Was mich am meisten an diesem "Wildwuchs" stört ist dass er nicht mit einer Funktionserweiterung einhergeht. Neue Funktionen würden m.E. ein "aus der Reihe tanzen" der strengen Gliederung mitunter rechtfertigen.
Dem stimme ich völlig zu. Die strenge Gliederung gilt ja ohnehin nur für die Institutsgebäude, während für die Gebäude mit anderer Funktion auf der Zentralachse von Beginn an eine eigenständige, besondere Architektur vorgesehen war und auch realisiert wurde. Dieses Prinzip – Gleichförmigkeit bei den Forschungsbauten und Abwechslungsreichtum bei den übrigen Gebäuden – erscheint mir auch heute noch sinnvoll. Man hätte es ohne weiteres so weiterführen können.
Einzelhandel, Studi-Kneipe, Wohnen (wenn auch unter gegeben Umständen schwer vorstellbar) dürften als Gegenpol zur strengen Kubatur gerne das Ensemble auflockern. --> Nur das hätte m.E. das Aufbrechen des Enseblacharakters im Einzelfall gerechtfertigt. Das Klötzchenhusten für Bildungsbauten, wie es aktuell veranstaltet wird jedoch nicht. Allein man hat sich 2009 explizit gegen eine Nutzungserweiterung ausgesprochen und so bleibt dir RUB was sie ist. Ein reiner Campus-Bildungs-Bunker.
Die vorgesehene Neuordnung der Zentralachse hätte die Gelegenheit geboten, solche neuen Funktionen zu integrieren. Mit der Ablehnung der Nutzungserweiterung wird hier in der Tat eine Chance vertan. Einzelhandel und Kneipen könnte ich mir auf dem Campus und insbesondere auf der Zentralachse gut vorstellen. Diese könnte damit zu einem echten, belebten Zentrum werden, auf dem man sich auch aufhält und nicht nur durchhetzt. Beim Wohnen bin ich ebenfalls skeptisch. Bei der vorhandenen dichten Bebauung dürfte es schwierig werden, geeigneten, attraktiven Platz für eine Wohnnutzung zu finden. An den Rändern könnte man eventuell mit Wohngebäuden noch näher an den Campus heranrücken, wobei einer der geeignetsten Plätze dafür leider mit der Lennershofsiedlung belegt ist, die so überhaupt nicht zum universitären Leben paßt.
Nach 18 Uhr fällt der Vorhang. Und leben, lieben, feiern, wohnen findet wo anders statt und es wird weiter gependelt, was das Zeug hällt. Wo soll da emotionale Bindung zur Uni (-Architektur) herkommen.
Wohnen auf dem Campus sehe ich nicht unbedingt als Voraussetzung für eine emotionale Bindung zur Uni an, die anderen Punkte aber durchaus. Wichtig ist es m. E., eine gute Aufenthaltsqualität zu erreichen. Tagsüber und bei schönem Wetter in der warmen Jahreszeit finde ich sie schon jetzt nicht so schlecht (botanischer Garten, Querachsen, begrünte Dachflächen), wobei man bei der Gestaltung und Verknüpfung der Grün- und Freiflächen natürlich noch einiges verbessern könnte. Problematisch sieht es in der Tat bei Regen, Kälte und abends aus. Insbesondere abends könnte ein attraktives Gastronomieangebot das vielleicht verbessern. Feiern ist im übrigen momentan auf dem Campus so gut wie unmöglich; die früher durchaus gut besuchten Studentenpartys in den Hörsaalfoyers werden inzwischen nicht mehr genehmigt, so daß die Fachschaften auf Örtlichkeiten außerhalb des Campus ausweichen müssen.
Ob es wirklich erstrebenswert ist, sein gesamtes tägliches Leben auf dem Uni-Gelände zu verbringen, also auch dort zu wohnen, weiß ich nicht. Ich finde, am Ende eines Arbeitstages schadet es nicht, auch mal in eine andere Umgebung zu wechseln und ein bißchen Abstand zu gewinnen. Solange sich diese Wohnumgebung noch in näherem Umkreis befindet, würde ich das auch nicht als Pendeln bezeichnen. Das echte, dem studentischen Leben wenig zuträgliche Pendeln über größere Entfernungen dürfte viel mit den besonderen räumlichen und sozialen Gegebenheiten des Ruhrgebiets zu tun haben. Ich glaube nicht, daß sich daran viel ändern würde, wenn es Wohngelegenheiten auf dem Campus gäbe. Ich zum Beispiel bin zu meinen Studentenzeiten auch 40 km gependelt. Im nachhinein bereue ich das ein wenig, aber in der damaligen Situation war es für mich die einzig sinnvolle Entscheidung – und sie war völlig unabhängig von den verfügbaren Wohngelegenheiten am Campus oder in Bochum allgemein.
Das die Uni sich nun in die Stadt hinein erweitert sehe ich als eine Folge vom bislang gesagtem. Man versucht die Menschen da abzuholen und für sich zu werben, wo sie sind. Nämlich in der Innenstadt. (Auch ich zog das Ehrenfeld der Hustadt vor)
Ich ziehe auch die Innenstadt vor, allerdings den nördlichen Teil. Wenn man dort wohnt, muß man sich morgens nicht um einen Platz in der U35 prügeln. Aber ich sehe es wie gesagt auch nicht als Nachteil, ein paar Minuten Fahrzeit von der Universität entfernt zu wohnen, und denke nicht, daß man die Studenten unbedingt in der Stadt abholen muß. Wenn man die Universität für die übrige Bevölkerung durch einen innerstädtischen Standort sichtbarer macht, kann das natürlich nicht schaden.
Am gestrigen Montag, 14.10.2013 wurde diese Außenstelle der Universität in der Innenstadt übrigens eröffnet: »Rektor Prof. Elmar Weiler und Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz tauften das Gebäude an der Bongardstraße, Ecke Grabenstraße auf den Namen „Blue Square“. „Die Farbe Blau steht für die Stadt Bochum, für den VfL, aber auch für die Ruhr-Universität“, sagte Rektor Weiler bei der Einweihung. Der englische Begriff „Square“ meint sowohl Platz als auch Quadrat – und das blaue Quadrat als Logo-Label ist das Markenzeichen der RUB.« (Pressemitteilung RUB).
Zu dem absurden Namen und dessen genauso absurder Begründung fällt mir gar nichts mehr ein. Na ja, wenn man sich unbedingt lächerlich machen will... (Ganz abgesehen davon, daß ein Wort nichts meint.)
P.S. Das Wörtchen "Bunker" bitte nicht auf die Goldwage legen; ich mag den Bau ja auch! V.a. habe ich es sehr genossen mich fußläufig durch 3 Fakultäten studieren zu dürfen.
Nein, das Wort ist ja auch nicht ganz unpassend.