Beiträge von *Gerald

    Dass die fehlenden Aufzüge und die schlechte Isolierung kopiert werden sollen, lässt sich höchstens mit viel Gewalt aus meinem Text rauslesen. Alles nach "angeblich" nicht mehr.

    Cluster hin oder her, die aufgeworfene Frage, wieso man Hochhäuser in die Frischluftschneise plant, beantwortet dies nicht. Im Übrigen - wenn man Fan alter Stadtmodelle ist - damals waren Kirchtürme die Hochhäuser, und standen auch als Solitär.

    Die Antwort auf die Frage, wer in die schlecht belichteten Hinterhäuser einziehen will, empfinde ich als zynisch. Wenn man ein neues Viertel baut, sollte man es so bauen, dass alle dort gerne leben, auch diejenigen in den geförderten Wohnungen.

    Dass Bahnhofsviertel und Nordend auf der grünen Wiese entstanden, ist mir klar. Aber was hat das mit dem Römerhof zu tun? BHV und Nordend grenzen beide ans Stadtzentrum, BHV ist entstanden als zentrale Verbindung zwischen Stadt und dem damals neuen Hauptbahnhof. Deshalb ist es bis heute ein urbaner Knotenpunkt.

    Nichts davon trifft auf den Römerhof zu. Der ist nun mal nicht zentral: Wer dort nicht wohnt, wird deshalb keinen Gang hin haben. Es ist unrealistisch zu glauben, dass die Massen in den Bus 46 springen, um dort einzukaufen oder auszugehen.

    Selten so einen vollkommenen Murks gesehen: Viertel wie das Nordend sind doch nicht wegen ihres Blockrandes beliebt, sondern vielmehr trotz! Sie punkten mit zentraler Lage und (noch) guter Infrastruktur.

    Dafür findet man sich mit fehlenden Aufzügen und Parkplätzen, schlechter Isolierung und damit ab, dass einem die Nachbarn bei offenem Fenster auf den Teller schauen. Bis Ende der 1960er, als Sprit und Parken noch billig waren, wäre kein Mensch freiwillig auf die Berger Straße gezogen.

    Es ist daher die reine Utopie zu glauben, dass mit dem Zuschnitt der gründerzeitlichen Mietskasernen in Stadtrandlage (!) ein Erfolgsmodell entstehen kann. Man muss sich nur den Block auf der Buswerkstatt anschauen:

    Wohnung im Hinterhaus zu vermieten, 1. Stock, schön dunkel und schallfreundlich zum Innenhof gelegen, freier Blick in die Nachbarswohnung, nicht zentral gelegen, trotzdem alle Straßen schön eng, das einzige architektonische Highlight der Gründerzeitbauten – nämlich die hohen Decken – fehlt selbstverständlich auch, da Neubau. Na, wer will da freiwillig einziehen?

    Auf eine lebendige, urbane Infrastruktur wird man dabei noch länger warten als das Europaviertel auf die U5. An dessen Gewerbeflächen im Westteil kann man nämlich gut erkennen, was in Zeiten des Online-Shoppings außer dem Postkiosk noch funktioniert: Supermarkt, Drogerie, Apotheke, Friseur, Arztpraxis (= zugeklebte Schaufenster).

    Klar - wie so vielen - gefallen mir die kleinen inhabergeführten Geschäfte auch, so eine schöne Buchhandlung ist ja geradezu romantisch … Aber davon können die Betreiber halt nicht leben, wenn die Leute gelegentlich bei Ihnen flanieren und dann online bestellen, weil es ein paar Euro billiger sein könnte und man die Einkäufe nicht tragen muss.

    Der Schwund des stationären Einzelhandels ist schlicht und ergreifend eine gesellschaftliche Realität. Eine Planung für die Zukunft sollte dieser Rechnung tragen! Zumal sich daraus auch in Vierteln wie dem Nordend noch massive Veränderungen ergeben werden. Viele Betreiber kämpfen nur deshalb darum, den Laden über Wasser zu halten, weil sie noch nicht alt genug für die Rente, aber zu alt für den Arbeitsmarkt sind. Die Berger in 10 Jahren wird ein ganz anderes Gesicht haben!

    Zusammengefasst: Man kreiert ein Viertel mit allen Nachteilen der Gründerzeitviertel ohne deren Vorteile. Clever!

    Auf architektonische Kleinteiligkeit würde ich dabei auch nicht hoffen: Bei mindestens 30% geförderten Wohnungen und Bau durch die ABG wird z.B. auf dem Gelände der Buswerkstatt am Ende ein einheitlicher, monotoner Block stehen.

    Und als wäre das alles noch nicht genug, die Planer steigern sich noch: Ein riesiges Areal kann bebaut werden – und wo platziert man die einzigen beiden Hochäuser? Natürlich so eng wie möglich an die beiden Bestehenden heran: gründerzeitliche Enge für alle, Kampf gegen Licht und Luft!

    Im wahrsten Sinne des Wortes: Die Breite der Europa-Allee wurde doch damit begründet, dass sie eine wichtige Frischluftschneise für die Innenstadt darstellt. Da macht es natürlich Sinn, die mit zwei Zwölfgeschössern zuzubauen.

    Fast schon geschenkt in dem Kontext, dass Adamas Grafiken zeigen, wie bescheiden das Ganze städtebaulich aussieht, und dass verkehrstechnische Überlegungen offensichtlich gar nicht vorhanden sind:

    Die Ampelschaltung der Kreuzung Europa-Allee und Am Römerhof ist jetzt schon dysfunktional, weil in „Zum Rebstockhof“ eine gesonderte Spur für Linksabbieger fehlt. Wie die da noch eine Straßenbahn durchkriegen wollen, vor allem nachdem man mit dem Hochhaus alles richtig schön eng zugebaut hat, wissen die Schöpfer dieses Planes wahrscheinlich selbst nicht. Aber zur Not – Achtung Ironie – kann man ja einen Tunnel durch das Hochhaus ziehen, wenn die Bahn denn mal tatsächlich ankommen sollte.

    Es bleibt nur noch zu hoffen, dass ein paar Menschen mit Sinn und Verstand auf eine massive Überarbeitung der Planung drängen. Andernfalls wird das Viertel tatsächlich an die Anfänge des historischen Vorbilds Mietskaserne anknüpfen: Nur diejenigen werden dort wohnen, die es aus finanziellen Gründen müssen.