Beiträge von Gutmensch

    Dekoratives Anführungszeichen

    Das Argument der Sichtbeziehungen ist lächerlich, weil einfach ALLES mit ALLEM eine Sichtbeziehungen eingehen kann. Jeder Gullideckel kann mit jeder Bordsteinkante eine Sichtbeziehung haben. Und jetzt? Welche Story wollen wir jetzt daraus stricken?

    Kommt da jemand nicht mit einem anderen Standpunkt klar? Oder warum bemühst du hier diesen doch recht anspruchslosen und willkürlichen Relativismus? :)

    Ich finde es ja immer merkwürdig, was hier für Kriege geführt werden. Subtext: Du kannst gar keinen sinnvollen Standpunkt vertreten aus diesem und jenem Grund. Das Sitzen auf solch einem hohen Roß macht letztlich jede Diskussion sinnlos und offenbart einen totalitären Standpunkt. :)

    Diese Figur gibt es jedenfalls hier häufiger. Die Sache mit den Sichtbeziehungen läßt sich nicht so einfach wegpolemisieren, wie dies Architektur-Fan durchexerziert. Wohl aber kann man die Bedeutung verschiedener Sichtachsen, Kontexte usw. unterschiedlich bewerten.

    Dem einen ist der Neptunbrunnen halt egal, der andere findet das gegenwärtige Ensemble eben reizvoll. Ich gehöre zu letzteren. Den Brunnen kann man immer noch translozieren. Es handelt sich letztlich um Retro-Aktionismus, da man das gegenwärtige Rathausforum unnötig kastriert, eine Tradition auslöscht, eine Wüste am Standort produziert. Und die besondere Berliner Geschichte unkenntlich macht, was auch aus touristischen und anderen Gründen unklug ist.

    Und noch mal: Dieses vermeintlich objektive Getue mit Sichtachsen, Zeiträumen und gesellschaftlichen Prägungen etc. ist letztlich nur eine Krücke, denn es zählt im Endeffekt der subjektive Standpunkt, die ästhetische Bewertung. Man sollte nicht so tun, als ergäben sich irgendwelche objektiven Handlungsanleitungen daraus. Die Nazi-Zeit war ultrakurz und eher suboptimal. Trotzdem lassen wir die Siegessäule so, wie sie ist.

    Jeder bewertet die Sache eben anders. Und da wir kein feudales Schloß mehr haben, sondern ein der Wissenschaft und den außereuropäischen Kulturen gewidmetes Museum, ist ein neuer Brunnen mit neuen Allegorien (z.B. die betreffenden Kontinente oder deren größte Flüsse) naheliegend.

    Man sollte jedenfalls nicht so tun, als ginge es um den Untergang des Abendlandes oder eine existentielle Entscheidung. Wir werden mit beiden Varianten vermutlich gut leben können. :)

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    Aus meiner Sicht leider kein Klassiker. Stattdessen eine der schwächsten Schöpfungen von Christoph Mäckler. [...]

    Die jüngeren Drei (Upper Eastside) auf der gegenüberliegenden Seite der Linden zeigen, wie man es besser macht.

    ... und wie man solch ein gelungenes Projekt mit einer völlig albernen Namensgebung entwertet und trivialisiert. :)

    Grundsätzlich kann ich deine Kritik am Neuen Lindencorso nachvollziehen. Aber der Bau strahlt eben auch etwas klassisch Modernes aus, wirkt mitunter wie ein Vertreter der Nazi-Moderne der Dreißiger, was nicht ganz unkomisch ist angesichts der VW-Dependance in dem Bau.

    Fragt sich halt, ob die Linden tatsächlich so viel besser aussähen mit drei Parzellen. Dieses Monumentale des Mäckler-Baus hat auch etwas für sich. Von der Ästhetik her habe ich jedenfalls immer die Assoziation zur Nazi-Moderne, und ich finde, die Bauten gegenüber können so umso besser wirken mit einem leichten Kontrast. Ich finde sie auch formidabel gelungen.

    Noch so einen Mäckler-Bau will ich auch nicht. Aber er ist immerhin konsequent und bringt mehr Vielfalt in die Gegend.

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    Wenn Frau Kahlfeld heute meint, ihr Gewissen zu beruhigen, wenn sie verkündet, dass der Brunnen „selbstverständlich“ bleibt wo er steht (und ich ergänze: dass bald kein Hahn mehr danach kräht), dann könnt es ihr vielleicht irgendwann ebenso gehen wie Grotewohl?

    Wie erging es denn Grotewohl? Kannst du das mal erläutern? Er scheint gut mit seiner Entscheidung klargekommen zu sein. Davon abgesehen ließe sich Kahlfelds Entscheidung problemlos noch in ein paar Jahrzehnten korrigieren. An deinem Stil erkennt man, daß dir der Retro-Zustand sehr wichtig ist. Warum eigentlich? Was bewegt da einen Stuttgarter?

    Das Problem ist halt, daß du ständig mit vermeintlich zwingenden Schlüssen argumentierst, die nicht zwingend sind. Und diese Rhetorik hinterläßt eben den Eindruck der Ideologisierung. Du solltest direkte Argumente liefern, keine konstruierten.

    .

    Du zitierst mich verkürzt. Dein Stil ist halt merkwürdig martialisch.

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    Dass ich zur Retro-Familie gehöre, ist deine pauschale Unterstellung u. falsch.

    Ich hatte nur gemutmaßt, daß du offenbar ein historisches Ensemble bevorzugst, mehr nicht. Das Schloß finde ich nicht spießig, und es besteht auch kein zwingender Zusammenhang, den du unterstellst. Denn das Schloß ist ja nicht das vollständige Original und hatte zudem vorher auch keine neue, akzeptierte Heimat gefunden. Eine Vollrekonstruktion innen und außen hätte ich tatsächlich spießig und unpassend gefunden.

    Deine "Analogie" ist schon sehr konstruiert. Du solltest viel lieber mal erklären, warum dir eine Translozierung des Brunnens so wichtig ist, statt ständig zu suggerieren, dein Standpunkt sei alternativlos und alle anderen Banausen. Du negierst einen essentiellen Teil der Berliner Geschichte. Und darum ist es schade. Stünde der Brunnen in irgendeinem Lager, wäre ein Wiederaufbau nachvollziehbar.

    Berlin ist nun mal nicht Potsdam. Hier ist ein dialektischer, ganzheitlicher und auch ironischer Zugang zur Geschichte häufig angemessener, finde ich. Zeigt sich jedenfalls immer wieder. Der Neptunbrunnen wird keineswegs im kollektiven Bewußtsein am Schloßplatz vermißt. Auch nicht die Königskolonnaden in der Rathausstraße. :)

    Du magst da anders ticken. Aber in einer Demokratie spielt nun mal der Volkswille eine entscheidende Rolle. Und ich sehe da keine Sehnsucht nach einem heilen Schloßbrunnen.

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    Als größte städtebauliche Herausforderung erscheint mir die städtebauliche Anbindung des Kulturforums durch die Doppelplatzanlage, Potsdamer Platz/Leipziger Platz, die jetzt eher als Barriere in Richtung Kulturforum wirkt.

    Nachdem Spielbank und Musicaltheater, Kino etc alles dicht gemacht haben, muß hier städtebaulich was passieren um weitere Totgeburten zu vermeiden.

    Dit seh' ick ähnlich. Mir ist aufgefallen, daß man am Marlene-Dietrich-Platz einen merkwürdigen Zwitter erschaffen hat. Das war gutgemeint, ist aber städtebaulicher Kladderadatsch. Wieso hat man annodazumal den Schwerpunkt des neuen Gebäudes nicht nach Norden verlegt und die heutige Südflanke offengelassen? Und somit einen "Gesamtplatz" geschaffen, der auch die Staatsbibliothek mit einschließt?

    Im Rückblick erscheint mir das als einer der größten Fehler am neuen Potsdamer Platz. Man hat an dieser Stelle keine Versöhnung mit der Reststadt realisiert. Dieses zweiflüglige Musical-Theater ist meiner Meinung nach auch der Bau, der am ehesten zur Disposition steht. Der gesamte Marlene-Dietrich-Platz wirkt auch wie eine Notgeburt. Vor Jahr und Tag wurde mir noch vorgehalten, meine Prognosen für den Potsdamer Platz seien unrealistisch. Jetzt wird an allen Ecken und Enden gewerkelt, inklusive Exodus wichtiger Mieter. Sicherlich ist es noch eine Weile hin bis zum ersten Abriß, aber bei unserer heutigen Baukultur scheint auch das nicht mehr weit. Dieser komische Bau am Marlene-Dietrich-Platz scheint mir ein aussichtsreicher Kandidat. Ich fand diesen schmalen Verlegenheitspfad zwischen Theater und Stabi schon vor vielen Jahren befremdlich, als ich mir noch nicht so viele Gedanken über Architektur und Städtebau machte.

    Mir ist jedenfalls jüngst aufgefallen, daß die ganze Ecke schon besser aussähe, wenn der Südflügel dieses Baus weg wäre. Aus meiner Sicht müßte man diesen Platz mal neu planen und das Gesamtareal neu ausbalancieren. Z.B. indem man anstelle des heutigen Nordflügels ein markantes Hochhaus mit ordentlichem Sockel hinbaut. Ein Abriß ist aber wohl erst mal unwahrscheinlich. Trotzdem hätte dieser Platz einiges Potential zum Bessermachen. Das bietet sich auch irgendwie an angesichts des Piazza-Konzepts, das jetzt umgesetzt wird.

    Noch ein bißchen Metaebene: Der Potsdamer Platz ist ja wirklich ein Retortenbaby. Das zeigt sich meines Erachtens an mehreren Stellen, wo die Stadt halt nicht so wollte wie auf dem Reißbrett. Na ja, und jetzt setzt sich die "städtische Evolution" halt gnadenlos durch. Was nicht funktioniert, wird früher oder später irgendwie korrigiert. Sensible und autobiografisch befangene Gemüter haben mir auch das Wort "Fehlgeburt" vorgeworfen. Erst mal sollte man nicht alles auf die Goldwaage legen. Aber das Fehlgeburt-Dingens wird wohl kaum irgendwo deutlicher als am Marlene-Dietrich-Platz und an Hitlers Westwall der Tergit-Promenade mit ihren Wunderwippen. :)

    Hans Stimmann spricht sogar von einem "Jahrhundertfehler" in bezug auf das Grundkonzept zum Potsdamer Platz.

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    Ich kann mir nach den bisherigen Erfahrungen mit der Freiraumgestaltung nicht vorstellen, dass ein moderner, „zeitgemäßer“ Brunnen [...] All diese Kriterien bilden den zwingenden „sachlichen“ Hintergrund für die Brunnengestaltung.

    Das ist eben eine Frage der Wertung. Du willst offenbar "Kongruenz". Oder Korrespondenz. Deine ästhetischen Vorlieben gehen offenbar in Richtung "Retro-Familie" oder wie auch immer man das nennen will. Das ist auch nicht abwertend gemeint.

    Ich persönlich bevorzuge z.B. eher den Kontrast, gerade weil dadurch für mich auch historische Semantiken besser wirken. Ich bevorzuge auch das Konzept der Ganzheitlichkeit. Für mich ist die sozialistische Moderne trotz aller Probleme kein historischer Müllhaufen, der entsorgt werden muß. :)

    Die frühere Teilung Berlins ist nicht nur aus touristischen und kommerziellen Gründen Berlins Schatz. Der Neptunbrunnen ist Ausdruck dieser Geschichte. Und bei meinen ästhetischen Wertungen kann ich mir eben sehr wohl einen tollen modernen Schloßbrunnen vorstellen. Ich bin sogar ein ziemlich Ironischer, könnte mir da also sogar durchaus etwas sehr Unkonventionelles vorstellen. Das eigentlich Schöne ist doch das Schloß. Und der Marstall. Gerade weil wir dort klassische Ästhetik im Überfluß haben, wäre ein moderner Brunnen meiner Meinung nach ideal. Ich sehe da nichts Zwingendes in Richtung Begas.

    Der barocke Brunnen würde auf mich künstlich und spießig wirken. Ich könnte mir da auch etwas absolut Abstraktes und Cooles vorstellen. Ich sehe gerade kubus- und quaderartige Formen in einem minimalistischen runden Brunnen vor mir, wo irgendwo Wasser rausträufelt. :) Für dich vermutlich ein Graus.

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    ^ Ausdruckslos trotz fehlenden Entwurfs. Darauf muss man erstmal kommen. Unsachlich und subjektiv. Keine Grundlage für eine seriöse Diskussion.

    Ich beobachte hier eine gewisse apodiktische Unerbittlichkeit, wo anderen Leuten von vornherein abgesprochen wird, daß sie etwas Sinnvolles sagen könnten. Aus Bauästhets Beitrag geht leicht hervor, wie er das meint. Es ist eben ein grundsätzlicher, erfahrungsbedingter Vorbehalt gegenüber der Moderne. Und das ist sein gutes Recht.

    Es kommt jedenfalls immer wieder vor, daß Beiträge mutwillig zu Besserwisservorlagen degradiert und andere Positionen ausgegrenzt bzw. ridikülisiert werden. Wir sind hier sowieso keine Entscheider. Insofern kann man doch ganz entspannt die Gegenposition für voll nehmen.

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    Der (rote) Kollhoff-Turm hat mit seiner "proamerikanischen" Gestaltung vielleicht etwas leicht groteskes, aber machen immer noch mehr her, als so manch anderes Hochhaus und sind das kleinste Problem am Ganzen. Außerdem gibts ja noch den Bahn-Turm.

    Erfreulich. Endlich mal eine sachliche Kritik, die meinen Standpunkt respektiert und nicht pauschal abwertet. :) Wie gesagt, als Laie kann man den Turm praktisch erst mal nur gut finden. Mein Fremdeln wuchs aber umso mehr, je mehr Ahnung ich von Architektur bekam. Man sieht hier in Berlin ja die teils prominenten Überbleibsel der klassischen Moderne. Und da finde ich es halt traurig, daß man die Chance nicht genutzt hat und wenigstens ein bißchen mehr Berlin-Kompatibilität hergestellt hatte mit dem Kollhoff-Turm.

    Ich finde schon, daß man von jemandem wie Kollhoff verlangen kann, daß er die unterschiedlichen ästhetischen Traditionen ernst nimmt. Wenn jemand wie Kollhoff gegen moderne Architektur polemisiert, also mit Ästhetik und so kommt, dann ist es meiner Meinung nach reichlich suboptimal, wenn er selber da Defizite hat.

    Und es ist ja nicht zuletzt ein Problem Berlins, daß es wenig Selbstbewußtsein hat. Ich denke da an Namen wie "Upper West" oder "Upper East Side", die auf mich teilweise hochpeinlich und kontraproduktiv wirken. Und in diese Kerbe schlagen eben vor allem auch die güldenen Noppen am Kollhoff-Turm. Je weiter man nach oben guckt, desto amerikanischer sieht der Turm aus. Daß Veränderungen an dem Turm für's erste unwahrscheinlich sind, kann ich mir selber denken. Aber bei Architekturfragen geht es ja häufig erst mal nur um Phantasien. Der Turm würde jedenfalls mit nur geringen Maßnahmen wesentlich weniger exotisch wirken und hätte eine Verbindung herstellen können zu Berliner Traditionen.

    Also, ich kann mir schwer vorstellen, wie man als Architekturkenner NICHT mit diesen güldenen Noppen fremdeln kann. Es sei jedem sein Geschmack gegönnt, aber auf mich wirkt das doch arg disneyartig und trivial. Und das fiel mir halt in den letzten Jahren zunehmend auf.

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    Und solche Stilblüten gehören mE schon gar nicht in dieses Forum.

    Ich generalisiere meine eigene Wahrnehmung nicht, sondern finde dieses New-York-Plagiat eben problematisch. Das ist meine Meinung. Ich finde so ein Plagiat eben peinlich - und auch unprofessionell. In New York sähe der Turm gut aus - und mit etwas weniger proamerikanischem Klimbim auch hier. Ganz offensichtlich hast du große Probleme damit, wenn sich jemand mal kritisch zu diesem Gebäude äußert.

    Ich finde es schon reichlich absurd, daß du mir ein ästhetisches Urteil zum Kollhoff-Turm verbieten willst. Das ist hier nun mal ein Architekturforum.

    Ich fand den Kollhoff-Turm übrigens auch lange nur schön. Seit ein paar Jahren fällt mir dieses proamerikanische Klimbim aber negativ auf. Ich bitte vielmals um Entschuldigung.

    Ja, das mit dem "nichts los" ist wirklich grotesk. Hier machen es sich einige Leute sehr einfach mit der Argumentation. Und "vorstädtisch" ist natürlich auch Quatsch. "Desintegriert" wäre vielleicht der bessere Ausdruck. Aber direkt in der Umgebung haben wir das Regierungsviertel, das Kulturforum und noch einiges anderes. Wirklich sehr "vorstädtisch". :)

    Ich bin mir sicher, daß der Gesamtplatz besser funktionieren würde, wenn man z.B. den Potsdamer Bahnhof rekonstruiert hätte und z.B. für Veranstaltungen, museal oder als feierlichen Eingang in den neuen Bahnhof nutzen würde. Das Problem ist doch, daß am Potsdamer Platz de facto nichts ans alte Berlin erinnert. Es ist naiv zu glauben, man könne dort einen völligen Neuanfang starten, der funktioniert.

    [mod]Beitrag gekürzt. Bitte auf sowas verzichten. [/mod]

    Also, ich war heute mal da, und gewerkelt wird nur noch in der Hälfte zum Marlene-Dietrich-Platz, der Rest ist seit ein paar Tagen zugänglich. Und da morgen und übermorgen das fulminante "Festival" anläßlich eines Vierteljahrhunderts Potsdamer Platz stattfindet, hat man auch schon eifrig Buden, Bänke, Gerüste und dergleichen aufgestellt. In einer Seitenstraße zu den Arkaden habe ich sogar ein kleines Basketballfeld mit Korb gesehen.

    Irgendwie kommen mir diese ganzen Umbaumaßnahmen ziemlich verzweifelt vor. Man versucht, eine Fehlgeburt irgendwie doch noch zum Leben zu erwecken. Der Potsdamer Platz krankt schlicht an einem Zuwenig an historischem Rückbezug. Gäbe es nur eins, zwei handfeste Rückbezüge, könnte man den Platz viel besser annehmen. Ich denke da auch an den Leipziger Platz. Als ich mir den neulich vom Westen aus ansah, dachte ich mir, wie sehr die ganze Gegend profitieren würde, wenn man die Torbauten rekonstruiert hätte, und zwar so, daß man rechts eine 100%-Rekonstruktion realisieren würde. Links dieselben Proportionen, dieselbe Farbe, aber im Stil von David Chipperfield. Siehe Museumsinsel. Das wäre zwar ein bißchen strange, würde aber prima den Geist des neuen Berlins zum Ausdruck bringen.

    Es wäre ein echtes, auch ironisches Statement. Keine langweilige Vollrekonstruktion, keine sterile moderne Replik. Irgendwie haben wir Berliner es verlernt, unsere Stadt zu lieben. Das sieht man schön am blutleeren Potsdamer Platz, aber eben auch an der Dilettanz am Leipziger Platz. Stichwort S-Bahn-Eingänge.

    Allein eine Rekonstruktion des Potsdamer Bahnhofs hätte Wunder gewirkt und den nötigen historischen Link hergestellt. Die nötige Dosis traditionelle Wärme und Authentizität. Das fehlt dem Platz einfach. Da war man ein paar Meter weiter am Pariser Platz klüger. Allein ohne Adlon würde der Platz schon ziemlich blutleer wirken. Da sieht man auch schön, was moderne Architekten so im Kopf haben angesichts der verächtlichen Kritik vieler dieser Zunft in Richtung Patzschke.

    Ich beobachte nicht nur in dieser Zunft eine gewisse Abgehobenheit, eine akademische Weltfremdheit.

    Andere Frage: Für wie wahrscheinlich hält man es hier denn, daß irgendwann mal am Kollhoff-Turm im Zuge von Sanierungen und dergleichen die albernen güldenen Noppen demontiert werden? Die tragen maßgeblich dazu bei, daß der Turm wie eine Karikatur und wie ein Fremdkörper wirkt. Natürlich auch das "Gerippe" an der Spitze. Schon peinlich, daß Kollhoff dort so einen "proamerikanischen" Turm hingebaut hat. Da muß auch irgendetwas nicht stimmen, wenn jemand solch ein ästhetisches Empfinden hat. Ein Turm, den man sich mit deutlich weniger Phantasie als Berliner Schöpfung der Zwanziger oder Dreißiger hätte vorstellen können, hätte dem Platz gutgetan. Stattdessen dieses alberne New-York-Plagiat.

    Ich war gestern auch da, und zwei Empfangsdamen sagten mir, daß Donnerstag offiziell Eröffnung sei.

    Was soll denn dieser befremdliche Name "The Playce" eigentlich? Wo ist da der Bezug? Könnte man ja bei einem Fußballstadion nachvollziehen.

    Das "Projekt Piazza" hat offenbar auch vor ca. zwei, drei Wochen begonnen. Seitdem wird die Alte Potsdamer Straße aufgerissen.

    Ich verspreche mir nicht so viel von den neuen Arkaden, aber es tut dem Stadtgefühl gut, wenn sie wieder offen sind. Irgendwann muß man sich mal an den Potsdamer Platz ranmachen und den einen oder anderen Mangel beheben. Er ist ja nun auch legitimer Bestandteil der Stadt und unterliegt wie alle anderen Orte auch dem Wandel der Zeit. Das meinte ich mit meinem Einwurf ehedem. Nicht eine totale "Überformung", aber hier und da Korrekturen. Das passiert ja momentan auch.

    Auch wenn es unrealistisch ist, würde ein Verschwinden der beiden Lüftungszylinder dem Platz guttun. Ich frage mich immer wieder, woher so ein ästhetisches Banausentum kommt. Ich kann solche Zylinder jedenfalls nicht am Alex oder Zoo sehen. Es gäbe bestimmt Möglichkeiten, deren Funktion anderweitig zu gewährleisten und die Sache besser zu kaschieren. Also da muß man doch schon ein bißchen dilettantisch sein, wenn man so ein Megaprojekt angeht mit so großen Namen und dann da diese zwei schnöden Zylinder auf einen Platz mit dieser historischen Aura stellt.

    Man hätte diese Zylinder doch problemlos splitten und als Sitzgelegenheiten kaschieren können. Das hätte den Platz zugleich etwas gemütlicher gemacht. Das ist ja sowieso das Grundproblem der Gegend. Sie wirkt eben nicht gerade einladend und anheimelnd.

    Irgendwann wird auch der Urheberschutz für "Hitlers Westwall" auslaufen. Man kommt meiner Meinung nach jedenfalls nicht drum herum, an dieser Promenade etwas zu machen. Es braucht eben alles seine Zeit. Eine Idee von mir war u.a. auch, am Beginn dieser Strecke die rote Infobox wieder aufzustellen, sofern sie denn überhaupt reaktivierbar ist. Dort könnte man Gastronomie unterbringen und eine Ausstellung über den Potsdamer Platz und seine Geschichte.

    Eine positive Sache zum Potsdamer Platz kann man noch sagen: Nämlich, daß sich der Platz auch "subjektiv" integriert. Es ist ja nicht nur eine rein materielle Aufgabe, diesen Stadtraum wiederherzustellen, sondern er stellt sich auch ein Stück weit selbst wieder her. Zum einen durch die schiere Zeit, die vergeht (Gewöhnung). Vor allem aber durch den Generationenwechsel, also die Leute, die gar nichts anderes kennen als diesen Platz, so wie er eben aussieht.

    Das ist auch ein Stück Legitimation.

    PS: Nächstes Jahr wird der Potsdamer Platz übrigens 25 Jahre alt. :)

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    Das[s] es auch möglich ist, ein Gebäude mit einer soliden Bepflanzung anzureichern[,] zeigt mir dieses Gebäude in der Schönhause Allee.

    Ist das am Südende der Schönhauser? Da gab es früher jedenfalls mal einen Rewe in einem Komplex, der ähnlich daherkommt.

    Wir hatten das Thema ja schon beim Problem des Klimawandels. Es muß halt gut aussehen, darf nicht zum Fetisch werden. Kontraste bringen es ja meist. So kann eine Begrünung mitunter noch besser wirken, wenn daneben eben keine ist.

    Auf dem Washingtonplatz vermisse ich z.B. kaum Bäume. Die würden meines Erachtens die Wuchtigkeit des Hauptbahnhofs unterminieren. Allerdings würde sich ein großer Baum mit ordentlicher Krone gut neben dem Cube machen. Letzterer sieht an sich schon gut aus. So ein Baum an der Südostecke (die Richtung Parlamentsviertel zeigt) würde die technoide Ästhetik gut konstrastieren und noch aufwerten.

    Wobei mir der Threadtitel etwas mißverständlich vorkommt. Begrünung allgemein? Oder nur Fassadenbegrünung?

    Neues aus der Welthauptstadt Vandalia:

    Gericht hebt Alkoholverbot in Monbijou- und James-Simon Park vorzeitig auf

    Der "Arbeitskreis kritischer Jurist*innen der Humboldt Universität" hatte Widerspruch gegen das Verbot eingereicht und jetzt vom Verwaltungsgericht rechtbekommen. Das Verbot war ursprünglich dazu da, um Partyexzesse zu verhindern, Vermüllung, Lärmbelästigung und wildes Pinkeln.

    Interessant sind die Argumentationsführung und das Weltbild der „kritischen Jurist*innen“ von der Humbug-Uni. Hört sich an wie aus dem Lehrbuch der marxistischen Weltrevolution. In anbetracht von Gentrifizierung und Inflation sei es falsch, Jugendliche und andere Menschen aus Parks zu vertreiben.

    Die Leute werden ja nicht vertrieben. Sie müssen lediglich auf Alkohol verzichten - und sich halbwegs benehmen. Das Alkoholverbot hat laut diesen Leuten also keine guten Gründe, sondern ist letztlich eine finstere Weltverschwörung des Kapitals gegen „Jugendliche und andere Menschen“.

    Laut diesem „Arbeitskreis“ gebe es keine Beweise für einen Zusammenhang von Alkoholkonsum und Vandalismus. Der Bezirk sieht das anders und registrierte eine deutliche Entspannung der Problemlage, wie dem Artikel zu entnehmen ist.

    Merkwürdiges Gerichtsurteil. Denn offensichtlich liegen die Beweise für eine Wirksamkeit des Verbots ja vor. Das sagt ja auch der gesunde Menschenverstand, daß mit weniger Alkohol im Blut auch weniger Kontrollverlust einhergeht.

    Interessant ist, was diese „kritischen Jurist*innen“ für Prioritäten setzen. Man könnte ja auch ein bißchen Empathie für Polizei und Bürger aufbringen, die unter der Situation leiden und Wichtigeres zu tun haben. Aber nein, Vandalentum und Anarchie sind wichtiger. Und ein Alkoholverbot ist eine unmenschliche Zumutung. So ähnlich argumentieren auch FDP und CDU, wenn‘s z.B. um‘s Tempolimit geht.

    Aber unser Arbeitskreis verteidigt vermutlich die richtige „Freiheit“.

    Für diese Leute ist so ein Urteil vermutlich eine Art Sieg im Kampf gegen den schlimmen, autoritären Polizeistaat, der nur Böses im Schilde führt. Dieses Milieu ist mir immer wieder ein Rätsel - weil es sehr merkwürdige Dinge für „progressiv“ hält, den Kontakt zur normalen Lebensrealität völlig verloren hat und sich dann noch über Wahlerfolge der AfD wundert.

    Ich will hier bestimmt kein Tübingen haben, aber man kann auch alkoholfrei feiern. :)

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    Gutmensch also weil laut umfragen gendergerechte sprache gefordert, aber im alltag kaum gegendert wird, hast du an meiner aussage bezügl dem wohnen in einem HH auch "gewisse zweifel" ?!‽

    ... okay, das macht sinn 😁

    Man kann sich auch gezielt weigern, den Sinn von Argumentationen zu verstehen. Das verbessert zwar das subjektive Gefühl der argumentativen Stärke. Hat aber seinen Preis. :)

    Es geht bei meinem Beispiel mehr als offensichtlich um die Diskrepanz von verbalem Anspruch und realem Handeln. Da gibt es häufig erstaunliche Widersprüche.

    Und ich muß sagen, daß ich da bei Euch beiden immer noch meine Zweifel habe - aufgrund meiner überwältigenden Lebenserfahrung. :)

    Natürlich kann ich das nicht wissen. Aber dieses Szenario ist keineswegs ungewöhnlich. Ihr seid ja bewußt vage geblieben. Es geht ja nicht um einen abstrakten Wunsch, wie UrbanFreak es formuliert, sondern um einen tatsächlichen, realen Umzug hier und jetzt bzw. in Bälde. Ihr würdet also wirklich Euren vertrauten Kiez für so eine Wohnung verlassen, wenn sich die Chance böte?

    Man haut ja schnell mal einen kessen Spruch heraus. Es sei Euch auch gegönnt, daß Ihr den Entwurf gutfindet. Aber meine Zweifel bleiben. Mich würde allein schon die tägliche Fahrstuhlfahrt von 40 oder 50 Stockwerken gehörig nerven. Aber ihr findet das offenbar geil.

    Normale Leute finden das eher nicht geil. Und das Beispiel Frankfurt erschließt sich mir auch nicht. Ich sehe da nicht „Millionen“ von Menschen, die gerne in Wolkenkratzern leben. Kann es sein, daß Ihr Euch da etwas vormacht? Wie finden die anderen denn solche Türme zum Wohnen?

    Neulich hatte sich hier mal jemand an meiner Kritik am Potsdamer Platz gestört und herausgehauen, wie wunderbar doch die beiden Belüftungszylinder neben den Bahnhofseingängen aussähen. Daß sie geradezu ein ästhetischer Gewinn für den Platz seien.

    Das meine ich: Nicht wenige Leute übertreiben etwas, wenn es um die Verteidigung ihrer Ansichten geht. Da führt der Überschwang schon mal zu manch zweifelhafter Aussage. Oder zu einer sinnentstellenden Rezeption. :)

    Aber es gibt ja auch noch andere Kritikpunkte an dem Projekt, auf die man gerne eingehen kann. Es ist ja das eine, so ein Projekt schön zu finden, das andere, ob man da selber auch wirklich leben will. Ich würde da selbst dann nicht leben wollen, wenn Standort und Dimension besser wären.

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    ich 🙂🙃🙂

    auch wenn mich die architektur nicht 100%ig begeistert, aber in einem HH in dieser für mich doch recht guten lage - sofort.

    Da habe ich so meine Zweifel. In Umfragen gibt es auch immer eine recht große Minderheit, die behauptet, sie befürworte die sogenannte „geschlechtergerechte Sprache“. Im Alltag ist aber dann nichts davon zu hören. Ganz offensichtlich gibt es viele Millionen Deutsche, die diese Sprache offiziell bejahen, aber nicht auch nur ansatzweise praktizieren - und denen diese Schizophrenie auch nicht auffällt. Im Alltag besinnen sie sich dann doch der Vorzüge der vertrauten Sprache und es bleibt nicht mehr viel übrig von der Moralkulisse.

    Man kann also gewisse Zweifel an deinem Bekenntnis haben, ob du - wenn‘s hart auf hart kommt - wirklich in so einen monströsen Turm ziehen würdest. Würdest du das machen, wenn man dir den Umzug bezahlte und die Miete gleich hoch wäre? Normalerweise ist man ja auch emotional an sein Zuhause gebunden und zieht da nicht einfach so weg.

    Möglicherweise fallen dir dann doch die Nachteile solch eines Simcity-Projekts mehr ins Auge und du bekommst Fracksausen. :) Und besinnst dich der Vorzüge eines normalen und vertrauten Viertels.

    Mir kommt dieses Vorhaben jedenfalls arg künstlich vor und scheint mir eher eine gute Kulisse für einen neuen „Blade Runner"-Film zu sein. Insbesondere das Pyramidenhaus würde da gut rein passen.

    Mir kommt diese Wohnsituation ziemlich ungemütlich vor, wenn ich mir vorstelle, ich komme aus meinem „Baumhaus“ und sehe da in unmittelbarer Umgebung noch sechs weitere dieser Klopper. Und dann diese Insellage ohne Anbindung an die Reststadt.

    Ich will hier auch nicht polarisieren und dem Projekt jede Qualität absprechen. Man müßte sich das mal im Detail angucken. Wie sieht das Ganze im kleinen aus, unmittelbar vor Ort? Nicht nur schöne Panorama-Visualisierungen, sondern die konkrete Situation am Boden. Ich kenne die Gegend dort nur grob. Ich habe halt so meine Zweifel, ob man so ein Projekt halbwegs human und ästhetisch umsetzen kann. Man hatte bei der High-Deck-Siedlung sicherlich auch hehre Ansprüche und Erwartungen.

    Am Ende entscheidet der "einfache Bürger", der gesunde Menschenverstand, die Schwarmintelligenz.

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    Es geht hier ja nicht darum ein schnukkeliges gemütliches Kiezquartier mit Eckkneipe und und Hundeklo zu bauen.

    Ach so. Man soll sich also gar nicht wohlfühlen und die Wohnungen werden dann an Fans von Blade Runner und anderen Dystopien verkauft?

    Ich denke, es ist offensichtlich, daß dieser Entwurf keine Chancen auf Umsetzung hat, wo wir bei einem weiteren Kritikpunkt wären, den ich schon erwähnt hatte. Wir leben hier halt nicht in Dubai. Man muß doch die Realitäten und Mentalitäten zur Kenntnis nehmen. Man baut hier für Berlin und die Berliner. Die tun sich schon mit dem diffusen Hochhaus-Konglomerat am Gleisdreieck schwer. Wobei ich mir dort drei solcher Türme noch ganz gut vorstellen könnte.

    Da würden sie - mal abgesehen vom Höhenproblem - besser hinpassen.

    Also der Knackpunkt scheint mir die Situation am Boden zu sein. Da müßte man mal brauchbare Visualisierungen haben, um das Projekt beurteilen zu können. Und als Höhe halte ich maximal 150 Meter für realistisch. Langhof muß doch klarsein, in welcher Stadt er bauen will. Man kann hier in Berlin nicht einfach mal so sechs oder mehr 180-Meter-Klopper irgendwo hinstellen. Da muß man schon auch ein bißchen an der Kompetenz des Herren zweifeln.

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    Hier mal eine wie ich meine, excellente Vision des angedachten und diskutierten Bereichs von Christoph Langhof aus 2019.

    Da hat Langhof wohl ein bißchen zu viel Simcity gespielt. Ich finde, das paßt eher nach Dubai, Kuala Lumpur oder Tokio. Es entspricht einfach nicht unserem Konzept von Stadt. Wer möchte denn in solch monströsen Gebäuden inmitten von Autobahnen wirklich wohnen? Es geht ja auch um ein halbwegs gemütliches und natürliches Umfeld.

    Autobahnen sind für mich der Worst Case des Städtebaus. Es gibt nichts Nekrophileres und Stadtzerstörenderes. Selbst wenn man gewisse Fortschritte annimmt wie die zunehmende „E-volution“ oder leisere Straßenbeläge und Autoreifen und dergleichen.

    Einen so einen Klopper könnte ich mir noch vorstellen. Wenn er so plaziert ist, daß man keine Autobahn überqueren muß und er halbwegs an die Reststadt angebunden ist.

    Also, wer will in so etwas denn wohnen?

    Das sieht ja vordergründig ganz imposant aus. Aber mir scheint es schwer mit Leben zu füllen. Wie so häufig haben sich hier Architekten etwas ausgedacht, das auf dem Papier beeindruckt, dann aber am realen Leben scheitert. Erinnert mich irgendwie an die Illusionen des sozialistischen Städtebaus, wo die Urbanität auch nur in der Phantasie der Herrscher und Planer existierte. :)

    Jetzt muß ich wohl wieder mit meinen „ehernen Gesetzen“ kommen, aber Stadt funktioniert nun mal so, daß man deren Funktionen nicht einfach beliebig zerlegen und umsortieren kann - und dann davon ausgeht, daß der Mensch sich schon daran anpassen und dem fügen wird.

    Warum muß man denn diese Karnickelreservate rund um die Autobahn überhaupt bebauen? Anderswo läßt man das einfach so. Gibt es noch Entwürfe von anderen Büros?

    Langhofs Entwurf krankt jedenfalls an der Gigantomanie - ich sehe da Türme von 180 Metern - und an fernöstlichem Brutalismus, der nicht so recht nach Berlin passen will.

    Mir ging es nur darum, das Klimathema nicht zum Nonplusultra zu machen, worunter dann andere Bedürfnisse leiden. Das würde auch zu weniger Akzeptanz führen. Die Ästhetik sollte jedenfalls nicht leiden. Vielleicht gibt es ja Konzepte, wo eine Vollversiegelung vermieden wird, es aber immer noch ansprechend aussieht.

    Das Problem, worauf ich hinaus wollte, ist, daß die Erderwärmung auch irgendwann mal wieder aufhört. Das dauert sicherlich noch etwas. aber man sollte sich darüber im klaren sein und die richtigen Prioritäten setzen. Also ein Blumenbeet mehr wird eventuell wenig in Sachen Klimaschutz bringen.

    Und ob eine Baumreihe auf dem Schloßplatz, der womöglich bald wieder einen Brunnen beherbergt, so toll aussieht, muß man sehen. Also als ich da langegangen bin, habe ich keine Bäume vermißt. So eine Allee kann natürlich gut aussehen. Aber da ist wie gesagt noch der Brunnen.

    Mir geht es halt nur um die Prioritäten. Der Schloßplatz ist ja nicht irgendein Platz. Und die Plätze am Hauptbahnhof sind ja auch recht prominent. Man sollte dieses ganze Klimaschutzresilienzdingens an den richtigen Orten machen. Also mir geht es nicht um ein prinzipielles Nein. Man sollte es nur nicht übertreiben. Das gibt es ja öfter, daß eine an sich gute Sache zum Zeitgeist wird und seltsame Blüten schlägt.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Es hat zig-Millionen Jahre gebraucht, um die fossilen Kohlenstoff-Einlagerungen, die wir seit seit etwa 200 Jahren verfeuern, aus der Athmosphäre auszuscheiden und im Untergrund einzulagern, und es wird leider auch ähnlich lange dauern, um den Schaden, den wir angerichtet haben und weiterhin Tag für Tag anrichten, wieder zu heilen.

    Das ist - mit Verlaub - ziemlicher Unsinn. Wir reden hier von Jahrzehnten, allenfalls Jahrhunderten. Sinkt der Kohlendioxidanteil in der Luft, verringert sich auch der Treibhauseffekt mit ein paar Jahrzehnten Verzögerung. Und das wird aller Wahrscheinlichkeit nach noch in diesem Jahrhundert geschehen. Hinzu kommen (hypothetisch) Maßnahmen wie Geo-Engineering, die das Problem möglicherweise entschärfen können.

    Man sollte die Dinge nicht schimmer machen, als sie sind. Es geht hier genaugenommen auch nicht um einen "Schaden", sondern um eine für uns und unsere Zivilisation unangenehme Klimaveränderung, die wir selbst herbeigeführt haben. Klimaveränderungen gab es immer. Es war auch schon mal wesentlich kälter und wärmer in unseren Breiten.

    Ich gucke mir mal die genannten Plätze in Zukunft etwas genauer an. Auf dem Washingtonplatz ist mir jetzt auch nicht die Spontaneingebung gekommen, daß hier unbedingt Bäume gepflanzt werden müßten. Ich meine, wir sprechen hier über vielleicht zwei Monate im Jahr, wo es etwas wärmer wird und wo niemand gezwungen wird, sich um ein Uhr mittags auf den Washingtonplatz oder Schloßplatz zu setzen. :)

    Haben wir es hier vielleicht mit einer Art Ökopaternalismus zu tun?

    Mir geht es nur darum, daß man die Dinge vielleicht etwas entspannter betrachten könnte. Wo es gut aussieht, soll man gerne Bäume pflanzen. Und interessieren würde mich noch, was heute an den Sommern eigentlich so anders ist als früher. Ist es wirklich so viel wärmer als beispielsweise in den Neunzigern? Ich sehe da jetzt nicht unbedingt, die totale Katastrophe auf uns zurollen oder einen extremen Wandel. Temperaturspitzen von 35 Grad gab es doch auch schon früher, oder?

    Mein CO2-Fußabdruck ist bestimmt geringer als der von Greta oder Luisa. Aber mir kommt dieses Thema mitunter etwas überdramatisiert vor. Kohlendioxid ließe sich in Berlin auch super durch eine Verringerung des Autoverkehrs einsparen. Da sind wir aber ziemlich mutlos. Stattdessen diskutieren wir völlig irre Projekte wie die A100 bis zum Ostkreuz oder zur Frankfurter Allee.

    Na ja. Man sollte dieses Klimadingens meiner Meinung nach nicht überbewerten. Es wird sicherlich auch irgendwann mal wieder kälter. Und wie soll man z.B. den Schloßplatz weniger versiegeln, ohne daß daraus eine Kleingartenanlage wird? :)

    Bei solchen Plätzen wie dem Europa- oder Washingtonplatz halte ich das für ein bißchen übertrieben. In Wohngebieten sieht das schon anders aus. Nichts gegen mehr Ökologie und Klimaschutz, aber es kommt ja auf die Masse an. Ästhetik sollte man als Kategorie jedenfalls nicht vernachlässigen.

    Es wird auch wieder kälter werden, wenn wir weniger Kohlendioxid ausstoßen.

    Ansonsten finde ich die grauen Hütten durchaus gelungen. Ich mag solch minimalistisches Design. Und durch die Spiegelung bzw. Doppelung steigt sogar der Symbolwert. Das sieht meiner Meinung nach sogar besser aus.

    Mal 'ne andere Frage: Wie kommt Ihr denn zu diesen famosen Bildern?

    Ich hatte in den letzten Jahren nämlich immer mal wieder einen Blick zu erhaschen versucht, bin aber immer wieder am Zaun gescheitert. Da konnte man allenfalls rudimentär etwas erkennen.

    Ich als Laie empfinde das Turmdesign als weitergedachte klassische Moderne und als solches auch passend für den Alex. Ich finde es nur schade, daß man dem Turm nicht das gewisse Etwas verpaßt, sondern dieses Design stur von unten bis oben durchzieht. Besser als nichts. Aber der Turm würde meines Erachtens an Eleganz gewinnen, wenn man von diesem Prinzip der senkrechten "Innenkanten" auch mal abwiche. Es würde sich z.B. anbieten, so eine Innenkante auch mal in der Waagerechten zu erzeugen, am Dachabschluß. Man müßte konkret ausprobieren, was da am besten aussieht. Man könnte z.B. einen senkrechten Knick einfach am Dachende in der Waagerechten weiterführen, über meinetwegen die halbe oder die ganze Kantenlänge.

    So entstünde wenigstens andeutungsweise so etwas wie eine Verjüngung, der Turm würde weniger plump aussehen und man könnte die Flächen als Terrasse vermarkten. Ich hatte schon überlegt, Ortner&Ortner anzuschreiben und denen das mal zu unterbreiten.

    Wären solche minimalen Änderungen jetzt überhaupt noch machbar? Es geht wie gesagt nur um den Dachabschluß. Wobei man so einen waagerechten Knick auch noch in anderen Höhen anbringen könnte. Das wäre dann allerdings schwieriger. Mir geht es nur darum, daß gute Architektur häufig eigentlich nur darin besteht, daß man ein Prinzip klar und pointiert durchzieht (Charakter), an den richtigen Stellen davon aber auch mal abweicht und differenziert (Individualität). Das könnte man an diesem Turm gut bewerkstelligen, wenn man an der Dachkante einen oder mehrere waagerechte Knicke unterbringt.

    Selbst andeutungsweise hätte das wohl einen positiven Effekt, also nur über ein paar Meter. Es würde diese dröge Systematik des aktuellen Designs etwas brechen und auch dem Ort und seiner Bedeutung gerechter werden. Es sollte ja schon ein bißchen anspruchsvoller aussehen. Der Potsdamer Platz zeigt, wie wichtig gutes Turmdesign ist und daß selbst so mickrige Türme wie Kollhoff- und Bahntower sehr imposant aussehen können, weil sie gut designt sind. Höhe wird meiner Meinung nach jedenfalls überschätzt. 150 Meter sind völlig ausreichend. Darüberhinaus stellt sich mehr und mehr die Sinnfrage.

    Erst mal finde ich es immer wieder erstaunlich, wie unglaublich phantasiereich manche Leute Dinge in Beiträge hineinlesen, die (so) gar nicht drin stehen. Vielleicht äußere ich mich später noch zu diesem Punkt. Also da wird doch viel fabuliert.

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    Diese Frage ist berechtigt. Gleichzeitig lassen sich viele berechtigte Antworten finden, mit denen man diese Frage beantworten kann.

    1) Der Potsdamer Platz ist im städtebaulichen Sinne nie ein Platz gewesen, sondern lediglich eine Straßenkreuzung.

    Das sehe ich anders. Denn durch den Bahnhof entstand ja schon so etwas wie ein Platzgefühl. Der stand doch schon etwas zurückgesetzt, oder? Hinzu kommt noch der Leipziger Platz, der ja auch eine gewisse Wirkung entfaltet. Eine bloße Straßenkreuzung ist wohl etwas Understatement. :)

    Vor dem Krieg stand der Bahnhof dort. Da war also nicht viel mit "Frischluftschneise". Was solll das überhaupt sein? Braucht man die noch, wenn hundert Prozent E-Autos fahren? Und wie war das dazumalen mit den alten Dampflokomotiven?

    Also, mir kommt diese Frischluftschneisennummer doch irgendwie arg konstruiert vor. Aber ich lasse mich gerne eines besseren belehren.

    Man kann aus der Ecke durchaus noch etwas machen. Auch ohne konventionelles Gebäude oder Hochhaus. Man muß sie eben gestalten. Zu den reichhaltigen Phantasien in den oberen Beiträgen: Die Strecke ist lang genug. Wenn ich da zwei Gastropavillons hinbaue, bleibt noch mehr als genug Platz für Chillout-Zonen.

    Und so wie diese Zonen jetzt sind, kann man sie nicht ernsthaft erhalten wollen. Ich denke, der Platz könnte sehr davon profitieren, wenn man diese Promenade wirklich zugänglich macht und als echten "Stadtort" markiert. Diese Westwallwiesen könnten davon sogar profitieren, wenn man sie stärker nach hinten verlegt. Die noch zu entfernenden Wippen schaffen ja zusätzlich Platz. Das ganze Areal könnte so stimmiger sein, mehr Nutzungen adressieren. Wieso man "Remmidemmi" herbeidichten muß, wenn ich von Gastropavillons spreche, erschließt sich mir nicht.

    Ich habe mich auch nirgends auf die Wippen "eingeschossen". Sie sind halt unnütz. Soll man dieses "Denkmal" etwa erhalten? Ich frage mich, warum man so etwas nötig hat, hier irgendetwas zusammenzudichten von wegen "Wohl und Wehe". Etwas Vergleichbares habe ich nirgends geschrieben. Ist nicht gerade ein Zeichen dafür, daß man gute Argumente hat, wenn man sich so etwas ausdenkt.

    Stünden die Mauer-Segmente nicht auf dem Potsdamer Platz, würde er übrigens ziemlich alt aussehen. Er hätte schlagartig nur noch halb so viel Attraktivität. Es geht mir ja nicht darum, diesen Platz madig zu machen. Ich sehe auch gute Ansätze, habe ich ja auch anklingen lassen. Alles in allem überwiegt bei mir aber der Eindruck, daß man sich zu wenig getraut hat, sich auf Altes zu beziehen. Also, diese Lobeshymnen auf den Potsdamer Platz finde ich z.T. schon realsatirisch, wenn man sich mal den Dietrich-Platz anguckt und das sich anschließende Gebiet Richtung Landwehrkanal. Und wenn man mal an eingeborene Berliner denkt, was die so von diesem Platz halten.

    Ich bin ja auch nicht der erste, der so redet. Ich entsinne mich eines Artikels in der "Süddeutschen" oder der "Zeit" vor ein paar Monaten, dessen Tenor ungefähr so war: Am Potsdamer Platz konnte man studieren, wieviel Mißratenes und Unausgegorenes der moderne Städtebau hervorzubringen in der Lage ist.

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    Vielleicht mal etwas über Frischluftschneisen lesen, bevor man hier lospoltert. "Eherne Gesetze", wenn ich sowas schon lese...

    Kriegen wir alle keine frische Luft mehr, wenn man die Lücke zum Potsdamer Bahnhof geschlossen hätte? Das bezweifle ich. Zumal da früher ja auch der Bahnhof stand. Dann wirst du in meinem Beitrag lesen können, daß ich das Grundkonzept der Chillout-Zone gar nicht so falsch finde. Nur eben nicht so.

    Daher: Bitte immer erst genau den Beitrag lesen, bevor man lospoltert. Sonst tut man womöglich jemandem Unrecht. :)

    Die Wippen hatten anfangs noch gut funktioniert, aber sie wurden meines Wissens deaktiviert wegen Verletzungsgefahr. Ich verstehe schon, was Jan sagt. Trotzdem ist dieser „Westwall“ meines Erachtens eine Fehlplanung. Eine neue Grünanlage müßte durchlässiger sein, also fragmentierter und weniger hoch. Und mit vielleicht zwei Gastropavillons. Im Moment wirkt diese Promenade eher wie ein Abstellgleis.

    Langfristig sollte man dieses Problem mal angehen, zumal man von dort einen schönen Touristenblick auf den Potsdamer Platz hat und sich entspannen könnte.

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    Im Übrigen zeichnen sich Hilmer und Sattler für den städtebaulichen Entwurf des PP verantwortlich. Also eher Vetreter konservativer Architektur und Städtebaus.

    Was Hilmer und Sattler so für städtebauliche Auffassungen haben, ist leider ziemlich irrelevant. Die machen den Potsdamer Platz nicht schöner. Davon kann man sich nichts kaufen. Ich verstehe nicht, wieso man meine Kritik derartig apodiktisch abservieren muß.

    Es ist doch offensichtlich, daß wir am Potsdamer Platz insgesamt zu viel Plaste-und-Elaste-Architektur haben. Man hätte stärker das Historische betonen sollen. Ein Detail, was mir vor ein paar Monaten mal auffiel, ist die Sache mit dem Kaisersaal oder wie das Ding heißt. Heute sieht man davon gar nichts, weil da ein Glas-Stahl-Konstrukt davor montiert wurde.

    Was in einem Viertel mit historischem Überfluß durchaus innovativ gewesen wäre, führt hier dazu, daß auch noch das letzte bißchen DNA des Platzes verdeckt wird. Also diese „Glasvitrine“ davor ist wirklich überflüssig.

    Ein anderes kleines Detail sind diese riesigen Belüftungszylinder aus Beton die jeweils neben bzw. hinter den Bahnhofseingängen stehen. Derjenige, der vor dem Ritz Carlton steht, sieht besonders schlecht und unwürdig aus. Das sind schon so Sachen, wo man sich als einfacher Bürger fragt, was diese Stadtplaner so tun. Der Platz sähe schon deutlich stilvoller aus, wenn es diese Zylinder nicht gäbe oder wenn man da irgendeine gute Alternative gefunden hätte.

    Mit „ehernen Gesetzen“ meine ich bestimmte Erfahrungswerte, die wir haben. Wie entsteht ein authentisches Stadtviertel? Z.B. durch Parzellierung und eher nicht durch diese komischen langgestreckten Wohnblöcke wie in der Alten Potsdamer Straße.

    Der Potsdamer Platz ist in dieser Verfehltheit und Künstlichkeit ja auch ein Denkmal. Aber man könnte wohl mit relativ kleinen Maßnahmen etwas verbessern. Man will ja demnächst auch die Alte Potsdamer Straße zur Fußgängerzone machen und den Dietrich-Platz umgestalten.

    Das Haus Huth wurde ja recht gut integriert und da kann man sehen, was historische Rückbezüge bewirken können. Ein bißchen mehr davon und der Platz würde deutlich besser rüberkommen. Sieht man auch an solch vermeintlichen Banalitäten wie der Verkehrsampel.