Urbanist hat schon vieles klargestellt und treffende Worte gefunden. Die folgende Replik hatte ich bereits fertiggestellt, bevor ich seinen Beitrag gelesen hatte.
Genau die Tatsache, dass die Nutzeranforderungen ziemlich hinten angestellt wurden, sind mein Problem mit dem gesamten Denkmalschutz. Ich verstehe die Beweggründe des Denkmalschutzes durchaus, allerdings reichen sie m.M.n. nicht aus, um diesen Schritt zu gehen.
Du drehst mir die Worte im Mund herum. Ich habe mit keinem Wort behauptet, daß die Nutzeranforderungen beim Grundentwurf hintenangestellt wurden. Im Gegenteil, die Gebäude sind in ihrer jetzigen Form ausgesprochen nutzerfreundlich und ließen sich auch so wiederherstellen oder gar weiter verbessern. Die Konstruktion erlaubt aber im Innern der denkmalgeschützten Hülle eine so enorme Flexibilität, daß man auch das glatte Gegenteil erreichen kann, und genau das zeichnet sich gerade ab, weil das Budget für die Sanierung unzureichend ist. Ich befürchte, daß es fast nur schlechter werden kann, als es heute ist, weil moderne Laborgebäude noch viel mehr auf Kosteneffizienz getrimmt werden als vor 50 Jahren und auf mich oft kalt, abstoßend und unpersönlich wirken. Das ist hier anders, wo ich mich in meiner Arbeitsumgebung durchaus wohlfühle.
Zuviel spricht dagegen: Die Sanierung der RUB ist dermaßen kostenintensiv und kompliziert, dass ernsthaft in Erwägung gezogen wurde, sie abzureißen und neu zu bauen. Und genau das ist es, was die I-Reihe gerade durchläuft.
Und was willst Du uns damit sagen? Ja, die I-Reihe durchläuft das, weil man festgestellt hat, daß der Neubau hier kostengünstiger ist als die Kernsanierung. Was günstiger ist, wird für jedes Gebäude einzeln untersucht. Für das Ergebnis macht es keinen Unterschied, ob man kernsaniert oder abreißt und in gleicher Form neu aufbaut.
Zudem fehlt jede Akzeptanz derer, die die Uni nutzen.
Das ist eine unbelegte Behauptung und in dieser Absolutheit und Pauschalität in jedem Fall falsch. Wie ich in meiner Anwort auf einen früheren Beitrag von Dir bereits geschrieben habe, nutze ich die Uni seit vielen Jahren – zuerst als Student, dann als Mitarbeiter. Ich habe sie immer akzeptiert, fand sie vom ersten Tag an ungeheuer eindrucksvoll und, ja, auch schön und sehe sie wie gesagt als sehr funktional und nutzerfreundlich an. Damit bin ich auch nicht alleine. Viele mögen sie, anders als ich, nicht schön, gar häßlich finden, doch die Zweckmäßigkeit wird sehr viel weniger angezweifelt. Das fiele auch schwer, denn sie ist objektiv vorhanden.
Das gut gemeinte Konzept einer Campus-Uni mit viel Grünflächen dazwischen hat seine Planungsfehler, die nun dank des Denkmalschutzes nur im zu engen Umfang behoben werden dürfen.
Natürlich hat das Konzept Fehler, so wie wohl jedes andere auch. Ich würde von Dir nur gerne mal etwas Konkretes hören. Bisher schreibst Du nur um den heißen Brei herum. Was sind Deiner Ansicht nach die gravierendsten Fehler? Inwiefern behindert der Denkmalschutz die Behebung dieser Fehler? Was würdest Du besser machen?
Und die Tatsache, dass die Uni aus allen Nähten platzt und nun Räumlichkeiten in der Stadt anmieten muss, ist für die Stadt eine gute Entwicklung, aber es verwässert einige der wenigen Vorteile, die das Konzept hatte, nämlich eine Uni der (relativ) kurzen Wege zu sein, doch sehr.
Den letzten Teil dieses Satzes kann ich mit Ausnahme der Worte „einige” (Du nennst nämlich nur einen Vorteil) und „wenigen“ unterschreiben, deshalb halte ich die Anmietung von Gebäuden in der Stadt auch für einen großen Fehler. Als Notmaßnahme für den Zeitraum der Sanierung kann ich sie natürlich akzeptieren, als positive Entwicklung und tolles neues Konzept, als das sie verkauft wird, lehne ich sie aber ab. Man sollte nach Ende der Sanierung wieder alles auf dem Campus konzentrieren.
Die Architekten hatten im Sinne des Zeitgeistes damals geplant: moderne Hochhäuser, nahe der Autobahn und mit vielen Parkplätzen. Wenig bis gar kein Schnörkel, am liebsten nackter Beton. Man wollte (aus geschichtlich gut nachvollziehbaren Gründen) alles anders machen als bisher. Nicht unbedingt besser. Hauptsache: Anders. Auch, wenn nicht alle ihre Ideen falsch waren: Die meisten Ideen von damals dürfen heute als überholt gelten.
Hier gebe ich Dir zum Teil recht. Die städtebaulichen Konzepte der 60er Jahre waren in großen Teilen menschenfeindlich und sind auch aus meiner Sicht überwiegend gescheitert. Im städtischen Raum und allgemein dort, wo gewohnt wird, haben Hochhäuser mit großen, zugigen Freiflächen, Parkplätze und breite Straßen meiner Meinung nach absolut nichts zu suchen. Der Campus funktioniert aber anders und hat auch gar nicht alle der Fehler, die ab den 60er Jahren oft gemacht wurden. Es gibt durchaus einige enger eingefaßte, zum Verweilen einladende Plätze, nicht alle davon frei zugänglich. An anderen Stellen ermöglicht gerade die Weite großartige Ausblicke in die Umgebung, die auch am Wochenende Besucher und Fotografen anziehen. Es gibt sicher noch eine Menge zu verbessern, aber die RUB ist bei weitem nicht so unwirtlich und abstoßend wie manche Hochhaussiedlungen der 60er und 70er Jahre. Ihre Aussage mit den fehlenden Schnörkeln ist im übrigen falsch. Davon gibt es an der RUB eine Menge, ich erwähne hier nur die Balkone. Die Zeit, in der man jede Art von Verzierung ablehnt und nur noch gesichtslose Schuhkartons baut, ist dagegen heute.
Statt aber die historische Chance zu nutzen, mal zu hinterfragen, was klappt und was nicht und dann die Fehler von damals auszubügeln, weil gerade sowieso alles der Verdammnis anheim zu fallen droht, stülpt man die Glocke des Denkmalschutzes darüber und nötigt so weiteren Generationen von Studenten auf, mit diesem unhandlichen Koloss hantieren zu müssen.
Was droht der Verdammnis anheimzufallen? Das verstehe ich nicht. Und nochmal: Nichts an dieser Universität ist „unhandlich“. Sie ist zweckmäßig und funktioniert sehr gut. Hast Du ein besseres Konzept, so viele Mitarbeiter und Studenten auf so verhältnismäßig kleiner Fläche so effizient unterzubringen? Und bei der Planung der Sanierungsmaßnahmen wird sicher hinterfragt, was klappt und was nicht, es werden Fehler behoben und leider viele neue gemacht, aber all das eben im Rahmen der bestehenden Anlage.
Nötigt der Stadt Bochum auf, das weiterhin der nicht zu vernachlässigende Imageträger 'Universität' immer zuerst mit aus heutiger Sicht mehrheitlich als hässlich empfundenen Gebäuden verbunden wird, egal, wie gut Lehre und Forschung hier sind.
Kannst Du das belegen?
Es gibt eine Menge Studenten, die nur zum Studieren einpendeln und kaum die Stadt besuchen. Wer will es ihnen verdenken? Die RUB ist nicht dazu geeignet, Neugier auf den (durchaus spannenden) Rest von Bochum zu wecken.
Das ist ein sehr konstruierter Zusammenhang, der für mich wenig Sinn ergibt. Ja, die RUB ist eine Pendleruniversität, und auch zu diesem Thema hatten wir hier schon eine Diskussion. Die RUB hat nun einmal – wie alle Ruhrgebietsuniversitäten – einen sehr großen, dicht besiedelten Einzugsbereich, der es einem großen Teil der Studenten ermöglicht, während des Studiums weiterhin in ihrer Heimatstadt, oft bei ihren Eltern, zu wohnen. Das hat für den einzelnen sicher Nachteile, was die soziale Interaktion angeht, ist aber andererseits ein Vorteil, weil es weniger Begüterten die Entscheidung für ein Studium erleichtert und den Wohnungsmarkt in Bochum erheblich entlastet. Dadurch (und durch die ansonsten eher abnehmende Bevölkerung) sind wir trotz steigender Studentenzahlen zum Glück weit von Münsteraner oder Tübinger Verhältnissen entfernt. Und es gibt durchaus auch in Bochum Gegenden, die recht stark von Studenten geprägt sind. Ob die Architektur der RUB jemanden vom Rest der Stadt fernhält, müßte man untersuchen, ich halte es aber für unwahrscheinlich. Ich denke, die Studenten sind intelligent genug, sich selbst ein Bild von der Stadt zu machen und sich auch nicht vom Campus abschrecken zu lassen, wenn sie ihn tatsächlich häßlich finden sollten.
Hier hat sich meiner Ansicht nach der Architektur-Betrieb mal wieder selbst auf die Schulter geklopft, und alle noch so laut schreiende Kritik von allen Seiten ignoriert, weil man das damals für eine bahnbrechende Idee hielt, und man soll ja heute noch sehen, was damals Bahnen gebrochen hat. Auch, wenn man es mittlerweile besser wissen sollte.
Welche laut schreiende Kritik? Von wem? Was genau sollte man heute besser wissen? Ich kann mich hier nur wiederholen: Wenn Du etwas kritisieren willst, werde konkret! Nur dann kann man auch konkret darüber diskutieren. Deine völlige Ablehnung der Architektur des RUB-Campus ist in allen Deinen Beiträgen zum Thema mehr als deutlich geworden. Diese Meinung akzeptiere ich natürlich, auch wenn ich sie überhaupt nicht teile, aber es ist nicht besonders ergiebig, sie immer wieder mit denselben falschen, verdrehten, unbelegten oder undefinierten Behauptungen verbreiten zu wollen.
Wie Dir sicher nicht entgangen ist, sehe ich das anders.