Bericht Altstadtforum Teil 2
Bevor ich zur zweiten Diskussionsrunde komme, noch ein Nachtrag zu den Positionen der drei Herren aus der ersten:
- Melber ist, wie gesagt, in jedem Fall für eine Reko des "Hauses der Tante Melber" und, wie ich ihn verstanden habe, auch für darüber hinausgehende Rekos, wobei nicht klar geworden ist, in welchem Umfang.
- Giersch (den man mit ie schreibt und nicht so, wie ich es oben getan habe) sagte ja, er wolle keine "Zuckerbäcker-Gebäude". Das klingt natürlich so, als ob er gegen Rekonstruktionen sei, aber andererseits sagte er ja später, man könne durchaus einzelne, bedeutende Gebäude wiederaufbauen (ein wenig widersprüchlich...).
- Albrecht sagte, die Alstadt "sei vorbei", aber man solle die Historie in neuen Gebäuden wiederaufnehmen (darauf spielt wohl sein Masterplan an), Frankfurt habe immer nach vorne geschaut. Der Krönungsweg müsse allerdings wiederhergestellt werden.
Dann kam die nächste Runde: Wolf Holtz von der JU, Dominik Mangelmann, Holger Bergau (Projektenwickler Fay) und ein Herr Gregor Gutscher von Büro Engel (Engel selbst war verhindert).
Bergau nahm Stellung zu dem Rocco Forte Hotel: Man habe damals den Hotelbetreibern die drei Siegerentwürfe gezeigt, und ausnahmslos alle hätten sich für den historisierenden Entwurf entschieden. Und tatsächlich habe der Bau des Hotels nicht länger gedauert oder mehr gekostet als der Bau eines entsprechenden modernen Gebäudes. Allerdings, so Bergau, sei das nicht unbedingt übertragbar auf die Altstadt.
Dominik Mangelmann wies hauptsächlich darauf hin, dass die Diskussion bisher zu wenig sachlich geführt worden sei. Es sei ihm bisher kein technisches Problem bekannt, das nicht lösbar sei.
Gutscher machte eigentlich einen recht netten Eindruck und blieb in der Diskussion auch weitestgehend sachlich und fair (anders als sein Chef bei einer früheren Veranstaltung). Lediglich eine Sache war lustig:
Gutscher: "Wir haben den Verlauf des Krönungsweges korrigiert, da eine Umsetzung des alten Stadtgrundrisses 1:1 nicht mehr möglich ist."
Moderator Aha: "Warum ist sie nicht möglich?"
Gutscher: "Weil Geschichte vergangen ist."
Publikum bricht in Gelächter aus...
Gut, Gutscher hatte gemerkt, dass seine kurze Antwort nicht zu überzeugen vermochte und begründete ein wenig detaillierter: Die moderne Bebauung des Areals nach dem Krieg habe Tatsachen geschaffen, das Büro Engel habe sich aber trotzdem so weit wie möglich am alten Grundriss orientiert.
Holtz sagte, er habe den Engel-Entwurf als schockierend empfunden, als er ihn zum ersten Mal sah. Er sei sich sicher, dass eine solche Bebauung in 20-30 Jahren wieder abgerissen würde. Der Herr aus Dessau (gemeint war Prigge, der bei den Römerberggesprächen zu den Rednern gehört hatte) kenne Frankfurt nicht wirklich und liege völlig falsch in seiner Beurteilung der Reko-Befürworter als "reaktionär". Leider gebe es unter den Reko-Gegnern zahlreiche solcher Ideologen. Die Reaktion auf die Unterschriftenaktion sei bislang überall in Frankfurt äußerst positiv gewesen. Holtz meinte, der vollständige Mangelmann-Entwurf müsse ja nicht unbedingt so umgesetzt werden, aber Solitäre seien ihm zu wenig.
Dann begann die Diskussion mit dem Publikum. Hübner meldete sich zu Wort und äußerte sich ebenfalls zu Prigge, der ruhig in Dessau bleiben könne. Zu Prigges Äußerung, man könne die Ostzeile mittlerweile ja wieder abreißen, meinte Hübner: "Der Römerberg muss uns Frankfurtern gefallen und nicht ideologisierten Stadtplanern."
Eine Architektin meldete sich dann noch zu Wort, die sich sehr skeptisch zu den Realisierungsmöglichkeiten der Rekonstruktion äußerte. Dominik Mangelmann konnte aber all ihren Einwänden mit Zahlen begegnen, und die beiden unterhielten sich noch lange nach der Veranstaltung sehr freundlich miteinander... (na bitte, es geht doch). Ich glaube, sie war am Ende der ganzen Sache gegenüber aufgeschlossener, auch wenn sie wohl originalgetreue Rekos nur für die wichtigsten Gebäude gelten lassen wollte und bei anderen kritische Rekos / Zitate favorisierte.