Beiträge von Japher

    Dekoratives Anführungszeichen

    Das hat schon echt was von Kabarett :lach:. Jeder, auch du, der sich mal mit der Materie ein wenig beschäftigt hat weiß, dass der 'Formenreichtum' des in der DDR praktizierten industriellen Wohnungsbaus sehr stark limitiert war und keinesfalls irgendwelche individuellen architektonischen Ansprüche zu erfüllen hatte - ging ja auch garnicht, schon aus Gründen der Rationalisierung. Du findest in Berlin die gleichen Standardklötze wie in Halle Neustadt, Hoyerswerda oder Limbach-Oberfrohna.
    Da ist es zwar ein netter Versuch, dass du für die vermeintliche Komplexität der Nachkriegsmoderne auch mit Beispielen aus dem Westen argumentierst - um die geht es hier aber in keinster Weise.

    tel33: Dies ist so nicht richtig, weshalb ich Klarenbach in diesem Punkt zustimme. Trotz industrieller Bauverfahren gab es auch in der DDR eine gewisse Vielfalt - zumindest wenn man die Entwicklung über mehrere Jahrzehnte betrachtet und den Blick auf die anderen Bezirke ausdehnt. Ein vergleichender vorurteilsfreier Blick auf die Bauten an der Karl-Marx-Allee und auf den Ernst-Thälmann-Park genügt, um grundlegende Unterschiede in der städtebaulichen Konzeption wie auch in der Fassadengestaltung zu erkennen. Ganz zu schweigen vom Nikolaiviertel, ebenfalls ein Produkt des industriellen Wohnungsbaus.

    Aufgabe des Denkmalschutzes ist es übrigens nicht, rein nach ästhetischen Urteilen zu bewerten, sondern den historischen Wert eines Gebäudes zu beurteilen. Und wie mein Vorredner schon schrieb: Denkmalschutz bedeutet auch nicht das totale Veränderungsverbot.

    Ich verstehe die ganze Aufregung hier nicht. Wir reden hier von einer handvoll Bauten, die zu den letzten größtenteils noch authentisch überlieferten Plattenbauten in Mitte zählen und als stellvertretend für ihre Zeit zu recht unter Schutz gestellt wurden.
    Das Leitbild des verdichteten Städtebaus kommt dagegen doch an zig anderen Stellen der Stadt derzeit zum Zug. Dass dies auch nicht immer ein Allheilmittel darstellt, zeigen ja überdeutlich die derzeitigen Entwicklungen am Ost- oder Hauptbahnhof...

    Das sieht ziemlich ambitionslos aus. Die Gestaltung scheint sich auf einen flächigen Schwarz-Weiß-Anstrich zu beschränken. Dazu kommt dann das obligatorische Wärmedämmverbundystem und die Platte sieht öder aus als im jetzigen Zustand :Nieder:

    In anderen europäischen Großstädten, wo ebenfalls Wohnungsmangel herrscht, fällt die durchschnittliche architektonische Qualität sehr viel höher aus. So in Amsterdam, Oslo, Schweizer Städten oder vor allem Kopenhagen wie u.a. in der Stadterweiterung Ørestad eindrucksvoll zu besichtigen: http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96restad
    In diesen Städten kann man sich über die meisten Bauankündigen freuen, weil sie das Stadtbild bereichern. Hierzuland erlebe ich dies dagegen selten...

    Meine Erklärung für den weit verbreiteten baukulturellen Missstand ist die in Deutschland sehr ausgeprägte Geiz-ist-Geil-Mentalität. Alles muss schnell gehen und so billig wie möglich sein. Nachhaltigkeit, Qualität und vor allem Ästhetik sind vor diesem Hintergrund nicht gefragt.

    UNglaublich, was für ein Schrott hier produziert wird. Das Ganze ist an Eintönigkeit kaum zu überbieten. Und dann - wie in letzter Zeit fast überall zu beobachten - diese hilfloser Verkleidung der Technikaufbauten auf dem Dach. :nono:
    Der Anblick des Wohnhochhauses tut außerdem aufgrund der völlig chaotischen Anordnung der Fenster und Balkone in den Augen weh. Besonders hochwertig sieht das ganze ebenfalls nicht aus...
    Warum entsteht so etwas eigentlich ausgerechnet in einer der wirtschaftstärksten Städte Deutschlands, die sich u.a. auch mit ihrem relativ attraktiven Stadtbild schmückt?

    Danke AltenburgBus für die zahlreichen Eindrücke aus Altenburg.

    Könntest Du vielleicht kurz erklären, welche Stadtentwicklungspolitik man in Altenburg verfolgt? Immer wird ist auf deinen Fotos der Abbruch von Altstadthäusern zu sehen und ich frage mich, wie das zu erklären ist. Jeder Laie sieht, welchen langfristigen Schaden diese Lücken im Stadtbild anrichten.

    Werbung

    Am meisten Sorgen machen mir in den Visualisierungen die unzähligen Werbetafeln an den Fassaden. Sollte das wirklich so kommen (oder will man nur zeigen, welche tollen einzigartigen Mieter man schon geworben hat?), ist die gesamte Außenansicht ruiniert.
    Wobei Reklame in diesem Ausmaß eigentlich auch genehmigungspflichtig sein müsste, oder nicht?

    Flachbauten von Supermärkten haben in innerstädtischen Bereichen meiner Meinung nach nichts zu suchen. Auch wenn die Filiale an der Goebenstraße zugunsten eines mehrgeschossigen Baus weichen sollte - warum wird an dieser Straße, wo ebenfalls nur mehrgeschossige Bauten stehen, wieder viel Platz für einen eingeschossigen Lidl-Bau verschwendet? Es gibt Wohnungsnot in der Stadt! Supermärkte können problemlos im Erdgeschossbereich von Mehrfamilienhäusern untergebracht werden.

    Vollste Zustimmung, Treverer. Berlin hat den Anschluss an wegweisenden Städtebau und Architektur, abgesehen von kleineren Projekten, die das Stadtbild kaum retten können, völlig verloren. Wenn man sieht, was z.B. in Kopenhagen oder Schweizer Städten, z.T. auch in Frankfurt entsteht, kann man nur den Kopf schütteln.
    Visionen gibt es hier keine.

    Besucherzentrum

    Es gibt am Neuen Palais nicht nur einen großen Parkplatz, sondern es ist auch erster Anlaufpunkt für Besucher, die am RB-Halt Sansscouci aussteigen. Vor allem Berlin-Touristen nehmen diese Verbindung in Anspruch.

    Vermutlich ist ein großer Souvenirladen integriert. Das erklärt einen wichtigen Grund des Baus: alle Museen leben heute zu einem nicht unerheblichen Teil vom Verkauf diverser Andenken.

    Mein Problem ist nicht die zeitgenössische Formensprache, sondern die willkürliche Gestaltung. Es geht mir nicht darum, ein klassisches Dach mit Gaubenfenstern zu fordern, sondern gewisse ästhetische Ansprüche einzuhalten. Und die erreicht man, indem man die Grundstrukturen einer Fassade fortführt. Das sollte beim Bauen im Bestand wohl zu erwarten sein. Der hier geplante Aufbau passt dagegen hinten und vorne nicht zum Bestand. Z. B. wäre es sehr viel eleganter gewesen, die Ecke des Dachaufbaus zur Straßenkreuzung hin ebenfalls anzuschrägen, um eine gewisse Harmonie zu erreichen.

    Klarenbach: Dass auf eine gewisse Baukultur keinen Wert gelegt wird, ist m.E. nicht allein an Kosten festzumachen, denn Beispiele für preiswert errichtete Bauten, die trotzdem gut aussehen, gibt es ebenfalls (zumal die Wohnungen im gezeigten Studentenwohnheim nun alles andere als erschwinglich sind!). Ich glaube das Problem ist, dass Investoren, gepaart mit einem dürftig ausgeprägten ästhetischen Empfinden vieler Käufer/Mieter, aufgrund der angespannten Wohnungsmärkte derzeit für alles Abnehmer finden.

    Einen Zusammenhangn zum fehlenden geförderten Wohnungsbau kann ich ebenfalls nicht erkennen. Oftmals sind es gerade solche Gebäude, die in ihrer Gestaltung recht schlicht und anspruchslos ausfallen.

    Setzt die Chemnitzer Stadtplanung eigentlich ausschließlich auf die Segnungen der längst überwunden geglaubten autogerechten Stadt??? Andernorts werden Parkhäuser abgerissen und Parkplätze verschwinden unter die Erde. Es ist mir unerklärlich, wie man attraktive Innenstadtgrundstücke mit Parkkästen zupflastern kann. :nono:

    Übrigens wurde vor kurzem der Staatspreis für Sächsische Baukultur in Form einer Anerkennung u.a. nach Radebeul-Ost vergeben. Auch dort beglückt die Menschen nun ein eintöniges Parkhaus, das dem Chemnitzer Exemplar am Johannisplatz frappierend ähnlich sieht: http://www.baunetz.de/meldungen/Meld…=nla-04.10.2013

    Solch ambitionierten Abrisspläne sind allein schon deshalb zum Scheitern verurteilt, da das Areal größtenteils als Denkmalensemble geschützt ist. Wäre es, anstatt Epochen der deutschen-deutschen Stadtbaugeschichte auszuradieren, nicht viel sinnvoller, die immer noch zahlreichen Brachen der Stadt nach heute gültigen Grundsätzen in Städtebau und Architektur hochwertig zu entwickeln (was ich angesichts der aktuellen Entwicklungen an Ost- und Hauptbahnhof zur Zeit nicht gegeben sehe)?