Beiträge von SeoulSoul

    An die unvergleichbare Anmutung des ursprünglichen Marktplatzes reicht eben nichts heran, was Nachkriegsarchitektur hätte bewerkstelligen können. Stuttgart hatte nicht bloß einen Marktplatz, es hatte einen in Europa einzigartigen Marktplatz, welcher die am ehesten vergleichbaren (Tübingen und Esslingen) an Schönheit übertraf.

    Das wird jetzt auf ewig für berechtigte Unzufriedenheit sorgen.

    SCwclW1.jpg

    Abhilfe wäre ja möglich - Frankfurt hatte es vorgemacht.

    Deutschlands Banken- und Finanzindustrie ist im Vergleich zur westeuropäischen Konkurrenz schlicht eher schwach aufgestellt. Seit dem Bedeutungsverlust der Deutschen Bank des letzten Jahrzehnts gibt es hier kein mächtiges und gewinnträchtiges Finanzinstitut mehr. Keine BNP Paribas, keine HSBC, selbst die spanische Santander ist bedeutender, als die größte deutsche Bank.

    Städtebauliche Gründe würde ich für das Nachsehen Frankfurts also eher hinten anstellen. Es fehlen schlicht der kommerzielle Erfolg, die Zukunftsaussichten und wohl auch die Zahlungsbereitschaft britischer oder französischer Banken.

    Allerdings muss man schon anerkennen, dass Frankfurt bei Größe, Bedeutung und Freizeitangebot mit Paris oder London nie mithalten können wird, schon einfach deshalb, weil es nicht die Hauptstadt eines zentralisierten Landes, ja nicht einmal eine Millionenstadt ist ... nicht einmal eine Landeshauptstadt, das ist Wiesbaden:)

    Dekoratives Anführungszeichen

    ^^Ich weine dem preußischen Stuck hinterher - bin ich jetzt ein Nazi?

    Nein.

    Überhaupt war die Ästhetik des wilhelminischen Berlin an das zeitgenössische, spätbarocke Frankreich angelehnt: sehr verziert, verstuckt und verschnörkelt. Während Nazis sich vielmehr der griechisch-römischen Klassik orientierten: ihre Bauten waren spartanisch, militaristisch und kahl. Die Nazis waren übrigens klar gegen Verzierungen, gegen Stuck, gegen Spitzdächer, welche sie als Dekadenz empfanden. Selbst ein Laie wird den Unterschied sogleich erkennen.

    Ein weiterer Grund, weswegen die Gleichsetzung des wilhelminischen Berlin mit den (Bau-)Sünden der Nazis einfach nur weit hergeholt und demagogisch ist.

    Ich finde es sehr bedenklich und nicht förderlich für die Diskussion, dass hier Teilnehmer der Sympathien am rechten Rand bezichtigt werden, wenn sie für einen Abriss generischer DDR-Bauten eintreten. Ich teile diese Meinung, dabei ist meine politische Einstellung ganz sicher links.

    Die Gegenüberstellung, welche hier gelegentlich aufgestellt wird, "linker Plattenbau" vs. "historisierender, 'rechter' Prachtbau", ist im Falle des Alexanderplatzes völlig unangemessen. Den Abriss des Hauses der Statistik zu befürworten bedeutet nicht, dem preußischen Prunk nachzuweinen. Denn: die Alternative zum Haus der Statistik wäre ja kein Barockpalast gewesen, sondern - wenn das man das Umfeld betrachtet - ein weiteres modernes Hochhaus, Hotel oder Einkaufszentrum.

    Selbst ein DDR-Gedenkmuseum, ein ostalgisches Freiluftmuseum zum Thema Sozialismus hätte das Haus der Statistik ersetzen können, wer weiß? Jedenfalls irgendetwas, was aussagekräftiger ist, als dieses in Beton gegossene Nichts. Warum soll das Haus der Statistik überhaupt schützenswert sein?

    Für mich hat es keinerlei ästhetischen, funktionalen oder historischen Wert. Nicht, weil ich der DDR ihre Bedeutung für die Berliner Geschichte abspreche. Sondern, weil das Haus der Statistik für die DDR nie von herausragender Bedeutung war. Es ist Stangenware seiner Zeit gewesen, wurde ohne repräsentative Absicht errichtet und als Bürogebäude & Mehrzweckhaus unter tausenden dieser Art genutzt. Weder optisch, noch politisch steht da irgendeine Idee dahinter.

    Ich gehe so weit, zu vermuten, dass die DDR selbst sich ohne große Hintergedanken des halben Ensemble am Alexanderplatz entledigt hätte, hätte sie einen besseren Verwendungszweck für diesen zentralen Ort geplant. Während man heute, im kapitalistischen Deutschland, die unmöglichsten Ausreden findet, diesen generischen, die Innenstadt versperrenden Klotz ohne Mehrwert rechtfertigen zu wollen.

    "Lu Erleben" - Umbau der Ludwigstraße

    Es gab die letzten Jahre das Vorhaben, die Ludwigsstraße zu sanieren, welche, obwohl mitten in der Altstadt gelegen und mit Blick auf die Domspitze, heute ein nachkriegstypisch-trauriges Bild darbietet. Dieses Vorhaben mündete in mehreren Architekturwettbewerben und dem Siegerprojekt "Lu Erleben", welches vorschlägt, die Einkaufsmöglichkeiten beizubehalten, aber deutlich ansehnlicher zu gestalten.

    Das nachfolgende Bild zeigt lediglich einen von mehreren Siegerentwürfen: https://lu-erleben.de/

    https://lu-erleben.de/wp-content/upl…liliengasse.jpg

    Das Projekt fand ich selbst als Nicht-Mainzer sehr spannend, da mir die heutige Ludwigsstraße beim Besuch als der wundervollen Altstadt völlig unwürdig auffiel:

    https://www.mainz.de/microsite/lu/i…24454388730.jpg

    Nun ist es aber erstaunlich still um das Projekt in diesem Forum: weder Nachrichtenmeldungen, noch Fotoberichte. Da ich selbst mitnichten in Mainz bin, kann ich auch leider nicht persönlich nachhelfen.

    Was ist da los, geht etwas voran in der Mainzer Ludwigsstraße?


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    Wiesbaden und ausgerechnet Berlin (da Nähe zum Bundestag) haben angenehme Bahnhofsumgebungen, aber das war es eigentlich auch schon. Bei den sonst hübschen und reichen München & Hamburg hingegen ist das Umfeld im Augenblick ein Totalausfall (wird im Falle Münchens ja auch aus gutem Grund komplett umgebaut). Und die Bahnhofsviertel Frankfurt oder Stuttgart ... legendär schlimm.

    Nürnbergs Vorplatz hingegen ist mit dem ansehnlichen Empfangsgebäude, dem neuen Umfeld, dem unmittelbaren Blickbezug zu Stadtmauer und Innenstadt locker in der oberen Hälfte der deutschen Städte. Dass man beim Aussteigen erst einmal mit einer vielbefahrenen Straße begrüßt wird - leider überall Gang und Gäbe.

    (Es ist übrigens kein rein deutsches Problem, dass man vom Hauptbahnhof aus am liebsten davonlaufen möchte. Ich würde sogar so weit gehen, zu behaupten, dass bei den meisten europäischen Großstädten die Bahnhofsumgebung ein städtebaulich missratenes Schmuddelviertel ist.)

    Das habe ich in de Tat falsch formuliert, beziehungsweise nicht ausreichend ausgeschrieben. Die Einkaufsmöglichkeiten sind nicht armselig, sondern eigentlich sogar sehr gut, ich wollte schreiben: armselige Präsentation der Einkaufsmöglichkeiten. Geht man die Leipziger Straße entlang, nimmt man diese kaum wahr und will den Platz eigentlich nur möglichst bald hinter sich haben.

    Ich habe mir kürzlich, nach Fertigstellung des "Trion", nun ein Bild vom fertigen Gesamtbild Leipziger/Potsdamerplatz machen können.

    Es ist kein Totalausfall, aber wirklich eine vertane Chance für Berlin an einem solch zentralen Ort. Mein größter Eindruck ist, dass der Potsdamer Platz viel gelungener ist, als der Leipziger Platz und durch diese Nachbarschaft eher abgewertet, als aufgewertet wird.

    Der Potsdamer Platz bietet bei all seinen Mängeln viele interessante Blickwinkel, durch die Höhen-, Form- und Fassadenunterschiede der Hochhäuser. Obwohl ja nun fertig, wirkt er durch die willentlich unausgefüllten Räume wie etwas Fließendes, Werdendes und damit eigentlich sehr passend für Berlin. Aufenthaltsqualität hat er kaum, da es hier bis auf das Sony-Center schlicht nicht viel zu tun gibt, aber durchaus "Vorbeifahrqualität", wenn dieser Begriff denn einen Sinn ergibt. Als Verkehrsknotenpunkt und Bahnhofsvorplatz - nicht mehr, nicht weniger war ja vorgesehen - erfüllt der Potsdamer Platz meines Erachtens seine Rolle.

    Der Leipziger Platz hingegen ist leiderleider zu einem Unort tapeziert worden, in meinen Augen. Man hat sich hier viel zu sehr darauf verlassen, dass die achteckige Form an und für sich eine aufregende Raumwirkung erzeugt, aber das ist leider überhaupt nicht der Fall. Mit "unspektakulär" oder "austauschbar" ist die Architektur eigentlich noch zu großzügig beschrieben: sie mutet abstoßend generisch an. Selbst für Wohnblöcke am Stadtrand wären diese Fassaden eher unterdurchschnittlich: der Blick bleibt an nichts hängen, obwohl man eine ganze Reihe scheinrepräsentativer Neubauten präsentiert bekommt. Dazu trägt das völlige Fehlen von Höhenunterschieden und Farbkontrasten bei. Dann noch durch armselige Begrünung und Einkaufsmöglichkeiten ausbleibende Aufenthaltsqualität -- und fertig ist der moderne Nichtort, mitten in Berlin Mitte. Hätte man auch einfach bleiben lassen können.

    Beim Potsdamer Platz ziehe ich insgesamt eine tröstliche Bilanz; der Leipziger ist nicht einmal mit gutem Willen schönzureden, weil er einfach *nichts* bietet.

    Ich weiß nicht, warum alle auf der harmlosen Straßenbahn rumhacken, wo der Alexanderplatz doch eine Reihe viel substanziellerer Probleme hat, welche ihn daran hindern, zu einem ansprechenden Platz zu werden. Da ist die Straßenbahn doch wirklich der geringste Makel und nachrangig für die Wahrnehmung des Platzes.

    Als ich dort war, besorgte mich viel eher die heruntergekommene Umgebung aus DDR-Gedenkschrott und Einkaufszentren, welche mich beinahe davon abgehalten hätte, sich dem Platz überhaupt zu nähern. Zum Glück wurden hier bereits Abrisse angekündigt, um Platz für die kommenden Hochhäuser zu machen (Haus der Elektroindustrie).

    berlin-alexanderplatz-bahnhof.jpeg

    Berlin hat sich neben Rekonstruktionen neulich auch auf eine ganze Reihe von Wolkenkratzern (Alexanderplatz) eingelassen, dafür werden laut Bebauungsplan auch teils DDR-Bauten abgerissen. Also auch dort geschieht einiges, was man sich von Stuttgart wünscht.

    Stuttgart ist aber schon aufgrund der Größe nicht mit den deutschen Top 3 zu vergleichen, sondern eher mit anderen 500k-Städten, Düsseldorf und Nürnberg. Wobei aber auch diese meines Erachtens größer und weiter denken, durch die Schaffung von Fußgängerzonen und den Ersatz von Nachkriegsarchitektur durch bessere moderne Architektur an vielen Stellen.

    Um die vor einigen Seiten noch tobende Debatte aufzugreifen, woran es Stuttgart denn mangele, wieso ihr Ruf schlechter sei, als jener vieler anderen Landeshauptstädte.

    Der Grund dafür ist traurig wie banal. Ich weiß nicht, weshalb das überhaupt zur Debatte steht. Die Stuttgarter Innenstadt ist - schlicht und einfach - die vielleicht hässlichste in Deutschland. Nachkriegstristesse der übelsten Sorte. Stuttgart hat keine Bausünden, Stuttgart *ist* die Bausünde, zumindest Stuttgart-Mitte. Wer mich der Polemik beschuldigen mag: wie viele Orte in der Stuttgarter Innenstadt gibt es denn, an welchen man sich aufzuhalten vermag, ohne zumindest von einer Seite von brutalster Hässlichkeit erschlagen zu werden? Mir fällt spontan nur die Ecke zwischen Schlossplatz und Königsstraße ein, wobei die Königsstraße eigentlich nur an einem Abschnitt ansehnlich ist und im späteren Verlauf dann ebenfalls trostlos wird. Die Gegend um die Stiftskirche macht ebenfalls etwas her. Das war es aber auch schon, falls mich die Erinnerung nicht trügt.

    Wichtig: Stuttgart ist von der Bausubstanz und Anziehungskraft insgesamt ja sogar überdurchschnittlich für eine Stadt dieser Größe. Sie ist mir auch keineswegs gleichgültig geblieben bei meinem Besuch, sonst würde ich keinen so langen Beitrag zu ihr verfassen.

    Stuttgart hat doch auffällig viele schöne Einfamilienhäuser, Anwesen und erhaltene Gründerzeitviertel vorzuweisen. Besonders auf Stadtpanoramen wird sichtbar, wie schön die Hanglagen Stuttgarts teils sind (siehe obere Häuserreihen auf dem angehängten Bild). Auch die Landschaft ist durch die Tallage für eine größere Stadt einzigartig, man hat immer wieder sehr weitreichende Ausblicke auf andere Stadteile, welche sich durch Höhenunterschiede ergeben. Der ÖPNV ist für eine Stadt dieser Größe vorbildlich. Stuttgart ist die Stadt, welcher die Welt das Automobil verdankt, was sich auch in einem wirklich guten Museen (Benz Museum) widerspiegelt. Die Umgebung Stuttgarts ist wundervoll, zahllose schönen Kleinstädte & Dörfer, mit glücklicherweise heilen Stadtkernen, von denen manche bereits administrativ in der Stadt aufgegangen sind. Die unter Kennern bekannte Werkbundsiedlung, wirklich von Weltrang.

    Aber um all diese Vorzüge zu entdecken, bedarf dafür eben eines Erkundungswillens, welcher sich nicht entwickelt, wenn das "Gesicht" Stuttgarts so scheußlich ist, wie die heutige Mitte. Als Nicht-Stuttgarter lernt man eine Stadt eben vorrangig über diese kennen und wagt sich erst später - wenn überhaupt - dann tiefer in die Stadt. So weit kommt es aber bei vielen nach Bekanntschaft mit eben jener grauen, gesichtslosen bis grauenvollen Innenstadt. Stuttgart ist der sehr seltene Fall, wo eine Stadt umso weniger attraktiv wird, je mehr man sich dem Stadtkern nähert.

    Es gibt einzelne Maßnähmchen zur Aufhübschung des Stadtbildes, aber leider ein viel zu zaghaftes Flickenwerk und ohne die nötige Radikalität . Dass der Rathausplatz (häufig die Trumpf- und Visitenkarte europäischer Städte) selbst nach seiner "Aufwertung" voraussichtlich weiter keinen einzigen Anziehungspunkt haben und nur ein wenig weniger unerträglich hässlich sein wird, ist leider nur allzu symptomatisch für den fehlenden Willen, Stuttgart eine Innenstadt zu geben, welche den Namen wirklich verdient.

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    Die Bilder machen wirklich Lust, Frankfurt wieder zu besuchen. Reicht inzwischen an manche US-amerikanische Großstadt heran.

    Wo ich am meisten Potenzial sehe: viele generische Nachkriegsbauten in der Innenstadt könnte man mit Hochhäusern ersetzen. Da wird noch immer viel zu viel verschenkt.

    Ein Aus/Umbau des Hamburger Hauptbahnhofes war längst überfällig. Von außen ist er noch ganz ansehnlich, innen nur noch planloses Flickenwerk und der zweitgrößten Stadt Deutschlands nicht wirklich würdig. Bin also froh, dass dieses Projekt angestoßen wurde. Berlin hat bereits einen sehr guten und modernen Hauptbahnhof, München baut nun einen; war also an der Zeit, dass auch Hamburg drankommt.

    Paar Hoffnungen, welche ich habe:

    1. Eine (Sicht-)Achse vom Ausgang Nord zur Innenstadt wäre ideal. Im Augenblick wird man von einer sehr tristen Autostraße (Glockengießerwall) begrüßt und es ist nicht ersichtlich, wie nah man sich an den vielen Sehenswürdigkeiten befindet.

    2. Der Hamburger Hauptbahnhof und seine Umgebung sind von auffällig vielen zwielichtigen Gestalten umgeben, sodass das Aussteigen Nachts immer etwas unangenehm ist. Hat zwar nicht unmittelbar mit Architektur zu tun, könnte aber ebenfalls durch die richtigen städtebaulichen Maßnahmen (mehr 'zivilisierte' Spaziergänger anlocken) gelöst werden.

    3. Die Einkaufsmöglichkeiten innerhalb des Hauptbahnhofes sollten aufgewertet werden. Es gibt im Augenblick überhaupt keine Möglichkeit, etwas Gesundes zu kaufen. Die jetzigen Imbissbuden sind selbst für Imbissbudenmaßstäbe schäbig.

    Ich bin zwar sehr froh, dass der kümmerliche Kasten weg ist, hätte aber bevorzugt, dass der Blick auf den herrlichen Justizpalast irgendwie freigelegt bleibt.

    Der Neubau ist sehr durchschnittlich. Wäre für einen modernen Wohnblock gut gewesen, zum Blickfang in der Innenstadt taugt er nicht. Zu austauschbar und vorsichtig. Dabei soll es ja ein Luxushotel sein.