Beiträge von brahmakauz

    Mir haben die meisten Entwürfe auch nicht gefallen, aber es ist ja kein Architekturwettbewerb, sondern es geht um Städtebau. Wenn man das Ganze wie eine Art Steinbruch für Ideen behandelt, bleiben doch ein paar positive Elemente übrig, aus meiner Sicht:

    - die Paulskirche nicht antasten

    - ein kleiner (feuchter) Paulspark auf der Nordost-Seite als Anpassung an den Klimawandel, ich denke an den Chinagarten im Bethmanpark (Der Weihnachtsmarkt muss dann auf den Mainkai).

    - Ein weitere kleiner Park um die Kolbeiche (aber keinen großen Eingang dort).

    - ein Wasserspiel vor der Paulskirche als Attraktion gerade auch für Kinder (muss eigentlich das Einheitsdenkmal dort bleiben, es straht doch etwas wilheminischen Ungeist aus?)

    - Eine gemeinsame großzügige "B-Ebene" für Paulskirche und Kämmerei

    - Eventuell ein kleines drittes zurückhaltendes Gebäude auf Stelzen auf der Südost-Ecke, wo die Toiletten sind. Daraus entwickelt sich eine interessante Platzstruktur.

    - Einen oder beide Innenhöfe der Kämmerei umnutzen als Atrium für Begegnungen und Veranstaltungen, mit einer Glasplatte als Wetterschutz oben drüber

    - Beibehaltung eines Streifens für die Außengastronomie an der neuen Kräme.

    Ich finde auch, dass die bauzeitliche Dachgestaltung der Kämmerei wieder hergestellt werden sollte. Die gezeigten Vorschläge passen dort so wenig wir der jetzige Kasten. (Oder man reißt das ganze Ding ab und baut was modernes hin, aber welchen Sinn hätte das?)

    Einen Dachgarten braucht man auch nicht (siehe Paulspark), aber vielleicht ein Belvederchen. Die Leute gucken gerne runter.

    Lasst uns auf die Fakten schauen. Laut Planfeststellungsbeschluss des Riederwaldtunnels, Unterlage 15.4.1a, wird der Verkehr auf dem Ratsweg um 20,3 % zunehmen, das sind 7.600 KfZ pro Tag. Die Pendler aus Richtung Osten fahren durch den Tunnel, und dann entweder nach Norden oder Süden auf die A661. Bei nächster Gelegenheit, also Abzweig Friedberger Landstraße bzw. Frankfurt Ost, verlassen viele die A 661 wieder und kommen u.a. auf den Ratsweg, wenn sie Richtung Innenstadt, Bornheim oder Nordend wollen. Andere Straßen werden entlastet, aber der Ratsweg (wie auch die Friedberger und Hanauer Landstraße) bekommen mehr Verkehr.

    Mod: Drei Beiträge aus dem Thread "Schulbauten" hierher verschoben. Bezieht sich auf Gutachten zur Europäischen Schule am Ratsweg und hierauf.


    Der Mehrverkehr auf dem Ratsweg nach Fertigstellung des Riederwaldtunnels wurde allerdings explizit im Verkehrsgutachten ignoriert.

    https://frankfurt.de/de-de/aktuelle…SF-3-Gutachten/


    Zitat aus dem Verkehrsgutachten, Seite 13:

    "Im Rahmen der Untersuchung wurde auch diskutiert, inwieweit das vorliegende Verkehrsgutachten zum Riederwaldtunnel Berücksichtigung finden sollte. Das Verkehrsgutachten (aus dem Jahr 2017) geht von einer deutlichen Reduzierung des Verkehrs auf der Straße Am Erlenbruch aus. Eine deutliche Erhöhung des Verkehrs auf dem Ratsweg ist ebenfalls erkennbar. Eine neuere Betrachtung mit dem Frankfurter Verkehrsmodell (Analysefall, Sommer 2024) bestätigt diese Einschätzung. Es wurde vereinbart, dass zu einem späteren Zeitpunkt, wenn das Frankfurter Modell vollständig vorliegt, eine erneute Betrachtung stattfinden soll. Es wurde daher abgestimmt, für die aktuellen Betrachtungen den Grundverkehr in der Bestandssituation zugrunde zu legen."


    Gerne. Der Verkehr auf dem Ratsweg wird nach dem Bau des Riederwaldtunnels zunehmen. (Ebenso wie auf der Friedberger und Hanauer Landstraße). So steht es in der Planfeststellung. Der Sinn des Riederwaldtunnels ist es ja, mehr Autos in die Stadt zu bringen. Dieser Mehrverkehr wurde aber im Verkehrsgutachten für den Festplatz nicht berücksichtigt. Die Begründung, warum dieser Mehrverkehr nicht derzeit berücksichtigt wird, erscheint mir wenig überzeugend. Der Text weicht ins Passiv aus ("es wurde abgestimmt"), um zu nicht sagen zu müssen, wer diese eigentlich unverständliche Entscheidung gefällt hat. Es wird aber deutlich, dass am Ratsweg mehr Autoverkehr zu erwarten ist, als bei der Erstellung des Gutachtens berücksichtigt wurde.

    Überzeugend an der Spiegellösung ist die Freilegung des jüdischen Museums, dessen beeindruckender und wunderschöner Neubau derzeit hinter der Doppelanlage eingeklemmt und versteckt ist. Es ergibt sich ein grüner Platz, umgeben von drei Kulturbauten, der städtebaulich zwischen Bahnhofsviertel und Innenstadt vermittelt. Das ist attraktiv.

    Das Thema Sichtachse in der Wallanlage halte ich übrigens nicht für so bedeutend, da man durch die versteut stehenden Bäume eh nicht durchschauen kann. Die Wallanlage ist doch kein Barockpark.

    Mod: Folgende Beiträge aus "Güterplatz: The Spin, Eden, Wohnungsbau" hierher verschoben. Ursprünglich ging es um die Fassadenbegrünung am "Eden Tower".


    Nachhaltigkeit im Bauen bedeutet geringstmöglicher CO2 Ausstoss über die Lebenszeit des Gebäudes gerechnet. Also vor allem Materialverbrauch und Energieeffizienz sowie sozialer Nutzen. Das alles hat mit begrünten Fassaden nichts zu tun, welch modischer Schnick-Schnack sind

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    Der OB und Friedbert Greif von AS&P haben sehr klar zum Ausdruck gebracht, dass sie jetzt noch keine inhaltlichen oder architektonischen Vorschläge auf den Tisch legen wollen, sondern einen Diskussionsprozess starten. Deshalb verstehe ich die Kritik der FAZ nicht ganz. Ich fand interssant, dass das Projekt ausdrücklich in einen nationalen und darüber hinaus europäischen, sogar weltweiten Rahmen gestellt werden soll. Offenbar hat OB Feldmann darüber mit dem Bundespräsidenten gesprochen und in diesem Sinne eine Finanzierung in Aussicht gestellt bekommen.

    Für ein Demokratiezentrum

    Die Paulskirche steht für die Revolution von 1848 und die Nationalversammlung, das erste demokratische Parlament in Deutschland. Sie steht für die Grundrechte, die in unserem heutigen Grundgesetz teilweise wörtlich aus der Paulskirchenverfassung stammen. Sie steht auch für einen extremen Nationalismus, der später so viel Unheil über Deutschland bringen sollte. Die Paulskirche steht im Scheitern der Nationalversammlung für die Schwierigkeit, eine Demokratie in Deutschland durchzusetzen.
    Die Paulskirche steht genauso für unsere neue deutsche Demokratie seit 1948. Deshalb wurde sie so schnell und im heutigen Gewande wieder aufgebaut und war seitdem Schauplatz unzähliger Veranstaltungen zur Festigung der Demokratie in Deutschland.
    OB Feldmann hat Recht, eine breite Debatte zu fordern, wie die Paulskirche ein nationales Demokratiezentrum für ganz Deutschland in Europa werden kann. Aus dem Ergebnis der Diskussion mag dann die Art und Weise der baulichen Sanierung und Umgestaltung folgen. Eine Rekonstruktion des Zustands von 1848 dürfte dem allerdings kaum gerecht werden.