- oder "osram"-schriftzug. einfach an dem wiederaufgebauten haus erfreuen und gut.

    gibt es zwei raubbaus?

    das brühlpelz-gebäude keine hundert meter weiter wird als total tolle "höhendominante" für unverzichtbar erklärt - und hier wird gegen einen "turm" geätzt.
    lass mich dir kurz die unterschiede erklären: falls diese unister-zentrale gebaut werden sollte, wird sie niedriger ausfallen als das brühlpelz-dings. und dieser "turm" würde auch nicht kreuz und quer zum bestehenden strassenraster errichtet werden, sondern genau dort, wo aus gutem grund bereits seit 90 jahren die allmähliche anlage einer ring-city geplant ist.

    kosten würde das ganze weder dich noch mich irgendeinen cent. frag dich mal lieber, warum eher versucht wird, neubauten zu errichten als in abgetakelte ddr-buden zu investieren. die antwort ist im grunde ganz einfach - auch wenn du vermutlich nicht darauf kommen wirst...

    geschichtsklitterung hilft ja nun auch nicht weiter.

    fakt ist, dass deutrichs hof in den 60ern abgerissen und danach nicht wieder aufgebaut wurde. zu sehen gab's dafür die zauberhafte rückfront des interpelz-gebäudes. erst der abriss dieses büro-riegels machte eine neubebauung der brachenlandschaft möglich: das neu erbaute motel one ist zum schuhmachergässchen hin anschlussfähig und besitzt bereits die baulichen voraussetzungen für eine neue passage, die zwischen nikolai- und reichsstraße entstehen könnte.

    auch für den sachsenplatz und die brühlplatten wurde beschädigte und sogar unversehrte vorgängerbebauung abgerissen. die planer der 60er jahre beanspruchten also sehr wohl die freiheit, (ohne rücksicht auf verluste) die stadt nach ihren vorstellungen umzugestalten. warum sollte diese freiheit heutigen planern verwehrt werden? nach eigener logik der ddr-stadtplaner ist das jedenfalls völlig okay.

    zumal die konzepte aus den 60ern mit ihren hier und da hingestellten blöcken und den grotesk aufgeweiteten straßen und gassen ganz offensichtlich nicht zu mehr urbanität führten (selbst wenn dies vielleicht so gedacht war).

    beispiel messeamt: es sprach überhaupt nichts dagegen, es direkt am markt zu bauen. aber die umsetzung dieses gedankens verkehrte die idee, den handelsplatz leipzig im herzen der stadt erlebbar zu machen, in ihr krasses gegenteil. weil nur ein büro-riegel für verwaltungsangestellte erichtet wurde, war an diesem wichtigen standort eben genau kein geschäftiges treiben mehr möglich. das ist ja sogar schon in den 80ern aufgefallen und es wurde diesem ursprünglich auf v-stützen stehenden gebäude nachträglich ein erdgeschoss mit ein paar läden eingebaut. nach der wende gab es sogar einen workshop, bei dem untersucht wurde, wie das messeamt umbaut und ergänzt werden könnte. auch dessen ergebnisse waren unbefriedigend. und das lag nicht daran, weil die leute doof, überheblich oder ddr-feindlich waren, sondern das lag ganz einfach an diesem nicht ins stadtgefüge integrierbaren klotz.
    was hätte man angesichts dieses befunds denn mit dem messeamt machen sollen?

    einige argumentieren hier nach dem schema: häuser sind immer kinder ihrer zeit. alle kinder muss man gleich lieb haben. und die, die am meisten sorgen bereiten, wachsen einem oft besonders an herz.

    doch das ist grundfalsch.
    häuser sind keine kinder. und schlecht geplante häuser sind schlecht geplante häuser.

    wer die planungen der lucas-ära mit dessen aussage fundiert, wonach das alte sich einordnen oder weichen müsse, kann nichts dagegen einwenden, wenn auch die neubauten jener zeit sich heute ihrerseits hinterfragen lassen müssen.
    und da lautet die antwort nunmal: überall, wo bisher abgerissen und neu gebaut wurde, beginnt sich der stadtorganismus wieder zu erholen.

    das und nichts anderes macht gute stadtplanung aus.

    in den letzten jahren haben die gründerzeitquartiere über 40 000 (!) einwohner neu hinzugewonnen, allein das plattenbaugebiet grünau hat seit 1989 mehr als 40 000 einwohner verloren. es scheint verdammt viele zu geben, die der genialität der ddr-stadtplanung nichts abgewinnen können.

    das abgerissene ddr-messeamt am markt war ein büro-riegel mit umliegendem parkplatz und freier sicht auf eine brandmauer. die marktgalerie als nachfolgebau hat unterschiedliche fassaden und traufhöhen, in ihr gibt es geschäfte, lokale, büros und wohnungen. sie gibt kloster- und thomasgasse wieder räumlichen halt und nimmt die leipziger tradition der passagen und durchgänge wieder auf.

    schlauer wird man, wenn man fehler einsieht und diese korrigiert.
    die marktgalerie ist ein anschauliches beispiel für gelungene stadtreparatur. eine ähnliche verbesserung wäre auch dem brühlpelz-areal zu wünschen.

    vielleicht kommst du ja noch selber drauf.

    im osten waren die leute auch irre froh, wenn sie nach 10 jahren wartezeit einen trabbi zugeteilt bekamen. das sagt doch aber mehr über die zustände in der ddr, als über die qualität dieses autos.

    so ähnlich verhält es sich auch mit den "baulichen errungenschaften" jener zeit.
    in beitrag #72 wird walter lukas zitiert: "der sozialistische städtebau will keine allerweltsstadt!" tatsächlich wurden aber überall im osten identitätsstiftende altbausubstanz vernachlässigt oder vernichtet und statt ihrer massenhaft die immer gleichen schulen, kaufhallen, turnhallen und wohnblöcke erbaut. wie sähe leipzig heute aus, wenn diese entwicklung immer so weiter gegangen wäre? im herbst ´89 sind die leute nicht auf die straße gegangen, um eine plattenbauwohnung zu bekommen. sondern auch, weil sie den verfall ihrer wohnviertel und deren geplanter umwandlung in gesichtslose "arbeiterschließfächer" nicht länger ertragen konnten.
    die hobby-sachverständigen waren damals schon weiter als die ddr-städteplaner.

    in beitrag #76 meint raubbau, häuser wie das brühlpelz-gebäude können sich im internationalen vergleich durchaus sehen lassen. das stimmt, wenn man die aussage dahingehend interpretiert, dass dieses ding im grunde überall stehen könnte. einen klotz ohne rücksicht auf seine umgebung irgendwohin zu bauen, geht prinzipiell überall. doch wie verträgt sich dies mit dem selbstgewählten anspruch, eben genau "keine allerweltsstadt" errichten zu wollen? wobei noch nicht einmal die austauschbarkeit hauptauslöser der kritik ist. sondern die bewusste bloßstellung der hofseiten der (qualitativ weitaus höherwertigeren) leipzig-typischen geschäftshäuser in der nikolaistraße. eine derart infame, sich selbst überhöhende städtebauliche inszenierung hat es meines erachtens nicht verdient, konserviert zu werden.

    und nicht zuletzt lässt sich meiner meinung nach daran auch erkennen, dass es sehr wohl "objektiv bessere" lösungen gibt: man vergleiche nur das inzwischen zum glück wieder abgerissene messeamt am markt mit der heutigen marktgalerie.
    wie stahlbauer schon sehr richtig anmerkte: was in der ddr-endzeitlethargie bereits als zutiefst verkorkst angesehen wurde, muss heute wahrlich nicht glorifiziert werden.
    darin sind städteplaner heute zum glück größtenteils weiter als einige hobby-sachverständige hier im forum...

    das letzte zitat passt hervorragend zum brühlpelzgebäude. hätte er sich mal bloß daran gehalten. aber das ging ja nicht, wie das erste zitat etlarvt. da läuft es einem beim lesen ja kalt den rücken hinunter.
    all die gesprengten oder abgerissenen kirchen, uni-gebäude, messehäuser etc. mussten also nur weichen, weil sie dem "neuem" platz machen mussten. na besten dank. was für ein schlechter tausch: karl-marx-uni statt paulinerkirche, rasen statt johanniskirche, rasen statt trinitatiskirche, rasen statt gewandhaus, parkplatz statt börse, auch für die "sachsenplatz"-brache wurden gebäude abgerissen und als ganz besonderes highlight die stasi-zentrale auf dem gelände der abgerissenen matthäikirche.

    ohne wende wäre die stadtzerstörung immer weiter - und immer krasser - vorangeschritten. kein wunder, dass gerade hier die leute zuerst auf die barrikaden gegangen sind. eine derart geschichtsverleugnende selbstverstümmelung war auf dauer einfach unzumutbar.
    denn weder parkplätze, hässliche betonklötze noch rasenflächen vermochten es, ein gefühl von heimat oder urbanität zu vermitteln.

    selbst wer die ddr-stadtplanung - warum auch immer - als grandios empfindet, wird deshalb nicht umhin kommen, ihr ein grandioses scheitern zu attestieren. je mehr von diesen brachen und klötzen wieder verschwindet, umso besser für die stadt. das haben die letzten 20 jahre bewiesen - und das wird zum glück auch so weitergehen...

    so ist es.

    statt das gebäude zu sanieren, wurde es in der ddr einfach mit polit-folklore angemalt. was für ein hohn. ich finde es wunderbar, dass dieses haus jetzt endlich doch noch denkmalgerecht saniert wurde. dabei hätte auch auf jede andere giebelgestaltung keine rücksicht genommen werden können, denn eine denkmalgeschützte fassadenpinselei hätte im endeffekt eine künftige eckbebauung verhindert. doch die sollte zweitens aus städtebaulicher sicht erwünscht und vor allem erstens dem grundstückseigentümer möglich sein.

    jedwede diskussion darüber ist für mich nicht nachvollziehbar.