Hm. Ist hier der geeignete Platz für grundsätzlichere Bemerkungen? Mir fällt nämlich bei der Gestaltung des öffentlichen Raums immer wieder auf, wie lieblos hier vorgegangen wird.
Beispiel: der Einsatz von Grün. Die Stadt setzt derzeit sehr viel Grün ein, geht dabei meiner Meinung nach aber nicht sehr geschickt vor. Wertvolle Architektur wird immer wieder hinter Baumreihen versteckt, Stadtstrukturen werden negiert.
Ich finde das besonders bemitleidenswert bei unseren Wahrzeichen. Die Festhalle wird völlig unmotiviert von zwei riesigen Bäumen verdeckt - die zudem in keinem Bezug zum Gebäude stehen. Den viel zu schmalen Platz vor der Börse hat man durch eine Baumreihe in zwei noch schmalere Teilplätze unterteilt - und damit verhindert, dass das repräsentative Gebäude überhaupt noch auf seine Umgebung ausstrahlen kann. Die Alte Oper, die theoretisch nicht nur zum Opernplatz hin sondern in alle Himmelsrichtungen eine edle Wirkung entfalten könnte, wird nach Westen und nach Norden von einer grünen Wand verdeckt. Und selbst die Hauptwache ist, vom Rossmarkt kommend, hinter einem Baumfeld quasi nicht zu sehen. Mir ist das in noch keiner anderen Stadt aufgefallen, dass Wahrzeichen durch die Gestaltung der Umgebung nicht hervorgehoben sondern geradezu versteckt werden.
Gut. Bis hierhin betrifft meine Kritik Beispiele aus der Vergangenheit. Leider ist das heutige Vorgehen kaum anders. Hinter neugesetzten Bäumen wird das OneGoetheplaza in zehn Jahren wahrscheinlich kaum mehr auszumachen sein. Anstatt dass man rund um die Alte Oper mal "aufräumt", wird zwischen die Fahrbahnen der Bockenheimer Anlage westlich der Oper eine weitere Baumreihe gesetzt. Am härtesten finde ich aber das Vorgehen am Europaviertel. Das Konzept, mit mehrfachen Hochhaus-Toren und den Wolkenkratzern der Stadt im Hintergrund den Eindruck einer Innenstadt mit "weit geöffneten Armen" zu vermitteln, scheint mir eigentlich schlüssig. Nur ist es ausgerechnet für Fußgänger auf der Europaallee kaum erlebbar. Während Autofahrer freie Sicht haben, verhindert eine Wand aus Bäumen für Fußgänger allein schon den Blick auf die Stadt. Die Urbanität der Umgebung kann sich so kaum auf die Bürgersteige übertragen. Dass man hier im ersten Schritt eine sehr interessante und lohnende Stadtstruktur schafft, nur um sie im zweiten Schritt unkenntlich zu machen, kommt mir sehr verschwenderisch vor.
Umgekehrt kann ich mich an keine einzige von der Stadt initiierte Grüngestaltung der letzten Jahre erinnern, wo Grün-Elemente, also Bäume, Blumenbeete, etc. wirklich mal zelebriert werden. Mein Lieblingsgarten liegt ausgerechnet auf dem Dach eines Einkaufszentrums. Wie im "Skyline Garden" Bäume von edlen Sitzgelegenheiten umgeben und nicht in einer endlosen Reihe gleicher Bäume trivialisiert werden, wie Bänke an geeigneter Stelle zwischen Blumenbeeten stehen, wirkt modern, durchdacht, kleinteilig und vor allem menschenfreundlich. Und irgendwie kommt mir dieser Garten auch viel grüner vor als die eigentlich sehr grünen Straßen und Plätze Frankfurts.
Ein weiteres Beispiel: die Straßenlaternen. Die Laternen, die derzeit überall - in vielen Variationen - in der Stadt eingesetzt werden (z.B. bei den Neugestaltungen vom Deutschherrnufer oder der Großen Friedberger Straße) wirken unheimlich brutal. Mit ihren hängenden Köpfen besitzen sie eine eher depressive Ausstrahlung. Mit ihrem strikt nach unten geleiteten Lichtkegel hat man weniger den Eindruck, dass sie die Umgebung beleuchten als dass man von ihnen beleuchtet wird. Das hat was Flutlicht-artiges - so als würde man überwacht werden. Und dieser Eindruck beschränkt sich absolut nicht auf die Nacht, gerade tagsüber wirken die Leuchten wenig einladend. Stilistisch sehen sie aus als wären sie vor 20 Jahren mal modern gewesen. Besonders in der Umgebung von gründerzeitlicher, verspielter Architektur wirken sie von ihrer Atmosphäre zerstörerisch. Solche Leuchten z.B. auf der eigentlich sehr schönen Ignatz-Bubis-Brücke einzusetzen ist... einfach nur superbrutal.
Ich glaube zwar nicht, dass die meisten Menschen bewusst auf Laternen oder Baumreihen achten, aber ich bin davon überzeugt, dass das unbewusst gebildete Urteil "hier ist es schön" (oder eben nicht) genau auf "Kleinigkeiten" in der Gestaltung, auf deren Konsistenz und auf ganz klaren Strukturen beruht.
Naja, und ein weiteres Beispiel für lieblose Gestaltung - die sehr minimalistisch gehaltenen Plätze - ist hier im Thread ja schon anhand vieler Fälle diskutiert worden.
Ich finde das sehr schade. Wenn man Leute, denen Frankfurt nicht gefällt, nach dem Warum fragt, hört man oft was von "zu businesslike", "zu ernst", "zu wenig kreativ". Und an diesen Eindrücken ist - leider - was dran. Ein bisschen Liebe in der Gestaltung könnte Wunder wirken. Ein respektvoller Umgang mit dem, was die jeweilige Umgebung auszeichnet, wäre echt schön.