Römerberggespräche Bericht Teil 2
Nächster Redner war Walter Pehnt. Auch hier nur die (für mich) wichtigsten Eindrücke:
- Das Technische Rathaus und das Historische Museum hätten damals als "Beispiele der Rücksichtnahme gegenüber dem historischen Bestand" gegolten; in der Beurteilung eines Experten sei von der "Heiterkeit verheißenden Baumasse" (oder so ähnlich) die Rede gewesen... an der Stelle musste Pehnt selbst lachen. Bemerkenswert sei für ihn der Wandel in der Beurteilung: Früher habe man die Gebäude in den Himmel gelobt, heute würden sie (bis auf wenige Ausnahmen) als Schandflecken charakterisiert. Vielleicht werde man ihnen nach dem Abriss aber ebenso nachtrauern, wie man heute dem Abriss des Zürichhauses nachtrauert (kritische Anmerkung von mir: Ich werde immer ein bisschen misstrauisch, wenn das Indefinitpronomen "man" so häufig verwendet wird: WER trauert nach? WER befand das TR erst für gut und heute für schlecht? Die normalen Leute doch nicht, die hatten schon damals 20.000 Unterschrifteng gegen den Bau des TR gesammelt. Was Pehnt nicht problematisiert, sind die Modeschwankungen in den Urteilen der FACHWELT!!!)
- es müssten schon sehr überzeugende Lösungen an die Stelle des TR und des HM treten, um deren Abriss zu rechtfertigen, und davon könne Pehnt momentan keine erkennen
- Authentizität sei ihm äußerst wichtig ("so altmodisch bin ich"), er gibt aber zu, dass er angesichts der Schönheit der Frauenkirche mittlerweile zu Abstrichen an seiner Position bereit sei. Dann entwirft Pehnt eine "Rangfolge", die vorgibt, wann Rekos noch etwas Authentisches für sich in Anspruch nehmen können und wann nicht. Anschließend zieht er noch ein bisschen über die "Täuschungen" in Hildesheim und Rothenburg ob der Tauber her.
- Dennoch gibt Pehnt am Ende wieder zu, dass er Zweifel habe, und meint, man könne sich auf Dauer nicht gegen den Mehrheitswillen stellen, zumal die Bürgerinitiative "Pro Altstadt" real sicher wesentlich größer sei als die Zahl ihrer offiziellen Mitglieder.
- Pehnt beendet seinen Vortrag mit einem Blick auf den Film "Die Truman-Show" und fragt sich, ob die Tür, die am Ende des Films geöffnet wird, nicht lediglich zu einer neuen Fiktion führe.
- Der Modator stellte Pehnt dann noch zwei Fragen: Ihm (dem Moderator) habe der Freiburger Münsterbaumeister gesagt, dass an dem Gebäude kaum noch etwas älter sei als 100 Jahre. Sei das nicht ein Argument für das Kopieren von Gebäuden? Pehnts Antwort: Die Beispiele Freiburger Münster und Kölner Dom seien auf seiner Rangskala der Authentizität von Nachbauten natürlich ziemlich weit oben (meine Meinung: Das zeigt eher, wie dünn die Authentizitäts- und Originalsubstanz-Argumentation ist)
- Zweite (ebenfalls sehr gute) Frage des Moderators: Da Pehnt auf die Differenz im Urteil der Fachwelt damals und heute zu sprechen kam - wie sieht es mit der Differenz im Urteil von Fachleuten und Laien aus? Pehnt meinte, dass Laien früher oft miteinbezogen worden seien in Entscheidungen, die Differenz sei mittlerweile sicherlich größer geworden.
Dann zur "Diskussion" der beiden Architekturkritiker Dieter Bartetzko (FAZ) und Christian Thomas (Rundschau). Leider haben sich meine Befürchtungen bestätigt: Eine Diskussion war das nicht! Zunächst diskutierten die beiden eigentlich gar nicht miteinander, sondern hielten einfach nur Vorträge. Als sie dann später doch endlich aufeinander Bezug nahmen, war es schon ziemlich auffällig, wie ihre jeweiligen Redebeiträge begannen: "Das kann ich nur bekräftigen", "da bin ich ganz deiner Meinung", etc. Beide Herrn haben sich den ganzen Abend über nur gegenseitig beigepflichtet. Soll das eine Diskussion sein? Warum reden nicht zwei Fachleute über die Altstadt, die unterschiedliche Ansichten haben? Bei allem Respekt für die großen Fachkenntnisse beider Herren (und diesen Respekt habe ich wirklich): Hier frage ich mich, warum sich diese beiden für diese Farce nicht zu schade waren.
Christian Thomas sagte u. a., die Diskussion über Rekos sei schon mal weiter gewesen, denn direkt nach dem Krieg habe es "ethische Obertöne" gegeben, die er heute vermisse. Eine Altstadt-Reko in Frankfurt sei ebenso Augentrug wie das Berliner Stadtschloss.
Bartetzko: Ffm habe eine Vorreiterfunktion im Städtebau; wieder einmal erzählte er davon, dass die Nazis ja das Fachwerk freigelegt hätten, wieder einmal wurde der "Bund tätiger Altstadtfreunde" nicht erwähnt (denn der Diskreditierungsversuch kann ja nicht funktionieren, wenn Bartetzko zugeben müsste, dass sich auch andere Menschen als Nazis für die Altstadt interessiert haben; aus eben diesem Grund verschwieg Bartetzko natürlich auch, dass in vielen deutschen Städten gerade der Nachkriegs-Wiederaufbau in NS-Tradition stand!), wieder Kritik an der Verwendung des Wortes "Krönungsweg". Also wenig neues. Und wieder der Vorschlag für "Bartetzko-Land": Neubauten mit Spolien, wobei diese authentischen Reste auch aus Gebäude stammen dürften, die ein paar Straßen weiter gestanden haben.
Als Wortmeldung ist mir noch Dreysse im Gedächtnis geblieben, der angekündigt hat, dass die (jungen?) Frankfurter Architekten sich entschlossen hätten, zu dem Thema noch etwas zu präsentieren. Ich bin also mal gespannt...