Beiträge von Sidious

    So ich bin gerade aus der Beuth Hochschule zurückgekehrt, wo am heutigen Tage der Vortrag von Franco Stella zum Humboldtforum stattfand. War im Großen und Ganzen sehr informativ, auch wenn für eingefleischte Fans wahrscheinlich nicht allzu viel neues in Erfahrung zuu bringen war.

    Stella begann seinen Vortrag mit der Frage, was er unter "Rekonstruktion" verstehe und antwortete, dass es sich seines Erachtens um den "Wiederaufbau eines wie auch immer verlorenen Gebäudes handelt - wo es war und wie es war". Er grenzte seine Definition somit von den Begriffen "Kopie" (Ort stimmt nicht) und "Interpretation" (das "wie" wurde verändert) ab. Darüber hinaus habe er sich gefragt, welche Gebäude seiner Meinung nach rekonstruktionswürdig sein und beantwortete sich dies, dass ein Gebäude eine identitätsstiftende Wirkung auf die Gemeinde oder die Stadt haben müsse, in der es steht/stand. Sein Entwurf des Humboldtforums sieht er zu 50% als Rekonstruktion (nicht nur Fassadde, sondern auch Raumaufteilung in den drei Barockflügeln), die restlichen 50% seien schlichtweg ein Neubau. Im Anschluss daran ging es um die Integration moderner Architektur in bereits bestehende Strukturen.

    Daraufhin folgte ein Abriss der Entstehung des originalen Schlosses bis zu dessen Sprengung. Die Bekanntgabe der Sprengung durch den damaligen Generalsekretär Walter Ulbricht kommentierte er dabei lässig mit den Worten "Warum sollte er das letzte Wort haben?!" und ging recht schnell zu seinem Entwurf über. Laut Stella liegen die Stärken seines Entwurfes in der Offenheit und den allzeit frei zugänglichen Veranstaltungsräumen (Agora, Schlossforum, Schlüterhof). Zusätzlich zu diesen Veranstaltungsräumen gewinne Berlin durch die Piazza zwischen Spree und Ostfassade einen weiteren Platz, der ursprünglich aufgrund des Apothekerflügels nie existiert habe.
    Stella machte klar, dass er die Ostfassade als einen Neubau sieht und hob hervor, dass es nie seine Intentioon war, die Barockfassade der restlichen Seiten auf irgendeine Art und Weise neu zu interpretieren ("Man kann nichts interpretieren, was es vorher nie gegeben hat"), was er mit der "Einkerbung" auf der Nordseite und der klaren Abgrenzung mittels des Rondells auf der Südseite hervorheben wollte. Er betonte auch, dass es sich bei seiner Ostfassade nicht um eine gewöhnliche Lochfassade handele, die ausschließlich aus identischen Fensterbänden besteht, sondern die Proportionen vieler Renaissance-Bauten in seiner italienischen Heimat aufgreife, an denen er sich orientiert habe. Beim Schlossforum (also der Durchquerung zwischen Nord- zu Südportal) hat er sich unter anderem bei der Galleria degli Uffizi in Florenz oder auch dem römischen Kolosseum inspirieren lassen. Die Neubaufassaden im Inneren orientierren sich jedoch in ihren Proportionen an den Barockfassaden (z.B: Schlüterhof) und interpretieren diese neu.

    Untermauert wurde der Vortrag von vielen Bildern und Visualisierungen, von denen mir viele neu waren, unter anderem auch von den Treppenhallen an den beiden Neubauseiten der Agora.
    Gegen Ende der Veranstaltung beantwortete er die Frage eines Studenten, der wissen wollte, wie man bei einer so kolossalen Deckenhöhe wie beim Stadtschloss Toiletten und andere Funktionsräume unterbringt, gekonnt und ironisch abwinkend mit den Worten "Toiletten?! Gibt's keine Toiletten, gibt's keine Toiletten!", worauf hin er doch die Lacher des Publikums auf seiner Seite hatte.

    Besonders beeindruckt hat mich der Umstand, dass Franco Stella den gut anderthalbstündigen Vortrag komplett in Deutsch gehalten hat, wofür er sich meinen vollen Respekt verdient hat! Ich hatte mit gebrochenem Englisch gerechnet.
    Nichts desto trotz war es eine informative und tolle Veranstaltung gewesen, in denen nicht nur Studenten die Hörerschaft bildeten.

    Kitsch? Mag sein! Hof zu klein? Joa, mag auch sein.
    Aber dennoch finde ich dieses Gebäude bei Weitem nicht so scheußlich wie es hier von den meisten verrissen wird.

    Es hat viel Fensterfläche, ich empfinde (zumindest auf den Fotos) die Farbwahl als recht ansehnlich und gelungen und gerade wegen der vielen Rundungen finde ich es interessanter als viele andere Neubauprojekte, die Profitmaximierung durch Quaderanordnung betreiben.

    Die Kritik am zu kleinen Innenhof kann ich nachvollziehen. Vielleicht liegt hier das eigentliche Problem. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass die Fellini-Residences als positiv wahrgenommen werden würden, wenn aufgrund eines größeren Hofes die vorhandenen Gestaltungselemente am Haus "besser verteilt" wären und der Kitsch-Eindruck somit abgeschwächt würde.

    Ich finde hier liegen Licht und Schatten nahe beieinander, aber nicht alles ist schlecht.

    Der Bitte um Einschätzung der Materialwahl schließe ich mich an :)

    Also mir gefällt's auch. Der Turm ist schick, den Sockelbau empfinde ich zumindest nicht als Verschlechterung. Aber auf der Visualisierung wirkt er auf mich fast schon etwas...ländlich, also jedenfalls weniger urban als der Staus Quo.

    Aber ich bin gespannt, obs dieses Mal was ernstes wird!

    Ich habe gerade schon im Thread danach gesucht, bin aber leider auf die Schnelle nicht fündig geworden: Ist geplant, die "Dachkanten" des Landtagsschlosses nach und nach um die Figuren und Statuen zu ergänzen, die das ursprüngliche Schloss geschmückt haben?

    Ich meine die Attika-Skulpturen...

    Also der Tschoban Wettbewerbsentwurf gefällt mir richtig gut! Sieht gediegen aus, ohne langweilig zu sein. Eine gute Abwechslung zur glatten Rasterfassadennachbarschaft. Und durch die großen Fenster wären die Wohnungen bestimmt richtig schön lichtdurchflutet.
    Wie war das doch gleich? Der Investor ist nicht an die Jury-Entscheidung gebunden? Also mich würds freuen, wenn Tschoban ne Chance bekäme!

    Und die 2.Variante von Rolvien wär doch mal was gewagteres gewesen. Finde ich auch sehr interessant! Es wird doch hier oft genug bemeängelt, dass es in Berlin an innovativen Entwürfen fehlt. Da wäre das doch zumindest ein Anfang gewesen. Ich frage mich gerade, wie dieser Entwurf in der Realität bei strahlendem Sonnenschein wirken würde, wenn man mit (z.B. grün-)getöntem Glas arbeiten würde.

    BerlinExCinere: Ich finde, der Vergleich hinkt ein wenig ;)

    Zu allererst ein fröhliches Hallo in die Runde!
    Endlich habe ich es mal geschafft, mich auch hier anzumelden, um hin und wieder ein paar Gedankengänge äußern zu können, anstatt immer nur als interessierter Laie mitzulesen.

    Den obigen Entwurf finde ich zwar akzeptabel, aber das Gelbe vom Ei ist er mM nach nicht.
    Kann jemand mutmaßen, aus welchem Material die Fassade bestehen könnte? Ich kann mir vorstellen, dass die Visualisierung hier heller erscheint als das spätere Ergebnis und befürchte da ein ähnliches Problem wie bei der Mercedes-Benz-Zentrale am Spreeufer.
    Gerade im Vergleich zum Ursprungsentwurf erscheint diese überarbeitete Fassung heller, vllt. hat das eine vermarktungstechnische Bewandtnis ;)

    Desweiteren erscheint er mir ein wenig als Fremdkörper. Ich hätte mir gewünscht, dass man einige Stilelemente des Alexa, wie beispielsweise die Bögen aufgreift um den Gesamtkomplex als solchen etwas "aufzuwerten" und harmonischer zu gestalten. Ich denke hier beispielsweise an die Visualisierung auf der SenStadt-Seite zu diesem Baufeld:

    http://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/staedte…1_800x454.shtml
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