Ich denke, das stand zu erwarten und ich muss sagen, obwohl es völlig unrealistisch ist, dass ich mir gewünscht hätte, dass die Oper am Willy-Brandt-Platz bleibt und dort einen Neubau bekommt, der der künstlerischen Bedeutung dieser Institution angemessen ist. Als passionierter Operngänger muss ich leider sagen, dass die gegenwärtigen Bedingungen alles andere als gut sind. Die Akustik ist höchstens mittelprächtig, die Sitzverhältnisse beengt und die Sicht bei vielen Plätzen eingeschränkt. Das wäre bei einem historischen Haus wie in Wiesbaden ja noch hinnehmbar, da es ein Stück weit deren Charme ausmacht, bei modernen Bauten, und so nehme ich die Anlage war, sollten doch auch moderne Standards gelten.
Aktuell haben wir die Situation, dass wir eine "moderne" Fassade und Erschließung, dafür aber die Platz- und Sichtverhältnisse des Vorkriegsbau haben, also gewissermaßen das jeweils Schlechte aus beiden Welten. Auch die Tatsache, dass das Foyer mit seinen Klangwolken so hochgelobt wird, war mir schon immer schleierhaft. Man muss nur mal eine Aufführung besuchen und sich den vorgschalteten Vortrag anhören, um zu sehen, wie wenig funktional diese Örtlichkeit ist.
Letztlich muss die Politik, aber auch die Öffentlichkeit akzeptieren, dass Oper eine sehr sehr teure Kunstform ist und zwar in allen Bereichen. Ohne bürgerschaftliches Engagement und den Anspruch, ein international renommiertes Opernhaus in der Stadt zu haben, wird sich sicher keine Verbesserung ergeben, sondern eher der schleichende Abstieg weitergehen ... ja, ich weiß, alle loben die Programmgestaltung und die Innovationskraft der Frankfurter Oper, aber ich merke bei mir und meinen Bekannten, dass wir vor Jahren noch viel regelmäßiger die Frankfurter Oper besucht haben, sie war in Rhein-Main konkurrenzlos. Aber die beständige Sparerei zeigt eben doch langsam Wirkung, die man nur mühsam mit Ausgrabungen selten gespielter Werke und Experimenten überdecken kann. Zudem hat Wiesbaden mit Laufenberg stark aufgeholt und bietet aktuell, das ist zumindet mein Eindruck, die intensiveren und runderen Opernerlebnisse.
Ich fürchte, dass die geplante Sanierung vor Ort ein quälend langer Prozess werden und mit deutlichen Kostensteigerungen verbunden sein wird, wenn dann klar wir, dass die Bausubstanz und die Haustechnik doch viel maroder als befürchtet war, man kennt das ja von anderen Sanierungsaktionen der letzten Jahre .... aber wir werden sehen ...