Beiträge von Restitutor

    Laut Offenbach Post hat der Hauptkonservator am Landesamt für Denkmalpflege in Wiesbaden, Christoph Mohr, vor einigen Tagen bei einer Veranstaltung der Evangelischen Stadtakademie gesagt, diejenigen, die in Frankfurt eine Reko der Altstadt befürworten, hätten ein "infantiles Verhältnis zur Architektur". Mohr wandte sich außerdem gegen den Abriss des Technischen Rathauses, es sei Aufgabe der Fachleute, den Menschen zu erklären, warum auch Bauten aus den 70ern schön sein können.

    Gerade der letzte Punkt erinnert mich an einen Artikel, der vor einigen Monaten mal auf den Seiten des ORF stand (mittlerweile ist der Link leider tot):

    Wie gesagt, auf der ORF-Website ist der Artikel leider nicht mehr zu finden (ich habe ihn aus meinem eigenen Archiv hervorgekramt).

    Tja, der eine will die Menschen davon überzeugen, dass das, was sie hässlich finden, doch eigentlich schön ist, wenn man nur lange genug darüber nachdenkt, der andere will die Leute gleich zu einem neuen Schönheitsempfinden umerziehen. Da wird wohl auch sicherlich bald irgendwo die erste Geschmackspolizeibehörde eröffnet...:nono:

    Und nun die Reaktion der Frankfurter Rundschau:

    http://www.fr-aktuell.de/uebersicht/dos…nft/?cnt=792141

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    Die "Lust, das ganz Alte wiederhaben zu wollen" entstehe dann, "wenn die Moderne ihre Zumutungen besonders deutlich stellt", bemerkte Pehnt allerdings auch, und die anschließende Diskussion bestätigte das. Die Frankfurter Architekturkritiker Christian Thomas (FR) und Dieter Bartetzko (FAZ) mochten noch so oft darauf hinweisen, wie unhistorisch, unauthentisch und beliebig das gewünschte Fachwerkensemble sei. Von einer "Rekonstruktion", so Thomas, könne auch gar nicht die Rede sein. Aus Teilen des Publikums artikulierte sich indes das nicht überstarke, aber beharrliche Unbehagen an moderner Architektur an sich. Und der Wille, künftig durch ein besser aussehendes - aber wofür eigentlich zu benutzendes? - Stück Frankfurt schlendern zu können. Wenn das auch dem japanischen Touristen gefalle (eine an diesem Tag stark überstrapazierte Figur), sei das doch nur gut, meinte eine Dame. Da war kein Zueinander.

    Und einige Worte von Christian Thomas:

    http://www.fr-aktuell.de/uebersicht/dos…nft/?cnt=789139

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    Tief abgesunken im Fundus der bundesdeutschen Erinnerungskultur sind auch jene archäologischen und in einem engen Sinne kritischen Rekonstruktionen, wie sie Egon Eiermann mit der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in Berlin und Hans Döllgast bei der Pinakothek in München Ende der fünfziger Jahre leisteten. Beide stellten durch ihre kritischen Rekonstruktionen großartige Narbenarchitekturen vor Augen, wie sie zuletzt auch durch die archäologische Rekonstruktion in Dresden gelang, indem in das makellos Neue der Hülle die Ruinenreste wie Mahnmale integriert wurden.

    Von einer solchen Besonnenheit (um nicht zu sagen historisch begründeten Vernunft) ist man in Frankfurt oder Berlin gegenwärtig weit entfernt. Vielmehr hoffen Teile der Bevölkerung und der Populisten aus der Politik auf eine neue Gründerzeit des Vorvormaligen und mit ihr auf ein Update in Fachwerkweise. Doch schon wegen der Immobiliensituation in der Global City Frankfurt am Main wird es zu einer erheblichen urbanen Funktionsstörung kommen. Eine wilde Mittelaltermischung aus Handel, Handwerk und Stadtbürgertum wird sich zwischen Butzenscheibe und spätgotischem Stufengiebel nicht revitalisieren lassen – denn das lässt das kapitalistische Kataster, zumal es statisch auf den U-Bahn-Röhren gründet, nicht zu.

    Die Vorstellung, die sich das antiquarische Interesse von der Einbürgerung seiner Fachwerkneuerscheinungen macht, werden trügerisch sein, auch wenn hinter den Fassaden der eine oder andere Besitz von Hausrat nach Urväterart zusammengetragen werden sollte. Mit Zinnbecher, Lutherstuhl oder Gutenbergbibel neben dem summenden Laptop.


    Und schließlich Dankwart Guratzsch in der WELT:

    http://www.welt.de/data/2006/01/24/835516.html

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    Wie sehr das Thema "Der Umbau der Städte - aktuelle Kontroversen" die Bürgerschaft aufwühlt, bekamen die Veranstalter im Wortsinne "hautnah" zu spüren. Der Publikumsandrang sprengte fast den Saal. Zu Kontroversen aber kam es nicht. Dafür hatte schon die Regie gesorgt, indem sie die "Altstadtfraktion" einfach ausgesperrt hatte. Kein Politiker, kein Vereinsvertreter, kein Kunsthistoriker mit Sympathien für das Projekt der "Rekonstruktion" war aufs Podium geladen, die Altstadtfreunde im Publikum durften ihrem Groll nur in Zwei-Minuten-Statements Luft machen. Aber auch die gutgemeinte Absicht, den Horizont durch Beiträge engagierter Soziologinnen und der früheren Kulturstaatsministerin Christina Weiss zu weiten, wollte nicht recht aufgehen. Die Architekten lasen am Nachmittag ihre mitgebrachten Referate ab und sahen keine Veranlassung, sich mit den Beiträgen der Damen vom Vormittag auseinanderzusetzen. Statt Römerberggesprächen gab es Römerbergvorlesungen.

    Aus der FAZ:

    http://www.faz.net/s/RubABE881A66…n~Scontent.html

    Über Pehnt und Prigge:

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    Wer sich auf ein Spiel der Illusionen einlasse, der liefere eine angenehm bebilderte Geschichtslektion, so Pehnt. Es gehe dann nicht mehr darum, wie es war, sondern wie es gewesen sein könnte. Man verzichte auf die Verläßlichkeit geschichtlicher Dokumente. Als negatives Beispiel nannte Pehnt auch die Römer-Ostzeile. Vor dem Krieg seien die Fassaden verputzt oder mit Schiefer verkleidet gewesen. Die Gebäude würden schöner gemacht, als es die Quellen hergäben.
    [...]
    Mag sein, daß Prigge recht hat, wenn es um die Nutzung der Häuser geht. Die "reaktionäre" Fachwerkbauweise taugt dagegen nicht als Unterscheidungsmerkmal zwischen Stadt und Land. Prigge präsentierte sich als Vertreter einer arroganten und geschichtsvergessenen Moderne, die den Durchgang durch ihre Krisen und damit durch ihre selbstverschuldete Müdigkeit noch vor sich hat."


    Und aus der FNP:

    http://www.rhein-main.net/sixcms/list.ph…icle&id=2733078

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    Provokante Thesen können für den Fortgang einer Debatte manchmal nützlich sein. Gelegentlich aber disqualifiziert sich der Autor solcher Thesen damit selbst. So ist es Walter Prigge ergangen, der bei den Römerberggesprächen den Wunsch nach dem Wiederaufbau von Fachwerkhäusern pauschal als reaktionär diffamierte. Ein wenig mehr Differenzierung stünde den Gegnern einer historisierenden Bebauung gut zu Gesicht.

    Römerberggespräche Bericht Teil 2

    Nächster Redner war Walter Pehnt. Auch hier nur die (für mich) wichtigsten Eindrücke:

    - Das Technische Rathaus und das Historische Museum hätten damals als "Beispiele der Rücksichtnahme gegenüber dem historischen Bestand" gegolten; in der Beurteilung eines Experten sei von der "Heiterkeit verheißenden Baumasse" (oder so ähnlich) die Rede gewesen... an der Stelle musste Pehnt selbst lachen. Bemerkenswert sei für ihn der Wandel in der Beurteilung: Früher habe man die Gebäude in den Himmel gelobt, heute würden sie (bis auf wenige Ausnahmen) als Schandflecken charakterisiert. Vielleicht werde man ihnen nach dem Abriss aber ebenso nachtrauern, wie man heute dem Abriss des Zürichhauses nachtrauert (kritische Anmerkung von mir: Ich werde immer ein bisschen misstrauisch, wenn das Indefinitpronomen "man" so häufig verwendet wird: WER trauert nach? WER befand das TR erst für gut und heute für schlecht? Die normalen Leute doch nicht, die hatten schon damals 20.000 Unterschrifteng gegen den Bau des TR gesammelt. Was Pehnt nicht problematisiert, sind die Modeschwankungen in den Urteilen der FACHWELT!!!)
    - es müssten schon sehr überzeugende Lösungen an die Stelle des TR und des HM treten, um deren Abriss zu rechtfertigen, und davon könne Pehnt momentan keine erkennen
    - Authentizität sei ihm äußerst wichtig ("so altmodisch bin ich"), er gibt aber zu, dass er angesichts der Schönheit der Frauenkirche mittlerweile zu Abstrichen an seiner Position bereit sei. Dann entwirft Pehnt eine "Rangfolge", die vorgibt, wann Rekos noch etwas Authentisches für sich in Anspruch nehmen können und wann nicht. Anschließend zieht er noch ein bisschen über die "Täuschungen" in Hildesheim und Rothenburg ob der Tauber her.
    - Dennoch gibt Pehnt am Ende wieder zu, dass er Zweifel habe, und meint, man könne sich auf Dauer nicht gegen den Mehrheitswillen stellen, zumal die Bürgerinitiative "Pro Altstadt" real sicher wesentlich größer sei als die Zahl ihrer offiziellen Mitglieder.
    - Pehnt beendet seinen Vortrag mit einem Blick auf den Film "Die Truman-Show" und fragt sich, ob die Tür, die am Ende des Films geöffnet wird, nicht lediglich zu einer neuen Fiktion führe.
    - Der Modator stellte Pehnt dann noch zwei Fragen: Ihm (dem Moderator) habe der Freiburger Münsterbaumeister gesagt, dass an dem Gebäude kaum noch etwas älter sei als 100 Jahre. Sei das nicht ein Argument für das Kopieren von Gebäuden? Pehnts Antwort: Die Beispiele Freiburger Münster und Kölner Dom seien auf seiner Rangskala der Authentizität von Nachbauten natürlich ziemlich weit oben (meine Meinung: Das zeigt eher, wie dünn die Authentizitäts- und Originalsubstanz-Argumentation ist)
    - Zweite (ebenfalls sehr gute) Frage des Moderators: Da Pehnt auf die Differenz im Urteil der Fachwelt damals und heute zu sprechen kam - wie sieht es mit der Differenz im Urteil von Fachleuten und Laien aus? Pehnt meinte, dass Laien früher oft miteinbezogen worden seien in Entscheidungen, die Differenz sei mittlerweile sicherlich größer geworden.

    Dann zur "Diskussion" der beiden Architekturkritiker Dieter Bartetzko (FAZ) und Christian Thomas (Rundschau). Leider haben sich meine Befürchtungen bestätigt: Eine Diskussion war das nicht! Zunächst diskutierten die beiden eigentlich gar nicht miteinander, sondern hielten einfach nur Vorträge. Als sie dann später doch endlich aufeinander Bezug nahmen, war es schon ziemlich auffällig, wie ihre jeweiligen Redebeiträge begannen: "Das kann ich nur bekräftigen", "da bin ich ganz deiner Meinung", etc. Beide Herrn haben sich den ganzen Abend über nur gegenseitig beigepflichtet. Soll das eine Diskussion sein? Warum reden nicht zwei Fachleute über die Altstadt, die unterschiedliche Ansichten haben? Bei allem Respekt für die großen Fachkenntnisse beider Herren (und diesen Respekt habe ich wirklich): Hier frage ich mich, warum sich diese beiden für diese Farce nicht zu schade waren.

    Christian Thomas sagte u. a., die Diskussion über Rekos sei schon mal weiter gewesen, denn direkt nach dem Krieg habe es "ethische Obertöne" gegeben, die er heute vermisse. Eine Altstadt-Reko in Frankfurt sei ebenso Augentrug wie das Berliner Stadtschloss.
    Bartetzko: Ffm habe eine Vorreiterfunktion im Städtebau; wieder einmal erzählte er davon, dass die Nazis ja das Fachwerk freigelegt hätten, wieder einmal wurde der "Bund tätiger Altstadtfreunde" nicht erwähnt (denn der Diskreditierungsversuch kann ja nicht funktionieren, wenn Bartetzko zugeben müsste, dass sich auch andere Menschen als Nazis für die Altstadt interessiert haben; aus eben diesem Grund verschwieg Bartetzko natürlich auch, dass in vielen deutschen Städten gerade der Nachkriegs-Wiederaufbau in NS-Tradition stand!), wieder Kritik an der Verwendung des Wortes "Krönungsweg". Also wenig neues. Und wieder der Vorschlag für "Bartetzko-Land": Neubauten mit Spolien, wobei diese authentischen Reste auch aus Gebäude stammen dürften, die ein paar Straßen weiter gestanden haben.

    Als Wortmeldung ist mir noch Dreysse im Gedächtnis geblieben, der angekündigt hat, dass die (jungen?) Frankfurter Architekten sich entschlossen hätten, zu dem Thema noch etwas zu präsentieren. Ich bin also mal gespannt...

    Römerberggespräche Bericht Teil 1

    Ich kam etwa um 11.40 an, habe also noch einen Teil des Beitrags "Urbanes Theater" von Gabriele Klein mitgekriegt, von 12.00 bis 13.00 gab es dann eine Diskussion. Darüber möchte ich aber erstmal nicht berichten, da es hierbei um eher allgemeine Fragen und auch ein bisschen um das Berliner Stadtschloss ging, nicht aber um Frankfurt (ich kann den Bericht darüber aber trotzdem später noch bringen).

    Ich setze also ein mit dem Vortrag von Walter Prigge, der nach der Mittagspause um 15.00 begann. Die Veranstaltung war sehr gut besucht, wir Reko-Befürworter waren aber klar in der Minderheit, denn es handelte sich ziemlich offensichtlich um linksliberales Künstler-Publikum (fast jeder zweite hatte eine Frankfurter Rundschau unterm Arm).

    Hier die wichtigsten Punkte des Redebeitrags von Walter Prigge:
    - Man solle gelassen reagieren, nahezu jeder größere Stadt habe mittlerweile ein solches Reko-Projekt. Dass nun auch Frankfurt eins habe, beweise, wie provinziell die Stadt mittlerweile geworden sei, seit er Frankfurt verlassen habe (sieht er da irgendeinen Zusammenhang?!?)
    - Solche Reko-Projekte hätten aber so geringen Wert, dass man die Gebäude wohl 20 Jahre später wieder abreißen könnte. Auch die Ostzeile könne man im Grunde jetzt schon wieder abreißen.
    - Die Rekos geschähen im Namen von Geschichte, vernichteten aber in Wahrheit Geschichte.
    - Die Reko-Befürworter wollten aus der Gegenwart und in die Geschichte fliehen. Die Bewegung sei reaktionär, weil sie der Frage ausweiche, wie gegenwärtige Architektur die Probleme lösen könne. Die Reko-Bewegung reduziere Architektur zu Kulissen und sei mitschuld am Tod der Architektur.
    - Wenn man unbedingt Traditionen aufgreifen wolle, könne man doch die Tradition der Nachkriegsarchitektur aufgreifen, wo mehr Authentizität gegeben sei.
    - Das Mittelalter werde als Teil deutscher Leitkultur gesehen, Fachwerk stehe wieder im Dienste eines Großmachtsdenkens
    - Die Reko-Bewegung sei zur Rettung der Stadt angetreten, in Wahrheit aber eine antistädtische Bewegung.
    - Fachwerk sei nicht sexy, man solle Gebäude mit größerer erotischer Kraft bauen (Lachen und begeistertes Klatschen... daran könnt ihr schon sehen, welcher Art das Publikum war)

    So, nun erstmal genug von Prigges Unverschämtheiten. Der zweite Teil folgt bald.

    Jaja, du hattest "wer FÄHRT nach Berlin" geschrieben, und ich hatte das in meinem Beispiel bewusst umformuliert...

    Es ist aber die Frage, ob es in einer Stadt überhaupt ein Einzelobjekt gibt, weswegen "die Besucher" kommen. Kommen die Menschen nach Frankfurt wegen des Goethehauses, nach Paris wegen des Eifelturms? Es ist ja immer eine größere Anzahl von Gründen, warum jemand irgendwo hinfährt...

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    Aber, bitteschön, wer fährt dafür nach Berlin, wenn er das Original eines viel schöneren Stadtschlosses in zig anderen deutschen und europäischen genauso haben kann?

    Und wer schaut sich in Frankfurt die Kopien von Fachwerkhäusern an, wo doch in tausend anderen deutschen Städten originale Fachwerkhäuser stehen?

    Die Antwort: Sehr, sehr viele!;)

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    Das ist doch eine Milchmädchenrechnung! Ob ich die EUR 670 Mio. auf einen Schlag zahle, oder über 20 Jahre verteilt, macht doch die Gesamtkosten nicht kleiner.

    Also, DAS ist jetzt eine Milchmädchenrechnung. Natürlich ist es ein Unterschied, ob eine Summe auf einmal oder über einen längeren Zeitraum hinweg bezahlt werden muss. Im letzteren Fall hast du doch eindeutig Zinsvorteile.

    @ b-a-t-o:

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    @ Kent sorry für diesen pessimistischen Kram den unsereins immer abzugeben pflegt. Lasst uns am besten alle mit vereinten Kräften und Händen das Geld zum Fenster rauswerfen Und zwar ohne Diskussion und Wiederrede.

    Ich hoffe, du bist dann wenigstens so konsequent, an Silvester keine Feuerwerkskörper zu verwenden. Denn du weißt ja bestimmt, wie viel Geld man zusammenbekäme, wenn an Silvester nicht geballert wird und alle statt dessen für die Dritte Welt spenden (Stichwort: "Brot statt Böller").

    Der Punkt ist: Diese Argumentation ließe sich theoretisch auf alles anwenden, was nicht unbedingt zum Leben notwendig ist. Was für Kosten entstehen den öffentliche Kassen durch Sicherheitskräfte, die bei Fußballspielen aufgeboten werden müssen? Was für Kosten entstehen dadurch, dass Theater und Museen gefördert werden?

    Alles Geld, das zum Fenster rausgeworfen wird... konsequenterweise müsste man auf alles im Leben, was schön ist und nur der Annehmlichkeit dient, verzichten.

    Ich möchte noch einmal an den oben erwähnten Termin (Römerberggespräche - übermorgen!) erinnern und gleich zwei weitere wichtige Termine hinzufügen:

    - 24. Januar, 18.30 Uhr, Karmeliterkloster: Eine Veranstaltung der "Freunde Frankfurts", auch Dominik Mangelmann und andere Rekonstruktionsbefürworter werden zu den Rednern gehören, so dass wir vielleicht endlich einmal eine wirkliche Diskussion zu dem Thema erleben können...
    - 10 Februar, 16.00 Uhr, Rathaus: Letzte Sitzung des Sonderausschusses vor der Kommunalwahl

    Römerberggespräche

    wichtig - wichtig - wichtig

    Jetzt, am Samstag (21.01.06) finden im Schauspiel Frankfurt die Römerberggepräche statt.

    Sie dauern von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr. Wer jetzt aufstöhnt - keine Sorge, der interessantere Teil beginnt erst nach der Mittagspause um 15.00 Uhr.

    Vormittags gibt es Begrüßungsreden, eine Rede zu "Orten der Kulturnation" und - das könnte interessant sein - einen Beitrag von Martina Löw "Immer einzig und überall gleich - Chancen und Risiken moderner Städte"; dann um 11.30 noch urbanes Theater. Um 12.00 Uhr soll eine Diskussion stattfinden, um 13.00 Uhr folgt die Mittagspause.

    Dann geht es um 15.00 Uhr weiter:
    Walter Prigge spricht über "Stadtgestaltung und Urbanität - Die neue Ratlosigkeit"

    Um 15.30 folgt Wolfgang Pehnt "Illusionismus versus Brutalismus - Frankfurter Streitfälle: Eine ungeliebte Epoche und der Salto rückwärts"

    Und als Höhepunkt folgt um 16.00 Uhr diese Lachnummer:

    Die Architekturkritiker Dieter Bartetzko und Christian Thomas diskutieren über die Altstadt

    Das ist nun in etwa so sinnvoll, als würde man George Bush und Donald Rumsfeld darüber diskutieren lassen, ob der Irakkrieg gerechtfertigt war...

    Alle, die die Rekonstruktion unterstützen wollen, bitte ich um zahlreiches Erscheinen!

    Auch in der WELT gibt es einen Artikel zu den Vorwürfen gegen den Förderverein:

    Dekoratives Anführungszeichen

    [...]
    Angesichts der Umstände dieser Aktion kommt man nicht um den Verdacht herum, daß es sich hierbei um eine Kampagne handelt. Erhellend ist bereits der Umstand, daß Oswalt das angeblich 60-seitige Papier nicht allgemein zugänglich machte, sondern an ausgewählte Journalisten verteilte, von denen er hoffte, daß sie für die Idee einer publizistischen Offensive gegen das Schloßprojekt empfänglich sein könnten. Doch einige der Adressaten lieferten dann doch nicht die erhoffte "Enthüllungsgeschichte".


    Um zu den Vorwürfen Stellung nehmen zu können, ließ Wilhelm von Boddien nach einer Kopie des Dossiers fragen, doch die wurde ihm von Oswalt verweigert. Mit dem Hamburger Kaufmann hatte vor der Veröffentlichung sowieso keiner der Palastfreunde gesprochen. Boddien hat mittlerweile eine detaillierte Stellungnahme zu den Vorwürfen ins Internet gestellt (s.u.).


    Das Dossier der Schloßgegner besitzt die entscheidende Schwäche, daß es das Getöse der Schlagzeilen im eigenen Text selbst relativiert, denn dort heißt es laut Presseberichten: "Es ist bis auf wenige Details keine Beanstandung der Tätigkeiten des Vereins von Amts feststellbar." Im Gespräch mit der "FAZ" räumte Oswalt ein, daß es nicht um "illegale" Vorgänge gehe, sondern um "Unsauberkeiten und eine notorische Neigung der Schloßherren zur Hochstapelei". Der letztgenannte Vorwurf dürfte auf Oswalt selbst zurückfallen.
    [...]

    Quelle:
    http://www.welt.de/data/2006/01/13/830699.html

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    Oh direkt von der Quelle, na wenn die das schreiben, dann muss es ja stimmen und objektiv sein.

    Ich habe nicht behauptet, dass Boddien selbst objektiv ist.

    Ich habe nur gesagt: "Lieber das hier lesen zur Objektivierung." Damit meinte ich, dass man die Versionen beider Seiten gelesen haben sollte, um einigermaßen objektiv zu sein.

    Aber unabhängig davon kann im Falle der taz leider wirklich nicht von journalistischer Neutralität die Rede sein, und das nicht nur bei diesem Thema.

    Die FAZ berichtet übrigens ganz anders darüber:

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    [...]
    Das Papier basiert nach Auskunft von Oswalt, der seit jeher intensiv für den Palast kämpft, auf Gesprächen mit Vereinsmitgliedern, Recherchen im Vereinsregister, Anfragen beim Finanzamt und der Auswertung von Äußerungen der Schloß-Befürworter in der Presse. Entstanden ist eine Mischung aus Zahlen, Zitaten, Indizien, bürokratischen Ungereimtheiten und Verdachtsmomenten, die ihrerseits ähnlich viele Fragen offenlassen wie sie stellen. Schwerwiegende Rechtsverstöße jedenfalls sind nicht darunter, und auch die Finanzbehörden hatten bislang offenbar nichts auszusetzen am Vereinsgebaren. So heißt es im Dossier selbst: „Fakt: Es ist bis auf wenige Details keine Beanstandung der Tätigkeiten des Vereins von Amts wegen feststellbar.†Philipp Oswalt räumt im Gespräch ein, es gehe nicht um „illegale†Vorgänge, sondern um Unsauberkeiten und eine notorische Neigung der Schloßherren zur „Hochstapeleiâ€.
    [...]
    Die Verwaltungskosten des Vereins, so Boddien, lägen unter zwanzig Prozent der jährlichen Einnahmen. „Sparsamer geht es nicht.†Sein eigenes Geschäftsführergehalt mache etwa drei Viertel dessen aus, was der Geschäftsführer der Dresdner Aktivitäten zum Wiederaufbau der Frauenkirche verdient habe, er sei „aus dem Alter heraus, in dem man sich noch bereichern†wolle. Nichts sei an den Behauptungen der Palastleute dran außer Böswilligkeit, ohne Schwierigkeiten und lückenlos könne er alle Vorwürfe widerlegen.
    [...]

    Quelle: http://www.faz.net/s/RubEBED639C4…t~Ak~E4961.html

    @ Jai-C:

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    In Deutschland wurden Juden tatsächlich bereits über Jahrhunderte hinweg Opfer von rassistischer Ideologie.

    Das ist so formuliert nicht ganz richtig. Früher war die Diskriminierung von Juden nicht "rassisch", sondern religiös motiviert. Einige Historiker sprechen daher im Hinblick auf das Mittelalter auch nicht von Antisemitismus (weil dieser Begriff die Vorstellung einer "semitischen Rasse" voraussetzt), sondern von Antijudaismus. Aber gut, das sind Feinheiten, und für jemanden, der einer Diskriminierung ausgesetzt ist, letztlich auch egal...

    Viele der alten Synagogen waren sehr schön. Ich würde mich persönlich freuen, wenn in die eine oder andere in Deutschland wieder aufgebaut würde. Letztlich liegt aber die Entscheidung natürlich immer bei den Betroffenen selbst, und ich kann es schon verstehen, dass man architektonisch einen Neuanfang sucht. Ich verstehe allerdings auch Münchners Einwand, denn tatsächlich drückt diese Architektur so etwas aus wie "sich einbunkern, sich abschotten", und das ist nicht gerade ein positives Signal. Aber gut, ich respektiere die Entscheidung...

    Interessanterweise hat sich die FAZ auch diese Arbeit gemacht, und zwar hier:

    http://www.faz.net/s/RubFAE83B7DDEFD4F2882ED5B3C15AC43E2/Doc~EF7237758031D40B2AB8ADCC92F2E8C51~ATpl~Ecommon~Sdetail_image~Aimg~E1.html?back=/s/RubFAE83B7DDEFD4F2882ED5B3C15AC43E2/Doc~EF7237758031D40B2AB8ADCC92F2E8C51~ATpl~Ecommon~Sspezial§Phtml

    Auch auf dieser Darstellung sieht es so aus, als sei das Rote Haus ein ganzes Stück weit von der Schirn entfernt. Mir völlig unverständlich, wieso Bartetzko behauptet hat, man müsse für die Errichtung des Roten Hauses die Schirn abreißen...

    Bei der Frankfurter CDU scheint die "Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen"-Taktik Anwendung zu finden...

    Anfangs hieß es aus den Reihen der CDU, man könne gar kein Gebäude rekonstruieren. Bald sprach man von zwei Rekos, die denkbar wären (Waage und Rotes Haus), dann kam ein drittes hinzu (Rebstock), und jetzt spricht die OB bereits von vier Häusern.

    Warten wir mal ab, wie viele es in zwei Wochen sind... :D