Unabhängig von der eintönig wirkenden Ansammlung raffinierter und mehrheitlich weniger raffiniert abgestufter Rasterfassaden am Leipziger Platz, fehlt mir die abschließende Verbindung zum Potsdamer Platz.
Insgesamt fehlt mir auch das Platzgefühl am Potsdamer Platz. Hier könnte eine veränderte Verkehrsführung (Kreisverkehr) mit einem zentraler aufgestellten Verkehrsturm Abhilfe schaffen.
Am Leipziger Platz wäre eine Weiterentwicklung der Torhausplanungen der 90er nötig. Ein Wiederaufbau der Schinkelschen Torhäuser als 1:1 Rekonstruktion passt nicht mehr zum heutigen Platzgefüge.
Beiträge von Berkowitz
-
-
Ich kann mich noch an den Tag erinnern, an dem mein Vater entsetzt aus dem Wohnzimmer kam, da er über die Fernseh-Nachrichten erfahren hat, dass die Garnisionskirche in Potsdam gesprengt wurde.
Ich konnte damals als kleiner Junge damit nicht viel anfangen. Nur zeigte er mir dann sein 5-Reichsmarkstück mit dem Abbild, und das ist mir in Erinnerung geblieben. Die 5 Reichsmark gehören jetzt mir. Und ich hoffe inständig das Reko-Original in absehbarer Zukunft sehen zu dürfen. -
Ein sehr interessanter Ansatz ist das: Ich denke, die Überzeugung flexibel mit Geschichte umgehen zu können ist erst richtig nachmodern. Das eröffnet interessante Perspektiven: Zum Beispiel finde ich die schlütersche Ursprungsplanung für den Schlossumbau viel qualitätvoller und skulpturaler als die Überformungen, die sein Konkurrent Eosander dann umgesetzt hat. Man hätte auch alle barocken Planungen für dieses Areal nun umsetzen können, die durch den Regierungswechsel nach dem Tod Friedrich I. durch den Soldatenkönig weggespart wurden - Berlin hätte in nichts Dresden nachgestanden... - Eine kleine Kompilation der unterschiedlichen Entwürfe von Schlüter, Broebes und de Bodt für dieses Areal wäre nett. Das hätte man ja nun umsetzen können beim Wiederaufbau und wäre somit den ursprünglichen Entwürfen noch näher gekommen, als die Umsetzung dann sich ergeben hat.
Würde heute aber nicht zum Gesamtkomplex passen. Sonst keine schlechte Idee. So ist in Polen beim Wiederaufbau (Posen, Danzig, jetzt Stettin) häufig verfahren worden. Die späteren Umbauten wurden nicht mehr berücksichtigt. Günstigere Frühplanungen wurden wieder aufgenommen.
-
-
Als Spender für die Schlüter-Achse habe ich jetzt auch meinen kleinen Anteil gegeben.
Ich war bereits in den 90ern ein Befürworter des Wiederaufbaus, konnte in den Anfangsjahren der Spendenaktion aber mangels Masse noch nichts beitragen.
Das habe ich dieses Jahr nachgeholt. -
Potsdamer: Sie -die Gegner der Kirche- dienen der Sache nicht! Als Befürworter eines Wiederaufbaus kann ich ihren Argumenten nicht folgen. Als möglicher Gegner eines Wiederaufbaus würde ich mich von Aktivisten wie Diesen instrumentalisiert fühlen. Das widerspräche meiner individualistischen Natur. Knapp zusammengefasst:
Die Argumente der Aufbaubefürworter empfinde ich mehrheitlich als ehrlich, die der Gegner als aufgesetzt und daher mehrheitlich als unehrlich. -
Ich schließe mich den vorherigen Beiträgen an. Dieses Forum ist ein Architekturforum und kein politisch ideologischer Kindergarten.
Wer die Ehemalige Garnisionskirche städtebaulich nicht schätzt kann jederzeit Alternativen vorschlagen. Ich bin für den Wiederaufbau! Weil sie dorthin gehört und mir keine passenden Alternativen einfallen. -
An dem ganzen Theater zeigt sich wie teils leichtfertig, teils übertrieben mit den Gedanken an Sühne und Vergebung und Versöhnung besonders seitens aktueller und ehemaliger Politprofis umgegangen wird. Laßt doch einfach die Kirche im Dorf, oder wieder in diese Stadt kommen.Es handelt sich um Steine, schön geformt und gekonnt geschichtet. Das Vergangene, der Schutt von gestern befindet sich doch längst auf der Müllhalde der Geschichte.
-
^
Grund, aber kein ernsthaftes Hindernis. Bei zunehmender Verdichtung im Bereich der Berliner Innenstadt werden ohnehin mehrere derartige Flächen in Zukunft zur Disposition stehen. Das eigentlich Hemmende ist die Investition an sich, und die Integration der Bestandsbauten des Tempodroms. Sportanlagen sind schön und gut, und in diesem Fall passte es als sinnvolle Ergänzung zur durch Bewuchs dargestellten Nachzeichnung des ehemaligen Anhalter Bahnhofkomplexes. Ich sehe diesen Sportplatz jedoch als Provisorium für Nachfolgendes, vielleicht einer Indoor-Sporthalle in meinem oben angedachten Projekt. Selbst wenn der Sportplatz noch in 100 Jahren dort sein wird.
Aber solche Aussagen hatten wir schon zu ganz anderen Bauten.
Und Rekonstruktionen werden immer beliebter. Und nicht nur bei romantisch veranlagten Spinnern. Am Anhalter Areal wäre so eine Rekonstruktion in Kombination von historisierend bis modern ein sicher auch von der Lage her sehr interessantes Projekt. -
Es geht nicht ums Bewahren bis ins Letzte. Es geht auch nicht um die Verteufelung der Moderne. Es geht um mehr Berücksichtigung des Menschen in der Architektur. Heute können wir die Toilette im Hausflur verschwinden lassen, ohne dabei ganze Wohnblöcke abzureißen. Heute können wir uns wieder der Tradition im Bauen bewußt sein! Darum geht es! Und wenn wir das nicht mit neuen Mitteln schaffen, müssen wir uns eben der Bautradition bedienen. Nicht immer muss das Rad neu erfunden werden, das gilt für die Kunst, Musik und auch für die Architektur. Pinsel, Leinwand, Notenblatt und Zeichentisch (auch virtuell).
-
Als Anmerkung zur Stadtreparatur am Askanischen Platz habe ich im Forum Stadtbild Deutschland eine Anregung gefunden, die bei entsprechendem Investitionswillen nicht unbedingt als unrealistisch zu sehen ist.
Es wurde der Wiederaufbau oder Teilwiederaufbau des Anhalter Bahnhofs unter Einbeziehung des Tempodroms angedacht.
Meine Interpretation dieser Idee:
Ein Gebäude in teils historischer und teils angepasster, Investoren freundlicher Ausgestaltung könnte z.B enthalten: zwei Museumsbahnsteige des Verkehsmuseums um ganze Züge zu präsentieren, Cafes und Restaurants, eine Kindertagesstätte, Verwaltungs-und Büroräume, sowie in einer Konzeption mit mehreren Etagen im Bereich der Bahnhofshalle, die natürlich licht und transparenter zu gestalten ist, vor allem im Bereich der ehemaligen Ausfahrt, eine Anlage mit Wohnungen der Luxusklasse mit Blick über Berlin.Und zu guter Letzt ein Hotel auf der " Excelsior"- Seite.
Geschätztes Investitionsvolumen mit Backstein veredelter Nordseite unter Einbeziehung des Portikus- Fragmentes, geschlossener Bahnsteighalle und modern interpretierter Südfassade sowie der Aussparung für das Tempodrom, ohne Museumsgleisanschluß, von ca. 250 Mill. Euro. Man darf dabei nicht vergessen, dass dieser Bau Denkmal geschützt war, und als Leitbau der Industrialisierung und Mobilität zu sehen ist. Egal wie einige über das Partnerforum denken, das wärs doch, und nicht nur eine Idee zur Füllung des Sommerlochs!? -
Frau Lüscher gehört einer Architektur-Strömung an, die zunehmend hinterfragt wird. Wichtig ist hier aber nicht allein ihr Wille diese Einstellung, die nicht mehr unbedingt "Mainstream" ist, gnadenlos durchzusetzen, sondern die architektonische Grundhaltung zur Stadtgestaltung im Senat an sich. Ohne politische Unterstützung derer, die an Sie glauben, könnte sie sich nicht mehr halten. Und diese Unterstützung hat sie.
Also liegt es am Umdenken in der Politik und am Verhalten der Wähler hier Veränderungen zu erreichen.
Den ohne politischen Willen hätte es keinen Abriss der Berliner Kopfbahnhöfe, keine Kahlschlagssanierung der 60er und 70er, kein Hansaviertel, keinen Thälmann-Park, und keinen neuen Pariser Platz gegeben. Das gilt gleichermaßen für Ost und West. Und das darf man, unabhängig davon ob einem der Senatsbaudirektor passt oder nicht, auch nicht vergessen. -
^
Ich sehe in diesem Beitrag viel persönliches.
Allerdings kann der Leser nicht die Hintergründe ersehen, sondern nur spekulieren.
Für mich kommen hier erstrangig Arisierungen in den 30ern mit Problemen der Rückübertragung in der Neuzeit, oder Zwangsenteignungen unter der Sowjetadministration bis 1947 in Frage.
Für das Erstgenannte ist die zuständige Stelle beim Zentralrat untergebracht (Jewish Claims Conference). Zum Zweitgenannten wird aufgrund des Einigungsvertrages nicht mehr viel zu machen sein.
Sollte eine Dritte Möglichkeit öffentlich genannt werden, dann ist unter Nennung von "Ross und Reiter" auch die Beweislast zu tragen. -
^^
Es gibt unter den politischen Handelnden in Berlin und Potsdam kein Einsehen, dass Stadtplanung inzwischen nicht mehr top-down und im Zweifel gegen sondern nur noch bottom-up und im Zweifel mit der öffentlichen Meinung zu realisieren ist (Und da mein ich nicht Workshops oder Planwerkstätten). Da herrscht die kommunikative Kultur des Weg/Her-Damit-und-Basta, wofür in Berlin Wowi politisch und in femininer Erscheinungsform Lüscher stadtplanerisch steht und generell durch die politischen und architektonischen Elite getrieben und getragen wird, die sich als allerletztes von dem "Mob" irgendetwas vorschreiben lassen wollen. Das wird in Zukunft generell nach hinten losgehen, denn dieses Weg/Her-Damit-und-Basta führt inzwischen unmittelbar zu einer Reaktanz in Form von Das-muss-verhindert-werden. Keine gute Grundlage für eine stadtplanerische Kultur des Miteinander. Und beste Voraussetzung für Stillstand oder "Ergebnisdurchsetzungsarchitektur" wie Alea oder rund um den Hauptbahnhof.Dennoch ist es absurd und auch juristisch nicht haltbar, dass die Öffentlichkeit oder die Politik entscheidet, ob eine Stiftung aufgelöst wird oder nicht.
Dieser Abschnitt des Beitrags hat mich am meisten angesprochen. Trifft es doch nicht nur in Potsdam und Berlin zu. Solche Aktionen gibt es auch bei uns in der Provinz. Gerade aktuell in unserer Stadt mit einem Projekt eines Gardearchitekten mit Büros in Hannover und Berlin. Natürlich in Zusammenarbeit mit unserem Stadtbaurat und Oberbürgermeister.
Zurück zu Potsdam: "Jeder soll nach seiner Facon glücklich sein oder selig werden!"
Ich persönlich habe mehr Glückshormone beim Anblick der Architektur einer Kopie der ehemaligen Garnisonskirche, Disneyismus hin oder her, als bei jeglicher modernen Interpretation, unabhängig deren Qualität.
Weil die alte Kirche dorthin gehörte! Punktum. -
Vielen Dank für diesen substantiell fundierten und gleichzeitig mutigen Beitrag.
Und ich ergänze es mit meinen Worten:
"Nicht die Steine sind es, sondern die Menschen!"
Darum bitte gibt Potsdam eines seiner Wahrzeichen zurück. -
Kleinflächige wohlproportionierte Beschriftung in Gold oder Goldbronze, gegebenenfalls mit akzentuierenden Bändern, gerne. Großflächig: Nein Danke!
-
Ich kann mich erinnern, dass es in der Planung der AdK die Idee gab, Fassaden-Strukturen des Vorgängerbaus als historisierendes Attribut in die Glasfront zu fräsen, oder zu ätzen. Kann sein, dass man davon abgekommen ist, weil die Befürchtung bestand nicht die beabsichtigte Wirkung zu erzielen. Die heutige Transparenz des Baus ist bestechend. Die früher angedachte Ätzkunst hätte ohnehin eher den Charme der Optik einer Wiener Cafehaustür ergeben. Trotzdem wäre eine klassisch gewählte Beschriftungstechnik dem Bauwerk angemessener.
-
Den Status eines qualifizierten Wohnens kann ich nur bestätigen.
Einladend zum Flanieren ist diese Gegend jedoch nur noch begrenzt.
Und zum Erlebnis des Flanierens sind gewachsene Stadtstrukturen nötig, die dieser Bereich nicht mehr bieten kann.
Die ehemals belebten und sehr geschäftigen Bereiche wie Dönhoffplatz, Spittelmarkt, Petri-Kirchplatz, mit in über Jahrhunderten gewachsenen und sicher nicht immer passenden Bauformen, sind nicht mehr vorhanden.
Die sozialistische Moderne hat die Slums beseitigt, leider aber auch die verbliebenen Reste großstädtischer Urbanität.
Das konnte letztlich auch das Ahornblatt nicht mehr reißen, auch wenn ich mich inzwischen den Meinungen anschließe, es wäre besser geblieben. -
Dieser Bau besticht durch seine auffällige Unauffälligkeit trotz der nicht unbeachtlichen Baumasse. Und die Faschen der Fenster im Sockelbereich sehe ich auch als gelungen an.
-
Als Freund sanfter Rekonstruktionen, täte diesem Ort eine Petri-Kirche deutlich besser.
Überhaupt wird in dieser Gegend mehr "gewurschtelt" als vernünftige Stadtplanung betrieben.
Und zum Beth-Tempel-Moschee-Kirche:
Was soll der Sch...! Nichts halbes und nichts Ganzes. Das Bauwerk ähnelt über dies mehr den heutigen Synagogen-Neubauten, die Salomons Tempel architektonisch näherstehen, als das, was vor mehr als 100 Jahren in Deutschland und der Welt an Synagogen erbaut wurde. Kommt nur die Frage auf, wie sich die anderen Religionen damit abfinden können.
Nun gut, die christliche Seite nähert sich auch wieder vermehrt den Ur-Kirchen (Katakomben-Stil). Aber als Moslem würde ich mein Minarett vermissen, auch wenn dieses geplante Gebäude entfernt die Kaaba wiederspiegelt.
Jedoch im Großen und Ganzen muss ich Ben rechtgeben. Eine Religionsgruppe sollte nicht krampfhaft mit anderen zusammenziehen, wenn bereits innerhalb der Religionsgruppe tiefe Gegensätze existieren. Aber das gehört in einen anderen Thread.