Zur Veranstaltung: „Architektur – Frankfurt: Zukunft denken, Stadt gestalten“
Ein kurzer Überblick:
Tina Kortmann (UNStudio):
Tina Kortmann, die in Kopenhagen und Paris gelebt hat und seit vielen Jahren für UNStudio in Amsterdam arbeitet – wo sie auch lebt –, hielt einen sehr interessanten Vortrag. Im Fokus stand die Frage, was Städte lebenswert macht. Sie präsentierte eine europäische Perspektive auf Frankfurt und benannte – ganz ohne Besserwisser-Attitüde – Potenziale für die Stadt.
Lebensqualität definiert sie dabei nicht nur über Arbeit, Wohnen und essenzielle Infrastruktur (die sie als „Pflichtaufgabe“ bezeichnet), sondern auch über die „Kür“: etwa die Identifikation mit einem Ort („Will ich hier leben?“). Aus europäischer Sicht habe Frankfurt eine starke Fernwirkung, geprägt durch seine Skyline. Mindestens genauso wichtig sei jedoch das, was auf Augenhöhe passiert: Plätze, Wegeführungen, Fassadengestaltungen (wenn sie diese auch nicht explizit so nannte). Hier sieht sie noch Luft nach oben – Frankfurt wirke mitunter etwas kühl. Gleichzeitig betonte sie, dass sie sehr oft in Frankfurt sei und sich hier sehr wohlfühle.
Als positive Beispiele für neuere Entwicklungen nannte sie die Wegeführungen im Four Quartier sowie den Platz zwischen dem Rothschildpalais und dem neuen Jüdischen Museum. Vor dem Hintergrund des Mottos der World Design Capital hob sie hervor, wie wichtig konsumfreie Plätze seien und dass sich Bürger:innen besser und unbürokratischer engagieren können sollten. In Amsterdam, so ihr Beispiel, würden Anwohner:innen den Bürgersteig als Erweiterung ihrer Wohnung nutzen – etwa durch Bepflanzung oder Blumentöpfe, was die Straßen belebe.
Prof. Dr. Marcus Gwechenberger
Gwechenberger teilte Visionen, die den meisten im Forum bekannt sein dürften: Rahmenplan, Kulturmeile, Josefstadt (gute Durchmischung), Gutleutentwicklung (Vorbild Isarphilharmonie; neue Brücke über den Main, weitere Erschließung des Mainufers, Mischnutzung in einem neuen bzw. weiterentwickelten Stadtquartier), Oper, Schauspiel, Kulturcampus und die Buga 2045 – letztere betonte er explizit. Zu den konkreten Zielen gehören die Einhausung der Autobahn und eine intensive Begrünung der Dächer in der Innenstadt, sowie Freiraumkonzepte der Josefstadt. Zudem verwies er auf die demografische Herausforderung: Bis 2040 werden voraussichtlich 25 % der Erwerbstätigen in Rente gehen. Fokus: Wohnungsbau! Sein Ausblick: Bis 2040 sollen viele neue Wohnungen und etwa 20 neue Hochhäuser entstehen.
Insgesamt bot er wenig Neues, doch die Visionen kamen durchaus gut an – vor allem der positive Ton und eine Art Aufbruchstimmung.
Nikolaus Bieber (Groß & Partner)
Bieber lobte den positiven Grundtenor des Vorredners und unterstrich, wie wichtig ein solches Umfeld mit Visionen sei. Denn: Projekte wie das Four erforderten viel Kraft, Mut und Enthusiasmus. Sein Fokus lag entsprechend auf dem Four-Quartier. Neben vielen positiven Aspekten berichtete er von 11 Nachfinanzierungen, die nötig gewesen seien. Die Umsetzung sei durch die bekannten Krisen mühsam verlaufen. Explizit betonte er, dass Nachhaltigkeit („grünes“ Bauen) trotz aller Krisen nicht vernachlässigt werden dürfe – im Gegenteil: Sie sei für die Zukunft essenziell, da sonst die Kosten morgen noch höher ausfielen. Zudem dürfe gerade jetzt nicht an Qualität gespart werden: Hochwertige Architektur sei nachhaltig und mache Räume erst lebenswert.
Prof. Dr. Mirjam Wenzel (Jüdisches Museum Frankfurt)
Wenzel wünscht sich eine kulturelle Entwicklung in der gesamten Innenstadt – nicht nur entlang der Kulturmeile an der Wallanlage. Ein für mich neuer Ansatz war ihre Idee eines zentralen Depots/Schaudepots für die Frankfurter Museen (ähnlich dem Depot Boijmans Van Beuningen in Rotterdam). Ein solches Depot in zentraler Innenstadtlage könnte die kulturelle Vielfalt bereichern.
Florian Reiff (Tishman Speyer)
Reiff sprach über das Gloria-Hochhaus, ging aber nicht konkret auf den Projektstand ein. Er betonte jedoch den intensiven Austausch mit der Oper, zum kulturellen Teil des Gebäudes. Was genau damit gemeint ist – ob es um Gastronomie für die Mitarbeiter:innen der Städtischen Bühnen oder um eine zunkünftige Nutzung des Sockelbaus geht –, blieb unklar. Deutlich war jedoch eine gewisse Euphorie: Der Austausch habe völlig neue Perspektiven und Synergien eröffnet.
Jürgen Engel (KSP ENGEL)
Engel äußerte sich eher knapp. Primär ging es um die Passage des CBT, die einen öffentlichen Raum mit hoher Aufenthaltsqualität und konsumfreien Möglichkeiten zum Verweilen bieten soll.
Anmerkungen:
Es handelt sich um ein reines Gedächtnisprotokoll und ich konnte leider nicht an der kompletten Diskussion teilnehmen. Falls andere Forumsmitglieder an der Veranstaltung teilgenommen haben, dürfen sie natürlich gerne ergänzen oder korrigieren, falls ich etwas nicht ganz richtig wiedergegeben haben sollte.
Die Veranstaltung fand in der 6. Etage des Tower 2 statt, von der aus man direkt zur Dachterrasse gelangt, wo ein Umtrunk stattfand. Der dortige Spielplatz ist zwar klein, aber liebevoll gestaltet – zudem bietet die Terrasse einen tollen Blick über die Stadt. Dieser Bereich soll künftig für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Anbei ein paar Fotos:
Ein Teil des Spielplatzes und Dachterasse:

Hier eine Rutsche und die noch nicht offene Verbindung zum T3:

Blick von der Dachterasse auf den Stadtplatz:

Hier lässt sich erahnen, wie sehr die Dachlandschaft davon profitieren wird, wenn der Lange Franz seinen Hut zurückerhält:
