Beiträge von export

    Mir scheinen die beiden in Rede stehenden Komplexe ein gutes Beispiel dafür zu sein, dass oft genug zwischen den Extremen Abriss und Denkmalschutz zu entscheiden ist.

    Ein Gebäude muss nicht unbedingt ein Baudenkmal sein, um es als erhaltungswürdig anzusehen. Gerade bei Zweckbauten sollte nicht übersehen werden, dass deren Nutzung im Vordergrund steht und ganz selbstverständlich ändern sich mit der Zeit die Bedürfnisse und Standards, so dass sich wandelnde Organisationen und Abläufe eben auch in Anpassungen der Gebäudesubstanz widerspiegeln sollten. Eine orthodoxe Auslegung des Denkmalschutzes führt ja eher dazu, dass die Gebäude schon von vornherein aufgegeben werden, anstatt sie durch die Möglichkeit von An- und Umbauten, Teilabrissen, Entkernungen etc. in bewahrenswerten Aspekten der Nachwelt zu erhalten.

    Leider, so ist zumindest mein Eindruck, agieren die zuständigen Behörden oft genug dogmatisch und restriktiv, was dann entweder zum Abriss oder zu wenig überzeugenden, im schlimmsten Fall disfunktionalen Ergebnissen führen kann.

    ^ Das genau ist der Punkt. Die Deges ist ja noch nicht zuständig, sondern wird es erst ab 01.01.2021 sein. Und Hessen Mobil hat die Planungen bzgl. der A66 in diesem Bereich noch nicht aufgenommen, trotz hoher Dringlichkeit ...

    Ja, eine Lösung wird es sicher geben, aber die Frage ist, ob KFZ und City-Bahn eine denkbare Behelfslösung gemeinsam nutzen können, bzw. welche Einschränkungen da mal wieder auf die leidgeprüften Wiesbadener zukommen. Das Chaos bei der Salzbachtalbrücke lässt Schlimmes erwarten und dass die absehbaren Probleme entweder ignoriert oder eben weggeredet werden, ist man hier ja leider gewohnt.

    Mein Tipp: Ohne die City-Bahn wäre der Ersatz der Brücke ohne größere Einschränkungen der Wegebeziehungen vielleicht noch darstellbar. Mit City-Bahn wird es zu einer spürbaren Einschränkung des Individualverkehrs kommen,mal wieder in WI. Leider gibt es recht viele, die darin einen positiven Nebeneffekt sehen ... ich bin auf die Abstimmung im November sehr gespannt, durch ist das Projekt noch nicht.

    Was bei den Kosten noch überhaupt nicht berücksichtigt wurde, ist der zukünftige Ausbau der A66 zwischen dem Kreuz Wiesbaden und dem Schiersteiner Kreuz. Hier ist eine Verbreiterung auf 6 Streifen geplant. Dieser Ausbau gehört zu den Projekten mit der höchsten Priorität und ist nicht nur im aktuellen Bundesverkehrswegeplan als Vordringlicher Bedarf – Engpassbeseitigung (VB-E) klassifiziert, sondern auch im Bundesfernstraßengesetz als eines der Vorhaben aufgeführt, bei denen der Rechtsweg massiv eingeschränkt wurde (Bundesverwaltungsgericht als Erstinstanz).

    Und das bedeutet: Im Zuge dieser Verbreiterung wird die Brücke, die die Biebricher Allee über die A66 führt und die von der Bahn befahren werden soll, neu errichtet werden müssen. Nach meinem Wissen und meinen Recherchen wurde das bislang noch nicht bei den Planungen berücksichtigt oder zumindest nicht öffentlich kommuniziert. Die Brücke ist zwar recht breit, aber ob ein hälftiger Abriss mit Erhalt des City-Bahn Verkehrs plus Autos und Verkehrsbeziehungen zur Autobahn möglich sein könnte, erscheint mehr als fraglich.

    Die Tatsache, dass hessen mobil hier noch nicht plant, zeigt, dass dieser Ausbau ein heißes Eisen ist. Aber er ist nun mal politisch gewollt und spätestens wenn die Deges ab 2021 die Planungshoheit für die Autobahnen in Hessen übernehmen wird, geht es los. Dass man noch in 2020 die Volksabstimmung will, mag ein Zufall sein, aber dass diese Problematik so überhaupt nicht thematisiert wird, macht doch stutzig.

    Wie gesagt, Stadt und Land stecken an dieser Stelle den Kopf in den Sand und tuen so, als käme da nichts, aber dem ist nicht so. Die Salzbachtalbrücke wird schon auf 6 Spuren angelegt ... der Ausbau wird kommen und zwar schneller, als man vielleicht denken könnte (Einschränkung der Klagemöglichkeiten) ... aber was bedeutet das für die City-Bahn? ... nur Schweigen ...

    Oh, diese Neuplanung des Kureck Turmes war mir entgangen ... und begeistert bin ich nicht, eher ziemlich enttäuscht ...

    Ok, Naturstein, wunderbar ... aber die Fassade ist doch einfach nur noch banal und dazu prinzipiell horizontal gegliedert, was den Turm zu einem Fremdkörper in seiner Umgebung werden lässt, da war ja der Vorgängerbau von höherer Qualität. Dass man offenbar versucht, durch angedeutete Lisenen den Eindruck einer vertikalen Gliederung zu erzeugen, wirkt wenig überzeugend und eher effekthascherisch.

    Naja, vielleicht sieht das Teil dann ja in Wirklichkeit besser aus, mir persönlich hat der vorige Entwurf von Dudler um Klassen besser gefallen. Der aktuelle Stand erscheint mir für eine Dudler-Bau und den doch prominenten Platz irritierend anspruchslos und deplaziert.

    ^ Bauaesthet "schuldet" vielleicht Ihnen, Herr Camondo, eine Antwort, aber sicher nicht "uns", denn da würde ich mich als Forumsteilnehmer durchaus auch mit angesprochen fühlen ...

    Im Übrigen erlaube ich mir darauf hinzuweisen, dass Sie, Herr Camondo, mit einer recht herablassenden und maliziösen Replik auf eine völlig harmlose Frage von Bauaesthet geantwortet haben, aber das wissen Sie natürlich selber.

    Bauaesthet: nicht provozieren lassen, "sehr viele" können sich die Rossbändiger an ihrem angestammten Platz vorstellen, historisch spricht da nichts dagegen, zumindest nichts, was nicht schon auch gegen die Rekonstruktion von Schlossfassade, Kuppel, Kreuz, Inschrift, etc., etc. vorgebracht wurde. Und alles, aber auch wirklich alles, was im Verdacht steht, sich identitätsstiftend auf das untergegangene Preußen zu beziehen, wird in der altbekannten Manier, wechselseitig ignoriert, belächelt oder eben auch diskreditiert, so ist das eben und wird sicher auch so bleiben ...

    Das bis jetzt Undenkbare scheint nicht mehr ganz und gar undenkbar zu sein. Laut FR schätzt Planungsdezernent Mike Josef einen möglichen Eingriff in die geschützten Wallanlagen zu Gunsten eines neuen Opernhauses am Opernplatz gegenüber der Alten Oper als "nicht sensibel" ein. Weiter werden in dem interessanten Artikel u.a. auch Planungsideen zum Hochhaus-Rahmenplan besprochen:

    https://www.fr.de/frankfurt/fran…k-13506131.html

    Es kommt, wie es kommen musste ... laut Hessen Mobil steht auf der Salzbachtalbrücke je Fahrtrichtung ab sofort nur noch eine Fahrspur zur Verfügung und das ganztägig. Das ab morgen kommende Desaster mag ich mir gar nicht vorstellen.

    Laut Hessen Mobil wurden bei der Montage der Verstärkungsmaßnahmen durch die beauftragte Baufirma mehrere Spannglieder beschädigt, das genaue Schadensbild muss nun noch ermittelt werden :cool: und wie dann damit umgegangen wird, ist naturgemäß auch noch unklar ... :confused:

    Mir fällt zu diesem ganzen Zirkus nur noch ein Wort ein: SKANDAL

    So viele Planänderungen, Verzögerungen, Wendungen, etc. hat es nach meinem Wissen bei einem doch recht banalen Bau wie einer Autobahnbrücke noch nie gegeben ... :nono:

    https://mobil.hessen.de/pressemitteilu…fahrstreifen-je

    Dekoratives Anführungszeichen

    Denn der eigentlich grösste Fremdkörper ist hier schliesslich das rekonstruierte Palais Thurn & Taxis oder etwa nicht?

    Nein, das Palais ist natürlich kein Fremdkörper! Es erinnert uns daran, dass Frankfurt nicht erst 1945 gegründet wurde ...

    Und sorry, wie viele andere auch halte ich "das Flare" für eine schwer erträgliche Geschmacklosigkeit, ein Albtraum in weiß. Warum? Das Erdgeschoss bzw. die Sockelzone ist extrem gedrungen, überhaupt nicht offen, großzügig, einladend, eben null urban, null großstädtisch, nur maximal funktional. Die Fassade nur eine einfallslose, aneinanderreihende Wiederholung der immer gleichen komischen Kachel von fragwürdiger Provenienz. Da ist weder eine vertikale, noch eine horizontale Gliederung der Fassade erkennbar, kein Esprit, keine Eleganz, noch nicht mal ein kleiner Akzent, nichts ... der Höhepunkt ist dann aber der Wohnblock zum Palais, wo sich diese Kacheloptik dann noch expressiv aufgeblasen steigert und auf mich einfach nur noch vulgär und abstoßend wirkt.

    Und sorry, Kritik gehört zum Forum halt dazu, das hat mit fair/unfair rein gar nichts zu tun, das nennt man Meinung und die darf man auch zugespitzt und pointiert formulieren.

    ^ Die zusätzlichen Stahlseile unter den beiden Brückenhälften resultieren noch aus einer Sanierung von vor ca. 10 Jahren, als der marode Spannbeton mittels einer externen Vorspannung ertüchtigt wurde ... hat also mit den aktuellen Verstärkungsmaßnahmen nichts zu tun, außer vielleicht, dass damit damals ein wenig Zeit gewonnen werden sollte, die aber nicht besonders gut genutzt wurde ...

    Dieses ganze Baumaßnahme steht bereits jetzt unter keinem besonders guten Stern, wenn man bedenkt, wie oft schon umgeplant und verschoben werden musste, obwohl noch nicht mal der Abriss der alten Brücke begonnen hat. Und nach aller Erfahrung (Schiersteiner Brücke, Grorother Bach, etc.), wäre es schon sehr erstaunlich, wenn Abriss und Neubau der Südbrücke im Zeitplan blieben; ich halte den jetzigen Zeitplan (Fertigstellung Ende 2020/ Anfang 2021) für recht ambitioniert. Und bis dahin muss die alte Brücke halten und ich bin mal gespannt, wie sich der Status der Brücke entwickelt, wenn dann auch der Schwerlastverkehr die beiden fragilen Randbereiche der Brücke befahren wird. Die jetzigen Maßnahmen zeigen, wie schlecht offenbar die Substanz ist ...

    ^ Wenn es nur nach den "Entscheidungsträgern" gegangen wäre, hätte es keine Rekonstruktion der Stadtschlösser in Potsdam und Berlin gegeben. Auch die Restaurierung der Staatsoper Unter den Linden hätte sicher einen anderen Verlauf genommen und die Wiederaufbauleistung Paulicks heute womöglich nur noch Erinnerung. Auch in Frankfurt wurde die Teil-Reko der Altstadt den Entscheidungsträgern abgerungen ... also insoweit würde ich die zivilgesellschaftlichen Akteure nicht unterschätzen, Du weißt doch, nichts ist stärker als eine Idee, deren Zeit gekommen ist ... wie man z.B. an der Potsdamer Garnisonskirche sehen kann, für deren Reko sogar das ZDF Sendezeit zur Verfügung stellt ...

    Und ob irgendwann mal die Zeit für die Denkmalskirche kommt, wird man halt sehen, so ein bisschen Bewegung scheint mir in die Sache aber schon gekommen zu sein ...

    ^^ Dem kann ich mich anschließen ...

    Ich denke, gerade der Kenotaph der Königin Luise ist ein schönes Beispiel für die Perspektivität der abweichenden Betrachtungen ...

    Die einen mögen darin nur die Darstellung einer verstorbenen Monarchin oder eine Art Devotionale für einen unkritischen Verherrlichungskult sehen ...

    Viele andere bewundern aber vor allem die überragende Kunstfertigkeit eines Christian Daniel Rauch, der dem harten Marmor ein wunderbar weiches Bild einer scheinbar nur schlafenden Frau abgerungen hat ... großartige Kunst und ein Zeichen dafür, wozu Menschen fähig sind, wenn man ihre Begabungen fördert und unterstützt.

    So ganz ähnlich scheint mir das auch beim Stadtschloss zu sein. Die einen mögen drin nur einen aufgesetzten Fassaden-Pomp und leeres Hohenzollern-Pathos sehen, viele andere aber sehen darin die grandiosen Entwürfe der beteiligten Architekten, den Fleiß und die Mühen der "Werktätigen", die dieses Schloss mit ihrer Arbeit und ihrem Schweiß errichtet hatten, also nicht primär ein Werk der Hohenzollern, sondern eines der Maurer, Bildhauer, Stukkateure, Maler, Kunsthandwerker ... die Monarchen bezahlten, aber entworfen und gebaut haben "die Menschen" und das gilt für viele andere Bauten auch, die man nach dem Krieg achtlos bzw. voller Verachtung abriss oder dem Verfall preisgab ...

    ^ Du scheinst mir weniger irritiert, wenn Personen außerhalb Berlins demselben Projekt sehr vehement entgegentreten ....

    Im Übrigen finde ich es schon sehr erstaunlich, dass man noch nicht mal versucht, die reichlich vorhanden Fassaden- und wohl auch Ausstattungselemente der Denkmalskirche in irgendeiner Weise zu sichern / erfassen / konservieren ... so ganz große Geldbeträge kann das ja nicht kosten und man würde zukünftigen Generationen die Chance geben, sich damit auseinanderzusetzen und jeweils neu die Entscheidung darüber zu treffen, wie man damit umgehen möchte, vielleicht sogar, wenn wir Heutigen uns dazu nicht durchringen können oder wollen, einen Wiederaufbau in Angriff zu nehmen oder eben auch nicht. Das wäre kulturelle Nachhaltigkeit!

    So lässt man die historischen Überreste einfach im Wald weiter verwittern, verwachsen und vermoosen ... und riskiert den Bestand eines Teiles der historischen Erinnerung unserer Kinder, nur weil wir uns selber damit schwer tun.

    Zeigt sich in diesem Verhalten Desinteresse, Inkompetenz oder einfach eine spezielle Form der Verachtung bzw. Geringschätzung der Epoche, die man in diesen Resten eines Baudenkmals symbolisch zu sehen glaubt? Ich weiß es nicht ... :nono: ... sollte es aber letzteres sein, hätten wir die unselige Verlängerung der in Deutschland schon immer sehr stark ausgeprägten Tradition der Bilderstürmerei ... eigentlich erstaunlich, dass wir aus unserer Geschichte irgendwie nicht lernen wollen ...

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    Auch das Aufbahren des Lenin ist für mich eine Kuriosität, genauso wie das Zerstückeln der Leichen und den Geiern vorwerfen in Tibet oder das Konservieren, Aufbewahren und Rumtragen an Feiertagen der Toten in den Familien anderswo (weiß so spontan nicht mehr wo das war, Mittelamerika?).

    Ich hätte Dir jetzt schon etwas mehr Kultursensibilität zugetraut ... also wenn Du Dich an den Hohenzollern abarbeitest oder Dich über die Kaiserzeit und deren Hinterlassenschaften polemisch äußerst, findest Du hier sicher jede Menge Beifall und sicher auch viel Widerspruch, wir haben halt ein schwieriges, gebrochenes Verhältnis zu unserer Geschichte und das ist dann eben Deine Art, damit umzugehen ... aber warum man sich hier in dieser Weise herablassend, spöttisch und irgendwie auch respektlos über die kulturellen Traditionen von Tibetern und Mittelamerikanern äußern muss, das erschließt sich mir überhaupt nicht ... (Ironie an) Ich empfehle einen Besuch im bald fertigen Humboldt Forum (Ironie aus)

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    denn normalerweise werden die Toten ja begraben und haben dann ihre Ruhe.

    "normalerweise" ist im Zeitalter der kulturellen Vielfalt doch eher eine, wie Du sagen würdest, "kuriose" Kategorie. Und eine Leitkulturdebatte zu Totenkult und Begräbnisritualen ist in diesem Zusammenhang auch etwas schräg ...

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    hervorragendes Kuriositätenkabinet

    Eine kuriose Charakterisierung eines historischen Ortes, an dem die Begräbniskultur einer vergangenen und untergegangenen Epoche zu besichtigen ist.

    Für einige wenige vielleicht ein Ort der unkritischen Verehrung, für einige andere nicht mehr als ein "Kuriositätenkabinett", für die meisten aber sicher ein Ort des Lernens, vielleicht auch des Staunens oder der Irritation über Sitten und Gebräuche der Vergangenheit und ihrer Kultur, hier eben besonders die öffentliche und pompöse Bestattung von Fürsten und ihren Familien ... also ein nicht eben unbedeutender Teil des kulturellen und geschichtlichen Erbes, das es zu bewahren gilt ...

    Und noch als kleine Ergänzung zum Thema "Misstrauen" gegen Darstellungen auf Homepages:

    Auf der Homepage der Uni-Bibliothek ist zu lesen, dass der alte Lesesaal, der direkt an den hier oft besprochenen Kuppelsaal der Staatsbibliothek angrenzte, im Zweiten Weltkrieg zerstört worden wäre. Dieser ist auf einer Abbildung von 1929 hier zu sehen:

    https://www.ub.hu-berlin.de/shared/bilder/…hte/ls_1929.jpg

    Nun kann sich jeder mal im ganz wörtlichen Sinne ein Bild davon machen machen, ob das so stimmt:

    https://bauten.hu-berlin.de/de/grimm/Fotog…platz-1950/view

    Der Saal ist sicherlich beschädigt, aber zerstört? Oder gar eine Ruine? Ich denke eher nein ... will heißen, man muss nicht immer alles glauben, was auf einer Homepage steht. Was aber nicht heißt, dass dabei irgenwelche Absichten verfolgt werden, vielleicht hat man nur irgendwo falsch abgeschrieben, soll sogar bei summa cum laude Doktorabeiten vorkommen :D

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    Ich finde, die Sache liegt auf der Hand: Man hat nach dem Krieg die Dächer wieder geschlossen und die Bibliothek in damals zeitgemäßer Weise wieder aufgebaut. Der Kuppelsaal blieb leer, hatte weder einen Boden noch eine Decke, und war vermutlich auch statisch in einem fragwürdigen Zustand.[...]

    1977 dürfte eher Desinteresse am Erhalt kaiserzeitlicher Bausubstanz der Grund für die Entscheidung gewesen sein.

    So könnte es gewesen sein, aber Spekulationen ersetzen halt keine Fakten und vielleicht gibt es ja irgendwo eine Dokumentation oder Fotos ...

    Ich denke auch, die Tatsache, dass man sich bei der Rekonstruktion des Daches nach dem Krieg relativ viel Mühe gab, könnte darauf hindeuten, dass man die Absicht hatte, den Lesesaal wieder zu eröffnen, in vereinfachter Form in Stand zu setzen, komplett zu rekonstruieren oder was auch immer ... und das fände ich für die Geschichte des Ortes interessant ... und auch die Gründe, warum es dann anders kam oder überhaupt wie es dann kam ... aber dazu findet sich leider nichts, nur die sehr verkürzte Aussage, dass da eine Ruine abgerissen wurde und das finde ich etwas arg dünn, vor allem wenn man bedenkt, wieviel Mühe und Aufwand man sich jetzt bei der Sanierung dieses Ortes inkl. Restaurierung Treppenhaus, Vestibül, wilhelminische Majolika etc. gibt.

    Übrigens ist das keine ideologische Frage oder eine spezifische DDR Sache ... Dass man auch im Westen die architektonischen Hinterlassenschaften der Gründerzeit im Allgemeinen und des Wilhelminismus im Speziellen nicht eben schätzte (mancherorts bis heute, Stichwort Senckenberg Frankfurt) und auch erhaltungsfähige Bausubstanz in größerem Umfang abriss, ist ja nun hinlänglich bekannt.

    Kurz gefasst: Mir geht es um die Architektur-Geschichte des Ortes und nicht um deren ideologische oder politische Deutung!

    ^ Oh, danke, das Bild kannte ich noch nicht ... und ist doch sehr erhellend. Der Zustand des Kuppeldaches kommt dem Original sehr nahe:

    http://staatsbibliothek-berlin.de/fileadmin/_pro…_c9d95a0dd7.jpg

    Wenn man dann in Rechnung stellt, dass der Zustand des Allgemeinen Lesesaals nach Angaben auf der Homepage der Staatsbibliothek bei Kriegsende als lediglich "unbenutzbar" beschrieben wird und folgendermaßen nach dem Einschlag der Luftmine illustriert wird:

    http://staatsbibliothek-berlin.de/fileadmin/_pro…_441326dbd2.jpg

    Kann man sich schon fragen, wie denn der Zustand des Innenraumes vor dem Abriss 1977 aussah ...

    Danke, aber das hatte ich auch schon gefunden, allerdings bleiben da halt doch noch ein paar Fragen offen, da eine sehr verkürzte Darstellung.

    Auf der Homepage der Bibliothek (s.o.) findet man ein Foto, auf dem die "Sprengung der Kuppel der Lesesaalruine" 1975 fetgehalten wurde. Man sieht auf dem Foto das Stahlgerippe der Kuppel, das nun überhaupt nichts mit "Notdach" oder "Behelfsdach" zu tun hat, sondern eher so aussieht, als käme es dem Original recht nahe. Außerdem suggeriert das Foto und seine Unterschrift, dass es sich um den zerstörten Nachkriegszustand handelt, was aber nicht stimmen kann, da man ja auf dem Luftbild sehen kann, dass dieses Gerippe eingedeckt gewesen sein muss. Zudem sieht man doch wohl sehr gut, dass der Mauerkranz, auf dem die Kuppel "auflag", recht gut intakt gewesen sein muss.

    Und dass die DDR kein Geld für eine Rekonstruktion gehabt hätte, aber dann doch die Mittel, um an der selben Stelle die fetten Magazintürme zu bauen, klingt nicht gerade überzeugend. Viel sinnvoller erscheint doch, dass man den Platz der Lesesäle brauchte, um Magazin zu bauen und dafür halt "den Bestand", wie auch immer der ausgesehen haben mag, abgerissen hat ...

    Die Frage ist doch jetzt einfach, wie "der Bestand" aussah. Dazu findet man iwie kein Bildmaterial, sondern nur als Beschreibung "Ruine", aber das ist nun wirklich ein weites Feld ...

    Vielleicht weiß ja jemand, wo der Zustand der Lesesäle vor dem Abriss 1977 dokumentiert ist. Ich finde leider nur Bilder von 1945 und Bilder, die den bereits fortgeschrittenen Abriss dokumentieren ...

    ^ Du scheinst mir das sehr sicher zu sein ... Hättest Du einen Nachweis? Oder irgendeine Art Dokumentation? Muss auch nicht im Netz sein ...

    Und sorry, das ist nun wirklich kein Notdach ... egal in welchem Zustand der Saal darunter gewesen sein sollte ...