Beiträge von häuslebauer

    Also wenn das alles so gebaut wird, ist das für mich eindeutig die beste Quartiersentwicklung in Deutschland seit dem 2.WK. Punkt. Man lernt aus der Kleinteiligkeit und dem Detailreichtum der historischen Vorbilder, doch man lässt auch moderne Elemente einfließen und kopiert nicht einfach eine Altstadt, die es seit 80 Jahren an dieser Stelle nicht mehr gibt. Großartig!

    Eines hätte ich dennoch zu bemängeln. Los 4 ist offensichtlich die modernste Interpretation unter den Siegern. Mit LRO mache ich mir auch keine Sorgen über die Umsetzung - das Büro hat es drauf. Doch man hätte städtebaulich einen besseren Zusammenhang mit den Losen auf der gegenüberliegenden Seite des Stadtplatzes herstellen sollen. Das wirkt aktuell sehr unharmonisch. Die Gewinner des Loses 3 haben in ihrer Visu interessanterweise auch ein spiegelgleiches Gebäude als Pendant vorgeschlagen. Stattdessen erhalten wir ein Haus, das einer vollkommen anderen Logik folgt. Vielleicht wird das in weiteren Bearbeitungsphasen angepasst, doch der Senat hätte einfach beide Häuser bereits vor dem Wettbewerb dem gleichen Los zuordnen sollen.

    Ich freue mich sehr auf die geplante Reaktivierung. Zwei Dinge fallen mir aber auf:

    Mein Vorredner reißt es bereits an - die Umgestaltung des Saals ist ein großer Eingriff. Vielleicht kann man eben nur eines der Säle bespielen und muss den Zweiten entfernen, um eine lukrativere Nutzung zu etablieren. Ich hoffe allerdings sehr, dass es nicht bei diesen völlig unstimmigen Holzeinbauten bleibt. Sieht aus wie in jedem zweiten Coworking Space um die Ecke und reagiert null auf die bestehenden Qualitäten des Raumes.

    Und dann noch zum Hochhausriegel: Ich finde es immer wieder interessant, dass Architekten bei An- und Umbauten von Denkmälern aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg immer den Kontrast suchen; man müsse schließlich einen "zeitgemäßen Akzent" setzen und bloß keine Ähnlichkeit zum Bestand aufweisen. Doch beim ICC wird die Architektursprache prompt fortgeschrieben, als wäre der Riegel schon immer ein Bestandteil des ICC gewesen.

    Ich finde es in Ordnung und sogar wünschenswert, sich am Bestand zu orientieren. Mich stört viel mehr diese Doppelmoral.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Ich wäre für mehr Hochpunkte und dafür großzügigere und weichere Übergänge zum Feld. So was kann man meinetwegen an den Stadtrand oder aber dahinter in Schönefeld und Co bauen. Am S-Bahnring würde ich mir schon etwas mehr Mut zur Vertikalität wünschen und das Ganze am liebsten noch in Kombination mit ökologischem Bauen, Fassadenbegrünung etc. Mir fehlt da die Inspiration und die größere Geste. Wenn schon "Bagger" aus "Wohnungsnot", dann sollte es wenigstens nicht auch nach Notlösung aussehen.

    Eben ein fließender, weicher Übergang würde doch einen randstädtischen Eindruck erwecken. Daran sind genügend modernistische Siedlungen erfolgreich gescheitert und es ist mir ein Rätsel, dass diese Lehre nach 50 Jahren noch immer nicht Konsens ist.

    Eine klare Kante zum Feld schafft Urbanität: Cafés, Geschäfte und diverse Einrichtungen, die von der Lage am Feld profitieren, würden den Rand beleben und zum Teil eines Stadtraums machen. Man denke an die Hamburger Binnenalster, den New Yorker Central Park, und etliche andere Flusspromenaden und Stadtparks weltweit. Eine lockere Bebauung mit Hochhäusern wäre hingegen Hohenschönhausen 2.0. - bitte nicht.

    Hochhäuser als Typologie sind weder dichter noch urbaner oder nachhaltiger und erst recht nicht kostengünstiger. Die Resilienz einer Blockrandbebauung hat sich seit jahrtausenden bewiesen. Wo ich dir aber recht gebe, ist, dass man innerhalb dieses Typus sehr wohl eine modernere Haltung entwickeln kann: Wie sieht der Hofraum der Zukunft aus? Wie können Straßen- und Platzräume räumlich interessanter werden, als nur schnurgerade die Blöcke zu durchteilen und rechteckig auszusparen? Wie organisiert sich die Grenze zwischen öffentlich und privat? usw.

    Na geht doch. Ich finde den Vorschlag klasse! So geht mutiger, identitätsstiftender Städtebau. Keine zaghaften Klötze in irgendeiner Ecke des Feldes, sondern eine klare räumliche Figur, also hier ein promenadenähnlicher Gürtel, der das gesamte Feld umspannt und von urban Blöcken gerahmt wird, ist genau das, was das Feld braucht, um wirklich zu einem einzigartigen Ort zu werden. Nöfer und Kollhoff sind halt ein paar der wenigen Architekten, die Städtebau noch zu verstehen scheinen. Denn dann wirkt die Bebauung nicht wie eine Beeinträchtigung der bestehenden Qualitäten, sondern wie eine Steigerung.

    Die ausfransenden Randbereiche, die eh kaum genutzt werden, verschwinden, während der zentrale Teil der Fläche, den die allermeisten Menschen von ihren Besuchen auf dem Tempelhofer Feld kennen, erhalten bleibt.

    Insbesondere die zweite Visu zeigt, dass es sich nicht nur um eine Geste handelt, die auf einem Lageplan nachvollziehbar ist. Auch auf Straßenebene ist die Figur erlebbar. Dass die Geomtrie des Flughafengebäudes ebenfalls mit eingebunden wird und somit als integraler Teil eines Stadtraums fungiert, ist die cherry on top.

    Ich bin mir sicher - wenn das so gebaut wird, wäre der Vorzustand schnell vergessen, und Berlin wäre um einen einzigartigen Kiez reicher.

    Ich weiß ja nicht - mich beschleicht das Gefühl, dass dieses Projekt sehr schlecht altern wird. Es erinnert mich mit den farbigen Fensterrahmen und der Plattenfassade an die Gestaltung des Neuen Kreuzberger Zentrums am Kotti. Die unendlich lange Glasfront im Erdgeschoss soll dem Gebäude wohl Leichtigkeit verleihen, doch die Ausführung überzeugt mich nicht. Die bündig aufsetzenden, und damit papierdünn erscheinenden Wände der OG's machen den Eindruck, als könnten sie jederzeit in sich zusammenfallen.

    Ich sehe das Ganze tatsächlich nicht so dramatisch. Die Geste des BdB's lebt insbesondere von den zwei Spree-Überquerungen, die Ost und West zusammenklammern. Der bereits im Bau befindliche Westtrakt stellt in diesem Sinne die wichtigste Erweiterung des Ensembles dar (Gott sei Dank hat man hier bereits Fakten geschaffen). Und mit dem Marie-Elisabeth-Lüders-Haus wurde die Ostüberquerung bereits umgesetzt. Das städtebauliche Kernkonzept ist also vollendet. Jede zusätzliche Erweiterung ist mMn nicht unbedingt notwendig.

    Außerdem handelt es sich nur um den Luisenblock Ost II. Die Umsetzung des Luisenblocks Ost I wird offenbar noch weiterverfolgt. Ich sehe darin auch eine Chance: Die städtebauliche Situation zwischen Spree, Bahnviadukt und Regierungsgebäuden macht das Gebiet zu einer Insellage und erschwert das Entstehen von städtischem Leben. Wenn dann noch das Areal vollständig von Regierungsbauten zugestellt wird, haben wir es mit einem vollkommen toten Viertel zu tun. Stattdessen könnte man auf dem Areal ein gemischtgenutztes Quartier bauen, mit einem öffentlichen Gebäude als Anziehungspunkt, um Bewohnern und Touristen einen Grund zu geben, das Gebiet aufzusuchen.

    ^^

    Hochhaus schön und gut, aber wenn ich diese verbastelten, überbauten Außenräume sehe, wird mir schlecht. Hat man denn nichts aus den unendlichen Beispielen ähnlicher Bausünden gelernt? Da muss man architektonisch jedenfalls eine Menge raushauen, damit dort nicht die Angsträume von morgen entstehen.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Was sich auf den letzten Bildern von Johannes_9065 und Merlin andeutete scheint sich in Natura zu bestätigen. ...

    Warten wir mal ab. Was als drittes Segment zu fehlen scheint, wird gestalterisch vielleicht vom abschließenden Geschoss erfüllt, sozusagen als gesrtrecktes drittes Segment. Dann könnte das noch gut werden. Aber mal ganz ehrlich - das fällt doch eh erst auf den zweiten oder gar dritten Blick auf.

    Zitat gekürzt.

    Mir fällt jetzt erst ein - wie soll am Ende die Fassade eigentlich aussehen? Der Rest des Bundeskanzleramts ist ja in Sichtbeton ausgeführt, aber die eher unsaubere Ausführung des Rohbaus deutet eher darauf hin, dass noch was davorkommmt. Die Visus sind zu abstrakt, um eine Materialität erkennen zu können. Weiß jemand mehr?

    Meine Worte. Stellt euch mal vor, man hätte hier ein richtiges Stadtquartier geschaffen, mit begrünter Uferpromenade und abwechslungsreichen Fassaden. Man hätte das schönste Quartier Berlins bauen können. Wenn schon Luxuswohnungen gebaut werden, dann doch bitte so, dass der Normalbürger sich wenigstens am Anblick der Häuser erfreuen kann. Es ist mir unbegreiflich, dass kein Architekt oder Politiker in der Vergangenheit das Potenzial dieser Gegend thematisiert hat.

    ^^

    An welchen Gebäuden genau machst du das fest? Klar, das Port-One ist mMn auch der gelungenste Bau im Europaviertel, doch darüber hinaus fällt mir nichts mehr ein. Das UpBeat wird hier im Forum hoch gelobt, doch ich halte es nicht für besser als das KPMG-Hochhaus am Hbf-Vorplatz. Auch die Wohnbauten am nördlichen Ende der Europacity sind mindestens genauso austauschbar wie der Rest.

    Die Fassade des Alexander-von-Humboldt-Hauses mag ja noch in Ordnung sein. Dennoch ist es eine vertane Chance, an dieser auffälligen, spitzwinkligen Lage am Hbf-Vorplatz kein expressiveres Gebäude zu planen, das die Ecksituation angemessen betont. Der vorliegende Entwurf sieht halt nicht nach mehr aus, als eine vertikal extrudierte Fläche.

    ^ Die Attraktivität des historischen Zustands allein darauf zu reduzieren, dass die Parzellen kleinteiliger waren, ist doch Unsinn. Das Elisabeth-Selbert-Haus sähe auf halber Länge mindestens genauso einfallslos aus. Auch kann mir keiner erzählen, dass weitere Fassaden dieser Art im Ensemble auf einmal zu einem spannenden Stadtbild führen. Umgekehrt gibt es historische Bürogebäude, wie zum Beispiel der Zollernhof, die auf ähnlicher Länge ein Vielfaches attraktiver aussehen.

    Das Problem liegt in der fehlenden gestalterischen Tiefe. Es gibt keine Hierarchie, kein interessantes Fassadenrelief, kein Dach oder wenigstens ein Gesims als Gebäudeabschluss. Das konnten Modernisten wie Erich Mendelsohn vor 100 Jahren schon besser. Auch die Proportionen sind für die Ansprüche am Boulevard ungenügend: statt emporstrebende Vertikalen oder sonstige ausdrucksstarken Geometrien gibt es nur richtungslose, quadratische Fensterlöcher. Die Ecksituation wird vom Architekten sogar bewusst negiert, indem der Trakt in der Seitenstraße zurückspringt und der Kopfbau freigestellt wird. Und zack, schon sieht es aus wie ein belangloser 50er Jahre Riegel mit Abstandsgrün.