...und dann hänge ich ihngleich mal dran, wie gewünscht 
Ein Alleinstellungsmerkmal unter allen JC-Decaux-Städten sind seit nunmehr dreißig Jahren die FGU des Typs "Dresden", entworfen von Christine Lehnert. Es bleibt zu hoffen, dass trotz der bevorstehenden Abrissorgie zumindest einige der zeitlos formschönen Häuschen erhalten bleiben. Diese zeigen sich allerdings wenig variantenreich, es existieren eigentlich nur die gezeigten beiden Grundtypen (einfach mit einer, doppelt mit zwei Werbevitrinen), oftmals in mehrfacher Anordnung. Daher habe ich hier auf die Nachbildung eines konkreten Standorts verzichtet, zumal diese Serie, wohl aus ästhetischen Gründen, leider nie Haltestellen-Namensschilder erhielt.

Ab etwa der Jahrtausendwende hielten im Innenstadtbereich die auch aus anderen Stäten bekannten FGU des Typs "Foster" Einzug, entworfen von Sir Norman Foster, der neben The Gherkin, der Reichstagskuppel, dem Viaduc de Millau, auch den Umbau des Dresdner Hauptbahnhofs verantwortet. Diese gibt es in mehreren Variationen: Mit und ohne Vitrinen, doppelt (in Dresden die Regel) und einfach, anthrazitgrau (die meisten) oder silbergrau, sowie als Umfassungen ohne Dach bei größeren architektonischen Lösungen, wie am Hauptbahnhof oder am Postplatz. Auf letztere verzichte ich an dieser Stelle, da ich mir die Großanlagen noch einmal getrennt vornehmen möchte. Auch hier fehlen Namensschilder.


Und da sind wir schon bei den neuesten Entwicklungen: Abgeleitet aus dem obigen Foster-Design sind die Wall-FGU der aktuellen Generation, die bislang allerdings nur als Einzelexemplare zum Einsatz kommen. Hauptunterschied sind die neugestalteten, massiven Werbevitrinen und die Dächer, die zumindest bei einer bestimmten Anzahl Zinkwannen erhalten und begrünt werden sollten.
Leider ist das Ganze eine wie ich finde etwas triste Angelegenheit: Die Haltestellen-Namensschilder zeigen sich nun in ähnlich lebensbejahendem Grau wie der Rest der Unterstände, und das mit kaum lesbarer Schriftgröße. Immerhin aber gibt es welche, denn bei allen Sonderbauformen ab dem Typ "Dresden" hat man nie eine zufriedenstellende Lösung der Haltestellennamen gefunden, so dass man dies gleich bleiben ließ und der werte Fahrgast einzig auf die Angaben an der Haltestellenstele draußen bzw. den Anzeigen in den Wagen angewiesen ist.

Kommen wir nun zu den mehr oder weniger mobilen Lösungen, die Mitte der 1990er Jahre auftauchten. Dabei handelt es sich um recht einfache Glasunterstände, die zunächst auf eine Grundplatte montiert waren und dann zum Einsatz kamen, wenn zeitnah im Umfeld größere Umbauten anstehen sollten - sie waren damit leicht zu versetzen oder zu entfernen. Sie besitzen generell keine Werbevitrinen und wirken etwas klobiger als die Decaux-Standardhäuschen der Serie "Trafic" aus dem ersten Teil, ähneln diesen aber. Dabei sind die Provisorien mitunter sehr dauerhaft: Nicht ausgeschlossen, dass der mobile FGU auf dem Fetscherplatz (auf eigener Grundplatte!) noch seinen dreißigsten Geburtstag am Standort erlebt.
Besonders seit den 2010er Jahren werden die Häuschen des Mobiltyps zunehmend auch fest als Alternative zu den Decaux-Bauserien eingesetzt, die neuesten finden sich an der im letzten Jahr sanierten Berthold-Haupt-Straße. Ich kenne die genauen Hintergründe nicht, denke jedoch, dies hängt mit der Erfüllung der vertraglich festgelegten Kontingente seitens WallDecaux zusammen, so dass zunehmend Eigenregie der DVB bzw. Stadt zur Haltestellenausstattung gefragt war. Bis in jüngste Zeit erfolgten solche Neuaufstellungen, wie wie eben an der Kleinzschachwitzer Strecke, am Abzweig nach Hellerau oder an der Gleisschleife Leutewitz, dort aber in besonderer Form...

Die "mobilen" Unterstände sind sich alle recht ähnlich, mitunter erfolgten aber auch Anpassungen an örtliche Gegebenheiten. Dies betrifft vor allem die Breite der Seitenscheiben, am Klosterteichplatz in Leubnitz gibt es sogar eine halbverglaste Stirnfront als Wetterschutz. Neuere Exemplare besitzen generell eine breitere Dachleiste vorn und eine Regenablaufrinne hinten.


Einge mobile FGU wurden mit eigenen Solarzellen zur Energieversorgung ausgestattet, hier zwei Beispiele aus Löbtau Süd und von der Brücke Budapester Straße.

Eine ganz besondere Bauform aus Mobilelementen findet sich seit 2018 am Abzweig nach Hellerau. Hier wurde mit modernen Mitteln der bis in die 1990er Jahre vorhandene markante achteckige Holzpavillon nachempfunden. Wie ich finde eine nette Lösung, auch wenn ursprünglich von "Rekonstruktion" des Häuschens die Rede war.

Für die aktuell modernste Bauart mobiler Häuschen (die es auch tatsächlich sind) muss man die Sr´tadtgrenzen weit hinter sich lassen und sich in den Landkreis Meißen begeben, denn die finden sich an der Weinböhlaer Außenstrecke. Hier in grau das Exemplar an der Eisenbahnbrücke in Radebeul-Zitschewig und oben in dunkelgrün in Weinböhla.

Auf weitere Radebeuler Beispiele verzichte ich, da die dortigen Ströer-Anlagen (Verträge der Stadt Radebeul) nichts mit den Verkehrsbetrieben zu tun haben. Diese nutzen noch nicht einmal die Informationsvitrinen, die somit seit Jahren leer bleiben, die Fahrpläne findet man an extra Aushängen an den Haltestellenschildern.
Zu ganz besonderen Ehren kam, wie oben schon angeteasert, die Dresdner Mobil-Bauart jüngst bei der Neugestaltung der Schleifenanlage in Leutewitz. Hier dient sie als Basis für die erste "grüne" Haltestelle im Dresdner Liniennetz. Die Planung oblag dem Büro für Landschaftsarchitektur Grohmann, der Hinweis fehlt auf der Folie.
Selbst habe ich mir die Anlage vor Ort erst jüngst im Zuge der Recherchen angeschaut, und ich muss sagen, ich finde sie sehr gefällig. Das darf ruhig Schule machen...

Und schließlich, quasi noch ofenfrisch, die jüngsten einschlägigen Entwicklungen an der Haltestelle Julius-Vahlteich-Straße der Linien 6, 7 und 70. Die Planungen für das Pilotprojekt im Rahmen der HeatResilient City II stammen schon aus dem Jahr 2018, wurden aber erst jetzt umgesetzt. Bei der Begrünung war ich etwas voreilig, diese harrt im Original noch der Anpflanzung. Aktuell sind die Rohbauten noch "nackt".

Generell finde ich die Haltestellenbegrünung eine tolle Sache, wird die Aufenthaltsqualität doch erheblich gesteigert. Sicher ist dies keine Lösung für überall, und auch die Pflegekosten müssen ins Kalkül gezogen werden. Für das Stadtbild insgesamt jedoch bietet der Ansatz eine sehr erfreuliche Aufwertung und einige versiegelte Betonsteinwüsten weniger.
Soweit erstmal in diesem Theater. Im nächsten Teil würde ich dann mit den echten architektonischen Lösungen fortfahren, hier fehlen mir allerdings noch einige Grafiken, besonders bezüglich der Innenstadthaltestellen. Die Ausgangsfotografien hierfür lassen sich wohl am besten an einem ruhigen Sonntagmorgen anfertigen.
Und sicher ebenfalls von Interesse dürfte anschließend das doch noch recht umfangreiche DDR-Erbe sein, auch wenn die notorischen Betonwartehäuschen mittlerweile schon mit der Lupe zu suchen sind.