Und die Zeiten von Verdichtung sind auch vorbei. So stark wächst Dresden nicht mehr und Baukosten sind extrem gestiegen. Man wird froh sein, wenn überhaupt noch ein paar Projekte kommen.
Die jüngste Bevölkerungsprognose von Anfang Januar geht von über 600.000 Einwohnern im Jahr 2040 aus. Auch die Zahl der Bauanträge in DD steigt inzwischen wieder nach dem v.a. inflations- und zinsbedingten Einbruch in der Bauindustrie. Es wird definitiv nachverdichtet werden.
St. Petersburger Straße, Georgplatz, Rathenauplatz und Co. ähneln weder europäischen noch asiatischen oder amerikanischen Städten - es sind einfach original Dresdner Straßenzüge. Baum-Alleen und Abstandsgrün gehören typisch zu Dresden. Das braucht man nicht in einem Anfall von Gleichmacherei zu einer x-beliebigen anderen europäischen Stadt ohne eigene Identität abändern.
Diese Straßenzüge sind in einer Zeit völlig neuer Stadtplanung entstanden, die nahezu im Konsens sämtlicher europäischer Stadt- und Verkehrsplaner rückwirkend als Irrweg betrachtet wird. Mir fällt auf Anhieb kein Stadtplaner ein, der sich für grüne Wellen und Tempo 70 auf innerstädtischen Straßen begeistern kann wie du. Wer das plant - auch noch aus Gründen der Abgasreduzierung - und damit Autofahren attraktiver macht , sorgt am Ende für mehr Autoverkehr und damit auch mehr Abgase, noch mehr Flächenbeanspruchung etc. Das ist eine stadtzerstörende und keine zukunftsgewandte Planung. Man kann das freilich individuell für gut befinden, aber ich jedenfalls möchte in so einer Stadt nicht leben. Und bei denen, die sich dafür begeistern können, frage ich mich ernsthaft: Sind diese Leute auch mal außerhalb Dresdens/Deutschlands gewesen und haben andere Städte besucht? BW8, warst du mal in Kopenhagen, Amsterdam, Sevilla, Barcelona, Bologna, Verona, Zürich, Wien und hast dort erlebt, wie der städtische Verkehr dort organisiert ist?
Der beste Weg, um Schadstoffe und Abgase zu reduzieren, ist schlichtweg den Autoverkehr zu reduzieren. Und da kann jeder Autofan nun wieder mit den Totschlagargumenten Pflegedienst und Handwerkern kommen und dass die Leute angeblich ein Auto zum Shoppen bräuchten - sorry aber zig europäische Metropolen machen uns seit Jahren vor, dass Innenstädte funktionieren und lebendig sind, trotz - bzw. gerade wegen! - einer weitgehenden Verkehrsberuhigung. In jeder größeren spanischen oder italienischen Stadt zahlt man 25 oder 30 Euro für ein Tagesparkticket im Zentrum. Dort wird es bewusst maximal unattraktiv gemacht, mit dem Auto in die Stadt zu fahren. Trotzdem sind diese Städte weder verödet, noch stehen dort reihenweise Ladenflächen leer - im Gegenteil. Und selbst in Deutschland gibt es ja gute Beispiele dafür, wie Städte Auswüchse der autogerechten Stadtplanung korrigiert haben (Ulm, Potsdam...). Und wer am Wochenende einen Ausflug zur Talsperre Malter machen (BW8s Beispiel) und dass verständlicherweise nicht mit dem ÖPNV tun will, der kann ohne Probleme auf Carsharing zurückgreifen. teilauto hat Hunderte Autos in Dresden rumstehen und unter Garantie findet man auch spontan immer ein freies Auto im näheren Umkreis. Dieses Klammern an die vermeintliche Notwendigkeit des eigenen PKWs ist in erster Linie Gewohnheit und in zweiter Linie "antrainiert" durch eine über Jahrzehnte in erster Linie autogerechte Stadtplanung. Und nein, ich stelle nicht infrage, dass Menschen durchaus aufs Auto angewiesen sind.
Die lockere Bebauung (also das "Abstandsgrün") in dem Gebiet war zudem auch aus den Lehren der Bombardierung begründet, dass sich Flächenbrände nicht mehr so schnell ausbreiten können. Und die Bebauung war, vor allem im späteren DDR-Verlauf, aus der Not heraus geboren und ist durch die immergleichen Zeilenbauten gekennzeichnet, wie sie neben der Pirnaischen Vorstadt auch in der Seevorstadt, in der Wilsdruffer Vorstadt etc. rumstehen. Dass als originär oder typisch Dresden zu adeln und auf Ewigkeit konservieren zu müssen, ist eine für mich nicht nachvollziehbare Überhöhung. Es waren und sind Zweckbauten. Dass man die infrage stellt und sich überlegt, wie man diese Stadtteile wieder lebendiger macht und Altstadt mit Pirnaischer Vorstadt + künftiger Lingnerstadt besser verknüpft, ist eine essentielle Aufgabe künftiger Stadtentwicklung. Und hier ist die jetzige Achse Carolabrücke/Petersburger ein riesiges Hemmnis, um mal wieder zum Thema dieses Threads zu kommen.