An welcher Stelle hätte denn die Stadt höhere Geschosshöhen forcieren sollen? In der Südoststadt hat man doch im (unterbrochenen) Blockrand mit 6-7 Geschossen bauen lassen. Sehr viel mehr hätte da sicher nicht zum Bestand gepasst. Weitere größere Neubaugebiete in unmittelbarer Stadtlage hat es in den letzten Jahren meines Wissens nach nicht gegeben.
Überhaupt sehe ich nicht den überragenden Handlungsdruck hin zu massiven Wohnungsbau in Karlsruhe. Die mittelfristige Planung der Region sieht einen Zuzug von 30.000 Bewohnern bis 2030 vor, von denen knapp 10.000 ins Karlsruher Stadtgebiet ziehen werden. Das ergibt einen Wohnungsbedarf von knapp 4500 Einheiten, für die man mit einem Flächenbedarf von knapp 90 Hektar rechnet (110EW/ha). Hierfür möchte die Stadt vor allem im Nordwesten neuen Raum erschließen.
1. Durch das Gebiet "Zukunft Nord" am alten Flugplatz mit knapp 1200 WE. Hierfür existiert ein städtebaulicher Rahmenplan, der Bebauungsplan wird gerade erarbeitet
2. Ein Stückchen weiter im Norden soll im Süden von Neureut in Phasen an drei Stellen neu gebaut werden. Dafür hat man ja auch diesen Abschnitt der Nordtangente aus den entsprechenden Plänen der Region/des Bundes streichen lassen. Insgesamt möchte man hier auch an die 1000-2000 WE bauen lassen. Momentan wird der städtebauliche Rahmenplan in einem Verfahren mit Bürgerbeteiligung erarbeitet.
3. Im Süden von Durlach wird das Gebiet "Oberer Säuterich" entwickelt, auch hier sind 400 WE geplant.
Dazu können auch noch ein paar Häuschen in den Höhenstadtteilen gebaut werden. Weiterhin will man sowohl die Waldstadt, als auch die Nord- bzw. Nordweststadt nochmal deutlich verdichten. An der Nancystraße werden gerade knapp 250WE gebaut, in der Waldstadt sollen 800-1000 WE zugebaut werden, das Potential im Norden ist noch offen. Alles in allem hat man also schon Planungen für knapp 4000 WE, es fehlt also noch eine größere Entwicklungsfläche im Wohnungsbau, um die Prognose zu schaffen. Das erscheint mir machbar.
Man muss sehen, dass Karlsruhe im letzten Jahrzehnt gerade auch unter dem Ansturm von Studenten gelitten hat (2005-2015 gab es ein Plus von 10.000 Studis). Dies wird sich so nicht weiterentwickeln. Ein starkes Wachstum nach 2030 ist daher aus aktuellen Blick nicht zu erwarten. Was fehlt ist vor allem studentischer Wohnraum, der ist mir Wohnhochhäuser sicherlich nicht zu befriedigen. Hier wäre es sinnvoller, wenn man die Kleingartenflächen um den Hauptfriedhof moderat mir neuen studentischen Wohnungen entwickeln könnte. Die wegfallenden Gärten könnte man eventuell an der Trasse der östlichen Nordtangente ansiedeln. Der Anschluss des Technologieparks an die Autobahn könnte den dort brachliegenden Flächen eventuell nochmal einen Push geben.