Der Dresdner ÖPNV wird regelmäßig als einer der besten ÖPNVs in Deutschland gewählt. Mir ist aktuell kein zentraler Knotenpunkt bekannt, wo diese Doppel-Infrastruktur nebeneinander notwendig ist (HBF, Pirnaischer Platz, Postplatz - überall eine Spur je Richtung).
https://www.tag24.de/dresden/dresdn…rometer-1836265
https://www.dvb.de/de-de/meta/akt…barometer-2019/
usw...
Also... vier Spuren sind komplett unnötig und fußgängerunfreundlich.
Des Weiteren habe ich nichts gegen den ÖPNV, nur nutze ich ihn fast nicht, weil er für die Wege, welche ich habe, kein Angebot hat. Ich arbeite 100% HO, habe mehrere Supermärkte hier unter einem Kilometer. Auto oder Rad brauche ich für Ausflüge am WE und/oder Abends/Nachts bzw. Verwandtschaft in diversen Dörfern, wo der ÖPNV tlw. 2-3 Stunden braucht und 2x-3x am Tag fährt (4-Stunden-Takt). Aber trotzdem, habe nichts gegen den ÖPNV und würde mich auch freuen, wenn sinnvoll ausgebaut werden würde (WE/Abends/Nachts + viel, viel bessere Anbindung kleinerer Dörfer usw.).
Auch bin ich dafür, den Autos ebenfalls Platz wegzunehmen. Dort an der Stelle sind 7 Spuren (!) - 4 Spuren (2 je Richtung) sind für eine städtische Hauptroute ausreichend. Auch da fällt mir spontan kein Beispiel in Dresden ein, wo, abseits von vielleicht einer Abbiegerspur für ein paar Meter, eine Hauptstraße 3 oder 4 Geradeaus-Spuren hat.
Zum Thema umweltfreundlich:
Die DVB gibt an, für die Bahnen: 374 kWh/Kilometer; für die Busse: 39 Liter/Kilometer. Eine Familie, welche zu viert ihren Sonntagsausflug macht, bspw. mit eAuto (15,2 kWh -> 3,8 kWh je Person) oder per Diesel-Golf (4,4 Liter -> 1,1 Liter je Person) würde also erst dann mit dem ÖPNV auf weniger kWh bzw. Liter kommen, wenn die Bahn mit 99 Personen ausgelastet wäre (an einem Sonntag! Bei Randstrecken am Stadtrand!) bzw. der Bus mit 36 Personen (z.B. der Überland-Bus zu einem Wald-Ausflugsziel).
Ja, im Berufsverkehr erreicht man die 99 bzw. 36 Personen. Wenn das Auto mit weniger Personen besetzt ist (bei uns quasi fast nie), dann braucht es auch weniger Personen. Aber ich habe ja explizit gesagt, es geht um die Zeiten außerhalb Berufsverkehr/Stoßzeiten.
Das ist aber noch nicht das gesamte Problem. Das große Problem beim ÖPNV ist, dass er Grundlast braucht. Die Deutsche Bahn ist auch nicht 100% Öko - ganz im Gegenteil. Kohlekraftwerke wie Datteln 4 wurden ja nur für die Bahn gebaut. Denken wir mal 10-15 Jahre weiter, wenn unsere Energie zu nahezu 100% aus Solar & Wind kommt. Dann geht es darum, Energie möglichst dann zu verbrauchen, wenn diese auch anfällt. Mit einem eAuto und bestenfalls PV auf dem Dach, funktioniert das wunderbar. Wenn ich mal von unseren ca. 500 Kilometern pro Monat ausgehe (durch 4 Nutzer!), dafür habe ich einen Strombedarf von ca. 76 kWh pro Monat. Ca. 1x im Monat laden. Selbst im Winter werde ich da 1-2 Tage im Monat abpassen können, wenn Mittags die Sonne scheint und werde damit nicht nur bilanziell, sondern tatsächlich 100% Ökostrom laden. Der ÖPNV braucht Grundlast (Bahn), eBusse werden wahrscheinlich in der Betriebspause nachts laden müssen. Wir werden hier einige Verrenkungen mit Power2Gas und Gas2Power machen müssen, wenn wir das Klimaneutral bekommen wollen. Natürlich bei hohen Effizienzverlusten. Deswegen, rein vom Umweltschutz her ist die beste Lösung in der nahen Zukunft das eAuto und die PV auf dem Dach. Damit schafft man bei entsprechendem Nutzungsprofil tatsächlich Sommer wie Winter auf nahezu 100% Ökostrom und tatsächlich klimaneutral zu kommen. Bei Straßenbahnen wird man das so aufgrund der Grundlastanforderung nie hinbekommen (d.h. die Straßenbahn kann im Gegensatz zum eAuto nicht zu 1-2 Zeitpunkten im Monat bei optimalen Verhältnissen laden, sondern muss auch bei Dunkelheit und Flaute versorgt werden). Wenn wir das also ganz ideologiefrei denken, dann ist das eAuto tatsächlich die Lösung.
Zurück zur Gegenwart, ich sehe mich dann eher, wenn man so etwas überstülpen müsste, als Teil vom Individualverband (Fußgänger, Radfahrer, Auto) und nicht bei den fahrplangebundenen Angeboten (welche am WE/Abends/Nachts und zu Zielen außerhalb sehr mangelhaft ausgebaut sind). Oder wir hören halt auf, irgendwelche Verbünde zu definieren, welche 90% der Nutzer des jeweiligen Verkehrsträgers so nicht sehen.