Beiträge von Japher

    Konstantin, Tel33, Echter Berliner: Ich habe in meinem letzten Beitrag versucht, meine Meinung neutral darzustellen, ohne irgendwen persönlich anzugreifen. Was soll also dieser angriffslustige Ton, der auf meine Argumente nicht oder kaum eingeht?

    Solche eine Agressvität vertraten die Stadtplaner der NAchkriegszeit auch: "Bloß weg mit all diesem Müll, der vor 50 Jahre gebaut wurde!" Und diese Tabula-Rasa-Strategie zeigt sicht nun auch wieder.
    Ich halte ebenfalls nicht viel von der Ideologie des "autogerechten" Städtebaus und der Ablehnung der historischen Stadt. Doch die Flächen um den Fernsehturm besitzen auch Qualitäten! Und der FAkt, dass dieser Platz tagsüber immer belebt ist, lässt sich nun doch wirklich nicht bestreiten.

    Was der heutige Städtebau hervorbringt, sehen wir ja direkt um die Ecke. Alexa und Hines-Gebäude lassen grüßen. Und welchen Mehrwert kopfsteingepflasterte, mit Touristenbussen verstopfte Gassen vor historisierenden Attrappen nun für die Berliner bringen soll, ist mir auch ein Rätsel.

    Ich verstehe diese endlosen hitzigen Diskussionen um das "Rathausforum/Marienviertel" nicht. Die Berliner "Altstadt" ist zerstört und unwiderbringlich verloren. Damit sollte man sich abfinden, denn diese "Altstadt" hat vor 1945 nie die Rolle im Stadtbild gespielt, die ihr manche nun zuschreiben. Weder war es eine städtebauliche Meisterleistung (wie z.B. der Prinzipalmarkt in Münster) noch ein Identifikationspunkt der Berliner (wie z.B. der Neumarkt für die Dresdner). Wer heimelige Kleinstadtathmosphäre sucht, ist in Berlin falsch oder sollte sich eine Wohnung im Nikolaiviertel suchen.
    Was zwischen Alex und Schlossplatz nun steht, ist ein stimmiges Ensemble aus Fernsehturm, Rathaus-Passagen und dem Wohnriegel entlang der Karl-Liebknecht-Straße. Und inzwischen auch historisch!
    Der Platz in der Mitte mit Wasseraskaden und Neptunbrunnen ist immer belebt. Wer behauptet, das er unbeliebt ist, muss sich nur mal tagsüber von dem Trubel dort ein Bild machen. Wenn ich Besucher durch die Stadt führe, sind sie von der Weitläufigkeit an dieser Stelle beeindruckt.
    Eine Stadt braucht auch Luft zum Atmen. Erst recht, wenn nebenan demnächst das riesige Humboldt-Forum steht! Außerdem kommen Fernsehturm (und Rotes Rathaus) so erst angemessen zur Geltung.
    Anstatt funktionierende Freiflächen zu zerstören, sollte man sich mal um die wirklichen Problemstellen kümmern, wie am Hauptbahnhof, wo gegenüber dem Regierungsviertel ein Hotelghetto entsteht oder am Ostbahnhof mit seinen Gewerbebauten (Metro/Baumarkt...), die eigentlich an den Stadtrand gehören.

    Abriss einer Villa in Grunewald

    In der Bettinastraße 4 am Dianasee in Grunewald wird offenbar demnächst gebaut: http://www.patrick-hellmann.com/living/#/home
    Allerdings konnte ich keine verlässlichen Details herausfinden. Wird die herrschaftliche Ullstein-Villa von 1903 dort abgerissen zugunsten des auf der Internetseite gezeigten protzigen Komplexes oder handelt es sich "nur" um eine umfanggreiche Umgestaltung des historischen Gebäudes mit baulicher Verdichtung des Grundstücks?

    @Ostkreuzblog: Aber was soll denn nun am Times Square erstrebenswert sein? Die Gegenüberstellung zeigt doch ganz gut, dass beide Plätze ziemlich ähnlich sind: An beiden Orten regiert allein der Konsumrausch, es ist laut, ungemütlich und geht proletenhaft zu. Wenn es einen Rummelplatz gibt, ist es der Times Square doch schlechthin! Und auch die Architektur (soweit überhaupt noch erkennbar) ist, abgesehen von der Höhe vielleicht, am New Yorker Platz selbst auch nicht gerade spektakulär.

    Cantian-Eck

    Besonders erfreulich ist an dem Projekt "Cantian-Eck", dass es in verkehrsreicher Lage entsteht. Damit zeigt sich, dass hochwertiger Wohnungsbau auch an großen Straßen (+ Hochbahn!) möglich ist. Ähnliches wäre sicherlich auch an der Yorckstraße in Schöneberg denkbar gewesen, wo nun ein Baumarkt das Stadtbild verschandeln und wertvollen Baugrund besetzen wird :nono:

    Bahnhof Julius-Leber-Brücke

    Ich sehe das Problem eher darin, dass die Bahn den Vandalismus aufgrund der Sparflamme auch zum Teil selbst verschuldet. Die kalte, fast schon brutalistische Betonburg S-Bahnhof Julius-Leber-Brücke lädt ja geradezu dazu ein, sich mit Graffiti usw. auszutoben...

    Sanierung S-Bahnhof Schöneweide

    Was die bevorstehende Sanierung des S-Bahnhofs Schöneweide wohl für die Gestaltung der Bahnsteige bedeutet? Meines Wissens stehen hier noch historische Überdachungen, die von gusseisernen Säulen getragen werden. Steht hier mal wieder tabula rasa bevor? Weiß jemand mehr über den Umgang mit dem historischen Erbe?

    Kreuzberg Ecke Methfesselstraße

    Dieser Neubau an der Kreuzberg- Ecke Methfesselstraße ist einfach nur erbärmlich - und in der von gründerzeitlichen Stuckfassaden geprägten Nachbarschaft sticht die Scheußlichkeit umso stärker ins Auge :nono:
    Ich erwarte keine orpulente Ornamentik, meinetwegen kann die Gestaltung auch in solch einer Umgebung eher schlicht ausfallen. Doch was mich einfach nur sprachlos macht, ist dieser völlig lieblose und billige Gesamtentwurf an solch einer städtebaulich prominenten Ecke. So hätte es doch ohne große Kostensteigerung möglich sein müssen, den Erker so anzuordnen, dass er genau in der Mitte liegt und nicht dieser zu den rechts liegenden Fenstern weiße Streifen entsteht. Und warum ist die linkeste Fensterachse derart abgerückt? Und was hat man sich bei der Erdgeschossgestaltung gedacht? :Nieder::Nieder::Nieder:

    Ich meine mich zu erinnern, dass eigentlich bei Neubauten Unter den Linden eine Dachschräge vorgeschrieben ist, die ja auch ältere Entwürfe für die Botschaft noch aufwiesen. Sind Botschaften von solchen Gestalungsvorschriften ausgenommen? Ich finde den geplanten Bau völlig banal und unambitioniert. Er entspricht nicht nur nicht dem architektonischen Niveau, das ein Botschaftsgebäude aufweisen sollte, sondern wird seinem prominenten Standort UNTER DEN LINDEN nicht gerecht. In irgendeiner Seitenstraße kann man meinetwegen ja so etwas hinstellen, aber hier in 1a-Lage??? :nono:

    Rotes Rathaus: Mit den Lobpreisungen wäre ich vorsichtig. Senat und allen voran Staatssekretär Gaebler (SPD) streuen Fehlinformationen, die vom Tagesspiegel unkritisch weitergegeben werden:

    1. Nach dem jetzigen Stand werden die alten gusseisernen Masten, größtenteils aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, verschrottet und durch Nachbauten ersetzt. Da wird die ganze Zeit von Nachhaltigkeit und CO2-Einsparung gefaselt, aber einwandfreies qualitätsvolles Straßenmobiliar einfach mal so abzureißen, wird in diesem Zusammenhang nicht weiter in Frage gestellt.
    2. Sind die LED-Lampen bisher noch überhaupt nicht massentauglich, da schlichtweg nicht finanzierbar. Das führt dazu, dass zum Teil blendweiße Leuchtstoffröhren zum Zug kommen (wie u.a. in der Warnemünder oder Rheinbarbenallee in Grunewald/Schmargendorf zu besichtigen), deren Technik veraltet ist, zum anderen nur wirklich prominente Plätze und Straße mit LED und Nachbauten ausgestattet werden - niemals jedoch die 43.000 Exemplare, die es derzeit noch gibt.
    3. Es wurde zu keinem Zeitpunkt irgendeine der zahlreichen Bürgerinitiativen gegen den Abbau miteinbezogen. Zum Beispiel hat Herr Gaebler sich zu keinem einzigen Treffen bereit erklärt, um sich z.B. darüber zu verständigen, wo die wenigen Gaslaternen, die stehenbleiben sollen, erhalten bleiben. Morgen soll laut Abbauplan beispielsweise der Abriss in der Holtzendorffstraße in Charlottenburg beginnen: ein geschlossenes Gründerzeitgebiet und einmaliges Gaslichtensemble, da hier auf engstem Raum alle wichtigen Haupttypen der Berliner Gaslaternenmodelle beisammen stehen. Um mich kurz zu fassen: Die "Umrüstungspläne" wurden allein von Technokraten erstellt, die wenig Rücksicht auf Stadtbild und Denkmalschutz nehmen.

    Bahnhof Gesundbrunnen

    Bezugnehmen auf den vorletzten Beitrag zum neuenn Bahnhofsgebäude am Bhf. Gesundbrunnen: Der aktuelle Entwurf ist mal wieder eine Bankrotterklärung der Deutschen Bahn, die jeglichen Sinn für Baukultur und Ästhetik offenbar verloren hat. Während bundesweit unzählige wunderschöne denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude vor sich hinrotten, beschränken sich die Neubaumaßnahmen auf Sichtbeton und Glas (s. z.B. S-Bhf. Julius-Leber-Brücke, der mit Abstand hässlichste Bahnhof des gesamten Linie und wenige Jahre nach Fertigstellung bereits z.T. ziemlich versifft). Dabei zeigt gerade die Gestaltung der vor einigen Jahren fertiggestellten Bahnsteige am Bhf. Gesundbrunnen, wie qualitätsvoll man stattdessen bauen könnte. Dazu hätte auch wunderbar der Erstentwurf für das Empfangsgebäude von Hentschel & Oestreich gepasst: http://www.hentschel-oestreich.de/wp-content/uploads/ges_01.jpg
    Ein halbstaatlichen Unternehmen, das glänzende Betriebsergebnisse einfährt, sollte hier viel stärker zur Verantwortung gezogen werden! Schließlich geht es um die Gestaltung öffentlicher Räume an prominenten Plätzen :nono:

    Historische Gaslaternen

    Der Protest gegen den fast flächendeckenden Abbau der über 40.000 historischen Gaslaternen [ http://gaslicht-kultur.de/Gaslaternen.html ]auf Berlins Straßen nimmt weiter zu. Nachdem vergangenen Montag eine Benefizgala mit prominenter Untersützung in der Komödie am Kurfürstendamm stattfand [http://www.tagesspiegel.de/berlin/protest-gegen-gaslaternenabriss-gluehende-leidenschaft/7323588.html], erschien heute eine große Anzeige im Tagesspiegel:

    "An die Bürger Berlins!

    Die Berliner Gas-Straßenbeleuchtung ist ein WELTweit einmaliges KULTURelles ERBE

    Sie verbreitet ein angenehmes und natürliches Licht, das den Berliner Straßen seit über 185 Jahren ihr unverwechselbares Flair verleiht. Der Senat will die Gaslaternen nun zerstören!

    Bitte schicken Sie ihr Votum bis zum 8.11.2012

    per e-Mail mit dem Betreff "Für Erhalt" oder "Für Abriss" an:

    votum@gaslicht-kultur.de

    per Post an Denk mal an Berlin e.V. Kantstraße 106, 10627 Berlin

    oder per Fax an 030/45087719

    Wir leiten Ihre Stimme an das Abgeordnetenhaus weiter.


    Denkmal an Berlin e.V. - http://www.denk-mal-an-berlin.de
    Gaslicht-Kultur e.V. - http://www.gaslicht-kultur.de

    Mit freundlicher Unterstützung der Villa Griesebach"