Beiträge von dj tinitus

    der bau des karl-heine-kanals ende des 19. jahrhunderts war ein privatwirtschaftliches projekt. folglich wurde auch der bau der ihn überspannenden brücken privat finanziert.

    bei der aufwändigen sanierung des kanals in den 90ern wurden aus öffentlichen geldern die brücken saniert. dabei wurde die könig-johann-brücke (zschochersche straße) abgerissen, in stahlbeton-bauweise neu errichtet und mit sandstein, granitporphyr und klinkermauerwerk originalgetreu verblendet. zudem entstanden mit dem karl-heine-bogen und der birminghambrücke zwei neue kanalquerungen für fußgänger und radfahrer.
    auch die aurelienbrücke nur für fußgänger und radfahrer passierbar zu machen, war teil des gesamtkonzepts. damals gab es dort hauptsächlich brachen und ruinen - und mithin kaum verkehrsaufkommen. inzwischen entwickeln sich die gebiete auf beiden seiten zu beliebten wohnlagen. wohl auch, weil man einerseits bequem die seiten wechseln kann und andererseits ruhige sackgassen situationen vorfindet.

    meines erachtens ist diese fußgängerbrücke damit ein gelungenes beispiel, wie man auch durch weniger (finanziellen einsatz und verkehrswege) zu mehr (attraktivität und lebensqualität eines stadtviertels) gelangen kann. zumal für autos und straßenbahnen die nur hundert meter entfernte könig-albert-brücke vor ein paar jahren saniert wurde.

    zum beitrag #179:

    ein aufschlussreicher artikel. jede anteilnahme ist hierbei unangebracht.

    wer vor drei jahren in eine wohnung mit ofenheizung gezogen ist, hat doch nur darauf spekuliert, bei der längst überfälligen sanierung unter großem gezeter eine möglichst hohe "abfindung" (für was eigentlich?) herauszuschlagen. mir sind auch fälle bekannt, in denen leute von bude zu bude zu bude ziehen und bei denen das abkassieren solcher abfindungen fester bestandteil der persönlichen finanzplanung ist.

    ein solches gebahren muss man nicht sympathisch finden. richtig mies wird es, wenn gleichzeitig auch noch allgemein steigende mieten beklagt werden. wer müsste denn im endeffekt die teuren abfindungen bezahlen? das sind doch dann die nachnutzer - in form noch höherer mieten. das scheint den darüber jammernden wiederum völlig egal zu sein.

    diese abfindungsforder_innen haben den kapitalismus viel besser verstanden und für sich zu nutzen gelernt, als sie den anschein erwecken wollen. erst billig mieten und dann hohe auszugsprämien verlangen - es gibt halt auch unter mieter_innen so etwas wie "heuschrecken".

    selbstverständlich kann jeder - innerhalb der gesetzlichen regelungen - versuchen, so viel wie möglich für sich herauszuschlagen. aber anstandshalber sollte man dabei wenigstens auf jede larmoyante opfer-attitüde verzichten.

    in dem artikel geht es nicht um bezahlbares wohnen, sondern schlicht um bezahltes umziehen. der allgemeinheit zuliebe sollten die preise dafür möglichst gering ausfallen...

    ich halte die kritik für überzogen.

    wenn sich erdgeschosswohnungen ohnehin schwer verkaufen/vermieten lassen und pkw-stellplätze vorgeschrieben sind - was liegt denn da näher als in "sockelzonen" abstellflächen unterzubringen? das ist doch allemal besser, als innenhöfe zu gepflasterten müll- und parkplätzen zu degradieren.
    zudem wäre es widersprüchlich, einerseits angeblich teure mieten zu beklagen - und andererseits den bau von tatsächlich teuren und damit kostentreibenden tiefgaragen zu favorisieren.
    ich wüsste auch nicht, was man gegen "quadratmeterscheffelnde" erker einwenden könnte. sähen häuser ohne erker besser aus? und vor allem: wären die dahinterliegenden wohnungen ohne erker besser?

    wir sind doch hier im architekturforum und nicht im fassadenforum. deswegen sollte man sich nicht allzulang bei (leicht austauschbaren) fassadenfarben aufhalten und eher fragen, ob gebäude für ihre nutzer funktional sind.
    als die gründerzeitler entstanden, waren verkehrs- und parkraumprobleme noch kein thema und die wohn- und schlafräume wurden hinter den schaufassaden entlang der straßen angeordnet. heute findet eine umkehrung statt: gewohnt und geschlafen wird lieber an der ruhigeren hofseite, folglich müssen straßenseitig vermehrt küchen und bäder angeordnet werden. bekanntlich führt dies zuweilen bis hin zu bodentiefen badfenstern, welche dann von den bewohnern wieder verhangen oder beklebt werden müssen, was die idee großzügig bemessener fensterfronten in der praxis ins gegenteil verkehrt. auf derartige scheineleganz bereits beim bau zu verzichten, ist für mich kein indiz für inkompetenz.

    meines erachtens kann man dem eckbau haferkorn-/kunadstraße vorwerfen, dass hier gute ideen schlecht umgesetzt wurden. doch dies ist sicher dennoch besser, als schlechte (genauer gesagt: unzeitgemäße) ideen gut zu kopieren.

    was soll denn dieses verlogene pseudogejammer?

    auch dir ist doch klar, dass jeder, der sich aus eigener kraft keine wohnung leisten kann, vom staat (und damit von den steuerzahlern) genügend unterstützung erhält, um in einer trockenen und warmen wohnung leben zu können.

    das gab es nicht mal im sozialistischen kuschelparadies - mit der mauer drumherum, damit die leute nicht aus ihren kaputten bruchbuden abhauen konnten.

    da du hier immer mit schaurigen statistiken rumwedelst: schreib doch einfach mal, für wieviel prozent der leipziger sich seit der wende ihre wohnverhältnisse verbessert haben.

    nicht kneifen, nicht rumquatschen, einfach eine zahl nennen. danke.

    besten dank für deine collage. sie macht klar, wie sehr sich der stadträumliche eindruck durch die geplante neubebauung der südlichen nonnenmühlgasse nochmals verändern wird.

    zur kirche:
    diesem entwurf an diesem ort stand ich von anfang sehr skeptisch gegenüber. auch heute noch habe ich zweifel, welche wirkung die fensterlose ostseite letztlich entfalten wird.
    vom bislang sichtbaren ergebnis bin ich jedoch sehr positiv überrascht:
    klarheit in der form, beständigkeit im material und solidität in der bauhandwerklichen ausführung machen deutlich, dass hier kein bauwerk wächst, dessen entstehungszweck auf einer kurzlebigen idee beruht oder nur ein paar jahrzehnte halten soll. statt den betrachter mit künstlerischen ornamenten beeindrucken zu wollen, lässt alleinig die wechselnde lichteinstrahlung das gebäude lebendig erscheinen.
    all diese punkte zusammen genommen, entsteht hier meines erachtens sehr wohl ein bauwerk mit wahrlich sakralem charakter. tiefgründiger, als dies beispielsweise geschehen wäre, wenn einfach ein gold glänzendes kreuz auf einem kirchturm errichtet worden wäre. das darauf ganz bewusst verzichtet werden konnte, spricht meiner meinung nach für die qualität dieses baus.

    @le mon hist.:

    meine hamburger bekannten sind jetzt leipziger. ihre arbeitgeber und jährlichen gehaltssteigerungen sind gleich geblieben, doch zahlen sie statt 1500 euro miete jetzt nur 1400 euro. sie haben mehr wohnfläche als der durchschnitt, zahlen mehr miete als der durchschnitt - und der anteil ihres nettoeinkommes, den sie für die kaltmiete aufbringen müssen, ist dennoch stärker gesunken als beim durchschnitt.

    dieses beispiel soll also sagen:
    für die entwicklung des mietanteils am nettoeinkommen ist nicht nur die entwicklung der mietpreise, sondern ebenso die entwicklung der einkommen ausschlaggebend.

    wie bereits oft erwähnt und von dir verdrängt: wenn das einkommen stärker steigt als die miete, sinkt der für die miete aufzubringende anteil - oder man kann sich eine größere/teuere wohnung leisten. nur zur verdeutlichung: wenn das monatliche nettoeinkommen 2000 euro beträgt, sind 16% (oder eher 20%) für die miete viel geld. wenn man 4000 euro nettoeinkommen hat, kann man locker auch 30% für die miete ausgeben, ohne zu darben. (dadurch erklären sich die höheren prozentsätze in manchen westdeutschen regionen und darum brechen in münchen trotz des dortigen mietniveaus keine unruhen aus.)

    ps.: rote stricherl nehme ich lächelnd zur kenntnis (zumal die farbe so schön passt). noch mehr würde ich mich allerdings freuen, wenn die fakten im sinne einer sachlichen diskusion zu einem nach- und umdenken beitragen würden...

    Bau-Lcfr:
    du hast völlig recht, dieses rumgejammer ist beschämend.

    bekannte von mir sind letztes jahr von hamburg nach leipzig gezogen. die wohnen jetzt im top-sanierten altbau-erstbezug mit kamin und lift direkt in die wohnung, haben 40 qm mehr - und zahlen trotzdem 100 euro im monat weniger miete als vorher (und können ihr glück kaum fassen).
    die einbildung, 13 euro pro qm wären unerschwinglicher horror, stimmt halt so nicht.

    und wer schon seit 5 oder 10 jahren in leipzig lebt, seinen job hat und nicht umgezogen ist, der hat in dieser zeit jedes jahr eine gehaltserhöhung und vielleicht einmal eine mieterhöhung bekommen. unterm strich ist für all diese leute das wohnen erheblich billiger geworden.

    dem gegenüber stehen leute, die im letzten jahr innerhalb leipzigs umgezogen sind und studenten, die neu hinzugezogen sind. die mussten für wohnungen in gefragten lagen tiefer in die tasche greifen. günstigere alternativen wären allerdings auch vorhanden.

    alles in allem werden die zahlen zur durchschnittsbelastung schon stimmen. (hätten sie eine steigerung ergeben, würden altbaufan und le mon.hist. diese ja auch nicht anzweifeln...)

    zu guter letzt: die stadtwerke leipzig haben heute bekannt gegeben, dass ab januar 2015 ihre preise für strom, gas und fernwäme gesenkt werden. das wird gut für künftige nebenkostenabrechnungen sein.

    dennoch: auch künftig sollte man sich darauf einstellen, dass man für behagliches wohnen einen teil seines einkommens aufbringen muss. wie hoch genau dieser anteil sein soll, kann jeder selbst beeinflussen: vom luxus-loft bis zur günstigen platte ist inzwischen alles vorhanden. wer hätte sich das vor 25 jahren angesichts von wohnungsnot, staatlicher "wohnraumlenkung" und massenhaft verfallender altbauten erträumt?

    und darum möchte man sich für das völlig unangebrachte gejammere am liebsten entschuldigen. besser wäre es allerdings, wenn dies die beteiligten selber täten...

    altbaufan:
    ohne auf die diskussion eingehen zu wollen: gleich um die ecke kann man im gerichtsweg sanierte lwb-wohnungen für 4,09 euro (!) mieten. daher kann man wohl auch dieses objekt unter aufwertung des viertels einsortieren.

    zur modernen aufstockung: die sieht von außen etwas eigentümlich aus, scheint aber dennoch sinn zu machen. zumindest zeigen die visualiserungen und der grundriss des dachgeschosses, dass sich dadurch hellere raume und eine wirklich traumhafte dachterrasse verwirklichen lassen.

    Saxonia: danke für den hinweis auf die namensgebung!

    @eisber:
    vielleicht stimmt auch ganz einfach etwas nicht mit deiner wahrnehmung?

    der citytunnel in leipzig hat samt seiner netzergänzenden maßnahmen (wie elektrifizierung bereits bestehender strecken und behindertengerechtem ausbau bestehender stationen) am ende statt 1,18 milliarden dm rund 935 millionen euro gekostet.
    davon entfielen letztlich 210 millionen auf den bund und nur rund 18 millionen (!) auf die deutsche bahn. das meiste geld zahlten die eu mit 225 millionen und sachsen mit rund 470 millionen. leipzig und der zv nahverkehrsraum leipzig steuerten rund 11 millionen bei.

    das bedeutet: über 700 millionen euro der baukosten hätten ohnehin nie für die 2. stammstrecke zur verfügung gestanden. und für die immensen kostensteigerungen mussten zum allergrößten teil die sächsischen steuerzahler aufkommen.

    statt vorurteilsbeladen über angebliches "schmerzensgeld" für vermeintlich "total überflüssige" projekte vor sich hin zu palavern, sollte aus den kostenentwicklungen diverser großprojekte in anderen bundesländern vielmehr eine weitaus sinnvollerere erkenntnis gewonnen werden:

    es reicht nicht mehr aus, einfach nur die finanzierung eines projekts zu vereinbaren. entscheidend ist, ob es gelingt, vorab zu klären, wer in welcher höhe für (zu erwartende) mehrkosten aufkommen muss.

    genau darum wird es in den weiteren verhandlungen gehen. ich bin sicher, dass sie mit einem fairen ergebnis enden werden. gerade weil dabei - in diesem zusammenhang völlig irrelevantes stammtischgequatsche - über den "total überflüssigen" leipziger citytunnel, die "elbdisharmonie" oder den "willy-brandtschutz-fluchhafen" keine rolle spielen wird.

    und bestenfalls sollte sich künftig auch die diskussion im deutschen archtitekturforum diesem niveau angleichen...

    @lemonhist:

    es bringt doch nichts, wie in #4 irgendwelche zahlenkolonnen runterzurasseln und für die nächsten 20 jahre hochzurechnen, ohne diese auch nur ansatzweise zu hinterfragen. was soll das?

    es stimmt, dass es im letzten - und wohl auch in diesem - jahr besonders viele zuzüge gab bzw. gibt. doch dies hat nicht zuletzt mit der rapide steigenden anzahl von asylbewerbern zu tun, welche zum großteil in "wohnheimen" untergebracht werden - und genau diese kategorie wird in der von dir vorgelegten statistik herausgerechnet. dieser fehler wird umso offensichtlicher, wenn man zudem die altersstruktur der bevölkerung in betracht zieht. die immer mehr ansteigende zahl von menschen in seniorenresidenzen und pflegeheimen findet ja somit in dieser statistik ebenfalls keine beachtung.

    und damit kommt man zum eigentlichen knackpunkt:
    in den plattenbaugebieten von thekla, mockau, schönefeld, grünau etc. leben heute noch viele erstbewohner, die damals als junge familien in drei- und vierraumwohnungen gezogen sind. heute leben sie dort als rentner noch zu zweit oder gar allein. ihnen allen wünscht jeder ein langes leben. aber das ändert doch nun mal nichts an der unumgänglichen tatsache, dass in den nächsten jahren in den plattenbaugebieten tausende wohnungen für 3-4 personen frei werden. wohnungen, für die auch künftig händeringend mieter gesucht werden. schon heute weisen ja viele der stadtviertel mit dem höchsten altersdurchschnitt der bewohner und den niedrigsten mieten die höchsten leerstände auf.

    angesichts dieser fakten künftige leerstandsquoten von 1% herbeizufantasieren, ist im grunde keine seriöse diskussionsgrundlage. ich habe trotzdem mitgemacht. jetzt bist du an der reihe. mach dich einfach locker und denk noch mal darüber nach...

    ja, wir armen ossis.

    jetzt werden in leipzig schon porsche und bmw produziert, die sich viele gar nicht leisten können. sollte man da nicht gleich noch einen "sozialen autobau" fordern? nö: wer sich keinen neuwagen leisten kann, holt sich halt einen gebrauchten. (und der ist allemal besser als es ein neuer trabi je gewesen ist.)

    so ähnlich läuft es auch auf dem wohnungsmarkt. die ganzen leute, die in frisch gebaute/sanierte wohnungen ziehen, ziehen ja auch irgendwo aus. und gebrauchte wohnungen sind deutlich günstiger. ohne neubauten/sanierungen wäre deren angebot deutlich geringer - und die mieten höher.

    ansonsten kann ich martin pohle und bau-lcfr nur zustimmen:
    wenn die leute in der holbeinstraße nicht totale freaks sind, war ihnen doch schon beim einzug klar, dass das nicht ewig so weiter gehen konnte. mieten, die weder erhalt, geschweige denn sanierung des hauses ermöglichen, können doch auf dauer gar nicht funktionieren. (ein blick zurück in die ddr genügt.) jetzt auf überrascht und empört zu machen, wirkt eher wie das übliche pokern - um beim sanierer für sich noch etwas herauszuholen. von mir aus. aber das sind privatangelegenheiten.

    solange in leipzig die viertel mit den niedrigsten mieten die höchsten leerstände haben, lässt sich daraus jedenfalls wohl kaum darauf schließen, dass die mieten hier unerschwinglich wären. wohl eher, dass es einen bedarf nach mehr gehobenem wohnraum in guten lagen gibt. und das ist gut so, denn nur dadurch können unsanierte halbruinen saniert und brachen bebaut werden.

    allen, die das bejammern, kann ich nur ausflüge nach zeitz, weißenfels, altenburg etc. empfehlen. da stimmt vielleicht noch halbwegs das "arme ossi wir-gefühl". aber dafür zerfallen leider ganze altbauquartiere, weil sich sanierungen einfach nicht rechnen.

    ich finde, in einem architekturforum sollte eigentlich klar sein, welche entwicklung die bessere ist...

    "stadtsoziologen" sind sicher in der lage, bestimmte phänomene zu beschreiben und zu problematisieren. das konnte marx auch. aber bei praktikablen lösungsansätzen verdampft das wasser, mit dem da gekocht wird, dann doch ziemlich schnell.

    konkretes beispiel holbeinstraße 28 - was sollte denn da gemacht werden?

    sollte man dem eigentümer die sanierung verbieten? dann würde das haus irgendwann in sich zusammenfallen.
    sollte man dem eigentümer verbieten, profitable mieten zu erzielen? dann würde er nicht sanieren und das ergebnis wäre das gleiche.
    sollte man den eigentümer verpflichten, einen gewissen prozentsatz der wohnungen supergünstig zu vermieten? dann müssten die mieten für die übrigen wohnungen um so höher ausfallen. (und wer würde entscheiden, wer in die günstigen wohnungen ziehen darf?)
    oder sollten die mieten dort künftig von der allgemeinheit subventioniert werden? dann hätte ich dafür gern mal begründungen, die auch aldi-kassiererinnen überzeugen, die jeden tag buckeln, um ihre zweiraumwohnungen in der platte bezahlen zu können.

    im umkreis von einem kilometer um die holbeinstraße werden wohnungen angeboten, die unter 5 euro pro quadratmeter kosten. angesichts solcher verhältnisse scheint das (zu oft und in leipzig zu unrecht benutzte) schlagwort "gentrifizierung" nur ein vehikel zu sein, um eigene interessen zu einem gesellschaftlichen problem aufzubauschen.

    es gibt zum glück für jeden das recht auf eine trockene und warme wohnung. davon konnten die menschen vor 100 oder vor 50 jahren nur träumen. aber es gibt kein anrecht auf eine superbillige loftwohnung direkt am wasser.

    das können noch so viele "stadtsoziologen" irgendwie ungerecht finden. aber mit restriktionen lässt sich dieses thema denkbar ungeeignet angehen. eher schon mit einer ausweitung des angebots: durch die freilegung der bisher verrohrten mühlgräben, der anlage des stadthafens und der ausweisung neuer baufelder am lindenauer hafen. so wird die erhöhte nachfrage besser befriedigt und die (miet-)preise für wohnungen am wasser schießen nicht total durch die decke.

    dynamische stadtentwicklung statt willkürliches einfrieren des status quo. ganz heimlich untem im keller wird auch der kritischste "stadtsoziologe" eingestehen, dass dies auf lange sicht der bessere ansatz für ein allseits gedeihliches miteinander ist.

    @le .mon hist.: zu deiner letzten frage in #533: klares nein.

    krieger will in pankow ja nicht nur ein einkaufszentrum mit 30 000 qm, sondern auch noch zwei möbelhäuser mit 40 000 bzw. 7 000 qm bauen. ich kann nicht beurteilen, ob das in berlin gebraucht wird. hinterm bayerischen bahnhof jedenfalls nicht. und nebenan rund um die straße des 18. oktober stehen wohnungen leer, die weniger als 5 euro pro quadratmeter kosten. "wenn man das ideal der gemischten stadtbevölkerung ernst nehmen will" macht es also sehr wohl sinn, auf der anderen seite des neu entstehenden stadtparks hinterm bayerischen bahnhof stadthäuser und wohnungen zu marktüblichen mieten zu errichten. das ist um längen besser, als auf den park zu verzichten und ihn mit shoppingbuden und wohnungen total zuzubauen.

    wenn du noch mal in ruhe darüber nachdenkst, wirst du sicher zum selben ergebnis kommen. lass es uns wissen...

    sozialer wohnungsbau für bedürftige funktioniert doch auch nur in der theorie.

    was passiert denn mit den mietern, wenn sie einen job finden? fliegen die dann aus der wohnung oder müssen die dann marktübliche mieten zahlen? nein. und selbst wenn solche regelungen durchsetzbar wären, wäre das eine totale fehlsteuerung: wo bliebe denn da der anreiz, sich arbeit zu suchen?

    in westdeutschen großstädten gab's in den 70ern massiven sozialen wohnungsbau. eine generation später lag die "fehlbelegungsquote" in solchen quartieren bei bis zu 80%. auf diese weise wurde ein haufen steuergeld für leute verbrannt, die gar nicht bedürftig waren. gleichzeitig war es für private investoren zu wenig lukrativ, neue wohnungen zu errichten oder bestandswohnungen stetig zu modernisieren. das ende des liedes ist bekannt: wohnungsknappheit in allen segmenten und jetzt dazu noch finanzielle schieflagen bei kommunen und deren wohnungsgesellschaften.
    geld futsch und kein problem gelöst - es gibt keinen grund, diesen fehler zu wiederholen.

    es bleibt dabei: die beste sozialpolitik ist wirtschaftsförderung. statt beispielsweise für 50 millionen 500 sozialwohnungen zu bauen, ist es allemal besser, mit dieser summe die werkserweiterung von porsche zu subventionieren. dadurch entstanden 1500 neue jobs. diese leute können jetzt ihre mieten selbst bezahlen. und die mehreinnahmen aus der gewerbesteuer werden gebraucht, um tatsächlich bedürftigen überhaupt ihre mieten bezahlen zu können.

    zusammengefasst: das ziel kann nicht sein, dass sich möglichst viele leute in möglichst tollen wohnungen in möglichst schönen wohngegenden ihre mieten subventionieren lassen. sondern das ziel sollte sein, dass möglichst viele leute ihre mieten selbst bezahlen können. sozialer wohnungsbau ist kein mittel, um dieses ziel zu erreichen.

    sorry, aber die meisten kritikpunkte grenzen für mich an getrolle.

    die rolltreppen sind "lang", "langsam" und "eng"?
    dann nehmt doch einfach die treppe.
    früher musste man durch die hauptbahnhof-halle, dann nach oben fahren und danach zum gewünschten bahnsteig laufen. nun geht's direkt nach unten. da kann mir keiner erzählen, dass das jetzt unterm strich länger dauert. bei allen anderen neuen stationen wirkt die kritik noch eigenartiger, denn bis letzte woche konnte man dort in überhaupt keinen zug einsteigen.

    auf dem bahnsteig unterm hauptbahnhof herrscht (vor allem mit fahrrad) morgens "gedränge"?
    wenn ich vor diesem problem stünde, würde ich einfach zur nächst gelegenen station (z.b. unterm markt) radeln. dort halten die selben s-bahn-linien - und es gibt mehr als genug platz.

    die s-bahn nach zwickau hat manchmal 5 minuten verspätung?
    bis letzte woche gab es überhaupt keine s-bahn nach zwickau. selbst bei verspätungen kommt man nun schneller und bequemer als vorher von zwickau nach leipzig und zurück.

    sicher läuft beim neuen s-bahn netz für mitteldeutschland nach einer woche noch nicht alles rund. das war auch nicht anders zu erwarten. ein "großer auflauf und hierdurch verursachte verzögerungen bei der abfahrt" wurde schon gemeldet, als in leipzig die pferdebahn eingeführt wurde. in der zwischenzeit haben die leute mehrfach ihre lernfähigkeit im umgang mit dem jeweiligen öpnv bewiesen. so wird es auch diesmal sein. in einem jahr werden alle mit einem schmunzeln auf ihre aufgeregten beiträge zu diesem thema blicken.

    bei manchen sollte es man es jetzt schon tun...

    vielen dank für diese amüsante diskussion.

    in den letzten jahren lautete die kritik: keiner brauche und niemand wolle diesen tunnel.
    jetzt sind die bahnsteige und züge voll - und nun wird sich halt darüber mokiert.

    man stelle sich nur mal vor, diesen tunnel hätte es längst gegeben und man hätte ihn seit letzter woche still gelegt. dann würde man sich jetzt nicht über kleine verspätungen und rolltreppen, sondern über längere fahrzeiten und umständliche umsteigebeziehungen aufregen. und das sogar zurecht.

    so aber bleibt festzustellen, dass das neue s-bahn-system offenkundig von der bevölkerung angenommen wird. wenn erst einmal alle rentner den tunnel inspiziert und sich bahnpersonal wie pendler an die neuen gegebenheiten gewöhnt haben werden, wird sich auf den bahnsteigen und in den zügen jede aufgeregtheit legen. schon in wenigen wochen wird dieses projekt in der stadt, im umland - und auch hier im forum - so selbstverständlich sein, dass darüber kaum noch diskutiert werden wird.

    deshalb jetzt noch ein paar worte zur gestaltung der stationen:
    meines erachtens war es die richtige entscheidung, für jede der stationen einen eigenen wettbewerb zu veranstalten. die ergebnisse können sich durchweg sehen lassen, besonders vorteilhaft für ihre wirkung halte ich dabei den weitgehenden verzicht auf werbeflächen. denn erst dadurch wurde es möglich, dass die einzelnen stationsbauwerke ihre eigenen reize entfalten können. meines erachtens ist dies sehr gut geglückt.

    also erstens könnten ja wohl alle froh sein, wenn diese brache überhaupt wieder bebaut werden wird.
    zweitens: wenn das alte gebäude noch stünde, würde wohl niemand dessen verschwinden befürworten. drittens: wenn man den (nach diversen deckendurchbrüchen notwendigen) abriss von 2006 bedauert, fällt es schwer, sich gleichzeitig gegen die rekonstruktion der alten fassade auszusprechen.

    zumal dieser ansatz hier nicht ausgangspunkt, sondern endpunkt aller überlegungen zu sein scheint: offensichtlich war urspünglich eine erfreulich qualitätvolle moderne architektur des erweiterungsbaus angedacht. doch bei genauerem durchdenken können einem durchaus zweifel kommen, ob eine derartige glasfassade wirklich die optimale lösung ist. zum einen würden durch sie alt- und neubauflügel des hotels nicht als einheit wahr genommen werden. und zum anderen müsste der optik ein großes stück funktionalität geopfert werden: in hotelzimmern wird hauptsächlich zu bett gegangen und aufgestanden. welcher gast/welche gästin will das schon bei bodentiefen fenstern entlang des promenadenrings, zumal sich derartig schräge glasfronten kaum verdunkeln lassen?
    also war es offenbar am ende das naheliegendste, statt auf qualitativ hochwertige zeitgenössische architektur überhaupt auf qualitativ hochwertige architektur zu setzen. wie gut, dass sich dafür die alte fassade anbot: große fenster, die sich öffnen und verdunkeln lassen und sogar ein paar kleine austritte - besser könnten es hotelgäste doch gar nicht treffen.

    und noch etwas auf den weg: die wiederherstellung dieser fassade wäre nicht die erste in leipzig. ich warte sehr gern auf ein beispiel, wo ein solches unterfangen irgendwem oder irgendwas geschadet hätte...

    ich finde es nach wie vor lächerlich, in unserem metropölchen probleme, die es in anderen städten geben mag, herbei diskutieren zu wollen.

    wo bitte soll es denn deiner meinung nach in leipzig "gutmenschenviertel (..), wo sich die besser verdienende schicht komplett vom rest der stadt abgenzt" geben? wenn es etwas positives an den kriegszerstörungen, dem ddr-wohnungsbau, der schließung alter fabriken und den teilweise schlichten sanierungen in den 90ern gibt, dann doch wohl, dass dadurch auf jahrzehnte hinaus die soziale durchmischung der stadtviertel garantiert wird. wohnungen ohne balkon sind in jedem - aber wirklich jedem - stadtteil billig zu haben.

    was wir derzeit - zum glück - erleben ist eher, dass sogenante besserverdienende sogenante problemviertel durch ihren zuzug sozial durchmischen. wenn dabei auf brachen neubauten errichtet, ruinen saniert oder alte fabriken umgestaltet werden, wird dadurch auch niemand verdrängt. im gegenteil: blumenläden, bäcker und restaurants freuen sich über die neue kundschaft. und ganz nebenbei: wenn gutbetuchte in gegenden wie connewitz, plagwitz, reudnitz oder lindenau ziehen, widerspricht es wohl eher der these, dass sie sich vom rest der stadt abgrenzen wollen.

    das alles wurde schon hundertfach durchdiskutiert. der eigentliche grund meines postings bezieht sich deswegen auf dein beispiel aus münchen. es ist sicher gut, etwas gegen tatsächliche segregation unternehmen zu wollen. doch auch dabei muss sich jede theorie an der praxis messen lassen. in einer tv-reportage wurde letztens über die erfahrungen eine migrantengroßfamilie in einer städtisch geförderten wohnung in einer nobelwohngegend berichtet. sinngemäß sagte die migrantengroßfamilienmama: die wohnung ist zwar groß und schön, aber ich kenne hier keinen. um meine familie und freunde besuchen zu können, muss ich jetzt eine halbe stunde fahren. und der nächste aldi ist auch vier stationen entfernt.

    da offenbaren sich echte probleme, die es in leipzig nicht gibt und nie geben wird. und deswegen halte ich es für lächerlich, sie grundlos zu simulieren.

    ich kann raubbau nur zustimmen.

    einen verwirrend-verwischten zustand zwischen schein und sein haben wohl vor allem die plakatmacher selbst. denn das denkmal in seiner jetzigen gestalt - aus unvollendetem klinger-sockel, sehr menschelnder wagnerfigur und langem schatten - verweigert sich bewusst und gewollt jeder heroisierung oder idealisierung. (oder glaubt jemand im ernst, dass sich wagner durch dieses denkmal geehrt gefühlt hätte?)

    im grunde wird auf dem plakat eine problematik thematisiert, die es so überhaupt nicht gibt - weil man sich ihrer ohnehin bewusst ist: die jetzige denkmalsgestaltung zielt darauf ab, wirken und wirkung wagners gleichermaßen gerecht zu werden. erst in diesem kontext erschließt sich der gedanke, beide sichtweisen auf wagner auf den unvollendet gebliebenen klinger-sockel zu stellen. wohin sonst?

    und deswegen wirkt das plakat auch nicht witzig, sondern eher lächerlich - und zudem diffamierend gegenüber der stadt und dem gestalter des denkmals. vor allem der letzte punkt zeugt dabei von der unreife seiner verfasser.