Beiträge von Der Kritiker

    Wer der Auffassung ist, dass (begründete) Beschwerden bei der EU Kommission grundsätzlich folgenlos bleiben müssen, der lebt nicht in dieser Welt. Neben der politischen Implikation einer Abmahnung durch die Kommission, wird der Bund alle Konsequenzen nach Hamburg durchreichen und auch die Vergabekammer bleiben sicher nicht unbeeindruckt.

    Es geht auch nicht um Becken bzw. sein Konsortium oder seine Gesellschaft. Es geht um die Stadt, die offensichtlich überlegt, den Kauf von Flächen für das Naturkundemuseum über eine Direktvergabe zu bewerkstelligen. Profiteur wäre insoweit der Verkäufer.

    Die Regelungen zum Vergaberecht beruhen auf einer EU-Richtlinie, die EU-weit für alle Vergabestellen gilt. Details können sich in den Mitgliedstaaten unterscheiden, der hier maßgebliche Punkt ist aber einheitlich und wegen der Natur des Projektes sich auch für die EU-Kommission interessant. Insofern wäre die EU-Kommission nicht gehindert, hier ein Verfahren einzuleiten, ganz unabhängig davon, wer hier eine Beschwerde einreichen sollte.

    Ich möchte aber bitten, diese Formalien nicht zu stark zu strapazieren. Im Kern geht es darum, ob hier bei einer Anmietung oder bei einem Kauf durch die Stadt museumsspezifische Anforderungen bestehen, die eine bestimmte zweckorientierte Gestaltung erfordern. Dies halte ich für sehr wahrscheinlich und es würde eine entsprechende Ausschreibungspflicht auslösen. Wir hatten das auch schon öfter hier im Forum diskutiert.

    Bei dem Versuch von Becken & Co., einerseits das Risiko in großen Teilen auf die Stadt abzuwälzen, andererseits aber die Ausschreibungspflicht zu vermeiden, handelte es sich von Anfang an um eine Quadratur des Kreises. Einen vernünftigen Lösungsvorschlag habe ich insoweit nie gesehen. Mit den beschriebenen und vermutlich illusorischen Nachforderungen scheint sich das Ganze nun insgesamt erledigt zu haben.

    Ich sehe eine Lösung ehrlich gesagt nur noch dann, wenn sich die Stadt der Sache selbst annimmt und den Elbtower entgegen allen anderslautenden Beteuerungen selbst übernimmt und zu Ende baut. Durch ein weiteres Zögern würde man nur Zeit verlieren.

    Sollte die Stadt diesen Weg nicht gehen wollen, müsste man mit dem status quo leben, wobei dem Insolvenzverwalter dann relativ schnell das Geld ausgehen dürfte.

    An dieser Stelle vieleicht nochmal der Hinweis, dass es zum geplanten Einheits- und Freiheitsdenkmal einen eigenen Strang gibt.

    Was die Treppe angeht, hat sich die Situation seit ihrer Planung grundlegend verändert. Nachdem das Flussbad entfällt und das Denkmal mit sehr vielen Fragezeichen versehen ist, kann sie kein Bindeglied mehr sein. Auch ist sie kein Bootsanleger. Einziger verbliebener Bezugspunkt ist das Schloss. Hier folge ich Camondoin seinem Wunsch nach Neubewertung und Neugestaltung. Über Details kann man sicher sprechen, aber es sollte eine gute Aufenthaltsqualität angestrebt werden.

    Das jetzt erkennbare Fliesenmuster finde ich nicht wirklich passend. Eine Nutzung des historischen Mosaiks würde mir besser gefallen.

    In Kombination mit den erhaltenen Altbaufragmenten ist das ein extrem eklektischer Klinkermix, der mich nicht wirklich überzeugt. Der Neubau dominiert den Altbau sehr stark. Und wieder einmal hat man davon abgesehen, wenigstens die Geschoßhöhen des Altbaus weiterzuführen. Aber ja, es hätte natürlich noch schlimmer kommen können.

    Das stimmt zwar, aber wir hatten ja in der Umgebung schon etliche Riesenbaustellen und da sollte es doch gewisse Erfahrungen geben. Die Herstellung einer weißen Wanne bei sehr hohem Grundwasser ist aufwendig, aber auch kein technisches Novum.

    Wenn der Senat sich hier von Becken und/oder dem Insolvenzverwalter treiben lässt, ist er selber schuld. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass das Projekt - wenn überhaupt - nur mit einer überwiegend öffentlichen Nutzung darstellbar ist. Der Insolvenzverwalter handelt im Interesse der Gläubiger, er wird deshalb einen Verkauf an einen Dritten nicht ablehnen, wenn es mit Becken nicht klappen sollte.

    Volle Zustimmung. Wenn die Stadt das Projekt retten will, dann muss sie aktiv nach vorne schreiten und transparent kommunizieren, nicht im Hinterzimmer mit Projektentwicklern kungeln. Das Problem ist, dass die Übernahme des mit der Projektentwicklung verbundenen Risikos politisch kaum mehrheitsfähig erscheint. Bei den sehr spezifischen Anforderungen wird man eine Ausschreibung ohnehin kaum vermeiden können. Der Senat hat es selbst in der Hand, das von ihm geschaffene Problem zu lösen. Aber klar, there is no easy way out.

    Die Debatte ist extrem vielschichtig.

    Es gibt gute Gründe zu bauen, denn es herrscht Wohnungsnot. Diese Gesellschaft wird es sich auf Dauer nicht leisten können, die Mieten für breite Schichten runterzusubventionieren. Der Bestandsmieter sitzt warm und trocken, verteidigt sein Territorium mit Milieuschutzsatzungen, Kappungsgrenze, Kiezblocks und der Verhinderung von Neubau. Dieses Denken bestimmt die Debatte und seine zutiefst ausgrenzende Wirkung will nicht erkannt werden. Also geht es darum, die Apartheid der Hipster langfristig zu kippen.

    Wenn man aber Neubau will, dann muss es darum gehen, ihn nachhaltig, sozialverträglich und architektonisch ansprechend zu gestalten, ohne dass die Kosten aus dem Ruder laufen. Es gibt aktuell ja durchaus eine Reihe von größeren Neubauprojekten und Entwicklungsgebieten. Die bedingungslose Maximierung der Investorenrendite, aber auch der Widerstand gegen bestimmte Projekte und die architektonische Unfähigkeit führen hier oft zu Kompromissen, die nicht gut altern werden. Beispiele hierfür wird jeder kennen, aber die Gegend hinter dem Nordbahnhof ist sicher ein solcher Kandidat. Ähnliches gilt mindestens teilweise für die starke Verdichtung am Südkreuz.

    Vor diesem Hintergrund halte ich die Planung von Kollhoff/Nöfer für recht ansprechend. Klassisch an den Blockrand der Nachbarviertel angelehnt, etwas aufgelockert. Fassadengestaltung, Begrünung und Infrastruktur wird man dann sehen. Aber das ist sicher nichts, dass man in Grund und Boden stampfen sollte. Wenn man eine Bebauung des Tempelhofer Felds angehen möchte, dann so oder ähnlich.

    Wenn es auf der verbleibenden Fläche Nutzungskonflikte gibt, dann muss man das eben politisch entscheiden, entweder Naturschutz oder Erholungsnutzung. Es kommt immer auf die gesunde Mischung an. Wenn man ganz Berlin abreißen würde, könnte man auch große Naturschutz- und Erholungsflächen schaffen, es könnte aber niemand mehr hier wohnen.

    Die eigentlich interessante Frage wäre doch, ob irgendwo mal detaillierte Terminpläne (Level 3 o.ä.) aus der ursprünglichen Planung veröffentlicht wurden. Dann könnte man das Ganze im Detail nachvollziehen.

    Für einen Ausbau des Streckennetzes ist aktuell in Anbetracht der zunehmenden geostrategischen Spannungen der denkbar schlechteste Zeitpunkt. Spritpreise am Limit, die Hubs am Persischen Golf unter Beschuss, dramatischer Rückgang des Tourismus in die USA, Russland dauerhaft sanktioniert usw.

    Der Vorstandsvorsitzende der Signal Iduna steigt in die öffentliche Diskussion ein und gibt dem NDR ein Interview. Man merkt schnell, dass er einen Hintergrund im Vertrieb von Finanzprodukten hat. Das Ganze gipfelt in dem Satz: "Man wird mit Sicherheit als Mitglied in diesem Konsortium an diesem Projekt nicht reich werden." Mir kommen die Tränen. Hamburg als Stadt der Philanthropen.

    Vor dem Hintergrund der laufenden Insolvenzverfahren können aktuell faktisch keinerlei Aufträge vergeben werden. Wer soll denn dort Handwerker beauftragt haben? Was jetzt noch passieren soll, müsste erst einmal neu ausgeschrieben werden.

    Auch rein technisch macht es keinen Sinn, den Denkmalsockel zu gestalten bevor das Denkmal steht oder zumindest die finale Planung vorliegt.

    ^ Ich möchte bezweifeln, dass aktuell dort Arbeiten im Zusammenhang mit dem Denkmal stattfinden. Möglicherweise ist es ein Teil der Treppengestaltung, was auch die dortigen hohen Kosten erklären würde. Und natürlich wenig zielführend, wenn nicht mit dem Denkmalprojekt abgestimmt.

    Unnötiges Zitat des Vorposts gelöscht.

    Der Elbtower war am 25.03. Thema in der Aktuellen Stunde der Bürgerschaft, wie der NDR berichtet. Die Opposition scheint jetzt endlich aus dem Winterschlaf aufgewacht zu sein und wenigstens die richtigen Fragen zu stellen. Der Senat will weitere Details wohl erst nach Abschluss der laufenden Prüfung mitteilen,