Beiträge von DerMaDeBu

    Dekoratives Anführungszeichen

    Wie kommen die +1000 Mitarbeiter dahin ? Keine S-Bahn

    Na die S-Bahn dahin wurde ja in den letzten Jahrzehnten gebaut und rechts im Bild siehst du die neue Brücke der S-Bahn, aber leider ist ja der S-Bahnhof, der das Gebäude an diese neue S-Bahn (S15) angebunden hätte, aus Spargründen noch nicht gebaut worden/auf Eis gelegt worden und kürzlich wurde hier ja auch berichtet, dass der S-Bahnhof, der direkt neben dem Gebäude auf der Bahn-Brücke gebaut werden soll, Sparmaßnamen zum Opfer fällt und dadurch kein richtiger Platz mehr davor gebaut werden soll, sodass die Erreichbarkeit und Durchwegung zwischen den umliegenden Gebieten zum Bahnhof schlechter wird als ursprünglich geplant. Es wird angeblich nur eine Minimal-Sparversion geben, mit der sich die Mitarbeiter zufrieden geben müssen. Ca. 2035 dürften dann die ersten Mitarbeiter mit der S-Bahn direkt vors Büro fahren können. Bis dahin dürfen sie lediglich dran vorbei fahren und an anderen Bahnhöfen aussteigen.

    Dekoratives Anführungszeichen

    "Totalverspiegelung" ist komplett unzeitgemäß. Abgesehen vom Aussehen, bei dem ich so etwas auch altbacken finde, wurde beim Extremwetterkongress in Hamburg jüngst wieder vor großflächigen Verglasungen gewarnt.

    Bei der Warnung vor Totalverglasung geht es neben dem Spiegeleffekt, der Sonnenstrahlen auf die Umgebung wirft und alles massiv erhitzt, vor allem darum, dass die Verglasung viel Hitze ins Gebäude lässt. Er meinte offenbar aber, dass die Fassade nicht aus Glas bestehen soll, sondern aus Mauerwerk/Platten und davor eine verspiegelte Fläche entstehen soll, sodass der Punkt mit der Durchlässigkeit der Fassade gebannt wäre und Photovoltaik in der Fassade die Energie aufnimmt. Aber bliebe noch der Punkt der Hitzeerzeugung in der Umgebung durch den Spiegeleffekt. Das würde den unwirtlichen Ort im Sommer tatsächlich noch heißer und unwirtlicher machen.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Die Fassade wird gereinigt

    Da der Asbest vermutlich nicht nur aus dem Dach geholt wird sondern auch aus der Fassade wird die Fassade wahrscheinlich auch ersetzt, zumal sie eh mit Asbest kontaminiert sein könnte. Je nach Art der Kontamination dürfte sie unter Umständen nicht mal gereinigt werden, weil das massenweise krebserregende Fasern regnen lassen würde. Aber die Fassadenplatten sehen nicht nach Asbest aus. Wir werden sehen. Aber die Tage für das bisherige Aussehen des Memi könnten gezählt sein - es sei denn natürlich, man beschränkt sich nur aufs Dach und die Fenster.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Gibt es denn irgendwo Details dazu, was hier überhaupt geplant ist? Einfach die kotbraune Fassade wieder besonders schön kotbraun herrichten oder soll hier ein bisschen etwas Freundlicheres gemacht werden? Oder geht es nur um die Sicherung von absturzgefährdeten Teilen? Irgendetwas bekannt?

    Nun ja, da auf den Fotos zu sehen ist, dass im Hof neuerdings viele Big Bags mit einem kleinen "a" liegen, die für Asbest gemacht sind, kann man davon ausgehen, dass aus dem Bau massenweise Asbest entfernt werden soll. Zwar gibt es auch Fassadenplatten mit Asbest, aber in diesem Fall scheint es sich eher um Fassadenplatten aus Beton zu handeln, sodass wohl auch tiefer ins Gebäude vorgedrungen werden soll, um dort Asbest herauszuholen. Das könnte dann das Dach betreffen und die Dämmung hinter der Fassade, oder aber auch Asbest, der in den Fassadenplatten enthalten ist. Jedenfalls deckt sich das alles mit der Ausschreibung der WBM. Da im Hof auch neue Dämmmaterialien liegen, kann man davon ausgehen, dass diese eine alte Asbestdämmung ersetzen sollen. Ein bloßes zusätzliches Dämmen wäre vermutlich genauso verboten, wie auf Asbest-Dächern Photovoltaik anzubringen.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Der Bauherr schuldet nur das, was der Gestaltungsbeirat, Gestaltungssatzung, Bebauungsplan etc. fordert.

    Juristisch gesehen mag das stimmen. Wenn wir hier von Betrug gesprochen haben, dann nicht von Betrug im strafrechtlichen Sinne, sondern im wortwörtlichen bzw. prinzipiellen Sinne. Kein strafrechtlicher Betrug, sondern ein prinzipieller Betrug am gemeinsamen Gut „Stadt“.

    Betrug ist Betrug, auch wenn er juristisch gesehen legal ist - das gibt´s in vielen Bereichen. Betrug am Vertrauen der Öffentlichkeit und politisch/städtebaulich ein Missbrauch des Wettbewerbs- und Planungsverfahrens sowie gesellschaftlich eine Täuschung über die tatsächliche Qualitätsabsicht. Das abstrakte Gut "Stadt" gehört uns als Gesellschaft und deswegen dürfen wir als Gesellschaft über Vertreter entscheiden, wie Gebäude aussehen, auch wenn uns die Stadt auf einer viel indirekteren Ebene gehört als ein Auto dem Nachbarn gehört. Wenn jemand mit einem bestimmten Gesamteindruck (Materialität, Atmosphäre, Qualität) öffentliche Zustimmung und einen Zuschlag gewinnt und ihn danach bewusst ändert, dann täuscht er nicht nur einen Vertragspartner, sondern das Vertrauen derjenigen, denen die Stadt im Prinzip gehört.

    Der fundamentale Unterschied liegt darin, dass ein Einfamilienhaus ein isoliertes Konsumgut ist, während die Stadt (auch die HafenCity) ein kollektives Ökosystem und Gemeinschaftsgut darstellt.

    Uns und mir ging es hier darum, was jemand uns als Gesellschaft und unseren Vertretern bei Wettbewerben auf einer Visualisierung und einem Bauschild verspricht vs. was derjenige dann in echt liefert. Und dazu gehört auch jede Fliese, Farbe etc., denn all das gehört zum Gesamterscheinungsbild, das die Atmosphäre vor Ort (in der Straße/auf dem Platz), die Qualität des Baus und der Umgebung und somit unser aller Eigentum und Lebensraum namens Stadt prägt und unser Leben beeinflusst. Und wenn sie durch eine Farbe oder eine Fliese eine bestimmte Atmosphäre und Optik erzeugt, die dann den Wettbewerb gewinnt, dann darf diese danach nicht plötzlich anders sein, auch wenn es juristisch möglich wäre. Nur weil etwas juristisch gesehen möglich ist, heißt das nicht, dass es auf allen anderen Ebenen im Kontext ebenfalls möglich ist. Das ist sonst viel zu eindimensional betrachtet.

    Wenn die Gesellschaft über Wettbewerbe und Planungsprozesse Qualität steuert, dann muss das, was als Qualität präsentiert wurde, auch weitgehend gehalten werden. Sonst verliert das ganze Steuerungssystem an Glaubwürdigkeit.

    Zu deinem Argument mit den Volksabstimmungen bei jedem Einfamilienhaus: Dein Vergleich lässt komplett außer Acht, dass es sich bei dem Gebäude in der HafenCity um ein Gebäude in einem gesellschaftlich besonders relevanten Gebiet handelt, das viel mehr als das bloße juristische Eigentümer-Verhältnis mit sich bringt. In Einfamilienhaus-Baugebieten abseits der Innenstadt und HafenCity sind die Vorgaben zu Material und Farbe relativ großzügig oder gestalterisch wenig anspruchsvoll. Dort gilt, dass du als Eigentümer viel machen kannst und das öffentliche Interesse der Gesellschaft relativ wenig Gewicht hat. Die HafenCity und Innenstadt sind aber in viel größerem öffentlichen Interesse der Gesellschaft und Stadt und dort wird öffentlich von unseren Steuergeldern viel mehr Geld für Erschließung und städtebauliche Qualität bzw. ein neues Stück Stadt in die Hand genommen, als in jeder Einfamilienhaussiedlung. Insofern will die öffentliche Hand natürlich auch erreichen, dass die HafenCity gut wird. Ein chaotisches, minderwertiges oder rein profitorientiertes Ergebnis würde den langfristigen Wert für die gesamte Stadt (und damit für alle Bürger) mindern. Deshalb hält die Stadt über den Masterplan, detaillierte Bebauungspläne und Wettbewerbe die Zügel fest in der Hand – um Qualität, Mischung und das Gesamtbild zu sichern. Sobald es um zentrale, teure, symbolisch wichtige Flächen geht, steigt das öffentliche Interesse massiv. Man will nicht, dass private Einzelinteressen das Gesamtbild und den langfristigen Nutzen für die Allgemeinheit zerstören. Ein Einfamilienhaus sehen meist nur die Eigentümer. Bei der HafenCity geht´s aber um das Image Hamburgs und die Zukunft eines Gemeinschaftsprojekts.

    Es gibt einen Unterschied zwischen sachenrechtlichem Eigentum (das physische Gebäude/Grundstück gehört jemandem) und der Tatsache, dass die Stadt bzw. das Stadtbild „allen gehört“ (ideell/gesellschaftlich). Bei Gebieten wie der HafenCity ist genau das Gegenteil erfüllt wie bei Einfamilienhaus-Baugebieten. „Die Stadt gehört uns allen“ meint nicht im Sinne des Grundbuchs oder des Privateigentums, sondern im Sinne des Rechts auf Teilhabe am kollektiven Gut und ist fundamentales Menschenrecht und demokratisches Grundprinzip. Eine Stadt ist kein privates Auto oder Unternehmen, sondern ein Gemeingut.

    Zum Fiat-Ferrari-Vergleich: doch, in Gebieten wie der HafenCity ist es so (auch juristisch), dass auch der Passant, Nachbar etc. entscheiden dürfen - nicht nur der Käufer/Verkäufer. Ein privates Auto steht nicht dauerhaft fest im öffentlichen Raum und prägt nicht für Jahrzehnte das Stadtbild. Ein Gebäude (besonders in Innenstadt-Lage) schon. Deshalb ist die ästhetische Regulierung bei Immobilien grundsätzlich stärker als bei beweglichen Sachen. Der Passant oder Nachbar hat kein Mitspracherecht beim Autokauf – aber er hat (über das Baurecht) ein berechtigtes Interesse daran, dass das Gebäude nebenan nicht das Ortsbild verunstaltet.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Denn sobald irgendwann das Ex-Tankstellengrundstück an der Holzmarktstraße entwickelt und bebaut ist, wird es keine einzige Perspektive mehr geben, aus der sich das komplette Volumen auf einen Blick erfassen lässt

    Exakt. Da trifft es sich gut, dass dieser Bau zwar keine gute Fernwirkung zu haben scheint, aber eine gute Nahwirkung. Man stelle sich vor, man sitzt in der fahrenden S-Bahn und fährt daran vorbei, dann sieht man über so einen langen Riegel Meter um Meter vor- und zurückspringende Glasfassade, deren Innenleben beleuchtet wird und das Innenleben offenbart - wie großstädtisch sieht das denn aus?! Sehr! Gerne mehr davon. Viel besser, als auf eine brachliegende Wiese und DDR-Tristesse zu blicken. Ich empfehle übrigens mal, sich das Grundstück von oben anzuschauen oder vor Ort die Dimensionen des LXK anzuschauen - das Ding ist vergleichsweise riesig und ca. sechs mal so breit wie der Plattenbau dahinter oder das Circus Living. Hier erkennt man es: https://cdn.prod.website-files.com/680f0a9f03b569…quence_009.webp

    Dekoratives Anführungszeichen

    Screenshot-20241106-150259-2.png

    Westliche Seite ⬇️

    Screenshot-20241106-150418-2.png

    Wenn man sich diesen dahinter liegenden Prachtbau anschaut, dann ist der Neubau im Vergleich wirklich eine Bereicherung und toll, dass das Monstrum dahinter verborgen wird. ^Ja, vor allem diese vertikalen silbergrauen Lamellen in der Fassade lassen das Ding wirken als sei es aus den 80ern, aber ich finde, dass die Fassade bei dunklerer Jahreszeit und weniger Sonne deutlich besser und moderner wirkt. Wenn man sich beispielsweise die Fotos aus März 2026 ansieht, wo weniger Sonne war und die Lichtstimmung viel düsterer war, wirkte der Neubau deutlich moderner und "cooler". Bin auf die Wirkung in den kommenden Monaten gespannt.

    ^Das Gegenteil ist ja der Fall. Ich war derjenige hier im Thread, der diese Differenzierung merklich vorangetrieben hat.

    Wo habe ich denn deiner Meinung nach geschrieben, dass die entstehenden Hochhäuser in ihrer Architektur etwas mit dem Kollhoff-Plan zu tun haben und dass das Berlinian von Kollhoff genauso entworfen worden wäre? Und wo habe ich deiner Meinung nach Städtebau und Architektur nicht getrennt von einander betrachtet? Das Gegenteil ist der Fall.

    ^

    Also langsam weiß ich wie NassesDreieckOoTG auch nicht, ob du nur ragebaitest oder das wirklich ernst meinst, schließlich sind das doch alles genau die Dinge, die ich dir erklärt/beigebracht hatte und die du jetzt mir als dein Argument verkaufst. Seltsam. Habe ich geschrieben, dass Kollhoff das Berlinian so entworfen hätte? Nein. Habe ich geschrieben, dass das Berlinian in Sachen Stadtreparatur in der Tradition der kritischen Rekonstruktion steht und zumindest in manchen Punkten wie der Einrahmung des Platzes Kollhoffs Plan entspringt und entspricht? Ja. Das ist was vollkommen anderes, insofern war mein Argument nicht falsch.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Genau dieser bewusste Kontrast ist es doch: Statik trifft auf Dynamik, orthogonales Raster auf fließende Kurven.

    Richtig, das ist doch genau das, was ich geschrieben habe, dass es sich um unterschiedliche Architektur handelt, die komplementär wirkt, da Architektur-Fan geschrieben hatte, dass beides die selbe Architektur sei, weil die Höhe der Gebäude gleich ist.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Mittlerweile hat sich die Situation um 180 Grad gedreht. Denn heute bezeichnet man es als kritische Rekonstruktion, wenn am Alexanderplatz der modernistische Gebäudebestand aus der Zeit der 1960/70er Jahren durch Neubauten im Stile einer zeitgenössichen Moderne fortgeführt wird.

    Das Berlinian und dessen Sockel entspringen wie geschildert aus dem überarbeiteten Masterplan von Kollhoff. ElleDeBE hat richtigerweise geschrieben, dass es in der Tradition der kritischen Rekonstruktion steht. In dieser geht es, genauso wie in Kollhoffs Plan, um das Gegenteil dessen, was den Gebäudebestand und den Städtebau der 1960er/70er Jahre ausmacht. Denn in Kollhoffs Plan ging es wie erwähnt darum, die Weitläufigkeit des Alex mit seinen alleine stehenden Solitären (Haus des Lehrers usw.) und den riesigen Freiflächen dazwischen durch eine Randbebauung aus Sockeln (daher auch die Sockelpflicht für Covivio und Co.) einzudämmen und den Platz einzufassen und sich so auf den historischen Städtebau und die Strukturen von vor 1960 bzw. den Vorkriegszustand zurückzubesinnen. Bei Berlinian und Co. handelt es sich also architektonisch und städtebaulich nicht um eine Fortführung des Gebäudebestands der 1960er/70er durch Neubauten im Stile einer zeitgenössichen Moderne, sondern im Gegenteil, um Stadtreparatur und Rekonstruktion von Blockkanten etc.

    Denn auch, wenn der Kollhoff-Plan nachträglich teils verändert wurde und einzelne DDR-Gebäude nicht abgerissen wurden, ist zumindest diese Komponente zur Abkehr vom Städtebau der Nachkriegszeit bestehen geblieben. Das ist das Gegenteil von Fortführung und verdient das Prädikat "in Tradition von kritischer Rekonstruktion" von ElleDeBE .

    Dekoratives Anführungszeichen

    Das vordere Gebäude (Central One Midtown Office) hat die gleiche Höhe wie das Sockelgebäude des Hochhauses, bei dem es sich ja bekanntlich um den Galeria Kaufhof handelt. Klar, das Berlinian ist ein Hochhaus, aber es gibt doch eine durchlaufende Gebäudekante.

    Die beiden Gebäude verkörpern zwei völlig unterschiedliche architektonische Haltungen, Stilrichtungen und Fassadenkonzepte. Die Höhe der Gebäude sagt nichts über deren Architektur aus und hat nur etwas mit städtebaulichen Vorgaben zu tun. Die Architektur füllt diesen städtebaulichen Rahmen aus. Der Architekt plant, wie die vorgegebene Höhe gestalterisch genutzt wird. Da am Alex recht strenge städtebauliche Vorgaben gelten, wird die Art der Architektur bzw. deren Differenzierung nur darüber sichtbar, wie die Vorgaben ausgefüllt werden, und nicht über die Höhe oder Kubatur der Gebäude. In dem strengen Rahmen, der der Architektur in Bezug auf Höhe und Kubatur hier am Alex gesetzt wurde, wurde beim Central One Midtown Office und Galeria-Gebäude (Sockel des Berlinian) alles getan, um eine unterschiedliche Architektur zu erhalten.

    Während das eine Gebäude auf Dynamik, Fluss und das Aufbrechen von Gewohnheiten setzt, folgt das andere den Prinzipien von Ordnung und Struktur.

    Central One Midtown Office: Verschobene Elemente & Rundungen, dynamisch und bewegt. Die verschobenen Elemente erzeugen ein Spiel aus Licht und Schatten. Es gibt keinen klaren Rhythmus. Fließend. Runde Ecken nehmen der Baumasse die Härte und lassen das Gebäude skulptural und elegant wirken. Das Gebäude kaschiert seine tragende Struktur, um die Freiform oder die Verschiebung in den Vordergrund zu stellen.

    Galeria-Gebäude (Sockel des Berlinian): Strenge Rasterfassade & eckige Ecken, statisch und rhythmisch. Die Fassade wirkt geordnet, mathematisch, beruhigend oder manchmal monumental. Kantig. Betont die geometrische Kubatur, die Grenzen des Raums und die Tektonik (das Fügen) des Baukörpers. Die Struktur wird ehrlich an der Fassade ablesbar gemacht.

    Man kann sie beide „modern“ nennen, aber „derselbe Stil“ (auch nicht als Retro-Modernismus) trifft es nicht, auch wenn beide moderne Formensprache mit historischen Anklängen haben. Die Unterschiede in Fassade, Proportion und Haltung sind absichtlich und gut ablesbar.

    Dekoratives Anführungszeichen

    der Kollhoff-Plan war lediglich eine Baumassenstudie.

    Kubaturen gehören aber zu Baumassen. Kubaturen, die sich nach oben hin verjüngen, sind auch Baumasse. Der Kollhoff-Plan enthielt in seinen gestalterischen Vorgaben und den darauf basierenden städtebaulichen Verträgen sowohl sehr präzise Vorgaben zur Dachkubatur als auch zu den Fassadenmaterialien Es gibt gestalterische Leitlinien im Rahmen des Kollhoff-Masterplans. Auch wenn die finale architektonische Gestaltung nicht dazu gehörte, beinhaltete der Kollhoff-Plan eine Steinpficht, die die Ästhetik amerikanischer Wolkenkratzer der 1920er/1930er-Jahre (wie in New York oder Chicago) mit der europäischen Steinstadt verbinden sollte. Seine städtebaulichen Rahmenbedingungen schlossen spiegelnde Glasfassaden oder reine Aluminium-Vorhangfassaden, wie sie jetzt üblich sind, rigoros aus. Die Türme sollten eine schwere, tektonische Wirkung entfalten. Als Material wurden helle Natursteine (wie Sandstein oder Granit) sowie Klinker/Ziegel vorgeschrieben, die in festen Rastern strukturiert sein mussten.

    Auch die Silhouette nach oben hin war im Kollhoff-Masterplan streng reglementiert. Kollhoff lehnte die eintönigen Kisten-Formen der Nachkriegsmoderne ab.

    Klassische Turmkrone: Der Plan schrieb vor, dass sich die Türme nach oben hin verjüngen oder plastisch zurückgestuft werden müssen (sogenannte Setbacks).

    Vorgeschriebene Staffelung: Die Gebäude durften nicht stumpf mit einem Flachdach in einer maximalen Höhe von 150 Metern enden. Stattdessen war eine plastische Ausformung der Dachkubatur verankert, um eine abwechslungsreiche und skulpturale Turmkrone im Stil des Art-Déco zu erzwingen.

    Als ab den 2010er-Jahren internationale Investoren und Stararchitekten (wie Frank Gehry oder Sauerbruch Hutton) tatsächlich mit Planungen begannen, stießen diese strengen Material- und Kubaturvorgaben auf massiven Widerstand. Viele Architekten empfanden Kollhoffs Korsett aus Stein und historisierenden Turmkronen als rückwärtsgewandt und zu starr. In den nachfolgenden Anpassungen und Einzelwettbewerben (wie erwähnt unter der ehemaligen Senatsbaudirektorin Regula Lüscher) wurden diese Regeln schrittweise gelockert, weshalb die heute entstehenden Türme teilweise deutlich modernere Fassaden und abweichende Geometrien und die von Architektur-Fan bemängelte Kisten-Form aufweisen.

    Dekoratives Anführungszeichen

    ^ … ich denke das entscheidende Problem stellte das Park Inn dar. Nach der Entscheidung das Park Inn zu erhalten war der Kollhoff-Plan hinfällig,

    Ich glaube eher, dass das entscheidende Problem war, dass man die Änderung am Masterplan vorgenommen hat, Kubaturen zu erlauben, die Richtung Dach keine Verjüngung haben. Ohne diese Änderung hätten all die neuen Türme wie das Berlinian, der von Covivio oder Hines nämlich besser werden können, auch dann, wenn das Park Inn stehen bleibt. Die Qualität der neuen Bauten ist ja nicht vom Abriss des Park Inn abhängig. Man hätte die neuen Türme einfach so bauen müssen, wie sie im Masterplan von 1993 geplant wurden, anstatt den beschlossenen Plan zu verschlimmbessern bzw. ihn zu stutzen. Wenn zumindest Covivio, Monarch und Hines ihre Baufelder so bebaut hätten, wie es 1993 beschlossen wurde, dann wäre es immer noch besser geworden als jetzt, unabhängig davon, was mit Hotel Stadt Berlin (heute Park Inn), Haus des Reisens oder Haus des Lehrers passiert wäre und passieren wird.

    Dekoratives Anführungszeichen

    danke ElleDeBE , ich denke man kann sehr gut anhand Deines ersten verlinkten Beispiels aus dem Nachbarforum erkennen, dass man um eine sinnvolle, nutzbare und ästhetische Verjüngung eines Turms zu erreichen, man mindestens die Grundfläche eines ganzen Blocks benötigt.

    Wenn man eine derart starke Verjüngung will, dann ja. Wenn man sich mit einer leichteren Verjüngung zufrieden gibt, so wie Kollhoff sie geplant hatte und wie sie zum Beispiel beim Kollhoff--Tower gebaut wurde, dann nicht, denn dann hätte die Grundfläche ausgereicht, sowohl wirtschaftlich sinnvolle Verjüngung als auch Sockelbau zur Einbettung in die europäische Gründerzeit bis 1930er-Blockrand-Stadt hinzukriegen.

    Was lernen wir aus der aktuellen Situation? Dass ein Masterplan nur dann Sinn macht, wenn sich auch alle dran halten und nicht einzelne Teile davon geändert werden. Denn sonst kommt etwas dabei raus wie beim Berlinian und Covivio-Bau, wo zwar einzelne Elemente dem Masterplan entsprechen, andere aber gar nicht, sodass sich ein unstimmiges Gesamtbild ergibt, das von uns die Bewertung erhält "Das Beste draus gemacht".

    Dekoratives Anführungszeichen

    Vielleicht ist der Kolhoff Plan nicht die Lösung sondern das Problem.

    Das, was aktuell am Alex gebaut wird, entspricht nicht Kollhoffs Plan. Kollhoff hatte nämlich Hochhäuser geplant, die sich nach oben hin verjüngen und differenzierte Formen haben. Das einzige, was seinem Plan entspricht, sind Grundrisse, Sockelhöhe, die teilweise steinernen Fassadenmaterialien und Geometrien. Kollhoffs Plan wurde 1993 unter SPD+Grünen-Senat und Senatsbaudirektor Hans Stimmann als Sieger ausgewählt und beinhaltete Hochhäuser, die Richtung Dach trotz ihrer eher rechteckigen Grundfläche verspielte Formen haben und sich, anders als das Berlinian oder das Ding von Covivio, nach oben hin verjüngen. Die Bauten sollten ähnlich wie der gebaute und positiv bewertete Kollhoff-Tower am Potsdamer Platz werden und an Manhatten erinnern. Kollhoff wollte für die oberen Formen das selbe, wie einige hier im Forum. Das Problem war also nicht Kollhoffs Plan, sondern die Änderungen, die danach daran vorgenommen wurden. 2013 hat Senatsbaudirektorin Lüscher unter SPD+CDU-Senat nämlich in Workshops Änderungen an Kollhoffs Plan diskutiert und vorgenommen, die so weit gingen, dass Kollhoff sich daraufhin sogar nicht mehr am architektonischen Wettbewerb für die Bauten beteiligen wollte und die Änderungen öffentlich scharf kritisierte. Aus Kollhoffs Masterplan wurde daraufhin bis 2016 ein Kompromissplan, der die aktuellen Bauten hervorbrachte. Wenn die Änderungen an Kollhoffs Plan nicht vorgenommen worden wären und man sich gestalterisch an den Masterplan gehalten hätte, dann wären auf den selben Grundrissen Türme entstanden, die eher so aussehen: ursprüngliche Planungen Kollhoff Architektur

    Dekoratives Anführungszeichen

    ^ Anderer Gebäudetypus?

    Das relevante Thema ist die Kubatur des Berlinian. Der Gebäudetypus ist mir herzlich egal!

    Kubatur ist aber nicht nur der obere Teil eines Gebäudes, sondern die Form des gesamten Gebäudes samt Sockel und geht somit auch einher mit dem Gebäudetypus. Man kann nicht beides getrennt von einander betrachten. Das, was du anscheinend die ganze Zeit meinst, ist nicht die Kubatur, sondern nur der oberste Teil der Kubatur, also Verjüngung am Dach vs. Kastenform. Der Rest der Kubatur bzw. die Kubatur an sich hat nichts mit der an der Leipziger zu tun. Nur der oberste Teil, und davon auch nur die kastige Form.

    Was den oberen Teil der Kubatur angeht: abgesehen von der komplett anderen Form ist zumindest die Gemeinsamkeit vorhanden, dass sie oben eckig sind, so wie viele Hochhäuser im In- und Ausland. Was den unteren Teil der Kubatur angeht gibt es keine Gemeinsamkeiten, da die Platten an der Leipziger reine Zeilenbebauung darstellen, wie sie in der DDR üblich war, während die neuen Bauten am Alex Blockrandbebauung darstellen, die für DDR-Städtebau untypisch ist und der Gründerzeit á la 19. Jahrhundert und Paris entspricht. Eine komplett andere Philosophie des Bauens.
    Ob der Alex nur deshalb Leipziger 2.0 wird, weil Häuser eine ähnliche Höhe haben und oben eckig sind, aber ansonsten ein ganz anderer Gebäudetypus, Städtebaustil und eine ganz andere Funktionsweise und Auswirkung auf den Platz, die Wege- und Blickbeziehungen und somit Urbanität haben als die wenig urbanen Platten an der Leipziger, muss jeder selbst beurteilen, ich wage es aber zu bezweifeln. Wie seht ihr das?

    Dekoratives Anführungszeichen

    Der Kollhoff-Wettbewerb von 1993 forderte die prägnanten Sockelbauten primär zur Wiederherstellung der europäischen Stadt – also zur Reparatur des im Sozialismus aufgelösten Straßenraums und zur Definition klarer Raumkanten entlang der historischen Fluchten.

    Exakt. Das ist noch ein Grund dafür, warum diese Vorgaben zum Thema Sockel und Kubatur städtebaulich Sinn ergeben und kein Murks sind. Man wollte zurück zum traditionellen Blockrand, nachdem man sowohl im Westen als auch Osten jahrzehntelang gern Platz zwischen Straßenraum und Gebäuden frei ließ. Das ist, wie du schon schreibst, ein sehr wichtiger, wenn nicht gar wichtigste Grund, auch für mich persönlich. Gut, dass du es erwähnst.

    Dass Kollhoffs Gestaltung keine Quader vorsah, sondern sehr plastische und skulpturale Gestaltung, hat er mehrmals bewiesen. Eine kastige Gestaltung zu wählen, rechne ich auch eher den Entscheidern der jüngeren Geschichte zu. Diesen mag man keinen Gestaltungswillen und reine Profitmaximierung unterstellen, aber jene Aufgabe städtebaulicher Vorgaben, die Gestaltung an die Umgebung (Plattenbauten, Park Inn,…) anzupassen, um ein einheitliches Gesamtbild zu erzeugen, haben sie damit zumindest erfüllt, auch, wenn ich nicht pauschal sagen würde, dass es immer gut ist, die Gestaltung der Umgebung anzupassen.

    Architektur-Fan inwiefern Leipziger Str.? An der Leipziger Str. gibt es keinen Blockrand und auch sonst hat dort nichts Gemeinsamkeiten mit der aktuellen Alex-Entwicklung. Oder was meinst du? Die Höhe der Plattenbauten?

    Dekoratives Anführungszeichen

    In architektonischer Hinsicht ist das Berlinian beachtlich. Aber in städtebaulicher Hinsicht bleibt es leider beim alten Murks.

    Ich stimme zu, dass in architektonischer Hinsicht das Beste aus der vorgegebenen Kubatur gemacht wurde. In städtebaulicher Hinsicht machen die Vorgaben insofern Sinn, dass ein erklärtes Hauptziel von städtebaulichen Vorgaben ist, ein harmonisches Gesamtbild in einem Quartier zu schaffen, indem sich Neubauten optisch und in ihrer Kubatur dem Bestand anpassen müssen, um das Stadtbild nicht zu stören. Wenn das Berlinian also genauso kastig wie sein Umfeld am Alex (und übrigens auch wie die Ostseite des Humboldtforums/Stadtschlosses) aussehen muss, dann liegt das daran, dass per Definition die Aufgabe städtebaulicher Vorgaben ist, ein einheitliches harmonisches Gesamtbild zu schaffen und diese Aufgabe wurde hier durch die Vorgaben erfüllt.

    Wenn es übrigens generell darum geht, ob ein Sockelbau vor einem Turm am Alex gebaut werden muss, so wie es in den 90ern als Vorgabe beschlossen wurde und heute von den Architekten umgesetzt werden muss, dann liegt das auch daran, dass eine städtebauliche Aufgabe ist, Hitzeinseln und Windkorridore zu verhindern und hohe Türme ohne vorgebauten Sockel diese Windkorridore und Hitzeinseln erzeugen. Außerdem helfen diese Sockel-Vorgaben, die erdrückende Wirkung eines Turmes zu verhindern. Auch geht es um definierte Raumbildung: Breite Sockelbauten fassen den Alex als öffentlichen Platz stärker ein als Türme ohne oder mit hintergeschalteten Sockelbauten. All das ist am Alex durch städtebauliche Vorgaben erfüllt und deswegen ist auch das Vorhaben Berlinian so geworden, wie es ist.

    Städtebaulich sinnvoll ist es also schon, aber man kann natürlich darüber diskutieren, ob es quasi künstlerisch und architektonisch sinnvoll gewesen, die angestrebte Harmonie bewusst zu stören, indem man dem Berlinian eine andere Kubatur gegeben hätte, die deutlich von der umliegenden Bebauung abweicht. Das hätte natürlich für weniger Einheitsbrei und mehr Diversität fürs Auge gesorgt und hätte beispielsweise durch organischere und weichere Formen als Kontrast zum Kastigen eine Wohltat sein können. Gleichzeitig hätte man es auch als unpassende Störung sehen können, je nach Blickwinkel. Wenn man jedoch den Fernsehturm als den Star des Platzes ansieht, der ja bereits einen starken Kontrast zu den kastigen Bauten darstellt und durch seine abweichende und komplett runde Kubatur quasi die gewünschte Antithese ist, dann ist die Frage, ob es noch eine zweite Antithese braucht oder ob es mehr Sinn macht, dass jeder neue Turm dem Fernsehturm nicht die Show stehlen darf und sich brav in die Gleichförmigkeit unterordnen muss, auch, wenn wir als Interessierte gern einen architektonisch gesehen toll und beeindruckend geformten neuen Turm hätten. Ich kann beide Perspektiven verstehen und überlege auch, was die beste Lösung gewesen wäre.