Beiträge von Bauaesthet

    Worin liegt das Problem? Haben einige Angst, dass das Stadtzentrum zur menschenleeren Steinwüste verkommen könnte und dass man im Zentrum zur dringenden Belebung und Diversifikation beliebig viele Sport-, Trimm-dich-, Unterhaltungs-, Freizeit- und Spielplätze für Erwachsene aufbauen sollte? Andererseits wird mit einer Überflutung der Innenstadt mit Touristenströmen gerechnet. Geht es deshalb auch darum, dem Zentrum bzw. der Museumsinsel den spaßlosen und für Bildungstouristen geeigneten, zu elitären Kunstcharakter zu nehmen bzw. diesen durch anspruchslosere, alternative Einrichtungen zu ergänzen? Lautet die Devise: Spielplätze statt Busparkplätze? Handelt es sich lediglich um ein harmloses Fitnessundmotivationserhaltungsbedürfnis der Bevölkerung oder steckt dahinter eine gesellschaftliche Umerziehungsstrategie? Ich werde aus dieser Diskussion nicht schlau.

    "Satire ist eine Kunstform, mit der Personen, Ereignisse oder Zustände kritisiert, verspottet oder angeprangert werden. Typische Stilmittel der Satire sind die Übertreibung … oder Untertreibung … bis ins Absurde. Üblicherweise ist Satire eine Kritik von unten gegen oben (Repräsentanz der Macht) vorzugsweise in … Politik, Gesellschaft, Wirtschaft oder Kultur." Wikipedia"


    Die Taliban-Satire wurde wohl nicht von allen als Satire erkannt. Also ein weiteres Übungsbeispiel:

    Die Freunde der „Platzgestaltung durch Indigene Kunst am Schloss (PIKS)“ werden von den (dem Senat nahestehenden) Freunden der „dauerhaft deplatzierten Restitutionskunst (FdDDR)“ immer wieder aufgefordert, mehr Geduld zu haben, was später mögliche Nach-Dekorationen des Schlossplatzes, z. B. mit früher entfernten Kunstgegenständen angeht. Argumentiert wird, dass eine letztgültige Entscheidung nicht getroffen wurde und dass doch nach bauseitiger Fertigstellung noch manches möglich sei. Auch würden die Eiferer mit ihren ständigen und penetranten Forderungen ihrer eigenen Sache nur schaden. Nun haben die PIKS die Sorge, dass das Landesdenkmalamt aufgrund der beispielhaft geglückten Zeitschicht der Moderne für den neuen Schlossplatz einen vorzeitigen und unumkehrbaren Denkmalschutz aussprechen könnte. Zuvor soll noch die Markierung der Busparkplätze abgewartet werden. Danach wären so die PIKS-Freunde durch vollendete Tatsachen ruhig gestellt.

    Mit dem Taliban-Vergleich bin ich doch von manchen völlig missverstanden worden. Keinesfalls wollte ich aber pauschal den Berliner Senat mit den Taliban gleichsetzen. Für das Missverständnis bitte ich um Pardon.


    Durchaus provokativ wollte ich aber zeigen, wohin festgelegte Denkweisen, bezogen auf Architektur und Kunst, führen können. Wenn fachgebildete Entscheider ein Wertesystem vertreten, wonach „die Moderne“ als die fortschrittliche, älteren Kunst- und Architekturformen überlegene Ausdrucks- und Gestaltungsform gezeigt werden soll, verlieren alte, geschädigte oder zerstörte Kunstwerke die Berechtigung zur vollständigen Rekonstruktion. Sie werden immer mit modernen Elementen deutlich sichtbar ergänzt, dekoriert, gewandelt – im Grunde gebrochen, um die „Nicht-Originalität“ des neuen hybriden Werkes nachzuweisen. Dieses wird damit als unecht abgewertet. Der durch Rekonstruktion geschaffene Kunstwert entsteht erst neu mit den ergänzenden modernen Ausdrucksformen.


    Das ist so, als ob die Rekonstruktion der zerstörten Brücke von Mostar nur mit sichtbar zugefügten Betonstützen und Edelstahlteilen wieder als Kunstwerk akzeptiert werden könnte. Berechtigt wäre dies, wenn die Brücke funktional als Hybrid für Lastenverkehr ertüchtigt werden sollte. Deshalb zeigt die Stella-Ostfassade, funktional gerechtfertigt, das Schloss als modernes Museum. Im Falle des Freiraumes rundum gibt es aber keine funktionalen Gründe, diesen zu „modernisieren“, hier symbolisch eine neue Zeitschicht durch neue Leere zu schaffen, die Schlossterrassen „neu zu interpretieren“ und die erhaltenen, versetzbaren (!) Kunstwerke fernzuhalten. Denn so wird der Schlossbau von der Nachbarbebauung bloßgestellt und die Gesamt-Ensemblewirkung durch Isolierung gebrochen.

    Täglich Massen an Touristen aus dem Umland und von fern mit vielen Bussen direkt vor dem Humboldt-Forum vorfahren und die Busse für die Zeit der Kurzbesuche warten zu lassen kommt mir vor wie American Express Tours vor Urzeiten: à la „See Europe in 10 days!“ So etwas wäre doch nicht eine adäquate Tourismus-Werbung für das Humboldt-Forum? Natürlich soll das keine Unterstellung sein. Ich bin jedenfalls als unbedarfter Laie gespannt auf die Verkehrsplanung der Omnibus-Parkplatz-Kapazitätsberechnungsexperten.



    Ich fand deinen Beitrag #1.109 sachlich und überlegenswert, sonst hätte ich gar nicht geantwortet. Auch Frau Lüscher hatte ich gar nicht erwähnt.

    Die völlig undemokratische und durch Ideologie bestimmte Einstellung Grotewohls ist wohl mehr als deutlich.

    Meine eigene Meinung entspricht lediglich meinem ästhetischen Empfinden, also ist rein subjektiv geschmacklich begründet. Ich zwinge sie niemandem auf! Dabei ist es mir egal, ob ich den einen oder anderen dabei vergälle. Da ich auch oft in anderen Zusammenhängen ganz auf Seiten der Moderne stehe, sehe ich auch keine ideologisch rückwärts gewandte Einseitigkeit, sondern nur in diesem Falle die Ganzheitlichkeit des Ensembles, wobei es nicht bis auf Messers Schneide um die Rekonstruktion jedes Buchsbaums geht. Jedenfalls ist es doch nicht schlimm, wenn wir engagiert und ohne Ärger Meinungsunterschiede erkennen.

    Camondo:

    "es musste nur ein wenig Rost hier und ein Paar blinde Scheiben dort entfernt und ersetzt werden.

    Beim Humboldt Forum musste erst der Vorgängerbau abgerissen werden und sowas wie ein 'Schlossumfeld' existiert seit 80 Jahren nicht mehr.

    Auch ist die Neue Nationalgalerie immer präsent gewesen, im Bewusstsein der Berliner."


    Die Schädigungen der Neuen Nationalgalerie waren ganz massiv, wie ich gelesen habe und die materialgerechte Restaurierung war hoch kompliziert (Beton, Glas, Isolierung, Steinböden, Dach, Sicherheit, Statik), alles musste angepackt werden.

    Das Erscheinungsbild des Vorgängerbaus PdR (auch des Innenministeriums) habe ich immer als einen Fremdkörper empfunden, der unvermeidlich diesen überdimensionierten Trabbi-Parkplatz als Beipack-Lösung bei sich hatte und der in Ausrichtung und Stil überhaupt nicht passte. Zugegeben - an einen Abbruch hatte ich in der Vorwendezeit nie zu hoffen gewagt. 80 Jahre sind keine lange Zeit, um im Städtebau gravierende Mängel wieder zu beheben, wenn man den Mut zur Reparatur hat, es wichtig findet und das auch will.

    Dass die Nationalgalerie immer präsent gewesen ist, stimmt natürlich und ist gut so. Dass aber der Schlossbau und die Vorkriegssituation des Ortes völlig aus dem Gedächtnis der Bevölkerung getilgt wurde, ist ja gerade das ideologisch begründete Verbrechen der Geschichtsvernichtung.


    Wie sagte Otto Grotewohl, SED, Ministerpräsident der DDR,1950: So ist mein Gewissen beruhigt. Jetzt schreien alle, und wenn das Schloss weg ist, kräht kein Hahn mehr danach.” Fast hätte er Recht behalten.

    Die Neue Nationalgalerie Mies van der Rohes ist saniert. Die Stuttgarter Zeitung schreibt aner­kennend, dass 2011 eine denkmalgerechte Sanierung beschlossen wurde, die vom Wettbewerbs­sieger David Chipperfield Architects ausgeführt wurde. Gelobt wurde, dass die Architekten dabei „das Paradoxon vollbracht haben, ihre Meisterschaft zu beweisen, indem sie unsichtbar bleiben – (fast) alles wie vorher! Den Urzustand wieder herstellen, nichts neu interpretieren oder auffrischen, und wenn korrigieren, dann im Geiste des Originals – diesen Anspruch haben die Architekten beeindruckend akribisch umgesetzt.“


    Welch ein schönes Lob für ein Projekt, das den Respekt vor dem großen Architekten Mies van der Rohe und „dem Schluss- und Höhepunkt seines Lebenswerkes“ zum Ausdruck bringt. Davon können Befürworter der Rekonstruktion des Schlosses und umgebenden Schlossplatzes nur träumen. In Berlin, das über viele dutzende großer Plätze und Quartiere verfügt, in denen sich moderne Architektur an Gebäuden, Raum- und Platzgestaltung beispielhaft austoben kann, bringt man es nicht fertig, die überschaubare Museumsinsel Spreeathen, ein Filetstück aus der Zeit des Barocks und des Klassizismus mit Park- und Platzanlagen aus der Zeit vor der großen Kriegszerstörung wieder entstehen zu lassen. Wo bleiben Respekt und künstlerische Würdigung von Andreas Schlüter, Karl Friedrich Schinkel, Eosander von Göthe, Peter Joseph Lenné, Clodt von Jürgensburg, Reinhold Begas, Gustav Halmhuber? Alle hatten einander ergänzend und einfühlsam zu dem Gesamt-Ensemble beigetragen. Stattdessen wird eine neue, ausdruckslose „zeitgemäß“ minimalisierte Moderne mit fast zerstörerischer Absicht diesem Herzstück Berlins aufgedrückt, ausdrücklich, um eine neue Zeitschicht erkennbar zu machen und „Platz für Busparkplätze“ zu schaffen. Das kann nicht das letzte Wort gewesen sein.

    Zu meinem Beitrag #1481


    Eigenzitat: „Die Barockfassaden Schlüters und Eosanders waren und sind wieder eine Berühmtheit auf höchstem europäischem Niveau“


    Ich wollte damit nur die alte, in sich unzusammenhängende Ostfassade mit den klaren Schlüter-Fassaden vergleichen und vermuten, was zur Entscheidung nur über diese Teil-Rekonstruktion geführt hat. Dabei habe ich die allgemein anerkannte, hohe Qualität des Barock-Bauwerks Schlüters auf höchstem (oder hohem) europäischem Niveau hervorgehoben, ohne eine nachträgliche europaweite Casting-Show unter Experten auslösen zu wollen. Ich halte es für überflüssig, wenn Schlüters Bauwerk mit anderen europäischen Bauten „höchster Qualität“ verglichen und die jeweiligen Qualitäten und Defizite gegeneinander seziererisch relativiert werden. Freuen wir uns doch einfach über jedes Kunstwerk als Edelstein mit oder ohne Einschüssen.

    Architektur-Fan:

    Zu Deiner These 1: „Du weißt aber sicher, dass es den Protagonisten des Wiederaufbaus zuallererst um die Barock-Fassaden gegangen ist. Die Barock-Fassaden waren die Basis. Und du drehst den Sachverhalt um 180 Grad. Du stellst die Dinge dar, als ob die modernen, funktionalen Innenräume die Basis darstellen würden und die Barock-Fassaden lediglich einen Zusatz darstellen würden.“

    Das hast du falsch verstanden. Bei der Wiederaufbau-Idee des Herrn von Boddien ging es mir natürlich auch zuerst um die Barockfassaden. Diese zeigen eine einheitliche, geradlinige Anordnung der Fenster vor einem geradlinigen Baukörper, sind also somit für den Bau einer gerade angeordneten, funktionalen Raumabfolge für Museumsnutzung gut geeignet. Da sehe ich keinen Widerspruch. Es geht um keinen (zeitlich) um 180 Grad gedrehten, „abstrusen“ Zusammenhang und keine abwertende Qualifizierung der Fassaden als „Zusatz“, sondern um einen passenden Zusammenhang zwischen Barock-Fassaden und Raumprogramm.

    Zu Deiner These2: „Warum können die Modernisten den Traditionalisten nicht gönnen, dass wenigstens das Humboldt-Forum in traditionellem Stil aufgebaut wurde?“

    Da stimme ich zu. Ich wäre auch dafür gewesen, das Schloss so weit wie möglich zu rekonstruieren, also auch historische Räume, oder wenigstens einen Gebäudeflügel mit entsprechender Möblierung wieder herzustellen. Aber der Prozess lief nun einmal anders aus drei Gründen: 1. Grund: Die Entscheider wollten kein Hohenzollern-Museum. 2. Grund: Sie suchten nach einer praktikablen, den Projektaufwand rechtfertigenden Nutzung und fanden dafür die Dahlem-Sammlungen als Museumsnutzung. 3. Grund: sie wollten ein offensichtliches Hybrid-Gebäude, wie es heute Mode ist und wenigstens auch den Forderungen der Schlossgegner einschließlich Senat entgegen kommt.

    Zu Deiner These3: Hier geht es nicht um Funktion. Hier geht es um Repräsentativität.

    Es geht hier um das Stadtschloss … Vielleicht möchten sich die Liebhaber der Moderne lieber im Kulturforum über Klarheit und Funktionalität unterhalten. … Wenn es um die Fassade des Stadtschlosses geht, ist Funktionalität fehl am Platz.

    Ich sehe das nicht einseitig. Ich schätze gute, moderne, funktionale Architektur, die auch repräsentativ sein darf und jedenfalls immer auch ästhetisch sein sollte. Ich bin aber kein einseitig, ideologisch festgelegter Liebhaber der Moderne. Ich schätze ebenso die ganze Palette Jahrhunderte alter Baustile von der griechisch römischen Klassik über Palladio einschließlich Barock und freue mich über jede Rekonstruktion eines zerstörten kunstgeschichtlich und städtebaulich wertvollen Gebäudes und Ensembles wie das Berliner Schloss nach den strengen Regeln der UNESCO. Die großartigen Barockfassaden von Schlüter und von Eosander von Göthe mit den herrlichen Portalen und Höfen finde ich in ihrer Rasterung, Dimensionierung, in symbolhaftem Ausdruck und Ästhetik, auch der Gebäude-Erschließung durchaus sehr funktional. Besonders die Gigantentreppe zeigt, dass es gelungen ist, gerade durch ein Höchstmaß an Repräsentantion höchste Funktionalität zu erzeugen. Denn die eigentlich wichtige Funktion dieses Barock-Treppenhauses IST Repräsentation!

    Auch wenn das Thema der Ostseite des HF abgeklungen zu sein scheint, möchte ich in diesem erlauchten Kreise der Experten und der Interessierten mal meine Meinung dazu äußern:


    Es gibt, auch wenn das Thema in der Sache erledigt ist, weiterhin viele unzufriedene Befürworter der vollständigen Rekonstruktion des älteren Ostteiles des Schlossbaus inklusive Renaissancebau und Apothekerflügel. Meist ging es dabei eher um eine emotionale Kritik an der Stella-Fassade. Ich meine:

    • Zur Funktion: Der gesamte Innenraum des HF- Neubaus ist unter modernen Museumskriterien mit großen Ausstellungsräumen, Raumfolgen, funktionalen Stockwerkserschließungen und Verkehrswegen geplant und erstellt. (Über Details kann man immer streiten!). Zu diesem Raumprogramm passen Schlüters und Eosanders großflächige, geradlinige Barock-Fassaden einschließlich der Portale ausgesprochen gut. Ganz anders ist das beim Ostflügel: Dieser bestand aus kleinen Räumen mit engen Fluren, Niveausprüngen und verschiedenen Fassadenteilen, -höhen und Türmchen. Eine archäologischer Wiederaufbau wäre unpraktisch und ein Widerspruch zum gesamten Museumskonzept gewesen.
    • Kunsthistorische Sicht: Die Barockfassaden Schlüters und Eosanders waren und sind wieder eine Berühmtheit auf höchstem europäischem Niveau. Die zusammengesetzten alten Ostfassaden, in der wilhelminischen Zeit in historisierendem Stil „aufgehübscht“, zeigen dagegen keine ursprüngliche und gleichrangig wertvolle Ansicht.
    • Die Stella- Fassade: Ich meine, Stellas Fassade wird zu Unrecht als Hochgarage, Sparkasse und 08/15-Bürotrakt verunglimpft. Die Fassade ist durchaus mit den Barockfassaden abgestimmt – ohne postmodern barockisierte, sich dem übrigen Baukörper anbiedernde Schnörkel. Sie ist Ruhe ausstrahlend, zusammen mit Treppen und Rampen sogar edel, großzügig und funktional, trotz großem Kontrast zu den Barockfassaden, durchaus passend im Stil und in der Klarheit. Mir fehlt nur, so wie zwei Nord- und zwei Südportale sowie ein dominantes Westportal an der Ostfassade ein entsprechendes, durchaus modernes und markant erkennbares Ostportal. Durch dieses Portal könnte man direkt über das zu rekonstruierende, einladende Eingangsambiente des Gigantentreppenhauses in den Schlüterhof und in die Obergeschosse gelangen. Auch das Gärtchen hätte man etwas üppiger wieder erschaffen können.



    Ich hatte gar nicht erwartet, dass mein Link-Hinweis zu dem RL-Interview so viel inhaltvolle Kommentare lostreten würde. Mir ist wichtig, zu trennen zwischen einerseits der subjektiven Einschätzung und dem Respekt vor einer interessanten Persönlichkeit und andererseits der ebenfalls subjektiven Beurteilung ihrer fachlichen Meinung und inhaltlichen Arbeit. Genau das ist doch das Wesen der unter uns notwendigen, dialektischen Streitkultur!

    Es ist manchmal eigenartig, an der eigenen Orientierung zu arbeiten, wenn man einen Perspektivenwechsel unternimmt. Mir ist auch schon „Lüscher-Bashing“ vorgeworfen worden, wenn ich ihren maßgeblichen Einfluss auf die Schlossplatz-Planung und auf die Gestaltung des von Kunstwerken entblößten Platzes und der so geschaffenen Leere heftig kritisiert habe. An meiner Kritik an dem Ergebnis hat sich nichts geändert. Ich habe aber jetzt in YouTube ein Interview mit Frau Lüscher gehört und dabei eine intelligente, differenziert argumentierende, sympathische Frau kennengelernt, die beruflich und privat viel über Berlin nachgedacht und interessant gesprochen hat.


    Den Kritikern der Freiraumplanung empfehle ich, ihr in dem Interview zuzuhören: „Berliner Städtebaugespräche 2 – Regula Lüscher – YouTube“


    https://www.youtube.com/watch?v=LaIXfgT8MhM.

    Theseus532

    Mag sein, dass du besser informiert bist als ich. Gerne nehme ich Kritik und bessere Informationen an.


    Folgende Sätze sind allerdings nicht meine böswillige Erfindung. Ich habe sie aus Wikepedia entnommen: Zitat: „Regula Lüscher setzte für das Humboldt Forum eine minimalistisch reduzierte Gestaltung des Umfeldes durch, die auf historische Elemente völlig verzichtet. Das Schloss solle als Projekt des 21. Jhds. erkennbar gemacht werden und ausreichend Parkflächen für Reisebusse aufweisen“ (Quelle Wikepedia). Das klingt nicht nach einer mit dem Schloss harmonisierenden Freiraumgestaltung und den Busparkplätzen dabei eine so hohe Priorität einzuräumen, halte ich für …

    Die in der Beurteilung mangelnde Abstimmung und fehlende Einigkeit, ja Gegnerschaft zwischen Bund (Bauherr HF) und Senat (Bauherr Freiraumgestaltung) ist ebenfalls nicht meine Erfindung, sondern wurde von vielen Seiten und in Kommentaren schon oft kritisiert und bedauert.

    In Verbindung mit der Rückführung von hochkarätigen Kunstwerken im Umfeld nur abwertende Begriffe wie „Freiluftmuseum“ zu verwenden, sind disqualifizierende Originalzitate von Frau Lüscher (Berliner Extrablatt Nr. 94). Diese Kunstwerke „Firlefanz“ zu nennen, ist deine persönliche Wortwahl, die viel über dein eigenes Kunstverständnis aussagt.

    Ich respektiere Frau Lüscher als Person durchaus, soweit sie ihre Privatmeinung hat und vertritt. Ich selbst bewundere die Bauhaus-Kunstauffassung sehr und habe mit Bauhaus einige auch ganz persönliche Verbindungen. Aber diesen Schlossplatz-Freiraum in dem minimalistischem Stil „durchzusetzen“ halte ich für eine absichtsvolle Polarisierung und einen großen Fehler.


    Mag auch sein, dass ich ihr aufgrund ihrer Schweizer Herkunft zu Unrecht einen Mangel an Toleranz gegenüber Rekonstruktionen unterstellt habe. Excusez!

    Das neue, steinerne, schmucklose Umfeld des neuen Berliner Schlossbaus haben wir bekanntlich der Senatsbaudirektorin Regula Lüscher zu verdanken. Frau Lüscher (Studium an der ETH Zürich) steht für Stadtgestaltung, orientiert am Bauhaus und dem Neuen Bauen in der Mitte des 20. Jhds. Sie lehnt historische Bezüge zu Bautraditionen und Kontextualisierung zum Stadtbild vor dem 2. WK sowie Rekonstruktionen grundsätzlich ab. Sie setzte für das Humboldt Forum eine minimalistisch reduzierte Gestaltung des Umfeldes durch, die auf historische Elemente (Neptunbrunnen, Skulpturen, Terrassen, Rossebändiger) völlig verzichtet. Das Schloss solle als „Projekt des 21. Jhds erkennbar gemacht werden und ausreichend Parkflächen für Reisebusse aufweisen“ (Quelle Wikepedia).


    Meine Erklärung dazu: In der Schweiz gibt es keine traumatisierten und bis zum Identitätsverlust zerstörten Städte wie in Deutschland (wo nach dem Krieg zudem alte, zerstörte und beschädigte Leitbauten der Vorkriegszeit auch noch nach „Vorbildern“ der US-Autostadt bzw. der neuen sozialistischen Stadt gnadenlos entsorgt oder "zeitgemäß" optisch modernisiert, d.h. vereinfacht, „entschmückt“ und begradigt wurden). Jetzt wo versucht wird, verlorene und geschädigte Stadtbilder, Ensembles und bedeutsame Plätze wenigstens durch Rekonstruktionen bedeutungsvoller Leitbauten wieder zu gewinnen, lehnt sie das kategorisch ab. Sogar die mögliche Rückführung erhaltener, hochwertiger Kunstwerke an ihre ursprünglichen, wesentlich ausdrucksstärkeren Standorte innerhalb stimmiger Ensembles verhindert sie ausdrücklich, so als wären das alles kitschige Elemente von „Freilichtmuseen“. Indem sie „an prominenten Orten" neue, „zeitgemäße Zeitschichten“ hinzufügen und sichtbar machen will, zerstört sie bewusst tiefer liegende, ältere Zeitschichten aus dem historischen und kunstgeschichtlichen Gedächtnis der Stadt. Dabei wird sie unterstützt durch Kultursenator Klaus Lederer und die Berliner Linke. Auch das Landesdenkmalamt zeigt sich blind gegenüber der Entstehungs- und Bedeutungsgeschichte der Kunstwerke, die ihre volle Wirkung nur am Kulminationspunkt im Zentrum der Stadt wieder voll erreichen könnten. In diesen Haltungen sehe ich einen großen Verlust an wertvollen, zeitlos-ästhetischen Eindrücken im Stadtraum. Deutlich wird eine betrübliche Geschichtsvergessenheit und Arroganz verantwortlicher Amtsträger gegenüber der Kunst- und Kulturgeschichte sowie der Städtebau- und Architekturgeschichte Berlins.

    ... und - ich wage es nach diversen Zurechtweisungen kaum schon wieder auszusprechen oder sogar hinzuschreiben (und wieder versehentlich über die Threadgrenze zu springen, aber es muss dennoch gesagt werden): es fehlen noch drum herum vier hübsche Jungfrauen, eine Schildkröte, zwei Pferde, ein Krokodil, diverse Schlangen und Kleintiere und Werkzeuge, zwei Pferdehalter, ein Wassergott und, und, und ...

    Diese Menschen, Götter, Viecher und Gegenstände sind von dem Schlossbau und den prächtigen Fassaden und Portalen einfach nicht zu trennen.

    Meldung der Berlinerischen Zeitung - 1.4.2021


    Glaubwürdige Kreise wollen erfahren haben, dass Berlins Kulturpapst, Viledera heimlich die Rück­führung des Neptun-Brunnens zum Schlossplatz plant, obwohl er das offiziell ablehnt. Grund waren bisher Gasleitungen und Kosten. Auch soll eine Elterninitiative fordern, für die Kleinen wenigstens die Brunnen-Jungfrauen für „Abenteuer­spiele“ zu belassen (Zitat: Boron). Immerhin habe es Viledera erreicht, dass der Bund 10 Mio. € für die Umsetzung anbietet. Viledera sei auch für die Rückführung der Rosse­bändiger. Das sei aber zu teuer (fehlende Kitas). Den Rossebändiger-Umzug verweigere er nur, damit der Bund das irgendwann auch finanziert. Da der Bund wegen der Pandemie pleite sei, lehne er weitere Umzüge von Pferden, Reitern und Bändigern in B-Mitte ab. Jetzt prüfe Willi Boden vom ProSchloss-Verein, mit Spenden auszuhelfen. Ergebnis: Diese könnten zwar für einen Rossebändiger, nicht aber für zwei reichen. Der Teilrepatriierung mit Spenden würde der Kulturchef sogar zustimmen, da beide Statuen im Kleistpark zu weit auseinander stünden. Jetzt werde endlich eine alle befriedigende Gesamt­lösung ausgearbeitet. Danach könnten beide Pferde mit Personal umziehen, wenn die „grausige nachgemachte Schlossfassade“ (Zitat: v. Dusel) dafür „zeitgemäß“ an dem „sehr prominenten Ort“ (Zitat: Luschara) von religiösen Barocksymbolen befreit und weiß gestrichen würde. Auch müsse der Lustgarten planiert werden, damit durch die Pferde kein Freiluftmuseum entsteht. Der so gewonnene „Platz der demokratischen Republik“ könne für beliebte Großdemos von bis zu 60.000 Personen dienen (Wunsch des Senats). Vorteil: Der Platz könnte dann auch als Bus-Parkplatz alle Parkprobleme lösen. Das Rote-Rathaus-Forum könnte dann eng und historisierend bebaut werden (Forderung der Reko-Fraktion). Zur Finanzierung dieses genialen Konzeptes liegen keine Informatio­nen vor, es wären aber viele Bürger zu Spenden bereit. Zudem lägen lukrative Angebote aus aller Welt zum Ankauf von Raubkunst vor, was erheblich zur Finanzierung beitragen könnte. Das erfolgreiche BER-Projektmanagement stehe für diese neue Herausforderung bereit. Red.: Bauaesthet

    @ Camondo:

    "Ich denke da an grosse Feuerschalen und ..."


    Große Feuerschalen rechts und links oben auf dem Dach der Ostfassade wären mir wahrscheinlich zu dominant. Aber sie könnten im unteren Treppen- bzw. Rampenverlauf eine gute Wirkung haben.

    Als Beispiel fällt mir die Grabkapelle der Königin Katharina in Stuttgart ein.

    Du solltest aber Verständnis haben, wenn ich dabei jetzt schon wieder vom Bauthread hinüber zum Freiraum gesprungen bin.




    https://th.bing.com/th/id/OIP.…&c=7&o=5&dpr=1.65&pid=1.7


    Mod: Wegen mangelnder Quellenangabe geurlt.

    In den Bildern der Schlossplatz-Südseite wurden schon einige Personen auf den Steinernen Bänken sitzend gesehen, offensichtlich in gemütlicher Haltung. Wer hat Erfahrung, ob die wirklich in Höhe und Ausformung gemütlich sind? Sie haben natürlich auch die "Terroristenabwehrfunktion". Mir gefallen die Holzbänke auf der Lustgartenseite jedenfalls optisch besser.