Es geht nur noch um Rekonstruktionen und Preußenkult (oder schlimmeres) oder um "wer hat den höchsten!"
Für jemanden, der die Zuspitzung in Extreme kritisiert, enthält der Beitrag erstaunlich viel Polarisierung. "Afd wählende Stuck&Spitzdachfanatiker"? In Berlin? Das klingt eher nach CSU (bis auf dem Preußenkult).
Und das soll ernsthaft besser sein als das Haus der Statistik, dessen graue Energie wenigstens weitergenutzt werden kann?
Ja, ganz sicher. Selbst ein typisches "Berliner Duett" aus zwei ~70m Türmchen im Vierkantbolzen-Raster hätte ich der "grauen Energie" an dieser Kreuzungsparzelle bevorzugt. Wir können aber ewig darüber streiten, wenn wir verschiedene Bewertungskriterien heranziehen. Das ist das Problem.
Für mich erfüllt ein Gebäude vor allem städtebauliche und architektonische, bzw. representative Funktionen. Es gibt Ausnahmen. Es gibt Gebäude, die Funktionen erfüllen, die darüber hinaus gehen, z.B. gesellschaftliche, historische oder symbolische Bedeutung haben. Aber ist das hier der Fall?
Die Historiker haben das Gebäude nie geliebt, andernfalls wäre es überhaupt nie im Bplan zum Abriss freigegeben worden. Die Berliner Gesellschaft hat auch keine Liebe für dieses Gebäude, jedenfalls konnte ich nie eine ausmachen. Eine symbolische Bedeutung für Berlin hat es auch nicht, außer für jene, die ihm unbedingt eine anhängen wollen. Weder reicht es an die staatsdienliche Bedeutung von HdL, HdRf oder HdR im Regime heran, noch kann man aus dem städtebaulichen Kontext lesen, dass es ausgerechnet hier eine Ansiedlung von Kleinkünstlern und Kulturschaffenden braucht. Die bevorzugen ohnehin eine "heimeligere", "kiezigere", "urigere" Umgebung. Schon die Grundprämisse dort auf Teufel komm Raus und ohne Not einen "Ort der Zusammenkunft" etablieren zu wollen -an dieser unwirtlichen, großen, kalten und zugigen Kreuzung, in diesem bürgerliches Leben betreffenden "Niemandsland" voller Büro-Riegeln, Touri-Hotel-Riegeln, Busparkplätzen, weiten Schneisen und völliger Unurbanität verglichen mit den wuseligen "Künstlerkiezen" in Fhain oder Kreuzberg, zeugt von einer tiefen Diskrepanz in der Stadtverwaltung zwischen dem Betrachten und logischen Entwickeln der Realität und dem ideologisch/politischen Anspruchsüberbau, der leider mittlerweile so viele Themen in diesem Land bestimmt und prägt.
Das Projekt Haus der Statistik ist ein Vorhaben, auf das wir Berliner wirklich stolz sein können. Hier wurde nicht einfach von oben etwas angeordnet, sondern hier haben Politik und Verwaltung auf Impulse aus der Bevölkerung reagiert und eine Abrissplanung revidiert.
Wie kommst du darauf? Es gab meines Wissens nie einen Bürgerentscheid irgendeiner Form, der sich mit dem Abriss des HdS befasst- und hierzu nach demokratischem Votum einen Handlungswillen zum Ausdruck gebracht hat. Ich persönlich kenne einige "Leute aus der Bevölkerung", die sich seit Jahren gefragt haben warum diese versiffte Ruine noch nicht abgerissen wurde, mich selbst (ebenfalls Teil der Bevölkerung) inklusive. Diese Form von "Impulsen" zählt nicht oder wie? Wir picken uns immer die Rosinen aus der Gesellschaft, die uns gerade am besten schmecken?