Vielleicht irre ich mich, aber wenn man die Visualisierungen und Grundrisse auf der Website mit dem jetzigen Bestandsgebäude in der Eichwaldstraße 18 vergleicht, wird das Haus wohl nicht abgerissen und tatsächlich in den Neubau integriert. Das wäre dann ein vorbildliches Beispiel für das Bauen mit Bestand.
Beiträge von Murmeltier
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Fettucine Ob die Bezeichnung als Laie gerechtfertigt ist möchte ich nicht beurteilen. Aber du teilst die Welt der Architektur halt nun mal nur in Schwarz und Weiß auf. Auf der einen Seite die Modernisten, als böse Elitearchitekten, die unsere Städte zerstören wollen und die Klassische Architektur, mit der unsere Städte automatisch einen Großteil ihrer Probleme verlieren.
Dass du alles nur an diesen zwei Polen ausrichtest und keinerlei Nuancen dazwischen siehst, legt vielleicht für den/die ein oder andere/n die Vermutung nahe, dass du dich mit anderer Architektur noch nicht allzu lange beschäftigst hast.
Mich persönlich stört z.B., dass du die Postmoderne in einen Topf mit den von dir so verhassten Modernisten wirfst. In ihrem Geiste war die Postmoderne sogar eine Gegenbewegung zur Nachkriegsmoderne mit ihren breiten Straßen, riesigen Betonklötzen und Zonierungen. Mit der Postmoderne begannen die Architekten wieder, sich mit menschlichen Maßstäben, der Tradition und der Geschichte der Orte auseinanderzusetzten. Dabei war die Postmoderne alles andere als funktionell. Mit der Postmoderne einher ging auch das vermehrte Interesse für Denkmalschutz und einer Kritik bzw. Wiedergutmachung der Fehler der Nachkriegsmoderne einher, manchmal mit etwas Ironie, die vielleicht nicht allen gefällt. Ich bin davon überzeugt, dass das ein wichtiger Schritt war, unsere Fehler der Nachkriegszeit zu erkennen und sie damit auch Wegbereiter zu der heutigen, weitaus vorsichtigeren Herangehensweise an historische Substanz und Innenstädte ist.
Und in diesem Kontext finde ich die Epochen des Wiederaufbaus auf dem Römerberg wunderbar und sehe die Saalgasse (deren Architektur mir auch unabhängig davon gut gefällt) als Vorgänger der jetzigen (ebenso wunderschönen) Rekonstruktionen.
Wäre ich Stadtplaner, würde ich der Saalgasse eins, zwei nette Läden, eine helle Pflasterung, ein paar Bäume und eine reduzierte Autonutzung verpassen. Das würde bestimmt Wunder bewirken. -
Die Lage spielt natürlich eine Rolle, um die Zeil herum befindet sich eine Vielzahl an Cafes und Geschäften, auch wenn die Gegend sicherlich nicht zu den architektonischen Glanzstücken zählt. Andersherum ist in den Nebenstraßen der Berger Straße auch tote Hose, eben weil es eine Wohngegend ist.
Andererseits beeinflusst die Architektur meiner Meinung nach sehr wohl, wo wir uns aufhalten und wie wir uns dabei fühlen, wenn auch manches Mal unterbewusst und so schlendere ich als architekturinteressierter Mensch natürlich lieber durch Gegenden mit ansprechender Architektur.
Aber das kann natürlich sowohl modernere, als auch "klassische" Architektur sein. Warum müssen wir hier unterschiedliche Architekturströmungen gegeneinander ausspielen und einen Konflikt heraufbeschwören, der so gar nicht existieren müsste? Das stört mich an der Diskussion hier gewaltig.
Es kommt viel mehr auf die Qualität der jeweiligen Architektur an. Welche Materialien wurden verwendet, wie sind die Details ausgearbeitet usw. Ich bin großer Fan der Neuen Altstadt, aber auch der postmodernen Saalgasse oder der Schirn. Die betrachte gerne die Gründerzeitler des Nordends und erfreue mich an der modernen Architektur der dt. Nationalbibliothek. Den Opernturm finde ich ebenso spannend wie das Gebäude der alten Oper. Wer einzig und allein die "klassische" oder die "moderne" Architektur mag, der sollte zumindest mal versuchen, sich auf das andere einzulassen.
SFA z. B. verbindet für mich immer Vorzüge verschiedener Strömungen und entwirft Wohngebäude, die eine sehr wertige Anmutung haben aber keine Säulen oder Kapitälchen brauchen, damit man sich an ihnen erfreut. Bei den Planungen dieses Büros spielen auch übrigens viele städtebauliche Gedanken eine Rolle, die ein weiterer wichtiger Aspekt der "Wohlfühlarchitektur" sind. Viertel der Gründerzeit sind auch deshalb so lebenswert, weil sie durch ihren Aufbau und die Nutzungsdurchmischung für Fußgänger und die Nutzung des ÖPNVs ausgelegt sind. So schafft man schöne Plätze, viel Grün und breite Bürgersteige für Cafes etc. Wenn man sich an ihnen in der Planung von Quartieren ein Beispiel nimmt, was man unbedingt machen sollte, ist es wichtig Stadtplanung für den Menschen und nicht für das Auto zu machen.
Das Ernst-May-Viertel (zumindest das am Bornheimer Hang) ist architektonisch genial und hat die Detailverliebtheit, die ich heute an so vielen Stellen vermisse. Das Viertel wurde als reines Wohnviertel geplant, weswegen sich hier auch kein Platz für Geschäfte befindet. Da kann man höchstens den fehlenden Nutzungsmix kritisieren, aber doch bitte nicht die reine Architektur.