Beiträge von RMA

    Gute Idee, Miguel. Leserbriefe an FAZ, FNP und FR bringen nach den Erfahrungen in der Dom-Römer-Diskussion erstaunlich viel und werden auch von Politikern gelesen. Wider Erwarten werden diese auch überwiegend veröffentlicht bzw. die Zeitungen freuen sogar über kritische Meinungen, denn im passiven Hinnehmen irgendwelcher Mißstände sind wir Deutschen ja Weltmeister, zumindest, bis man Angie das Handy abhört.

    Frankfurter Allgemeine Zeitung: leserbriefe@faz.de

    Frankfurter Neue Presse: leserbriefe@fnp.de

    Frankfurter Rundschau: leserbrief@fr-online.de

    Traditionell bzw. aufgrund der politischen Orientierung sind die Chancen, bei FAZ und FNP zu Architekturthemen Gehör zu finden, geringfügig höher als bei der FR, wobei man der Ehrlichkeit halber sagen muss, dass ich dort auch schon oft veröffentlicht worden bin.

    Das Ganze erscheint mir immer noch etwas schwammig. Diese einzige bisher verfügbare Visualisierung und eine gescannte schlechte Kopie eines Fassadenaufmaßes von einer von vier Seiten kann ja wohl kaum ernst gemeint bzw. Grundlage für eine Entscheidungsfindung von Politikern einer 700.000 Einwohner-Stadt sein. Soll sich der „erheblich reduzierte Fensteranteil“ auf die letztgezeigte Visualisierung beziehen? Irgendwie sehe ich da nämlich einen Widerspruch, sieht man mal von der dort nicht einsehbaren Südseite ab. Interessant wären auch genaue Angaben zur Materialität.

    Wir reden hier schließlich von einem stadtbildprägenden Projekt an einer Stelle, wie sie prominenter wohl kaum sein könnte.

    Abgesehen davon, dass die Fensterverdachungen des zweiten Obergeschosses reduzierter sein müssten als die des ersten Obergeschosses (nur noch einfache Gesimse statt Felder) eine nahezu perfekte Kopie eines Hauses um 1820/30. Respekt.

    Naja, ein typischer Entwurf im Sinne der niederländischen Moderne halt. Interessant das ins gründerzeitliche Sachsenhausen eigentlich durchaus passende Motiv des Mezzanins unter der Traufe, wichtig der Erhalt des geneigten Dachs, schade natürlich die wirren Schießschartenfenster, die bis auf die Treppenhäuser (?) an den Seiten ohnehin keine größere funktionale Bedeutung haben dürften. Somit summarisch weder eine Verbesserung noch eine Verschlechterung.

    Sofern man da was erkennen kann sieht das schon nach einer großen Verbesserung aus. Jetzt noch ein allseitig abgewalmtes, schiefergedecktes Dach ohne Schildgiebel und ein Verzicht auf diese Sparkassen-Wärmedämm-Farbgebung, und da kann tatsächlich was draus werden. Vorausgesetzt natürlich, es bleibt bei öffentlich zugänglichem Restaurant und Aussichtsterrasse.

    Mir ist erstmal völlig rätselhaft, wie man das Büro von Peter Kulka mit dieser Aufgabe betrauen kann. Jedes Projekt in der Vergangenheit, wo dieses Büro, hier kann man allerdings durchaus vom Architekten selbst reden, mit historischer Bausubstanz zu tun hatte, war ein feuchter Traum für Denkmalpfleger – also ein ästhethisches Desaster für das gemeine, ungebildete Volk. Aktuell darf es ja das Potsdamer Stadtschloss nach eigenem Gutdünken bewusst verhunzt wieder aufbauen. Dies dürfte auch Beifall bei Denkmalpflegern in der ganzen Republik finden, die ja stets auf der Suche nach Musterbeispielen für die Wertlosigkeit der Rekonstruktion sind.

    Insofern verwundert es natürlich nicht, dass das Projekt bei einem Herrn Wionski, dessen denkmalpflegerische Prägung aus dem selben Jahrzehnt stammt, wie die architektonische Schulung des Herrn Kulka, nämlich den 1960er Jahren, also rund 25 Jahre, bevor man in beiden Professionen anfing, Bauten des Historismus irgendeinen Wert beizumessen, ebenfalls Anklang findet. Nur dies mal als selbstverständlich rein mutmaßende These zu etwaigen Hintergründen.

    Allerdings sind Denkmalschützer keine Entscheidungsträger. In diesem Fall zum Glück. Für mich stellt sich also eher die Frage, wer diese sind – müsste es nicht die Stadtverordnetenversammlung sein?

    Ich will politisch korrekte Menschen polarisieren und erreichen, dass ich von ihnen rote Laternen mit Kommentaren in schludriger Rechtschreibung erhalte. So, und jetzt im Ernst: wie hinlänglich bekannt sein dürfte geht soziale Verwahrlosung mit baulicher Verwahrlosung einher, die im Bereich der ganzen B-Ebene und ihrer Ausgänge zum Straßenniveau nunmal herrscht. Insofern habe ich nicht mehr als thomasfra in seiner Hoffnung beigepflichtet, dass auf den Neubau des Ex-HAKO-Hauses auch endlich das Dichtmachen und die damit wohl auch verbundene komplette Neugestaltung der B-Ebene der Hauptwache erfolgt.

    Die Quasi-Dauerbesiedelung der Ecke und des B-Ebenen-Lochs allgemein mit „neuen EU-Bürgern“ hat auch grenzwertige Ausmaße erreicht, wie ich neulich feststellen durfte. Die Händler dürften da auch kaum glücklich drüber sein. Wirkt zudem gelinde gesagt nicht gerade toll, immerhin ist das ja für den Großteil der Leute, die mit dem ÖPNV nach Frankfurt am Main kommen, die Hauptausstiegsstelle.

    Man beachte das „voraussichtlich zum Saisonstart 2014“ in der Pressemitteilung. Frei nach Harald Schmidt bereits die erste Einschränkung. :lach: Naja, das Ganze hat den Vorteil, dass sich dann zum Saisonstart 2015 die Skyline gegenüber den letzten Bildern, die man von da oben gemacht hat, schon wieder deutlich verändert haben wird.

    Vor allem insofern bemerkenswert als die Sicherheitsanforderungen dadurch ganz gewaltig steigen dürften. Tishman Speyer treten hier als die Mäzene auf, von denen man sich mehr wünschen darf. Zumindest Speyers Vorfahren kommen ja aus Frankfurt am Main. :daumen: Im 18. Jahrhundert waren sie neben den Rothschilds die bedeutendste jüdische Bankiersfamilie.

    Passt aber überhaupt nicht, da es jetzt wie eine gründerzeitliche Ladenfront wirkt, ursprünglich aber in Breite und Höhe ein vollwertiges Erdgeschoss war. Auf dem überkragenden Gesims lag direkt der Rähm des ersten Obergeschosses auf. Didaktisch äußerst fragwürdig und eigentlich genau das Disneyland, was man vermeiden will / wollte.

    Beeindruckend und zugleich konsequent, dass sich das Büro Mäckler nun auch im Wohnungsbau zumindest teilweise deutlich vormodernen Ideen nähert. Die Jury-Begründung für den dritten Platz ist natürlich gelinde gesagt für die Füße, weil die völlig zu recht zitierten realen Beispiele für eine solch dichte Bebauung im Kaiserzeit-Stil heute zu den beliebtesten Wohnlagen gehören. Natürlich darf sowas auch nicht gewinnen, denn bekanntlich hat man vor der Ankunft des Propheten respektive Ernst May ja menschenunwürdig gebaut.

    Die übrigen Entwürfe sind städtebaulich sicher auch nicht die schlechtesten, nur wird die größere Parzellierung wohl unweigerlich wieder zu der aus dem Europaviertel gewohnten montonen Schuhschachtelsammlung mit wenig Identität führen.

    Vielleicht hat man auch ein Problem damit, dass die Fassade von Braubachstraße 21 zwischen 1937–40 entstand, wie wir in der Magisterarbeit eines gewissen Herrn Cunitz lesen können. ;) Überhaupt bin ich recht erstaunt, dass die Braubachstraße scheinbar völlig ohne größere Brüche wiedererstehen darf.

    Geht man mal davon aus, dass der vor zwei Seiten gezeigte Plan des Areals einigermaßen akkurat ist, dürfte die neue Bendergasse an der schmalsten Stelle zwischen Schirn und neuem Stadthaus etwa 3,5 Meter breit sein. Das ist schon deutlich weniger als historisch (Blick nach Osten, Blick nach Westen), wo die Breite ungefähr zwischen 6,0 und 6,5 Metern betrug. Dies ergibt sich aus der Extrapolation der Maße der Rekonstruktions-Parzellen aus dem gezeigten Stadtplan im Abgleich mit den historischen Stadtplänen.

    Da schrillen wohl die Alarmglocken in Wiesbaden anbetrachts der Altstadt-Reko, in Darmstadt soll dieser Vorstadt-Schrott nämlich auch unter Denkmalschutz gestellt werden. Ziemlich ekelhaft, wie man hier versucht, den denkmalpflegerischen Dogmatismus durch die Hintertür durchzusetzen. Aber mal im Ernst, das hier soll Denkmalwert haben? Dann stelle ich mir als Gegenfrage, was hat dann keinen Denkmalwert?

    Abgesehen davon ist der Vergleich mit Barcelona wie Äpfel und Birnen. Frankfurt am Main war eine im Grundriss typisch fränkische Altstadt in Mitteleuropa, mit regnerischen Herbsten und schneereichen Wintern. Die ganze altstädtische Architektur war in ihrer Materialität und ihren Formen darauf zugeschnitten. In Südeuropa wird völlig anders gebaut, traditionell aus Stein, die Dächer aufgrund der geringen Niederschlagsmengen mit sehr geringer Neigung oder sogar schon historisch als Flachdach ausgebildet, die Gebäude ohne die in der fränkischen Architektur typischen Traufgänge direkt aneinander gesetzt, damit die so entstehenden riesigen Baublöcke die Tageswärme speichern und in den kalten Nächten langsam abgeben.

    Das Problem von Markt 40 sehe ich weniger in der Architektur an sich – der Fensterreichturm der Fassade ist eigentlich typisch für ein Haus an dieser Stelle, wo man besten Blick auf den Krönungsweg hatte, was man als Hausbesitzer bei Kaiserkrönungen bestens vermieten konnte – sondern in der Dominanz des Daches. Das originale Haus zu den drei Römern hatte ja nur ein Mansarddach, das sich in der Blickachse zum Dom diesem unterordnete, hier wird das Steildach in geradezu historistischer Manier zu einem Gegenpol erhoben. In dem von Schmittchen verlinkten Rendering sieht man das daraus folgende Problem, das Haus wirkt in dieser wichtigen Achse sogar größer als der Dom.

    Das hätte es historisch so nie gegeben, wenn es dominante Giebel gab, dann nur in horizontaler Reihung entlang Straßen, was bestimmten Gassen wie dem Markt, der Bender- oder vor allem der Fahrgasse ihr unverwechselbares Gepräge gab. Somit ist der Neuentwurf von Markt 40 zwar gut gemeint, aber gotischer als es Frankfurt je war. Hier wäre man besser bedient gewesen, sich am Vorgängerbau von Markt 40 zu orientieren (1552 [oben rechts], 1628 [ganz unten links]), der die für Häuser des 16. Jahrhunderts typischen spätgotischen Eckerkertürmchen hatte (authentisch bis 1944 erhaltenes Beispiel z.B. das Eckhaus Große Gallusstraße / Alte Schlesingergasse).

    Dekoratives Anführungszeichen

    Insoweit fände ich es sinnvoll wenn sich die Diskussion bei diesen (wirklich schwachen) Entwürfen darauf konzentriert, was in der Überarbeitung verbessert oder verschlechtert wurde. Die allgemeinen Unmutsbekundungen hatten wir doch schon dutzendweise ein paar Seiten vorher.

    Es ist nunmal eine Tatsache, dass diese zwei Entwürfe durchgängig jedem hier, ganz gleich, ob er, sagen wir mal, in seinem Architekturgeschmack eher traditionell oder modern orientiert ist, ein Dorn im Auge sind. Lob habe ich jedenfalls dafür nicht gelesen, zumal diese Gebäude auch nicht gerade ein Beleg für Leistungen moderner Architektur sind. Das ist einfach nur typisch deutsche Intellektuellen-Konzept-Architektur ohne Realitätsbezug.

    Wir haben hier ein Projekt, dem, wenn dann gebaut wird, eine fast zehnjährige Planungsphase vorausgegangen sein wird. Ich finde es da einfach unverständlich, wenn man auf Teufel komm raus aus, und Hand aufs Herz, anders ist es nicht zu erklären, rein ideologischen Quoten-Gründen zwei Gebäude in dieses Areal stellt, die bereits in Marketing-Bildern und -Videos der Dom Römer GmbH verschämt immer nur versteckt dargestellt werden. Auf Postkarten später wird es dann wohl auch nicht anders sein.

    Himmel, ich kann mich sogar noch mit dem Stadthaus in seiner Architektursprache abfinden, weil es es keine historischen Vorbilder besitzt, aber diese beiden Entwürfe beschäftigen sich bis auf den Giebel nahezu null mit der gestellten Aufgabe. Ich finde das auch beleidigend gegenüber den anderen auf den Areal tätigen Büros, die, wie ich in meinem vorigem Beitrag beschrieben habe, teilweise tief in die historische Materie eingestiegen sind, um die angepassten Neubauten zu entwerfen. Hätten sie ja nicht machen müssen, wenn man so wie Morger + Dettli sowie Helmut Riemann Architekten einfach so etwas hinrotzen kann, und damit offenbar problemlos bis zur Baugenehmigung kommt.