Es gibt für jeden Unsinn eine Erklärung, was ja leider das Ergebnis nicht besser macht. Und ehrlich: für mich hat das nichts mehr mit Architektur zu tun, wenn man sich mit dem Einbau eines Fahrstuhls mit seinen technischen Notwendigkeiten in Lage und Dimension einfach so abfindet und ihn nicht in den Bau als solchen gestalterisch integriert. Man agiert eher so nach der Devise: "Is halt dort an der Stelle, muss es eben so aussehen. Punkt. Keine Lust mich drum zu kümmern."
Das ist reine Mutmaßung, dass das hier der Fall ist. Anhand eines fertigen Bauwerkes lässt sich in der Regel meist schlecht auf die zuvor abgelaufenen Entstehungs-, Planungs- und Abwägungsprozesse schließen.
Es gibt ja auch genug Häuser, wo der Aufzug in der Mitte des Treppenhauses liegt und die Treppe ringsherum geht.
Oder man hätte die Fassade über dem Treppenhaus 2m höher gezogen und schon wäre nicht so ein dezentraler Klotz zu sehen.
Es geht halt heutzutage bei den Architekten nur noch um die innere Aufteilung.
Die äußere Wirkung steht ganz hinten an.
Das ist so nicht richtig. Schau dir die Fassade einmal an. Wenn es nur um die innere Aufteilung gegangen wäre, würde diese nämlich mit Sicherheit ganz anders aussehen.
Außerdem finde ich es zu kurz gedacht, immer den Architekten die Schuld zu geben. Sie sind von Bauherren/Investoren beauftragt und somit deren Erfüllungsgehilfen. Wenn der Bauherr/Investor sagt "so wirds gemacht" oder von Ideen der Architekten nicht überzeugt ist, dann können diese auch nichts machen, außer es so zu planen, wie es gewünscht ist. Ansonsten sucht sich der Bauherr/Investor einen anderen Architekten. Hinter Bauvorhaben wie diesen stecken ja zudem große Firmen, die meist sogar ihre eigenen "Fachleute" im Unternehmen haben. Über deren Expertise und Geschmack kann man sich meistens streiten.
Ohne es natürlich zu wissen, kann ich mir vorstellen, dass die Architekten es hier sehr gern anders gemacht hätten. Aber wenn für andere Lösungen vermietbare Wohnfläche eingespart werden muss, da das Treppenhaus dann beispielsweise einen halben Quadratmeter pro Etage größer wird, wird es halt nicht gemacht. Hinzu kommt noch, dass der Quadratmeter Fensterfläche teurer ist, als der Quadratmeter Wand. Das spielt alles eine Rolle.
Zurück zur Fassade: Wenn man sich diese betrachtet, stellt man fest, dass das Gestaltungsthema farblich abgesetzte, horizontale Streifen sind. Dadurch dass das EG als Sockelgeschoss sowie das Staffelgeschoss nochmals farblich anders gestaltet wurden, hebt man die vier OGs nochmals als Haupteinheit des Baukörpers hervor. Hätte man die Außenwand des Treppenhauses im Staffelgeschoss ebenfalls noch zurücksetzen können, wäre dieses Thema noch deutlicher. Es wurde anscheinend bewusst versucht das Treppenhaus in der Ansicht nicht hervorzuheben und eine geschlossene Fassade zu generieren. Würde man die Fassade über dem Treppenhaus 2 m höher ziehen, breitere Fenster einbauen, als anderswo in der Fassade oder im Bereich des Treppenhauses andere Farben in der Fassade verwenden, dann
würde man die innere Funktion und die Vertikalität des Treppenhauses nach außen darstellen. Das wäre dann ein ganz anderes Grundprinzip.