Beiträge von Japher

    Kliniksgebäude Lützowstraße

    Das neue Kliniksgebäude in der Lützostraße kann enttäuschender nicht sein.
    Besonders bitter ist das Bauergebnis, wenn man den Vorzustand mit diesem historischen Gebäude kennt, das dafür weichen musste:

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    Quelle: Google Street View

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    Bato

    Wie bei vielen Neubaugebieten, die derzeit überall in Deutschland entstehen, ist auch hier das Ergebnis sowohl im Hinblick auf die städtbauliche Gestaltung als auch auf die entstehende Architektur erbärmlich. Angesichts der Bilder möchte man einfach nur losheulen.

    Schon in den 60er Jahre wurde ausgehend von Jane Jacobs Beobachtungen in Amerika aus guten Gründen allerorten "Urbanität durch Dichte" gefordert. Wie man an solchen Gebieten erkennen kann, ist die Suburbanisierung weiter ungebremst auf dem Vormarsch. Dies erstaunt erst recht vor den seit einigen Jahren so scharf geführten Diskussionen um Umwelt- und Klimaschutz. Sie haben wohl nichts gebracht, denn die Zersiedlung der Landschaft geht weiter. Und der Stellplatz für das Auto gehört natürlich zur Standardausstattung... :nono:

    Wie man bei den Bauten an das Bauhaus denken kann, ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel. Den einzigen Zusammenhang erkenne ich in der Bevorzugung des Flachdaches und einer gewissen äußeren Schlichtheit. Doch anders als im "Wohnquartier Allmendäcker" verfügten die Bauhausbauten über eine stimmige, ansprechende Gestaltung bis ins Detail. Anstelle von Stuck wurde ausgefeilt und gekonnt mit anderen Gestaltungselemente gerarbeitet. In Allmendäcker sehr ich nur grobe lieblos angeordnete Farbfelder und Baumarktinventar.

    Ich stimme Schwabenfeil zu: Das mangelnde ästhetische Gefühl der Bewohner gepaart mit einer ausgeprägten Geiz-ist-geil-Mentalität sind die Hauptgründe für solche Bauergebnisse. Gute Qualität und vor allem Dauerhaftigkeit interessieren die wenigsten. Der einzige Trost: Die meisten von uns werden den Abriss der Bauten noch erleben, da die Lebensdauer recht kurz sein dürfte.

    Riedberg

    Azichan, ich muss deiner Anspruchslosgkeit an Architektur und Städtebau mal deutlich widersprechen. Immer dieses Totschlagargument, dass finanziell nicht mehr zumutbar sei! In den meisten Neubaugebieten Deutschlands fehlt es derzeit völlig an Gestaltunswillen, Kreativität und vor allem Qualität. Der Riedberg kann ambitionsloser und billiger kaum sein. Und das in einer der wirtschaftsstärksten Städte Deutschlands - die durchschnittliche Baukultur hierzulande ist einfach nur beschämend!

    Schaut Euch mal Stadterweiterungsprojekte wie Ørestad in Kopenhagen an: http://www.orestad.dk/UK-Oplev/Fotos.aspx
    DAS ist anspruchsvolle, zeitgemäße, progressive Architektur. Jedes Gebäude ein Unikat, trotzdem ein stimmiges Gesamtbild. Die Häuser sind übrigens auch alle nach hohen umweltfreundlichen Kriterien errichtet - sehen dabei aber auch noch gut und qualitativ hochwertig aus. Darunter sogar sozialer Wohnungsbau! Die toskanischen Styroporhäuschen dürften dagegen in wenigen Jahrzehnten in sich zusammengefallen sein. Aber Hauptsache meterdick mit Sondermüll gedämmt :nono:

    Breite Straße Pankow

    In ästhetischer Hinsicht ist die Plattenbausanierung an der Breiten Straße leider mal wieder ein Fehlgriff. Durch die Außendämmmung ging das Fugenmuster verloren, wodurch das Gebäude mit der flächigen Farbgebung nun viel plumper wirkt. Die Farbauswahl mit dem auffälligen Rot am historischen Anger von Pankow ist auch nicht gerade als gelungen zu betrachten. Und dann die neuen Dachgauben! Wie kann man diese nur asymmetrisch zum Rest des Hauses anordnen??? Die Gesobau zeigt hier mal wieder wenig Gespür fürs Stadtbild, aber das ist ja nichts neues...

    Hier der Vorzustand.

    Plattenbauten dieser Art sollten schnellstmöglichst unter Denkmalschutz gestellt werden. Sie zeigen das Bemühen der späten DDR, Stadtreparatur zu betreiben und zeugen von den Fähigkeiten einiger Architekten trotz engem finanziellen Rahmen und industrieller Bauweise abwechslungsreiche Gebäude zu schaffen.
    Weitere Beispiele dafür befinden sich direkt am Gedarmenmarkt, im Nikolaiviertel. und in etwas abgespeckterer Form in der Rosenthaler Straße (wird auch gerade mit Dämmplatten eingepackt), der Torstraße, der Frankfurter Allee.

    Saxonia: Für Denkmalschutz ist es nie zu früh. Die Berliner Kongresshalle im Tiergarten wurde z.B. sieben Monate nach Fertigstellung eingetragen. Sicherlich ein Ausnahmefall, aber die Platten sind inzwischen ja auch schon 25 Jahre und älter.

    Auch ich stelle immer wieder fest, dass sich die Berliner mit dem Tiergarten nicht unbedingt als "ihrem Stadtpark" identifizieren. Diese Rolle übernehmen vielmehr die Parkanlagen, die vor Ort in den Kiezen liegen. Der Tergarten ist oftmals einfach viel zu weit weg.

    Als ein Manko sehe ich, dass die Straße des 17. Juni nicht vom ÖPNV bedient wird. Zwar fährt die Linie 100 einmal quer durch den Tiergarten, aber als meist überfüllte Touri-Linie stellt sie nicht gerade eine effektive und komfortable Möglichkeit dar, um den Tiergarten zu erreichen. Schön wäre es, wenn die BVG eine Metrolinie einrichten würde, die einmal quer durch die Stadt fährt - vom Theodor-Heuss-Platz über die Bismarckstraße, den Ernst-Reuter-Platz, die Straße des 17. Juni, die Linden entlang bis zum Alex oder sogar weiter bis zum S-Bahnhof Prenzlauer Allee. Ich bin mir sicher, dass solch eine Buslinie, die den Tiergarten bessern anbinden würde, ein Erfolg wäre.

    Kirchbergviertel

    Im historischen Quartier Kirchbergviertel in Wiesbaden, das Anfang der 1970er Jahre dem Flächenabriss entging, stehen in meinen Augen schützenswerte Altbauten vor dem Abriss.
    Betroffen sind zwei Gebäude in der Steingasse.
    Die Hausnummer 18, die zu den ältesten des Viertels zählen dürfte, ist offenbar einsturzgefährdet. Wie es dazu kommen konnte, entzieht sich meiner Kenntnis:
    https://www.dropbox.com/s/r107ph4u0ztr…ngasse%2018.JPG

    Ein Skandal spielt sich in meinen Augen auf dem Grundstück mit der Hausnr. 28 ab. Das Areal mit typischer historischer Hinterhofbebauung, von der in der Umgebung kaum etwas übrig geblieben ist, nachdem das Viertel in den letzten Jahrzehnten "behutsam" saniert wurde, soll einem Kindergarten weichen. Dieser wird von der Stadt errichtet und bietet ein ziemliches Kontrastprogramm zur umliegenden Bebauung: versetzt angeordnete Fenstereihen und ein dekonstruktivistisch anmutendes Dach.

    Akutelle Fotos
    https://www.dropbox.com/s/dr5knbohv53x…hofbebauung.JPG
    https://www.dropbox.com/s/as9miitjt3ht…9Fenansicht.JPG
    Zu den Neubauentwürfen:http://www.haber-turri.com/ (unter Projekte)

    Ich hoffe, die Bauten werden nicht so entsetzlich gedämmt wie die in der Linienstraße um die Ecke. Weiß verputzte Dämmplatten auf dieser Länge dürfte eine grausame Wirkung auf diesen Straßenzug haben...

    Weiß jemand, wer genau saniert? Hoffentlich nicht die Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte?

    Wirklich erstaunlich, dass in dieser städtebaulich nicht besonders attraktiven Gegend, die zudem eher zu den sozialen Problemvierteln in Berlin gehört, solch ein Bauprojekt realisiert wird. Das zeigt eindrucksvoll, welche Dynamik auf dem Wohnungsmarkt derzeit herrscht.

    Villenabruch im Grunewald

    Die Morgenpost berichtet heute in einem ausführlichen Artikel über den Abriss der Villa des Verlegers Hans Ullstein in der Bettinastraße 4 am Dianasee. Das Bauamt wurde davon wohl völlig überrascht.

    Das Haus war nicht denkmalgeschützt und zumindest Innen gab es offenbar kaum noch bauzeitliche Ausstattung. Wie das Äußere zuletzt aussah, kann ich nicht beurteilen. Fest steht, dass mit der Zerstörung ein wichtiger Ort der deutschen (Presse)Geschichte verlorengegangen ist und die Exklusivität Grunewalds unter der zunehmenden bauliche Verdichtung leiden wird, denn Investoren planen auf dem Grundstück nun einen Neubau in der Kubatur des historischen Gebäudes sowie zwei neue "Stadtvillen" auf dem parkähnlichen Grundstück.

    Hier geht es zum Artikel:
    http://www.morgenpost.de/berlin/article…lensterben.html

    Die sterilen Betonwüsten bei neuen Bauwerken der Deutschen Bahn gehen doch Hand in Hand mit dem Verfall historischer Bahnhöfe im ganzen Land. Dieses Unternehmen wird von Technokraten geleitet, die keinerlei Verständnis für die attraktive Gestaltung der Lebensumwelt und ästhetische Fragen haben. Dies ist umso ernüchternder, da Bahnhöfe tagtäglich von unzähligen Menschen passiert werden.

    Da das Ostkreuz auch nicht irgendein Bahnhof ist, finde ich schon, dass man von der Bahn eine ambitioniertere Gestaltung an dieser Stelle erwarten darf, als immer nur den Einheitsbrei aus dem Betonbaukasten. Für kaum mehr Geld ließe sich hier wesentlich mehr rausholen.
    Vor einigen Monaten wurden übrigens auch helle einfarbigen Lärmschutzwände an den Ringbahngleisen auf östlicher Seite des Bahnhofs aufgestellt. Diese sind bereits völlig beschmiert und machen - auch ohne Grafitti - einfach nur einen deprimierenden Eindruck.

    Ja, die Dimensionen dieses Projektes sind wirklich gewaltig. Der Reichtstag sieht dagegen winzig aus.
    Umso mehr hoffe ich, dass nach Fertigstellung diese Wuchtigkeit durch verschiedene Fassadengestaltungen, die überzeugend kleinteilige Parzellstrukturen zumindest von außen vorschtäuschen, entschärft wird und sich der Komplex harmonischer ins Stadtgefüge eingliedert.
    Eine abwechslungsreiche Gestaltung wäre auch für die Dachlandschaft wünschenswert, doch da mache ich mir nicht allzu große Hoffnungen ...