Beiträge von Hanseatic

    Meine Vermutung liegt in einem Zweiklang: (1) verringerte Fungibilität bzw. Wertminderung der Immobilien während der Bauzeit durch Lärmimissionen (2) verringerte Grünflächensicht (mit einhergehender Wertminderung). Dass dies jedoch von besonderer Kurzsichtigkeit zeugt, wird deutlich, wenn man die Vorteile des geplanten Bürobaus für lokale Immobilieneigentümer betrachtet. Mittelfristig dürfte die Errichtung des Bürogebäudes die von Anfang an angedachte Funktion als Lärmschutzriegel für Park und Anwohnererfüllen. Die Ansiedlung weiterer Arbeitsplätze tut ihr Übriges bei der Veredelung dieser Lage. Zu rechnen ist hier mit einer nachhaltigen Wertsteigerung.

    Das Argument, dass die Baugemeinschaft hier anführt, halte ich für durchschaubare Besitzstandswahrung. Unter dem Deckmantel des klimaresistenten Städtebaus versucht man im Nachhinein die bereits bei Erwerb bzw. Einzug bekannte Bauflächenplanung und damit geltendes Recht zum eigenen Vorteil auszuhebeln. Der geäußerte Vorwurf der Beliebigkeit, der gegen die Reederei ausgesprochen wurde, wandelt sich so betrachtet zum Boomerang und richtet sich am ehesten gegen den Beirat der Baugemeinschaft selbst.

    Das Exposure von europäischen Banken zu Signa und angeschlossenen Firmen wurde von der EZB geprüft und finanzierende Banken müssen nun einen Risikoaufschlag auf Ihre Kredite zahlen. Die Finanzierungskosten für Signa steigen so und es besteht Cash-Bedarf. Sofern dies Notverkäufe sein sollten, kann von günstigen Einstiegspreisen ausgegangen werden. Verschiedene andere Szenarien sind neben dem von Midas aufgezeigten (also Kauf von Grundstück und Projektentwicklung) denkbar: (A) Kauf von Grundstück und neue Projektentwicklung, (B) Kauf von Grundstück und Bodenspekulation.

    Laut einem Artikel der MoPo soll das Ensemble ehemalige Gänsemarktpassage / Roths Alte Englische Apotheke veräußert werden. Die veränderte Bauherrenschaft müsste sich nicht an die bisherige Planung gebunden fühlen. Kann jmd. im Forum zu einzelnen Objekten näheres mitteilen? Es betrifft perspektivisch alle Objekte von Signa / Signa Prime abseits des Elbtowers.

    Auflagenfreies Bauen wird die 'Midas Hamburg Real Estate AG' auch an anderen Standorten nicht finden. Fraglich ist, ob diese kompensiert werden können durch Einnahmen. Mögliche Gründe für das Aus dieses Projekts hast du aufgezählt und die mögen auch stimmen. Gefragt war aber nach etwas anderem: hat es in einer früheren Entwurfsphase Pläne für eine Hochhausbebauung gegeben, die nun reaktiviert werden könnten?

    Lieber Midas, welchen Bautypus würde sich denn deiner Meinung ein Investor hier am besten vorstellen können, wenn die von dir mehrfach aufgezählten Beschränkungen und Einreden nicht zum Tragen kämen? Jede Planrechnung würde doch versuchen eine möglichst effiziente Nutzung des Areals vorzunehmen.


    Ferner: warum ist die Idee eines Hochhauses aberwitzig? Im Bereich Millerntor ist wie an anderen ehemaligen Stadttoren eine Hochhausakzentuierung vorgesehen und in Teilen auch schon umgesetzt. Ein Hochhaus könnte gepaart mit einer Blockrandbebauung von 4-6 Stockwerken sogar eine weitergehende Auflockerung mit Innenhof ermöglichen.

    Es stimmt mich nachdenklich, dass die öffentliche Hand ausbleibenden Investitionswillen von privater Seite nicht als Weckruf versteht. Offensichtlich ist die Attraktivität des Standorts verglichen mit anderen Metropolen nicht hoch genug, um die Korsettierung durch Beteiligungsverfahren und deren Ergebnisse zu kompensieren.


    Attraktiver könnte die Lage auf zwei Wegen werden. Zum einen durch eine erhöhte wirtschaftliche Dynamik. Zum anderen durch ein mehr an Freiheit hinsichtlich der Gestaltung. Der erste Punkt sprengt den Rahmen dieses Forums. Interessierte seien auf einen kürzlich erschienenen Beitrag mit pointierteren Thesen in der FAZ verwiesen, der mit zeitlichem Abstand auch im Abendblatt sein Echo gefunden hat.


    Zum zweiten Punkt interessiert mich die Meinung dieses Forums, denn er ist unmittelbar durch den Bezirk beeinflussbar. So befindet sich das in Frage stehende Areal mit den tanzenden Türmen und der Bebauung des ehemaligen Bavaria-Geländes bereits in einem veritablen Hochhauscluster. Diese Gestaltungsmaxime sollte hier mutig baulich aufgenommen werden. Über den geeigneten Nutzungsmix aus Wohn-, Büro- oder Hotelanteilen sollte ein Investor frei entscheiden können, damit er tatsächlich den Gebäudewert optimiert und nicht nur auf Bodenwertzuwachs spekulieren muss. Persönlich bezweifle ich, dass der im Interview angedeutete SAGA-Wunsch nach öffentlich gefördertem Wohnraum in dieser zentralen Lage eine Bereicherung des öffentlichen Raumes darstellt. Weitere Konflikte zwischen Ausgehviertel und dem Bedürfnis nach Ruhe scheinen unvermeidbar. Weiß jemand von einem Hochhausentwurf, an den angeknüpft werden könnte?

    Auf die Vervollständigung der Häuserzeile neben dem Globushof wird man wohl noch einige Zeit warten müssen. Laut Hamburger Abendblatt wird die Fläche für Außengastronomie genutzt werden, Sommers in Form eines Beach Club und Winters als „Alm mit gläsernen Iglus“. Wenn schon jahreszeitliche Varianz in der Bestuhlung geplant wird, ist mit Baubeginn wohl nicht vor 2024 zu rechnen.

    Wettbewerbsbeiträge für die Erweiterung des Globushofs: https://imgur.com/a/iE9wNJN


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