Beiträge von Restitutor

    Zitat von Schmittchen

    Klasse! Ich kenne Seligenstadt bisher nur vom Durchfahren zur Mainfähre, aber das nächste Mal nehme ich mir bestimmt etwas Zeit für einen Rundgang durch die Altstadt. Danke für die virtuelle Einstimmung.


    Schau dann am besten mal im Cafe "Anam Cara" vorbei. Es befindet sich im Gewölbekeller des Fachwerkhauses, das auf dem letzten Bild des ersten Beitrages groß zu sehen ist (Steinheimer Straße, mit dem Torturm im Hintergrund). Sehr atmosphärisch!


    Zitat von Harald

    Sehr hübsch!
    Erinnert mich teilweise stark an Biberach (Fachwerk und so.)


    Was ist denn das auf dem ersten Bild für eine hübsche Anlage? Kloster? Schloss?


    Ja, das ist ein Kloster. Es befindet sich heute im Besitz des Landes Hessen. In der Nachkriegszeit wäre es beinahe zugunsten eines Parkhauses geopfert worden.
    Hier die gleiche Ansicht im Winter:



    Im Hintergrund ist die ehemalige Abteikirche, die Einhardbasilika, zu sehen (Baubeginn vermutet zwischen 825 und 828, als Baumaterial dienten die Abbruchsteine eines verlassenen Römerkastells). Dort liegt Einhard begraben, der Ratgeber und Biograph Karls des Großen, später auch Ratgeber seines Sohnes Ludwigs des Frommen (seine Vita Caroli Magni gibt es als Reclam-Heftchen). Die Vordertürme (bzw. das gesamte Westwerk) der Kirche, die man hier sieht...



    ... sind übrigens nicht mehr wirklich alt, sondern stammen aus dem 19. Jahrhundert, sind also neuromanisch. Sie wurden errichtet, nachdem die Original-Türme (vermutlich um 1050 gebaut) wegen Baufälligkeit abgetragen werden mussten.

    Zitat von Das Tier

    Wow, kann mich nur anschließen sehr schönes Städtchen, auch ich würde gerne noch mehr Fotos sehen.


    Täuscht es und Du hast uns nur die schönen Ecken präsentiert oder ist Seligenstadt wirklich frei von Bausünden?


    Nun ja... ich gebe schon zu, dass ich Seligenstadts Vorzeigemotive präsentiert habe: Den Klostergarten, den Freihofplatz, den Marktplatz, die Steinheimer Straße - und das alles noch bei strahlendem Wetter.


    Ich würde allerdings durchaus sagen, dass der Altstadtbereich weitgehend frei ist von Bausünden. Es mag in der Altstadt hier und da mal ein Gebäude jüngeren Datums geben, dass mehr oder weniger gelungen ist - aber es gibt zumindest keine Klötze. Über den ästhetischen Wert eines Glasanbaus an einem Fachwerkhaus kann man sicherlich streiten. Und auch wenn das klassizistische Rathaus für manche Besucher nicht so recht mit den Fachwerkhäusern am Marktplatz harmonieren will, würde man es dennoch nicht als Bausünde bezeichnen. Andere Dinge sind dann eher Feinheiten (z. B. die unpassenden Straßenlaternen in der Aschaffenburger Straße).


    Außerhalb der Altstadt ist Seligenstadt eigentlich eine eher normale Kleinstadt mit einigen schönen und hässlichen Ecken. Hier würde ich die Beton-Bunkerkirche St. Marien und das Gymnasium als Bausünden bezeichnen.


    Hier nun ein paar weitere Fotos aus der Altstadt:







    Restitutors Heimat: Seligenstadt

    Da so viele hier ihre Heimatstädte vorstellen, will ich nicht länger abseits stehen...


    Genau genommen wohne ich nicht in Seligenstadt, sondern in einem Dorf nebendran, aber das sind Feinheiten... ich bin in Seligenstadt zur Schule gegangen, ich gehe dort einkaufen, mein Vater wohnt dort... also irgendwie doch meine Heimatstadt.


    Hier mal ein paar Bilder, wenn mehr gewünscht wird, gibt es auch mehr:







    Am 23. März um 11 Uhr im kleinen Saal des Cinema-Kinos an der Hauptwache die Medienpräsentation des virtuellen Altstadt-Modells von Herrn Jörg Ott stattfinden.


    Die Bürgerinitiave möchte durch die Präsentation des Modells der Öffentlichkeit zeigen, wie die Bebauung des TR-Areals aussehen könnte.


    Vielen Dank, dass du es gesagt hast (und zwar mit meinen Worten ;) ), ich hätte es aber sonst auch noch gepostet.


    Also: ein nicht unwichtiger Termin, wer es ermöglichen kann, sollte kommen (ich selbst werde es leider wohl nicht können).

    Nun, Frankfurt hatte, so liest man immer wieder, in jedem Fall flächenmäßig die größte Altstadt in Deutschland.


    Ich glaube mich zu erinnern, dass Manfred Gerner in "Fachwerk in Frankfurt am Main" von ca. 1200 Fachwerkhäusern schreibt.

    Architektonisch sprach man zu jener Zeit vom Rothenburg Norddeutschlands . . .


    Ich kenne eher den Ausspruch "Nürnberg des Nordens", der zunächst für Braunschweig verwendet wurde, sich später aber dann auf Hildesheim bezog.

    @ mik:


    Ich stimme übrigends rec zu, was die Probleme vieler Deutscher mit ihrer Vergangenheit betrifft. Dennoch ist es eine Tatsache dass die Nazis die Altstadt für die Propagierung ihrer Ideologie benutzt (missbraucht) haben. Ich sehe das nicht als Grund für die Ablehnung einer Reko, jedoch gehört auch das zur Geschichte und sollte auch bekannt sein.


    Ja, das ist schon richtig.


    Allerdings sollte genauso bekannt sein, dass der moderne Nachkriegswiederaufbau von Städten wie Hannover oder Düsseldorf von NS-Planungen geprägt war.


    @ Rohne:


    Nicht schlecht, dein Masterplan...


    PS: Link zur Website der Bürgerinitiative http://www.pro-altstadt-frankfurt.de/

    Bericht Altstadtforum Teil 2


    Bevor ich zur zweiten Diskussionsrunde komme, noch ein Nachtrag zu den Positionen der drei Herren aus der ersten:


    - Melber ist, wie gesagt, in jedem Fall für eine Reko des "Hauses der Tante Melber" und, wie ich ihn verstanden habe, auch für darüber hinausgehende Rekos, wobei nicht klar geworden ist, in welchem Umfang.
    - Giersch (den man mit ie schreibt und nicht so, wie ich es oben getan habe) sagte ja, er wolle keine "Zuckerbäcker-Gebäude". Das klingt natürlich so, als ob er gegen Rekonstruktionen sei, aber andererseits sagte er ja später, man könne durchaus einzelne, bedeutende Gebäude wiederaufbauen (ein wenig widersprüchlich...).
    - Albrecht sagte, die Alstadt "sei vorbei", aber man solle die Historie in neuen Gebäuden wiederaufnehmen (darauf spielt wohl sein Masterplan an), Frankfurt habe immer nach vorne geschaut. Der Krönungsweg müsse allerdings wiederhergestellt werden.


    Dann kam die nächste Runde: Wolf Holtz von der JU, Dominik Mangelmann, Holger Bergau (Projektenwickler Fay) und ein Herr Gregor Gutscher von Büro Engel (Engel selbst war verhindert).


    Bergau nahm Stellung zu dem Rocco Forte Hotel: Man habe damals den Hotelbetreibern die drei Siegerentwürfe gezeigt, und ausnahmslos alle hätten sich für den historisierenden Entwurf entschieden. Und tatsächlich habe der Bau des Hotels nicht länger gedauert oder mehr gekostet als der Bau eines entsprechenden modernen Gebäudes. Allerdings, so Bergau, sei das nicht unbedingt übertragbar auf die Altstadt.


    Dominik Mangelmann wies hauptsächlich darauf hin, dass die Diskussion bisher zu wenig sachlich geführt worden sei. Es sei ihm bisher kein technisches Problem bekannt, das nicht lösbar sei.


    Gutscher machte eigentlich einen recht netten Eindruck und blieb in der Diskussion auch weitestgehend sachlich und fair (anders als sein Chef bei einer früheren Veranstaltung). Lediglich eine Sache war lustig:
    Gutscher: "Wir haben den Verlauf des Krönungsweges korrigiert, da eine Umsetzung des alten Stadtgrundrisses 1:1 nicht mehr möglich ist."
    Moderator Aha: "Warum ist sie nicht möglich?"
    Gutscher: "Weil Geschichte vergangen ist."
    Publikum bricht in Gelächter aus...
    Gut, Gutscher hatte gemerkt, dass seine kurze Antwort nicht zu überzeugen vermochte und begründete ein wenig detaillierter: Die moderne Bebauung des Areals nach dem Krieg habe Tatsachen geschaffen, das Büro Engel habe sich aber trotzdem so weit wie möglich am alten Grundriss orientiert.


    Holtz sagte, er habe den Engel-Entwurf als schockierend empfunden, als er ihn zum ersten Mal sah. Er sei sich sicher, dass eine solche Bebauung in 20-30 Jahren wieder abgerissen würde. Der Herr aus Dessau (gemeint war Prigge, der bei den Römerberggesprächen zu den Rednern gehört hatte) kenne Frankfurt nicht wirklich und liege völlig falsch in seiner Beurteilung der Reko-Befürworter als "reaktionär". Leider gebe es unter den Reko-Gegnern zahlreiche solcher Ideologen. Die Reaktion auf die Unterschriftenaktion sei bislang überall in Frankfurt äußerst positiv gewesen. Holtz meinte, der vollständige Mangelmann-Entwurf müsse ja nicht unbedingt so umgesetzt werden, aber Solitäre seien ihm zu wenig.


    Dann begann die Diskussion mit dem Publikum. Hübner meldete sich zu Wort und äußerte sich ebenfalls zu Prigge, der ruhig in Dessau bleiben könne. Zu Prigges Äußerung, man könne die Ostzeile mittlerweile ja wieder abreißen, meinte Hübner: "Der Römerberg muss uns Frankfurtern gefallen und nicht ideologisierten Stadtplanern."
    Eine Architektin meldete sich dann noch zu Wort, die sich sehr skeptisch zu den Realisierungsmöglichkeiten der Rekonstruktion äußerte. Dominik Mangelmann konnte aber all ihren Einwänden mit Zahlen begegnen, und die beiden unterhielten sich noch lange nach der Veranstaltung sehr freundlich miteinander... (na bitte, es geht doch). Ich glaube, sie war am Ende der ganzen Sache gegenüber aufgeschlossener, auch wenn sie wohl originalgetreue Rekos nur für die wichtigsten Gebäude gelten lassen wollte und bei anderen kritische Rekos / Zitate favorisierte.

    Gut, da kann ich so einigem zustimmen...


    Denkmalsschutz soll ja auch "Denkmäler" unabhängig von ihrer Ästhetik und Akzeptanz in der Bevölkerung erhalten


    Allerdings in gewissen Grenzen... da muss ein bestimmtes Gebäude meiner Meinung nach schon eine sehr große geschichtliche Bedeutung aufweisen, um seinen Erhalt trotz allgemeiner Ablehnung zu rechtfertigen. Es wäre interessant, Beispiele aufzulisten, wo diese Situation gegeben ist...


    Ich möchte allerdings hinzufügen, dass Georg Dehio, der Vater der modernen Denkmalplfege, mal geschrieben hat, dass Denkmalschutz NUR möglich ist, wenn er durch das Volk ausgeübt wird (was die Akzeptanz durch die Bevölkerung eigentlich zu einer Voraussetzung macht).;)


    Aber ich sage ja auch nicht, dass alles 100%ig rekonstruiert werden muss. 4 Häuser (momentaner Stand der CDU) sind mir allerdings zu wenig. Etwas mehr sollte es schon sein, und dann könnten die Architekten mal zeigen, was sie können, wenn es darum geht, die übrige Bebauung in passender Weise zu planen...

    Ich habe eben anderes über das Areal am Hühnermarkt gehört (Ich glaube, das ist das Areal um das es geht???).


    Nun, das betroffene Areal ist natürlich größer als der Hühnermarkt...


    Ich kann ja nochmal bei Kardinal nachfragen nach der niedrigesten Deckenhöhe auf dem Areal.


    Melber sagte bei der Veranstaltung, dass die Altstadt natürlich kleine, verwinkelte und heruntergekommene Gebäude gehabt hätte - aber eben nicht in dem Bereich, der jetzt zur Disposition steht.


    aber gerade was die Sanierung bzw. Hygiene betraf gab es eben große Mängel.


    Gut, das müsste ich jetzt auch überprüfen. Aber letztlich ist es ja auch irrelevant, ob die Altstadt DAMALS unhygienisch war (viele der erhaltenen, nicht-rekonstruierten Altstädte waren früher auch unhygienisch und sind es heute nicht mehr).


    dass ich die Altstadt nicht als Naziangelegenheit sehe


    Sehr gut! Denn dieses Bild versuchen leider einige Gegner der Rekonstruktion ständig unter die Leute zu bringen. Dabei ist gerade der moderne Nachkriegswiederaufbau vieler Städte eine "Naziangelegenheit" gewesen...


    Über den Einfluss der Altstadtfreunde vor den Nazis bin ich jetzt nicht informiert


    Hier ein Auszug aus "Fachwerk in Frankfurt am Main" von Manfred Gerner:


    "Zu dieser Zeit hatte bereits eine Neubesinnung begonnen, man hatte den Wert der Frankfurter Altstadt als großes geschlossenes Fachwerkensemble - gewachsen zwischen 1450 und 1700 - erkannt und in der Konsequenz daraus mit Freilegungen und Sanierungen begonnen. Insbesondere durch die Aktivitäten des Bundes tätiger Altstadtfreunde wurden in den zwei Jahrzehnten von 1920 bis 1940 von den 1200 Altstadthäusern 600 außen renoviert."


    Altstadtgemütlichkeit ist eben in vielerlei Hinsicht geschichtsverklärend und eine moderne Erfindung.


    Nun, sie ist schlicht und einfach eine geschichtliche Entwicklung in der Existenz der Altstädte.


    finde ich, dass die Forderungen nach einem Masterplan für die Ganze Altstadt durchaus anzeichen für eine geschichtsverklärende Sichtweise sind, denn das wäre wirklich ein Umschrieben der Geschichte.


    Das müsstest du erklären...


    Es gehören sogar symbolisch einige der 50er Jahre Bauten um den Römer unter Denkmalschutz gestellt, da sie Zeugen des vorsichtigen, viel diskutierten Umgangs mit der Geschichte in frühsten Nachkriegszeit sind (Neue Häuser auf alten Sockeln).


    Und verkohlte Holzbalken sind Zeugen eines Stadtbrandes... trotzdem lässt man sie nicht bis in alle Ewigkeit liegen.


    Soagr das technische Rathaus besitzt geschichtlichen Wert, was nach langem Hin- ubd Her, mehr oder weniger als Kind der Naziaufarbeitung der 60er zu sehen ist.


    Einen geschichtlichen Wert hat so gesehen letztlich alles, was entsteht. Auch der städtebauliche Fehler hat einen geschichtlichen Wert, denn er zeugt von den Fehleinschätzungen einer bestimmten Epoche. Dennoch wäre es völlig widersinnig, einen städtebaulichen Fehler aus diesem Grund konservieren zu wollen.
    Zur Geschichte des TR gehört eben auch, dass es niemals von den Frankfurtern akzeptiert wurde. Sein Abriss ist die logische Konsequenz. "Geschichtsverfälschend" (falls man den Ausdruck verwenden will, was für mich nicht zutrifft) wäre daher der Erhalt des Gebäudes mit aller Gewalt und gegen den Mehrheitswillen der Bevölkerung.

    @ mik:


    Nun, gerade was den Punkt " Klein, verwinkelt und unhygienisch..." angeht hat Herr Melber aber unrecht.


    Hat er nicht, denn ich habe ja geschrieben: "Das TR-Areal ist nicht irgendein beliebiges Gebiet der Altstadt, sondern ihr Herz gewesen. Klein, verwinkelt und unhygienisch traf auf diesen Bereich nicht zu."


    Die Betonung liegt "auf diesen Bereich". Gemeint ist der Bereich zwischen Dom und Römerberg, genauer: das TR-Areal. Und hier gab es wirklich keine verwinkelten und kleinen Häuser, das hat auch schon Dominik Mangelmann bestätigt.
    Herr Melber kennt diesen Teil der Altstadt ja noch aus eigener Anschauung... da sollte man seinem Urteil eigentlich vertrauen können.


    Die Nazis erklärten Frankfurt dann zur "Stadt des Handwerks" und wollten dementsprechend die Fachwerkstadt erhalten. Man begann den vormaligen "Slum" (Naja, so bezeichnen das zumindest die Architekten an der TU Darmstadt) zur Touri-Stadt umzubauen. Es wurde in diesem Zuge die Bebauung aufgelockert und saniert.


    Hinzuzufügen wäre, dass die Altstadtfreunde um Fried Lübbecke schon vor den Nazis den Wert der Altstadt erkannt und zahlreiche Sanierungsmaßnahmen durchgeführt hatten.


    Ich bin kein Rekogegner und kenn den Begriff Gemütlichkeit, aber gerade was ich in letzter Zeit über die historischen Hintergründe gehört habe veranlaßt mich doch zum Nachdenken. Es geht ja nicht darum die Anltstadt als Nazi-Disney zu entwerten, aber bei allem heutigen Gemütlichkeitssehnen sollten die Reko-befürworter aufpassen nicht den Gegnern in die Hände zu spielen, indem sie in ihren Reden dann tatsächlich eine verklärende Sicht auf die "alte" Altstadt propagieren.


    Ehrlich gesagt, sehe ich keinerlei Anzeichen für eine solche Entwicklung. Wenn du es anders siehst, dann nenne mir bitte Beispiele dafür...

    Bericht Altstadtforum Teil 1


    Der Saal war wirklich voll, es mussten zusätzliche Stühle herbeigeschafft werden. Man muss den Veranstaltern mal ein Kompliment machen: Sie haben etwas geschafft, was in den bisherigen Veranstaltungen wohl noch nicht einmal angestrebt wurde, nämlich endlich, endlich einmal unterschiedliche Meinungen zum Thema Rekonstruktion auf dem Podium zusammenzubringen. Das Publikum dürfte mehrheitlich für die Rekonstuktion eingestellt gewesen sein; unabhängig davon empfand ich es als wesentlich angenehmer als die diese pseudo-toleranten Menschen mit ihren Japaner-Witzchen bei den Römerberggesprächen.


    Dass die einleitenden Worte des Moderators den Vorschlag enthielten, die Schirn abzureißen, konntet ihr ja schon in der FNP nachlesen.


    Die Podiumsdiskussion war in zwei Teile gegliedert: Zunächst saßen dort die Herren Frank Albecht (Vorsitzender des Einzelhandelverbandes), Carlo Girsch (Mäzen) und Ernesto Melber (Verwandter von Goethe). Dieser Teil des Abend war zwar keineswegs uninteressant, aber ein bisschen zäh, da besonders Herr Melber sich in Einzelheiten verlor und oft vom hundertsten und tausendste kam.


    Die wichtigsten Punkte von Albrecht:
    - Der Feind der Innenstadt ist die grüne Wiese.
    - In Ffm fehlt Tourismus.
    - Laut einer Umfrage im Umland habe Ffm keine nennenswerten Sehenswürdigkeiten (> Hat Frankfurt ein Image-Problem?)
    - Die Innenstadt bietet keine Lebensqualität.
    - Masterplan für die gesamte Altstadt ist notwendig.


    Und dasselbe von Melber:
    - Haus der Tante Melber soll wiederaufgebaut werden als Goethe-Erinnerungsstätte erster Kategorie (hätte das Haus in Weimar gestanden, hätte man es schon längst wiederaufgebaut).
    - Das TR-Areal ist nicht irgendein beliebiges Gebiet der Altstadt, sondern ihr Herz gewesen. Klein, verwinkelt und unhygienisch traf auf diesen Bereich nicht zu.
    - beneidet die Polen um den Wiederaufbau in Warschau, Danzig und Breslau


    Und Girsch:
    - Portikus auf der Maininsel wird sicherlich ein neues Frankfurter Wahrzeichen werden (war aber anfangs skeptisch)
    - Dann die Sache mit den Sandsteinfassaden (stand ja in der FNP)

    Aus der WELT:


    http://www.welt.de/data/2006/01/27/837257.html


    "Sie merken, ich bin noch ein bißchen verbittert. Für wie blöd halten die mich eigentlich? Glaubt wirklich jemand, daß ich mich 15 Jahre lang ehrenamtlich für den Wiederaufbau des Schlosses engagiere, um mir die Taschen voll zu machen?"


    Wilhelm von Boddien war gestern abend beim Neujahrsempfang des "Förderverein Berliner Schloß e.V", dessen Geschäftsführer er ist, noch etwas angegriffen. Nicht nur eine ungenießbare Auster war ihm kürzlich auf den Magen geschlagen, sondern auch die schweren Vorwürfe des Architekten Philipp Oswalt. Der Kämpfer für den Erhalt des Palastes der Republik hatte Boddien Mißbrauch von Spendengeldern und eine nicht vorhandene Gemeinnützigkeit des Fördervereins unterstellt (wir berichteten). Vorwürfe, die sich Boddien in der Vergangenheit schon öfter mal anhören mußte, für die aber nie Beweise vorgelegt wurden. Oswalt hat auch keine Anzeige erstattet. "Es handelt sich um eine miese Intrige. Es macht mich traurig, daß es in Berlin immer wieder Menschen gibt, die versuchen, unser Engagement für die Stadt zu beschädigen. Wir haben alles offen gelegt, für jeden einsichtig und Herrn Oswalt aufgefordert, an einer öffentlichen Podiumsdiskussion mit unseren Finanz-Experten teilzunehmen. Er hat abgesagt. Gekniffen", sagte Boddien dieser Zeitung.

    Bis mein Bericht über das Altstadtforum folgt, könnt ihr ja schon mal was bei der Frankfurter Neue Presse nachlesen:


    http://www.rhein-main.net/sixc…2_news_article&id=2739281


    «Schirn ebenfalls abreißen»
    Frankfurt. Die Diskussion um die künftige Bebauung des Altstadt-Areals zwischen Dom und Römerberg ist um eine provozierende Forderung erweitert worden. Beim «Altstadtforum» im Karmeliterkloster schlug Moderator Jürgen Aha am Dienstagabend vor, nicht nur das Technische Rathaus, sondern in 20 Jahren auch die Schirn abzureißen. «Sie entspricht nicht mehr den Anforderungen an eine moderne Ausstellungshalle und müsste dann ohnehin saniert werden», sagte er. «Es darf keine Denkverbote geben.» Seiner Ansicht nach könnte nach einem Abriss der Schirn ein geschlossenes Altstadtquartier entstehen. Er schlug als ersten Schritt vor, das Schirn-Café zu Gunsten einer historisierenden Bebauung entlang des Krönungsweges zu opfern. Ahas Werbeagentur Equipe hatte die Veranstaltung zusammen mit den Freunden Frankfurts und dem Einzelhandelsverband organisiert.

    Bericht Römerberggespräche Teil 3


    Bevor ich dazu komme, etwas zum Altstadtforum am Dienstag zu sagen, möchte ich erst noch den Bericht über die Römerberggespräche am Samstag vervollständigen.


    In den beiden bisherigen Teilen habe ich euch von den Beiträgen am Nachmittag berichtet. Vom Vormittag habe ich nicht so viel mitbekommen, da ich etwa gegen 11.40 angekommen bin. Damit habe ich gerade noch einen Teil des Vortrages "Urbanes Theater" von Frau Klein mitbekommen, der stark von Angllizismen wie performance, event, environment, etc. geprägt war (die man dann wenigstens richtig aussprechen können sollte).


    Interessanter war dann die Diskussion zwischen den drei Damen auf dem Podium (Christina Weiß, Martina Löw, Gabriele Klein) untereinander und mit dem Publikim. Es ging hierbei teilweise um das Berliner Stadtschloss.


    Weiß war der Ansicht, dass ein positives Verhältnis zur eigenen Nation wichtig sei, aber dass es das Stadtschloss nicht vermöge, so etwas zu schaffen. Trotzdem wolle sie das Schloss nicht generell als schlecht bewerten, ein Identifikationsobjekt vom Range der Dresdner Frauenkirche sei es aber nicht. Der Palast der Republik wiederum sei definitiv kein positives Symbol der DDR. Die Zwischennutzung des Palastes habe die Kluft zwischen den Gegnern leider zusätzlich vergrößert.
    Der Moderator warf an dieser Stelle ein, dass er glaube, ein entscheidender Vorteil der Schlossbefürworter sei es gewesen, dass sie ein "Bild zum Hochhalten" vorweisen hätten können, während die Palastbefürworter keine wirkliche Alternative für die Zukunft in ihrem Sinne visuell vermitteln konnten.


    Damit war man wieder beim Thema Bilder, das in den Vorträgen zuvor wohl eine gewisse Rolel gespielt hatte. Löw wies daraufhin, dass Stadtplaner prinzipiell "von oben" denken (man solle mal auf die typischen Powerpoint-Präsentationen achten, die hierbei Verwendung finden), was dann aber letztlich nicht die Perspektive der Menschen in der Stadt sei. Interessant auch, was Löw über eine kürzlich durchgefühte Erhebung sagte: Eine positive Bewertung der Frankfurter Skyline finde man eher bei Jüngeren als bei Älteren, eher bei Reichen als bei Armen, eher bei Männern als bei Frauen. Eine entsprechende Untersuchung wurde noch nicht im Hinblick auf die "Architektur der Gemütlichkeit" durchgeführt, aber Löw vermutet, dass das Ergebnis differenzierter sein wird als im Falle der Skyline (es wird vermutlich keine Älter-Jünger-Sache sein).


    Weiß erzählte noch irgendwas davon, dass es nach dem Abriss des Palastes ein Zelt auf der "Wiese" geben werden, in dem die Visionen für das Humboldtforum präsentiert würden.


    Von der Diskussion mit dem Publikum ist mir ein Beitrag von unserem alten Bekannten Dreysse in Erinnerung geblieben, der ein Zitat von Mies van der Rohe zum Besten gab. Ich kriege es nicht mehr ganz zusammen, aber sinngemäß war es was in der Richtung "Architektur braucht nicht gemütlich sein, gemütlich bin ich selber". Nicht schlecht fand ich die Entgegnung des Moderators: "Das ist natürlich mal wieder ein ganz typischer Architekten-Satz."
    Dreysse machte noch den Vorschlag, an der Stelle des abgerissenen Palastes der Republik soll ein Ensemble errichtet werden von sechzehn Häusern, wobei jedes Haus ein deutsches Bundesland repräsentiert. So könnte Deutschland in seiner Haupstadt symbolisch sichtbar werden.
    (Generell gar kein schlechter Gedanke... aber falls Brandenburg und Berlin eines Tages doch fusionieren, muss man dann wieder ein Haus abreißen?)