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Das Argument der Sichtbeziehungen ist lächerlich, weil einfach ALLES mit ALLEM eine Sichtbeziehungen eingehen kann. Jeder Gullideckel kann mit jeder Bordsteinkante eine Sichtbeziehung haben. Und jetzt? Welche Story wollen wir jetzt daraus stricken?
Kommt da jemand nicht mit einem anderen Standpunkt klar? Oder warum bemühst du hier diesen doch recht anspruchslosen und willkürlichen Relativismus? ![]()
Ich finde es ja immer merkwürdig, was hier für Kriege geführt werden. Subtext: Du kannst gar keinen sinnvollen Standpunkt vertreten aus diesem und jenem Grund. Das Sitzen auf solch einem hohen Roß macht letztlich jede Diskussion sinnlos und offenbart einen totalitären Standpunkt. ![]()
Diese Figur gibt es jedenfalls hier häufiger. Die Sache mit den Sichtbeziehungen läßt sich nicht so einfach wegpolemisieren, wie dies Architektur-Fan durchexerziert. Wohl aber kann man die Bedeutung verschiedener Sichtachsen, Kontexte usw. unterschiedlich bewerten.
Dem einen ist der Neptunbrunnen halt egal, der andere findet das gegenwärtige Ensemble eben reizvoll. Ich gehöre zu letzteren. Den Brunnen kann man immer noch translozieren. Es handelt sich letztlich um Retro-Aktionismus, da man das gegenwärtige Rathausforum unnötig kastriert, eine Tradition auslöscht, eine Wüste am Standort produziert. Und die besondere Berliner Geschichte unkenntlich macht, was auch aus touristischen und anderen Gründen unklug ist.
Und noch mal: Dieses vermeintlich objektive Getue mit Sichtachsen, Zeiträumen und gesellschaftlichen Prägungen etc. ist letztlich nur eine Krücke, denn es zählt im Endeffekt der subjektive Standpunkt, die ästhetische Bewertung. Man sollte nicht so tun, als ergäben sich irgendwelche objektiven Handlungsanleitungen daraus. Die Nazi-Zeit war ultrakurz und eher suboptimal. Trotzdem lassen wir die Siegessäule so, wie sie ist.
Jeder bewertet die Sache eben anders. Und da wir kein feudales Schloß mehr haben, sondern ein der Wissenschaft und den außereuropäischen Kulturen gewidmetes Museum, ist ein neuer Brunnen mit neuen Allegorien (z.B. die betreffenden Kontinente oder deren größte Flüsse) naheliegend.
Man sollte jedenfalls nicht so tun, als ginge es um den Untergang des Abendlandes oder eine existentielle Entscheidung. Wir werden mit beiden Varianten vermutlich gut leben können. ![]()