Ich stimme Rohnes letztem Beitrag weitgehend zu.
Dazu ist zu sagen, dass es hier in erster Linie um gefallen/ nicht gefallen geht (oder gehen sollte), weil ideologische und quasi-moralische Gründe gegen Rekos (z.B. Geschichtsfälschung, Nazis, und so weiter) in meinen Augen überbewertet werden. Meiner Meinung nach gibt uns der Fakt, dass diese Häuser dort vor nicht allzu langer Zeit noch gestanden haben (60 Jahre sind im Vergleich zu den hunderten Jahren, in denen das Viertel gewachsen ist eine relativ kurze Zeitspanne), und das es relativ genaue Unterlagen gibt (Fotos, Pläne, Berichte) das Recht zu einem räumlich begrenzten (möglichst originalgetreuen) Wideraufbau. Es handelt sich in dem Sinne nicht um eine Fälschung, weil der Original-Entwurf am Original-Ort verwirklicht wird. Dies wird so in vielen Ländern der Welt gehandhabt. V.a. halte ich es für legitim, weil dort (anders als in anderen Teilen der Altstadt) seit der Zerstörung noch keine funktionierende städtebauliche Entwicklung stattgefunden hat. Das TR und die Schirn sind als Solitäre an die Stelle eines früher vorhandenen Wohnviertels getreten, dazwischen wurde bewußt eine breite Schneise freigelassen. Die Schirn passt sich allerdings besser ein, nicht nur wegen der niedrigeren Höhe, sondern auch wegen der Möglichkeit, die langen Enden von beiden Seiten zu umbauen (wie in der Saalgasse geschehen) und den Baukörper damit teils unsichtbar zu machen. Zu dem Vorwurf, man wolle die Kriegszerstörung kaschieren, kann man nur sagen: selbst wenn man es wollte - es ist völlig unmöglich! Die Zerstörung der Altstadt als Folge des Zweiten Weltkriegs ist überall in der Innenstadt und der Altstadt sichtbar, das gilt selbst für den Römer, wo ca. die Hälfte der Häuser mehr oder weniger im Nachkriegs-Stil mit leichten Reminiszenzen errichtet wurden. Auch im jetzt diskutierten Bereich sind alleine durch die Präsenz der Schirn, deren Rotunde bis an den Markt herran reicht, sowie den Kunstverein, das Haus am Dom, die U-Bahn-Treppen und das MMK schon ausreichend Kontraste gesetzt, an denen die Kriegszerstörung abzulesen ist. Wie schon früher gesagt wäre ich sowieso dafür, dass an jeder Reko eine Tafel installiert wird, auf der über den Wideraufbau aufgeklärt wird. Klar ist außerdem, dass Rekos außerhalb des Dom/Römer-Bereichs, von Ausnahmen abgesehen, unsinnig wären und auch aus Platzgründen wenig Chancen haben.
Jetzt aber zu Rohnes letztem Post: Wenn es also hauptsächlich um persönlichen Geschmack geht, kann man sagen: wem Fachwerk am Dom/Römer nicht gefällt, der hat alle Möglichkeiten der Welt, einen Bogen darum zu machen. Schon ein paar Meter weiter ist von Altstadt rein gar nichts mehr zu spüren. Anders sieht es aber aus, wenn jemand an der Altstadt interessiert ist und gerne mehr davon sehen will. Der kann sich praktisch nur auf den Römer stellen - und wehe er macht auch nur einen Schritt in die falsche Richtung, dann folgt sofort Ernüchterung. Wenn es also Einige gibt, die sich mit postmodernen, leicht historisierenden Glas- und Betonbauten (wie in der Saalgasse) eher anfreunden können, dann sollten die sich dafür einsetzen, das soetwas an anderer Stelle, z.B. auf dem Gelände des Bundesrechnungshofs oder bei irgendwann anfallenden Neubauten im weiteren Altstadt-Gebiet verwirklicht wird.
Fazit: Das soll nicht bedeuten, dass unbedingt nur Rekos gebaut werden sollen. Aber wenigstens sollte es ein geschlossenes Gebiet mit Rekos geben, z.B. am Hühnermarkt oder am Markt. Ich verstehe nicht, warum 5 der 7 Rekos nicht am Markt stehen und nur eine am Hühnermarkt. Wenn rekonstruieren, dann doch wohl bevorzugt an diesen Stellen, notfalls eben trotz etwas schlechterer Quellenlage. Es macht doch keinen Sinn, originalgetreue Fassaden mit leicht verändertem Innenleben als Disneyland abzulehnen, und dann eine strenge Gestaltungssatzung vorzulegen, bei der wahrscheinlich so eine Art Baukasten-Fachwerkhaus herauskommt, welches auf den ersten Blick auch historisch aussieht, aber mit dem Ort gar nichts zu tun hat (würde ich eher als Disneyland bezeichnen).