Kommen wir noch einmal zum Hochhaus "Orbit“ und seinem Vorplatz. Auch hier ist die öffentliche Aussichtsterrasse leider weiterhin nicht freigegeben, daher zunächst wieder einige Bilder in Richtung dieser Anlage.
Der Bereich ist durchaus aufregend gebaut: Die Wegeführungen, Treppen, Rampen und Ebenen erzeugen eine fast landschaftliche Architektur. Von dort oben dürfte die Aussicht später wirklich sehr spannend sein.
Zum Hochhaus selbst noch ein kleiner Vergleich: Die bauliche Realität zeigt sehr deutlich, dass der große Durchbruch zwar das prägende Motiv des Gebäudes ist, die Wirkung des Hochhauses durch die niedrigeren, sehr schlichten weißen Vorbauten im Erdgeschoss- und Sockelbereich aber teilweise abgeschwächt wird.
Um besser sichtbar zu machen, wie stark dieses Motiv eigentlich sein könnte, habe ich zusätzlich eine eigene Grafik erstellt, bei der die vorgelagerten Baukörper ausgeblendet wurden. Ohne diese Vorbauten wirkt der Durchbruch deutlich klarer, fast schon monumental, und das Gebäude erhält eine ganz andere Präsenz. Die Realität ist natürlich komplexer und städtebaulich vermutlich auch funktionaler, aber rein gestalterisch zeigt der Vergleich recht gut, welches Potenzial in dieser Idee steckt.





Die bauliche Realität:

Ohne Vorbauten würde das alles dann so wirken:

Das "Orbit“ ist extrem schwierig zu fotografieren; und genau deshalb macht es irgendwie Spaß. Zum einen ist es ein Gebäude, an dem man sich länger festsehen kann, zum anderen fordert es einen fotografisch ziemlich heraus: Perspektive, Maßstab, Durchbruch, Balkone, Farben und Fassadenstruktur konkurrieren ständig miteinander.
Zum Abschluss daher noch eine eher normale Seitenansicht und anschließend eine kleine grafische Spielerei.
Gerade das zweite Bild zeigt, wie eigenwillig das Gebäude eigentlich ist. Durch die Drehung und den engen Ausschnitt verliert man fast die Orientierung.
Oben und unten sind nicht mehr sofort eindeutig, die Balkone wirken wie farbige Pixel oder herausgeschobene Schubladen, und der große Durchbruch wird plötzlich weniger als architektonisches Loch, sondern eher als abstrakter Raumkörper wahrgenommen. Die Fassade kippt dabei fast ins Grafische: weniger Wohnhochhaus, mehr geometrisches Muster, irgendwo zwischen Architekturaufnahme und konstruktivistischem Suchbild.
Für mich zeigt dieses Bild ganz gut, warum das "Orbit“ trotz aller Kritik ein dankbares Motiv ist: Es ist sperrig, überladen, nicht unbedingt elegant.
Aber fotografisch alles andere als langweilig.


Zum Abschluss noch eine kleine Bildserie zum Wohnhochhaus H, direkt am grünen Hügel und an der Europa-Achse gelegen.
Fotografisch ist das Gebäude ein wunderbares Motiv. Vor allem aus der Look-Up Perspektive entfaltet es eine starke Wirkung: Die auskragenden Baukörper, die umlaufenden Balkone, die hellen Geländer und die gelben Fassadenfelder erzeugen ein spannendes Spiel aus Linien, Ebenen und Tiefe. Je nach Blickwinkel wirkt das Hochhaus fast wie eine gestapelte Stadtlandschaft, die sich über den niedrigeren Klinkerbauten erhebt.
Auch städtebaulich funktioniert der Bau an dieser Stelle durchaus: Er setzt einen klaren Hochpunkt, markiert den Bereich um den grünen Hügel und bringt eine gewisse Großstadtwirkung in das Quartier. Gerade im Zusammenspiel mit den niedrigeren, eher ruhigen Sockel- und Hofbebauungen entsteht ein interessanter Maßstabssprung.
Was mich allerdings deutlich stört, sind einige technische Details vor allem die deutlich sichtbar geführten Rohre und Leitungen unter den Auskragungen. Diese wirken an mehreren Stellen wie Fremdkörper und beschädigen die ansonsten recht klare architektonische Wirkung erheblich. Bei einem Gebäude, das so stark über Perspektive und plastische Wirkung funktioniert, hätte man solche Elemente gestalterisch sauberer integrieren müssen. Gerade weil das Hochhaus sonst viel hergibt, fallen diese Details umso stärker ins Gewicht. Auch der obere Abschluss der beiden Türme hätte aus meiner Sicht etwas mehr gestalterische Ausarbeitung verdient. So wirkt er leider recht schlicht und beinahe etwas abrupt.
Trotzdem bleibt das Wohnhochhaus H für mich eines der interessanteren Gebäude in Franklin: nicht perfekt, stellenweise etwas rau, aber als Motiv und städtebaulicher Akzent ausgesprochen wirkungsvoll.




Gerade bei diesen Blicken auf das Wohnhochhaus H verschwimmen Realität, Perspektive und Verdrehung ein wenig miteinander. Und genau darin liegt für mich auch der fotografische, aber auch architektonische Reiz dieses Gebäudes.




© alle Bilder: Adama
Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!
Franklin ist trotz aller Kritik ein Quartier, das man sich durchaus einmal vor Ort ansehen sollte, vor allem dann, wenn es weiter fertiggestellt ist und die Aussichtspunkte freigegeben sind. Mit dem Hochhaus M kommt nun offenbar doch noch einer der wichtigen Bausteine hinzu, was die Entwicklung noch einmal spannender machen dürfte. Direkt nebenan liegt zudem mit Spinelli Quartier ein weiteres großes Neubaugebiet, das man in diesem Zusammenhang ebenfalls im Blick behalten sollte.
Falls Interesse besteht, könnte man sich Mannheim-Franklin irgendwann auch einmal mit mehreren gemeinsam vor Ort ansehen. In Mannheim passiert derzeit ohnehin einiges: Der Bereich rund um den Hauptbahnhof, besonders in Richtung Lindenhof, hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Dazu folgt demnächst noch ein eigener Beitrag.
Und Mannheim lohnt sich ohnehin: Die Quadratestadt mit ihrem riesigen Schloss, der Augusta-Anlage, der barocken Stadtstruktur und einer ganzen Reihe sehenswerter Kirchen ist schon für sich genommen einen Besuch wert. Wenn man dann ohnehin in der Gegend ist, könnte man auch noch einen Blick nach Ludwigshafen werfen. Die neue Bebauung am Luitpoldhafen ist durchaus interessant und wirkt stellenweise fast futuristisch.