(...)Klar steht man manchmal länger, aber man beansprucht ja auch, in seinem 2x3 Meter geschützten, isolierten und klimatisierten Auto durch den öffentlichen Raum zu fahren. Da ist es glaube ich verkraftbar, etwas länger zu warten.
Was Lieferverkehre aller Art betrifft, habe ich auch bisher nicht den Eindruck, dass es dort wirklich massive Probleme gibt.
Einen Luxus, den ich für mich nicht in Anspruch nehme, wenn ich nicht etwas oder jemanden transportieren muss, da mich meine persönliche Abwägung dann zu dem ÖPNV führt. Lieferverkehre haben diese Wahl nicht, sind aber dem gleichen verkehrlichen Stress ausgesetzt. Ich gebe Ihnen soweit recht, dass der Lieferverkehr nicht zusammengebrochen ist. Die Frage ist für mich aber: Wollen wir als Gesellschaft einen Kampf Radfahrer/ÖPNV (moralisch gut) gegen Auto (moralisch fragwürdig) führen, oder versuchen wir, sinnvolle Konzepte für die Stadt zu finden. Und verknappen wir an der einen Stelle (MIV), ohne gleichzeitig (oder besser vorher) an der anderen (ÖPNV) Ersatz zu schaffen.
Straßen, bzw. Autobahnen ermöglichen jenseits des Lieferverkehrs im übrigen auch für Pendler ein schnelles Vorankommen. Ich habe den Eindruck, dass sich viele Menschen keine Vorstellung davon machen, wie umständlich es ist, von einem Berliner Vorort mit dem ÖPNV an einem Punkz X im Stadtzentrum zu kommen, wenn man nicht grad das Glück hat an einer Regionalbahn zu wohnen.
Wie sinnvoll hier z.B. der 17. BA in einer abschließenden Bilanz wäre (was auch immer diese berücksichtigt), kann ich nicht beurteilen. Geht man nur danach, Verkehr möglichst aus der Stadt herauszuhalten, dann ist der Ausbau nicht sinnvoll. Die Attraktivität des Autos wird gegenüber dem ÖPNV gesteigert.
Betrachtet man einen reibungslosen Ablauf des Stadtverkehrs, nimmt dafür an dieser Stelle ein "mehr" an Autoverkehr (auch als Anziehungseffekt neuen Verkehrs) in Kauf, dann sähe die Sache schon etwas anders aus. Es befindet sich auf dieser Autobahn dann ja nicht nur neu erzeugter Autoverkehr, sondern auch eine Erleichterung für alle Nutzer und die umliegenden Stadtviertel. Betrachtet man die "Nadelörsituation" die sich nach der Überquerung der Elsenbrücke in Richtung Norden über die Kynaststraße ergibt, dann muss man sagen, dass hier eine gute Straßenverbindung fehlt.
Nichts von alledem spricht für eine Stadtautobahn, geschweige denn einen Ausbau der A100 in Berlin. Sorry, das sind in diesem Zusammenhang Scheinargumente, die einer rationalen, fachlichen Betrachtung nicht standhalten.
Welche Kriterien ziehen sie denn für ihre rationale, fachlichen Betrachtung heran? Nur ob Autoverkehr verhindert werden kann?
Ich persönlich würde keine so klare Bilanz ziehen. Es gibt für mich Argumente pro und contra.