Beiträge von Berlinier

    Weil sie bisher vor allem Villen gebaut hat, soll sie nicht taugen können sollen für das Amt?! Was ist das denn für eine absurde Argumenation, so als würden jetzt nur noch Villen gebaut mit ihr in Berlin. Sie hat ein Gespür für Qualität bewiesen und wird mit Sicherheit an exponierten Stellen mehr Wert auf ein mondänes Erscheinungsbild legen, als eine Lüscher. Für die Ausweisung von Neubaugebieten mit sozialer Mischung ect. ist ohnehin eher Geisel zuständig. Es geht glaube ich einzig darum, dass sie nicht in dem Maße mit Bauhaus sympatisiert und aus einer architektonisch eher konservativen Denkschule stammt. Das gefällt den progressiven Medienhäusern nicht, die architektonischen Minimalismus von der Espresso-Machine auf anerzogen bekommen haben und auf lackierten Eierschalsesseln auf verschweißtem Stahlrohrgestell mit unbehandelten Nahtstellen aus dem Stilwerk für 2800€ das Stück sitzen. Das ist nach einer gefühlten Ewigkeit unter Lüscher aber auch dringend zu empfehlen. Ich bin gespannt, was ihre ersten Amthandlungen sein werden.

    Das Ding ist overdesignt. Die "Wind-Fächer", die man in der Mitte eingezogen und dabei eine Etage je mittig und oben ausgepart hat, stellen für mich einen eher schlecht geglückten Versuch dar, das horizontale Fassadenmuster zu unterbrechen und dem Gebäude optisch die Länge zu nehmen, bzw. Vertikalität zu verleihen. Gleichzeitig hat man versetzte, schmale Leistenbänder eingebaut, um an den Flügeln wieder die Horizontale zu betonen. Weil das oberste Geschoss und die Mitte aber durchgezogen bleibt, nimmt man das Gebäude als Ganzes auch als horizontal gegliederten Baukörper wahr. Damit wird die vertikale Trennung in der Mitte als aufgesetzt enttarnt und will sich nicht so recht einfügen.

    Der Haupteingang mit den Säulen ist aber sehr schön.

    Genau solche kleinen "Anflüge von Hochwertigkeit" braucht die Gegend wie die Wüste das Wasser.

    Ja, das Bild verdeutlicht, dass dies städtebaulich der mit Abstand wichtigste aller Hochhausbauplätze am Alex ist. Ausgerechnet dort bekommen wir den schlechtesten Entwurf. Oder? Ersetze ich ihn gedanklich mit dem gleich hohen Hines Turm, wird mir auch nicht wohler. Auch der Kaufhof und der Covivio, auch in 150m würden mir dort nicht gefallen. Hier hätte es mal wirklich was Besonderes gebraucht. Da hätte man als Stadt mit viel Fingerspitzengefühl vorgehen und einen Architekturwettbewerb mit hohen Standarts einfordern müssen, das hätte jede Stadt bei solcher Exposition im Stadtbild gefordert, ob sie München, Frankfurt, Köln oder sonstwie heißt. Das wäre der Weg gewesen. Und dann kommen ein paar halbseidene russische Investoren um die Ecke und klatschen da so einen "billigen" angefräßten Renditekolben hin,- ohne Architekturwettbewerb, -mit dem Segen von Lüscher. :rolleyes: Berlin..

    Es gibt sie wohl noch und sie kämpfen scheinbar weiter für ein "Spreeufer für alle", so als wäre die Mediaspree "für wenige" geworden, obwohl sich dort täglich tausende Menschen aller Schichten tummeln. https://ms-versenken.org/

    In meinen Augen ist das mehr "Aktionismus des Aktionismus wegen". Es geht nicht um bessere Architektur oder schönere Lebensräume und es werden auch keine konkreten Vorschläge gemacht, wie das Areal sinnvoller zu bebauuen wäre, außer dass dort keine HH stehen dürfen sollen, weil man sich HH scheinbar so vorstellt, dass sie wie schwarze Löcher das gesamte Tageslicht verschlucken und die ESG in Schatten einhüllen. Und die Hauptforderung nach 50m Pufferzone zum Wasser ist ebenfalls ziemlich realitätsfremd. Das hätte bedeutet, dass der ganze Straßenverlauf um gut 20m "in die Gebäudefronten" hinein umgesetzt hätte werden müssen. In der Konsequenz wurde hier nichts anderes gefordert, als die zum Wasser hin vorderste Häuserfront zu enteignen und die gesamte Mediaspree die ESG entlang in eine art Freibad ohne Badeanstalt zu verwandeln, so als hätten wir Mangel an Liegewiesen, so als würde Stadtentwicklung über die Parzellierung von Trampelpfaden stattfinden. Da nun bald alles bebaut ist, was man sich vorgenommen hat zu verhindern, dürfte "MS-versenken" bald in der Versenkung versinken. Nicht schade drum.

    ^Frau Kahlfedt ist 61. Wieso soll sie nur eine Legislaturperiode durchhalten können? Abgesehen davon ist es weder zu wünschen, dass eine Person möglichst lange ihren bevorzugten Stil einer Stadt "aufdrückt", noch könnte man aus besonders vielen Amtsjahren automatisch auf Qualifikation schließen oder die Behauptung belegen, in einer Periode wäre nichts zu erreichen.

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    Aber auch sie muss sich erstmal beweisen, Architekten sind ja auch irgendwie Künstler und als solche Fantasten, die gerne mal irrationale Ausreißer haben.

    Das stimmt natürlich. Relativ sicher bin ich mir aber, dass es mit ihr kein minimalistisches Rasterwürfel-Bauhaus-Gedöhns a la Lüscher als städtebaulichen Absolutismus mehr geben wird. Vor allem an der so wichtigen "Stadtwunde" am neuen Molkenmarkt wird sich das wohl auswirken und uns höchst wahrscheinlich deutlich stilvolleres beschehren, das auch besser mit dem historischen Bestand harmonieren dürfte, als alles was Lüscher der Erfahrung mit ihr nach je goutiert hätte.

    https://www.kahlfeldt-architekten.de/

    Ihr Mann, Paul Kahlfeldt, ist auch Architekt. Sehr interessant. Sie scheint recht hochwertig zu bauen. Das Wohn-Portfolio besteht fast ausschließlich aus Stadt-Villen in Neo-klassischen Stilen. Wenn man böse sein will, könnte man sie mit den Patzschkes vergleichen. Die Architektursprache (Faible für Säulen) scheint mir ähnlich. Ich will aber nicht böse sein.

    Was mir besonders gefällt ist das "Klinkenpaar Petra und Paul" :lach:

    Dann klink dich mal ein Petra. Wir brauchen dir!

    Was mir allerdings gar nicht gefällt ist Geisel als Bausenator. Ich halte ihn für einen politischen Wurstverkäufer und hätte lieber Daldrup gesehen, der vom Fach ist. Vielleicht täusche ich mich aber auch und Daldrup quatscht Pommes, während Geisel ranklotzt. Alles möglich. Hätte schlimmer kommen können!

    Die Parallelen zu den 20er/30er Jahren des Jahrhunderts zuvor sind schon frappierend. Den ersten Weltkrieg als Urkatastrophe, die den Stein ins Rollen bringt, kann man durch die Pandemie ersetzen. Die weltweiten Auswirkungen (Abschottung der Länder zueinander) sind teils durchaus ähnlich. Die stark polarisierte Bevölkerung, in politische Lager gespalten? [x] check. Eine entkoppelt/dekadente Elite, die explosive Ungleichverteilung von Vermögen? [x] check. Eine gallopierende Inflation? [x] check. Der Drang Südenböcke für die schlechte wirtschaftl. Situation ausmachen zu müssen? [x] check. Deutschland verunsichert und führungsschwach nach der Ablösung des Kaisers? [x] check. "Der Deutsche", der sich als Zahlknecht der Franzosen fühlt? [x] check. "Der Russe", der im Osten für Unruhe sorgt und an Einfluss gewinnt? [x] check.

    Die nächsten drei Bundestagswahlen sind dann 2025, 2029 und.. ..

    Früher hat mich sich Haushaltstipps gegeben, wenn man mitbekam, dass einer krank ist. Da wurden Tees empfohlen und Schwitzbäder und Kneipaufgüsse und weiß der Teufel was alles. Niemand ist je auf die Idee gekommen, eine Grippe zum Anlass zu nehmen, um ein Psychogramm der Menschen anhand ihres Impftstatus zu erstellen und aus diesem weitreichende Schlüsse über die gesellschaftlich/demokratische Einstellungen zu ziehen.

    Eine Gesellschaft, die sich von einer Krankheit teilen lässt, ist eine schwache Gesellschaft. Ebenso wie eine Gesellschaft, in der signifikante Teile (selbst innerhalb der Medizin) der Medizin nicht mehr vertrauen, weil sie glauben, diese wäre durch finstere Mächte korrumpiert worden.

    Wenn man die Impfung als modernen Ablasshandel verkauft, den man an einer "moralischen Instanz" (heute "die Gesellschaft", früher "die Kirche") zu leisten hat, dann braucht man sich nicht wundern, dass dies zu Widerständen führt,- in erster Linie bei jenen, die sich von der Gesellschaft aus diversen anderen Gründen schon vorher als ins Abseits gestellt empfunden haben. Diese Menschen durch Schikane, Polizeimacht und empfindliche Bußgelder zur Räson bringen zu wollen, wird nur mehr Widerstand generieren, weil es deren Opferrolle stärkt. Das sind im Kern "preußische" Erziehungsmethoden. Das Kind in sein Zimmer sperren, weil es den Spinat nicht essen wollte. Wir wissen, was mit solchen Kindern passiert. Sie entwickeln eine Abneigung gegen Spinat und darüber hinaus eine Abneigung gegen Autoritäten. Ein erzieherischer Total-Fail, den wir an Millionen Menschen ausprobieren (davon vermutlich etliche tausend potentiell gewaltbereit).

    Die Impfung hätte von Anfang an Geld kosten müssen und sich als individuelles Privileg etablieren müssen (was sie eigtl. auch ist) nicht als "Pflicht an der Gesellschaft". Das Geld hätte man entweder von der Steuer wiederbekommen bzw. als Hartzer/Grundrentner ersetzt bekommen. Alternativ hätte man Gutscheine ausgeben können, -hübsch designt mit Sicherheitsmerkmalen wie Banknoten, die einen daran erinnern, dass man ein "Erste-Welt-Privileg" in der Hand hält. Wir hätten damit heute eine andere Situation.

    Dänemark hat seit Jahren ein aktives Gesundheitsvorsorgeprogramm, das die Menschen mitnimmt und individuell "monitort". Finnland fährt ein breites Vitamin-D Programm für seine Gesellschaft und beide haben kaum Todesfälle durch Covid. Ich habe keinen einzigen TV Beitrag darüber gesehen, dass Zink und Eisen mindestens ebenso wichtig für den Immunschutz sind wie eine Impfung, bzw. dass eine Impfung ohne ausreichend Zink und Eisen auch nicht vernünftig wirkt. Es gibt unzählige Studien, die glasklar belegen wie extrem negativ sich schon leichte Mängel auf Krankheitsverläufe auswirken. Mit "Pflicht&Sühne" stärkt man kein Immunsystem, sondern mit Aufklärung und Argumentation. Wenn dem Deutschen nichts mehr einfällt, holt er den Zeigefinger raus und dreht sich damit so lange im Kreis, bis er glaubt ein Kompass geworden zu sein.

    Wenn uns überhaupt irgendwas den Arsch rettet, dann die Mutation "ins214EPE" aus HCoV-229E (*altes/harmloses Coronavirus), welche Omikron trägt und die es aller Vorraussicht nach deutlich weniger pathogen (aber auch deutlich ansteckender) macht. Evtl. reicht das sogar, um die Gesellschaft relativ gefahrlos zu durchseuchen und damit auch gegen Delta und andere Mutationen zu immunisieren. Omikron wäre dann im besten Fall eine art natürliche Impfung und die Pandemie bald vorbei. Spätestens Ende Januar dürfte Omikron Delta fast gänzlich verdrängt haben in Europa. Wahrscheinlich haben wir diese Mutation einem HIV-positiven, ungeimpften Süd-Afrikaner zu verdanken, der beide Varianten gleichzeitig bekam. Welch eine Ironie, wenn das die Pandemie beenden würde.

    Bei GMP gefallen mir die großen Schaufenster, das wirkt sehr belebend, aber ich kann mir vorstellen, dass sich die Mitarbeiter etwas zu exponiert, -wie Schaufensterpuppen vorgekommen wären. Grundsätzlich gehört es sich für ein Ministerium im Jahr 2020+ aber nicht mehr analog dem heutigen Bestandsbau wie eine abgeschottete Burg zu wirken. Auch Staab hat das erkannt und immerhin auch ein paar Schaufenster in die Erdgeschosszone integriert, allerdings deutlich weniger expressiv als GMP. Ich finde dies einen guten Kompromiss. Man wird so dem Sicherheitsbedarf gerecht und das Volk bekommt zumindest symbolisch ein paar Durchblicke in dem Laden, der ihnen laufend Steuern abpresst.

    Was aber auch stimmt, ist der mangelnde Wille zur Gestaltung. Zumindest irgendeine Form von "Kunst am Bau" hätte hier wirklich gut getan. Vielleicht Pacman, der an dem Gebäude nagt und warnend für die zukünftigen Rentner steht. Oder ein Sprudelbrunnen in Form einer Kukident Brausetablette, die sich langsam auflöst.

    OMA aka "Die schwarze Kiste" ist geradezu eine Unverschämheit. Ein "Montparnasse" fast so hoch wie der Eiffelturm. Unfassbar. Für mich die goldene Himbeere der Hochhaus-Entwürfe dieses Jahr.

    Ich trauer stark der ursprünglich geplanten "Himmelstreppe" von Heide nach. Die Vorstellung in ca. 300m auf die Wolken zuzulaufen, hat etwas sehr reizvolles. Evtl. stelle ich mir das aber auch romantischer vor, als es sich in der Realität darstellt. Kennt jemand vergleichbare Ausführungen von einem hohen Gebäude irgendwo auf der Welt?

    Ich bin dafür solche Büroriegel an exponierten Wasserlagen zu verbieten. Oder alternativ nur als Hochhaus zuzulassen. Unglaublich wieviel Fläche hier versiegelt wird, die sich hervorragend für Wohnungen angeboten hätte. Bauplätze direkt an der Spree sind nunmal stark begrenzt und diese Ausblicke sollten primär Bewohnern vorbehalten sein, nicht Aktenträgern.

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    Das Problem liegt darin, dass das Kreuz nun, ohne die dazugehörige Kapelle, nicht nur seine einstige religiöse Funktion eingebüßt hat, sondern, durch den neuen Inhalt des Gebäudes, die außereuropäischen Sammlungen, neu lesbar wird, wie auch der Spruch. Beides erinnert nun an die Zusammenarbeit zwischen Kolonialismus und Misson, und daher geraten diese Symbole nun in eine krasse Spannung zu den Exponaten, von denen sich viele bekanntlich kolonialem Unrecht verdanken.

    Einerseits hat das Kreuz keine "religiöse Funktion" mehr, andererseits wird dessen "religiöse Funktion in der Historie" zum Anlass genommen, um damit ein Spannungsfeld zu konstruieren. Was denn nun? Kann ein goldenes Kreuz, das auf nicht auf einem Sakralbau steht und keine Weihung durch einen Priester erhalten hat überhaupt als "religiös" bezeichnet werden? Ist das nicht eher Schmuck/Kitsch (so wie das Spruchband)? Und ist dieser Schmuck/Kitsch ein integrales Element um die Ästhetik und Originaltreue der Stadtschlossrekonstruktion herzustellen oder kann das weg?

    Aus ästhetischer Sicht bin ich bei dem Spruchband deutlich eher geneigt Konzessionen einzugehen, aber sicher nicht in Form von infantilistisch-provokativen Vorschlägen wie leuchtendem, rosa, pop art trash, der die Schlosskuppel assoziativ mit einem Freudenhaus verbindet. Da können wir auch den Boddin rausschmeißen und stattdessen Cecilia Giménez einstellen. Die bringt wahrscheinlich noch mehr Besucher.

    Was ich mir vorstellen könnte um die Wogen zu glätten, wäre ein Neubeschreiben des blauen Bandes mit z.B. ein paar Zeilen aus dem Grundgesetz oder ein paar (lebensbejahenden) Zitaten aus unserer Geschichte. Dann aber in derselben goldenen Schriftart und Schriftgröße, sodass der optische Eindruck nicht verfälscht wird. Ich denke, das wäre ein guter Kompromiss. Allerdings geschieht das ja mehr oder weniger bereits vis a vis mit der goldenen Bundeswippe -dem Einheitsdenkmal. So wird dem "antidemokratischen" Schloss ja im Prinzip also bereits ein demokratisches Gegengewicht gegenüber gestellt. Das dürfte kaum zu übersehen sein, -auch für Royalisten.

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    [...] sondern um Friedrich Wilhelm IV. und dessen schon damals (!) reaktionäre, explizit anti-demokratische und anti-liberale Politik, die in dem Spruch zum Ausdruck kommt. Er entspringt demselben Geist (und derselben Familie) wie das Zitat "Gegen Demokraten helfen nur Soldaten" – und das war nach 1848 bekanntlich keine leere Drohung.

    Also wenn ich das richtig verstehe, steht für dich nicht die christlich-missionarische Botschaft im Fokus, sondern der Umstand, dass der Auftraggeber des Spruchbandes ein Antidemokrat war. Wird die Debatte denn öffentlich so geführt? Ich meine, in der öffentlichen Diskussion geht es primär um die christliche Rhetorik.

    Das Bundesfinanzministerium residiert in einem Nazibau. Warum gibt es da keinen Aufschrei? Wenn das Humboldtforum durch ein am Gebäude erlebbares, originär "demokratiefernes" Element Gefahr laufen würde an Demokratietreue einzubüßen, dann müsste auch das Bundesfinanzministerium zu den bösen Buben zählen, denn seine gesamte Fassade strahlt "Demokratieferne" aus. Es interessiert nur niemanden, weil das BFM bekannterweise eine demokratische (wenn auch unbeliebte) Instanz ist und die grauen, ungeschmückten Steinwände weniger Attackvektoren für Aktivistengruppen bieten, als ein schmuckes Spruchband. Wie kann nun ausgerechnet das Humboltforum vor dem Hintergrund des BMF in Verruf geraten? Am BMF wird nichts erklärt, nichts erzählt, nichts in Kontext gebracht.

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    Aber ich halte mich hier raus. Habe den historischen Kontext der Inschrift genannt und stelle fest: Geht Euch am Hintern vorbei.

    Niemand "feiert" dieses Spruchband. Es geht primär überhaupt nicht darum, dass ein "unsauberer historischer Kontext" irgendwie "reingewaschen" werden soll. Das ist eine Überzeichnung. Das Stadtschloss stellt keine Werbetafel für das Christentum oder Kaiser Wilhelm dar, nur weil da ein Kreuz drauf ist und "sein Spruchband" dran steht. Ebensowenig wie meine Zitierung eines Gedichts von Theodor Fontane eine Werbetafel für das Kaisertum darstellt. Und ebensowenig wie der Deutsche Bundestag eine Werbetafel für das Deutsche Kaiserreich darstellt, weil er sich im Reichstag befindet oder der Reichstag selbst eine Werbetafel für die Bierbrauer darstellt.

    Es geht im Kern um die Forderung eine historische Rekonstruktion verhindern, bzw. deren -nach zeitgeistlicher Betrachtung- problematische Symbolik aus dem Gebäude "tilgen/säubern" (statt diese erklärend begleiten) zu wollen. Auf die Problematik, Historisches unter der Lupe von gesellschaftlichen Aktivistengruppen betrachten zu müssen, will ich gar nicht näher eingehen, aber die Diskussion ist überreizt, weil sie über das Spruchband hinaus geht und sich hier blos konzentriert. Die Herstellung von Konformität historischer Zusammenhänge mit zeitgeistlichen Wertvorstellungen hat einen totalitären Kern. Wenn die Geschichte eines gezeigt hat, dann das. Dieser Kern ist (anders als die Totalitarität vergangener Tage, die sich heute nur mehr in Spruchbändern ausdrückt, die niemand liest) aktiv und "virulent" wenn man so will. Die Übergänge zwischen "Wokeness" und "Vigilantismus" sind fließend und für eine Gesellschaft ist beides Gift. Langfristig wird eine polarisierte und in Lager geteilte Gesellschaft weder ihre materielle oder physische Freiheit mehren, noch genügend Ordnungsfähigkeit (im soziologischen Sinne) generieren können, um nachhaltige Prozesse anstoßen zu können.

    Ich finde die Aufregung um das Spruchband auch gekünstelt. Das ist keine Behörde und auch kein Ministerium! Es geht weder administrative "Macht/Herrschaft" vom Humboldtforum aus, noch ist es per Definition dafür geeignet oder gedacht Prozesse gesellschaftlicher Inklusion zu fördern oder anzustoßen. Hier werden Probleme konstruiert, die das Gebäude überhaupt nicht lösen können muss. Das ist so, als würde ich den berühmten nackten David von Michelangelo rekonstruieren und ihm nen Schlüpper verpassen, weil sich vegane Puritaner an gemeißelten Latten erhitzen könnten. Lasst dem Stadtschloss gefälligst seinen Penis und dem David sein Spruchband. Oder andersrum. Durch die Herstellung eines Kontrasts zu den eigenen Wert- und Moralvorstellungen wird Kunst und Kultur doch überhaupt erst erlebbar und kann diesen erweitern und vertiefen. Zu versuchen, diese Diskrepanz zu glätten, um den Rezipienten vor der Konfrontation zu bewahren, seine eigenen Glaubenssätze in einen Kontext stellen zu müssen, führt weder zu mehr gesellschaftlichem Verständnis, noch trägt es dazu bei unsere Kultur und Herkunft zu verstehen.

    Merkwürdige Fassade. Sie macht von weiter weg eine deutlich bessere Figur als von nahem. Normalerweise ist es eher umgekehrt. Der Ziehharmonika-Effekt gibt dem Gebäude zwar aus mittlerer Distanz eine gewisse Plastizität, verliert sich aber in der Ferne und wirkt mit der Doppelverglasung aus manchen, nahen Perspektiven etwas surreal, fast wie eine Fake-Fassade (zweites Bild von oben aus #215). Die nach oben subtil größer werdenden Fensterraster tun dem Gebäude aber sehr gut.

    Daldrup wäre keine schlechte Lösung glaube ich. Der Mann denkt pragmatisch und erfrischend unideologisch.

    https://medien.enev-online.de/infos_2006/061…rgieausweis.htm

    "Wir haben mit der gezielten Änderung des Baugesetzbuches einen ganz wichtigen Schritt getan, um einen starken Akzent zur Unterstützung der Innenstädte zu setzen. [..]Es ermöglicht die Halbierung der Planungsdauer im vereinfachten Bebauungsplanverfahren, weil wir auf eine Reihe von Regelungen verzichten. Wir machen nur noch eine einfache Bürger- und Behördenbeteiligung und nicht mehr eine doppelte. Die umfangreiche Umweltprü-fung förmlicher Art fällt weg. Wir nutzen die Spielräume, die die EU-Verordnungen uns geben für kleine Projekte keine förmliche Umweltprüfung durchzuführen. Wir wollen einen echten planungsrechtlichen Bonus für das Bauen in der Stadt geben, um deutlich zu machen, dass uns Flächenrecycling, Brachenreaktivierung ein zentrales Anliegen ist um einen Beitrag zu leisten, die Zersiedelung zu verhindern."

    Er steht scheinbar grundsätzlich gegen Zersiedlung und pro Verdichtung, Urbanisierung und Aufwertung. Alles gute Indikatoren für den Posten.

    So eine "Phalanx" aus uniformen, etwa gleich hohen Blockbauten ist halt städtebaulich murks, auch wenn es sich an den Bahngleisen nicht so exponiert darstellt. Zwar ist es "Lüschers Genius" der uns diese aufgereihten Blöcke beschehrt hat, aber das Symptom ist auch in Hamburg, Frankfurt und München zu beobachten. Ich würde sagen die Deutschen leiden unter einem eklatanten Mangel an Freude an ihren Städten. Wir nehmen die Stadt verglichen mit z.B. Franzosen, Spaniern oder auch Holländern und Briten deutlich mehr "infrastrukturell-funktional",- als "ästhetisch-lebensräumlich" wahr. Ich glaube aber, dass sich das gerade ändert und dass das grob-parzellierte, auf Bauhaus bestehende Stadtverständnis einer Lüscher und co. langsam verschwindet. Es braucht wieder mehr Kleinteiligkeit. Es braucht mehr Mut zur Gestaltung. Es braucht mehr Mut zur Höhe. Und mehr Anspruch an die Entwicklung attraktiver, urbaner Lebensräume.

    Die Deutsche "Bauhaus-Kultur" sollte die Architektur von der verkitschten Historisierung z.B. der wilhelminischen Jahre befreien und Wege aufzeigen, um modernistisch-industrielle Einflüsse in die Architektur einfließen zu lassen ohne profan oder konventionell zu wirken. "Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeit ist der Bau!" So ist man damals angetreten. Nur, die "bildnerische Tätigkeit", der "Handwerker als Künstler" ist in den Jahren weitgehend verloren gegangen, bzw. unter dem "Primat des Handwerkers" verkümmert. Der ursprüngliche Anspruch an eine "Befreiung der Architektur" hat sich von der industriellen Norm kettengefertigter Fertigbauteile, Brandschutzverordnungen und Rasterfassaden gefangen nehmen lassen. Frau Lüscher konnte oder wollte das nicht erkennen. In jedem Fall brauchen wir ein Stück weit eine "Befreiung von der Befreiung". Die Stadt muss wieder menschlicher werden. Die Architektur wieder individualistischer.

    Ein politisch-taktisches Maneuver. Die Verantwortung über die Entscheidung bzgl. Bebauung des Tempelhofer Feldes um 5 Jahre zu verschieben, also auf die nächste Administration nach der nächsten Wahl. Schaffen sie es wie ein Wunder doch ohne das TPF, kann man sich auf die Schulter klopfen. Ist in 5 Jahren alles noch desaströser, wird die Entscheidung um das TPF umso drängender erscheinen, -der dann noch größere Handlungsdruck den zahlenmäßig starken Gegnern einigen Wind aus den Segeln nehmen. Bin noch nicht sicher, ob ich das billig oder raffiniert finden soll.